Weihnachtsabend. Narzissa hatte keine Ahnung, woher der prachtvoll geschmückte Baum im Salon kam, oder wer die Halle weihnachtlich weiß dekoriert hatte, aber eigentlich war ihr das auch vollkommen gleich.

Trotzdem blickte sie voller Staunen zu der, mit Eiszapfen überzogenen Kuppel im Flur und befühlte vorsichtig das Tannengrün, dass mit silbernem Lametta behangen war. Vielleicht war es Dobby, überlegte sie hin und her. Lucius hatte das Haus noch nie dekoriert und bisher war sie zu Weihnachten nie zu Hause gewesen. Er hatte sie immer irgendwohin mitgenommen.

Lucius schien jedenfalls nicht zu Hause zu sein und so setzte sie sich in den geschmückten Salon und wartete. Worauf? Das wusste sie nicht. Was für ein trauriges Weihnachtsfest, dachte sie bei sich und starrte trübsinnig auf die bunten Kugeln. Frank war für sie verloren, der kleine Henry war tot oder schlimmeres, Alices Geist war zerrüttelt und man wusste nicht, ob sie jemals wieder zu sich finden würde, ihr Mann ein Schwerverbrecher, der skrupellos die Macht seines dunklen Herren ausnutzte. So sollte ihr Kind groß werden? Warum war sie überhaupt hier? Wie hatte sie es jemals dazu kommen können?

Sie stand auf und ging hinüber zum Weihnachtsbaum, eigentlich nur, um sich ein wenig zu beschäftigen und sich zu bewegen. Immer öfter schmerzten ihre Füße mittlerweile. Beinahe wäre sie zurück geschreckt: einige Figuren auf der großen, dichten Tanne bewegten sich. Kleine, verzauberte Figuren schüttelten den Schnee ab, der auf ihnen lag und winkten ihr freundlich zu. Ein kleiner Engel von weiter Oben raschelte bedeutungsvoll mit den Flügeln und hielt ein Schild mit „Merry Christmas" hoch.

Narzissa musste lachen. So hübsche Figuren hatte sie noch nie gesehen. Ein fingergroßer Elch schnaubte und deutete mit seinen kleinen Hufen auf seine Satteldecke. Darauf stand: „Sei bitte...". Verwundert sah sich Narzissa nach den anderen Figuren um. Ein kleiner Wichtel hüpfte auf seinem Podest auf und ab und deutete auf seinen grünen Schal: „nicht traurig..." und bald fand sie auch den dazu passenden Weihnachtsmann. „weil ich...". Immer mehr Figuren begannen nun mit dem Ärmchen zu wedeln und am Ende lautete die Botschaft:

Sei bitte nicht traurig, weil ich nicht bei dir sein kann. Ich weiß, dass du mir so manche Dinge nicht vergeben kannst, vielleicht kann ich sie mir selbst nicht vergeben, doch ich glaube an unsere Zukunft. Und an die unseres Sohnes. Warte heute Nacht auf mich.

Lucius."

Narzissa war sprachlos. Wann hatte Lucius das getan? Und überhaupt, warum? Das passte doch gar nicht zu ihm.

Wirklich nicht? Sagte eine dünne Stimme in ihrem Hinterkopf. Erinnere dich an die Schneekugel. Doch, wann immer es wirklich nötig war, dann wusste Lucius, wie er ihr Beweisen konnte, was sie ihm Wert war. Trotzdem fühlte sich Narzissa seltsam. Und ein wenig beschämt. Denn sie hatte ihn mit Missachtung gestraft und sich geweigert auch nur ein weiteres Wort zu sprechen. Er hatte an diesem furchtbaren Abend nicht unrecht gehabt, sie könnten die Nächsten sein, wenn er sich unvorsichtig verhielt. Bellatrix würde vor nichts zurückschrecken, da war sie sich absolut sicher. Und nur, weil Lucius das genau wusste, hatte er in Kauf genommen, dass sie ihn verachtete, dass sie ihn hasste und anfuhr, wann immer sie ihn in die Finger bekam. Sie selbst tat nichts, um Lucius und sich zu schützen, außer ihn zur Unvernunft zu treiben und ihm zu drohen.

„Traurig." murmelte sie und stupste eines der Figürchen mit ihrem Finger an. Stumm begann es mit den Armen zu Rudern, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren und anschließend drohend die Faust zu schütteln.

Das Stehen fiel ihr schwer und so ließ sie sich vor dem Fuß des Weihnachtsbaumes in die Hocke sinken. Dabei fiel ihr Blick auf ein kleines Paket.

Neugierig zog Narzissa es hervor. Auch wenn kein Name darauf stand, so war Narzissa sich sicher, dass es für sie war.

Als sie es öffnete, befand sich jedoch darin ein kleines Armband, viel zu klein für ihr Handgelenk, eher für ein kleines Kind, aus fein gearbeitetem Silber. Ein Anhänger befand sich daran und als sie die verschnörkelte Schrift las, da fielen die trüben Gedanken von ihr ab und sie hätte am liebsten irgendjemanden umarmt.

Draco Malfoy - *April 1980"

Lucius hatte ihr ein weitaus größeres Geschenk gemacht, als sie es sich je hätte vorstellen können. Er hatte ihrem Sohn einen Namen gegeben. Dem Sohn, den er eigentlich nie hatte haben wollen.

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Ich wünsche euch Allen frohe Weihnachten. Feiert schön und treibt es nicht zu wild. Seht das kleine Kapitel als ein Weihnachtsgeschenk für euch treuen Leser, es wird sich nicht auf die Kapitelanzahl, die noch kommen, auswirken und trotzdem ist es ein kleiner Lichtblick. Im Endeffekt ist es nur ein kleiner Einschub, und hat nichts Wichtiges für die Geschichte zu sagen, aber ich wollte euch nicht ganz ohne Weihnachtswünsche stehen lassen. Danke, dass ihr mir so viele liebe Rückmeldungen gebt. Insgesamt ist die Geschichte auf und 198 mal gereviewt worden, und über 80 mal in die Favo Listen aufgenommen worden. Vielen, vielen Dank.