Teil 26

Schneestürme und Angst hielten die dunklen Zauberer in dem kleinen Schloss fest, von dem Draco annahm, dass es seiner Familie gehörte. Wenn er nicht gerade Schlaftrank genommen hatte und schlief, war er in den vergangenen drei Tagen in dem Raum auf und ab gelaufen, in dem er und die anderen Verletzten untergebracht worden waren. Vincent lag im Bett neben ihm und Miriam saß ihm gegenüber und behandelte gerade ihre Verbrennungen selbst.

In den meisten Betten lagen Kinder, die Erfrierungen oder eine hartnäckige Grippe von dem Nachtflug hierher davon getragen hatten. Sie hatten Glück, dass sie es überhaupt so weit geschafft hatten. Von Millicent, die zurück geblieben war, hatten sie erfahren, dass die Auroren den Verbotenen Wald durchforsteten und die verbliebenen Slytherins verhört hatten. Viele von ihnen waren aber so schnell wie möglich verschwunden. Jeden Tag schleppten sich mehr und mehr Neuankömmlinge zum Schloss. Der Weg wurde ihnen gewiesen von Briefen, die in der Sprache der dunklen Kinder geschrieben worden waren. Die ganze dunkle Gemeinschaft Britanniens verschwand im Bau.

Aber Angst konnte gesunde Kinder nicht lange im Inneren des Schlosses halten und als es aufhörte zu schneien und der Boden mit einer weißen Schicht bedeckt war, strömten sie hinaus, um Schneeballschlachten zu schlagen. Ihr Lachen ließ die Steinmauern weniger bedrückend wirken.

Draco wollte sich ihnen gerne anschließen, aber der Biss an seiner Schulter heilte, trotz der Bemühungen seines Meisters und seiner Mutter, nur langsam. Ohne die Aufregung einer Schlacht pochte die Wunde, wenn er sich nicht bewegte und brannte furchtbar, wenn er sich bewegte. Am dritten Tag war er es müde, seine Freunde vom Fenster aus zu beobachten, daher verließ er das provisorische Krankenzimmer mit dem Arm in der Schlinge und erkundete das Schloss. Er hielt sich von seinem Vater und den Rittern in der Haupthalle fern und inspizierte stattdessen die Küche, in der ein paar Hexen und Zauberer das Essen für die ganze Gemeinschaft zubereiteten. Die Hilfe der Elfen hätte man gut gebrauchen können, aber keiner wagte es, sie von zu Hause zu rufen, da dort Auroren möglicherweise nur darauf warteten.

Unbemerkt von allen stieg Draco die enge und dunkle Treppe nach oben. Im zweiten Stock standen die Fenster offen und keine Zauber hielten die Kälte draußen. Es gab auch keine Fackeln. Er zog seinen Umhang etwas fester um sich und leuchtete mit einem Lumos den Weg aus, so dass er nicht in irgendwelche Spinnweben lief. Die Entdeckungstour hielt ihn davon ab, über sein altes Zuhause, Hogwarts und Harry nachzudenken, aber es gab nicht sehr viel, was man hätte entdecken können. Das Schloss war alt und baufällig. Die meisten Möbel waren schon vor langer Zeit weggebracht worden. Ein paar abgenutzte Teppiche hingen an der Wand, aber sie waren grau und verschimmelt. Der obere Teil des Schlosses war so magielos, dass er nicht einen einzigen Doxybefall fand, geschweige denn einen Irrwicht. Nichts als ein paar leere Vogelnester.

Wenigstens war der Ausblick den Weg hier hoch wert. Ein dichter schwarzer Wald umgab sie. Die Äste waren mit Eis und einer feinen Schneeschicht bedeckt.

„Ich dachte mir schon, dass ich dich hier oben finden würde."

Trotz des strengen Tons lächelte Draco und blickte über seine Schulter. Seine Mutter stand auf dem Treppenabsatz, dick eingepackt in einen grauen Umhang mit Fellbesatz. Da er diesen Umhang noch nie zuvor gesehen hatte, nahm er an, dass sie, während ihrer Zeit im Versteck, irgendein Tier getötet und das Fell abgezogen hatte. Zusammen mit dem langen Kratzer auf ihrer Wange sah sie weniger wie eine edle Dame der Zaubergesellschaft aus, sondern wie eine wilde Hexe, die in den Wäldern lauert.

„Ich dachte, ich würde etwas interessantes finden", sagte er. „Habe ich aber leider nicht."

„Es muss sehr langweilig für dich gewesen sein, ans Bett gefesselt zu sein", antwortete sie und kam auf ihn zu. „Aber wenn es dir gut genug geht, um hier hochzukommen, dann kannst du vielleicht auch deinem Vater helfen."

Ein verlockendes Angebot. Lucius suchte nach einem neuen Versteck. Einem Ort für die ganze Gemeinschaft, der bequemer war. Einem Ort, an dem sie die Auroren nicht finden konnten, aber bisher war die Suche erfolglos geblieben.

„Severus hat gesagt, dass ich mich noch eine weitere Woche schonen soll", sagte er.

„Severus sagt viel", antwortete sie.

„Was alles absolut einwandfrei ist."

Draco zuckte zusammen, als Severus auf dem Treppenabsatz erschien. Seine Robe blähte sich hinter ihm auf, so dass es aussah, als würde eine dämonische Fledermaus auf sie zukommen. Narcissa seufzte in liebevoller Verzweiflung auf, als sie sich umdrehte.

„Du bist immer so vorsichtig", sagte sie. „Wenn wir immer auf dich hören würden, dürften wir nie überhaupt irgendetwas machen."

„Und wir wären alle viel glücklicher, denke ich", antwortete er und ging nicht auf ihren finsteren Blick ein. „Wenn du auf mich gehört hättest, wärst du jetzt sicher in Paris und hättest nicht Hunger gelitten in der Gesellschaft der Elfen."

„Die sind immer noch eine bessere Gesellschaft als manch anderer", sagte sie. „Und ich habe nicht gehungert."

„Dann hast du wieder einmal nicht auf mich gehört", meinte er. „Habe ich dir nicht immer gesagt, dass du keine Diät halten musst?"

Sie seufzte wieder, aber ihre Stimme war nicht wütend. „Du merkwürdige Kreatur. Selbst deine Komplimente klingen wie Beleidigungen."

„Weil du nie zuhörst."

„Weil du einfach unfassbar ..."

Draco stöhnte innerlich auf. Die zwei konnten stundenlang so weitermachen, aber wenn er jetzt versuchte, sich wegzuschleichen, würde sich die Aufmerksamkeit beider wieder schnell auf ihn richten. Wie gewitzt er auch sein mochte, die beiden hatten einfach mehr Erfahrung in beißendem Sarkasmus. Anstatt sich in Stücke reißen zu lassen, stellte er sich lieber auf eine lange Wartezeit ein.

„Eule!", rief da jemand von draußen.

Severus und Narcissa vergaßen sofort ihr Wortduell und eilten zum nächsten Fenster. Draco schaute über die Schulter seiner Mutter und ignorierte dabei den stechenden Schmerz, als er sich zu schnell bewegte. Obwohl er es besser wusste , hoffte er jedes Mal, wenn jemand eine Eule sichtete, dass es sich um Harrys Schneeeule handelte. Wieder einmal wurde ihm schwer ums Herz, als er die dunkle Farbe der Eule sah, aber als sie näher flog, kam sie ihm doch bekannt vor. Dunkles Grau und viel größer als eine Schneeeule, aber er war sich nicht sicher, bis er das Federmuster genau ausmachen konnte.

„Ilmauzer!", lachte er und streckte seinen linken Arm aus. Er hätte nicht gedacht, dass seine Eule überlebt hatte.

Snape sagte etwas von einer Falle, aber Narcissas Stimme übertönte ihn und Ilmauzer landete elegant auf Dracos Arm. Der Brief an seinem Fuß war nicht einer von Millicents einfachen Nachrichten, sondern ein recht großer Umschlag mit zwei goldenen Siegeln und einer in eleganter Schrift geschriebenen Adresse.

Da Draco seine andere Hand nicht verwenden konnte, nahm Severus den Brief und eilte in Richtung Treppe. Er musste sich darüber nicht mit Narcissa streiten. Die Siegel waren von Dumbledore sowie vom Ministerium. Was immer der Umschlag enthielt, er musste von Lucius geöffnet werden.

Sie trafen ihn in der großen Halle am Kamin an, umringt vom Großteil der anderen Ritter. Sie alle standen über Landkarten und einen alten Globus gebeugt. Ein Feuer hielt die Kälte ab und Lucius hatte sich den besten Platz gesichert. Er saß auf den warmen Steinen des Kamins. Aber der bequeme Platz schien ihn nicht vor Kopfschmerzen zu schützen, als er versuchte die winzige Schrift zu entziffern, während alle um ihn herum schwatzten. Als er seine Familie eintreten sah, setzte er sich gerade hin.

„Ilmauzer?", fragte er. „Was hat er gebracht?"

„Das hier." Severus gab ihm den Brief.

Lucius drehte den Umschlag langsam und untersuchte erst die Siegel und dann das Schreiben. „An Lucius Malfoy, Kommandant der Walpurgisritter und Begleitung."

Jetzt hatte er die Aufmerksamkeit aller. Er zögerte nur einen Moment, bevor er die Siegel brach und einen zweiseitigen Brief herauszog. Das Briefpapier war golden umrandet.

„In der Hoffnung, dass dieser Brief die Ehre hat, Lucius Malfoy und die Walpurgisritter zu erreichen, entschuldigen sich der Zaubereiminister und der Direktor von Hogwarts, der Schule für Zauberei und Hexerei, aus tiefstem Herzen für die Feindseligkeiten unserer Auroren am Ende der Schlacht von Hogwarts."

Lucius' Stimme wurde zum Ende hin zu einem Flüstern und er blinzelte schockiert. Hier und dort wurde verstohlen geraunt und alle traten näher.

„Unsere Auroren waren sich des wahren Ausmaßes der Hilfe der dunklen Gemeinschaft in dieser Schlacht nicht bewusst. Noch wichtiger ist jedoch, dass ihr Urteilsvermögen getrübt war durch den, wie nun bekannt ist, langen Krieg zwischen der dunklen und der hellen Gemeinschaft. Sowohl Albus Dumbledore als auch Harry Potter haben uns versichert, dass Ihre Gemeinschaft das Ende des Krieges wünscht und mit uns in Frieden leben will. Der Großteil der Schülerschaft von Hogwarts hat dies ebenso bezeugt.

Unsere Gemeinschaft wurde gezwungen, unsere Vergangenheit genauer zu untersuchen und schreckliche Wahrheiten zu enthüllen, die bis vor kurzem noch im Verborgenen lagen. Während wir zwar nicht glauben, dass wir die Gesamtheit unserer Geschichte je verstehen werden, sehen wir nun ein größeres Bild als zuvor.

Aus diesem und anderen Gründen, von denen einer der wichtigsten das nie dagewesene Vertrauen und der gute Wille des jungen Malfoy ist, ist es unser größter Wunsch, Ihnen die Hand zum Frieden zu reichen. Der Krieg zwischen unseren Welten dauert schon zu lange, als dass wir uns erinnern könnten. Es ist Zeit, dass dieser Krieg endet, bevor noch mehr Blut vergossen wird."

Hastig drehte Lucius die Seite um und las den nächsten Teil.

„Da das Ministerium noch nicht wieder aufgebaut ist, hoffen wir, dass Sie uns die Ehre erweisen werden, sich mit uns am kommenden Samstag um zehn Uhr morgens auf dem Gut der Diggorys zu treffen. Eine diplomatische Delegation bestehend aus mir, Albus Dumbledore, Harry Potter und noch einigen anderen würde Sie in Empfang nehmen. Wir verstehen, dass Sie sich um Ihre Sicherheit sorgen und sind daher willens, einige vernünftige Forderungen Ihrerseits zu erfüllen.

In großer Hoffnung, unterschrieben von Rufus Scrimgeour, Zaubereiminister und Albus Dumbledore, Direktor von Hogwarts."

Allen hatte es die Sprache verschlagen. Unerwartet war untertrieben. Ein Wunder vielleicht, wenn es denn wahr war.

„Eine Falle", flüsterte jemand. „Es muss eine Falle sein."

„Sie sind vielleicht der Eule gefolgt ..."

Snapes Stimme schnitt das besorgte Gemurmel ab.

„Wir hätten es gesehen, wenn ihr jemand gefolgt wäre", sagte er. „Und der Brief ist auch nicht verzaubert."

„Dann hoffen sie, uns damit in Sicherheit zu wiegen", sagte die Hexe, die als erstes an eine Falle gedacht hatte. Es war Pansys Mutter, wie Draco erkannte. „Uns in einen Hinterhalt zu locken."

Goyle nickte. „Scrimgeour hat uns jahrelang gejagt. Er hat meinen Vater getötet."

Während die anderen die Glaubhaftigkeit des Briefes anzweifelten, setzte sich Lucius und schloss die Augen, um nachzudenken. Draco beobachtete ihn einen Moment und schaute sich dann im Raum um. Wie merkwürdig, dass sie alle untereinander stritten, wenn doch Lucius die Entscheidung treffen würde. Außer Snape und Narcissa, wie er bemerkte, die einfach darauf warteten, dass das Oberhaupt der Familie sprach.

Nachdem er die Slytherins jedoch so lange angeführt hatte, war Draco nicht damit zufrieden, nur zu warten. Er hielt nur kurz inne, damit seine Eule das Gleichgewicht halten konnte, setzte sich dann auf die andere Seite des Feuers und drehte sich zu Lucius.

„Vater."

Lucius öffnete die Augen und betrachtete ihn.

„Jemand muss gehen."

Draco hatte leise gesprochen, aber die Streitereien hörten auf. Oder besser gesagt, war er nun Ziel von Ausrufen wie „Bist du verrückt?" oder „Ist er nicht ganz bei Trost?" und von ein paar geringschätzigen Worten die Wirkung von Snapes Zaubertränken betreffend. Lucius hob die Hand, um sie zum Schweigen zu bringen und starrte dann seinen Sohn einen Moment lang an.

„Wieso muss jemand gehen?", fragte er.

„Wir können uns nicht für immer verstecken. Sogar versteckte Familien kann man finden. Wir können nicht gegen sie kämpfen, ohne dass die meisten von uns sterben. Wenn die Möglichkeit besteht, dass sie es wirklich ehrlich meinen, müssen wir diese Chance ergreifen."

„Und wenn sie lügen und dann denjenigen töten, den wir zu ihnen geschickt haben?", fragte Lucius.

Draco schloss die Augen. Niedergestreckt durch einen Hinterhalt, nachdem er geholfen hatte, Voldemort zu töten, schien so unwürdig. „Dann hast du nur eine Handvoll Zauberer verloren. Der Rest kann dann versuchen, sich für den Rest der Zeit, die uns dann noch bleibt, zu verstecken.

Hinter ihm gab Narcissa einen leisen Protestlaut von sich, aber Lucius überraschte sie mit einem kleinen Lächeln.

„Draco, du hast zu viel Zeit mit Severus verbracht", sagte er. „Du klingst schon so frohgemut wie er."

Severus gab einen merklichen Laut der Empörung von sich, stritt die Aussage aber nicht ab.

Lucius warf wieder einen Blick auf den Brief, las ihn nochmals durch und starrte dann den abgenutzten und verblassten Globus an. Die Welt schien viel einfacher zu managen zu sein, wenn er sie mit einer Hand drehen konnte.

„Ich werde einige Forderungen zurückschreiben", entschied er dann. „Manche sogar für einen Malfoy äußerst unvernünftig."

Ungewollt mussten seine Ritter lachen, erleichtert, dass er eine Entscheidung getroffen und einen Plan hatte.

„Wenn sie allen zustimmen", fuhr er fort, „dann wissen wir, dass wir ihnen nicht trauen können."

„Und wenn nicht?", fragte Goyle.

„Dann werden wir vorbereitet sein. Mein Stock wird uns als Portschlüssel dienen, wenn alles den Bach runtergeht."

Narcissa vermied ihn anzuschauen. „Wer wird gehen?"

Er antwortete nicht gleich. „Ich, Severus und Draco."

Ohne ein weiteres Wort drehte sie sich um und stürmte aus der Halle. Lucius schaute ihr nicht nach. Er legte den Brief auf die Karten und blickte seine Ritter an.

„Sucht weiter nach möglichen Verstecken", befahl er. „Zieht jedes Land in Betracht. Und wenn ihr alle nach Shanghai bringen müsst, dann macht das!"

Er stand auf und drehte die Schultern, um sie nach dem stundenlangen Sitzen zu lockern.

„Draco, Severus."

Keinen von beiden musste er sagen, dass sie ihm folgen sollte. Sie taten es einfach und gingen mit ihm zu Lucius' Räumen. Severus jedoch blieb mehrere Meter von der Tür entfernt stehen und legte seine Hand auf Dracos Schultern, um ihn auch zu stoppen. Sie sahen zu, wie Lucius an der geschlossenen Tür klopfte und darauf wartete, dass Narcissa ihn hereinbat. Kurz darauf öffnete sich die Tür und er schlüpfte hinein, wobei er sie offen stehen ließ, da er erwartete, dass Severus ihm folgte. Mit einem geflüsterten Zauber schloss Severus die Tür und lehnte sich an die Wand, um zu warten.

„Wenn er denkt, dass ich mich dieser wütenden Frau stellen werde, dann ist er sogar noch idiotischer als du", sagte er.

„Sie wird ihn nicht verhexen oder?"

„Nein ..." Ein gedämpfter Fluch kam von innen und dann das Geräusch eines Zaubers, der abgewehrt wurde. „... aber nur, weil er der bessere Duellant ist."

Bei den nächsten Flüchen zuckte er zusammen. Es waren Zauber, die Lucius wirklich verletzten würden, wenn er sie nicht abwehren konnte, aber Draco tat sein bestes, um sie zu ignorieren und lehnte sich gegenüber seinem Meister an die Wand. „Du weißt, warum ich gehen will", sagte er. „Wirst du wirklich mit uns kommen?"

Severus' Gesicht verfinsterte sich. „Malfoys sind nicht nur waghalsig. Ihr habt eine verdammte Todessehnsucht. Munter zum Ministerium marschieren – das ist wie das Schaf, das in die Höhle des Löwen geht, weil er es zum Tee eingeladen hat."

„Wenn sie uns angreifen, sind wir hinterher nicht mehr so dumm, ihnen zu vertrauen", meinte Draco. „Wenn sie nur mit uns verhandeln wollen, um sich Zeit zu verschaffen, um einen Angriff auf uns vorzubereiten, dann müssen wir es wissen. Wenn sie uns hinhalten, können wir vielleicht präventiv zuschlagen."

Severus neigte den Kopf. „Hattest du nicht eben gesagt, dass wir keine Chance in einem Kampf mit ihnen hätten?"

„Ich wollte, dass Vater mir erlaubt, mit euch zu gehen", sagte Draco.

„Du kleine Schlange im Gras", flüsterte Severus. „Lucius hatte sich wahrscheinlich ohnehin schon entschieden. Und nun willst du sichergehen, dass ich auch mitkomme."

„Wir brauchen dich dort", sagte Draco. „Du hältst uns davon ab, uns selbst umzubringen."

„Vergiss das niemals!", blaffte Severus. „Nur die Götter allein wissen, wie es deine Familie je geschafft hat, ohne mich zu überleben."

Draco wusste es von seinen Träumen. „Nicht lang. Aber nun sind wir die dunklen Zauberer, die als einzige in der Geschichte so lange gelebt haben."

„Trotz eurer besten gegenteiligen Anstrengungen."

„Meister ..."

„Habe ich diese Familie je im Stich gelassen?", seufzte Severus, schloss die Augen und rieb sich die Schläfen mit einem Finger. „Natürlich werde ich mit euch gehen."

Draco lächelte erleichtert, als er es ausgesprochen hörte.

„Mir wird schon bei dem Gedanken daran schlecht, was ihr alles anrichten würdet, wenn ihr auf euch gestellt wärt."

Dracos Lächeln schwand und er öffnete den Mund, um sich zu beschweren, wurde aber durch die Tür unterbrochen, die gegen die Wand knallte.

„Severus! Komm rein!"

Die Stimme war so schrill, dass Draco nicht wusste, wer das geschrieen hatte. Er stolperte, als Ilmauzer erschrocken mit den Flügeln schlug und sich etwas fester an seinen Arm krallte.

„Warte hier", sagte Severus leise. „Bestimmt will deine Mutter dich um sich haben, wenn sie sich beruhigt hat."

Er beobachtete schweigend, wie Severus ins Schlafzimmer ging und lachte dann vor sich hin. In ein paar Tagen würde er in die Höhle des Löwen marschieren und hoffen, dass er nicht gefressen wurde. Ja, er wollte auch zu seiner Mutter, wenn sie sich wieder beruhigt hatte.

Ilmauzer schuhute leise und Draco lächelte.

„Ich habe nichts für dich", sagte er. „Aber wenn du ihn die Küche fliegst, bekommst du bestimmt etwas."

Er ging zum Fenster und Ilmauzer hüpfte auf die Fensterbank. Bevor er fortflog, streichelte Draco ihn noch kurz, dann schlug er mit den Flügeln und flog um das Schloss, bis er nicht mehr zu sehen war. Der Schnee war makellos, niemand hatte in ihm gespielt und Draco streckte seine Hand in die kalte Luft. Der Temperaturunterschied zwischen dem zauberwarmen Schloss und dem Winterwind jagte wohlige Schauer über ihn.

„Harry!", flüsterte er, „ich komme."

Vier Tage später stand er an der Seite seiner Familie am Kamin. Sein rechter Arm tat immer noch weh, obgleich es nicht mehr so schlimm war. Seine provisorische Schlinge war durch eine aus feiner Seide ersetzt worden, die sie aus einem der noch übriggebliebenen Kleider seiner Mutter geschnitten hatten. Sie passte zu seiner schwarzen Robe, die sorgfältig von Rissen, Brandflecken und Verschmutzungen gereinigt worden war, bis sie gut genug für eine formelle Versammlung war. Sein Zauberstab war gut verborgen in einer Innentasche und er hoffte, dass er ihn nicht einsetzen musste. Obwohl sie alle dachten, dass der Preis hoch genug war, um drei Malfoys zu riskieren, wollte Draco nie wieder um sein Leben kämpfen müssen.

„Ich wünschte, ich hätte dir etwas eleganteres besorgen können", meinte Narcissa und entfernte eine Fusel von seinem Kragen. „Du siehst wie Severus aus."

„Mit den Haaren wird er schon nicht verwechselt werden", entgegnete Severus.

Ein schwarzes Band hielt seine Haare zusammen, so dass er aussah wie eine merkwürdige Mischung zwischen seinem Vater und seinem Meister. Und seiner Mutter, da er seinen dünnen Köperbau von ihr hatte. Nützlich als Schlange, aber ärgerlich als Mensch.

Neben ihnen sprach Lucius zu seinen Rittern und gab ihnen wahrscheinlich letzte Befehle. Draco wollte es nicht hören und stellte auf Durchzug so gut es ging.

„Wenn ihr am Ende des Tages nichts von uns hört", sagte Lucius, „dann verschwindet von hier. Narcissa weiß wohin. Hört auf sie, als wäre sie ich. Sie hat die Befehlsgewalt, solange ich nicht da bin."

Er zog Handschuhe an und griff dann nach seinem Stock. Dann holte er tief Luft und trat vor den Kamin. Sie hatten sich schon verabschiedet. Sie mussten jetzt nur noch gehen. Sie nahmen alle eine Handvoll Flohpulver und starrten in die sich drehenden Flammen.

„Seid vorsichtig", sagte Narcissa leise.

Lucius nickte, zögerte nochmals, trat in den Kamin, rief „Diggory-Gut" und verschwand. Severus folgte ihm auf den Fersen und Draco direkt nach ihm, da sie wussten, dass sie so im Falle eines Hinterhalts bessere Chancen haben würden.

Er trat in eine private Bibliothek, in der durch ein großes Fenster das Sonnenlicht auf einen Schreibtisch fiel, der mit losen Pergamentrollen bedeckt war. Er konnte nicht anders, als sie mit der viel eindrucksvolleren Bibliothek seines Vaters vergleichen, aber die war mit dem Haus abgebrannt und die Erinnerung tat weh. Da ihm keine Flüche um die Ohren flogen, nahm er an, dass sie im Moment sicher waren und das Treffen wie geplant stattfinden würde.

Das alles ging ihm durch den Kopf, als er neben Severus trat, aber er vergaß alles, als er sah, dass Harry vor ihnen stand. In den formellen Roben schien er sich nicht sehr wohl zu fühlen. Draco wusste, dass noch andere Leute bei Harry waren, aber in diesem Moment war alles, was er sah, das Lächeln des Gryffindors. Er sah nicht aus, als hätte er eine Schlacht geschlagen. Alle seine Wunden waren versorgt worden und nur die kaum sichtbaren Augenringe und eine leichte Blässe ließen darauf schließen, was er durchgemacht hatte. Er hoffte, dass er im Vergleich nicht zu heruntergekommen aussah. Dann fing jemand an zu sprechen und Draco musste wenigstens so tun, als würde er der Welt um ihn herum seine Aufmerksamkeit schenken.

Neben Harry standen Rufus Scrimgeour und Dumbledore und wenn der Zaubereiminister einem Löwen glich, dann glich der Direktor der sprichwörtlichen Katze, die etwas ausgefressen hatte und damit davongekommen war. Draco fragte sich, was für Pläne Dumbledore ausgeheckt und hinter den Kulissen in Gang gesetzt hatte, um dieses Treffen zu arrangieren. Scrimgeour sah sehr nervös aus.

„Verehrte Gäste", sagte Scrimgeour mit einem höflichen Lächeln. „Bitte lassen Sie mich der Erste sein, der Ihnen für Ihre Hilfe im Kampf gegen Du-weißt-... ähm... Voldemort seinen tiefsten Dank ausspricht."

„Der Tod des Dunklen Lords nimmt uns allen eine große Last von den Schultern", antwortete Lucius.

Draco konnte ein Zusammenzucken gerade so noch kontrollieren, konnte aber nicht verhindern, dass er sich etwas versteifte. Er hatte lange gebraucht, um Voldemort vor anderen nicht mehr als Dunklen Lord zu bezeichnen. Es laut ausgesprochen vor dem Minister zu hören, zeigte ihm, wie sehr sich die Zeiten geändert hatten.

„Das ist wahr", sagte Scrimgeour. „Obwohl wir uns alle wohl bekannt sind, erlauben Sie mir, uns offiziell vorzustellen. Harry Potter, Der-Junge-der-lebt und Vernichter Voldemorts. Albus Dumbledore, Direktor von Hogwarts und mich selbst Rufus Scrimgeour, Zaubereiminister."

„Tatsächlich wohlbekannt", sagte Lucius, der Scrimgeours Zauberstabhand im Auge behielt. „Wir sind die Gesandten Lord Lucius Malfoy, Kommandant der Walpurgisritter und meine Vertrauten Severus Snape und Draco Malfoy."

Scrimgeour neigte den Kopf, ließ sie aber auch nicht aus den Augen. „Sie sind uns alle auch wohlbekannt. Verzeiht mir die Frage, aber sind Sie drei die einzigen, die eintreffen werden? Wir hatten mehr erwartet."

Lucius nickte. „Wir waren uns Ihrer wahren Absichten nicht sicher. Der einzige Grund, warum wir es riskiert haben zu kommen, ist, dass Sie meiner Forderung, die Apparationssperren während des Gesprächs ganz aufzuheben, nicht nachgekommen sind."

„Sie meinen ..." Scrimgeour blinzelte. „Diese Forderung war nicht ernst gemeint?"

„Selbstverständlich nicht."

Dumbledore kicherte. „Das Treffen wäre deswegen fast abgesagt worden. Einige Mitglieder des Ministeriums waren sich sicher, dass es eine Falle ist."

Die dunklen Zauberer machten alle Geräusche der Missbilligung. So ein durchsichtiger Versuch einer Falle war fast eine Beleidigung, auch wenn sie ihn selbst verwendet hatten. Dumbledore musste ihre Blicke bemerkt haben, weil er abwinkte.

„Nichts passiert. Sollen wir hineingehen?"

Scrimgeour griff nach dem verzierten Türgriff, zögerte dann aber. „Da wir mehr von Ihnen erwartet haben, befürchte ich, dass wir eine Überzahl an Teilnehmer unsererseits haben."

Sie betraten einen Raum mit Fenstern vom Boden bis zur Decke und mit blauen Vorhängen, der wohl einmal das Speisezimmer gewesen war. Der blaue Teppich dämpfte ihre Schritte, als sie zu ihrer Seite des mit Ornamenten verzierten Tisches gingen. Draco bemerkte erst, als er direkt vor dem Tisch stand, dass dieser rund war. Ein weiteres Relikt aus der Zeit von Merlin.

Zum Glück nahmen nicht genug Personen teil, um den Tisch ganz zu besetzen. Die Zeit während der folgenden Vorstellungsrunde nutzte Draco, um die anderen in Augenschein zu nehmen. Griselda Marchbanks saß ihnen gegenüber, als säße Sie ihrem Gericht vor. Remus Lupin und Nymphadora Tonks nahmen neben Dumbledore Platz und Draco war sich sicher, dass nur der Einfluss des Direktors dafür gesorgt hatte, dass sie hier sein durften. Kingsley Shacklebolt gab sein Bestes um freundlich zu wirken und scheiterte kläglich. Cornelius Fudge versteckte seine Wut nicht. Da es kontraproduktiv gewesen wäre, den Mann zu verärgern, versuchte Draco seine Selbstgefälligkeit hinter einem Lächeln zu verstecken. Was für Veränderungen der Krieg doch mit sich gebracht hatte. Fudge war zweifellos in einer Funktion für das Ministerium hier, aber Draco war Teil der diplomatischen Gesandtschaft und somit viel wichtiger als irgendein Ministeriumsangestellter.

Vor jedem lag eine Feder und Pergament. Es gab mehrere Gläser und einen Wasserkrug für alle. Er musste für alle sein, um keinen Verdacht aufkommen zu lassen.

Während Rufus und Lucius in einen höflichen Wortwechsel vertieft waren, als hätte es nie einen Krieg zwischen ihnen gegeben, blickte Draco zu Harry und sah, dass dieser ihn bereits ansah. Da sie nicht sprechen konnten, legte Harry einen Hand an seinen Hals und zog eine Lederkordel aus seiner Kleidung, um ihm das Honigamulett zu zeigen. Draco lächelte und hoffte, dass seine blasse Haut sich nicht pink färbte.

So nah beieinander zu sitzen, aber nicht miteinander sprechen zu können, war die reinste Qual, aber es war es wert, Harry zu sehen und sich zu versichern, dass es ihm gut ging. Die Minuten zogen sich dahin und er wünschte sich, dass er wenigstens eine Notiz über den Tisch schicken könnte.

„Es tut mir leid, aber das können Sie unmöglich verlangen", sagte Fudge.

Was? Anscheinend hatte er etwas verpasst. Draco warf dem Mann einen finsteren Blick zu und zwang sich, nicht zu seinem Vater zu blicken.

„Cornelius ...",begann Griselda, wurde aber einfach übergangen.

„Diese Farce ist reine Zeitverschwendung", donnerte Fudge. „Wir wissen alle, dass wir uns niemals einigen werden. Hört euch nur diese Forderungen an. Dunkle Magie zu legalisieren, Kreuzungen zu erlauben, Entschädigungszahlungen, bei Merlin, als nächstes wollen sie, dass Nekromantie erlaubt wird!"

Irgendwie schaffte es Lucius, keine Miene zu verziehen, als er antwortete: „Zugegeben, das war der nächste Punkt auf meine Liste."

Fudge schnitt eine Grimasse und drehte sich weg. Shacklebolt stieß ein angeekeltes Zischen aus, das die Gedanken der beiden klar zu verstehen gab. Griselda wurde bleich und unterbrach nicht mehr. Dumbledore seufzte und schloss seine Augen, tat aber nichts, um die anderen zum Schweigen zu bringen.

„Nekromantie erlauben?", fauchte Shacklebolt. „Denken Sie, wir hätten zu viel Angst, um nein zu sagen? Dass wir einfach aus dem Weg gehen und euch Leute abschlachten ..."

„Natürlich nicht", sagte Severus schließlich. „Wir hatten eigentlich gehofft, dass Sie es erlauben, in diesen Dingen ausgebildet zu werden, damit Sie sich nicht über etwas aufregen, wovon Sie keine Ahnung haben."

„Ich habe drei Todesser festgenommen, die gerade einen Zaubertrank brauten, der Körperteile enthielt", sagte Shacklebolt. „Ich denke, ich habe sehr wohl Ahnung davon, wenn ich den Kopf eines kleinen Mädchens herumschwimmen sehe, deren Augen verkocht sind."

„Das war nicht Nekromantie", antwortete Severus.

Seine Stimme war ruhig im Vergleich zu Shacklebolts Gebrüll und der Auror hielt inne und kniff die Augen zusammen.

„Was meinen Sie damit, dass es keine Nekromantie war?"

„Nekromantie ist der Diebstahl von etwas Lebensenergie, ein kleines Stück der Seele", erklärte Severus. „Man kann es durchführen, ohne jemanden oder etwas zu töten. Wenn es tatsächlich um die Tötung ginge, müsste die Verwendung all der toten Tiere in unseren Tränken sicherlich als Nekromantie gelten."

„Kingsley, Cornelius", sagte Rufus streng. „Setz euch. Es ist genug."

Er mochte den Mann nicht, aber Draco war doch etwas beeindruckt, wie die beiden seinem Befehl nachkamen. Rufus wollte gerade etwas sagen, als das Kratzen einer Feder seine Aufmerksamkeit erregte und er zur Seite sah, um zu sehen, was Griselda sich notierte.

„Ich habe den Eindruck", sagte sie, als sie ihre spinnenhaften Notizen nochmals durchsah, „dass wir erst ernsthaft über die friedliche Fusion unserer beiden Welten sprechen können, wenn wir mehr über die Anwendung der dunklen Magie erfahren haben. Ich schlage vor, dass wir die Verhandlungen auf Eis legen und die nächsten Tage damit verbringen, uns einige Grundlagen anzueignen, so dass wir besser verstehen, wovon wir sprechen."

„Äußerst vernünftig", antwortete Lucius. „Severus kann Ihnen eine Liste mit Dingen geben, die wir für eine geeignete Vorführung benötigen."

„Wunderbar", sagte Rufus. „Vielleicht ist es dann das Beste, wenn wir uns nun zurückziehen?"

Severus senkte die Augen und Lucius legte seine Fingerspitzen sanft auf eines der Pergamente, auf das er geschrieben hatte. Draco mochte die Stille nicht und obwohl er versuchte, ihre ruhige Ausstrahlung nachzuahmen, hatte er einen Knoten im Magen. Sie planten etwas und sie hatten ihn nicht eingeweiht.

„Es gibt noch einen Punkt, den ich gerne, wenn auch nur kurz, ansprechen möchte", sagte Lucius. „Es wäre besser, es jetzt zu besprechen als später."

„Und was könnte das sein?", fragte Rufus.

Lucius trommelte mit den Fingern kurz auf den Tisch, als er sorgfältig über seine Antwort nachdachte. „Dunkle Zauberer führen ihre haltbarsten und wichtigsten Zauber mit Blut ..."

„Merlin", flüsterte Fudge. „Wenn Sie nach einem verdammten Blutopfer fragen ..."

„Ganz und gar nicht", sagte Lucius. „Ich will damit sagen, dass wir uns bei Verhandlungen nicht nur auf ein Stück Papier und den guten Willen verlassen. Wenn meine Gemeinschaft glauben soll, dass wir zu einer Einigung gekommen sind, benötigen wir etwas substantielleres. In diesem Fall, da wir zwei getrennte Welten vereinen wollen ... denke ich, dass eine Heirat vonnöten ist."

„Heirat?", fragte Nymphadora, die zum ersten Mal das Wort ergriff. „Wie wenn zwei Adlige heiraten, um ein Reich zu vereinen?"

„Das macht Sinn", sagte Dumbledore. „Politische Heiraten sind wohl bekannt in unserer Geschichte. Und wenn ich Ihr Verständnis von Loyalität und Familie richtig deute, dann würde das unsere Bande viel mehr stärken, als alles andere."

„Ich werde nicht zulassen, dass eine junge Hexe zur Heirat gezwungen wird", schnappte Griselda. „Und wer soll es sein? Soll das eine dieser Ehen werden, bei denen ein Kind mit einem Zauberer verheiratet wird, der dreimal so alt ist wie sie?"

„Um ihre Frage nach dem Wer zu beantworten", sagte Lucius, „der dunkle Zauberer wird mein Sohn sein."

Dracos Magen wurde zu einem großen Knoten. Er konnte den Blick nicht vom Tisch losreißen, geschweige denn Harry in die Augen sehen. Kein Wunder, dass sein Vater vorher nichts gesagt hatte. Er wusste, dass sein Sohn sich mit Händen und Füßen wehren ...

Nein. Lucius wusste, dass sein Sohn nichts als seine Pflicht tun würde. Loyalität über alles, besonders über sein eigenes Glück. Er ließ eine Hand unter den Tisch gleiten und krallte sie in seine Robe. Die gleiche Loyalität, die seine Eltern in den Tod geführt hätte, um ihn zu beschützen, band ihn an ihren Willen.

„Und ist er mit diesem Arrangement einverstanden?", fragte Griselda leise und ungläubig. „Als ein Friedensangebot verwendet zu werden?"

„Wenn das der Wille meines Vater ist", antwortete Draco einfach. Er spürte, wie alle ihn ansahen, fühlte Harrys Schmerz, ohne aufblicken zu müssen. Alles war gesagt.

„Was euren Teil der Abmachung angeht", fuhr Lucius fort, als hätte es keine Unterbrechung gegeben und schob das Pergament über den Tisch zu Scrimgeour. „Ich habe eine Liste mit den von uns erwarteten Eigenschaften."

„Eigenschaften?", fragte Remus und blickte auf die Liste. „Keine Namen?"

„Sie denken vielleicht, dass wir Monster sind", antwortete Lucius, „aber wir schätzen Fähigkeiten und Intelligenz mehr, als Sie glauben. Ich werde nicht zulassen, dass meine Familie mit einer opportunistischen Hexe vereint wird, die sich mit unserer Magie abfindet, um an unser Vermögen zu kommen."

„Volljährig", las Scrimgeour vor, der immer schneller las, je mehr er sich ärgerte. „Mindestens ein Halbblut, angesehen, eine starke Persönlichkeit, eine Führerin unter ihresgleichen, kühn im Duell, bewiesener Mut und Rücksichtslosigkeit, erfahren in dunkler Magie, nicht den Meinungen des Ministeriums hörig ... Bei Merlin, Malfoy, ich weiß nicht, wie Sie erwarten können, dass ich eine junge Dame finde, die Ihren Ansprüchen genügt. Wenn der Friede unserer Welt von dieser Heirat abhängt, dann haben Sie diesen im Keim erstickt."

Severus drehte sich etwas, lehnte sich zu Lucius und flüsterte etwas, was nur sie hören konnten. Lucius runzelte die Stirn und flüsterte etwas zurück, offensichtlich anderer Meinung. Severus flüsterte wieder und fügte schnell einen Kommentar hinzu, der Lucius Stirnrunzeln in ein Zähnefletschen verwandelte. Dieses war aber nur an Severus gerichtet und ohne ein weiteres Wort zu verlieren, holte er sich das Pergament zurück, strich etwas aus und schrieb etwas hinzu. Immer noch wütend mit seinem Freund, warf er das Dokument fast zu Scrimgeour, der die Änderungen durchlas.

„Führer unter seinesgleichen", sagte Rufus leise. Die ganze andere Seite des Tisches spannte sich an, da sie die Änderung nicht nur verstanden, sondern auch gleich eine Lösung hatten.

Alle schauten Harry an, der mit großen Augen zurückschaute.

„Ich?" Harry blickte sich nach Bestätigung suchend um. Er starrte erst Dumbledore an und dann Draco, der mit der gleichen Verwirrung im Gesicht zurückstarrte.

„Ich versteh nicht, warum er es unbedingt sein muss", brummte Lucius zu Severus, gerade laut genug, damit auch Draco es hören konnte. „Draco würde die gleichen Eigenschaften in jemand anderem auch schätzen. Jedem anderen, außer ihm."

„Wenn du ein Mädchen-das-lebt finden kannst", flüsterte Severus mit einem unerträglich selbstzufriedenen Gesichtsausdruck zurück. „Keiner der beiden Jungen ist verlobt, richtig?"

„Das ist nicht der Punkt, du unerträglicher ..."

„Eine elegante Lösung", sagte Dumbledore mit einem Lächeln, als hätte er die ganze Zeit gewusst, was passieren würde. „Jedoch muss ich darauf bestehen, da diese Entscheidung wirklich monumental ist, dass Mr. Malfoy und Mr. Potter die gebührende Zeit erhalten, darüber nachzudenken und vielleicht auch, um sich besser kennen zu lernen, bevor sie offiziell zustimmen. Ist das akzeptabel für Sie?"

„Absolut", murmelte Lucius, der eher aussah, als meine er das glatte Gegenteil.

„Sie müssen aber beaufsichtigt werden", warf Severus ein, da Lucius gerade nicht in der Lage war, vernünftig denken. „Die ganze Zeit über. Die Götter alleine wissen, welchen Ärger sich junge Männer in diesem Alter einfangen, besonders diese beiden."

„Das stimmt allerdings", sagte Dumbledore. „Ihre Zeit in Hogwarts liest sich fast wie ein billiger Taschenroman mit all den Abenteuern und Katastrophen."

„Katastrophen?" wiederholte Lucius, blinzelte und drehte sich langsam zu Severus. Sein Gesicht verfinsterte sich, als Severus seinen Blick mied und stattdessen eifrig seine Notizen studierte. „Ich denke, davon würde ich gerne hören."

„Sehr gut", sagte Scrimgeour, „Hiermit beende ich das Treffen für heute offiziell. Meine Herren, Sie können aus einer Reihe von Gästezimmern auswählen. Wir scheinen das Mittagessen verpasst zu haben, aber ein paar der Küchenelfen stehen Ihnen zur Verfügung. Benötigen Sie sonst noch etwas?"

Lucius zögerte und tippte mit einem Finger auf den Tisch, dann nickte er. „Das Malfoyverlies bei Gringotts, ist es noch eingefroren?"

„Nein", antwortete Rufus nach einem Moment, in dem er Cornelius im Auge behalten hatte, damit dieser nicht wieder anfing, sich zu beschweren. „Gegen den Willen einiger Ministeriumsbeamter, habe ich gestern befohlen, Ihre Konten wieder freizugeben."

„Danke. Wenn Sie uns einen Boten bereitstellen können, können wir eine Liste der benötigen Dinge zusammen stellen. Ich setze im Moment lieber noch keinen Fuß in die Winkelgasse.

„Verständlich", stimmte Rufus zu. „Remus, wenn Sie bitte so nett wären."

Draco machte sich nicht die Mühe, dem Rest des Gesprächs zu folgen. Er wusste, dass er glücklich sein musste, aber er fühlte nichts außer einen Sturm aus Ungläubigkeit. Seine Welt drehte sich wie wild und er wusste nicht, ob das bald aufhören würde.

Auf den Befehl seines Vaters hin, erhob er sich und folgte ihm, wie er dachte, zu den Gästeräumen. Stattdessen öffnete Lucius eine Seitentür, die in einen kleinen Innenhof führte, der sicher vom Rest des Hauses umschlossen wurde. Eine Handvoll Trauerweiden schirmten ein paar Bänke von den Strahlen der Wintersonne ab und der leichte Schneefall bedeckte den Efeu und das Moos, die jedes freie Stückchen für sich beanspruchten.

„Deine Kusine Nymphadora wird euch beaufsichtigen. Tu nichts Ungehöriges." Lucius hielt inne. „Wenn du ihm weh tust, steck ich dich in Brand."

Draco blinzelte überrascht, aber die Drohung seines Vaters galt Harry, der ihnen gefolgt war. Er wappnete sich für Harrys scharfe Antwort, aber Harry überraschte beide, da er nur verstehend mit dem Kopf nickte. Lucius warf ihm noch einen mörderischen Blick zu und schloss die Tür wieder hinter sich.

Nun, da sie endlich alleine waren, konnte Draco sich nicht überwinden, näher zu kommen. Er wusste, dass Harry sich verraten fühlen musste, da er sich den Heiratsplänen seines Vaters so schnell gefügt hatte, bevor er wusste, wen er würde heiraten müssen. Er kannte Harrys enttäuschtes Gesicht schon und obwohl er kein so hoffnungsloser Romantiker war, dass er gesagt hätte, dies sei schmerzhafter als Harrys Faust, war es doch ein anhaltendes Stechen.

„Harry ... ich ..."

Zwei warme Hände schlossen sich um sein Gesicht und hoben seinen Kopf für einen Kuss.

tbc...