25. High
„Ich suche Helen Bukater", meldete sich Hermione an der Information des St. Mungos Krankenhauses an, als sie und Arthur nach langer, erfolgloser Suche auf den verschiedenen Stationen zurück zum Eingang.
Bukater schien vom Erdboden verschluckt worden zu sein.
Die Müdigkeit, die sie in den Morgen- und Mittagsstunden nur spärlich gespürt hatte, riss sie mittlerweile fast von den Beinen. Es war sogar so schlimm, dass sie nicht einmal die Zeit fand, über all das nachzudenken, was sie gerade eigentlich bewegte.
Arthur regte sich hinter ihr leise, als die Krankenschwester hinter dem Tresen freundlich nickte und ihnen mitteilte, dass sie warten sollten. Sie würde der Heilerin umgehend Mitteilung erstatten. Mit der Bitte ihre Gäste an der Information abzuholen.
Sie nickte und wandte sich zu Arthur um. „Du meinst also, es ist trotz allem alles in bester Ordnung?"
Der alte Weasley war hier, um Mollys Medikamente abzuholen und hatte ihr freundlicher Weise beim Suchen geholfen. Nun vertrieb er ihr die Wartezeit – sicherlich nicht nur aus Liebherzigkeit, sondern auch aus Neugier.
Der alte Weasley, der auch ihr mittlerweile wie ein zweiter Vater geworden war, hatte ihr gerade mitgeteilt, dass Narzissa Malfoy - trotz der Einsicht in Malfoys umfassendes Geständnis - erneut Einspruch eingelegt hatte. Die genauen Gründe wurden Mione nicht wirklich schlüssig. Aber sie und ihre Freunde im Ministerium hatten scheinbar doch ein Schlupfloch gefunden.
„Ich denke, wir sollten uns vorerst keine Sorgen machen", bestätigte der Alte und Mione versuchte, ihm dies zu glauben.
Es beruhigte sie reichlich wenig. Doch sie würde es wohl vorerst darauf beruhen lassen müssen. Es würde in einem Monat eine neue Anhörung geben. Bis dahin würden sie abwarten müssen und konnten nichts tun. Außer zu hoffen, dass dieses Mal nicht doch Malfoys Anwesenheit verlangt wurde. oder dass er freigesprochen wurde.
„Wir müssen so oder so lediglich Zeit schinden, Mione", sagte Arthur leise. Er sagte es weder boshaft, noch gehässig.
Es war eine simple Feststellung oder auch Benennung der Tatsache. Wer wusste schon, was in einem Monat war? Oder ein zweien? So oder so war es abzusehen, dass Malfoy den nächsten Sommer nicht mehr erleben würde. Nicht als der, der er jetzt war jedenfalls.
Und obwohl sie diese Tatsache nicht überraschte oder ihr gar neu war, belastete sie sie scheinbar mehr als sonst. Sie fragte sich, seit wann das so war. Ganz neu war dieses Gefühl allerdings nicht, welches sich gerade in ihr breit machte.
Sie umschlang ihren Oberkörper mit den Armen und blickte beklommen und angestrengt in die Menschenmenge, die zum größten Teil so tat, als wüssten sie nicht, was dort draußen gerade vor sich ging. Sie spielen die Unbeteiligten und dennoch war jedem von ihnen anzusehen, dass sie innerlich starben vor Angst.
„Aber im Grunde schinden doch wir alle momentan nur Zeit", flüsterte Arthur leise. Offensichtlich versuchte er einen tragischen Witz zu machen oder auch die bedrückende Situation zu entschärfen.
Mione lachte leise und bitter. Überraschend bitter. „Aber wir alle blicken nicht auf so etwas wie ein absehbares Ende."
„Das ist wahr."
Schweigen. Sie wusste nicht warum, aber es war ihr recht so. Sie wollte nicht weiter reden. Nicht weiter den Anschein erwecken müssen, dass es ihr egal war. Oder auch eben nicht egal war. Sie wusste nicht, was sie fühlte und sie wollte es auch nicht herausfinden müssen.
„Endlich." Helen Bukater durchquerte mit angespannter Miene die scheinbar ahnungslose Menge und trat auf sie zu, „ich habe Stunden auf dich gewartet."
Mione machte einen Schritt auf sie zu. „Ich war nicht vor Ort und habe deine Nachricht erst vor einigen Stunden bekommen."
Die Heilerin nickte, warf Arthur einen Blick zu, der wohl als Begrüßung dienen sollte, und setzte sich dann wieder in Bewegung. Mione und der alte Weasley folgten ihr und da Helen dies nicht zu scheren schien, sollte es Hermione ebenfalls nicht stören.
„Wie geht es Molly?", fragte die Blonde über ihre Schulter hinweg, während sie gemeinsam in den Aufzug stiegen.
„Sie erholt sich. Langsam, aber es wird wieder besser", sagte Arthur lächelnd.
„Das ist schön zu hören. Wir haben uns alle Sorgen um sie gemacht", antwortete Helen und betätigte eine Kombination auf dem magischen Schaltbrett neben der Aufzugwand, „und Remus?"
Remus war vor rund einer Woche wieder aus dem Hospital entlassen worden. Seine Verletzungen waren schwer gewesen, jedoch -Merlin sei Dank- nicht so schwer, dass er nicht mehr auf die Beine kommen würde. Allerdings musste er sich erst einmal noch eine Weile erholen, bis er sie wieder unterstützen konnte. Anders als Molly, die sehr wahrscheinlich niemals wieder mit ihnen das Schlachtfeld entern würde.
Ihr Stabarm war sehr langsam und kraftlos geworden und ebenso ihre Reaktionen. Geistig war sie zwar wieder voll und ganz da, aber eben nicht schnell genug, um einem ernsthaften Duell standhalten zu können.
Aber sie war wohlauf und das war alles, was zählte. Dennoch störte es Molly ungemein, ihnen allen nicht mehr tatkräftig zur Seite stehen zu dürfen und Mione war sich relativ sicher, dass sie wieder tagtäglich in ihrem Quartier putzen, kochen und herumwirbeln würde, wenn ihr dies wieder halbwegs uneingeschränkt möglich war.
Der Aufzug stoppte und Helen setzte sich beinahe hektisch wieder in Bewegung. Es war die Quarantäne Station und mit großer Überraschung entdeckte der Lockenschopf eine handvoll Ministeriums-Auroren, die den hinteren Teil des Flures abzusperren schienen.
„Cleever bat mich, dich einzuschalten, bevor man eventuell weiteres in die Wege leitet", flüsterte Helen ihr zu, als sie wie selbstverständlich gemeinsam die Posten hinter sich ließen.
„Cleever?", fragte Arthur hörbar überrascht.
Amadeus Cleever war einer der Untersekretäre des Ministers und er war, wie Bukater, ein Rebell und Kämpfer. Anders, als es die meisten Magier im Ministerium waren. Denn wie immer versuchte sich dieses soweit wie möglich aus dem Kriegsgeschehen herauszuhalten. Sie verhafteten und ernteten Lorbeeren, aber wenn es ernst oder kritisch wurde, schalteten sie den Orden vor.
Was jedoch überraschend war, war dass Cleever in dieser Sache die Oberhand zu haben schien. Denn normalerweise unternahm in offiziellen Situationen der Minister selbst, oder sein offizieller Vertreter Armen Dacre, die Aufgabe des Entscheidungstreffens. Das bedeutete also, dass es sich wahrscheinlich um eine inoffizielle Sache handelte.
Sie kamen vor einer der Türen zum Stehen. Neben dieser verharrte ebenfalls ein Auror. Sein Blick war ernst und fast schon beunruhigend eisig.
„Die Zauberstäbe", knarrte er und erst nachdem Helen ihren bereitwillig an den Mann gab, taten es ihr ihre beiden Gäste langsam und zögernd gleich. Helen positionierte sich wartend vor der verschlossenen Tür.
„Müssen wir uns auf Schlimmes gefasst machen?", fragte Mione, bevor der Auror die Tür öffnen konnte.
Dass man ausgerechnet sie hinzugezogen hatte und sie sich gerade auf der Quarantänestation befanden, sagte ihr, dass es wahrscheinlich einen weiteren Undog-Übergriff gegeben hatte.
Ein schwaches Lächeln umspielte Bukaters Lippen, als der Auror die Tür magisch entriegelte und die Heilerin sie schließlich einfach und ohne zu antworten öffnete.
Mione schnappte nach Luft und Arthur tat es ihr gleich.
„Kommt drauf an, was du erwartest", sagte die Heilerin und Mione stockte tatsächlich einen Moment irritiert, verwundert und überrumpelt zugleich der Atem. Sie verharrte in der Tür und blockierte diese so für Arthur, der sich an ihr vorbei in den Raum schieben musste.
„Ich muss die Tür wieder schließen", sagte Helen mit zuckenden Mundwinkeln und Hermione trat immer noch mit offenem Mund beiseite.
Mit einem Schnacken schloss sich die Tür und sie hörte den Auror einen leisen Fluch von außen wispern. Ein weiteres Schnacken, welches ihr sagte, dass sie nun eingesperrt waren. Mit dieser Frau, dessen Gesicht sie schon so oft im Tagespropheten gesehen hatte. Oder auch spöttisch auf dem Schlachtfeld.
„Sie mal einer an", flüsterte Abigail Winters herablassend.
Ihr nussbraunes Haar hing ihr in verklebten und wirren Locken über die Schultern und sie steckt in einem schneeweißen Krankenhausnachthemd, welches hier und da vergilbte oder auch verdreckte Flecken vorwies. Ihre Haut war blass, fast schon aschfahl, ihre Lippen gerissen und spröde und ihre Augen glasig, leer und mit einer roten Corona gezeichnet.
„Ich erhalte heute ganz hohen Besuch", fuhr die Todesserin fort und zupfte etwas gelangweilt an der Bettdecke herum, die ihren Unterkörper verbarg. Ihre Bewegungen wirkten schwach und fahrig und doch konnte Mione nicht anders, als Abstand zu wahren.
„Was ist hier los?", fragte Hermione und trat um das Bett herum zu Helen, die sich zu Winters Rechten positioniert hatte.
„Sie weigert sich, uns genaue Details zu geben, allerdings wurde sie mit einem Kuss infiziert", sagte die Heilerin und deutete aus sicherer Entfernung auf Winters durchstoßene Unterlippe. Die Wunde war mittlerweile nicht mehr, als eine leichte Rötung auf der aschfahlen Haut.
Ein gehässiges und abwesendes Grinsen spiegelte sich auf Winters Gesicht, als Helen weitersprach.
„Ihr Bruder muss sie vor einigen Tagen heimlich hierher gebracht haben. Sie hatte hohes Fieber, als wir sie gestern Nacht aus Zufall in einer der Tränkekammern fanden. Mittlerweile konnten wir ihren Zustand stabilisieren-"
„Wie man unschwer erkennen kann", zischte Winters spöttisch dazwischen.
„Anderson Winters?", fragte Arthur.
Helen nickte. „Er ist Heiler in der Ausbildung."
„Er hat damit nichts zu tun", platzte es aus Winters heraus.
„Also war es deine Idee, hierher zu kommen?", fragte Mione und versuchte herablassend zu lächeln.
Winters erwiderte es. „Ganz genau."
„Dein Bruder wird dafür dich gerettet zu haben aber sicherlich trotzdem in Schwierigkeiten sein. In vielen Hinsichten."
„Ich sagte bereits, dass er damit nichts zu tun hat."
„Weiß es ihre restliche Familie?" Sie richtete ihre Frage demonstrativ an Helen.
Diese nickte. „Seit heute morgen."
„Was sagen sie?"
Helen lächelte bitter. „Dass sie keine Tochter haben."
Mione nickte. Das hatte sie im Grunde nicht anders erwartet. Die Winters waren zwar nicht so alteingesessen, wie die Malfoys es waren. Aber sie waren seit mehreren Generationen reinblütig und bildeten sich entsetzlich viel darauf ein.
„Du weißt also, was dir blüht, wenn du wieder stark genug bist, um das Krankenhaus zu verlassen?", fragte sie an die Todesserin gewandt.
Winters lachte und ließ sich in die Kissen zurücksinken. „Es ist mir egal."
„Solange dein Bruder aus der Sache herausgehalten wird?"
Die Miene der Infizierten verdunkelte sich. „Soll das eine Drohung sein?"
Helen seufzte neben dem Bett. „Anderson ist ein halbes Kind und es geht nicht um ihn. Es geht um Ihr Leben, Abigail. Wir können Ihnen Zeit verschaffen, Ihnen den Prozess vereinfachen. Und das alles für ein wenig Zusammenarbeit."
Die Angesprochene lachte. „Ich will weder Zeit, noch will ich, dass es angenehm wird. Ich will diesen verdreckten Körper nicht mehr. Lieber sterbe ich, als dass ich das werde", zischte sie und sah Hermione herablassend an. „Ich hätte niemals gedacht, dass ich es vorziehen würde ein Schlammblut zu sein. Jetzt tue ich es!"
„Du wirst sterben, wenn du dich ihm weiterhin loyal zeigst", flüsterte Arthur, „komplett grund- und sinnlos."
Winters nickte. „Meine Loyalität ist alles, was ich ihm noch geben kann."
„Er wird sie nicht wollen."
Ihre gebrandmarkten Augen verdunkelten sich. „Auch das ist mir egal."
„Was nun?", wisperte Mione mehr in sich selber hinein, als sie das Zimmer wieder verließen, der Auror die Tür wieder verschloss und mehrmals sicherte und ihnen dann ihre Zauberstäbe aushändigte.
Helen zuckte mit den Schultern. „Wir hatten gehofft, dass ihr sie vielleicht überzeugen könnt."
„Sie ist Voldemort treu ergeben", sagte Hermione leise.
Langsam schritten sie zurück zum Aufzug.
„Wir sind unsicher, was wir nun tun sollen. Sollen wir sie hier behalten, bis sie stirbt oder sich wandelt, oder sollen wir den Fall melden?", fuhr Helen fort.
Arthur räusperte sich. „Dann wird sie nach Askaban gebracht."
Helen nickte. „Genau darum geht es uns." Vor dem Aufzug blieben sie stehen und Helen betätigte die Schalttafel, „wir könnten sicherlich viele wertvolle Informationen sammeln."
„Sie wurde absichtlich infiziert", stimmte Mione zu. Gemeinsam stiegen sie in den Aufzug und fuhren hinauf in den dritten Stock. „Genau wie.", sie zögerte und sprach seinen Namen nicht aus.
„Ganz genau das ist es, was diesen Fall für mich so interessant macht. Irgendetwas ist da im Busch. Es ist der zweite Fall einer scheinbar gewollten Infizierung. Und wieder ist es ein hochrangiger Todesser."
Ganz genau.
Mione biss sich auf die Unterlippe und versuchte einen Sinn zu finden. Irgendeinen Sinn, der Licht in diese Sache brachte. Und vielleicht wäre es ihr gelungen, wenn Winters etwas kooperativer gewesen wäre. Wurde auch sie in voller Absicht von einem unbekannten Lamia gebissen? Wenn das der Fall war konnte es sein, dass es sich um Lockvögel handelte und dass Malfoy und Winters mit der Hoffnung darauf die Wandlung zu überstehen, infiziert wurden.
Doch mit welchem Zweck?
Möglichkeiten gab es viele, doch keine ergab wirklichen Sinn.
Sie stöhnte genervt auf, als sich die Aufzugtüren bimmelnd öffneten. Gerade rechtzeitig, um das Bild zu erhaschen, was sich gerade in der großen Halle abspielte.
Die Türen waren verriegelt worden und alle Anwesenden in eine hintere Ecke des Eingangsbereichs gebracht worden. Zwei Krankenschwestern beugten sich über einen blutenden Todesser, ein Heiler über einen weiteren. Er schüttelte schließlich den Kopf und richtete sich wieder auf. Dann erspähte sie Harry inmitten des Geschehens. Sein Gesicht war gehetzt und seine Arme und sein gesamter Oberkörper blutverschmiert.
„Harry", rief sie und stürmte aus dem Aufzug. Molly weinte leise auf einem der Stühle im Warteraum. Ron saß kerzengerade neben ihr und starrte ins Leere. Auch er war blutüberströmt. „Was ist passiert?", entwischte es ihr, als sie sie erreicht hatte.
Ron blickte langsam auf und durch sie hindurch. Molly tat es ihm gleich, brach aber lauthals in Tränen aus, als sie Arthur sah. Dieser stand stocksteif hinter ihr und starrte auf das Geschehen herab. Harry schüttelte nur mit großen Augen den Kopf.
Es war Neville, der sie am Arm packte und Beiseite zog. Seine Wange war verkratzt, sein Auge angeschwollen und seine Unterlippe aufgeplatzt. Getrocknetes Blut klebte an dieser und er hielt den rechten Arm angespannt an den Körper gepresst.
„Wir wurden von Undogs angegriffen", sagte er und Mione meinte sich verhört zu haben.
Aus den Augenwinkeln sah sie, dass Arthur sich ebenfalls auf einem der Stühle sinken ließ. Er starrte wie Ron ins Leere, doch seine Augen funkelten. Neville zog sie am Arm herum und drängte sie dazu, sich ebenfalls zu setzten.
Widerwillig tat sie, wie ihr geheißen wurde. In ihr zog sich etwas zusammen.
Neville ließ sich langsam und ungelenk neben ihr nieder. Sie starrte ihn gehetzt an, fasste instinktiv nach der Kette ihrer Großmutter, die sie lange Zeit als Glücksbringer getragen hatte – die ihr im letzten Jahr jedoch auf dem Schlachtfeld abhanden gekommen war.
Ihre Hand griff ins Leere und sie griff benommen an ihren Kragen. Ihr Atem rasselte.
„Es waren verdammt viele. Sie traten in mehreren Rudeln auf und griffen alles und jeden an, was sich bewegte. Wir konnten einige von ihnen töten, wenige vertreiben. doch der größte Teil war einfach zu schnell oder zu stark. Sie sind wie Tiere", sagte er leise. Dabei zitterte seine Unterlippe.
„Neville", japste sie. Er sollte zum Punkt kommen.
Er regte sich, atmete tief ein. „Seamus ist tot, Felix, Ginny und Malfoy sind schwer verletzt."
Für einen Moment war es so, als würde die Zeit stehen bleiben. Sie meinte sogar die Kette zwischen ihren verkrampften Fingern spüren zu können. „Was?", keuchte sie.
„Und Unzählige, die ich gerade nicht beim Namen nennen kann", fuhr er mit zitternder Unterlippe fort.
In ihrem Kopf wirbelten die Gedanken durcheinander. Seamus tot? Ginny verletzt. Malfoy verletzt.
Ihr wurde binnen weniger Sekunden speiübel und sie musste aufstehen und sich bewegen. Ihre Knie knackten und ihr Rücken ächzte als sie so heftig aufsprang, dass es schmerzte.
Neville tat es ihr gleich und versuchte ihren Arm zu umfassen, doch sie schüttelte ihn ab. Tränen schossen ihr in die Augen.
„Nein", raunte sie brüchig. tränenerstickt. fremd.
Helen Bukater trat blutverschmiert und mit ernster Miene in den Eingangsbereich. Sie hatte nicht einmal gemerkt, dass diese ihn zuvor verlassen hatte.
„Hermione, wie fühlst du dich? Ich brauche unbedingt jemanden, der mir hilft die Blutungen zu stillen", sagte die Heilerin.
Sie schnappte nach Luft und schoss vor. „Mir geht es gut", brachte sie hervor und zwang sich dazu die Gedanken, die gerade in ihrem Kopf umherwanderten zu verdrängen.
Und sie hoffte, es würde vorübergehend funktionieren.
-v-
„Sehen Sie mich an! Nicht einschlafen", krähte diese elendige Person in weiß immer wieder und holte ihn zurück aus dem wohlverdienten Dämmerschlaf.
Draco öffnete die Augen, zwang sich, sie anzusehen. Vielleicht würde sie dann endlich die Klappe halten. Sie zerrte, rieb und tupfte hektisch an seinem zerfleischten Arm herum und auf ihrer Stirn standen scheinbar perlendicke Schweißtropfen.
„Soll ich ihm den Blutstiller geben?", krähte ein dicker Kerl in weiß. Er stand zu seiner Linken und hielt eine Phiole mit schneeweißer Flüssigkeit. Ein Heiler dessen Name ihm gerade nicht einfallen wollte, kippte hektisch mehrere Sachen in einen Kessel.
Er blickte sie kurz über seine Schulter hinweg an. „Schaden kann es nicht."
Anhand dieser Worte wandte sich der Dicke ihm wieder zu, legte ihm zittrig den Arm in den Nacken und richtete ihn etwas auf. Sein Blick war panisch und gehetzt, als er seinen Lippen mit der Hand, in der sich die Phiole befand, näher kommen musste.
Es erschloss sich ihm nicht wirklich, ob es daran lag, dass diese Drei im Bilde darüber waren, wer er war oder ob es daran lag was er war.
Der Dicke hob die Phiole und der dickflüssige Trank lief seine Kehle hinab und trat aus seinen Mundwinkeln aus. Er verschluckte sich und hustete, als der Dicke ihn viel zu schnell losließ und er noch während des Schluckens zurück auf die bettartige Trage fiel.
Die Alte neben ihm tupfte erneut eine zähe, rosarote Paste auf seinen Arm. „Die Wunden schließen sich nicht", jammerte sie und Draco schrie leise auf, als sie erneut hektisch zu reiben und zu tupfen begann.
Dann wurde ihm entsetzlich schlecht, er buckelte auf und spuckte die dickflüssige Paste über sich, die Alte und den Dicken. Die Alte rieb munter weiter, während der Dicke zurückfuhr, als hätte er ihn mit Säure bespuckt.
Sein Magen verkrampfte sich erneut, drängte die letzten Tropfen des Trankes zurück in seinen Mund, wo er sie bei gedrehtem Kopf und nach Luft ringend erbärmlich aus seinem Mundwinkel auf die Trage laufen ließ.
„Was zur Hölle", knarrte der Heiler und trat mit einem weiteren Trank an sein Bett.
Draco schüttelte schwach den Kopf, doch das hielt den Alten nicht davon ab, ihn aufzurichten und ihm auch diese Brühe aufzuzwängen. Er spuckte es aus, bevor es überhaupt unten angekommen war.
Sein ganzer Körper krampfte, eine halb verschlossene Wunde an seiner Schulter platzte wieder auf und ein Schrei entwischte seine Kehle. Sein Rachen brannte und der bittere Geschmack des Erbrochenen brachte ihn fast um den Verstand. Dann blieb ihm erneut die Luft weg und es zog ihn zurück in die Dunkelheit. Er versuchte die Augen zu schließen, die sich aber wie von selbst in seinen Hinterkopf drehten.
„Vergiss es Jüngelchen", fluchte der Alte über ihm und etwas schepperte. dann wurde alles warm, wohlig und vor allem schwarz.
-v-
Ginny wirkte entsetzlich klein und bleich, als sie sie auf der Trage gemeinsam hektisch nach links drehten, so dass Helen die Wunde an ihrem Oberschenkel desinfizieren und verschließen konnte.
„Mione?", hauchte der Rotschopf dabei gegen ihre Schulter, als sie sie aus verklärten Augen musterte. Merlin sei dank unmarkierten Augen.
Die Angesprochene sah ihre beste Freundin lächelnd an. Sie zwang sich dazu. Ihre Lippen zitterten allerdings spürbar und eindeutig verräterisch. „Alles wird gut."
„Harry?"
„Dem geht es gut?"
„Ron?"
Mione nickte und drehte Ginny auf Helens Kommando langsam wieder auf den Rücken. Die Heilerin stürmte sofort wieder zum Tresen, um einen Blutbildungstrank zu mischen. Dazu kippte sie die vorbereiteten Substanzen in einen Bechergroßen Kessel.
„Dem geht es auch gut. Es geht allen gut, Ginny", flüsterte sie und strich der Rothaarigen eine Strähne aus dem Gesicht.
Ginny atmete schwerfällig auf und schloss die Augen. „Es waren drei. Es fühlte sich an, a-ls würden..", sie stockte, holte tief Luft, „als würden si-sie mich zerreißen."
Mione schnaufte leise und versuchte ein Schluchzen zu unterdrücken. Das hatten sie fast, so wie ihre beste Freundin gerade aussah. Sie hatten Ginny sieben mittelschwere und drei schwere Bisswunden zugefügt. Die ganzen Kratzspuren und leichten Bisswunden mal außen vorgelassen. Zudem hatten sie ihr den Arm und ein Bein gebrochen und mehrere Muskeln und Sehnen, aufgrund von Überdehnung, zerrissen.
Allerdings hatte Helen bis jetzt die meisten Verletzungen heilen können. Wenn Ginny also stark genug war, um auch den Blutmangel, die bleibenden Hämatome und die Heilung der gerissenen Fasern – die etwas länger benötigten – zu überstehen, würde es ihr bald besser gehen.
„Habe ic-ch es?", hauchte der Rotschopf und sah sie wieder verklärt an.
Mione schüttelte erleichtert den Kopf. Hätte sie es, würde sie diese Nacht wahrscheinlich nicht überstehen. „Nein, du hattest Glück. Glück im Unglück."
Ginny seufzte und schloss sichtlich erleichtert die Augen. Dann öffnete sie sie wieder. „Ist Malfoy in O-rdnung?"
Die junge Frau biss sich auf die Unterlippe. Sie hatte die Tatsache, dass der Blonde soweit sie im Bilde war gerade einige Räume weiter extreme Probleme machte, weitgehend verdrängt. „Es geht ihm gut."
„Merlin sei dank", wisperte der Rotschopf schwach und schloss erneut die Augen, „er hat mich n-icht allein gelassen."
„Nein, hat er nicht", bestätigte Mione, auch wenn ihr nicht wirklich bewusst war, was Ginny damit sagen wollte.
„Ich habe g-gedacht..", wieder stockte sie und holte tief Luft, „dass er mi-mich mit diesem Ding zurück lässt."
„Wo sollte er auch hin?", sagte Mione matt.
Ginny lachte schwach. „Fliehen. er hätte fliehen können."
„Ja, das hätte ihm gestanden", erwiderte sie und zwang sich ein schwaches Lächeln ab.
Helen erschien neben ihnen und verabreichte Ginny den frisch gebrauten Blutbildertrank. Der Rotschopf trank langsam, schluckte aber wirklich jeden Tropfen. Die Heilerin setzte den leeren Becher beruhigt ab und griff zu einem Schlaftrank, den eine der Krankenschwestern vorbereitet hatte.
„Nun sollten Sie aber wirklich ein paar Stunden schlafen, junge Dame", flüsterte sie, als sie Ginny auch diesen Trank verabreichte.
Als sie den Becher bis auf den letzten Tropfen geleert hatte, blickte sie Mione mit sichtlich schweren Augenlidern an. „Ich will Harry seh-", während sie sprach begangen ihre Lider zu flattern, bis sie sich schließlich schlossen.
Helen trat sichtlich zufrieden vom Bett zurück. „Ich denke, die Chancen stehen gut, dass sie nichts außer ein paar Narben und grausige Erinnerungen zurückbehält."
Hermione umfasste sanft Ginnys Hand und drückte diese leicht. „Das hoffe ich", wisperte sie.
„Möchtest du ihre Familie informieren? Ich muss nach einem der Todesser schauen. Dann schauen wir nach dem Jungen."
Mione nickte und richtete sich auf. Gemeinsam verließen sie das Zimmer, in dem Ginny schlief. Klein, blass, verwundet. doch am Leben und nicht infiziert.
Mit schnellen Schritten lief sie den Gang entlang, ließ das Zimmer hinter sich, indem der Blonde mittlerweile nicht mehr lautstark um sein überleben – oder auch eben das Gegenteil – kämpfte. Die Stille erzeugte eine Gänsehaut bei ihr, doch sie zwang sich weiterzugehen.
Arthur, Molly, Harry und Ron blickten ihr mit großen, entsetzten Augen entgegen. Kein Wunder, denn überall an ihr klebte Ginnys Blut.
Sie strich sich eine Strähne aus dem Gesicht, als sie ihre zweite Familie erreicht hatte. „Ginny geht es den Umständen entsprechend gut. Sie ist nicht infiziert und schläft, wir müssen bis morgen abwarten. Felix ist infiziert, um ihn steht es schlecht, da das Virus alle magischen Heilmittel abblockt und ihn schwächt", ratterte sie ihre Antworten runter, „das selbe gilt für Malfoy." Und trotz der schlechten Neuigkeiten, die im Grunde überwogen, atmeten alle Anwesenden erleichtert auf.
Mione lächelte ebenfalls ein wenig erleichtert und wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel. Ginny ging es den Umständen entsprechend gut und das war alles, was zählte.
Dennoch löste sich die Klammer in ihr nicht.
„Was ist passiert?", fragte sie also, um sich selber von der Klammer abzulenken.
Harry atmete tief ein, dann wieder aus. dann begann er leise zu sprechen. „Wir haben den Horcrux gefunden und konnten ihn zerstören. Allerdings griff uns wie erwartet eine Traube Todesser an." Schweigen.
„Und dann kamen diese Dinger", fügte Ron mit leerem Blick hinzu. Er schloss die Augen, schüttelte den Kopf und fuhr sich durch das blutverkrustete Haar.
„Können wir zu ihr?", fragte Harry und trat einen Schritt auf sie zu.
Mione nickte und sie ließen sie allein zurück. Nur Neville saß einsam und verlassen auf einem der Stühle im Wartesaal in dem ein ganzer Haufen Ministeriumsauroren gerade eindeutig damit beschäftigt war, die Erinnerungen der Unbeteiligten auszulöschen oder abzuändern. Dasselbe würden sie später auch mit dem größten Teil der Heiler und des Personals tun.
Sie schlich langsam auf ihren wartenden Freund zu. Offensichtlich hatte man seine Wunden notdürftig versorgt, denn er sah bedeutend besser aus, als sie ihn in jüngster Erinnerung hatte. Sein Arm hing in einer Schlinge.
„Ist er gebrochen?", fragte sie.
Er schüttelte den Kopf. „Verstaucht. Das heilt auch so."
Mit einem Nicken ließ sie sich neben ihm nieder und sie verfielen für einen Moment ins Schweigen.
„Sie reagieren negativ bei Licht und Feuer. Alles andere war fast wirkungslos", sprach Neville schließlich in die Stille hinein.
Wieder nickte sie, starrte neben ihm ins Leere.
„Wie ist.", sie blickte zu Boden, auf ihre Hände. „Seamus", fügte sie ganz leise hinzu.
Neville holte schnappend Luft, schien sich einen Moment zu fassen. „Eines dieser Dinge sprang ihn an und verbiss sich in ihm. Ich versuchte. Ich versuchte es mit einem Schockzauber zu verjagen, aber es wich ihm einfach so aus. In der Zwischenzeit hat ein Weiteres Seamus in einen der Bäume gezogen. Das Andere folgte ihnen hinauf. ich konnte ihn schreien hören."
Hermione schluckte und vergrub ihr Gesicht in den Händen.
„. sie haben ihn fallen lassen, als sie fertig waren. Er stürzte fast acht Meter tief." Seine Stimme zitterte.
„Du konntest nichts tun", flüsterte sie brüchig und blickte wieder auf.
Neville schüttelte den Kopf. „Ich habe versucht sie zu schocken, aber ich konnte nichts sehen."
„Du konntest nichts tun", wiederholte sie und legte ihm die Hand auf die Schulter. Ihre Hand zitterte, wie es seine Schulter tat.
Er nickte, aber er sah nicht so aus, als würde er ihre Worte wirklich glauben. oder auch nur annähernd in Betracht ziehen. Sie konnte seine Schuldgefühle regelrecht nachvollziehen.
Als sie aufblickte, blickte sie in Helens Gesicht. Die Heilerin wartete etwas abseits in der Nähe von Malfoys Tür. Wieder verkrampfte sich etwas in ihr. Doch sie nickte der Älteren zu, ließ von Nevilles Schulter ab und richtete sich langsam auf.
„Kann ich dich einen Augenblick allein lassen?"
Neville wischte sich übers Gesicht und versuchte gespielt zu lächeln. Es misslang ihm auf ganzer Linie. „Ja, klar. Alles bestens."
„Ich bin sofort wieder zurück", flüsterte sie, wischte sich ebenfalls über das Gesicht und spürte, dass es überraschend nass war.
Helen öffnete die Tür und verschwand im Zimmer des Blonden, noch bevor sie überhaupt in nächster Nähe war. Und sie musste zugeben, dass es ihr viel zu schnell ging. Sie hatte gerade erst einen Freund verloren, war im Begriff einen anderen Freund zu verlieren und hatte ihrer Freundin fast beim Sterben zusehen müssen.
Sie war nicht bereit dazu, einen weiteren Menschen sterben zu sehen, der ihr auch nur in geringster Weise nahe stand. Nicht einmal, wenn es um Malfoy ging.
Oder auch gerade wenn es um ihn ging?
„Oh Merlin", entwischte es ihr, als sie hinter Helen in das Zimmer trat.
Malfoy lag bewegungslos auf der Trage und seine Haut wirkte bleicher als sonst. Neben ihm krempelte sich gerade eine Krankenschwester den Ärmel herunter.
„Barty?", fragte Helen und Mione war ihr dankbar, dass sie es war, die zu sprechen begann.
Mione trat an das Bettende und klammerte sich an dieses fest. Ihre Knöchel wurden unter dem Druck schneeweiß und wieder stieg Übelkeit in ihr hoch. Das konnte er einfach nicht tun. Er konnte nicht einfach hier und jetzt gehen.
„Du Mistkerl", wimmerte sie erbost.
Warum sie es, oder auch genau das, aussprach wusste sie nicht. Es war ihr selbst ein Rätsel. Aber sie hatte das Gefühl, dass er sich hinterrücks aus dieser Sache zurückzog, die sie eigentlich noch zu klären hatten.
„Sie werden staunen Helen, aber der Junge erholt sich von selbst. Hat alles ausgekotzt, was ich ihm versucht habe einzuflößen. Er hat verdammt viel Blut verloren, also haben wir ihm Blut auf die Muggelart gegeben", er grinste die Krankenschwester, die ziemlich grimmig dreinschaute, freundlich an, „und mit jedem Tropfen schlossen sich seine Wunden."
Er trat an das Bett heran und schlug Malfoys Decke so stark zurück, dass sie ihre Hände streifte. Der Blonde war splitternackt und sie zuckte fast wie geschlagen zurück. Einen Moment fühlte es sich so an, als hätte sie nicht das Bett, sondern seine nackte Haut berührt.
Sie hustete verlegen.
„.und das für einen wie den da", murmelte die Krankenschwester, die immer noch grimmig dreinschaute.
„Und dann fiel mir etwas auf", fuhr der Heiler unbeirrt fort und öffnete eines von Malfoys geschlossenen Augenlidern. Sie hatten die braunen Kontaktlinsen entfernt, die er getragen hatte, als er das Hauptquartier in Darrys Form verließ.
„Er ist mit dem Lamia-Virus infiziert. Hätten Sie das gedacht?"
Helen lächelte schwach, sagte jedoch nichts. Zeitgleich – und als hätten sie sie auf Kommando bestellt – traten zwei Auroren und Amadeus Cleever in das Zimmer. Der Heiler und die Schwester blickten diesen überrascht an.
„Bartholomäus Clausen und Martha Fighster?", fragte der Untersekretär und versuchte Malfoy sichtlich nicht anzusehen.
Der Heiler und die Schwester nickten schwach.
„Sie haben Draco Malfoy behandelt?", fragte Cleever ernst.
Beide nickten. Fighster mit offenem Mund und Clausen mit großen Augen. „Er ist mit dem Lamia-Virus infiziert", wiederholte der alte Heiler sich. Scheinbar war er zutiefst beeindruckt von dieser Tatsache, die er natürlich eigentlich nicht wissen sollte.
„Hat ihn sonst noch jemand gesehen? Oder haben sie jemandem von ihm erzählt?"
Clausen schüttelte den Kopf. „Dazu hatten wir keine Zeit."
„Martin hat ihn mitbehandelt", fügte die Schwester schüchtern hinzu.
Cleever nickte. „Nachnamen?"
„Martin Semester."
Der Untersekretär warf einem der Auroren einen vielsagenden Blick zu und dieser verschwand. Mione leckte sich langsam über die Lippen. Ganz offensichtlich hatte die Lamia-Sache einen neuen Grad an Wichtigkeit erreicht.
Sie wusste nicht, ob sie das gut- oder schlechtheißen sollte.
„Ist er tot?", fragte Cleever anschließend mit einem Blick auf Malfoy, der - wie sie feststellte - immer noch vollkommen entblößt mitten im Zimmer lag.
Sie hustete schwach, trat um das Bett herum und zog die zurückgeschlagene Bettdecke langsam wieder zurück, bis sie seine Schultern wieder bedeckte. Dort erregte eine verblassende und dennoch beachtliche Bissspur ihre Aufmerksamkeit. Sie war eindeutig erst wenige Stunden alt und dennoch fast verheilt. Nur hier und da fand sich noch etwas verkrustetes Blut.
„Nein. Aber er schläft wie ein Stein", sagte Clausen.
„Liegt er im Koma?"
„Nein, er schläft einfach wie ein Stein. Aber man kann ihn wecken", mit diesen Worten tapste der Alte an ihr vorbei, drängte sie beiseite und verpasste dem Blonden eine schallende Ohrfeige.. Als er nicht reagierte, schlug erneut zu.
Mit jeder Ohrfeige zuckte Hermione zusammen, Cleever zog seine buschige Augenbraue höher und Helen runzelte immer stärker die Stirn.
Malfoy reagierte jedoch erst beim vierten Schlag und öffnete fahrig die Augen.
„Merlin, verdammt", brachte er mit schwerer Zunge heraus und sah sie mit verklebten Wimpern an. „Granger?", japste er heiser und fasste sich etwas unbeholfen an die scharlachrote Wange. Seine Hand rutschte mehrere Male ab, einmal fasste er sich ins Ohr und einmal in den Mund.
„Ich war das nicht", flüsterte sie und spürte, wie sie unter seinem mehr oder weniger strafenden Blick errötete.
Allerdings schien er das nicht im Geringsten zu bemerken. Vielmehr verdrehte er auf beängstigende Art und Weise die Augen. Sie runzelte die Stirn.
„Was haben sie ihm alles gegeben?", flüsterte sie an Clausen gewandt.
Dieser zuckte mit den Schultern. „Blutstiller, Aufputschtrank, Blutbilder, Wundenschließer. in mehrfacher Ausführung, da er alles immer wieder ausgekotzt hat."
Sie zog die Stirn kraus und seufzte leise, während sie dem Blonden dabei zusah, wie er versuchte, mit sichtlicher Kraftanstrengung die Augen offen zu halten.
„Das Mädchen ist noch am Leben?", fragte Cleever scheinbar an Helen gewandt.
„Ja, aber sie verweigert weiterhin die Zusammenarbeit", antwortete diese.
„Hm", ließ der Untersekretär verlauten. Dann wandte er sich wieder an den Heiler und die Schwester. „Mister Clausen, Miss Fighster, würden Sie uns bitte folgen? Wir hätten noch ein paar Fragen an sie."
Mit diesen Worten verschwanden Cleever, der unbekannte Auror, der Heiler und die Krankenschwester aus dem Raum. Helen warf ihr einen kurzen Blick zu. Dann verließ sie mit einem „ich bin sofort wieder da", ebenfalls das Zimmer.
Mione blieb seufzend mit dem benommenen Blonden zurück, der etwas Undeutliches vor sich hinmurmelte und sich mehrmals unbeholfen versuchte eine blutverkrustete Haarsträhne aus dem Gesicht zu streichen.
Schließlich trat sie einen Schritt vor und übernahm es für ihn. Erst beim dritten Versuch gelang es ihr, den feinen, wirren Störenfried zum Zurückbleiben zu bewegen.
Malfoy schloss genüsslich seufzend die Augen.
„Wie fühlst du dich?", fragte sie und ließ sich seitlich auf die äußerste Kante des Bettes fallen.
Er gab einen heiseren Laut von sich und öffnete sehr langsam wieder die Augen. Er hatte deutlich Probleme sie zu fokussieren. „Ich bin müde. Was haben sie mir gegeben?", lallte er kaum hörbar vor sich hin.
„Ich weiß es nicht. Aber Schlaf wird dir gut tun", flüsterte sie.
Eindeutig war es eine ganze Menge, auch wenn er das meiste davon wieder ausgekotzt haben mochte. Er war definitiv extrem high, und wäre die Situation nicht so verdammt tragisch, würde sie wohl schallend und ungläubig darüber lachen müssen. Seine Pupillen waren fast so groß wie seine Iriden.
Ein schwaches Nicken, ein etwas unbeholfener Versuch sich selber über die Lippen zu lecken und er schien wieder einzuschlafen. Seine Atmung ging ruhiger, seine Brust hob sich mit jeder Sekunden, die sie sie anstarrte, rhythmischer. Und irgendwie schien es die Klammer in ihr zu lösen.
„Granger?", raunte er und öffnete vollkommen unerwartet wieder die Augen.
„Ja?"
„Wie geht es Weasley?"
„Den Umständen entsprechend gut."
Ein weiteres Nicken und er schloss wieder die Augen. „Lass mich mit diesem Irren nicht allein", schnaufte er und fasste sich erneut an die nunmehr nur noch leicht gerötete Wange.
Ein schwaches Lächeln schlich um ihre Lippen. „Ich denke nicht, dass er zurückkommen wird."
Wieder schwieg er, wieder schien er einzuschlafen. Und wieder öffnete er die Augen, blickte sie aus vollkommen entspannten und weichen Gesichtszügen an. Er wirkte entsetzlich fremd. „Wo bin ich hier?"
„Im St. Mungos."
„Scheiße. ich bleibe nicht hier."
„Nein", sagte sie lächelnd und strich ihm die Strähne zurück, die sich zurück in sein Gesicht stehlen wollte.
Er nickte zufrieden, drehte sich langsam auf die Seite und begann wieder ruhiger zu atmen. Seine Hand umfasste die ihre und zog sie zu ihm auf das Bett. Etwas widerwillig folgte sie dem Druck, den er erstaunlicherweise trotz allem ausüben konnte. Schließlich lag sie der Länge nach neben ihm.
Merlin sei Dank über der Bettdecke.
„Schmerzt deine Schulter nicht?", flüsterte sie.
„Hm", gab er von sich.
Anscheinend nicht genug, um ihn davon abzubringen, sich auf diese zu legen.
Sie seufzte, legte ihren Arm soweit es möglich war - ohne ihn zu berühren - zwischen sich und ihn. Die Bettdecke rutschte hinab und entblößte Teile seiner Brust, doch sie zwang sich ihm ins Gesicht zu sehen. Er ließ sie wieder los, doch sie wollte einfach nicht aufstehen.
„Seamus ist tot", wisperte sie mit geschlossenen Augen. Sein Atem streifte ihr Gesicht und sie versuchte, sich nur darauf zu konzentrieren.
Es hielt die Klammer davon ab, zuzupacken. Erstaunlicherweise.
„Hm", murmelte der Blonde neben ihr, doch seine Atmung, die mittlerweile wieder sehr gleichmäßig ging, sagte ihr, dass er bereits wieder schlief.
Vorschau:
Sie schwiegen. Also wartete Draco ein paar Minuten und starrte angestrengt ins Feuer. Dann riss er sich ein paar Haare aus und reichte sie Longbottom. Er würde lügen, wenn er behaupten würde, dass er nicht minimal erleichtert war, als dieser ihm als Tausch das Büschel seiner Haare in die Handfläche drückte und den Raum verließ. Wahrscheinlich, um den teuflischen Trank vorzubereiten, vor dem Severus ihn immer gewarnt hatte.
Zurück blieb die Stille, die hier niemals wirklich still war. Irgendwo knisterte oder prasselte immer irgendetwas. Hier und Jetzt war es das Feuer und die Luft.
Von drauß´ vom Walde komm ich her; ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr. *lach* Ojee, das Wetter hat ja Ausmaße angenommen, die man –wenigstens hier bei uns – nicht mehr in Worte fassen kann. Ist das nun gut oder schlecht? Gut wahrscheinlich, wenn man an die weißen Weihnachten denkt, die uns wohl bevorstehen. Schlecht, wenn ich an das Wochenende denke, an dem ich ziemlich viel mit dem Auto unterwegs sein werde. *eek* Naja, ich hoffe ihr habt trotzdem – oder auch gerade deshalb - eine schöne Zeit. :)
Vielen Dank natürlich fürs Lesen, Kommentieren und Favoritisieren. Wenn alles weiter so glatt läuft, geht es hier vielleicht sogar nächste Woche bereits weiter. :) Und DANKE an Fränzi, das allerbeste Betalisel der Welt. *hihi*
Reviewtime:
HexenLady: Ob du es nun glaubst oder nicht, genau diese Reaktion war meine Absicht. ;) *hihi*
Sunnylein: Vielen, vielen Dank, das ist wirklich schön zu hören. *ganzrotwerd*
Die-na: Na, da hab ich ja anscheinend für sehr viel Verwirrung gesorgt. *lach* Und Grusel. Naja, ein wenig *gruselig* wird es von Zeit zu Zeit noch. Aber ich denke es wird sich dennoch in Grenzen halten. ;) Und nein, Draco konnte das Gift so gesehen ja nichts mehr anhaben. Er ist ja bereits infiziert. Allerdings hat er halt eine Menge Blut verloren und das ist ja nie gut. Und die Sache mit Ding Nummer vier kommt noch im Detail. *fieslach*
Anna: Aufessen.. Das klingt irgendwie echt süß. *hihi*
Psychzee: Ich hoffe es ist okay, dass ich die Os (oder waren es doch Nullen?) weggelassen habe. :P Falls nein, sorry. Danke für die Review und es freut mich, dass es dir gefallen hat. :)
Fränzi: Wie befürchtet weiß ich es selber nicht mehr. *lach* Aber ich werde nochmal drüber nachdenken... *grübel* Und ja, müsste man vielleicht mal drüber nachdenken. Ojee, ich glaube, ich hab sogar schon ne Idee. *lautlach*
