Kapitel 26:
(Zuko/ Chamäleon-Bucht/ Erdkönigreich)
Au.
In von einem Feuer erhellten Düsternis liegend, blinzelte Zuko und versuchte auszusortieren, wer, was, wo und ob gegenwärtig etwas tödliches in seine Richtung zeigte.
Hier ist es warm. Er atmete Luft ein, die vor Hitze schimmerte und wärmte sich wie eine Flugechse in herrlicher, wunderbarer Hitze. Warm. Er war warm von den Zehen bis hinab in sein Innerstes. Die Wärme des Lebens, die selbst die Erinnerung von tödlicher Kälte vertrieb...
Azula. Der Avatar. Der Blitz.
… ich bin ein Verräter.
Es schmerzte innen, dort wo er nie aufgehört hatte zu hoffen, dass sein Vater – dass irgendwie –
Er will mich nicht.
Und ich... ich will nicht der Erbe sein, den er will. Nicht mehr.
Es schmerzte. Aber es fühlte sich nicht so an, als ob er daran sterben würde. Das trug seinen eigenen höllischen Geschmack des Kummers mit sich. Er hatte sich so sehr bemüht, der Kronprinz zu sein, der Erbe, den Feuerlord Ozai und ihr Volk brauchten...
Aber um unserem Volk zu dienen kann ich nicht meinem Vater dienen. Zuko schluckte trocken. Ich denke, damit muss ich leben.
Nun. Es sah so aus, als ob Verrat ihn nicht umbringen würde. Zeit herauszufinden, was es heute versuchen wollte.
Misstrauisch öffnete Zuko seine Augen.
Feuerbändiger!
Die Rüstung war unverkennbar, ebenso wie das Gefühl einer flackernden Flamme in ihnen. Nur zwei Dinge ließen ihn stillhalten. Zum einen war er nicht gefesselt, was bedeutete, dass er entweder mit einem kommandierenden Offizier zu tun hatte, der Zhaos Grad der Dummheit erreichte oder seine Tarnung als Lee hielt. Zum anderen –
Nun, Onkels Schnarchen konnte man mit nichts anderem verwechseln.
Zuko glitt unter schweißgetränkten Decken hervor, sich langsam und lautlos bewegend. Noch zog er sich nicht an, Kleidung konnte warten. Er musste sicher sein.
Onkel schlief wie ein Stein. Ein lauter, warmer, völlig unverletzter Stein.
Die Erleichterung war so groß, dass er sich beinahe auf Toph gesetzt hätte.
Es geht ihr gut!
Nein. Das wusste er nicht. Sie war nicht verletzt aber sie war gefangen genommen worden und Long Feng hatte dahinter gesteckt und Katara wusste nichts davon –
Toph. Verzeih mir.
Zuko strich seine Hände durch schwül-heiße Luft und sammelte gerade genug Wasser um eine Hand darin einzuhüllen, ehe er sie sanft auf ihr schlafendes Gesicht legte. Er streckte sich durch das Wasser, wie Amaya es ihn gelehrt hatte, suchte nach irgendeinem Anzeichen dieser von Licht induzierten Glätte eines gebändigten Verstandes...
Nichts. Nur die rauen, klumpigen Kanten von Stolz und schadenfroher Sturheit und kleine Sprünge der Furcht, die sie nie jemanden sehen lassen würde, so lange sie auf ihren eigenen zwei Füßen stehen konnte. Einfach – Toph.
Zuko nahm seine Hand weg, beschämt dass er herumgestöbert hatte. Er hatte nur solche Angst...
Ich werde mich entschuldigen. Wenn sie aufwacht.
Hoffentlich war das, nachdem er sich etwas sauber gemacht hatte. Puh.
Feuerbändigende Marinesoldaten, dachte Zuko, als er die Rüstungen und Insignien der zwei studierte, sie nahe des Eingangs schliefen. Ein Unterschlupf aus Sandstein, der auf Sand steht... Toph muss das gemacht haben. Und Onkel und ich sind nicht angekettet.
Das bedeutete, das wahrscheinlichste Szenario war, dass Onkel wieder die Geschichte über 'verirrte Kolonisten' benutzt hatte. Na schön. Damit konnte er etwas anfangen.
Marinesoldaten und die Luft schmeckt salzig. Zuko schloss die Augen und streckte sich, witterte. Ja. Da war ohne Zweifel eine große Menge Wasser in dieser Richtung.
Zeit einen Platz für ein Bad zu finden.
Tarnung als Kolonist war überhaupt nicht in seinen Berechnungen vorhanden. Die Kolonien waren zivilisiert und zivilisierte Leute waren sauber. Selbst auf See benutzte jedes Schiff seine Boiler um genug Frischwasser zu destillieren, damit man sich damit abschrubben konnte. Was für eine Geschichte Onkel auch erfunden hatte, sie würde Respekt brauchen, damit es klappte. Jedes kleine Bisschen würde helfen.
Zuko hielt an und las seine Roben auf. Als er sie das letzte Mal gesehen hatte, waren sie ein anständiges Set aus Grün gewesen, mit sauberen Säumen, selbst nachdem er und Onkel sie wieder geflickt hatten. Jetzt waren einzelne Fäden zu Asche verbrannt und ein feines Muster von schwarzen Brandlinien zogen sich über jeden Ärmel, wie die Adern in dem Flügel einer Flatter-Hornisse.
Das war der Teil vom Blitz, den ich nicht abgelenkt habe. Er schluckte trocken. Agni, ich bin fast gestorben.
Er senkte den Kopf und atmete tief durch, bis das Zittern wieder nachließ. Na schön. Er war beinahe gestorben. Wieder. Es war Azula. Was hatte er erwartet?
Warum habe ich sie nicht einfach getötet?
Aber er kannte die Antwort, selbst als er sich noch fragte. Azula war vielleicht blutrünstig und bösartig und wahnsinnig... aber sie war seine Schwester.
Familie. Gemeinschaft. Zuko lächelte schief. Ich schätze, Lee ist doch ein Mitglied ihres Stammes, Meister Amaya. Ich... kann einfach nicht.
Und das war seltsam befreiend. Wenn er Azula nicht töten konnte und er das wusste –
Dann kämpfe ich darum sie aufzuhalten. Und ich halte mich nicht zurück.
Mit leichtem Herzen wendete er seine Aufmerksamkeit der vertrauten Aufgabe zu, an gerüsteten, wachsamen Feuerbändigern vorbei zu schleichen. Und das war nicht annähernd so schwierig, wie ihr kommandierender Offizier es wahrscheinlich wünschte. Wachwechsel oder nicht, es war kurz vor Sonnenaufgang und jeder Feuerbändiger war auf einem Tiefstand. Ein Moment, in dem die Blicke woanders ruhten, und er war außerhalb und außer Sicht.
Was zum Henker?
Jahrelange Erfahrung mit den bizarrsten Kampfsituationen ließen Zuko sich in Bewegung halten, selbst wenn das, was er sah, unmöglich war. Blaue Zelte des Wasserstammes waren oberhalb der Flutlinie. Ein Beiboot der Feuernation ankerte im seichten Gewässer, gerüstete Seeleute waren auf Wache. Wenigstens ein Schiff des Wasserstammes war nicht zu weit entfernt ans Ufer gezogen worden, mit bewaffneten und offenkundig missgelaunten Kriegern des Wasserstammes, die es bewachten. Ein Kreuzer der Feuermarine, wahrscheinlich das Mutterschiff des Beibootes, ankerte weiter draußen, mit einer Wache, die an der Reeling stand, genauso missgelaunt. Und keiner blutete oder brannte.
Das? Das ist nicht gut.
Entweder sah er hier einen Massenverrat – völlig unmöglich – oder eine ganze Flotte des Wasserstammes war zu Ozai übergelaufen – sogar noch weniger möglich – oder...
Der Avatar.
Der Avatar, oder Geister, die darauf aus waren, ihrem auserwählten Kind zu helfen. Im Moment war es ihm egal. Es war übel.
Und er hatte das unschöne Gefühl, dass es seine Schuld war.
Yaoren.
Onkel hatte ihm ein paar Dinge erzählen können, an jenem Morgen, ehe er sich aufgemacht hatte um Toph zu suchen und die Welt ihm um die Ohren geflogen war. Legenden. Von den Geistern berührte Bändiger. Leute, die einst die Aufgabe hatten, dem Avatar zu helfen.
Wenn Kuh-Schweine fliegen. Zuko glättete das Knurren auf seinem Gesicht, als er den Strand hinab huschte, von dem merkwürdig gemischten Lager weg. Ich habe ihn vor Azula gewarnt. Ich habe ihn vor Ba Sing Se gewarnt. Ich half Toph Appa zurück zu holen. Und ich trat Azula gegenüber und wurde fast gebraten, als ich ihm seinen knochigen, luftbändigenden Hintern gerettet habe. Ich. Habe. Genug.
Dampf stieg um seine Füße herum auf. Zuko seufzte und sammelte es um seine Hände, ehe irgendwelche verräterischen Schlieren entkommen konnten. Ich könnte jetzt wirklich eine Badewanne gebrauchen...
Er zog sich aus und strömte Meerwasser in eine Kugel, die er zwischen seinen Fingern knetete wie Amaya es ihn gelehrt hatte, um Salz und Lebewesen, die zu klein waren, dass man sie sehen konnte, zu entfernen. Trinkbares frisches Wasser gluckerte um seine Finger und er nahm dankbar ein paar Schlucke, ehe er sich anschickte, sich zu säubern. Genau wie in einer Schiffsdusche. Mach schnell und sei gründlich und denke nicht daran, dass vielleicht jemand zuschaut.
Wenigstens war das Wasser heiß und blubberte noch heißer, als der Morgen anbrach und Sonnenlicht sich über ihn ergoss. Zuko vergrub sein Gesicht in heißes Wasser für einen langen, erfrischenden Moment...
Er seufzte und ließ es in den Sand zurück fließen, zog sich mit der Geschwindigkeit von mitternächtlichen Überfällen an. Er hatte seine Haare ausgewrungen, bis sie noch etwas feucht waren. Wenn sie nicht ganz trocken waren, würde das Fragen wie er sich sauber gemacht hatte viel leichter beantworten. Ist ja nicht so, als ob ich mit so kurzen Haaren irgendwas anfangen könnte, dachte Zuko sardonisch und formte einen handtellergroßen Eisspiegel um nachzuschauen. Nicht dass ich weiß, ob ich es überhaupt sollte. Ich habe keine Ahnung, was Onkel ihnen gesagt hat –
Gold blitzte und er ließ das zerbrechliche Eis beinahe fallen.
Ruhig. Schau noch einmal nach.
Es war nicht nur Einbildung. Amayas tarnendes Blau... war verschwunden.
Sozins Augen.
Sein ganzes Leben lang war ihm das gesagt worden. Das blasse, reine Gold, das man nur in einigen wenigen Familien der Großen Namen fand und nie, niemals einem geschenkt sein sollte, dessen Feuerbändigen nur … mittelmäßig war.
Doch man konnte auch ohne dieses Gold ein großartiger Bändiger sein. Onkel hatte es nicht. Azula hatte es nicht.
Es schmerzte, in einen Spiegel zu sehen und Ozais Blut zu erkennen.
Es spielt keine Rolle. Das lasse ich nicht zu.
Wenigstens wusste er jetzt, dass die Geister ihre glühenden Finger in diesem Schlamassel hatten. Nur ein anderer Wasserbändiger hätte dazu fähig sein können, diese dünne Schicht gebändigten Wassers zu entfernen. Katara hätte das niemals getan.
Ich könnte es wieder zurück bringen. Zuko verzog das Gesicht. Aber wenn Toph hier ist und der Wasserstamm hier ist... nein. Finde besser zuerst heraus, was –
Er bewegte sich fast, ehe Sand ihn einschloss. „Bleib wo du bist!", verlangte eine vertraute Stimme.
Zuko hob seine Augenbraue, als er die Sorge unter diesem Befehl hörte. „Toph? Bist du in Ordnung?"
„Du bist bei Verstand? Ja!" Sand fiel weg, als Toph ihn gegen den Arm schlug. „Jage mir bloß nie wieder so einen Schreck ein, Funkenfresser!"
„Au." Zuko rieb sich den Arm. „Ich hoffe, dass ich so was auch nie wieder machen muss." Er seufzte und sammelte seinen Mut. „Toph? Es... tut mir Leid."
„Da hast du verdammt Recht." Toph rieb ihre Nase. „Du hast Onkel Angst gemacht, weißt du das?"
„Ich weiß", gestand Zuko leise. „Aber das ist nicht... Ich fand das Haus, in dem du gefangen wurdest. Ich dachte, dass es vielleicht die Dai Li waren, ich war so besorgt – " Er schluckte und stieß es heraus. „Ich habe heute Morgen deine Privatsphäre verletzt. Es tut mir Leid. Ich musste es wissen. Du warst da, mit Onkel und diesen Seesoldaten und wenn irgendwas einen Trigger der Dai Li ausgelöst hätte – ich musste sicher sein. Aber deswegen war es nicht richtig." Er verbeugte sich. „Ich habe die Grenzen deiner Ehre übertreten und es tut mir Leid."
Die Erdbändigerin runzelte die Stirn. „Du dachtest, dass die Dai Li mein Hirn gebändigt haben?"
„Amaya zeigte mir, wie man die Zeichen erkennt", sagte Zuko schlicht, sich nicht aufrichtend. „Aber dafür brauche ich Wasser. Ich weiß noch nicht, wie ich es mit Feuer machen kann. Ich konnte nicht riskieren entdeckt zu werden."
Sie schwieg. Er wagte es nicht seinen Kopf zu heben und zu ihr zu sehen. Toph war vielleicht blind, doch sie konnte Bewegungen auf eine Art wahrnehmen, die er nie täuschen könnte.
„Also, was hast du gemacht?"
Keine Verzeihung. Aber sie hörte sich nicht verärgert an. Noch nicht. „Ich... habe den Sturm deines Verstandes abgetastet", sagte Zuko und versuchte das Gefühl in Worte zu fassen. „Ein gesunder Verstand hat – ich weiß nicht – Ecken. So in der Art. Jemand, dessen Verstand gebändigt wurde... es ist, also ob jemand diese Kanten abgeschliffen hat. Sie geglättet hat. Es fühlt sich wirklich nicht gut an." Er schluckte. „Diese Ecken sind... Emotionen. Dinge, bei denen du wirklich fühlst. Ich weiß nicht worüber du sie fühlst, aber... sie gehören dir, und ich habe sie abgetastet und das war unhöflich."
Toph marschierte dicht zu ihm heran, mit verschränkten Armen. „So. Du hast in meinem Kopf herumgestochert, um sicher zu stellen, dass niemand sonst dort herumgestochert hat."
Immer noch zu Boden blickend nickte er. „Das stimmt."
„Ja, ich glaube das ist genug Kriecherei", grinste Toph.
Kriecherei? Zuko richtete sich auf, einen Atemzug davon entfernt Feuer zu rufen.
„Oha!" Toph hielt ihre Hände hoch. „War ein Witz! Du weißt schon, wie Freunde das so machen?" Sie neigte den Kopf zur Seite. „Du... magst dieses Wort wirklich nicht. Warum?"
Freunde. Zuko unterdrückte ein Schaudern. „Ich bin im Palast aufgewachsen. Weißt du, was für Leute unter Feuerlord Azulon dort Zutritt bekamen? Freunde haben immer zuerst Azula gesehen." Warum sollte man Zeit mit dem Bengel verschwenden, der überhaupt nicht Bändigen konnte? Der, der noch viel weniger jemals ein Wunderkind sein würde. „Ich hätte viel lieber einen Verbündeten. Es gibt gewisse Dinge, die ein Verbündeter nicht tut. Nicht ohne einen vorher zu warnen, dass die Allianz beendet ist."
„Verstanden." Toph nickte ernst. Dann grinste sie wieder, etwas schief diesmal. „Softie."
„Was?"
„Zeitweilige Allianz? Du hast dir wegen mir Sorgen gemacht." Toph polierte ihre Fingernägel an ihrer Robe. „Es waren nicht die Dai Li. Nur zwei idiotische Kopfgeldjäger, die von meinen Eltern geschickt worden waren. Stell dir das mal vor. Was für eine Familie schickt Leute los um einen in einer Metallkiste nach Hause zu zerren?"
„Keine Ahnung", sagte Zuko trocken. „Der Feuerlord schickte Azula mit Ketten." Er schnitt eine Grimasse und schüttelte den Kopf. „Wie bist du entkommen?"
Toph grinste. „Wie viel willst du wissen?"
Das ließ jeden Nerven anspannen, der je zugehört hatte wie Gesandte und Händler verhandelten. Sie hat was gutes auf der Hand. Und sie weiß es. „Was verlangst du?"
Toph verlor das tapfere Lächeln. „Aang ist verletzt. Es ist schlimm. Er atmet, er wird nicht sterben... aber er wacht auch nicht auf. Sokka hat seinen Papa dazu gebracht jedem einen Waffenstillstand zu geben, damit Onkel helfen kann." Sie verschränkte die Arme. „Ich wette, dass du es besser kannst."
… Die Geister müssen mich wirklich, wirklich hassen. „Vielleicht", sagte Zuko mit ruhig gehaltener Stimme. „Ich weiß, was Onkel mir über Blitze beigebracht hat. Und ich habe studiert, was Amaya in ihren Schriftrollen hatte. Aber ich bin ein Lehrling."
„Ja und hier treten ja nur Amateure auf", sagte Toph schief. „Bist du bereit dafür?"
„Um zu Heilen braucht man Konzentration", sagte Zuko flach. „Ich arbeite nicht in Kataras Nähe, ohne, dass jemand meinen Rücken deckt. Nur für den Fall, dass sie entscheidet ein Messer dort rein zu stecken."
Toph runzelte die Stirn. „Du wirst Aang helfen. Sie wird nicht – "
„Sie hat mich ein Monster genannt, Toph!" Agni, das schmerzte noch immer. Er hatte sie so behandelt wie einen ehrenwerten Gegner, er wollte glauben, dass jeder, der ihn besiegen konnte, so viel Respekt verdient hatte... und sie hatte es ihm ins Gesicht geschleudert. „Sie schaut mich an und alles was sie sieht ist der Mann, der ihre Mutter ermordet hat!"
„Aber das hast du nicht", widersprach Toph verblüfft.
„Du willst bei Katara Logik versuchen?" Zuko lächelte dünn. „Nur zu. Aber lass mich zuschauen."
Toph schnitt ihm eine Grimasse, hob einen Finger –
Hielt inne und dachte darüber nach. „Na gut. Vielleicht hast du da Recht. Ich versuche auf ihre gute Seite zu kommen – "
„Verschwende keine Zeit damit", sagte Zuko grimmig. „Es ist besser, wenn du nicht versuchst sie zu etwas zu überreden. Wenn sie glaubt, dass du nur auf ihrer Seite bist, wird sie sich nicht aufregen, wenn du mich überwachst, damit ich Aang nichts antue."
„Hinterlistig", überlegte Toph. „Ziemlich schlau, aber hinterlistig." Sie runzelte die Stirn. „Du magst Zuckerpüppchen wirklich nicht, oder?"
„Warum sollte ich?", sagte Zuko flach. „Ich habe Katara davor gerettet Azula in die Arme zu laufen und alles woran sie denken kann, ist dass ich genau wie mein Vater bin. Genau wie irgendein Mörder von der Feuernation, den ich nie getroffen habe." Er sog knurrend Luft ein. „Sokka hat wenigstens zugehört."
Tophs Miene erhellte sich. „Du hilfst also doch!"
„Ja", gab Zuko leise zu. „Aber ich will nicht, dass Katara erfährt warum."
Tophs Füße befühlten den Sand. „Wegen dem Plan, von dem Onkel nicht will, dass Häuptling Hakoda davon erfährt?"
Häuptling Hakoda ist hier? Oh, wunderbar. „Was weißt du?", fragte Zuko argwöhnisch.
„Ihr habt einen Plan wie ihr Leute von Feuer und Erde zusammen leben lassen könnt um zu versuchen alles gerade zu biegen, wenn der Krieg aufhört", sagte Toph ernst. „Ist Huojin ein Teil von dem Plan?" Sie legte den Kopf schief als er zögerte. „Hey, ich erkenne Stimmen von der Feuernation, wenn ich sie höre. Huojin hört sich wie Ba Sing Se an, an der Oberfläche, aber darunter? Er... knistert. So wie du und Onkel."
„Möglich", gestand Zuko. „Es ist seine Entscheidung. Onkel glaubt, dass es funktionieren kann. Aber das wird es nicht, wenn wir irgendwo in Aangs Nähe sind. Und Katara hasst uns. Wenn sie davon wüsste, würde sie versuchen ihn zu zerstören. Egal wie viele Menschen dadurch verletzt würden."
„Du willst nicht in Aangs Nähe sein?", sagte Toph vorsichtig. „Das wird ihn gefangen zu nehmen ziemlich schwer machen."
„Spielt keine Rolle", sagte Zuko direkt. „Es ist vorbei. Den Avatar festzunehmen wird mein Volk nicht retten. Ich bin fertig."
Blinde Augen wurden rund. „Aber wenn du nicht Aang zurück bringst, dann wird Azula – "
„Sie wird die Erbin sein, egal was ich mache", sagte Zuko bitter. „Feuer ist das Überlegene Element. Das wird allen beigebracht. Falls die Feuerweisen herausfinden, was ich tun kann..." Seine Fäuste ballten sich. „Es ist vorbei, Toph. Ich kann niemals meine Ehre zurück erlangen." Er stieß den Atem aus. „Aber ich will nicht, dass Katara davon erfährt. Oder irgendeiner im Wasserstamm. Wenn sie glauben, dass ich immer noch hinter Aang her bin, dann denken sie dass sie mich in der Hand haben. Das heißt, dass sie nicht versuchen werden..." Er konnte es nicht sagen. Der Gedanke war zu schrecklich.
„Onkel." Toph schluckte. „Du glaubst, dass Katara zulässt, dass ihm jemand weh tut?"
„Er ist der Drache des Westens", biss Zuko heraus. „Das Erdkönigreich will ihn tot sehen oder in Ketten. Wer glaubst du denn versorgt Häuptling Hakodas Flotte? Und wenn es zu einer Entscheidung zwischen einem Waffenstillstand oder ihren Leuten zu helfen kommt – ja. Sie würde es zulassen. Und sie hätte das Recht. Sie ist eine Wasserbändigerin."
„Da komme ich nicht mit, Funkenfresser", gestand Toph. „Sie sind Hakodas Kinder, sicher. Aber ich dachte sie wurden wie alle anderen behandelt."
„Sokka ist Hakodas –?" Zuko schüttelte den Kopf, als dieser plötzlich schmerzte. „Ich hatte es zu tun mit … kein Wunder, dass er halbwegs wusste, was er tat." Er schnaubte, Erinnerungen an Monaten auf dem Eis schimmerten wie Luft über Glut. Angeln, mit den Frauen sammeln, mit einem Glitzern von roten Schuppen Robben jagen... Er hatte allen zugehört, die bereit waren, mit ihm zu reden, hatte versucht das Volk zu verstehen, zu denen Aang vielleicht gegangen war. Südliche Wasserbändiger waren nicht alle arrogant, aber viel zu viele froren einen Außenseiter ein, sobald sie ihn sahen. Er erinnerte sich an eine besonders gefährliche junge Dame die ihn beinahe mit Eis überzogen hatte. Wie war ihr Name gleich? Hama...?
Umpf. Ich muss was essen. Glaubte er wirklich, dass er sich an Robbenjagden am Südpol erinnerte? Sokka zu ergründen musste ein größerer Schock gewesen sein, als er dachte. Onkel würde mich das nie vergessen lassen, dachte Zuko trocken. Ein paar tausend Geschichtsschriftrollen, ein paar Jahre auf See lesend, wenn es nichts anderes zu tun gibt und man träumt, dass man dort war.
Aber die Tatsache blieb, egal wo er die Fakten hergezerrt hatte. „Kein Wunder, dass sie glaubt, dass sie das Recht hat Urteile zu fällen", grummelte Zuko. „Häuptlingstochter und eine Wasserbändigerin. Wer würde es ihr verweigern?"
„Kapiere ich immer noch nicht", sagte Toph ungeduldig. „Also ist sie eine Wasserbändigerin. Ist doch keine große Sache."
„Das ist es aber", sagte Zuko direkt. „Du stammst aus dem Erdkönigreich. Oma und Shu waren menschlich. Bändiger wissen, dass es etwas ist, dass jeder erlernen kann, wenn sie die Gabe haben. Die Wasserstämme verehren den Ozean und den Mond. Wasserbändiger sind gesegnet. Vor Neunhundert Jahren sagte Avatar Kuruk, dass Frauen zum Heilen geboren sind und der Nördliche Stamm hat sich seither daran gehalten. Sie bilden Frauen nicht im Kampfbändigen aus. Selbst wenn sie wissen, dass die Feuernation nur darauf wartet, bis sie sie alle auslöschen kann."
„Du weißt etwas über einen Avatar von vor Neunhundert Jahren?" Toph trat überrascht einen Schritt zurück.
„Ich habe jeden Avatar studiert, über den ich Schriftrollen finden konnte", sagte Zuko ungeduldig. „Roku, Kyoshi, Kuruk, Yangchen, Hirata... Ich hatte keine Ahnung, was mir helfen könnte, Aang zu finden. Die Sache ist die, Katara ist vom Südlichen Stamm. Der Nördliche Stamm kann noch etwas vom Land bekommen, selbst wenn es nur dazu genutzt wird, um Rentier-Yaks auf der Tundra weiden zu lassen. Kataras Stamm lebt direkt an der Grenze. Alles was sie haben, müssen sie vom Meer oder vom Eis gewinnen. Familien, denen Wasserbändiger wohlgesonnen waren, gediehen. Leute, die sie verstimmten, schafften es nie bis zum Ufer zurück. Das sind die Geschichten, mit denen Katara aufgewachsen ist. Das ist es, was sie glaubt, dass Wasserbändiger sein sollen." Seine Schultern sackten herab. „Ich schätze, ich dachte, dass sie anders wäre. Dass sie etwas gelernt hat, während sie mit dem Avatar unterwegs war. Aber... es sieht nicht so aus. Und wenn sie nicht glauben kann, das ich nicht versuche Aang zu fangen, während ich versuche euch vor Azula zu retten – " Er stieß frustriert die Luft aus. „Dann kann sie es genauso gut weiter glauben. Statt zu denken, dass ich etwas noch bösartigeres vorhabe."
Tophs Zehen trommelten auf den Sand. „Na schön, das kaufe ich dir ab. Aber es gibt noch was, das du mir nicht sagst."
„Da ist viel", sagte Zuko trocken. „Lebe damit."
„Viel macht dich nicht panisch, wenn du daran denkst in Aangs Nähe zu sein", warf Toph zurück. „Du willst Onkel schnappen und in die Berge verschwinden, Plan oder nicht. Und ich weiß, du bist ein guter Kerl, wo es wichtig ist. Du lässt nicht einfach Aang verletzt zurück, ohne einen guten Grund. Rede."
Zuko hielt die Fäuste davon ab sich zu ballen. „Es gefällt mir nicht, wenn Geister mit meinem Leben herumpfuschen. Aang ist der Avatar. Mich innerhalb einer Meile von ihm aufzuhalten ist als ob man auf einer Bergspitze herumhüpft, in einem Gewitter, in Rüstung und den Blitz-Geistern die Zunge rausstreckt. Beantwortet das deine Frage?"
„Du? Du brauchst wirklich dringend einen Urlaub." Toph ließ ihre Knöchel knacken. „Na gut, du hast mich überzeugt. Also, wenn du dein Ende erfüllst, dann lass mich dir was von Eisen, Erde und der größten Erdbändigerin der Welt erzählen."
(Hakoda, Iroh, Teruko/ Chamäleon-Bucht/ Erdkönigreich)
„Leutnant, ich schwöre, nichts ist an mir vorbei gekommen!"
„Aber irgendwas muss das schon, sonst wäre er noch da drin", knurrte die gerüstete Frau zurück. „Verdammt, der Kapitän wird – ", sie brach ab, buchstäblich rauchend.
Panische Feuerbändiger, dachte Hakoda, während er von was er für eine angemessene Entfernung hielt aus zusah. Nicht so witzig wie ich dachte.
Ganz besonders nicht, während seine zwei Kinder im gleichen Lager waren und die meisten seiner Krieger entweder schliefen oder es wollten. Die Sitte der Feuernation so früh am Morgen aufzustehen war verrückt.
Und hier bist du und stellst sicher, dass du die Funken auffängst, erinnerte sich Hakoda widerwillig amüsiert.
Doch hatte es bisher noch keine Funken gegeben. Alle Männer der Feuermarine – und wie viele Frauen es auch waren – hatten sich benommen... und zwar höflich. Das verstand er nicht.
Katara hatte ihm von der Jagd der Feuernation nach dem Avatar erzählt, die Worte waren aus ihr heraus geströmt wie Frühjahrstauwetter, ehe sie endlich schlafen konnte. Prinz Zuko war ihr hartnäckigster Jäger gewesen, doch alle Kräfte der Feuernation in Sichtweite von Appa sprangen dem jungen Luftbändiger an, wie ein Leoparden-Hai, der einen Köderball aus Marlina-Thunfisch erspähte. Der Feuerlord wollte Aang haben, lebend oder tot. Er wollte ihn genug um eine ganze Invasionsflotte zu riskieren in dem Versuch den Nordpol einzunehmen. Schiffe und Männer, die die Eroberung von Ba Sing Se garantiert hätten, ohne das unglaubliche Netz aus Verrat und Täuschung, das von Prinzessin Azula und den Dai Li gewoben worden war.
Doch hier war der Avatar, hilflos mit nur seiner Tochter, der kleinen Toph und Hakodas Flotte um ihn zu beschützen. Und die Feuernation hatte nichts getan.
Nicht ganz wahr, gestand Hakoda sich ein. Sie halten Wache.
Und das verstand er auch nicht. Prinz Zuko hatte vielleicht den persönlichen Groll seiner Tochter, aber soweit es die Feuernation sah? Nicht nur war er im Exil, ohne Ehre, er war nicht einmal ein guter Feuerbändiger. Wie konnte er das auch sein, bedachte man, dass er unfähig genug war, um von Feuer verbrannt zu werden? Wohl wahr, manche in der Feuernation sahen es nur ungern Azula als Erbin zu haben, aber keiner bezweifelte ihre Macht. Zuko war ein Zündspan, sie war ein Inferno. Jeder wusste das.
Jeder außer Sokka.
Hakoda runzelte die Stirn und überdachte das. Normalerweise, wenn er verlässliche Informationen von einer ganzen Menge von Leuten bekam, und nur eine abweichende Stimme darin, wurde dieser einzelne misstrauisch betrachtet. Aber Sokka verließ sich nicht auf Geschichten von Händlern oder dem Ratschlag von Verwandten, was alles aus zweiter Hand kam. Sein Sohn hatte gegen Prinz Zuko gekämpft. Und egal was jeder wusste, glaubte Sokka, dass der junge Feuerbändiger so gefährlich wie eine Eisviper war, die gerade entdeckt hatte, dass ihr Gelege zerstört worden war.
Wenn dieser Kapitän Jee auf Zukos Schiff war... dann weiß er es auch.
Und das zog noch nicht einmal in Betracht, dass Hakoda wusste – wusste – dass Sokka die Gabe seines Vaters hatte. Die Gabe, die ihre Linie seit Generationen zu Häuptlingen gemacht hatte. Den Dreh, Dinge nicht nur so zu sehen, wie alle sie sehen wollten, sondern wie sie wirklich waren. Und, was manchmal noch wichtiger war, wie sie sein könnten.
Also, erzähle dir eine Geschichte, dachte Hakoda trocken. In dieser Geschichte hat Sokka Recht und der Junge ist ein viel gefährlicherer Feuerbändiger, als irgendwer erkennt. Von seinem Onkel abgesehen – der einst selbst der Erbe war – und dem Kapitän seines Schiffes. Geister, nur zu, mach es zu einer wirklich wilden Geschichte und sag, dass der Kapitän so ehrenwert ist wie Zuko versuchte in dieser Wüste zu sein. Und er will Azula auch nicht als Erbin sehen.
In dieser Geschichte... was würde ein ehrenwerter Kapitän der Feuermarine tun?
Seine Nation beschützen, indem er den einzigen geistig gesunden Erben schützte, den Ozai hatte. Selbst wenn das bedeutete, den tödlichsten Feind der Feuernation völlig unangetastet zu lassen.
Aangs Wunden waren schwer genug, dass Hakoda sogar vor dem Gedanken ihn zu bewegen zurück zuckte, selbst unter Kataras Pflege. Dem Feuerlord war es vielleicht gleich, wenn der Avatar starb... aber Zuko brauchte den Jungen lebendig.
Ich könnte mich irren. Sokka und ich, könnten uns beide irren. Aber wenn ich richtig liege...
Dann war die Situation gleichzeitig sicherer und gefährlicherer, als er erkannt hatte. Das war keine gewöhnliche Einheit der Feuernation, arrogant und tödlich, aber eher dazu geneigt sich zurückzuziehen, als massive Opfer zu erleiden. Das hier waren verzweifelte Männer, die bereit waren, sich an den Befehlen von Feuerlord Ozai selbst vorbei zu drücken, um ihres Prinzen Willen.
Ich muss Bato und die anderen warnen. Bis ich einen besseren Eindruck dieser Soldaten habe, müssen wir sehr vorsichtig sein. Hakoda straffte seine Schultern und näherte sich dem Unterschlupf. „Gibt es ein Problem?"
„Nein." Iroh gähnte massiv, als er aus Tophs Unterschlupf heraus kam. „Entspannen sie sich, Leutnant Teruko. Mein Neffe macht höchstwahrscheinlich nur einen Spaziergang. Das ist eine seiner Gewohnheiten, wenn er besorgt ist."
„Einen Spaziergang?", stotterte Teruko. „Wir haben Wache gehalten!"
Genau wie meine Männer. Hakoda runzelte die Stirn.
„Er kann sehr leise gehen", sagte Iroh fröhlich. „Es ist in Ordnung, Kapitän Jee kennt seine Gewohnheiten... ah. Häuptling Hakoda?"
Hakoda beugte sich über den Sand bei einer Kante des Unterschlupfs und hob interessiert eine Augenbraue. „Sehr leise", stimmte er trocken zu. Die Spur war schwach. Sandalen, nicht die Stiefel, die er erwartet hatte. Und sie stotterte auf eine Art, die nicht ganz menschlich aussah –
Hakoda hielt an und schaute sich um, wie der junge Mann, dem er folgte sich umgeschaut hätte. Er sah die Wachposten. Und sie haben ihn nicht gesehen.
Fasziniert wendete sich der Häuptling wieder der Spur zu, baute sich ein frischeres Bild des Prinzen, als den bewusstlosen Jungen, den er in Irohs Armen gesehen hatte, oder den übernatürlich entschlossenen Feuerbändiger, den Sokka mit Worten und wedelnden Händen gezeichnet hatte.
Er hat die Wachposten nicht nur gesehen. Er wusste, dass sie da sein würden.
Das war nicht überraschend für einen militärisch ausgebildeten Feuerbändiger. Aber die Geduld und Verstohlenheit, die gebraucht wurde, um dieses Wissen erfolgreich zum Schleichen und Ausweichen zu verwenden... das war überraschend.
Das soll ein Prinz sein?
Das passte nicht zu dem Bild, das er sich von einem adeligen Erben geformt hatte, nachdem er ein paar zu viele arrogante Adelige des Erdkönigreichs getroffen hatte. Hakoda fragte sich, was sonst nicht passen konnte.
Hier hast du gezögert, du hast das Lager gesehen. Du warst überrascht, aber du hast niemanden angegriffen. Nicht gerade der Jähzorn, vor dem Sokka ihn gewarnt hatte. Du wanderst hin und her, aber nur gerade genug, um zu vermeiden gesehen zu werden. Du hast ein Ziel. Welches?
„Also, du denkst, wenn wir den Sand aufheizen...?" Tophs Stimme kam von hinter der nächsten Düne.
„Es ist einen Versuch wert." Eine junge Stimme, aber mit dem rauen Ton, der sich entwickelte, wenn Befehle über Kampflärm gegeben wurden. „Später."
„Och. Ich wollte sie doch erschrecken." Toph grinste sie an, als sie über grasbewachsenen Sand kamen. „Hey, Onkel. Raten sie mal, wer wieder in diesem Jahrhundert ist?"
Ja, wer. Hakoda studierte ihn eingehend, als Teruko unterdrückt grummelte und Iroh strahlte. Nüchterne grüne Roben, so unauffällig wie die eines jeden Reisenden des Erdkönigreichs, wenn man die versengten Fäden ignorierte. Dunkle Haare, gerade lang genug um blasse goldene Augen zu beschatten und die Kanten der schlimmsten Brandnarbe zu verdecken, die Hakoda je an einem lebenden Mann gesehen hatte. Größer als Sokka und schlank. Zu schlank. Ein Auge, das durch Polarwinter geschult war konnte beinahe bis auf den Tag erkennen, wie lang der Prinz nur knappe Verpflegung hatte und wann das Universum entschieden hatte, etwas weniger hart zu sein.
Sokka hat Recht. Wenn er es vor ein paar Monaten versucht hätte, dann hätte er ihn festhalten können.
Aber nicht jetzt. Die Haltung des Prinzen war stolz, bis zum Kern Feuernation... doch war da nichts von der steifen Arroganz, die er in so vielen Feuerbändigern gesehen hatte. Zuko stand still. Abwartend.
Das ist ein sehr gefährlicher junger Mann.
Ein gefährlicher junger Mann der im Moment ihn und Teruko einschätzte, als ob sie beide ihre eigene Bedrohung darstellten.
Sein eigenes Militär? Also ist der Prinz tatsächlich auf der Flucht. Das machte Kapitän Jees Handlungen nur noch interessanter –
„Wie sind sie an den Wachposten vorbei gekommen?", verlangte Teruko zu wissen, Rauch stieg von ihrem Atem auf.
Zuko zuckte nicht einmal. „Sie haben geblinzelt."
Iroh, bemerkte Hakoda, wirkte still amüsiert.
Toph war ganz und gar nicht still und gackerte wie eine Arktische Henne. „Oh komm schon! Wissen denn nicht alle wie leichtfüßig du bist?"
„Jene, die sehen können, schauen oft nicht so genau hin, wie deine Füße", erklärte Iroh. Er warf Teruko einen nachsichtigen Blick zu. „Wahrlich, sie haben keinen Grund sich beschämt zu fühlen. Mein Neffe hat sehr viel Übung darin, seinen Weg an unüberwindliche Hindernisse vorbei zu finden." Er wendete sich dem Prinzen zu. „Neffe, dies ist Häuptling Hakoda, Vater von Sokka und Katara, der einen Waffenstillstand angeboten hat, so dass wir auf parallele Ziele hinarbeiten können. Häuptling Hakoda, mein Neffe, Prinz Zuko, Sohn von Ursa und Feuerlord Ozai."
Formalität der Feuernation. Hakoda hatte schon ein paar mal damit zu tun gehabt und nicht das geringste daran gemocht. Doch es war interessant zu erkennen, wie viel daran hing, was der Sprecher nicht sagte. Ich habe einen Waffenstillstand angeboten. Aber Iroh hat nicht gesagt, dass der Prinz ihn akzeptiert hat. Das könnte verzwickt werden.
Zuko neigte seinen Kopf. „Ihr Sohn ehrt ihren Namen", sagte er formell. „Er ist für gewöhnlich in Ausbildung und Truppenstärke unterlegen, doch er ist hartnäckig und einfallsreich." Ein Anflug eines Grinsen. „Bitten sie ihn, ihnen von dem Kleid zu erzählen."
Hakoda blinzelte. „Kleid?"
„Ohh, das ist jetzt wirklich gemein", kicherte Toph.
„Er half einen fähigen Hinterhalt und einen strategischen Rückzug auszuführen", erklärte Zuko trocken. „Der Vorgesetzte eines Soldaten sollte alle relevanten Einzelheiten kennen, so dass seine Leistungen ihren angemessenen Verdienst erhalten."
Hakoda zählte alles zusammen und schmunzelte. Der Prinz war vielleicht ein unglaubwürdiger, gefährlicher Feuerbändiger, den er am liebsten auf See in einen Eisblock verfrachten würde, aber... „Mein Sohn hat dich in einem Kleid abgewehrt?" Oh, Sokka. Das musst du mir erzählen.
„Für sein erstes Mal in Rüstung hat er sich nicht zu schlecht angestellt." Zukos Gesicht wurde kalt, jeglicher Humor verschwand. „Ihre Tochter ist eine mächtige und entschlossene Wasserbändigerin und eines Tages wird sie das umbringen."
Iroh hielt eine abwehrende Hand, ehe Hakoda sich anspannen konnte. „Das ist keine Drohung", sagte der pensionierte General schnell. „Mein Neffe hat keinerlei Talent in Diplomatie. Aber er ist ehrlich. Bitte, hören sie zu."
„Da hättest du besser einen verdammt guten Grund, warum das keine Drohung ist", sagte Hakoda gleichmäßig.
„Ich will sie nicht umbringen", sagte Zuko leise. „Ist das genug?"
Waffenstillstand, erinnerte sich Hakoda, als Iroh seufzte. Wir haben einen Waffenstillstand. „Du überzeugst mich nicht gerade, dass du meine Tochter nicht bedrohst."
„Mann!" Toph warf ihre Hände hoch. „Was ist das bloß mit dir, Funkenfresser? Siehst du einfach nur unheimlich aus, oder was?"
Funkenfresser?, dachte Hakoda ungläubig. Das Mädchen war vom Erdkönigreich. Sie musste wissen, dass der Prinz ein Feind war. Egal, wie wohlwollend Iroh über Tee lächelte.
„Ja", sagte Zuko leise. „Tue ich."
Sie ist blind, erinnerte sich Hakoda. Es war leicht, das zu vergessen, wenn man sah, wie gut sich die junge Erdbändigerin bewegte. Sie hat keine Ahnung, wie schlimm er aussieht. Sogar Batos Narben sind nicht –
Hakodas Augen verengten sich, als er den Gedanken untersuchte. Bato hatte seine Narben im Kampf erhalten und sie sahen auch so aus, zerrissen und zitternd, ein klares Zeichen, dass er versucht hatte, auszuweichen. Die des Prinzen... das was dieser Narbe am nächsten kam, war die Herzwunde an exekutierten Soldaten des Erdkönigreichs. Ein präziser Feuerstoß.
Das sieht – falsch aus.
„So viel zu Augen", sagte Toph ungeduldig. „Na schön, dann sieht er gruselig aus. Aber er hat Recht. Katara, Sokka, Aang – sie sind meine Freunde. Aber neulich in Ba Sing Se? Katara hat da Zeug gesagt, Zeug gemacht..." Sie schüttelte sich. „Ich mache mir Sorgen um sie. Und Zuko hat Katara viel eher als ich getroffen. Also kennt er sie irgendwie schon."
„Er hat sie getroffen, als er meine Mutter bedrohte", sagte Hakoda spitz.
Zuko verzog das Gesicht. „Hilft es, wenn ich sage, dass ich das bedauere?"
Teruko regte sich. „Sir – "
„Es war unratsam, Leutnant", sagte Zuko formell. „Die Wani war mein Schiff, kein Kriegsschiff. In dem Dorf waren nur Zivilisten und ein junger Mann, der sich an seinen Bumerang hätte halten sollen, statt zu versuchen einen Speer in seiner ersten Kampfhandlung zu benutzen. Und dann noch mit direktem Kontakt und tödlicher Absicht anzufangen? Er hat es regelrecht herausgefordert zu erstarren..." Er schüttelte den Kopf. „Ich bin jähzornig und ich habe nicht nachgedacht. Wir sind im Krieg. Aber es war weniger als ehrenwert jemanden zu bedrohen, von dem sich herausstellte, dass er unbewaffnet war."
„Von dem sich herausstellte – sie ist eine alte Frau!", rief Hakoda.
„Ich sehe, sie haben noch nie eine Großmutter der Feuernation getroffen." Humor glitzerte in Irohs grünen Augen. „Ich rate ihnen, Sokka zu sagen, sie ebenso misstrauisch zu behandeln wie er es mit Mai tun würde. Denn, wer glaubt er, hat dem Mädchen ihr erstes Messerset geschenkt?"
Grüne Augen?, erkannte Hakoda. Aber Feuerbändiger haben... irgendetwas seltsames geht hier vor. „Na schön", sagte er mit ruhiger Stimme. „Sag mir was du weißt, das ich anscheinend nicht über meine eigene Tochter weiß."
Blasse Fäuste ballten sich und lösten sich langsam wieder. „Meine Befehle lauteten den Avatar lebendig gefangen zu nehmen", legte der Prinz dar, so sorgfältig, wie ein Mann, der seinen Weg über brüchiges Eis suchte. „Ihre Tochter beschloss, sich zu einem Hindernis zu machen. Aber ich hatte keine Befehle, was sie betrifft, also konnte ich es vermeiden tödliche Gewalt anzuwenden. Wir sind aneinander geraten. Sie hat versucht mich zu töten. Sie hat die gleichen Taktiken mit Azula und den Dai Li versucht. Nur wollten sie nicht dass sie lebt." Zukos Kiefer war angespannt. „Der Avatar hätte Katara nehmen und auf seinem Luft-Stab weg fliegen können. Er hat das schon früher gemacht. Ich habe nicht gesehen, was passiert ist, aber ich habe gegen Katara gekämpft. Und ich kenne meine Schwester. Ich schätze, Katara dachte, dass sie es mit Azula aufnehmen konnte... und Azula hat sie das glauben lassen. Lange genug, um Aang im Kampf zu halten, bis er genau da war, wo sie ihn haben wollte." Er stieß langsam einen zischenden Atem aus. „Ich habe sie gewarnt. General Iroh hat sie gewarnt. Sie hört einfach nicht zu."
Hakoda warf dem jungen Mann einen skeptischen Blick zu. „Und du hast erwartet, dass sie auf einen Feind hört?"
„Unter unserem Volk ist es Sitte, dass, wenn zwei Todfeinde sich einem noch mächtigeren Feind gegenüber sehen, sie eine zeitweilige Allianz schließen, bis die Gefahr vorüber ist", sagte Iroh gleichmäßig. „Solch eine Kooperation bringt keiner Seite Unehre. Tatsächlich konnten in unserer Vergangenheit solche Allianzen die Basis für einen lang anhaltenden Waffenstillstand bilden. Sogar ein Ende der Feindseligkeiten, wenn die Umstände und Ehre es zuließen." Kurz gewachsen und grau, gab er Hakoda einen Blick, der den Häuptling an seinen eigenen Vater erinnerte. „Ja. Wir hatten gehofft, dass sie auf uns hören würde. Und so warnen wir jetzt sie, als einen, der ehrenhaft einen Waffenstillstand mit uns hält." Er warf Zuko einen Blick zu. „Ich denke es gibt Frühstück."
„Gut", sagte Zuko trocken. „Ich hatte mich schon gefragt, ob ich angeln – " Eine Hand in einen Ärmel geschoben erstarrte er.
„Neffe?", sagte Iroh vorsichtig.
Langsam holte Zuko seine Hand wieder hervor, einen schwarzen Metallklumpen haltend. Er schaute ihn an und schluckte.
Das sieht aus wie... geschmolzene Angelhaken?
Iroh sog scharf den Atem ein. „Leutnant Teruko. Ich glaube, dies ist der Beweis, den sie verlangt hatten."
„Beweis von was?" Hakoda warf der gerüsteten Feuerbändigerin einen schmalen Blick zu, als sie den geschwärzten Stahl annahm. „Sie sind geschmolzen. Er ist ein Feuerbändiger."
„Nicht geschmolzen", sagte Teruko nüchtern. „Geschweißt. Dazu braucht es extreme Hitze, oder..."
„Einen Blitz", sagte Zuko ruhig. Er blickte zu seinem Onkel, plötzlich zögernd hinter der formellen Maske. „Ist irgendjemand... als ich ihn ablenkte...?"
„Es gab mehrere Gehirnerschütterungen, glaube ich." Irohs Lächeln war sanft. „Kommt. Erleichtern wir die Pflichten des Leutnants, so dass sie Kapitän Jee informieren kann."
Erleichterung flackerte in goldenen Augen und Hakoda zog interessiert eine Augenbraue hoch. „Er dachte auch, dass du tot bist. Irgendwas über ein Schiff, das explodiert ist?"
Die Maske knallte wieder herab und der Prinz betrachtete ihn kalt. „Ja, ist es."
Interessant. Das hört sich nicht nach etwas an, was ich erwarten würde, wenn es in einem Feindgefecht war, dachte Hakoda. Also ist entweder etwas Feuerbändigen aus dem Ruder gelaufen – und Sokka zufolge ist Zuko nicht so schlecht – oder...
Politik der Feuernation. Man konnte dem Feind nur Punkte für Beständigkeit geben. Sie waren genau so bösartig zueinander wie sie zu jeder anderen Nation waren.
Aber würde jemand wagen, das dem Erben anzutun? Wer? Warum?
„Autsch. Das hört sich nach einer echt üblen Geschichte an – Oh, nein." Toph zuckte zusammen. „Achtung, sie ist sauer."
„Das sehe ich", murmelte Zuko und warf einen Blick zu den Schiffen hinaus.
Nein, nicht die Schiffe, erkannte Hakoda. Die Wellen.
Wellen, die plötzlich einen halben Fuß höher waren, als sie sein sollten, wenn man die einsetzende Ebbe in Betracht zog. Hakoda runzelte die Stirn und entsann sich, was Sokka über Wut und Bändiger gesagt hatte. Er hatte Geschichten über Wasserbändiger gehört, ja. Aber er hatte immer geglaubt, dass sie übertrieben waren. Zornige Rachegelüste eines Volkes, das nicht wagte zuzugeben, dass es starb.
Zukos Gesichtsausdruck änderte sich nicht. Er schaute einfach nur zu Iroh und machte sich auf dem Weg zum Lager zurück.
Ein Beispiel für jeden Feuerbändiger. Tritt dem Feind direkt gegenüber.
Doch selbst so erkannte Hakoda den Moment in dem Zuko seine Tochter sah. Er hatte schon vorher Männer sich so versteifen sehen. Wenn Speere zuckten und Blut floss.
„Was glaubst du, dass du hier treibst?", verlangte Katara zu wissen, die Hände auf den Hüften.
„Mich erpressen lassen", erwiderte Zuko trocken.
„Was?"
Hakoda musste dem jungen Mann das zugestehen. Selbst mit dem wütenden Gesicht seiner Tochter hielt Zuko nicht inne.
Katara blieb vor ihm, Schritt für wütenden Schritt. „Du hast uns angelogen."
Teruko... knurrte, war der beste Ausdruck, den Hakoda dafür finden konnte. Wenn Knurren den Dampfstoß eines Geysirs hätte. „Du wagst es!"
„Oh, ich wage noch viel mehr", schnappte Katara zurück. „Schau dich um! Das ist ein Ozean! Und du hast diesmal keine Armee dabei, die dir den Rücken stärkt – "
„Was. Soll ich. Gemacht haben?", biss Zuko heraus.
„Als ob du das nicht weißt!"
„Tatsächlich? Ich würde sagen, dass er es nicht weiß", warf Toph ein. „Sagst du es mir, Püppchen? Denn ich denke irgendwie ist es schwer für Zuko irgendwas getan zu haben. Da ist dieses kleine Detail, dass er bewusstlos war?"
„Er hat uns gesagt, dass er nicht mit Azula arbeitet", schnappte Katara.
„Ach nee?" Toph hob die Achseln. „Sie will ihn tot sehen."
Hakoda blinzelte sprachlos. Oh, Tui und La. Wenn das der Fall war, wenn Prinzessin Azula nicht nur darauf wartete, dass das Exil ihren Rivalen ausschaltete, sondern ein aktives Interesse daran hatte... Seine Gäste waren wahrhaft verzweifelte Männer.
„Wirklich?" Katara studierte den Prinzen, und flatterte die Augen in höhnischer Sorge. „Herrje, und ich dachte Azula sollte diese schreckliche, böse, wahnsinnige Person sein. Er sieht mir irgendwie sehr lebendig aus."
„Miss Katara", rügte Iroh..
„Nein! Keine Entschuldigungen. Keine Erklärungen. Er taucht einfach so auf, wenn Azula das tut? Und es gelingt ihm irgendwie den Blitz zu überleben, der Aang ausgeschaltet hat?" Sie funkelte den Prinzen an. „Er ist der Avatar! Und du, du bist nur ein verwöhnter Versager, der – "
Ein Fuß um Zuko herum brüllte der Boden in Flammen auf.
Und erlosch, bevor Hakoda überhaupt Luft für einen Ruf holen konnte. Zuko sah seine Tochter an und die gezügelte Rage darin ließ Hakoda sich nach einer Walknochenmachete sehnen.
„Blitzbändigen ist Feuerbändigen." Die Worte des Prinzen schnitten wie Rasiermesser. „Aang kann nicht Feuerbändigen. Er kennt keine Blocks. Ich schon. Azula hat mich trotzdem fast umgebracht. Wieder mal." Zuko trat vor, ein bewusster, drohender Schritt. „Ich fand Azula auf die gleiche Weise, wie ich den Avatar verfolge, weil ich weiß wie man Spuren liest. Mit dem Avatar ist das einfach. Man hält nur nach den Orten Ausschau, an denen sich nur ein Idiot aufhalten würde und da ist er." Noch ein entschlossener Schritt. „Azula ist schwieriger. Sie ist schlau. Viel schlauer als ihr. Ich kann sie normalerweise nicht finden, ehe sie mich findet. Aber ich weiß wie ich sie finden kann. Man such einfach den einen Ort und Zeitpunkt, an dem sie alles wofür man gearbeitet hat, zerstören kann... und sie ist noch vor einem dort." Er holte Luft, langsam und konzentriert. „Ich wusste, Azula war im Palast. Ich sah den verdammten Bison!" Eine Hand wurde wie eine Anschuldigung geworfen, zu dem massiven pelzigen Tier, das gerade ins Lager zurück trottete, nachdem er auf den grasigen Dünen weiter Inland geweidet hatte. „Mal dir 'ne Landkarte!"
Hakoda zwang sich, von der zornigen, brennenden Präsenz wegzusehen, beobachtete Iroh, seine eigenen Männer und angespannte Feinde in dunklen Rüstungen. Der alte General wirkte ruhig, wenn auch nicht glücklich. Bato sorgte mit einem Blick und einem Nicken dafür, dass sich ihre Männer ruhig verhielten. Und die Leute der Feuermarine...
Wütend. Sie sind sehr wütend. Aber sie halten sich zurück. Wir können das immer noch retten –
Hakoda starrte ungläubig, als Kataras Hand zu ihrem Wasserschlauch ging und der Prinz sich anspannte und Stahl in gerüsteten Händen gehoben wurde –
Irohs Stimme schnappte wie eine Flamme. „Bist du damit fertig, die Großzügigkeit deines Häuptlings zu beleidigen?"
Batos Brauen schossen hoch, gleichzeitig neugierig als auch vorsichtig.
„Ja", sagte Hakoda fest, sich seiner Pflichten als Häuptling nur zu bewusst. Egal wie unangenehm ihre Gäste waren. „Das ist sie."
Zuko warf ihm einen Blick zu, mit einem schmalen goldenen Auge. Er nickte ein Mal, abgehackt. Dann wendete er sich von Katara ab und machte sich auf den Weg zu dem aus Sand gebändigten Unterschlupf.
Katara errötete. „Dreh mir bloß nicht den Rücken zu, du – "
„Katara." Hakoda hatte die Stimme eines Häuptlings zu einem Krieger, der kurz davor war etwas zu tun, das zu Toten führen würde, an seiner Tochter benutzt. Und er hätte nie gedacht, dass er das tun müsste.
Wenigstens hält der Prinz sein Wort.
Und der Rest dieser Feuer atmenden Landplagen folgten seinem Beispiel. Selbst Teruko, deren Schultern schrien, dass sie Katara am liebsten dort wo sie stand zu Asche verbrennen würde.
Und das Schlimmste ist, dass ich ihr da nicht ganz widersprechen kann. „Toph?", sagte Hakoda ruhig. „Hättest du etwas dagegen für Sokka eine Weile zu übernehmen? Ich möchte mit meinen beiden Kindern über diese... Situation sprechen."
Toph grinste schief und kam bewusst bei ihm vorbei, als sie sich zu dem Zelt des Heilers aufmachte. „Viel Glück", murmelte sie.
Wenigstens hatte Katara noch genug Respekt für ihren Vater, um ihn in sein Zelt zu folgen, ehe es aus ihr heraus brach. „Reden? Worüber müssen wir hier noch reden? Iroh sagte, dass Zuko krank ist. Offensichtlich ist er das nicht mehr, also warum sind sie dann noch hier – "
„Warten wir auf deinen Bruder", unterbrach Hakoda.
Schäumend verschränkte sie die Arme und schwieg.
Sokka kam eine Minute später in das Zelt. „Was ist los? Toph sagte, der Waffenstillstand ist beinahe auseinander geflogen!"
„Ja", sagte Hakoda einfach. „Das ist er beinahe." Er sah zu seiner Tochter und hob die Augenbrauen. „Sagst du mir auch warum?"
„Oh, Mann", stöhnte Sokka ungläubig.
„Oh, als ob du nie mit deinem Bumerang auf Zuko losgegangen bist", schoss Katara zurück.
„Nicht wenn wir versuchen seine Hilfe zu bekommen! Weißt du noch, wie in der Geisterstadt?" Sokkas Hände deuteten leere Straßen an, Staub, der im Wind blies. „Azula ist hinter Iroh her und wir sind auf sie los? Zuko hat uns vor ihr gewarnt weil er uns was schuldete. Glaubst du dass er uns jetzt nichts schuldig ist?"
„Wir brauchen ihn nicht!"
„Doch ich denke schon", sagte Sokka direkt, sein eigenes Temperament sichtlich zügelnd. „Jeden Tag, an dem Aang bewusstlos ist, ist ein Tag weniger den er hat, um das Bändigen zu lernen. Wir haben weniger als zwei Monate um uns vorzubereiten. Zwei Heiler müssen doch schneller dazu fähig sein ihn zu heilen, als einer."
„Du willst Aang jemandem anvertrauen, der einen zuerst angreift?", schnaubte Katara zurück. „Er hat mich geschlagen, Sokka! Mitten auf der Straße! Er hat mir nicht einmal eine Chance gegeben, mich zu verteidigen! Er ist wahnsinnig, genau wie dieser ganze Untergrund-Fanclub von ihm! Alles was ich wollte, war diesen kleinen Kindern zu helfen, sie aus diesem Inneren Feuer frei zu bekommen, von dem Meixiang geredet hat – und sie hat mich mit einem Messer bedroht! Mich! Aangs Lehrerin! Sie hat gesagt, dass sie versuchen würde mich zu töten, statt zuzulassen, dass ich sie heile ohne zu fragen! Sie – "
„Halt. Halt!", unterbrach Sokka sie. „Inneres Feuer?"
„Irgend so eine Entschuldigung die Meixiang benutzt hat, von wegen warum die Dai Li Azula folgen würden." Katara rollte mit den Augen. „Sie sagte manche Feuerbändiger könnten das tun. Und da sie diese verrückte Idee hatte, dass Zuko versuchen würde ihnen zu helfen – "
„Bin mir nicht sicher, ob du es bemerkt hast, aber die Dai Li haben für Azula gearbeitet", zeigte Sokka auf.
„Und? Wir wissen doch alle, dass Long Feng eine Käfer-Ratte war, die die Gedanken der Leute bändigte!"
Sokka stieß einen frustrierten Atem aus. „Und was glaubst du hat Madam Wen von dir gedacht?"
Katara glotzte und starrte ihren Bruder dann mit schmalen Augen an. „Ich wollte sie heilen!"
„Du wolltest was mit einer verrückten Idee machen? Dann wolltest du ihre Gedanken bändigen", sagte Sokka klar. „Wer sind denn die einzigen Leute in Ba Sing Se, die wissen wie man das macht?"
„Ich bin keine Dai Li!"
„Ja, und, nach allem was Huojin gesagt hat? Wir sind der Grund, weshalb sie vor dem Dai Li fliehen." Sokka sah verärgert aus, wegen ihr, erkannte Hakoda, aber mehr noch wegen sich selbst. „Aang hat versprochen ihnen zu helfen. Aber haben wir das je gemacht? Nein. Wir gingen nur zum Erdkönig und haben darauf vertraut, dass sich alles dadurch richten würde. Aber das hat es nicht."
„Oh? Und wessen Schuld ist das, Herr Positive Einstellung?" Von Kataras Stimme tropfte höhnische Süße.
Hakodas Augenbrauen fuhren nach oben. Er hatte diesen Ton nicht gehört seit... nun, seit seine eigene Mutter einen Stammesmitglied zerrissen hatte, der es verdient gehabt hatte. Kanna, was hast du ihr alles beigebracht?
„Du hast Recht", sagte Sokka ernst. „Es ist meine Schuld. Papa wollte, dass ich auf dich aufpasse und das hätte ich auch machen sollen. Das heißt, ich hätte schon vor langem ein Machtwort sprechen sollen und euch zwei dazu bringen sollen auf mich zu hören. Aang ist kein Krieger. Er ist nur ein dummes Kind – "
„Er ist der Avatar!"
„Und deswegen muss er aufhören sich wie ein Kind zu benehmen!", brüllte Sokka schließlich. „Er kann nicht einfach Sachen versprechen und erwarten dass jemand anderes es richtet. Oder Entschuldigungen machen, warum er sich nicht darum kümmern muss. Du bist nicht seine Mutter, Katara! Mama hätte uns nicht die Hälfte von dem durchgehen lassen, was Aang macht!"
„Genug", sagte Hakoda fest, stellte sich zwischen die beiden wütenden Geschwister. „Genug." Er schaute zwischen ihnen hin und her, mit strengem Gesicht. „Ich sehe, dass sich das schon seit einer Weile aufgestaut hat. Und ich will später noch mit euch reden. Aber im Moment muss das warten. Sokka. Als Krieger des Stammes, glaubst du, dass Prinz Zuko dazu bereit ist Aang zu helfen?"
„Toph sagt, er hat schon längst zugestimmt", berichtete Sokka, während die Zornesröte langsam aus seinem Gesicht verschwand. „Sagte dass sie eine Unterhaltung über das Metallbändigen dafür getauscht hat."
Metallbändigen? dachte Hakoda ungläubig. Das ist keine gewöhnliche Erdbändigerin.
„Typisch", schnaubte Katara. „Er würde nie helfen, weil es das Richtige ist."
„Was kümmert es dich, warum er es macht?", sagte Sokka genervt. „Also will er dass Aang in einem Stück ist, damit er ihn zum Feuerlord schleppen kann. So weit ich weiß hat er das schon vorher versucht. Und wir haben ihn aufgehalten. Das Wichtigste ist, dass wir Aang in einem Stück bekommen. Wie es dann weitergeht schauen wir später. Außer, du glaubst, dass ein Meister des Wasserbändigens nicht mit einem Schiff der Feuermarine zurecht kommt."
„Oh, ich komme damit zurecht", sagte Katara grimmig. „Am liebsten gleich jetzt – "
„Nein", sagte Hakoda fest. „Wir haben einen Waffenstillstand. Das wird unter unserem Volk geehrt, Katara. Es ist mir gleich, ob ihr Stamm unseren gestern noch töten wollte. Heute haben wir einen Waffenstillstand und ich wäre ein schlechter Häuptling, wenn ich ihn breche."
„Wir schließen einen Waffenstillstand mit Menschen!"
Kanna, wenn ich zurück komme, müssen wir uns mal gründlich unterhalten, dachte Hakoda düster. „Und wir haben einen Waffenstillstand mit diesen Menschen geschlossen, für deinen Freund. Und du wirst ihn in Ehren halten, als die Tochter des Häuptlings." Er nickte zu der Zeltwand, in die Richtung des Ankerplatzes der Feuermarine. „In der Feuernation berührt die Ehre des Kommandanten die eines jeden Mannes unter seinem Befehl. Sie müssen sie verteidigen. Und der Kapitän dieses Schiffes hat ihnen befohlen Prinz Zuko zu beschützen." Er atmete durch. „Hör auf ihn zu beleidigen. Bei allen Geistern, hör auf zu drohen ihn anzugreifen. Wann du es nicht erträgst deinem Feind in die Augen zu blicken ohne eine Auseinandersetzung zu beginnen, dann halte dich einfach von ihm fern, für uns alle."
Blaue Augen starrten zu ihm hoch, weit und ungläubig. „Wie kannst du dich nur auf ihre Seite stellen? Du weißt doch was sie Mama angetan haben!"
Es zerdrückte Hakodas Herz. Er konnte sich nur vorstellen, wie sehr es seine Tochter schmerzte. „Ein Häuptling muss an das Wohlergehen seiner Leute denken", sagte er sanft. „Egal was er will. Wenn Aang die beste Hoffnung der Welt ist, dann muss ich mein Bestes geben, um ihm zu helfen. Im Moment heißt das, einen Waffenstillstand mit Männern zu halten, denen ich nicht vertraue. Männer, die ich hasse. Männer von denen ich weiß dass sie unsere Feinde sind." Er lächelte sie beide an, bittersüß. „Das muss ich tun. Und dann muss ich darauf vertrauen, dass wir gemeinsam schlau genug sind, um sie zu überlisten."
Sokka warf ihm ein entschlossenes Grinsen zu und nickte zustimmend. Katara blinzelte, ein zerbrechliches Lächeln tauchte unter wässrigen Augen auf.
Etwas stimmt nicht. Hakoda warf Sokka einen Blick zu und nickte zum Zelteingang. „Könntest du Bato fragen, was er von ihrem Schiff hält? Du hast das andere Schiff gesehen, das der Prinz hatte, vielleicht kannst du ihm ja was sagen, was uns noch nicht aufgefallen ist."
„Schon dabei, Papa." Sokka verschwand nach draußen.
„Katara", sagte Hakoda sanft, als die Zeltplane wieder herab fiel. „Was ist los? Was ist in Ba Sing Se passiert?"
„Ich..." Kataras Atem stockte. Sie schluckte. „Ich hasse Städte, Papa! Sie schauen so sauber aus, und alle ziehen sich so nett an und das alles ist wie Robbenpelz über Rasiermesser. Du hättest hören sollen, was diese Mädchen zu uns gesagt haben und Toph ist blind..."
Es rauschte aus ihr heraus, wie ein gebrochener Damm des Erdkönigreichs. Vier Wochen verloren und allein in der massivsten, einzigen, stolzen Stadt auf dem Planeten. Vier Wochen lang nutzlos zu sein, was war schon eine Frau des Stammes wert, wenn Essen, Kleidung, Unterkunft einen gegeben wurde? Vier Wochen lang hilflos zu sein, zu wissen, dass man nichts gegen den Krieg innerhalb der Mauern unternehmen konnte, nicht einmal etwas darüber sagen durfte, nicht als Long Fengs Drohung, dass Aang niemals Appa finden würde, über ihren Köpfen hing. Vier Wochen lang manipuliert zu werden, während da draußen Menschen starben und der Erdkönig sich weigerte zuzuhören...
Hakoda hielt sie, als sie schluchzte, mit schwerem Herzen. Seine Tochter war so ein verantwortungsbewusstes kleines Mädchen gewesen, seit Kya gestorben war. Long Feng hätte keine gemeinere Art finden können, um ihr weh zu tun.
Ich frage mich, ob er das wusste, diese hinterhältige Eis-Viper.
Egal wie, ein gewisser Großsekretär von Ba Sing Se hatte es verdient zu leiden, dass er seinem kleinen Mädchen weh getan hatte. Etwas über das er nachdenken und Ideen polieren konnte, in einsamen Nächten, um sie im richtigen Moment zu benutzen.
Und doch. Da gab es etwas in Kataras Litanei der Schmerzen, das Hakoda aufhorchen ließ. Es geht nur um Aang, erkannte er. Sokka ist ihr Bruder und Toph ihre Freundin und von diesen schnippischen adeligen Mädchen abgesehen, hat sie sie kaum erwähnt.
Zugegeben, der Junge war der Avatar. Und Katara hatte immer an die Legenden geglaubt, dass der Avatar zurückkehren und die Welt retten würde. Aber das waren Legenden, die für Winternächte und Hoffnung gedacht waren. Manchmal musste ein Mann auf seinen eigenen zwei Füßen stehen und kämpfen, auch wenn es keine Hoffnung gab. Denn man wusste nie. Eine Springwelle könnte ein Schiff genau zum richtigen Zeitpunkt drehen. Ein Stein könnte unter dem Fuß eines Feindes wegrutschen, und einem den letzten Schlag ersparen.
Ein verbannter Prinz könnte die Ehre und Wahrhaftigkeit besitzen, von denen Sokka schwört, dass er sie hat und zustimmen zu helfen. Selbst wenn er vorhat uns später anzugreifen.
Wie Sokka gesagt hatte, der Feuerbändiger gab nicht auf – und das hieß, dass so bald es Aang gut genug ging, um bewegt zu werden, würden alle Waffenstillstände wahrscheinlich vorüber sein. Und doch...
Da gibt es etwas seltsames an diesem jungen Mann.
Etwas, das auch an Sokka war, als er darauf achtete. Etwas, das die Haare in seinem Nacken sich aufstellen ließ, wie ein Geister-Wind aus dem Eis...
Feuerbändiger. Natürlich verstört Zuko jeden, sagte sich Hakoda. Wenn Aang sie nicht bräuchte, würde ich Katara tun lassen, was sie will und ihr Schiff und ihre Körper an den Ozean übergeben. Wenn das der Prinz und General Iroh sind... sie schulden uns Blut.
Sokka hatte ihn nicht gefragt, warum er und Bato so viel über Prinz Zuko wussten und Hakoda fühlte sich nicht dazu geneigt, es ihn zu sagen. Noch nicht. Nicht während er noch immer das zusammensetzte, was er heute von dem Prinzen gesehen hatte und den Geschichten, die er von den Überlebenden von Ilaqs Schiff vor etwas mehr als einem Jahr erfahren hatte, als sie versengte und erschöpfte Männer des Wasserstammes von Rettungsflößen der Feuernation geholt hatten.
Kurz gesagt war Ilaq auf ein einzelnes, kleines Schiff der Feuermarine getroffen und hatte entschieden, dass es ein so gutes Ziel wie jedes andere abgab. Ganz besonders, da es nicht so aussah, als ob es sich groß wehren konnte. Es war nur dagesessen und Rauch war aus einem Boiler gekommen, hatte offensichtlich die Art von Schwierigkeiten, die ein Schiff mit Segeln nie hatte. Leichte Beute.
Nur hatte dieses leichte Ziel wenigstens sieben Feuerbändiger an Bord. Eingeschlossen einen alten Mann... und einen vernarbten Jüngling in Sokkas Alter, mit dem goldenen Halskragen des hohen Ranges auf der Rüstung.
Ilaqs Schiff hatte die Begegnung nicht überlebt. Genauso wenig wie Ilaq.
So wütend wie ihn diese Erinnerung machte, was ihn immer noch am meisten traf, war die Merkwürdigkeit der Folgen. Das Schiff der Feuermarine hatte behauptet, dass sie nicht Teil des Krieges waren, so verrückt sich das anhörte und dass sie nicht kämpfen wollten.
Und dann hatten sie gewonnen... und waren fortgegangen ohne Gefangene zu machen und ohne die Überlebenden zu exekutierten.
Sie haben meine Männer nicht einmal sterben lassen. Hakoda runzelte die Stirn. Das verstehe ich nicht.
Außer sie hatten die Wahrheit gesagt, zumindest so wie es die Feuernation sah. Kriegsschiffe nahmen Gefangene. Kriegsschiffe töteten alles andere in ihrem Weg. Wenn das Schiff des Prinzen nicht als Kriegsschiff betrachtet wurde, sondern nur als sein Schiff, um ihn auf seiner Jagd nach dem Avatar zu tragen...
Er ist von der Feuernation. Er ist der Feind. Aber Sokka scheint überzeugt zu sein, dass er nicht grausam ist.
Katara jedoch...
„Und weißt du was das Schlimmste an Städten ist?", schluckte Katara. „Sie passen Zuko wie ein Handschuh! Du hättest ihn in der Geisterstadt sehen sollen, er – er war armselig! Müde und ausgehungert und er wusste nicht was er tat, wenn ich ihm nicht geholfen hätte, dann wäre Iroh gestorben – er hat mir sogar Leid getan! Toph sagte mir, dass er verbannt ist, dass er nicht Heim kann und ich dachte wie schrecklich das war, selbst wenn er der schlechteste Mensch auf der Welt ist. Aber in Ba Sing Se? Iroh hatte einen Teeladen im Oberen Ring! Sie waren reich! Mitten im Erdkönigreich, nur ein paar Straßen vom Palast entfernt und die schlimmsten Leute auf der Welt lebten dort wie alle anderen! Als ob sie ihren eigenen Krieg vergessen könnten!" Sie riss sich aus seinen Armen, vibrierte beinahe durch das Zelt. „Zuko arbeitete als Heiler. Ein Heiler! Die wollten nicht mal, dass ich eine Heilerin bin. Die wollten, dass ich mich hinsetze und Fragen von dieser selbstgerechten alten Pflaume beantworte, ehe sie überhaupt darüber nachdachten und sie konnte nicht mal Wasserbändigen, was wusste sie denn schon? Und die haben ihn gelassen? Wen hat sein Onkel für diese Lizenz bestochen? Wie vielen Leuten hat er weh getan? Wer hat ihm das Recht dazu gegeben?"
Hakoda spitzte seine Lippen in einem lautlosen Pfiff. Das habe ich schon seit einer ganzen Weile nicht gesehen. Nicht seit vor Kyas Mord, als seine liebe, aber sture kleine Tochter dazu gezwungen werden musste eine besonders geliebte Puppe einer Spielgefährtin zurück zu geben. „Also hatte er etwas, das du haben wolltest."
„Er hatte alles! Während er irgendwo in einem Graben herumkriechen sollte, damit er sehen kann, was mit jeden anderen in dem Krieg der Feuernation passiert! Vielleicht würde er es dann verstehen. Vielleicht würden ihn dann die ganzen unschuldigen Leute scheren, die nach Ba Sing Se fliehen." Katara warf die Hände hoch. „Nur waren wohl einige von denen nicht unschuldig. Die haben auf Zuko gehört! Kannst du das glauben? Die wollten nicht auf mich oder Aang hören, oh nein, aber die Wens dachten tatsächlich, dass er versuchte ihnen zu helfen sich vor den Dai Li zu verstecken. Und vor Azula. Und wessen Schuld war es denn, dass sie überhaupt da war?"
Mit einer hochgezogenen Augenbraue starrte Hakoda seine Tochter an.
„Was?", brach es schließlich aus Katara heraus.
„Wie du, Sokka und Toph mir alle gesagt habt", bemerkte Hakoda, „Azula ist hinter Aang her."
„Und sie!", widersprach Katara.
„Nur, nach allem was du mir gesagt hast, haben Zuko und Iroh ihr Bestes getan, um sich in die Stadt einzufügen", sagte Hakoda trocken. „Sie sind nicht Kriegsschiffen der Feuermarine im Schlangenpass ausgewichen. Oder haben massive, an Mauern nagende Drillbohrer beschädigt. Ganz sicher haben sie keine fliegenden Bisons benutzt um in den Palast des Erdkönigs einzudringen."
„Wir mussten dem König von der Sonnenfinsternis erzählen!"
„Natürlich", stimmte Hakoda zu. „Aber indem ihr Aang geholfen habt zu tun, was er muss für die Welt... Katara, du musst doch erkennen, dass ihr es offensichtlich gemacht habt, wo genau der Avatar war."
Katara starrte ihn mit weiten Augen an. „Du glaubst dass es unsere Schuld war?"
„Alles was man im Krieg tut kann einen dem Feind enthüllen", sagte Hakoda ehrlich. „Wir legen Minen, um die Feuermarine aufzuhalten. Es klappt." Nun, von diesem Schiff mal abgesehen. „Aber das heißt, dass sie wissen, dass wir hier irgendwo sind. Daran hat keiner Schuld. Es ist einfach so."
„Ich... glaube, daran habe ich noch nicht gedacht." Katara schaute zu Boden. „Zuko... er hat uns einfach gefunden, egal was wir gemacht haben."
„Ihr habt einen zehn Tonnen schweren Himmelsbison geritten", sagte Hakoda trocken. „Ich habe ihn vor Wochen in der Nacht gesehen und ich wusste nicht mal was er war. Die Menschen bemerken ihn."
„Das hat auch – " Katara brach ab, mit einer Grimasse.
Das hat auch Zuko gesagt? fragte sich Hakoda, als er sich an die scharfen Worte des Prinzen entsann. Nun, das war besorgniserregend. Nicht dass der Bison sichtbar war, nein, dass der Prinz es bemerkt und benutzt und es seinen Kindern gesagt hatte und sie es immer noch nicht verstanden hatten.
Er hatte es in diesen beiden vergangenen Jahren mit mehreren Kommandanten der Feuermarine zu tun gehabt. Manche waren gefährlich schlau, andere... nicht so schlau. Er hatte keine Ahnung, wie klug Zukos Vater war und keiner schien auch nur ein Wort über die Frau zu verlieren, die das Unglück hatte, dem Feuerlord Nachkommen zu schenken, doch bedachte man, dass Feuerlord Ozais Bruder immer noch kalte Schauer über Rücken vom Erdkönigreich laufen ließ... der junge Mann konnte wirklich sehr gefährlich sein.
Entweder das, oder er hat alles, was Sokka ihm entgegen schleudern konnte, durch pures Glück überlebt.
Hakoda hatte nicht vor auf Glück zu setzen. Nicht während seine Kinder im Lager waren. „Geht es dir jetzt besser?"
Katara biss sich auf die Lippen und nickte. „Aber Aang muss der Welt zeigen, dass er noch da ist. Die Menschen müssen erfahren, dass der Avatar wieder da ist!"
„Und das werden sie", stimmte Hakoda zu. „Aber nicht jetzt. Nicht solange er verletzt ist."
„Du hast Recht." Ihr Kinn kam entschlossen hoch. „Ich sollte mich um ihn kümmern."
Hakoda folgte ihr, gerade lang genug, um sicher zu sein, dass sie zum Zelt des Heilers ging. Dann seufzte er und machte sich zum Strand auf, wo Bato beobachtete wie das Beiboot vom Ufer ablegte. „Wo gehen sie hin?"
„Um den Kapitän zu holen, haben sie gesagt", sagte Bato nüchtern. „Bis jetzt war noch kein Falke zu sehen."
Hakoda nickte. Man konnte Falken abfangen, manchmal, doch brachte das nicht viel. Die Befehle der Feuernation kamen in einer Schrift, völlig anders als jede die er je irgendwo gesehen hatte und wenn sie sich wirklich paranoid fühlten, war selbst das in wärmeempfindlicher Tinte. Aber es gab einiges, was man herausfinden konnte, wenn man beobachtete, wo die Falken waren. Und wo nicht. „Er zögert es hinaus."
„Bis Verstärkung ankommt?", sagte Bato stirnrunzelnd.
„Eher anders herum, denke ich", sagte Hakoda nachdenklich. „Wenn Prinzessin Azula ihren Bruder tot sehen will..."
Bato pfiff leise. „Also, ist dieser Jee tapfer, oder verrückt?"
„Für den Moment nehme ich beides an", gestand Hakoda. „Ich will, dass jemand den Prinzen im Auge behält, ganz besonders, wenn er in Aangs Nähe ist." Er unterdrückte ein Zusammenzucken. „Und... jemand muss auch auf Katara aufpassen."
„Oh?" Bato warf ihm einen schmalen Blick zu.
„Anscheinend hat der Prinz mit Glück etwas erreicht und sie hat es als persönlichen Schlag ins Gesicht von den Geistern aufgenommen." Hakoda konnte diesmal das Zucken nicht unterdrücken. Bato war sein bester Freund, aber – es war schwer, das über seine eigene Familie zu sagen. „Sie verhält sich, als ob sie acht ist. Eine verwöhnte Achtjährige."
„Der Junge ist ein gesuchter Flüchtling, seine Schwester will ihn tot sehen und er wurde von einem Blitz getroffen", sagte Bato ungläubig. „Wenn sie das Glück nennt, dann lasse ich mir nicht die Speere von ihr segnen. Egal wie gut Wasserbändiger mit dem Mond stehen."
Hakoda seufzte. „Er war wirklich ein Heiler in Ba Sing Se."
Bato schwieg einen langen Moment. „Nun, das war es. Sie will seinen Kopf auf einem Eisspeer."
„Was? Warum?", fragte Hakoda verblüfft.
Bato schmunzelte. „Ach ja, richtig, du kannst ja nie in der Nähe einer Geburt sein, sonst..." Er tat so als ob er umkippte.
„Keiner ist bei allem tapfer", grummelte Hakoda.
„Wahr genug." Sein Freund nickte. „Aber das heißt auch, dass du auch nicht das Gerede bei den schwierigen Zeiten gehört hast, bevor wir gegangen sind."
Schwere Geburten. Ja, sie hatten ein paar davon. „Kanna hat sich darum gekümmert."
„Das hat sie, aber du hast nicht gehört, was sie dabei gesagt hat", sagte Bato ernst. „Um ehrlich zu sein, ich bin mir nicht sicher, dass Kanna gehört hat, was sie gesagt hat. Man sagt alles was man muss, um eine Mutter da durchzubringen, wenn sie glaubt, dass sie nicht mehr ertragen kann. Aber Katara? Sie ist in diesem Alter. Sie hat alles gehört."
„Alles?", fragte Hakoda spitz.
„Deine Mutter hat den Feuerbändigern die ganze Schuld daran gegeben", sagte Bato offen. „Keine Wasserbändiger, die den Segen des Mondes vor der Geburt geben könnten. Oder es lindern könnte, während es passiert und etwas schief läuft." Er warf Hakoda einen eindringlichen Blick zu. „Sie hat nie gesagt, dass ein echter Wasserbändiger heilen kann, aber sie war so nah dran."
Verdammt. Verdammt noch mal. Er hatte Kanna angefleht keine Geschichten über heilende Wasserbändiger zu erzählen. Es gab keinen Grund den Stamm an etwas zu erinnern, was sie vielleicht nie haben würden. Es gab keinen Grund, Zorn zu erregen, wenn Männer und Frauen verletzt waren und erkrankten und seine kleine untrainierte Tochter nichts tun konnte. Es gab keinen Grund Katara Schuld aufzuladen für etwas das, wie selbst Kanna zugab, sie Jahre kosten würde zu lernen, wenn sie je einen Meister für das Heilen fand.
Es spielte keine Rolle wie viel Pech der Prinz hatte. Zuko hatte etwas, das sie begehrte. Sie würde niemals ruhen, bis sie es hatte. Und das war nie ein Problem gewesen, wenn es seine Tochter dazu antrieb sich selbst zu übertreffen, aber da jetzt das, was sie haben wollte einem Prinz der Feuernation gehörte... Hakoda spürte, wie er Kopfschmerzen bekam.
„Ich stelle sicher, dass ein freundliches Auge auf ihr ruht", versicherte ihn Bato und lächelte schief. „Wir haben Glück, weißt du. Alles mit was wir es zu tun haben ist eine Jugendliche, die ihre Mutter vermisst. Hätte Kanna Recht, was Meisterbändiger des Wassers und den Willen des Mondes angeht, dann hätten wir ein echtes Problem auf der Hand."
Kein Witz. Doch wie Kanna so sicher sein konnte, dass Wasserbändiger von allen geliebt waren, während Feuerbändiger so deutlich bewiesen, dass es sie nicht kümmerte –
„...Feuer ist das Gegenteil von Wasser", murmelte Hakoda.
„Ja?" Bato schaute ihn neugierig an.
„Sie haben uns nicht alles gesagt", legte Hakoda dar, als er Tatsachen und Legenden in eine beunruhigende neue Gestalt zusammensetzte. „Aber offensichtlich hat Ba Sing Se sie so sehr aufgeregt, weil niemand auf sie hören wollte. Tui und La – Sokka sagte, dass sie eine ganze Gefängnisbarke voller Erdbändiger dazu brachte zu rebellieren!"
„Sie ist die Tochter eines Häuptlings." Aber Batos Stimme war unsicher.
„Und würdest du erwarten, dass Sokka eine Gefängnisbarke zum Aufstand überredet?", sagte Hakoda spitz.
Batos Stille war genug.
„Wasser ist Familie und Gemeinschaft", überlegte Hakoda laut. „Wenn Wasserbändiger die Herzen der meisten Menschen beeinflussen können..."
„Aber nicht die von Feuerbändigern?" Batos Brauen zogen sich zusammen. „Du glaubst nicht, dass wir es mit so einfachem wie zwei Jugendlichen zu tun haben, die zufällig auch Todfeinde sind."
„Ich glaube, wir haben es mit zwei Meisterbändigern zu tun", sagte Hakoda ernst. „Und Sokka zufolge... geschehen Dinge, wenn Bändiger wütend werden."
(Teruko, Zuko, Iroh/ Chamäleon-Bucht/ Erdkönigreich)
Halten sie ein Auge auf ihm, haben sie gesagt. Er wird sie überraschen, haben sie gesagt, dachte Teruko missmutig als sie sich zwischen dem Prinzen und der Öffnung des Unterschlupfs arrangierte, während ihre zwei Schützlinge sich zum Frühstück setzten. Als ob das beim letzten Mal so viel gebracht hatte. Verdammt, Kapitän, sie haben mir nicht gesagt, dass er ein verdammter Geist ist.
Jee hatte auch nicht das Dao erwähnt, das immer noch beim Feuer lag. Oder die Schwielen an den Händen des Prinzen, die von langer, entschlossener Übung mit Stahl erzählten, den anzufassen die meisten Feuerbändiger sich nicht herablassen würden. Man konnte Schwertübungen auf einem Kreuzer nicht verbergen. Auf der winzigen Wani... unmöglich hätte Jee es nicht bemerkt.
Er isst auch nicht wie ein Prinz, dachte Teruko und beäugte ihn. Nicht dass Prinz Zuko wie ein Einheimischer aß. Er hielt seine Essstäbchen seitlich, tauchte sie nie in den Mund, wo ein plötzlicher Schlag sie tödlich tiefer treiben konnte. Er hielt die Seite seiner Schüssel, nicht den Boden, so dass er sie fallen lassen konnte, statt sich von jemandem heiße Suppe in die Augen spritzen zu lassen. Korrekt. Angemessen. Aber diese Essstäbchen zuckten mit der Geschwindigkeit eines hungrigen Rekruten, und der Unbeirrbarkeit eines Seemannes, der nur daran dachte ein weiteres heißes Mal in den Bauch zu bekommen, ehe er sich wieder in den Sturm warf.
„Tee, Leutnant?", bot Iroh an. Das geschah mit einer völligen Abwesenheit von Besorgnis über das Fehlen von Unterhaltung, das Teruko an manche ihrer eigenen Ausbilder erinnerte. Die guten Ausbilder. Männer und Frauen, die genau wussten, wie sehr sie ihre Rekruten angetrieben hatten und wie viel genau sie noch ertragen konnten.
Er weiß, dass der Prinz noch nicht am Ende ist, noch nicht, urteilte Teruko. Aber er weiß auch, dass wir noch einen weiten Weg vor uns haben. „Ja, Sir. Dankeschön." Und es war egal, dass sie schon längst unter ihrer Rüstung schwitzte, sie könnte etwas zum beruhigen brauchen...
Prinz Zuko blinzelte sie an, spülte seine Schüssel mit einem Schluck heißem Wassers aus, stürzte es hinab und setzte sie beiseite. „Sie müssen ja förmlich rösten." Er stand auf und zog die Finger seiner linken Hand durch die Luft, floss in einen Schwung seiner Rechten hinauf zur Öffnung.
Hitze floss weg, als ob sie eine Decke abwarf. Teruko starrte als die Luft über ihrem Kopf schimmerte und zur Tür hinaus floss wie ein Luftzug aus einem Vulkan.
„Ist es besser so?"
Teruko zerrte ihren Blick zu dem Prinzen zurück. Der sehr ruhige, ernsthafte Prinz, der gerade eine Form des Feuerbändigens abgezogen hatte, die sie noch nie in ihrem Leben gesehen hatte. „Ja, Sir", brachte sie heraus. „Danke."
„Es ist eine ganze Weile her, seit ich diese Form gesehen habe." Iroh strich nachdenklich seinen Bart. „Wart ihr in den Schriftrollen, als ich nicht hinsah?"
„... denke schon", murmelte Prinz Zuko und schaute zur Seite. „Das hätte ich mit Azulas Feuersturm verwenden sollen. Ich habe wohl einfach nicht daran gedacht." Er schaute Teruko wieder an. „Sie gehen hier nicht weg, oder?"
„Mit allem nötigen Respekt, Sir? Keine Chance", sagte Teruko trocken. „Das letzte Mal, als sie der Kapitän aus den Augen gelassen hat, ist das Schiff explodiert und der Kapitän dachte, dass sie mit gegangen wären. Das wird nicht während meiner Wache passieren. Sir."
„Viel Glück", seufzte der Prinz. Er neigte den Kopf respektvoll zu ihr, ehe er sich wieder seinem Onkel zuwandte. Und in fehlerfreie Hofsprache wechselte. „Onkel. Über das was im Palast passiert ist... ich weiß, dass ich euch enttäuscht habe – "
Iroh hielt eine befehlende Hand hoch. „Als ich sah, wie ihr fielt, blickte ich freudig diesem Moment entgegen", sagte er trocken. „Es gab mir Hoffnung, bis ins kleinste Detail zu erwägen, wie ich zu euch über eure Narrheit, euren Leichtsinn und eurer Unbesonnenheit sprechen würde. Wollt ihr mich jetzt davon überzeugen, dass ich mich irrte?"
Ooh. Teruko versuchte nicht zu zucken, während sie sich an die vernichtenden Standpauken ihres eigenen Sergeanten erinnerte. Das war also der legendäre Drache des Westens. Kleiner, jetzt bist du wirklich fällig.
„Nein, Onkel", sagte der Prinz leise. „Die Situation war... ich habe keine Entschuldigung. Hätte Azula mich getötet, oder ich sie – unserem Volk würde das nicht gefallen, aber es ist schon vorher geschehen. Sie würden es verstehen. Aber wenn Azula den Avatar getötet hätte, würden sich die Welt und die Geister gegen uns erheben – und der nächste Avatar würde höchstwahrscheinlich im Nördlichen Wasserstamm geboren werden. Wir haben schon gesehen, was der Ozean bereit ist zu tun, wenn ein Avatar involviert ist. Und wenn der Avatar Azula getötet hätte, die gegenwärtig legale Erbin des Feuerlords, die Blutslinie zerstört hätte, der Avatar Kyoshi selbst unserer Nation befohlen hat Loyalität zu geben..." Er schluckte.
Teruko schluckte ebenfalls und hoffte, dass die zwei Prinzen dachten, dass es nur der Tee war. Sie wussten, dass sie zuhörte. Jeder Offizier der Feuernation musste die Hofsprache meistern für sichere Kommunikation, adelige Herkunft oder nicht. Sie würden nicht das geringste sagen, wenn sie etwas dagegen hätten, dass sie zuhörte.
Jetzt im Moment wünschte sie irgendwie, dass sie etwas dagegen hätten. Der Avatar, der das Herzstück der Loyalität für die gesamte Feuernation zerstörte? Das war... das wäre...
„Der Krieg würde nicht aufhören, Onkel", sagte Prinz Zuko, sprach ihre entsetzten Gedanken aus. „Wir hätten nichts zu verlieren. Ich konnte nicht... mir fiel kein besserer Plan ein. Ich versuchte es."
„Ich ebenfalls nicht", gab Iroh leise zu.
Die Augen des Prinzen weiteten sich. „Onkel?"
„Ihr hattet keine Ressourcen", sagte Iroh leise. „Niemanden, auf den ihr euch berufen konntet, der die Macht hätte, Azula entgegen zu treten, oder dem Avatar. Niemand, von dem ihr hoffen konntet, rechtzeitig anzukommen. Ihr habt mir eine Botschaft geschickt, was klug war – doch wenn ihr Ty Lee nicht vom Feld genommen hättet, dann hätte ich selbst in Schwierigkeiten sein können. Ich habe nicht trainiert, Chi-Blocks auszuweichen." Er seufzte. „Eure Pflicht für unser Volk ist zu leben, ja. Doch für das Überleben unserer Nation habt ihr in jenem Moment die beste mögliche Wahl getroffen." Er lächelte. „Ich bin stolz auf euch, Neffe. Gut gemacht."
Das Gesicht des Prinzen erhellte sich und Teruko wendete hastig den Blick ab. Diesen Ausdruck hatte sie schon gesehen und er gehörte nicht auf das Gesicht eines Prinzen. Kapitän, wir müssen reden.
Die Wachen murmelten eine Warnung und Teruko erhob sich, bereit ihren Schützlingen Zeit zu geben, sich zu sammeln. Aber sie waren schon auf den Füßen, Irohs Ausdruck so höflich wie die Prinz Zukos vorsichtig war.
„Guten Morgen." Kapitän Jee hielt in der Öffnung an und warf ihr einen schnellen Blick zu. Schwierigkeiten? schien diese hochgezogene Augenbraue zu sagen.
Sie unterdrückte ein Augenrollen. Oh, nur ein bisschen.
„Prinz Zuko." Der Kapitän nickte und trat herein. „Ich bin froh sie lebendig zu sehen."
„Wir versuchten herauszufinden, ob sie überlebt hatten", sagte der Prinz direkt. „Aber dann mussten wir … einen strategischen Rückzug antreten." Ein schiefes Lächeln berührte sein Gesicht. „Sie wurden befördert. Glückwunsch."
„Und sie haben es geschafft, gemeuchelt zu werden", sagte Jee, ebenso schief. „So erklärte es der Admiral zumindest. Ich schätze er zog nicht in Betracht, dass, wenn sie verstohlen genug sind, um es in Feste Pohuai zu schaffen, sie wahrscheinlich auch leichtfüßig genug sind, um es vom Schiff zu schaffen, ehe es jemand in die Luft jagen konnte."
Er glaubt der Admiral –? dachte Teruko sprachlos. Moment mal, was hat er über Feste Pohuai gesagt?
„Sie haben davon gewusst?" Der Prinz sah aus, als ob er sich wünschte, dass die Erde ihn verschlucken würde.
„Ihr Onkel und ich hatten eine Diskussion über das gute Seil, das aus dem Schiffslager verschwand", sagte Jee trocken. „Wie um alles auf der Welt habt ihr es geschafft an feuerbändigenden Wachen vorbei zu kommen, ohne entdeckt zu werden?"
„... mit einem Eimer."
Iroh unterdrücke ein Kichern.
Sie reden ernsthaft über – „Sie sind in Feste Pohuai eingedrungen?", würgte Teruko hervor. „Mit einem Eimer?"
„Es gab einen guten Grund?" Prinz Zuko versuchte unschuldig zu wirken. Und versagte. Miserabel. „Ich habe den Eimer nicht mit hinein gebracht..."
„Lassen sie sich nicht von ihm übertölpeln", riet ihr Jee. „Seit ich ihn kenne hat der Prinz es geschafft Zusammenstöße mit dem Avatar zu überleben – "
„Er ist ein Mönch", grummelte der Prinz. „Er bringt mich höchstens durch einen Unfall um."
„Hat den General vor der Armee des Erdkönigreichs gerettet – "
„Es waren nur fünf, um Agnis Willen!"
„Hat eine Blockade der Feuermarine durchbrochen ..."
„Ich war ein Idiot."
„Ein verzweifelter Idiot", stimmte Iroh fröhlich zu.
Agni, stöhnte Teruko beinahe. Das war kein verhätschelter adeliger Jüngling. Das war ein zu junger Rekrut, der genug Rang hatte um sich in Schwierigkeiten zu bringen und kaum genug Glück, um wieder herauszukriechen. Kapitän? Wenn ich meine Pflicht hier erledigt habe, werde ich ihnen weh tun.
„Und ich kann mir kaum vorstellen was er getrieben hat, seit diese Piraten es nicht geschafft haben, ihn in die Luft zu sprengen", beendete Jee.
„... haben sie doch."
Der Kapitän versteifte sich todernst. „Was ist geschehen?"
Der junge Mann zuckte mit den Schultern und die Haare auf Terukos Nacken stellten sich auf. Niemand, der so jung war, sollte so nüchtern sein, wenn er beinahe drauf ging. „Ich hörte ein Geräusch, ging zur Brücke hoch, sah den Echsen-Vogel – sah den Blast kommen und wickelte das Feuer um mich herum. Dann bin ich im Hafen gelandet." Er schluckte. „Onkel Iroh fand mich an der Flutlinie."
„Ihr hättet es auch ohne mich geschafft", sagte Iroh fest. Er schaute ernst zu dem Kapitän. „Da Admiral Zhao so sehr wünschte, dass mein Neffe sterben sollte, erlaubten wir ihm die Illusion des Erfolgs. Ich ging als Ratgeber und mein Neffe schlich sich als gewöhnlicher Feuerbändiger auf das Schiff des Admirals. Als wir den Nordpol erreicht hatten, verließ der Prinz das Schiff bei Nacht, folgte den Schildkröten-Robben durch das Eis in die Stadt – "
Er hat was? dachte Teruko verblüfft. Ein Feuerbändiger in kaltem Wasser war in Schwierigkeiten. Im Eismeer zu schwimmen? Der Prinz sollte tot sein.
„ – Fand den Avatar, besiegte Katara, um ihn zu erlangen und legte eine beträchtliche Entfernung zurück, ehe die Verbündeten des Avatars ihn einholten... und Zhao griff die verwundbare Gestalt des Mondgeistes an." Er beugte seinen Kopf. „Prinzessin Yue des Nördlichen Wasserstamm sollte in die Annalen der Helden aufgenommen werden. Sie gab ihr Leben, für den Mond."
Und das war ein Gedanke, der für Teruko unbehaglich war. Eine Frau des Wasserstammes war der einzige Grund, weshalb der Mond noch an seinem Platz war, die Sonne und den Ozean balancierte? Sie fühlte sich... klein.
„Wenn sie das von irgendjemand anderem behaupten würden, würde ich ihnen nicht glauben", gestand der Kapitän. „Aber Zhao... Geister, was hat er sich nur dabei gedacht?"
„Dass die Geschichte ihn als Eroberer des Nordpols verzeichnen würde und als Mondvernichter", sagte Iroh düster. „Es ist nicht klug es sich mit den Geistern zu verscherzen. Ruhm ist ein schwacher Trost für die Witwen und Waisen, die nur wässrige Gräber für ihr Gedenken haben."
Jees Augen wurden schmal. „Sie haben ihn nicht davonkommen lassen."
„Er kam nicht weit", gab der General im Ruhestand zu. „Mein Neffe hat ihn eingeholt."
„Wir haben uns duelliert", sagte Prinz Zuko leise. „Dann... der Geist des Ozeans nahm ihn." Goldene Augen sahen gehetzt aus. „Ich konnte ihm nicht helfen."
„Die Ablenkung des Rückzugs, tarnte unsere Flucht und wir verbrachten drei Wochen zum Ufer zu driften", nahm Iroh den Faden auf. „Unglücklicherweise fand uns dann Prinzessin Azula."
„Sie sagte, dass Vater wollte, dass ich nach Hause komme", hauchte der Prinz. „Ich bin darauf hereingefallen." Er schüttelte gequält den Kopf. „Ich kann nicht glauben, dass ich darauf hereingefallen bin, Azula lügt doch immer..."
„Außer die Wahrheit ist schlimmer", seufzte Iroh. „Damals erfuhren wir, dass mein Bruder wünschte, dass wir beide als Gefangene zurück gebracht werden sollten. Ich selbst dafür, dass ich gegen Zhao gehandelt hatte... und Zuko dafür darin zu versagen den Avatar zu fangen und festzuhalten." Seine Augen verengten sich. „Ich möchte nur erwähnen, dass das etwas ist, das selbst Admiral Zhao, mit einer ganzen Flotte unter seinem Befehl, nicht schaffte."
Der Kapitän sah grau aus. „Aber – wenn der Prinz zurückkehrt, ohne dass seine Verbannung aufgehoben ist – "
Iroh neigte den Kopf als der Prinz weg sah.
Tod, wusste Teruko und versuchte nicht zu schaudern. Oder dem brennenden Zorn nachzugeben, der immer unter der Oberfläche brodelte. Er ist nur ein Junge.
Alt genug für ein Agni Kai, sicher. Alt genug um rekrutiert zu werden, wenn auch nur gerade so. Aber... vom Prinzen zu verlangen zu sterben, nur weil er die Brücke zur Geisterwelt nicht aufhalten konnte? Ungerecht. Vollkommen ungerecht.
Es ist nicht nur ungerecht, zeigte etwas des politischen Verständnisses, den ihre Ausbilder versucht hatten ihr einzuprügeln, auf. Geradezu dumm. Vielleicht ist er im Exil, vielleicht ist er nicht so gut wie Azula –
Und wenn sie bedachte, was sie Prinz Zuko hatte abziehen sehen, wie unheimlich war dann seine Schwester?
– Aber er ist von Sozins Linie. Jeder, der unter ihm gedient hat, könnte... immer noch loyal sein.
Der Kapitän. Zensierte Briefe. Der Drache des Westens, offenkundig mit dem Prinzen verbunden genug, um drei Jahre lang im Exil bei ihm zu bleiben. Sie hatte noch nicht alle Teile, aber es sah nicht gut aus.
„Wir kümmerten uns um die königliche Eskorte", fuhr Iroh fort, „und Prinz Zuko hat … äh..."
„Sich von Azula über das ganze Deck treten lassen", gab der Prinz düster zu. „Wenigstens hat sie das zum Reden gebracht."
„Ihr solltet es als Kompliment betrachten", sagte Iroh trocken. „Sie hielt genug von eurer Beharrlichkeit um zu versuchen euch niederzuschlagen, statt euch lebendig in Ketten zurück zu bringen."
„Sie wollte wahrscheinlich nur angeben", sagte der Prinz grimmig. „Oh, schau! Ich kann Blitze aus meinen Fingerspitzen schießen, genau wie Papa." Finger kräuselten sich in Fäuste. Er atmete ein und aus, rang offensichtlich seinen Jähzorn nieder. „Onkel blockte sie und wir flohen." Er begegnete direkt den Augen des Kapitäns. „Wir schnitten unsere Haarknoten und rannten."
Teruko schauderte. Seinem Klan zu widersprechen und sich selbst auf die Wellen zu werfen... Es war die letzte Möglichkeit für einen Großen Namen.
Nein. Nicht die letzte. Die Allerletzte ist, die Loyalität zurück zu nehmen. Selbst wenn es einen umbringt.
Nur hatte es den Prinzen nicht umgebracht. Geister, was für ein Durcheinander.
„Und jetzt kommen wir zu einer kleinen Irreführung meinerseits", gestand Iroh. „Ich war unfähig es selbst zu formen, doch ich wusste, dass das Heilende Feuer existierte, seit beinahe siebzehn Jahren." Er betrachtete seinen Neffen. „Ihr hattet Glück geboren zu werden. Zweifelt niemals daran."
Der Prinz schluckte trocken und Teruko verbarg ein plötzliches Stirnrunzeln. Jähzorn, schwere Geburt, diese Augen...
Hochadel, schon vergessen? Er hat wahrscheinlich noch nie auch nur von Byakko gehört.
So war es wie es ihre Verwandten mochten. Byakko mochte seltsam und altmodisch sein, auf eintausend verschiedener Arten, doch es machte keine Schwierigkeiten. Byakko war ein netter, stiller, freundlicher Ort, mit angenehmen Brisen über Zea-Buchweizen Feldern, heißen Schmieden für wassermarkierten Stahl, und steinerne Wachmauern um Berg Shirotoras Eislawinen aus den Obstgärten darunter fern zu halten. Byakko tat seine Pflicht, sendete Leute und Material in den Krieg und war zutiefst dankbar für jedes Kind, das überlebte und zurückkehrte. Byakko blieb unter sich, vielen Dank, und betete, dass irgendwann der Krieg vorbei ging.
Und wenn ein paar Leute, die zufällig denen auf Azulons Liste ähnelten in kleinen Dörfern etwas entfernt vom Hafen auftauchten... nun, das ging niemanden etwas an, außer Lady Kotone. Wenn es ein paar spirituell veranlagte Leute gab, die auf dem Berg waren und sich um Schreine kümmerten, das war Tradition, älter als Lord Kuzon und Lady Ran und wer hatte schon etwas gegen Tradition einzuwenden? Und wenn von Zeit zu Zeit noch seltsamere Leute auftauchten und sich ansiedelten – das ging nur Shidan etwas an. Und niemand, der noch bei Verstand war legte sich mit ihm an.
„Durch Ausdauer und etwas Glück entdeckte Prinz Zuko wie man das Feuer von schlichter Unterstützung zum wahren Heilen führen kann", fuhr Iroh fort. „Wir hatten ein paar interessante Abenteuer, von denen ich ihnen ein anderes Mal erzählen werde... ich fürchte, dass wir die familiäre Angewohnheit unter Druck Dinge niederzubrennen um einen strategischen Vorteil zu erlangen fortgeführt haben..."
„Azula war in diesem Gebäude hinter dem Avatar her", sagte Prinz Zuko offen. „Ihr auf einem Deck gegenüber zu treten war schon schlecht? Innerhalb von Mauern? Ich bin nicht lebensmüde." Er schaute den Kapitän an. „Ich weiß. Ein loyaler Bürger, selbst ein Verbannter hätte ihr helfen sollen den Avatar gefangen zu nehmen. Ich weiß. Aber sie sagte mir, dass der Feuerlord den Avatar nicht länger gefangen sehen will. Dass sie ihn töten würde." Er schüttelte den Kopf. „Das konnten wir nicht zulassen. Wir kämpften, wir hatten sie in die Ecke gedrängt... sie schoss auf Onkel mit einem Feuerstoß. Es war – übel."
„Katara half Prinz Zuko mich zu heilen und mein Neffe beglich seine Schuld, indem er die Verbündeten des Avatars vor Prinzessin Azula warnte", sagte Iroh ununmwunden. „Eine Warnung, die wie es scheint in den Wind geschlagen wurde... Wir hatten noch einige weitere Abenteuer und dann gelang es uns, uns als Vertriebene in Ba Sing Se einzuschleichen, wo wir unerwartete Hilfe fanden, die uns beim Verstecken half."
„Verstecken?" Kapitän Jee fuhr ungläubig zurück. „Sie sind Feuerbändiger. Wie konnten sie verstecken – " Er setzte eine Geste zu seinen eigenen Augen an und erstarrte.
Verblüfft studierte Teruko den General. Sie hatte nicht hingeschaut, nur angenommen...
Grün. Kein Feuerbändiger sollte grüne Augen haben.
„Eine Technik des Wasserbändigens", beantwortete Iroh ihren Schock. „Es gibt eine sehr mutige Person in Ba Sing Se, von der ich sehr hoffe, dass sie sie treffen werden. Großer Mut … und ein großes Herz um jene zu unterstützen, die vor dem Krieg fliehen. Vielen von jenen wurde befohlen zu fliehen, statt zuzulassen, dass sie geopfert werden für nichts, außer Azulons Misstrauen." Er stieß langsam einen Atem aus. „Unglücklicherweise für uns alle berührt diese Technik den Geist, ebenso wie den Körper. Und der Mond... kennt uns. Es scheint sie entschied sich..." Iroh seufzte. „Kapitän. Was immer sie persönlich von dem halten, was wir ihnen sagen müssen, bitte ich sie, an ihre Leute zu denken. Wenn sie uns nicht länger unterstützen möchten, erlauben sie uns wenigstens Hakodas Flotte zu täuschen, dass sie es noch immer tun, lang genug, dass wir uns zurückziehen können."
„Warum habe ich das Gefühl, dass das noch schlimmer ist, als Zhaos Blockade zu durchbrechen?", murmelte Kapitän Jee.
„Weil es das ist", sagte Prinz Zuko leise. Er zog wieder eine Hand durch die Luft, etwas schimmerte um seine Fingerspitzen...
Teruko sah Wasser an seinen Fingern hinab und in einen Ball auf seiner Handfläche fließen und wich zurück bis sie gegen geformten Sandstein stieß. „Agni!"
„Agnis Schwester." Furchtlos legte Iroh eine Hand auf die Schulter des Prinzen. „Die Geister rühren sich, Kapitän Jee. Mein Bruder hat nur noch Azula als Erbin. Selbst wenn wir diesen Krieg gewinnen sollten... haben wir verloren."
Prinzessin Azula ist die Erbin. Terukos Herz schlug wie ein gefangener Vogel. Sie glaubte daran, dass die Prinzessin vom Blut von Helden abstammte, aber wenn man den Beweis des Prinzen beachtete... Oh, Agni, nein.
Mit aschgrauem Gesicht nickte der Kapitän. „Mein Prinz... es tut mir Leid. Ich weiß, sie haben sich bemüht."
„Bemüht war nicht gut genug", sagte Zuko freudlos. Wasser gefror in seinem Griff... dann zerschmolz es und verging als Dampf als er seufzte. „Aber wir können etwas aus all dem retten, Kapitän. Wenn die Geister darauf aus sind, die Erblinie zu zerstören, wenn die Geister wollen, dass wir uns selbst in einem Bürgerkrieg zerreißen und die anderen Nationen die Reste von den Knochen nagen – verdammt, dann kann Avatar Kyoshis Erlass gefrieren und verrecken!"
Der Kapitän wirkte als ob jemand Eis in seinen Rücken gedrückt hätte. „Die Autorität des Drachenthrons zu brechen? Aber das ist – "
„Der einzige Weg, wie ein paar unseres Volkes überleben können." Irohs Stimme war eisern. „Wenn die Großen Namen ihre eigenen Domänen verteidigen, wenn einige von ihnen sich Azula verweigern, so das der Avatar keine Entschuldigung hat wegzusehen und seine Verbündeten uns zerstören zu lassen – dann wird etwas unseres Volkes überleben."
„Ich weiß, es ist Verrat", sagte Zuko rau. „Ich weiß. Und ich weiß, dass ich schon längst ein Verräter bin. Also tue ich das für unser Volk. Ich werde eine Niederlassung aufbauen – eine Domäne – außerhalb der Autorität des Feuerlords. Ich werde diese Autorität herausfordern, als ein Großer Name. Und ich sorge dafür dass es gelingt." Er zitterte, Furcht und Zorn und Hoffnung waren so klar wie die Funken, die von seinen Fingern sprangen. „Wenn ein Großer Name das schafft, dann wissen die anderen, dass es möglich ist. Der Avatar – der Avatar und seine Verbündeten planen den Feuerlord zu töten. Wenn sie das schaffen und wenn Azula die einzige Wahl der Feuerweisen als Erbe ist... Alles was die Großen Namen tun müssen ist sich zu weigern ihre Loyalität zu bestätigen." Zorn schmolz zu Kummer und schreckliche Trauer. „Es wird entsetzlich werden. So viele von unseren Leuten werden sterben..."
„Aber nicht alle", sagte Iroh fest. „Mit Agnis Segen – nicht alle." Er ließ seinen seltsamen grünen Blick über sie beide schweifen. „Dies ist unser Vorhaben, egal ob sie uns unterstützen oder nicht. Wir werden unschuldige Zivilisten retten – Zivilisten der Feuernation – aus Azulas Griff um Ba Sing Se. Wir werden sie zu dem Ort bringen, den mein Neffe und ich ausgewählt haben und jene des Erdkönigreichs, die wünschen mit zu kommen und wir werden mit einem Schlag das Kriegsministerium schädigen und die beste Chance Luftbändiger wieder in die Welt zu bringen sichern. Wir werden meinen Bruder klar machen, dass er eine Wahl hat. Entweder sich in die Feuernation zurückzuziehen und zu leben – oder den Krieg fortzuführen und zu sterben."
Kapitän Jee schüttelte sich wie ein Mann, der aus dem Schnee herein kam. „Sie wissen, dass er sich nicht zurückziehen wird, General."
„Das", Irohs Stimme war so kalt wie Stahl, „ist nicht länger mein Problem."
Teruko schluckte schwer. Das war der Mann, den Feuerlord Azulon als Erbe übergangen hatte. Geister, warum?
Iroh wog sie beide in seinem Blick und neigte seinen Kopf. „Treffen sie jetzt noch keine Entscheidung. Denken sie darüber nach. Lassen sie uns wissen, wann sie bereit sind."
„Es gibt vieles zu entscheiden", bestätigte Jee leise. „Aber eines ist keine Entscheidung, nicht im geringsten." Er verbeugte sich vor Zuko, seine Hände formten die Flamme. „Mein Prinz. Sie sind immer noch mein Kommandant. Nichts wird das ändern."
„Aber – sie – ich habe nicht – " Der Prinz schluckte und nahm seine zerstreuten Gedanken wieder zusammen. „Warum?"
„Weil sie Recht hatten." Jee richtete sich auf, mit ernstem Gesicht und einen Hauch von ironischem Humor in den Augen. „Sie waren leichtsinnig, unhöflich und in etwa so warm zu den Männern wie ein Komodo-Rhino mit Frostbiss, aber sie hatten Recht. Es war unser aller Leben wert, den Avatar zu verfolgen. Das von uns allen. Ihres eingeschlossen." Ein Lächeln bog seinen Schnurrbart. „Sie haben uns nie in die Gefahr geschickt, Prinz Zuko. Sie haben uns dort hin geführt. Ich bin jetzt seit über dreißig Jahren in dieser Marine und eines kann ich ihnen sagen... wenn man einen solchen Kommandanten findet, spielt es keine Rolle ob man ihn mag."
Die einzelne Braue des Prinzen kletterte fast bis zu seinen Haaren hoch. „Deswegen waren sie auf meinem Schiff", murmelte er.
„Exzessive Ehrlichkeit", schmunzelte Iroh. „Ich habe immer geglaubt, dass einem Offizier damit viel besser gedient ist als mit dem anderen Extrem."
„Wenn es Ehrlichkeit ist, was sie wollen, General... er ist zu jung dafür." Er warf dem Prinzen einen ernsten Blick zu. „Das sind sie und sie wissen es. Unser Volk ist es gewohnt älteren Anführern zu folgen. Sie sind jung und sie haben ein Temperament, das Stahl schmelzen kann und das wird ein blutiges, schreckliches, unrühmliches Schlamassel werden. Geister, es wird noch schlimmer als Nara..." Er blickte zur Seite. „Es tut mir Leid, General. Natürlich waren sie in Nara."
„Wir sahen den Namen ihrer Frau Ayame in die Liste der Verluste der Heimatwache eingetragen", sagte der General mitfühlend. „Sie war tapfer... und doch weiß ich sehr wohl, dass sie und ihre Kinder sich wünschen, wenn sie etwas weniger tapfer gewesen, aber noch hier wäre."
„Man muss raus fahren", sagte der Kapitän leise. „Man muss nicht zurück kommen." Er blinzelte und kam aus der Erinnerung zurück. „Wir?"
„Vater hat mich an dem Tag an dem Onkel Iroh aus dem Erdkönigreich zurück kam in seine Obhut übergeben", sagte Prinz Zuko einfach. „Ich bin seit Jahren mit ihm gereist. Ich war dort. Ich erinnere mich. Und ich weiß, dass es noch schlimmer werden wird." Er schluckte trocken. „Wir haben keine Zeit mehr, Kapitän. Jemand muss das tun. Und – wir sind es."
Kapitän Jee nickte langsam. „Wie viele Leute müssen sie aus der Stadt heraus holen?"
„Über dreitausend der Feuernation", antwortete Iroh . „Wir sind noch nicht sicher, wie viele Bürger des Erdkönigreichs mitkommen möchten."
„Über – " Der Kapitän stöhnte. „Natürlich. Warum sollten sie je kleine Pläne schmieden... Ich muss sie nicht daran erinnern, dass Prinzessin Azula noch in der Stadt ist?"
„Natürlich", grinste der Prinz. „Es wäre verrückt dorthin zurück zu gehen."
Jee setzte an etwas zu sagen. Unterbrach sich. Dann warf er dem Prinzen einen schmalen Blick zu, der Teruko irgendwie kichern wollen ließ. „Das wäre es." Er warf einen Blick zum General.
Lächelnd zählte Iroh Namen an seinen Fingern ab. „Feste Pohuai. Der Nordpol. Das Hauptquartier der Dai Li." Noch ein Lächeln. „Es ist möglich."
„Dann brauchen wir ein paar Planungssitzungen", murmelte der Kapitän und verbeugte sich wieder. „Ich muss bei meinen Männern ein paar Grundlagen vorbereiten. Leutnant, wenn sie ein paar Minuten mit mir kommen würden?"
„Ja, Sir." Teruko bemühte sich, ihm nicht auf die Fersen zu treten. Sie war immer noch hin und her gerissen, zwischen dem Drang zu Kichern und dem Bedürfnis, ihren Kopf gegen etwas hartes, schweres und unbewegliches zu schlagen. Vorzugsweise bis sie das Bewusstsein verlor. Der Prinz ist ein Wasserbändiger. Die Geister... unser Prinz ist ein Wasserbändiger. Und ein Feuerbändiger.
Tui? Agni? Ich weiß, Familien sollen miteinander teilen. Aber das ist irgendwie übertrieben.
„Sie waren da drin sehr... diplomatisch, Leutnant."
Teruko beäugte die Krieger des Wasserstammes, die sich bemühten nicht so auszusehen als ob sie auf jedes unverständliche Wort lauschten. Sie warf ihnen allen ein dünnes Lächeln zu und folgte dem Kapitän auf einem Gang um die bewachte Grenze des Unterschlupfs. „Sir, nur weil ich jähzornig bin, heißt das nicht, dass ich das an einem verletzten Jungen auslasse."
„Oh?" Der Tonfall ihres Kapitäns war neugierig. „Selbst mit der... offenkundigen Einmischung? Manche könnten es sehr wohl als... Makel ansehen. Auch ohne die Möglichkeiten, die der General diskutiert hat."
„Ich nehme an, dass es viele so sehen würden, Sir. Aber... nun, Zuhause in Byakko? Es sind schon vorher Leute aus den Kolonien gekommen. Ich habe schon viele gemischte Kinder gesehen. Nicht so gemischt, aber verdammt, wenn er mich nicht daran erinnert – " Vorsicht, Teruko, halte deinen Mund. „An Leute erinnert, die ich kenne."
„Das stimmt", überlegte Jee. „Manchmal vergesse ich, dass sie aus Lady Ursas Heimatdomäne stammen – "
Teruko packte seine Schulter trotz Rüstung und allem. „Lady Ursa?", verlangte sie zu wissen. „Unsere Lady Ursa? Er ist Shidans Enkelsohn?"
Jee starrte ihre Hand an, bis sie sie fallen ließ. „Sie wussten es nicht?"
Teruko schüttelte den Kopf, ihr Herz raste. „Lord Kuzon und Lady Ran... Ich war, Geister, neun? Alles was ich wusste, war, dass unsere Domäne – ein großes Opfer für die Feuernation erbrachte. Und dass die Lady Ursa fort ging. Nicht mal ein Jahr später betrauerten wir alle Lord Kuzons Tod. Ich dachte, dass ich etwas darüber gehört hätte, dass Lady Ursa einen Erben hätte, aber keiner hat es geglaubt. Wer würde ein Enkelkind von Shidan fern halten? Das wäre, als ob man Leutnant Sadao sagt beim Sprenggummi zu spielen..." Sie erbleichte, Schlussfolgerungen brachen herein wie Lava. „Prinzessin Azula ist ein … oh, Affenfedern."
„Prinzessin Azula ist –?", hakte Jee nach, mit einer hochgezogenen Augenbraue.
Teruko versuchte nicht zu schwitzen. „Sir. Äh. Wir sprechen nicht darüber außerhalb von Byakko – "
„Leutnant. Taktische Information. Jetzt."
„Nun... Leute sagen... Shidan ist erschienen. In einem Sonnenregen." Sie ließ einen Herzschlag vergehen. „Aber in der Schule wird einem beigebracht, dass das nur eine Legende ist. Sir."
Jee starrte sie einen langen Moment an. „Ich... gehe zum Schiff zurück." Er rieb dort, wo ein pochender Kopfschmerz sein musste. „Nur... versuchen sie, sie am Leben zu halten."
Ein Drachenkind beaufsichtigen. Oh, sicher doch. Und für ihren nächsten Zaubertrick würde sie in einem Eisgraben schwimmen. „Ich gebe mein bestes." Teruko schüttelte den Kopf. „Aber mit allem nötigen Respekt, Sir? Der Vater von jemandem hat echt Mist gebaut."
Und jetzt müssen wir das wieder gerade biegen, dachte Teruko, als sie Verbeugungen mit ihrem Kapitän tauschte, ehe sie zu ihren Schützlingen zurück kehrte. Verdammt, Agni, warum hast du Tui ihre Hand so reinstecken lassen? Der Junge ist zwar jung und völlig überfordert, aber er war die beste Chance, die wir für einen Feuerlord hatten...
Außer das war nicht, was Agni wollte.
Vernichte den Drachenthron. Zerbrich uns wieder zu Domänen und die Großen Namen stritten und verbündeten sich wie es ihnen passte.
Wenn es klappte würden viele Menschen sterben.
Aber Byakko würde überleben. Teruko nahm ihren Posten außerhalb des Unterschlupfs ein und nickte bei sich. Viele von uns würden es schaffen.
Das war nur ein schwacher Trost für die Witwen und Waisen der Invasion des Nordens. Aber es wäre Leben. Und Leben war kostbar. Immer.
Agni schenkt uns Leben und Atem und das Feuer niemals aufzugeben. Er hat nie gesagt, dass es leicht sein würde. Teruko stieß einen leisen Atemzug aus. Ich stehe hinter ihnen, Kapitän. Ich weiß nicht wo das alles endet, aber... führen sie uns an.
Und wenn es gelang, wenn Sozins Erlasse niedergerissen wurden... dann, vielleicht, nur vielleicht würden ihre Kinder wieder Drachen fliegen sehen.
Autor-Notizen: Bedenkt man Zukos normale Paranoia, kann ich mir vorstellen, dass das erste, was er dachte, als er nur einen Jugendlichen sah, der ein Dorf bewachte, in dem der Avatar war, 'Falle' war. Offensichtlich war Sokka nur ein Täuschungsmanöver, um ihn in Position zu bringen, für jemand (oder mehrere Personen) viel gefährlicheres. Und durch Zukos Erfahrung mit Li und Lo – ja, Gran-Gran sieht wie eine realistische Bedrohung aus.
Und in diesem Sinne hätte sie viel gefährlicher sein können, als jeder erkannt hat. Der Folge 'Drama um Hama' nach, war Hamas beste Freundin Kanna. Und Hamas Vorstellung von angemessenen Verhalten (zugegeben, nachdem sie nach Jahren der Folter in einem Gefängnis der Feuernation ausgebrochen war) ist, ihr Wasserbändigen dazu zu benutzen, um zu foltern und – es wird zumindest impliziert – unschuldige Zivilisten der Feuernation zu ermorden. Also, wenn sie glaubt, dass es in Ordnung ist... wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass Kanna etwas von dieser Haltung teilt? Ganz besonders Leuten gegenüber, die jeden Wasserbändiger des Stammes in ihrem Adoptivstamm entführten und ihre Schwiegertochter ermordeten? Nimmt man das zusammen mit dem was Gran-Gran in der zweiten Folge sagt, das Kataras ihr Hoffnung bringt, weil sie eine Wasserbändigerin ist und es in Verbindung bringt mit dem Schicksal dem Avatar zu helfen, nicht wegen Katara selbst... Huston, wir haben ein Problem.
Über Azula und Zuko... denkt daran, Meixiang sagte, dass manche der größten Helden und schwärzesten Bösewichtern der Feuernation von Drachenblut sind. Sie sind außerordentliche Leute. Auf die eine oder andere Art.
Und wenn man das annimmt, dann macht die Sitte des Agni Kai viel mehr Sinn. Ein paar Vergleiche mit der Geschichte von Texas... zu einem Zeitpunkt, als es etwas besiedelt aber außerhalb des gewöhnlichen Gesetzes der USA stand, war es ein beliebtes Ziel für Banditen, Mörder und Verbrecher aller Art. In Anerkennung dessen gab es ein Gesetz gegeben, das im Grunde genommen 'Er hatte den Tod verdient' war. Das heißt, wenn man jemanden getötet hat und eine Jury von Gleichgestellten zustimmten, dass er den Tod verdient hatte, man aus dem Schneider war.
Unglücklicherweise klappt ein solches System nur, wenn man andere Gleichgestellte hat, die ein Urteil über einen fällen können. In diesem Fall andere Feuerbändiger oder andere Große Namen. Sobald Kyoshi die Autorität unter einen Feuerlord vereinte, kam dieses 'Aussortieren' der sadistischeren Persönlichkeiten zum Ende. Die Effekte waren vielleicht nicht sofort bemerkbar, aber nach einem oder zwei Jahrhunderten... und dann war da Sozin. Hallo, Gesetz der Unvorhergesehenen Konsequenzen.
Ja, Kyoshi hatte einen Grund für ihre Handlungen. Die Gaang wird das später noch herausfinden.
Für alle, die sich fragen... den Wissensgeist eine mit einem Buch überzuziehen zählt definitiv als Kampf gegen Geister!
„You have to go out – you don't have to come back" („Man muss raus fahren – Man muss nicht zurück kommen.") ist das inoffizielle Motto der amerikanischen Coast Guard (Küstenwache). Ein großer Teil der Aufgabe ist Rettung. Man fährt hinaus, wohl wissend, dass man sein Leben dabei riskiert und es gibt keine Garantie, dass man es wieder in den Hafen schafft.
Übersetzer-Notizen: In diesem Kapitel ist mir erst richtig klar geworden, dass ich die Silbenzeichen des Pinyin die Vathara in 'Embers' benutzt nicht in die Übersetzung übernehme. Aus mehreren Gründen. Zum einen kenne ich mich mit asiatischen Sprachen und Schriften nicht aus – weswegen mich das Fehlen der Silbenzeichen nicht kratzt. Zum anderen weil ich nicht genau weiß, wie ich sie in meinem Schreibprogramm setze (und ich nicht gerade erfreut bin, wie ff . net die Zeichen darstellt). Ich hoffe, es stört euch nicht, Ausdrücke wie Yaoren, Waegu oder hono'o shoshinsha in ordinärer lateinischer Schrift zu lesen.
