5. Zwischenspiel
Schlagartig war er wieder da.
Dunkelheit wich Licht, als seine künstlichen Augen die Arbeit wieder aufnahmen.
Geräusche drangen an sein Ohr, wurden von seinem zerebralen Corteximplantat zu Worten übersetzt.
Das Gefühl kehrte in seine Gliedmaßen zurück, als die größtenteils künstlichen Nervenenden stimuliert wurden.
Der Steuercomputer seiner kybernetischen Implantate und Prothesen checkte selbige durch, ermittelte Fehlerquellen und erstellte Diagnosen.
Demnach war er zu 100% einsatzbereit.
Der Raum, in dem er sich befand, war eine der Werkstätte unter dem ODIN-Hauptquartier, um genau zu sein handelte es sich um den Arbeitsplatz von Commander Nicklas Decker, der für die Computeranlage HEIMDALL zuständig war, welche die Einsätze der Agenten des Geheimdienstes koordinierte, Informationen miteinander abglich und Strategien vorschlug.
Er lag auf einem Tisch, über ihm befanden sich mehrere große Lampen.
Er wollte aufstehen, stellte aber fest, daß sein Körper nicht reagierte.
Das Diagnoseprogramm vermeldete, daß seine Gelenke immer noch blockiert waren, ebenso daß das PPOPHET-Schädelimplantat offenlag und mit dem ODIN-Hauptrechner verbunden war.
Zwei Gesichter tauchten in seinem Blickfeld, Commander Decker und Direktor Rabinowitz..
"Commander Larsen, können Sie mich verstehen?" fragte der Direktor.
Er versuchte, die Lippen zu bewegen. Sein künstlicher Kehlkopf formte rauh klingende Silben.
"Ja. Ich. Verstehe. Sie."
Rabinowitz wandte sich an Decker.
"Remodulieren Sie die Sprachausgabe."
"Schon dabei, Sir. - Versuchen Sie es noch einmal, Commander!"
Larsen versuchte zu schlucken, erinnerte sich im gleichen Augenblick, daß er längst keinen Speichel mehr besaß, daß sein künstlicher Sprachapparat dies nicht benötigte.
"Was ist geschehen?"
Diesesmal klang es besser, natürlicher. Noch lange nicht so wie seine eigene Stimme, wie seine Stimme vor dem Impact, aber das würde der künstliche Kehlkopf ohnehin niemals schaffen.
"Wir haben glücklicherweise Spenders falsches Spiel durchschaut. Sie können sich bei Commander Decker bedanken, er hat darauf bestanden, ihre Erinnerungsprotokolle abzurufen, so daß wir erfuhren, was wirklich gespielt worden war."
"Danke, Nick. Sie haben... meine Erinnerungen durchleuchtet?"
"Nur die relevanten, keine Sorge. Ich habe mich bemüht, um ihre Intimsphäre einen weiten Bogen zu machen."
"Wie..."
"HEIMDALL hat ihr Interface angezapft und darüber Zugriff auf ihr Gedächnis genommen."
"Was ist mit Spender? Konnten Sie ihn aufhalten?"
"Ja. Er ist tot", erklärte Rabinowitz. "Wir konnten ihn stoppen, ehe er HEIMDALLs Kommandocodes auf sich allein verschlüsseln konnte, er wurde auf der Flucht erschossen."
"Ah..."
"Im Nachherein muß ich sagen, daß er alles sehr raffiniert durchdacht hatte... aber er hat eben nicht mit Herrn Deckers Hartnäckigkeit gerechnet."
Der frühere MOSSAD-Leiter kratzte sich am Kinn.
"Warum kann ich mich nicht bewegen?"
"Das sind noch Auswirkungen der Notabschaltung. Ich wollte Sie erst aufwecken und sehen, wie Ihr Gehirn das ganze überstanden hat, bevor ich weiter am Corteximplantat herumbastele." meldete sich Nick Decker von außerhalb seines Blickfeldes.
"Ich glaube, ich bin in Ordnung. Wie lange war ich weg?"
"Fast zwei Wochen. Am Anfang sah es recht kritisch aus, aber wie es scheint, habe ich die Lebensversorgung der Hirnkapsel rechtzeitig wieder in Gang bekommen."
"Und mein Körper?"
"Ich sagte doch - ich arbeite daran."
Rabinowitz räusperte sich.
"Hören Sie, Commander, sobald Herr Decker Sie wieder auf die Beine gebracht hat, wartet ein neuer Auftrag auf Sie."
"Natürlich höre ich, kann ja schlecht weglaufen, oder?"
"Sie werden nach Japan reisen, nach Tokio-3. Dort werden Sie einen Brückenkopf errichten, von dem aus unsere Teams gegebenenfalls in das NERV-Hauptquartier eindringen können, sollte es die Situation erzwingen. Ich bin inzwischen auf dem Laufenden, was die Gruppe namens SEELE betrifft, und ich bin zu dem Schluß gekommen, daß wir sie nicht wirken lassen können, auch wenn ich skeptisch bin, was die Verwirklichbarkeit ihrer Ziele anbelangt. Wir sollten jedoch kein Risiko eingehen. Sie werden ferner nach Mittel und Wegen suchen, wie Sie in die sogenannte Geofront und das NERV-HQ allein eindringen können, um den Oberbefehlshaber, Gendo Ikari, zu eliminieren. Bezüglich letzterem werden Sie jedoch einen entsprechenden Befehl abwarten, der kommen wird, sobald wir erfahren, daß SEELE zur Ausführung ihres Planes schreitet. Wir rechnen damit, daß es soweit sein wird, sobald der letzte der Engel von NERV aufgehalten wurde."
"Verstanden. Ich werde Ihre Anweisungen ausführen, sobald ich dazu in der Lage bin."
"Gut, Commander."
"Geduld, Geduld", seufzte Decker. "Ich kann doch nicht zaubern... ein wenig wird´s noch dauern. Vor allem werde ich Ihre sensorische Wahrnehmung wieder abschalten müssen, wenn ich an Ihrem Corteximplantat arbeitete - und sicherheitshalber versetzte ich Sie wieder in einen künstlichen Tiefschlaf, möchte schließlich nicht, daß sie sich später daran erinnern, wie ich in Ihrem Kopf herumgewerkelt habe. - Wenn Doktor Naoko Akagi noch am Leben wäre, könnte sie das sicher schneller und besser erledigen."
"Sie machen mir richtig Mut, Commander Decker", murmelte Larsen. "Moment... was ist mit Asuka?"
Rabinowitz tauchte wieder in seinem Blickfeld auf.
"Sie wurde von NERV nach Japan beordert, eigentlich müßte sie innerhalb der nächsten Stunden dort eintreffen."
"So... ich hätte ihr gerne... aber wenn sie in Japan ist, werde ich sie sicher bald wiedersehen."
"Commander, ich weiß nicht, ob das so klug wäre. Es würde Ihren Einsatz unverhältnismäßig gefährden."
"Ja... ich verstehe... Und wie geht es meiner Frau?"
Der Direktor machte ein betretenes Gesicht.
"Sie ist vor einer Woche verstorben, ohne das Bewußtsein zurückerlangt zu haben. Es tut mir sehr leid."
Larsen schloß die Augen.
"Decker, würden Sie bitte... fangen Sie an."
"Ja, Commander Larsen."
Und er versank wieder in Dunkelheit.
*** NGE ***
Cedrick nickte mit unverhohlener Begeisterung.
"Das ist großartig, wirklich, sehr gut."
Sergej zuckte mit den Schultern.
"Hauptsächlich das Werk der MAGI, von mir stammte nur der Dialog. Die Bilder wurden von den moskoviter Rechnern hergestellt."
"Dennoch, ich bin immer wieder stark beeindruckt von den Möglichkeiten. Und er wird sich auch an diese Bilder erinnern?"
"Sobald er aufwacht, genau. Ebenso wie das Attentat auf Sie Teil seiner Erinnerungen sein wird. Er wird nicht versuchen, mit dem Hauptquartier Kontakt aufzunehmen, er wird auch nicht bei seiner Frau anrufen wollen... er wird nur auf den Befehl warten, diesen Ikari zu töten, schließlich wurde er dazu ja gewisserweise geschaffen."
"Gut. Wenn Ikari sich wirklich von SEELE abwenden sollte, wie einige von uns befürchten, unterzeichnet er damit sein Todesurteil..."
Schlagartig war er wieder da.
Dunkelheit wich Licht, als seine künstlichen Augen die Arbeit wieder aufnahmen.
Geräusche drangen an sein Ohr, wurden von seinem zerebralen Corteximplantat zu Worten übersetzt.
Das Gefühl kehrte in seine Gliedmaßen zurück, als die größtenteils künstlichen Nervenenden stimuliert wurden.
Der Steuercomputer seiner kybernetischen Implantate und Prothesen checkte selbige durch, ermittelte Fehlerquellen und erstellte Diagnosen.
Demnach war er zu 100% einsatzbereit.
Der Raum, in dem er sich befand, war eine der Werkstätte unter dem ODIN-Hauptquartier, um genau zu sein handelte es sich um den Arbeitsplatz von Commander Nicklas Decker, der für die Computeranlage HEIMDALL zuständig war, welche die Einsätze der Agenten des Geheimdienstes koordinierte, Informationen miteinander abglich und Strategien vorschlug.
Er lag auf einem Tisch, über ihm befanden sich mehrere große Lampen.
Er wollte aufstehen, stellte aber fest, daß sein Körper nicht reagierte.
Das Diagnoseprogramm vermeldete, daß seine Gelenke immer noch blockiert waren, ebenso daß das PPOPHET-Schädelimplantat offenlag und mit dem ODIN-Hauptrechner verbunden war.
Zwei Gesichter tauchten in seinem Blickfeld, Commander Decker und Direktor Rabinowitz..
"Commander Larsen, können Sie mich verstehen?" fragte der Direktor.
Er versuchte, die Lippen zu bewegen. Sein künstlicher Kehlkopf formte rauh klingende Silben.
"Ja. Ich. Verstehe. Sie."
Rabinowitz wandte sich an Decker.
"Remodulieren Sie die Sprachausgabe."
"Schon dabei, Sir. - Versuchen Sie es noch einmal, Commander!"
Larsen versuchte zu schlucken, erinnerte sich im gleichen Augenblick, daß er längst keinen Speichel mehr besaß, daß sein künstlicher Sprachapparat dies nicht benötigte.
"Was ist geschehen?"
Diesesmal klang es besser, natürlicher. Noch lange nicht so wie seine eigene Stimme, wie seine Stimme vor dem Impact, aber das würde der künstliche Kehlkopf ohnehin niemals schaffen.
"Wir haben glücklicherweise Spenders falsches Spiel durchschaut. Sie können sich bei Commander Decker bedanken, er hat darauf bestanden, ihre Erinnerungsprotokolle abzurufen, so daß wir erfuhren, was wirklich gespielt worden war."
"Danke, Nick. Sie haben... meine Erinnerungen durchleuchtet?"
"Nur die relevanten, keine Sorge. Ich habe mich bemüht, um ihre Intimsphäre einen weiten Bogen zu machen."
"Wie..."
"HEIMDALL hat ihr Interface angezapft und darüber Zugriff auf ihr Gedächnis genommen."
"Was ist mit Spender? Konnten Sie ihn aufhalten?"
"Ja. Er ist tot", erklärte Rabinowitz. "Wir konnten ihn stoppen, ehe er HEIMDALLs Kommandocodes auf sich allein verschlüsseln konnte, er wurde auf der Flucht erschossen."
"Ah..."
"Im Nachherein muß ich sagen, daß er alles sehr raffiniert durchdacht hatte... aber er hat eben nicht mit Herrn Deckers Hartnäckigkeit gerechnet."
Der frühere MOSSAD-Leiter kratzte sich am Kinn.
"Warum kann ich mich nicht bewegen?"
"Das sind noch Auswirkungen der Notabschaltung. Ich wollte Sie erst aufwecken und sehen, wie Ihr Gehirn das ganze überstanden hat, bevor ich weiter am Corteximplantat herumbastele." meldete sich Nick Decker von außerhalb seines Blickfeldes.
"Ich glaube, ich bin in Ordnung. Wie lange war ich weg?"
"Fast zwei Wochen. Am Anfang sah es recht kritisch aus, aber wie es scheint, habe ich die Lebensversorgung der Hirnkapsel rechtzeitig wieder in Gang bekommen."
"Und mein Körper?"
"Ich sagte doch - ich arbeite daran."
Rabinowitz räusperte sich.
"Hören Sie, Commander, sobald Herr Decker Sie wieder auf die Beine gebracht hat, wartet ein neuer Auftrag auf Sie."
"Natürlich höre ich, kann ja schlecht weglaufen, oder?"
"Sie werden nach Japan reisen, nach Tokio-3. Dort werden Sie einen Brückenkopf errichten, von dem aus unsere Teams gegebenenfalls in das NERV-Hauptquartier eindringen können, sollte es die Situation erzwingen. Ich bin inzwischen auf dem Laufenden, was die Gruppe namens SEELE betrifft, und ich bin zu dem Schluß gekommen, daß wir sie nicht wirken lassen können, auch wenn ich skeptisch bin, was die Verwirklichbarkeit ihrer Ziele anbelangt. Wir sollten jedoch kein Risiko eingehen. Sie werden ferner nach Mittel und Wegen suchen, wie Sie in die sogenannte Geofront und das NERV-HQ allein eindringen können, um den Oberbefehlshaber, Gendo Ikari, zu eliminieren. Bezüglich letzterem werden Sie jedoch einen entsprechenden Befehl abwarten, der kommen wird, sobald wir erfahren, daß SEELE zur Ausführung ihres Planes schreitet. Wir rechnen damit, daß es soweit sein wird, sobald der letzte der Engel von NERV aufgehalten wurde."
"Verstanden. Ich werde Ihre Anweisungen ausführen, sobald ich dazu in der Lage bin."
"Gut, Commander."
"Geduld, Geduld", seufzte Decker. "Ich kann doch nicht zaubern... ein wenig wird´s noch dauern. Vor allem werde ich Ihre sensorische Wahrnehmung wieder abschalten müssen, wenn ich an Ihrem Corteximplantat arbeitete - und sicherheitshalber versetzte ich Sie wieder in einen künstlichen Tiefschlaf, möchte schließlich nicht, daß sie sich später daran erinnern, wie ich in Ihrem Kopf herumgewerkelt habe. - Wenn Doktor Naoko Akagi noch am Leben wäre, könnte sie das sicher schneller und besser erledigen."
"Sie machen mir richtig Mut, Commander Decker", murmelte Larsen. "Moment... was ist mit Asuka?"
Rabinowitz tauchte wieder in seinem Blickfeld auf.
"Sie wurde von NERV nach Japan beordert, eigentlich müßte sie innerhalb der nächsten Stunden dort eintreffen."
"So... ich hätte ihr gerne... aber wenn sie in Japan ist, werde ich sie sicher bald wiedersehen."
"Commander, ich weiß nicht, ob das so klug wäre. Es würde Ihren Einsatz unverhältnismäßig gefährden."
"Ja... ich verstehe... Und wie geht es meiner Frau?"
Der Direktor machte ein betretenes Gesicht.
"Sie ist vor einer Woche verstorben, ohne das Bewußtsein zurückerlangt zu haben. Es tut mir sehr leid."
Larsen schloß die Augen.
"Decker, würden Sie bitte... fangen Sie an."
"Ja, Commander Larsen."
Und er versank wieder in Dunkelheit.
*** NGE ***
Cedrick nickte mit unverhohlener Begeisterung.
"Das ist großartig, wirklich, sehr gut."
Sergej zuckte mit den Schultern.
"Hauptsächlich das Werk der MAGI, von mir stammte nur der Dialog. Die Bilder wurden von den moskoviter Rechnern hergestellt."
"Dennoch, ich bin immer wieder stark beeindruckt von den Möglichkeiten. Und er wird sich auch an diese Bilder erinnern?"
"Sobald er aufwacht, genau. Ebenso wie das Attentat auf Sie Teil seiner Erinnerungen sein wird. Er wird nicht versuchen, mit dem Hauptquartier Kontakt aufzunehmen, er wird auch nicht bei seiner Frau anrufen wollen... er wird nur auf den Befehl warten, diesen Ikari zu töten, schließlich wurde er dazu ja gewisserweise geschaffen."
"Gut. Wenn Ikari sich wirklich von SEELE abwenden sollte, wie einige von uns befürchten, unterzeichnet er damit sein Todesurteil..."
