Moin!

Bevor ich müde ins Bettchen falle, lass ich euch das nächste Kapitel da. Im Vergleich zum Vorherigen wird dieses hier aber eher unspektakulär daher kommen, empfinde ich zumindest so. ^^
Ansonsten war es wie immer: ich-Schreiberling, Federline-Beta.

Viele liebe Grüße!
Eure SiamKitty


26. Der Duft von Tee und Salzwasser

Noch wie betäubt saß er am Küchentisch in dem kleinen Häuschen. Das Rauschen der Wellen war von Draußen zu hören. Doch Harry nahm das Geräusch gar nicht wahr. Mit leerem Blick starrte er auf die Tasse Tee, die Fleur ihn eben vor die Nase gestellt hatte. "Lass ihn nicht kalt werden", sagte sie noch zu ihm mit diesem charmanten französischen Akzent, bevor sie ins obere Stockwerk verschwand um sich um Mr Olivander zu kümmern. Bill brachte gerade Luna und Dean an einen sicheren Ort und Ron versorgte im Nebenzimmer Hermiones Arm.

Und Harry ... er hatte vor ein paar Stunden Dobby im Garten begraben. Der tapfere Hauself hatte sie gerettet und mit dem Leben dafür bezahlt. Es war das Messer von Bellatrix Lestrange, welches ihm zum Verhängnis wurde. Das gleiche Messer, mit dem diese Irre auch Hermiones Arm aufgeschlitzt hatte. Das Gefühl der Traurigkeit war in diesem Moment beinahe übermächtig und überschattete alles. Harry konnte nicht weinen, an nichts mehr denken. An nichts, abgesehen von der Schuld, die sich Stück für Stück in ihm breitmachte. Dobby hatte ihm mehr als einmal aus der Patsche geholfen oder es zumindest versucht und hatte auch sonst stets zu Harry gestanden. Aber vor allem war dieser kleine Kerl immer sein Freund gewesen und wenn er etwas am wenigsten verdient hatte, dann auf diese furchtbare Art und Weise zu sterben.

Abwesend drehte er den Weißdornstab in seinen noch von Erde schmutzigen Händen und starrte weiter auf den Dampf, der aus der Teetasse emporstieg. Die Tür rechts von ihm knarzte als sie langsam und vorsichtig aufgemacht wurde. Harry musste nicht aufsehen um zu wissen, dass Ron gerade das Zimmer betreten hatte. Mit für ihn so typisch schlurfenden Schritten trat er direkt vor Harry. Indes starrte dieser angestrengt auf das kleine Loch in Rons linker Socke. Mrs Weasley hatte schon etliche Kleidungsstücke für ihre sieben Kinder selbst gestrickt und auch diese Wollstrümpfe mit dem bunten Ringelmuster an Rons Füßen waren eindeutig ihr Werk.

Harry wagte es irgendwie nicht aufzusehen. Ein paar Minuten stand Ron einfach nur vor ihm, ehe er sich einen Stuhl heranzog und sich direkt gegenüber von ihm hinsetze. Erst jetzt legte Harry den Zauberstab neben die immer noch unangetastete Teetasse auf den Tisch und sah auf.

Der Blick, der ihn seitens Ron traf, hätte eisiger nicht sein können. Noch nie hat ihn der jüngste Weasley-Sohn und bester Freund so angeschaut, so voller Zorn und Unverständnis.

Harry schluckte einmal schwer und fragte: "Wie geht es Hermione? Wird sie wieder?"

Wieder ein Moment Schweigen bis Ron antwortete: "Sie schläft."

Danach, absolute Stille. Die Wellen rauschten, die Küchenuhr tickte und Ron rührte sich keinen Millimeter, sondern starrte Harry weiter an. "Ich warte!", sagte er plötzlich in gefährlich ruhigem Ton. Ja, es war soweit. Harry schuldete ihm eine Erklärung. Er hoffte nur, dass er nach seinem Geständnis nicht einen Freund weniger hatte.

"Du hast jedes Recht so sauer auf mich zu sein und ich werde dir auch alles erzählen, aber eins musst du mir versprechen", begann Harry.

In Erwiderung zog Ron nur die Augenbrauen zusammen und sah damit noch wütender aus.

"Lass mich aussprechen. Keine Unterbrechung, bis ich fertig bin. In Ordnung?"

Ein ruckartiges Nicken war die Antwort und Harry legte los. Er begann damit, wie er Draco mit dem Sectumsempra lebensgefährlich verletzte, machte weiter mit ihrem Gespräch im Krankenflügen am nächsten Morgen, erzählte, wie Draco ihm in der Eulerei das Buch gab. Wirklich jede wichtige Begebenheit kam zur Sprache, nichts ließ er aus. Er wollte auch nichts mehr verschweigen, hatte endgültig genug von dem ganzen Versteckspiel.

"... Weißt du, er hat mir immer geraten vorsichtig zu sein. Die ganze Zeit war er bei mir, irgendwie ... und anfangs war es nur ein Kribbeln und inzwischen, ich denke ich bin wirklich verliebt in ihn. Ich hab keine Ahnung, es ist einfach so passiert."

Hilflos sah er Ron an und hoffte inständig, dass dieser ihn nicht hassen würde. Harry hatte ihm so viel verschwiegen und eigentlich hätte er das mit Draco von Anfang an erzählen müssen. Doch er konnte es nicht, er hatte Angst vor der Reaktion und war sich selbst so unsicher. Was Draco betraf entwickelte sich diese tiefe Zuneigung Stück für Stück und irgendwann war es einfach zu spät. Er wusste nicht, wie er es Ron und Hermione hätte erzählen können, ohne dass es einen Eklat sondergleichen gegeben hätte.

"Harry, ehrlich. Ich weiß beim besten Willen nicht, wie ich damit umgehen soll", erwiderte Ron endlich. "Ich meine, das ist Malfoy! Draco Malfoy! Dieses widerliche, fiese Frettchen, das uns immer das Leben schwer gemacht hat und jetzt soll ich meine Meinung über ihn von der einen auf die andere Sekunde ändern? Sorry, aber ich kann einfach noch nicht glauben, dass der selbe Kerl, der sich das Dunkle Mal hat in den Arm brennen lassen und versucht hat Dumbledore zu töten, auf einmal einer von uns sein soll."

"Menschen können sich ändern und oftmals ist es doch so, dass die Dinge nicht so sind wie sie scheinen", sagte Harry vorsichtig hinterher. Ron schien nicht mehr so verärgert wie noch vor ein paar Stunden. Jedoch war er noch längst nicht überzeugt.

"Ja, zum Beispiel, dass mein bester Freund auf einmal schwul ist und mit dem Feind rumknutscht. Ich kann das immer noch nicht fassen. Die ganze Zeit hoffe ich, dass mich jemand kneift und ich aufwache und alles ist wie früher. Malfoy ist ein Todesser, Ginny in dich verknallt und wir jagen weiter stur den Horcruxen hinterher. Wenn wir damit fertig sind, besiegst du dann schnell noch Du-weißt schon-wen und wir können alle unversehrt zu Normalität zurückkehren. Jeder ist glücklich und alles ist wieder so wie früher."

Ein leichtes Schmunzeln huschte Harry über die Lippen. Doch sein Blick wurde traurig, der Ton melancholisch. "Es wird nie wieder so sein wie früher."

Auch Ron schaute wieder betrübt drein. Erschöpft rieb er sich die Augen und stand schließlich von seinem Platz auf.

"Wo willst du hin?", fragte Harry besorgt.

"Ich muss nachdenken. Bin drüben bei Hermione und ... naja, falls jemand nach mir fragt."

"Okay", flüsterte Harry.

"Tu mir nur einen Gefallen, Kumpel. Frag erst mal Mr Ollivander, ob du Malfoys Zauberstab einfach so verwenden kannst. Du weißt schon, sicher ist sicher", murmelte Ron fast so leise, dass es kaum zu verstehen war und schlich nach nebenan ins Wohnzimmer.

Derweil griff Harry nach der Teetasse. Kalt schmeckte dieser jedoch absolut widerlich und nachdem der Schluck, den er ganz abwesend genommen hatte, hinunter gewürgt war, holte Harry Dracos Stab hervor und wärmte den restlichen Tee wieder auf. "Geht doch super", sagte er leise und griente vor sich hin. Manchmal war Magie unheimlich praktisch.

Hinterm Haus gab es eine kleine Bank, von der aus man einen Blick aufs Meer hatte. Harry zog seinen Umhang näher um sich und schnappte sich die Tasse und setzte sich auf eben dieses Bänkchen. Nachdenklich schaute er hinaus auf die Wellen. Dieser Ort hatte wirklich etwas Friedliches. Hier würden sie sich sammeln und auf den nächsten Schritt vorbereiten können. Das heißt, wenn Ron und Hermione noch weiterhin zu ihm halten würden. Ein wenig hatte Harry davor Angst, dass er sich entscheiden müsste zwischen den beiden und Draco. Konnte er doch einpacken, würde nur einer von den Dreien das Weite suchen.

Lächelnd steckte er den Weißdornstab weg, mit dem es sich absolut natürlich anfühlte zu zaubern und trank einen Schluck von dem nun wieder warmen, wohlschmeckendem Tee. Auch wenn das Gespräch mit Ron noch zu keinem Ergebnis geführt hatte, war es gut endlich alles mit ihm besprochen zu haben. Nun musste er sich zumindest vor seinen Freunden nicht mehr verstecken.

So zog Harry das Buch hervor, schlug es auf und las auch schon eine Nachricht von Draco.

"Weasley sollte diesen Muggelsport machen, wo sie sich gegenseitig so lange schlagen, bis einer außer Gefecht gesetzt ist. Er wäre darin Weltmeister."

Er musste unwillkürlich lächeln.

"Du hast mich geküsst", schrieb er schlicht und ergreifend.

"Naja, genau genommen hast du mich geküsst und ich fand es sehr schön."

Harrys Lächeln wurde noch breiter. Schon länger war er in Draco verliebt gewesen und hatte es vor allen anderen geheim gehalten und auch einige Zeit vor sich selbst verleugnet. Das hier, dieser Kuss und dass Draco seine Gefühle zu erwidern schien, war wie ein Befreiungsschlag. Keine Heimlichkeiten mehr, kein Aufpassen was er wie ins Büchlein schreibt und wie Draco das eventuell auffassen könnte, kein unter Kontrolle halten seiner Mimik, damit Ron und Hermione bloß nichts merken. Das alles war seit heute vorbei.

"Egal, wir haben uns geküsst und ich bereue es keine Sekunde lang. Ab jetzt muss ich mich nicht mehr zurückhalten und kann zum Beispiel frei heraus fragen, ob es dir auch gut geht."

Während Harry auf Dracos Antwort wartete, sah er einer kleinen Gruppe Möwen dabei zu, wie sie lautstark versuchten eine quer über den Sand laufende Krabbe zu fangen. Die eine zwickte das flüchtende Krebstier, worauf sie die Scheren zu spüren bekam und anschließend zeterte als gäbe es keinen Morgen mehr. So einfach ließ sich die resolute Krabbe nicht von den sie umkreisenden Möwen kleinkriegen. Im Tierreich überlebten halt nur die Starken und Cleveren. Harry dachte daran, dass das in seiner Welt momentan nicht anders war.

Doch bevor ihn die Schwermut ganz ergriff, gönnte er sich lieber noch einen Schluck Tee und bemerkte glücklich die auftauchenden Buchstaben im Buch.

"Mir geht es gut. Ich bin wohlbehalten in meinem Bett aufgewacht und nicht unten im Kerker. Meine Tante hält mich für einen Waschlappen und Totalversager. Vater hat sich irgendwohin verzogen und Mutter guckt ab und an bei mir rein. Also, ist alles soweit in Ordnung. Du musst mich auch nicht aufklären. Ich weiß, dass Pettigrew tot ist und ihr mit Hilfe des Hauselfen fliehen konntet, den du damals aus unserer Obhut befreit hattest. Ich hoffe eher euch geht es allen gut."

Schwer atmete Harry durch und vermied es zu Dobbys frischer Grabstelle zu gucken. Stattdessen stellte er die Teetasse auf einem nahestehenden Baumstumpf ab und schrieb:

"Besagter Hauself, Dobby hieß er übrigens, hat es nicht geschafft. Deine Tante hat das Messer nach uns geworfen und es landete in Dobbys Brust, noch bevor wir wegappariert waren. Und bitte, sag jetzt nicht so etwas wie, er war doch nur ein Hauself. Ich weiß, du hältst nicht viel von Hauselfen. Er war mein Freund und hat mir so oft geholfen und beigestanden."

Er schloss die Augen und versuchte das Bild von Dobby, der sterbend in seinen Armen liegt, zu verdrängen.

"Harry, bitte. Ich würde niemals deine Freunde diskreditieren und auch über Hauselfen denke ich nicht so schlecht, wie du es dir vorstellst. Weißt du, ich besitze selbst eine Hauselfe und sie ist damals entstanden, weil Vater Dobby und einer anderen Elfe befohlen hatte sich zu vermehren. Das Resultat war Jeena, heute meine persönliche Hauselfe, die auch weiterhin an meiner Seite bleiben wird. Sozusagen lebt dein Elfenfreund in seiner Tochter weiter."

Ungläubig blinzelte Harry die Buchstaben an. Dobby hatte ein Kind und nie von ihr gesprochen? Wusste er überhaupt, dass er eine Tochter hatte und diese weiterhin bei den Malfoys arbeiten musste?

"Wieso hast du mir das nie erzählt?!", schrieb er zurück.

"Nun ja, es kam nie zur Sprache. Außerdem pflegen Elfeneltern nicht so ein inniges Verhältnis zu ihrem Nachwuchs. Sie sind ganz anders gestrickt als wir. Aber nun weißt du es und vielleicht tröstet es dich ein wenig um den Verlust von Dobby hinweg."

Irgendwie konnte Harry es nicht glauben. Dobby hatte eine Tochter und sie war, anders als ihr Vater, noch im Besitz eines Zauberers. Hätte Dobby das gewollt? Sein Bauch sagte ihm Nein. Deshalb forderte er ganz spontan: "Lass sie frei! Ihr Vater war ein freier Elf und sehr stolz drauf. Ihr sollte das ebenfalls vergönnt sein."

"Ich bin nicht sicher, ob Jeena das möchte. Nicht jeder Hauself will die Freiheit. Eigentlich, soweit ich das bis jetzt mitbekommen habe, sind freie Elfen in ihrer Kultur nicht besonders angesehen. Aber dieses Thema sollten wir vertagen. Es wäre jetzt reichlich merkwürdig und auch verdächtig, wenn ich meine Hauselfe entlasse."

Draco hatte Recht, das Thema sollten sie verschieben. Es war auch nur so eine Idee gewesen von Harry. Doch er würde gerne so bald wie möglich mit Dobbys Tochter sprechen wollen. Etwas anderes lag ihm jedoch viel schwerer im Magen.

"Ja, ist in Ordnung. Aber da ist eine andere Sache, die mir auf der Seele brennt. Ich habe Ron alles erzählt, also das mit uns, seit dem Vorfall im Klo der Mauenden Myrte ... Du weißt schon. Sei nicht sauer, weil ich es ihm einfach so erzählt habe, ohne dich vorher zu fragen, ob es okay ist. Es musste sein."

"Das versteh ich Harry. Nach dem Kuss, den ich übrigens liebend gerne wiederholen wollen würde, musstest du es ihm sagen. Wie hat er reagiert?"

Kurz dachte Harry darüber nach, wie er Rons Verhalten in Worte fassen konnte. Der Tee auf dem Baumstumpf war bereits wieder vergessen und kühlte hier draußen noch schneller ab.

"Ron war nicht gerade begeistert. Aber ich kann's ihm nicht verdenken. Ich mein, für ihn steht alles irgendwie kopf"

"Ja, schon klar. Und was war mit Granger? Was hat sie gesagt? Sie ist doch vernünftiger als Weasley."

"Mit Hermione konnte ich noch nicht sprechen. Sie erholt sich gerade von der ganzen Sache. Ihr Arm sah echt schlimm aus. Aber natürlich werde ich auch noch mit ihr reden."

"Gut. Lass das nicht Weasley übernehmen. Wer weiß, was der ihr alles erzählt. Hoffentlich bleiben an ihrem Arm keine Narben zurück. Sie hat stark geblutet. Sorry, dass ich das nicht verhindern konnte."

Daraufhin schüttelte Harry den Kopf und schrieb hastig: "Nein, mach dir keine Vorwürfe! Du warst klasse! Ohne dich wären wir da nie rausgekommen und außerdem konntest du nichts dafür. Du bist nicht deine Tante oder sonst wer. Sondern Draco Malfoy, der, in den ich mich verliebt habe. Es ist nur, ich habe etwas Angst davor, dass Ron und Hermione mir jetzt nicht mehr vertrauen und mich alleine lassen oder vor die Wahl stellen."

"Wenn sie wirklich deine Freunde sind, dann stellen sie dich nicht vor so eine Entscheidung. Doch nehmen wir mal an, sie würden es tun. Was würdest du dann machen? Den Kontakt zu mir abbrechen? Jetzt, wo das doch zwischen uns erst so richtig los geht und ... Okay, ich bin ganz ehrlich. Ich will nicht, dass du mich jetzt einfach ausschließt."

Natürlich war die Angst von Draco begründet und Harry konnte es auch nachvollziehen. Dennoch wusste er nicht, was er im Falle des Falles tun würde. Weder Ron und Hermione, noch Draco wollte er missen. Nicht jetzt und auch in Zukunft nicht.

"Also wenn es nach mir ginge, dann möchte ich euch alle an meiner Seite wissen. Die Zwei als meine Freunde und dich als meinen ... Partner. Entschuldige wenn ich dich so überrumple, aber ich habe keine Lust mehr mich zurückzuhalten. Die Zeiten, in denen wir gegeneinander gewettert haben, sind endgültig vorbei. Glaub mir, wir haben da noch etwas schwieriges vor und damit das gelingen kann, müssen die Fronten geklärt sein. Wie stehst du dazu?"

Gerade als er den Satz beendet hatte, ließ ein lautes Plopp-Geräusch ihn aufschrecken. Bill war zurück appariert, direkt in seinen Garten. Als er Harry sah, wie er so ganz allein und zurückgezogen auf der Bank saß und in ein Büchlein schrieb, machte sich ein breites Grinsen auf Bills Gesicht breit. Der älteste Sohn der Weasley-Familie war durchaus neugierig und gesellte sich erst einmal zu seinem Gast auf die Gartenbank.

"Na?! Wie lange geht das denn schon mit dir und dem hübschen Malfoy?", fragte er nonchalant. Seine blauen Augen blitzten wissend in Harrys Richtung.

"Luna und Dean haben es dir also erzählt."

"Klar haben sie das. Die beiden waren echt überrascht. Schönes Buch übrigens. Schreibt ihr euch immer heimlich darüber?", sagte Bill lässig, als ob das offensichtlich wäre und nicht etwas, was monatelang ein gut gehütetes Geheimnis war. Harry schaute ihn leicht geschockt an und blinzelte nur ungläubig.

Amüsiert lachte Bill auf. "Mein lieber Harry, ich bin seit fast zehn Jahren Fluchbrecher, erledige fast schon genauso lange Dinge für den Orden und habe außerdem sechs kleine Geschwister. Glaubst du ernsthaft, dass ich da so leicht reinzulegen bin und einen verzauberten Gegenstand nicht erkenne, wenn ich ihn sehe? Hhm?" Bills selbstsicherer Gesichtsausdruck sprach in diesem Moment Bände.

Da musste sich Harry wohl geschlagen geben. So ließ er sich gegen die Lehne der Gartenbank sacken und schaute herrlich bedröppelt drein. Bei diesem Anblick musste Bill noch lauter loslachen. In diesem Moment erinnerte ihn Harry doch sehr stark an Charlie, als dieser mal versucht hatte in ihrem gemeinsamen Jugendzimmer ein Drachenei zu verstecken. Auch damals hatte dieser so ertappt und witzig ausgeschaut, wie Harry jetzt neben ihm.

"Ach komm, das ist doch nichts Schlimmes. Du bist verliebt und das ist in diesen Zeiten doch etwas sehr Schönes. Oder etwa nicht?", versuchte Bill ihn wieder aufzuheitern.

"Ja doch, mag sein", erwiderte Harry. "Aber Draco ist nicht einfach irgendjemand. Du weißt wer seine Eltern sind?"

"Ja", antwortete Bill nun mit ernster Miene.

"Das ist gerade für Ron nicht so einfach. Er sieht Draco immer noch so, wie er früher war. Aber so ist er nicht mehr. Er ist umgeben von Todessern und ist mir im letzten Jahr ein echter Freund gewesen. Er riskiert täglich sein Leben. Einen besseren Beweis kann man doch nicht liefern und Ron denkt immer noch, dass er mich reinlegen will", redete Harry ganz offen.

"Aber kannst du denn Ron nicht auch verstehen?", fragte Bill dazwischen.

"Ja natürlich kann ich das. Aber wenn Draco mich hätte ans Messer liefern wollen, dann hätte er das schon längst tun können. Doch er hat es nicht getan. Wir sind ... Ich liebe ihn und ... Menschen können sich ändern, verdammt!"

Eine Weile blieb es ruhig und die beiden schauten gedankenverloren den Möwen dabei zu, wie sie sich um die nun tote Krabbe stritten. Es waren auch noch mehr Vögel hinzu gekommen, die ebenfalls einen Happen abbekommen wollten.

"Tja, in wen wir uns verlieben, können wir uns nun mal nicht aussuchen. Wenn du willst, dann rede ich mal mit ihm. So als älterer Bruder", sagte Bill. Der Vorschlag war simpel und nett gemeint.

"Danke!", entgegnete Harry und wirkte schon viel zuversichtlicher.

"Chérie, bist du wieder da?", hörten sie Fleur aus dem Haus rufen.

"Ja, mein Engel! Bin gleich bei dir", erwiderte Bill und wandte sich noch ein letztes Mal an Harry. "Ich schau mal was ich tun kann und du solltest endlich deinem Freund antworten." Bill zwinkerte ihm zu und zeigte auf das offen liegende Buch in Harrys Schoß, ehe er rein zu seiner Frau ging.

Etwas verdutzt schaute er hinab auf die Seite und las Dracos Nachricht, die er schon vor einigen Minuten geschrieben haben musste.

"Ich bin bereit mit Granger und Weasley Frieden zu schließen, wenn es das ist was du im Sinn hast. Was die andere Sache angeht ... Ich wäre sehr gern dein Partner. Wenn du mit Partner das meinst, was ich denke das du meinst."

Und wieder war ein freudestrahlendes Lächeln auf Harrys Gesicht zu sehen.