Es geht weiter. DIe Familie ist recht groß.

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26. Das Problem vom Kennen lernen

How can I stand here with you and not be moved by you?

Would you tell me, how could it be any better than this?
You calm the storms, and you give me rest

You hold me in your hands, you won't let me fall

You steal my heart, and you take my breath away

Would you take me in, take me deeper now

(Lifehouse, Everything)

Carlisle

Hilft es, wenn ich dir ein paar Engländerwitze an den Kopf werfe? Ich meine sie auch garantiert nicht böse?", die Kaffeebraunen Augen funkeln schelmisch, als sie mir abends im Pub dieses Angebot macht.

Nein.", stelle ich nur halb beleidigt fest.

Ich kann verstehen, warum sie zu den wichtigsten Menschen in Jaspers Leben gehört.

Und ich kann nicht fassen, dass sie seit den Tagen, die wir hier sind, konstant in meinem Kopf ist.

Starre die Zimmerdecke an. Es ist sechs Uhr morgens und der erste Gedanke an diesem dritten Tag? Das warme Leuchten in Esmes Augen und das Kräuseln ihrer Lippen, wenn sie lacht.

Molly und die anderen Frauen haben uns gestern in den Ablauf der Hochzeitsfeier eingeweiht, sollten wir uns noch irgendwo anders als geplant einbringen wollen.

Ich bin überrascht, dass Molly und Esme sich nur flüchtig in New York kennen gelernt haben. Beide schweigen sich darüber aus, warum Molly ihrer Tochter gestattet hat, allein nach Seattle zu ihrer Freundin zu fliegen, noch warum Siobhan überhaupt so plötzlich davon stürzte.

Aber ich habe den Eindruck, dass es etwas ist, das Esme und meine irische Freundin verbindet.

Bisher halten sich aber die meisten mit ihren Kommentaren zurück. Die Männer der beiden irischen Familien stoßen sich gegenseitig an, wenn sie mich treffen oder ich etwas sage und noch immer meinen Ursprung damit verrate.

Die Männer in Owen O'Tooles oder Padraigs Alter hingegen lassen ab und an mal einen Satz fallen, der zum Glück aber immer mit Augenzwinkern versehen ist.

Padraig hat mir verraten, dass er Angst vor Siobhan hat.

Junge, du hast ja keine Ahnung wie böse meine Schwiegertochter gucken kann! Und sie hat mir aufgetragen nett zu dir zu sein, anderes würde sie mir nie verzeihen."

Frage mich, ob seine Strafe dieselbe wie für Molly ist und Siobhan einfach behauptet, zukünftige Enkelkinder zu verweigern. Hm, es gibt Momente in denen sie so herrlich jung wirkt, Momente in denen mir klar wird, wir jung sie tatsächlich ist.

Kate

Ich liebe den Feldmarschall.

Ihre Küche ist auch so ein Hausfrauenparadies und ich habe unlängst begonnen, zu backen. Immerhin habe ich vor, der Konditorentorte Konkurrenz zu machen. Auch wenn ich kein mehrstöckiges Backwerk herstellen werde, sondern Hochzeitscupcakes und CakePops.

Noch versteckt sich Siobhan mit mir in Tante Laoises Küche. Aber sobald aufgeflogen ist, wo sie ist, werden die anderen sicher an sie aufrücken.

Siobhan hat ihre Cousinen und Cousins vermisst, freut sich darauf, dass die Schwester ihrer Mam auch kommen wird, aber sie kann es gar nicht leiden, wenn man an ihr herumzerrt. Und da sie die Braut ist, wollen alle noch irgendwas mit ihr machen. Aber meine Freundin sieht diese ganze Veranstaltung recht pragmatisch. Sie stirbt ja nicht, sobald sie ja gesagt hat. Auch der Erdboden wird sich nicht auftun und sie verschlucken. Es ändert sich ja nichts, außer dass sie fortan einen neuen Nachnamen haben wird.

Ich bin erstaunt, wie leicht sie den Namen O'Toole aufgibt, obwohl sie das einzige Kind ihres Vaters und so stolz darauf ist. Aber zum einen gäbe es genügend O'Tooles die ihren Namen weitervererben und für sie ist es ein deutliches Bekenntnis.

Selbst wenn ich Liam davon überzeugen wollte, dass wir nicht denselben Nachnamen haben müssen, würde es Pad das Herz brechen. Er hat nur diese eine Chance SEINEN Namen weiter zugeben.", obwohl es auch mehrere Gallaghers gibt, die das könnten, aber ich verstehe, dass es wieder um Stolz geht. Außerdem ist es auch für meine Freundin ein deutliches Zeichen, auch wenn sie es anders verkauft. Es ist ein Zeichen, dass sie und Liam nun eine Familie sind.

Was ich recht amüsant finde, ist die Diskussion, die zwischen Owen und Molly ausgebrochen ist. Sie streiten darum, wer die Braut zum Altar führt.

Da es Shamus O'Toole nicht mehr möglich ist, beanspruchen beide diesen Part. Owen mit der Begründung, dass es immer väterlicherseits ist und es komisch aussieht, wenn die hochgewachsene Siobhan von der normalgroßen Molly geführt wird.

Molly zieht die Einzelkindkarte.

Siobhan hat angedroht, Padraig zu fragen, wenn sich beide nicht einigen. Als das nichts gebracht hat, hat sie Carlisle vorgeschlagen, da war dann erstmal Ruhe.

Liam hatte geschmunzelt und leise Oma Yoda vorgeschlagen.

Ich habe mir erhofft, dass diese Reise mich von dieser Krankheit, die ich Garrett nenne, heilen würde, aber nichts passiert. Es wird wenn möglich nur schlimmer.

Nachdem er in der ersten Nacht hinter mir lag und ich deutlich spüren konnte, was er dazu zu sagen hatte, befinden wir uns in einer Abwärtsspirale.

Während der Weiberheld hinter mir tatsächlich eingeschlafen war, lag ich solange wach, bis wirklich alles eingeschlafen war und darüber hinaus. Weil es mich angetörnt hat, dass ich das verursacht habe. Es gefällt mir, dass ich diese Art von Macht habe, es verschafft mir Genugtuung.

Am nächsten Morgen habe ich ihn angesehen,

wie friedlich er aussieht, wenn er schläft. Er sieht gut aus. Und wieder hat er mich beim Starren erwischt, seine blaugrauen Augen mit einem Mal hellwach.

Er hat mich die halbe Nacht gequält, dass werde ich ihm heimzahlen!

Lächele. Er weiß nicht, was ich vorhabe.

Morgen.", begrüße ich ihn fröhlich, verwundert blickt er mich an, er weiß nicht, dass er auf dem Rücken genau in meinen Plan passt. Setzte mich auf seinen Bauch und der Schreck in seinem Gesicht ist göttlich. Jetzt werde ich ihn mit eigenen Mitteln schlagen. „Gut geschlafen?", zirpe ich unschuldig, neige mich ein Stück zu ihm hinab, nur kurz. Garretts Hände packen meine Oberschenkel, sodass ich nicht mehr aufstehen und einfach gehen kann, mein Plan nicht mehr umzusetzen ist.

Habe nicht berücksichtigt, dass er kein kleiner Collegejunge mehr ist, der nur dumm guckt, mit dem man so was machen kann. Das Glühen in seinen blaugrauen Augen macht mir eindeutig klar, dass diese Situation nicht so ausgeht, wie ich es geplant habe. Aber ich kann es nicht finden, mich dagegen zu wehren. Küsse ihn. Denn auch wenn er widerlich ist, ist er doch so….

„Wenn du das noch länger aufschlägst, hast du Butter.", stellte Siobhan grinsend fest. Eine ihrer Cousinen blickt mich ebenfalls schmunzelnd an.

Sie ist doch an allem Schuld! Sie hat mich eingeladen, hat mich hier in einen Raum mit dem Hallodri gesteckt und schon viel zu früh erkannt, was ich nicht wahrhaben will.

Ich stehe auf Garrett. Aber, auch wenn ich seinen Lebenswandel außer Acht lasse, was soll er mit mir? Im Vergleich zu ihm bin ich ein Kind. Jemand, der sein eigenes Leben nicht geregelt bekommt und er hat einen Parlor, weiß genau, was er vom Leben will. Ist zwölf Jahre älter als ich.

In diesen Schlamassel hat mich meine beste Freundin reingezerrt, hat ihren Spaß dabei, mich damit zu quälen, nur weil sie weiß, was sie will und wie sie es bekommt. Auch wenn sie immer darauf plädiert, dass sie nur viel Glück hat.

„Kate, kommst du mit?", Deirdre lächelt freundlich. Ha! Ich gönne Sio alle, die jetzt wieder an ihren Entscheidungen zerren, an Sitzordnungen, Abläufen und Organisation herumdiskutieren.

„Ich komme nach.", verspreche ich. Ich bin noch nicht ganz fertig. Und schäme mich ein bisschen, dass ich so schadenfroh bin.

„Komm nicht so spät. Essylt kommt heute an.", bittet meine Freundin, die das alles viel gelassener hinnimmt, als ich erwartet habe.

Auf Oma Yoda freue ich mich schon richtig, auch wenn sie nun einen Tag später ankommt, als geplant. Nicke dienstbewusst. Laoise erkundigt sich, ob ich alles habe und verabschiedet sich mit den Frauen. Sie und Siobhan grinsen sich einen Moment an, bevor sie gänzlich aus meinem Sichtfeld verschwunden sind.

Atme erleichtert aus, als die Tür ins Schloss fällt.

Ich hatte heute Morgen wieder Sex mit dem Mann, von dem ich sage, dass ich ihn hasse.

Mit dem widerlichen Weiberhelden, den Siobhan über den grünen Klee lobt.

Mit dem Mann, dessen graublaue Augen strahlen, wenn er Süßigkeiten entdeckt.

Der Mann, der gerade mein größtes Problem darstellt, weil ich in ihn verliebt bin.

Verräume das Geschirr, lagere die CakePops ordentlich in einer Vorratsdose.

Als die Tür geht, nehme ich an, dass es Liams Onkel oder einer von Laoises Söhnen ist.

Laoise behauptet ja, dass Ronan schon lange keinen ganzen Tag mehr hier gewesen sei, aber als ich gestern zu backen begonnen habe, stand er die ganze Zeit im Weg rum.

Sehe auf, um mich für die Nutzung der Küche zu bedanken, bevor ich mich auf den Weg zu Siobhan mache.

Es hat erst für Verwirrung gesorgt, warum ich nicht in Pads Küche backe, ich habe allen dann erzählt, dass das Ergebnis doch eine Überraschung für unsere Bald- Vermählten sein soll. Dass ich die Männer im Gallagher'schen Haushalt stören würde, wenn sie den Junggesellenabschied und die Brautentführung besprechen.

Aber eigentlich versuche ich nur mein Backwerk vor dem Vielfraß zu schützen. Das, und meine Nerven. Weil es mich jedes Mal aufs Neue schmeichelt, wenn er von meinen Kreationen schwärmt- und es mich aufregt, wenn er meinen Kuchen verweigert.

Aber es ist keiner von Laoises Männern.

Es ist Garrett, der ziemlich angefressen aussieht.

Woher weiß ausgerechnet er, dass ich hier bin?

„Du versteckst dein Backwerk vor mir.", stellt er fest und mir kommt diese Szene gerade sehr bekannt vor.

„Du willst doch meinen Kuchen nicht mehr.", und ja, ich bin von seinem Embargo immer noch beleidigt.

„Zum einen, vielleicht habe ich meine Meinung ja geändert.", stützt seine Hände auf die Küchentheke zwischen uns. „Zum anderen, nur weil ich deinen Kuchen nicht will, heißt dass nicht, dass andere ihn anfassen sollen!", grollend.

„Wovon redest du, kréten (Trottel)?", stemme meine Hände in die Hüften, als er nach einem Tablett mit Cupcakes schielt, die ich noch nicht verpackt habe.

Garrett blickt mich an, ich kann ehrliche Wut in seinen Augen lesen. „Du beschimpfst mich ob meines Lebenswandels und selbst bist du nicht besser!", zornig.

„Was?!",

„Hast oder hast du nicht für einen anderen gebacken? Gestern?", hakt er nach und sieht mich böse an. Ist er eifersüchtig?

Ich backe auch in Seattle für andere Menschen.

„Und jetzt komm mir nicht damit, dass es das selbe wie zuhause ist, little One! Das ist es nicht! Ich will nicht, dass du… dich bei einem anderen so anbiederst!"

Ich weiß nicht mal wovon er redet, verspüre aber den Drang genau das Gegenteil von dem was er sagt zu behaupten.

„Ich bin nicht du, ich hure nicht herum.", protestiere ich eingeschnappt.

„Du bietest deinen Kuchen sehr freizügig an."

Ich zerkratze ihm das Gesicht!

„Von wem verdammt redest du?", das ist mir wirklich zu blöd. Ich sollte sauer auf ihn sein, dass wir Sex haben, aber er mir die Schuld daran gibt, weil ich nicht wisse, was ich will. Ich will ihn, aber in welcher Welt reicht das schon aus?

„Was war das gestern mit Ronan? Ich will nicht…"

Er ist so ein Idiot! Was auch immer er sagt, geht an mir verloren, weil mein krankes Hirn schon wieder abdriftet.

Aber anscheinend geht es nicht nur mir so, als er seine Lippen auf meine drückt. Ich habe nicht mal mitbekommen, dass er näher gekommen ist.

Wir stolpern ein paar Schritte, Garretts Hände packen meine Rückseite und heben mich auf die Küchenzeile. Stützt seine Hände neben mir ab, selbst wenn ich entkommen wollte, hätte ich keine Chance.

„Verdammte…!"; zucke erschrocken zusammen und starre den Zerzausten irritiert an, der seine rechte Hand einen Moment anstarrt.

Verdammt, er hat auf die Herdplatte gefasst, die noch warm war.

Er tut mir leid, aber als er seine Hand unter kaltes Wasser hält, wird mir klar, dass diese Szene auch komisch ist. Ich darf jetzt nicht loslachen.

Garrett blickt mich von der Seite an, als ich ihm ein Kühlpack auf die Handfläche drücke.

„Das habe ich davon, dass ich in…",

wieder geht die Tür auf,

das er was?!

„Ihr seid ja beide da!", Ronan steht überrascht, aber grinsend in der Küchentür. „Siobhan hat ihr Telefon vergessen und hat eigentlich gesagt, ihr wärt schon unterwegs."

Das ist so typisch meine beste Freundin, die ihr Handy so schändlich missachtet und es stets irgendwo vergisst. Seitdem Maggie da ist, soll es besser geworden sein.

Ron ist nett, aber wenn er nicht hereingekommen wäre, wüsste ich jetzt, was Garrett sagen wollte.

„Hab ich euch bei was gestört?", nimm das Handy und geh!

Und mit einem Mal beginnt tatsächlich ein Handy zu klingeln, aber es ist nicht Siobhans.

„Hier. Sie will mit dir reden.", Garrett reicht mir sein Telefon, bevor er das meiner besten Freundin einsackt und das Tablett mit den CupCakes mit Folie abdeckt.

„Siobhan?"

„Aye. Und wie fand es Garrett, dass du Süßwaren vor ihm versteckst?", kichert sie am anderen Ende. Ich kann Molly und Alice im Hintergrund hören. Und Maddy.

„Du hast ihn mir auf den Hals gehetzt!?"

„So ein hartes Wort! Ich hatte ein interessantes Gespräch mit Garrett und Liam, da konnte ich einfach nicht anders.", zirpt sie. „Bis gleich!"

„Warte!", doch meine beste Freundin hat schon aufgelegt.

Dieses kleine hinterhältige Weibsbild!

„Ich will nicht, dass er von deinem Kuchen abbekommt!", zischt Garrett mir zu, als ich zwischen ihm und Ron zum Stehen komme. Ich verstehe sein Tamtam nicht, Ron ist zu mir genau wie zu Siobhan oder Esme.

Verdrehe bloß die Augen.

„Wohin willst du mit dem Tablett? Die sind für morgen, wenn wir Mädels in unseren Jungesellinnenabscheid losziehen.", eigentlich wird es ein Abend mit allen Frauen, inklusive Oma Yoda und Orla Gallagher, der laut und bunt wird. Und verdorben, behauptet Molly. Laoise freut sich jetzt schon drauf.

Garrett sieht mich aus großen, fast kindlichen Augen an.

„Wegzehrung?", doch es klingt mehr nach Feststellung, als Frage.

Also hat er seine Meinung geändert.

„Ich teile nicht.", während er Ron ansieht, der nur belustigt den Kopf schüttelt.

„Garrett, was wolltest du eigentlich hier?", erkundige ich mich. Siobhan wird ihn nicht einfach so geschickt haben.

„Das Blümchen wollte wissen, wo du bleibst."

Aha, und Ron kommt wenige Minuten später durch die Tür, weil sie ganz zufällig ihr Handy vergessen hat? Es ist unfassbar, dass die billigen Tricks bei ihr funktionieren.

Na warte, dieses Mal entkommst du mir, dem Vodka und der Wahrheit nicht!

Wer eine beste Freundin hat- und ich liebe meine sehr- braucht keine Feinde mehr.

Siobhan

Das Gute an einer großen Familie ist, dass sie als Puffer dienen. Garrett und Kate sind so abgelenkt, dass sie vergessen, auf mich sauer zu sein.

Allerdings mache ich mir nun ein bisschen Sorgen um Ron, der mir zwar mit seinen Kommentaren auf die Nerven fällt, aber inzwischen ganz weit oben auf Garretts Abschussliste steht. Vor allem seitdem Ron die CupCakes angefasst hat und Kate nun mit Lobhudelei überschüttet.

Meine allerliebste Essylt. Sie wird sicher genau das sehen, was wir auch sehen und schon dazu beitragen, dass Garrett und Kate sich endlich wie erwachsene Menschen benehmen.

Essylt stützt sich mit der einen Hand auf ihren Stock, mit der anderen umfasst sie Liams Arm.

Er und Pad haben sie abgeholt. Pad benutzt nun öfter die Ausrede, Hilfe zu brauchen, so dass er noch mal mit seinem einzigen Sohn sprechen kann, bevor der ein Ehemann ist. Es ist ganz süß. Seitdem Padraig erfahren hat, dass Garrett keinen Vater mehr hat, bezieht er ihn mit ein. Dabei kann Garrett damit umgehen. Aber es ist dennoch wirklich süß.

Ich kann die alte Dame schimpfen hören. Maggie und Tia kommen angeflitzt.

„Ist das da meine liebe Siobhan? Und mein Feuerköpfchen?", Maggie kichert. Begrüßt Liams Großmutter laut und deutlich.

„Ach, cailín milis (süße Mädchen), ich wäre schon viiieeel früher hier gewesen", seufzt Essylt. „aber Padraig fährt wie eine alte Frau!", bufft ihrem Schwiegersohn mit dem Stock gegen den Schuh. „Du hättest mich fahren lassen sollen!"

Liam unterdrückt sein Lachen. Pad verzieht das Gesicht. „Du kannst fast nichts mehr sehen!"

„Und? Ich wäre schneller hier gewesen!", stänkert sie amüsiert weiter.

„Du hast doch gar keinen Führerschein mehr, Mhamó.", sagt Liam liebevoll.

Und dann, der Knaller.

„Eh, eh. Das hatte ich früher auch nicht. Hat es mich vom Fahren abgehalten?"

„Mhamó, heißt das, dass du noch nie einen Führerschein hattest?", auch Pad starrt sie an.

„Tz, wer braucht das schon. Ihr Kinder seid doch immer in einem Stück von A nach B gekommen! Früher war das alles ganz anders!"

Padraig ist sichtlich geschockt. Liam blickt seinen Vater an und zuckt mit den Schultern. „Das erklärt zumindest, warum sie immer mit 70km/h in die Kurven gekracht ist."

Mhamó Yoda in Glanz und Glorie, ich hoffe ich werde auch so wenn ich so alt bin!

Drücke meine Schwiegeroma an mich, die für ihr Alter noch einen festen Griff hat.

„Wie ist die Gewitterziege heute gelaunt?", flüsternd, bin überrascht, solche Worte zu hören, aber ich weiß genau, wen sie meint. Nicke flüchtig, bevor Maggie der alten Frau in die Arme fällt.

„Aye, leanbh milis (süßes Kind). Lass dich ansehen, gesund siehst du aus, ghrian beag (kleine Sonne)."

„Aye Mhamó.", Maggie ist längst dazu umgeschwenkt, Liams Großmutter auch Oma zu nennen, sie lässt den Nachnamen, den sie lange Zeit des Protokolls wegen angehängt hat, einfach weg.

Ich freue mich sehr darauf, dass sich alle zusammen nehmen und nett zu meinem englischen Freund sind. Sogar Garrett hat sich wieder gefangen, was zum einen an seinem neuen Intimfeind liegen kann, zum anderen daran, dass Carlisle ein schmerzlinderndes Mittel für seine Hand aufgetan hat.

Der arme, gefühlstiefe Garrett, dessen Karma ihm erst eine Beule auf der Stirn einbringt, die zum Glück nur noch als gelb/grüner Fleck sichtbar ist und nun hat er sich die Hand verbrannt.

Diesmal hat sich der sture Garrett aber direkt helfen lassen.

Ist es Ironie, dass er sie ‚an' Kate verbrannt hat?

„Mhamò, das ist Carlisle."

„Eh, hat der Junge keinen Nachnamen?", keckert sie. Liam wendet sich schmunzelnd ab. Verräter.

„Carlisle Cullen, sehr erfreut.", stellt sich mein Freund selbst vor. Es hat einen Grund, dass ich seinen Nachnamen nicht genannt habe.

Ich kann das schelmische Zucken in Essylts Mundwinkeln sehen. Esme ist dicht neben Carlisle, ich habe noch nicht herausgefunden, ob das an ihr, ihm oder Jasper liegt.

„Du hast einen Cullen mitgebracht?", die alte Frau wendet ihren Kopf in meine Richtung. „Du hast DEN Cullen mit den Partyexessen und den Ausfällen in der Klatschpresse mitgebracht? So ein verdorbenes Volk kennst du?"

Es klingt wie ein Vorwurf. Ich bin mir nicht sicher, ob es ein Spaß ist.

„ESSYLT!", ermahne ich sie. Carlisle streckt beschwichtigend die Hand nach mir aus. Essylt blickt mich aus ihren alten Augen an und fängt an zu lachen.

„Aye, aye, was willst du auch anderes von einer Rotjacke erwarten, was Junge?!"

Carlisle grinst die alte Frau an. „Absolut, aber wenigstens dafür sind wir gut.", kontert er.

„Ich habe sehr über den Vorfall in Camden gelacht. Ist das denn tatsächlich so vorgefallen?"

Ich erinnere mich an die Berichte in der Yellow Press, wenn auch nur vage.

Liam zieht die Augenbrauen in die Höhe, ich bin mir sicher, dass er sich besser als ich daran erinnert.

Carlisle atmet einmal schwer aus, bevor er weiter lächelt, abwiegelt.
„Erm, weitestgehend lagen die Journalisten gar nicht so falsch."

„So jung und so verdorben, das lobe ich mir!", wieder lacht Essylt scheppernd.

Blicke Esme an, die den smarten English entgeistert anstarrt.

Sie wird nichts mehr darüber finden, selbst wenn sie alle Suchmaschinen bedient. Familie Cullen hat alle öffentlichen Beweise tilgen lassen. Wenigstens dort haben sie ihrem Sohn einen Dienst getan, wo sie ihn schon nicht gestoppt haben, als er sich auf dem Weg nach unten befand.

Esme wendet ihre Aufmerksamkeit vollständig dem Cousin ihres besten Freundes zu.

Garrett hat zwar endlich wieder Frieden mit unserem Engländer geschlossen, aber dennoch amüsiert er sich gerade köstlich auf dessen Kosten.

Noch.

Ich habe die Mutter von Maggie senior nicht ohne Grund eingeweiht. Gestern schon, als Mam und ich sie besuchen gefahren sind und Liams Onkel mütterlicherseits ebenfalls besucht haben, beziehungsweise dessen Frau, die früher auf meine Mam und ihre Geschwister aufgepasst hat.

Liam schlägt seinem besten Freund gegen den Arm, warnend, aber der kriegt sich gar nicht mehr ein, bittet die Cousins und Onkel ihm noch ein paar Sprüche bei zu bringen.

Aber je näher Essylt rückt, desto leiser werden die Männer der Familie. Essylts Stock und ihre Schlagkraft sind gefürchtet.

Als Essylt der Meinung ist, dass sie dicht genug vor Garrett steht, um ihn anzusehen, klopft sie mit ihrem Gehstock bestimmt auf den Boden. Und wieder muss ich an Yoda denken, das Schmunzeln in Liams Gesicht zeugt vom selben Gedanken.

Die alte Dame winkt den hünenhaften jungen Mann zu sich runter, Garrett als gut erzogener Sohn seiner Mutter neigt sich auf ihre Höhe.

Sie sind nur noch zwei handbreit auseinander.

„Der Jedimeister spricht zu seinem Schüler!", flüstert Maggie neben mir. Ja, so sieht es schon ein bisschen aus.

Essylt zieht an Liams Arm, „Garrett Smith?"

„Aye, Ma'am!", ich erwarte ein Salut, aber Garrett verharrt in der geneigten Haltung.

„Tz.", kommentiert Yoda. „Dann bist du also der amadán (Dummkopf)? Der, der sich so anstellt und seine Frau so schofelig behandelt?!"

„Meine Frau?"

„Eh, Mädchen?!", „Mil (Schätzchen), sie heißt Kate?", rückversichert sich Yoda.

„Aye Mhamó. Kate breá Garrett, Garrett breá Kate, dá bhfuil ró-dúr chun é a thabhairt (Kate liebt Garrett, Garrett liebt Kate, aber beide sind zu dumm, es zu gestehen).", erkläre ich leise.

„Was hat sie gesagt? Kate ist nicht meine Frau!", Entsetzen. „Finger weg!", das geht an Ron, der das Tablett CupCakes erleichtern will.

„Das ist Kate Denali.", fahre ich Kate dazwischen, die mit sich kämpft, Garrett nicht verbal anzugehen.

Anscheinend bringt es nicht den erhofften Erfolg, sie in einen Raum zu sperren. Gestern ist Kate als erste von uns allen eingeschlafen, die beiden Nächte davor… ich verstehe nicht, warum sie sich beide so anstellen und finde meinen Kumpel eigentlich gerade ziemlich blöd.

Aber dann schreitet Liam ein, erklärt mir die Situation aus Garretts Sicht. Es geht wieder um den Altersunterschied, das der Ältere Verantwortung trage und all das, was mich damals schon zur Weißglut getrieben hat, als es mit uns endlich begonnen hat. Kate ist doch kein kleines Mädchen!

Und trotzdem verstehe ich Garrett jetzt besser. Vor allem nachdem er gestern endlich mit der Sprache mir gegenüber rausgerückt ist. Es war zwar nicht ganz freiwillig und vielleicht habe ich sein Whiskeyglas immer etwas voller als Liams gemacht, aber es hat funktioniert.

„Hach, die jungen Leute von heute, was mac(Sohn)?", stößt Padraig mit ihrem Stock an. „Machen immer alles so kompliziert.", Essylt blickt ihren Enkel an. Ja, der kann auch alles kompliziert machen. „Die sollten sich einen Kuss geben, ein Nümmerchen schieben und dann wäre alles wieder im Lot!"

Padraig versucht Maggie die Ohren zuzuhalten, die ihren Vater darüber in Kenntnis setzt, dass Yoda sie bereits aufgeklärt hat.

„Mhamó!", ist es Ronan, der entsetzt ist. Ich schwanke noch, bin mir nicht sicher, ob ich lachen oder rot anlaufen soll. Liam unterdrückt sein Lachen, während Garrett und Kate sich entsetzt anstarren.

Essylt blickt sich in unserer kleinen Runde um. Fast so, als sei es ihr nicht genügend Publikum.

„Was ist, Ron? Muss ich dir das noch mal erklären?", jetzt kann Liam sich nicht mehr halten.

„Ich sage es euch, Siobhan, Liam, das Rezept einer langen, glücklichen Ehe ist es, Dinge unkompliziert zu halten. Das funktioniert immer! Siobhan, bedenke es."

Liam sieht mich lachend an und wackelt mit den Augenbrauen. Dann werde ich diesen Tipp heute Nacht testen und mal das Wissen abfragen, was bei Liam von Yodas Aufklärung hängen geblieben ist.

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Alle die das Thema Kate und Garrett mitbekommen haben, haben es den ganzen Abend gemieden. Unsere Freunde, weil sie sich nicht einmischen wollen, die Chance am Flughafen vertan, die Familie, weil sie Mhamós Kommentare fürchten. Man weiß nie, wen sie als nächstes ins Visier nimmt.

Sie ist so grandios.

Nur Mhamó Essylt musterte die beiden Zänkischen genausten.

Mir scheint, dass Garrett physisch unwohl war, wenn die alte Dame ihn anstarrte.

Nun ist Mhamò Yoda schon vor einiger Zeit mit einem ihrer Enkel aufgebrochen, wird dort übernachten, Deirdre und Connor sind noch da, ihre Kinder nur ein paar Häuser weiter im Haus des Feldmarschalls.

Kate versteckt sich hinter einem Gespräch mit Laoise, an dem Carmen und Esme rege beteiligt sind. Alice plaudert fröhlich mit Maddy und meiner Mam über Mode.

Die Männer haben sich wie immer draußen versammelt, trinkend.

Im Halbdunkel, beinahe verborgen, kann ich die beiden Männer finden, die ich gesucht habe.

Liam und Garrett sitzen einträchtig auf der Gartenbank, Beine ausgestreckt.

„Fear céile (Ehemann).", grinse ich.

„Weib.", schmunzelt Liam.

„Brüderchen."

„…"

Wie erwachsen er ist! Bähhh!

„Ich rede nicht mehr mit dir.", behauptet er.

„Was habe ich denn schon getan?!", das lasse ich mir nicht anhängen.

Garrett rutscht auf der Bank ein Stück nach hinten, stellt sein Bier ab, blickt mich an. „Was du getan hast? Du bist doch schuld an allem.", nicht ganz ernst gemeint.

Liam nippt grinsend an seinem Bier.

„Weil ich dir gesagt habe, dass du was mit Kate anfangen sollst oder weil ich dir gesagt habe, du sollst verliebt in sie sein?", erwidere ich schnippisch.

Mein Kumpel verdreht genervt die Augen.

Sie können beide einfach nicht klar sagen, was los ist. Wenn sie es zugeben würden, könnten sie – wie hat Yoda so schön gesagt? – ein Nümmerchen schieben und alles wäre wieder im Lot.

Kate ist zu bockig, zu dickköpfig, als dass ich bei ihr meinen Standpunkt durchsetzen könnte. Aber Garrett, mein lieber, treuer Gar, hat ja unlängst zugegeben, mehr in der zänkischen Backfee zu sehen, als ihm lieb ist.

Die beiden besten Freunde sehen sich an.

„Du hast sie angeschleppt.", Garrett, vorwurfsvoll. „Ohne deine NEUE Freundin hätte ich Kate niemals getroffen."

Liam hebt eine Augenbraue. „Du kanntest sie vor mir! Darf ich dich erinnern ‚unsere neue Freundin Siobhan' hast du getönt!"

Weil es so viel besser gewesen wäre, hätte er diese Frau nicht getroffen? Endlich gibt ihm mal jemand genügend Kontra, dass er seinen bisherigen Lebenswandel überdenkt. Seine Mutter wird jubeln. Und mir geht s besser, seitdem ich endlich eine Frau sehe, die ihm gewachsen ist.

„Du liebst mich doch.", stelle ich fest.

„Eh, manchmal.", brummt mein Kumpel, den meine Mutter in ihre Familie hinein annektiert hat.

„Garrett ist gemein, leannán (Geliebter).", schluchze ich dramatisch, lasse meine Hände auf Liams Brust sinken, neige niedergeschlagen den Kopf.

„Wieso nur?", seufzt Liam theatralisch, zieht mich näher. Schlinge meine Arme um ihn.

Wir werden unser Heimatland als Familie Gallagher verlassen. Als Céilí (Eheleute).

Auch wenn MIR alle auf die Nerven gehen, was sie sich für UNSERE Hochzeit vorgestellt haben, Liam lassen sie alle in Frieden, der braucht laut ihnen nur pünktlich beim Standesamt und in der Kirche sein und auf der Feier trinkfest, ist es dieses Ziel, was mich ausharren lässt.

„Wieso sagst du ihr nicht einfach, was du denkst?", erkundige ich mich erneut. Liam schnalzt mit der Zunge, Garrett lehnt sich wieder zurück.

„Als ob ich das nicht versucht hätte. Aber deine beste Freundin, liebstes Blümchen, ist ein ganz schön hinterhältiges Stück. Aber das hat sie von dir."

Esme

Blicke Carlisle gespannt von der Seite an.

Jasper und Alice laufen einige Meter vor uns. Alice hätte den zweiten Sekt nicht trinken sollen.

„Pass auf, dass sie nicht auf die Straße rennt!", ermahne ich meinen besten Freund, der mich daraufhin nur ansieht, als hielte ich ihn für dumm.

„PASS AUF!", da biegt Alice schon vom Gehweg ab. Aber Jasper hält sie beherzt zurück.

Wir haben beschlossen, zu Fuß zur Pension zurück zu gehen, es ist gar nicht soweit. Nicht wenn man viel größere Entfernungen gewöhnt ist.

Carmen und Eleazar sind mit dem Auto gefahren worden. Ich kann sie verstehen, Tia und Maggie sind beide in Maggies Bett eingeschlafen, damit sind die beiden heute Abend nur Eheleute und nicht auch Eltern.

Vladimir und Stefan waren noch in eine Unterhaltung mit Mollys Schwester und deren Lebensgefährtin vertieft, als wir gegangen sind.

„Camden?", erkundige ich mich. Ich habe den ganzen Abend darauf gewartet, dass er es erklärt oder das irgendjemand danach fragt, ich hasse es die neugierige Klatschbase zu sein. „Yellow Press? Exesse?"

Carlisle mustert seine Schuhe und lächelt besonnen.

„Ich habe dir schon gesagt, dass ich mit meinen Freunden getrunken und gefeiert habe.", auch wenn er das Wort ‚Freunde' irgendwie seltsam betont. Und er es zwar gesagt hat, mir aber das Ausmaß nicht so deutlich gewesen ist.

„Du hast nicht gesagt, dass es so schlimm war! Man hat ÜBER DICH berichtet?"

„Na ja, Berichte würde ich den groben Unfug nicht nennen, der in der Sun stand.", erwidert er empört, als würde er über andauernden Regen sprechen.

Okay, ich habe ihn gegooglet, nach unserer Landung, weil ich felsenfester Überzeugung war, dass er übertreibt. Aber ich konnte rein gar nichts finden, außer dem Verweis auf seine Familie, dass Carlisle Cullen ein Einzelkind ist und derzeit in Amerika studiert. Aber ich habe möglicher Weise auch nicht tief genug gegraben, werde mir demnächst also das Onlinearchiv der „Sun" vorknöpfen.

„Also, Camden? Was war in Camden?"

Carlisle blickt mich an, seine knallblauen Augen funkeln schelmisch. „Neugierig?"

„Ja.", überlege, „mich interessiert, mit was für Volk mein bester Freund sich abgibt."

Der Smarte mir gegenüber sieht mich entsetzt an, aber er bezieht dazu keine Stellung. Allerdings fährt er fort.

„Wir haben in Camden gefeiert. Caius ist aus dem ersten Stock gefallen, aber das Gebüsch hat seinen Sturz zum Glück abgefedert, er hatte nur ein paar Kratzer. Und selbst wenn nicht, wir waren so voll, dass er es wahrscheinlich nicht mal gemerkt hätte. Der Punkt ist, dass keiner mehr weiß, wie wir an dem Abend nach Camden gekommen sind."

Sehe ihn verwirrt an. Wie alt kann er da gewesen sein? Außerdem hätte ich gern ein paar mehr Details, aber der sorgenvolle Schatten in seinen Augen hält mich zurück.

„Ich war gerade 18. geworden und hatte meinen Eltern nach meinem Ausfall an meinem Geburtstag eigentlich versprochen, dass ich mich benehmen würde."

„Davon gibt es Fotos?", weil ich nicht eines finden kann.

„Es gab sie."

„Hat Siobhan so ein Foto?", immerhin weiß ich, dass sie ihn spielerisch erpresst.

„Ein ähnliches. Oder mehrere.", gesteht er. Wo hat sie diese Bilder bloß her und wie komme ich da ran?

„Mit was für Leuten warst du befreundet?! Ist Aro Volturi nicht auch älter als du?"

„Nur ein Jahr. Ich habe sie damals zu meinen engsten Vertrauten gezählt. Aber Alistair hatte recht."

„Alistair Falcon? Gehört der nicht zum britischen Adel?", hake ich nach. Sein Freundeskreis wird ja immer illustrer.

Wieder grinst der Blonde. „Ja, aber mach dir keine Hoffnungen, er steht recht weit hinten in der Thronfolge."

Blödmann! Rolle mit den Augen. So habe ich das gar nicht gemeint.

„Hast du noch Kontakt zu deinen Freunden?"

„Zu Alistair ja. Aber er erträgt es schlechter als früher, wenn wir uns sehen. Er hat ähnlich wie ich seine Brücken versucht abzubrechen."

Ich habe darüber gelesen, die Mutter soll krank geworden sein und deswegen ist er bei ihr und seinen Schwestern geblieben.

Ich habe Engländer nie für sehr gut aussehend gehalten, Carlisle schien mir die Ausnahme zu sein, bis ich ein Bild der Falconfamilie gefunden habe, die alle aussehen, wie aus einem Jane Austen Roman. Anscheinend zeigen sich die schönen Engländer ungern in der Öffentlichkeit.

„Was hat den Ausschlag gegeben, weg zu gehen? Wieso willst du sie nicht besuchen? Deine Eltern meine ich."

Der sonst so wortgewandte Carlisle blickt mich an, dass ich das Gefühl habe, dass seine Augen dunkler werden. Ich kann Schmerz sehen. Hilflosigkeit.

Am liebsten würde ich den kleinen Jungen umarmen, ihm übers Haar streichen und flüstern dass alles gut wird.

Doch wir sind bereits an unserer Unterkunft angekommen und dann klingelt Carlisles Telefon.

Erhasche einen Blick auf sein Display. Alistair.

Garrett

Ich wundere mich ein bisschen, dass die kleine zänkische Backfee noch keinen Krawall gemacht hat. Ich warte schon den ganzen Abend darauf, mit dem Finger auf sie zu zeigen und sie darauf hinzuweisen, dass wir jetzt quitt sind.

Aber da sehe ich auch schon den Grund, warum sie mich noch nicht angefallen hat. Das Mobiltelefon der heißen Eisprinzessin liegt auf dem Nachttisch, hängt am Netzkabel. Uhhh.

Sehe nach, sechs Anrufe in Abwesenheit. Zwei Mailboxnachrichten. Drei Sms.

Alle von ‚Mamička', was slowakisch für Mom ist.

Wie gut es ist, dass Siobhan und ihre Kindheitsfreundin Katrina sich wieder gefunden haben. Wie schön, dass auch die Mütter wieder Kontakt zu einander aufgenommen haben.

Nachdem ich in den Yellow Pages nichts zu Sasha Denali finden konnte und den Namen ihres Vaters nicht kenne, habe ich für meine Revanche Molly becirct.

Ich habe Kate versprochen, dass sie für den Quatsch, den sie meiner Mom erzählt hat, noch büßen wird. Ja, vielleicht ist meine Rache nicht kreativ, aber anscheinend erfolgreich.

Fühle ich mich schlecht, weil ich Molly angeflunkert habe? Ein bisschen. Meine Mama O'Toole glaubt, ich wolle Kates Mom bitten, Kate zu überzeugen in Seattle zu bleiben. Für Siobhan. Auch wenn Molly das nur zwinkernd abgenickt hat. Dass es für Siobhan ist, scheint sie nicht zu glauben. Ich kann nur hoffen, dass Sasha ihre Freundin Molly erst darüber in Kenntnis setzt, was ich ihr erzählt habe, nachdem wir alle wieder schön brav in unserem zuhause sind.

Ich habe heute Nachmittag, in Anbetracht der Zeitverzögerung, mit Sasha Denali telefoniert.

Eigentlich wollte ich ihr erzählen, dass ihre kleine süße Tochter und ich heimlich geheiratet haben und ich ein arbeitsloser Wohnwagentyp bin. Aber das hätte mich in einem ganz schlechten Licht da stehen lassen. Also bin ich davon wieder abgewichen.

Tanya hat mir mal erzählt, dass ihre Mutter noch recht jung ist, früh mit dem Kinder kriegen angefangen hat und sich das für ihre Töchter ebenfalls wünscht, so wie es eben in der alten Heimat ist. Oder in Alaska, wenn man den Gerüchten so glaubt. Ich danke allen Geistesblitzen dafür, dass ich mich daran erinnert habe.

„Ich kann nicht fassen, wie gemein du zu Ronan warst. Seit wann bist du so unhöflich!", wettert es plötzlich hinter mir.

Ich bin nicht unhöflich, verdammt! Wieso sagen das gerade alle?

Ich war nicht unhöflich, ich kann es nur nicht ausstehen, wenn sie ihren Kuchen so verschwenderisch herzeigt. Das ist MEIN Kuchen. Meine CupCakes, immerhin war ich es, der sie abgezweigt hat. Dann darf ich auch entscheiden, wer davon essen darf. Punkt.

„Das Liam dir dafür nicht den Kopf gewaschen hat! Du machst eure Freundschaft damit noch kaputt, wart's ab!", warnt die zänkische Backfee.

Wenn sie wüsste…

„Tz, Ron braucht das, da sind sich Laoise und Liam einig. Der kann das ab, er ist ein Mann und keine Mimi.", obwohl laut Oma Yoda da noch Unsicherheiten bestehen. Ich liebe diese Frau!

„Aber er ist Liams Cousin!"

„Der ziemlich fies zu Siobhan ist und jetzt rate mal, wer von beiden wichtiger für ihn ist. Als die beiden das letzte Mal hier waren, hatte Ron hinter her ein paar blaue Flecken."

Kate blickt mich an, als sei ich nicht bei Trost, aber sie kann ja mal ihre beste Freundin fragen.

Okay, Zeit für meinen Abgang ins Bad, hoffentlich ist es nicht besetzt (!), Kate steuert auf ihr Telefon zu und bemerkt die verpassten Kontaktaufnahmen.

Als ich zurückkomme, hat sich meine kleine heiße Katie in ihre Decke eingerollt. Eigentlich habe ich ein Donnerwetter erwartet.

Habe erwartet, dass sie mich anschreit, wie ich es wagen könne, so eine Behauptung in die Welt zu setzen. Wie ich es wagen könne, ihre Mutter anzurufen. Wie ich es wagen könne, ihre Mutter anzurufen und ihr zu erzählen, dass Kate von mir schwanger ist. Wie ich behaupten könne, dass wir nun bei Mama Denali einziehen würden, um den kleinen Smith großzuziehen.

Aber sie liegt nur mit dem Rücken zu mir da und starrt die gegenüberliegende Wand an. Sie liegt sogar auf ihrer Seite. Das beunruhigt mich.

Selbst als ich mich auf dem Bett niederlasse, reagiert sie kaum.

Erst als ich mich zugedeckt habe und darüber nachdenke, was hier gerade vor sich geht, meldet sich die Frau meiner schlaflosen Nächte.

„Garrett?", weich und verletzlich. Würde sie am liebsten an mich drücken, sie vor der ganzen Welt beschützen.

„Ja Katie?", erwarte Protest, aber nichts passiert.

„Was wenn es so wäre?"

„Wenn es wie wäre?"

„Wenn es stimmt, was du meiner Mutter erzählt hast."

Hat sie gerade angedeutet, dass!?

Heilige Scheiße.

Kate

Idiot. Dummer, verseuchter Weiberheld.

Wie kann er es wagen, meine Mom anzurufen und so eine Lüge in die Welt setzen!

Und sich dann im Bad vor mir verstecken!

Aber gut, ich weiß schon genau, wie ich es ihm heimzahle.

Grinse leicht, der gute Mann bekommt den Schock seines Lebens und ich werde ihn solange wie möglich in diesem Glauben lassen.

Tippe schnell eine Nachricht an Siobhan, es wäre fatal, wenn sie nicht eingeweiht ist, schminke mich ab, ziehe mich um und warte darauf, dass er zurückkommt.

Als er es sich hinter mir gemütlich macht, lege ich los.

„Garrett?", bemüht mädchenhaft und hilflos.

„Ja Katie?", ARGH, KATE ist der Name du blöder Zerzauster.

„Was wenn es so wäre?", zirpe ich.

„Wenn es wie wäre?", erkundigt er sich.

„Wenn es stimmt, was du meiner Mutter erzählt hast."

Ich kann die Erstarrung in seiner Haltung spüren.

Ha, mit allerliebsten Grüßen, Garrett!

Hm.