Nach dem Essen bat Weihnachtsmann mich auf ihn zu warten, weil er mich kurz privat sprechen wollte. Während ich also brav am Ausgang stehen blieb, hörte ich Miesepeter im Vorbeigehen leise grollen „Dafür werden Sie bezahlen!"

- Yep, Kerl, mach mal und lass Dir gesagt sein, ich laufe gerade erst warm!-

Als ich später im Direktionsbüro saß, begann Dumbledore sofort mit seiner Rede. „Ich habe heute früh leider mit ansehen müssen, dass Sie durchaus Grund haben, sich bei mir wegen Professor Snape zu beschweren. Die Probleme, in die er sie bezüglich Malfoy hinein manövriert hat, stehen selbstverständlich außerhalb jeglicher Diskussion. Seien Sie aber gewiss, dass er keinerlei böse Absicht hatte, er wollte Sie nur zu etwas mehr Vorsicht gemahnen. Leider greift er manchmal zu etwas, sagen wir, drastischen Methoden, um seinen Standpunkt zu erklären."

- Drastisch. Aha, jemanden ans Messer liefern ist also drastisch, das wäre ich wirklich nicht drauf gekommen, ich nenne das tödlich, dumm und absolut unnötig! Aber er ist ja auch Dein „lieber Junge", der hat das ja niemals nicht böse gemeint! Alter Mann, Du leidest unter Verkalkung! -

- Der jongliert mit Deinem Leben und will dadurch nur helfen? Och nö, wie lieb von ihm *grrr* So kann man das natürlich auch sehen. -

„Ich habe ihn natürlich dementsprechend darauf hingewiesen, dass er solche riskanten Situationen in Zukunft nicht mehr forciert und Sie in Ruhe lassen soll. Sie brauchen sich in dieser Beziehung also keine weiteren Sorgen zu machen."

- O.k. und wieso habe ich den Eindruck jetzt kommt noch was, was mir nicht gefällt? -

„Was die andere Sache zwischen Ihnen betrifft…"

„Welche andere Sache?" unterbrach ich rüde. „Es gibt keine ANDERE SACHE zwischen ihm und mir."

Dumbledore sah mich an, als sei ich leicht unterbelichtet und fuhr unbeeindruckt fort: „Nun, wie immer Sie das sehen mögen, ich wollte Ihnen nur sagen, dass ich mich da nicht einmischen werde. Das Problem müsst ihr schon selber klären."

- Häh? Wie? Was klären? Was soll denn das heißen? Glaubt der etwa wirklich, ich wäre die Nacht mit Miesepeter verbracht? -

„Ich glaube, ich verstehe nicht..." begann ich, aber Weihnachtsmann unterbrach mich einfach und laberte weiter.

„Wie Sie mir eben bewiesen haben, haben auch Sie sich mittlerweile eine Strategie zurecht gelegt. Ich weiß nicht, ob Sie damit Erfolg haben werden, aber es hat mich ehrlich gesagt trotzdem belustigt. Ich möchte Sie nur bitten sich, wenn Sie sich unter den Schülern bewegen, etwas…nun ja, wie soll ich sagen…konservativer und weniger – ähm - provokant zu kleiden. Sie nehmen es mir hoffentlich nicht übel, aber Sie wissen selber, die Jugendlichen sind teilweise in der Pubertät und somit…" Ich spürte wie ich rot wurde.

Charlie, der will nicht, dass Du vor den Kinder auf Porno machst! Du hast vor lauter Rachsucht das jugendliche Publikum vergessen! Hoffe nur, der hält Dich jetzt nicht wirklich für die Schlampe des Schlosses! -

„Entschuldigen Sie, Sir," haspelte ich mit rotem Kopf los. „Ich verstehe Sie durchaus und habe darüber ehrlich gesagt nicht nachgedacht. Ich werde mich gleich wieder umziehen gehen."

Er nickte und ich stand auf um mein Versprechen einzulösen. „Was Sie in Ihrer Freizeit und außerhalb der Halle tragen, ist natürlich Ihnen überlassen! Ach, noch etwas, kennen Sie den Spruch Kinder und Betrunkene sagen immer die Wahrheit?" rief er mir noch nach und gab mir somit doch einen halben Freifahrtschein für meine neue Strategie und ein riesiges Fragezeichen mit.

Meine Geschichtsstunde war in Absprache mit Weihnachtsmann zugunsten der Nachhilfe für Draco gestrichen worden. Und als ich mich beim Abendbrottisch wieder einfand, erschien ein stummer Miesepeter, der allem Anschein nach Waffenstillstand mit mir geschlossen hatte. Obwohl ich dem Frieden nicht traute, empfand ich es doch ganz entspannend, einmal ein Essen in aller Ruhe genießen zu können, auch wenn ich den üblen Verdacht hatte, dass Ätzend & Nervig nur seinen nächsten Schlag vorbereitete.

Als ich nach dem Abendessen zu meiner üblichen Märchenstunde trabte, in der ich nun mein letztes Wissen preisgeben würde, musste ich die letzten Meter mit Gouvernantchen zurück legen, die sich wortkarg gab und mich von der Seite nur streng von oben bis unten musterte. Bei der war ich nach der Nummer beim Mittagessen wohl unten durch.

Die Märchenstunde verlief friedlich und war auch ziemlich kurz. Als ich aufbrechen wollte, teilte Weihnachtsmann mir mit, dass die Angestellten sich einmal im Monat in zwangloser Runde bei einem Glas Wein zusammensetzten. Dieser Abend sei heute und ich würde auch erwartet. Zuvor habe mir aber Snape noch etwas unter vier Augen mitzuteilen. Bei diesem Satz warf er einen sehr ernsten Blick auf Miesepeter, während er zu mir meinte: „Sie kommen dann gleich nach, in Ordnung?" Ich nickte ergeben und sah ihm und Minerva schon fast verzweifelt hinterher, als sie das Büro verließen. Ich hatte nicht die geringste Lust mit Griesgram alleine in der Höhle des Löwen zurück zu bleiben.

„Also, was gibt es?" Ich beschloss den Stier bei den Hörnern zu packen und drehte mich mit dieser Frage zu Miesepeter um. Der saß aber nicht mehr in seinem Schreibtischstuhl, sondern stand mit einem Glas Wein neben mir ,und sagte: „Professor Dumbledore ist der Meinung, dass ihre erzwungene Kooperation mit Malfoy übertrieben war. Ich wollte Sie nicht über Gebühr strapazieren, da Sie ja ohnehin nicht allzu belastbar sind."

- Was soll das denn jetzt? Soll das eine Art Entschuldigung sein? Sowas habe ich aber schon mal glaubhafter serviert bekommen! –

Ich wusste es wirklich nicht zu deuten und so fragte ich nach: "Soll ich das als Entschuldigung ansehen, dass Sie mich beinahe in Teufels Küche gebracht haben?" Er nickte und antwortete: „Ja, und ich hoffe Sie trinken einen Schluck Wein mit mir, als kleine Geste der Vergebung?" Er lächelte harmlos und in meinem Inneren ging direkt wieder der Alarm los.

- Das ist nicht harmlos, das ist ein fast wölfisches Grinsen. Vorsicht! - Mein Selbsterhaltungstrieb hatte schon wieder Alarmstufe Rot ausgerufen.

Leider hatte Weihnachtsmann mich in die Zwickmühle gebracht. Miesepeter hatte sich eine Entschuldigung, oder zumindest etwas, das in diese Richtung gedeutet werden könnte, abgerungen. Wenn ich nun nicht akzeptierte, hatte ich mal wieder den schwarzen Peter. Also machte ich gute Miene zum bösen Spiel, nickte mit säuerlichem Gesicht, nahm das Glas und trank einen Schluck des widerlichen Gesöffs, das der Typ Wein nannte.

Er nickte mir freundlich zu und forderte mich auf: "Dann kommen Sie, wir werden uns dem monatlichen Grauen anschließen."

Das „Grauen" fand in einem kleinen Raum statt, der mit einer gemütlichen Sitzgruppe ausgestattet war und wo die meisten Angestellten bereits zwanglos im Gespräch waren. Ich hockte mich neben Sybill, die mir auch sofort ein Glas in die Hand drückte und mir zuzwinkerte. „Unser übliches Team-Besäufnis, von oben angeordnet, um zu demonstrieren, wie lieb wir uns alle haben." Flüsterte sie mir leise zu und ich musste lachen.

Leider hatte Minerva sich uns gegenüber niedergelassen, und nach dem zweiten Glas brach ihre Neugier durch und sie fragte mich „Charlie, Haben Sie wirklich mit IHM" – sie deutete mit dem Kinn in eine andere Ecke des Raumes „die Nacht verbracht?"

- Scheiße, die fragt im Ernst nach? Sybill hatte Recht, Gouvernantchen ist extrem neugierig. –

„Ja, auf dem Sofa." Hörte ich mich brav antworten.

- Ups! Was war das denn? -

- Waaaah! Erst denken, dann blubbern, bist Du irre? Was machst Du denn? –

Minervas Blick wurde eisiger und aus besagter Ecke hörte ich: „Minerva, ich kann nichts dafür. Sie hat sich mir förmlich an den Hals geworfen und angeboten." Mein Kopf ruckte nach links, ich glaubte nicht, was Miesepeter da von sich gab. Hatte der noch alle Kerzen am Kronleuchter?

„Sie haben sich ihm ANGEBOTEN?" Gouvernantchen Stimme schoss eine Oktave höher, sie war entsetzt. „Wie bitte kommen Sie denn dazu?"

„Ich war besoffen und er sah grad sexy aus."

- FRAU LEVEN! Bist Du nun komplett wahnsinnig geworden? – Was zum Geier quatschst Du denn da? –

- Ich hab keine Ahnung, ehrlich. Ist so rausgerutscht! Sorry, ich weiß auch nicht, Scheiße! –

Miesepeter gab ein Hustengeräusch von sich, das mich schwer an unterdrücktes Lachen erinnerte, und stichelte dann weiter. „Stell Dir nur vor, Minerva, sie wäre nicht mir begegnet, sondern sagen wir z. B. Lucius Malfoy. Charlie, wären Sie ihn auch angesprungen?"

Es konnte nicht mit rechten Dingen zugehen, dies wurde mir klar, dass ich gerade laut und deutlich von mir gab: „Hätte sein können, der sieht doch auch zu geil aus."

Während Minerva fast die Augen aus dem Kopf fielen und sie, hektisch nach Luft schnappend, „Was?" und „Albus, so sag doch etwas" von sich gab, kam Weihnachtsmann rasch auf mich zu, zerrte mich vom Sofa hoch, sah mich wie ein unbekanntes Insekt an und schleppte mich aus dem Raum.