A/N: Achtung! Ich habe die Anmerkung durch den ersten Teil dieses Kapitels ersetzt, d.h. Kapitel 25 (mit dem ursprünglichen Namen „Von Kochlöffeln und Diskuswerfern") wurde in zwei geteilt, weil das „bald geht's weiter" sonst alles durcheinander gebracht hätte ;) Also, zu erst Kap. 25 lesen.

Kapitel 26

und Diskuswerfern

Hermine schlug die Augen auf. Verschwommen nahm sie das leere Bett auf der anderen Seite des Raumes wahr. Ein Lächeln schlich sich auf ihre Lippen und unwillkürlich musste sie daran denken, was Lavender und Parvati wohl sagen würden, wenn sie wüssten, dass sie mit keinem Geringeren als Draco Malfoy in einem Bett lag. Wahrscheinlich so was wie „Und es ist wirklich nichts passiert!" Aber da fiel ihr ein, dass Lavender ja nicht mehr mit ihr sprach. Aus welchem Grund auch immer. Jedenfalls schien sie nur Ron verziehen zu haben. Hermine zuckte mit den Schultern und drehte sich um, in der Erwartung verstrubelte Blonde Haare vorzufinden.

Sie blinzelte. Draco war weg.

Hermine wischte sich vereinzelte Haarsträhnen aus dem Gesicht und richtete sich auf. Abgesehen von dem verknitterten Abdruck im Kopfkissen war keine Spur von Draco zu sehen. Unschlüssig blieb sie sitzen und ließ ihren Blick durch den Raum schweifen. Dann griff sie nach ihrem Wecker. 10 Uhr 23. Ein neuer Tag und sie wusste nichts mit ihm anzufangen. Hermine seufzte, krabbelte über das Bett und schaltete den Fernseher an.

Talkshow. Soap. Werbung. Soap. Talkshow. Schwarzweißfilm. Talkshow. Werbung. Draco.

„Morgen", sagte Hermine und sah zu, wie Draco, der bereits geduscht und angezogen war, seinen Koffer durch die Tür bugsierte und neben dem zweiten Bett abstellte.

„Ich dachte mir, wir sollten den Preis etwas senken", erklärte er mit einem schmalen Lächeln, setzte sich zu ihr aufs Bett und ließ sich einen Kuss geben.

„Ich fürchte, du bist zu spät für's Frühstü-" Er verstummte und starrte mit gerunzelter Stirn auf den Fernseher. „Was bei Merlin ist das?"

Hermine folgte seinem Blick und sah einen bulligen Mann, der in einem hautengen grünen Anzug steckte, sich leicht bückte, nach hinten sprang, sich umdrehte und mit einem markerschütternden Schrei einen Teller in die Luft schleuderte.

„Ist das ein Muggel?", fragte Draco verdutzt und sah zu wie besagter Muggel triumphierend die Faust in die Luft stieß. „Warum… warum… ist er verrückt?"

Hermine begann zu kichern. „Das ist Sport", brachte sie hervor, ehe sie angesichts von Dracos Miene laut anfing zu lachen

„Sport", wiederholte Draco ungläubig und beobachtete, wie ein weiterer Mann, diesmal in rot-weiß, seinen Teller in den Himmel warf.

„Pass auf", begann Hermine und atmete durch. „Das ist Leichtathletik. Was die da machen, nennt sich Diskuswerfen. Es geht darum, wer den Diskus am weitesten wirft."
Draco schnaubte.

„Oh, als ob mit Besen durch die Luft schlenkern so viel besser wäre! Der-"
"Hermine, die werfen mit Tellern. Tellern.", sagte Draco, als wäre das das idiotischste, von dem er je gehört hatte. Wo möglicherweise auch etwas drann war.

„Das sind keine Teller. Man nennt diese Scheiben D-i-s-k-u-s. Der Diskuswurf stammt aus der Antike. In Griechenland gab es schon um 700 vor Christus Diskuswettkämpfe. Sogar Homer-"

„Schon gut, schon gut", unterbrach Draco sie. „Die Muggel machen das also schon seit Jahrhunderten. Bemerkenswert. Und ich nehme an, das da haben die Ägypter schon vor 4000 Jahren gemacht?" Er deutete auf den Fernseher, wo ein großer Mann mit Lederhelm auf dem Kopf und einem meterlangen Stab in der Hand einfach drauflos rannte. Als der Sportler mit Hilfe des Stabes ganze sechs Meter übersprang, konnte Draco nicht umhin, anerkennend eine Augenbraue zu heben.

„Stabhochsprung. Nein, so alt ist diese Sportart noch nicht. Es gab zwar ähnliches bei den Griechen, aber genaueres weiß ich darüber nicht. Das da sind jedenfalls irgendwelche Leichtathletikmeisterschaften."

„Leichtathletik?"

„Dazu gehört neben Diskuswerfen auch Kugelstoßen, Hammer- und Speerwurf. Außerdem verschiedene Sprint- und Langlaufdisziplinen, Weit- und Hochsprung und so was."

Draco nickte wissend und lauschte dem aufgeregten Gerede des Reporters, als sich eine Frau anschickte, einen neuen Weltrekord zu springen.

Auf diese Weise verbrachten sie den Vormittag. Obwohl Hermine, hungrig wie sie war, gern runter gegangen und wäre um etwas zu Essen aufzutreiben, genoss sie jeden Augenblick. Draco, der sich kaum entscheiden konnte, ob die Muggel nun besonders clever oder außerordentlich bescheuert waren, gab sich, Hermine fiel kein anderes Wort ein: natürlich. Sie wusste, dass Kälte, Berechnung, auch Arroganz nicht ausschließlich Fassade, sondern Teil seiner Natur waren, aber ebenso verbargen sich Frohsinn, Heiterkeit und Leichtigkeit in ihm. Sie fühlte sich so unendlich glücklich, dass sie solche Seiten an einem Menschen, an diesem Menschen, entdeckt hatte, dass sie grinste wie ein Honigkuchenpferd.

- - -

An diesem Tag taten sie nichts weiter, als fernsehen und essen. Hermine hatte eigentlich nie viel für diese langweiligen Serien übrig gehabt, aber mit einem reinblütigen Zauberer neben sich, konnten sie doch recht unterhaltsam sein.

Die einzige Abwechslung an diesem ruhigen Tag war in Form von Ron irgendwann kurz vor dem Mittagessen in ihr Zimmer gekommen.

Wie, ihr teilt euch ein Zimmer?", fragte er bewegungslos.

„Wie? Ganz einfach: Genau wie bei dir und Harry. Zwei Personen, zwei Betten", erklärte Draco und sah amüsiert zu, wie Rons Blick von Hermines ungemachtem Bett, auf dem sie beide saßen, zu seinem nicht einmal angerührten Bett wanderte.

„Zwei Betten, ja?", fragte er misstrauisch.

„Soweit ich weiß, ja, zwei Betten. Oder siehst du ein drittes?"
"Und wie kommt es dann", sagte Ron langsam, und in dem Ton, mit dem ein Inspektor den Täter überführte, „dass das zweite Bett vollkommen unberührt ist?"

„Das", sagte Draco mit einem provozierenden Grinsen, „aberlasse ich deiner Fantasie."

Langsam lief Ron rot an, so, als würde man heißes Wasser in ihn hineingießen.

„Ron, hör zu", begann Hermine um die Situation zu entschärfen, „wir haben nur ferngesehen."
"Ferngesehen", wiederholte Ron trocken.

„Ja, ferngesehen. Nicht mehr und nicht weniger."

Ron sagte nichts, sondern drehte sich um und marschierte aus dem Raum.

Hermine sah Draco an, der schnell aufhörte zu grinsen.

„Musste das sein?", fragte sie streng.

„Was?"

„Tu bloß nicht so. Warum musst du ihn jedes Mal auf die Palme bringen?"

„Es ist nicht meine Schuld. Er muss ja nicht darauf eingehen…"
"Kannst du es nicht einfach sein lassen?", fragte Hermine hoffnungsvoll.

„Kommt darauf an", Dracos Mundwinkel zuckten, „was ich dafür kriege."

- - -

Am nächsten Tag schien Ron es besonders darauf anzulegen, Hermine und Draco im Auge zu behalten. Und so begaben sie sich nach dem Frühstück alle in Harrys und Rons Zimmer, wo die drei Jungs bald sogar ein Thema fanden, mit dem sie sich sogar mehr oder weniger friedlich beschäftigen konnten: Quidditch.

Während Hermine es sich mit einem Stapel Muggelzeitungen und bereits gelesenen Büchern über die Elemente auf Rons Bett bequem machte, saßen Harry, Ron und Draco um den kleinen Tisch herum, bewaffnet mit Feder und Pergament.

Draco legte, da er die sauberste Handschrift hatte, eine schier unendlich Tabelle mit der Überschrift „Nationale Quidditchliga" an. Die Tabelle enthielt jede einzelne Begegnung der Quidditchteams und genug Platz, damit alle drei ihre Ergebnisse eintragen konnten.

Hermine verdrehte die Augen. Sie schnappte nebenbei auf, dass derjenige, der mit seinen Tipps den tatsächlichen Ergebnissen später am nächsten lag, einen Satz Quidditchbälle bekam. Bälle! Wie konnte man um vier verdammte Bälle wetten!

Hin und wieder ertönte Gelächter von Ron und Draco. Meistens dann, wenn Harry, der die Teams ja nicht kannte, einen absolut unrealistischen Tipp abgab. Etwa so, als würde er behaupten, Colin Creevey würde Voldemort besiegen.

Jedenfalls schienen sie mit dieser Quidditchsache Stunden verbringen zu können, nicht zuletzt, weil sie Harry immer wieder Exkurse über die Vereinsgeschichte mancher Teams oder Taten einiger Superstars gaben. Solange Ron und Draco miteinander auskamen, war es Hermine ganz recht.

- - -

„Und, wie stehen deine Chancen?", fragte Hermine Draco, als sie am Abend ins Bett gingen.

„Chancen?", echote Draco mit fragend gewölbten Augenbrauen.

„Deine Chancen auf die ganzen… Bälle." Draco platzierte einen Kuss auf ihrer Schläfe.
"Hervorragend." Und auf ihrem Hals. „Obwohl ich mehr Schnatze besitze, als Ron je gesehen hat."

Er küsste ihre Lippen. „Aber Quidditch interessiert mich im Moment weniger."

Hermine zog ihn näher zu sich. „Es geschehen doch noch Zeichen und Wunder", seufzte sie gegen seine Lippen.

Sie erwiderte den Kuss, spürte seine schlanken Finger über ihre Arme, ihren Hals und ihre Seiten fahren. In ihren eigenen Fingerspitzen erwachte das Leben, sie strichen über die glatte Haut seines Nackens, seinen Rücken hinab über den dünnen schwarzen Stoff seines T-Shirts, tauchten unter den Saum und fuhren wieder über seinen Rücken nach oben. Dracos Lippen lösten sich von ihren und er entledigte sich seines T-Shirts.

Im dämmrigen Licht einer Straßenlaterne erschien seine Haut beinahe übernatürlich blass. Hermine fuhr mit der Hand über seine Schulter, seinen Oberkörper, nahm seinen Duft in sich auf und fragte sich, wie ein sterblicher Mensch so makellos sein konnte. Draco verteilte lauter Küsse auf ihrer Haut, kehrte wieder und wieder zu ihren Lippen zurück und begann mit einer Hand langsam den leichten Stoff ihres Nachthemds nach oben zu schieben. Ungekannte Empfindungen und Gefühle überkamen Hemine, als er das Nachthemd abstreifte. Sie sah ihm in die Augen, und er blickte mit solcher Intensität zurück, dass der pure Anblick ihr einen Schauer über den Rücken jagte. Erneut lehnte er sich vor, um sie zu küssen. Doch dann hielt er inne, musterte ihr Gesicht, ließ sein Blick über ihren Körper gleiten und richtete sich mit einem plötzlichen Ruck auf. Er rutschte von ihr weg und hielt ihr das Nachthemd hin.

Im selben Moment hörten sie ein lautes WUMM aus dem Nebenzimmer.

Und keine drei Sekunden später flog ihre Tür auf.

Rons schockierter Blick wanderte vom Nachthemd in Dracos Hand, über dessen nackten Oberkörper zu Hermine, die in Unterwäsche da saß und schützend die Arme um ihren Körper schlang.

A/N: Langsam nähern wir uns dem Finale… wie viele Kapitel es noch werden, kann ich nicht so genau sagen…