25. Zurück

Donnerstag, 01. Mai 1997

Oh, sie hatte gut geschlafen und noch besser, als sie sich kurz und genüsslich herumdrehte, stellte sie fest, dass sie gar nicht das Bedürfnis hatte zu Husten, ihre Nase nicht lief und sie sich erholt und wohl fühlte.

Klasse! Madam Pomfreys Tränke wirkten wahre Wunder.

Zudem schien es noch richtig früh zu sein, denn ihre Brüste schmerzten auch noch nicht. Sie tippte auf fünf Uhr. Trotzdem linste sie gähnend auf ihren Wecker und rieb sich daraufhin erstaunt die Augen. Es war kurz nach sieben. Sehr seltsam!

Was aber noch verwunderlicher war, dass waren die Stimmen und Geräusche um sie herum, „Lavender, jetzt komm endlich aus der Dusche!", rief da nämlich jemand sehr ärgerlich und sie hätte sich schwer täuschen müssen, wenn das nicht Padma gewesen wäre.

Mit plötzlich wild klopfendem Herzen schlug sie hektisch die Bettdecke zurück und riss an dem schweren roten Samtvorhang, der ihr Bett gegen den Einfall der Sonne und etliches andere schützte.

„Padma?" rief sie und ihre Stimme drohte sich zu überschlagen.

„Nein, ich bin zuerst dran", antwortete ihre Klassenkameradin bestimmt, „sobald diese Dauerduscherin da raus ist, verflixt und zugenäht!"

„Juchhu!", entfuhr es Hermine und als Padma erstaunt über solche Gefühlsausbrüche am frühen Morgen den Kopf in den Schlafsaal steckte, hätte nicht viel gefehlt und Hermine hätte sie voller Dankbarkeit und Freude umarmt und herumgeschleudert!

Sie war zurück!

„Was ist mit Dir?", wollte Padma trotzdem wissen und sah sie erstaunt an, „hatte dieser verrückte Sean doch noch den Feuerwhiskey in die Maibowle gekippt?"

„Wie? Feuer? Ach ja! Aber nein!", stammelte sie, immerhin war es in ihrer Zeit schon der 1. Mai, „Ich habe nur gute Laune und freue mich auf den Tag!", verkündete sie froh.

„Na super", grummelte Padma, „ich freue mich auch ungemein, denn ich hin hundemüde, weil Patric Stern aus Ravenclaw mir noch alle Besentricks zeigen musste, die er so drauf hat und er kann eine Menge", sie wurde etwas rot und kicherte leicht, als sie verschwörerisch anfügte, „unter anderem…", doch dann erinnerte sie sich wieder an die momentane Misere und schimpfte weiter, „aber egal! Wir werden gnadenlos zu spät zum Frühstück kommen, mein Magen wird daraufhin den ganzen Morgen vor sich hinknurren und das wird Professor Trelawney bestimmt in ihrer Konzentration stören!"

„Ach was!", widersprach Hermine und zückte ihren Zauberstab, „so was kann man doch ändern!" Sie schwang ihn in drei kleinen Wellen und kurz darauf hörte man einen entsetzten Schrei aus der Dusche.

„Was hast Du gemacht?", fragte Padma begeistert.

„Ihr das heiße Wasser abgedreht", schmunzelte Hermine und suchte frische Unterwäsche aus ihrem Schrank.

„Klasse, den Spruch musst Du mir zeigen!"

„Gerne", sie hatte ihn in einem von Professor Snapes Büchern gefunden. Am Rand des Spruches hatte mit roter Tinte gestanden, „Bei Gelegenheit für Hermine" Ha! Sie fand, dass der Spruch für Lavender viel, viel passender war!

Allerdings fiel ihr dabei auch wieder ihr zukünftiger Vielleicht-Ehemann ein. Sie musste sofort herausfinden, ob auch er wieder in der richtigen Zeit gelandet war und da trotz ihres kreativen Spruchs in nächster Zukunft noch nicht mit einer freien Dusche zu rechnen war, beschränkte sie sich auf Zähneputzen und Waschen und entging so für den Augenblick auch dem gerechten Zorn ihrer Zimmerkameradin Miss Brown. Schnell wie der Blitz rannte sie noch vor dem Frühstück hinunter in den Kerker und nachdem sie sich sorgsam davon überzeugt hatte, dass niemand sie beobachtete, klopfte sie hektisch an Professor Snapes Bürotüre.

Sie hatte Glück, der Professor war noch da und riss mit gewohnt verschlossener Miene die Türe auf.

„Sie schon wieder?", bellte er.

„Ich muss Sie sprechen, sofort!", wisperte sie und blickte ihn bittend an.

Professor Snape zog daraufhin seine linke Augenbraue in die Höhe und trat zur Seite, damit sie eintreten konnte. Sie wollte schon erleichtert aufatmen, doch als sie schnell die Türe hinter sich schloss, drängte er sie unversehens gegen das Türblatt und brummte amüsiert, „So ungeduldig heute morgen, da wäre es doch zu erwarten gewesen, dass Du gestern Abend doch auf mich gewartet hättest, anstatt Dich am Feuer so zu verausgaben, dass Du wohl unbedingt schlafen gehen musstest", und bevor Hermine noch zu erkennen geben konnte, dass sie Miss Granger war, küsste er sie voller Leidenschaft und wildem Verlangen.

Grundgütiger, das schon wieder!

Hermines Herz machte einige unrhythmische Sprünge und schien sich dann nach einem kleinen Aussetzer in zwei Teile zu spalten, wobei ein Teil bis in ihren Hals kletterte und der zweite Teil in ihren Schoß rutschte. Beide Hälften pochten wie verrückt! Großer Gott, wie machte er das nur?

Aber selbst wenn sie mental in der Lage gewesen wäre, dieser Frage nachzugehen, hätte sie sich ja auch eingestehen müssen, dass sie es unglaublich fand und das ging ja gar nicht, denn immerhin war das hier ihr Lehrer. Daher machte sie sich auch mit der größten Willensanstrengung von ihm frei und keuchte mit wackligen Knien, „Professor Snape, ich bin es, Hermine Granger."

„Das sehe ich…", grinste er frech, doch dann hielt er inne und sein Blick zeigte, dass er verstanden hatte, „Wirklich, Sie sind wieder Miss Granger?"

„Ja", schluckte Hermine, schob sich eine Haarsträhne hinters Ohr und versuchte ihren Herzschlag wieder auf einen normalen Takt einzuschwören, „Ich bin gestern hier unten im Kerker eingeschlafen und vor einer halben Stunde in meinem Bett im Gryffindorturm aufgewacht."

„Oh, dann hatten wir also recht", freute sich der Professor, zog seine Weste gerade und winkte ihr aufgeregt zu, sich auf seinen Besucherstuhl zu setzen, „Es ist genau acht Tage her und unsere Berechnungen waren völlig korrekt, bis auf", er rieb sich das Kinn und zog die Augenbrauen zusammen.

„Bis auf was?", hakte Hermine nach und ließ sich auf dem Stuhl vor seinem Schreibtisch nieder, etwas, dass ihren nach wie vor wackligen Knien sehr entgegen kam.

„Bis auf den Umstand, dass wir vermutet hatten, dass es wieder der 21. April wäre und nicht der 29.", er zückte seinen Zauberstab und beschwor die große Tafel herauf, die über und über mit Rezeptüberlegungen und Notizen gefüllt war, „Hier, sehen Sie, das ist der Stand unserer Forschungen."

„Hm", machte Hermine und besah sich die Aufzeichnungen sehr genau, „Da gibt es einige Dinge, die ich auch vermutet habe", murmelte sie, „zum Beispiel, dass die Pflanze ‚Arcusschön' ein Bestandteil sein könnte hielt ich für wahrscheinlich und dass es ein schwarzmagischer Trank sein musste, stand für mich auch fest!"

„Sie sprechen von Ihren Überlegungen, was waren denn meine?", erkundigte sich Professor Snape und sah sie erstaunt an.

„Das weiß ich nicht genau, denn Sie waren nicht besonders mitteilsam."

„Ah ja, das ist nicht verwunderlich, aber leider sehr dumm", erklärte er entschuldigend, „dass Zusammenarbeit Sinn macht und nebenher noch viel mehr Spaß, dass mussten Sie mir erst mühsam beibringen, Hermine."

„Ja, das habe ich bemerkt", lächelte sie und deutete auf einen Begriff an der Wand, „Und was sind die Acht Trigramme?"

„Die Acht Trigramme sind eigentlich zur Weissagung dienende Symbole, welche die Grundlage des altchinesischen Buches der Wandlungen bilden", erklärte Professor Snape und schrieb mit seinem Zauberstab in die linke untere Ecke, „Es sind Trennung, Weiblichkeit, Wechsel, Trockenheit, Gefahr, Aufrichtigkeit, Erregung und Sanftheit und denen werden in der chinesischen Wissenschaft Elemente, Naturphänomene und familiäre Beziehungen zugeordnet."

„Oh, das passt aber gut", überlegte Hermine und ihr Lehrer nickte, „Ja, es war auch nicht schwer, ihnen die Zutatenfragmente aus dem alten brüchigen Rezept zuzuordnen, das wir in den Archiven von Edinburgh gefunden haben oder sie einfach zu ergänzen. Hier, sehen Sie!"

Er schrieb wieder mit seinem Zauberstab an die Tafel und sofort ordnete er der Trennung ein Stück einer großen, steinernen Mauer bei, der Weiblichkeit ein Hühnerei, dem Wechsel den Froschlaich, der Trockenheit einen Liter heißen Wüstenwinds, der Gefahr drei Inch Werwolfblut, der Aufrichtigkeit ein frisches Blütenblatt der weißen Chrysantheme, der Erregung drei Phon Donner in einer Gewitternacht eingefangen und der Sanftheit eine Feder aus dem Brustkleid einer brütenden Henne."

„Das ist ja toll!", staunte Hermine und stand beeindruckt vor dem rekonstruierten Rezept.

„Ja", seufzte der Professor, „obwohl wir immer dachten, dass es sich gar nicht um einen richtigen Zeittrank handelt, sondern um eine Art Illusionstrank, aber das müssen wir jetzt wohl noch einmal überdenken." Er zückte seine Taschenuhr. „Aber nicht jetzt. Es ist Zeit für den Unterricht und heute Abend kann ich leider auch nicht", über sein Gesicht zog ein besorgter Schatten.

„Und wann überdenken wir das dann?", fragte Hermine und erhob sich.

„Ich lasse es Sie wissen", versicherte ihr der Professor und steckte die Uhr wieder weg, „Ach, Miss Granger?"

„Ja?"

„Wie geht es meiner Tochter?"

„Oh, es geht ihr sehr gut, nachdem sie gestern arg unter Bauchweh litt, war abends wieder alles in Ordnung. Wir haben uns wirklich sehr bemüht, dass sie ihre Eltern nicht zu sehr vermisst, Sir! Sie ist ein solch wundervolles Kind!"

„Ja, das ist sie!", nickte er stolz und erleichtert, bevor sich der Anflug dieses frechen Grinsens wieder auf seine Lippen schlich und er ergänzte, „Und ich sollte mich auch mal wieder dafür entschuldigen, dass ich Sie geküsst habe."

„Oh… ja", erinnerte sich Hermine und wurde etwas rot, „aber das ist schon in Ordnung, solange Sie in den nächsten Jahren damit aufhören."

„Ich verspreche es, obwohl ich wohl nicht mehr umhinkomme, Sie in dieser Schuluniform… hinreißend zu finden."

„Damit kann ich leben", kicherte Hermine geschmeichelt, „denn Sie in Ihrer Badehose fand ich auch klasse!"

„Darum haben Sie mich ja auch genötigt sie zu kaufen!", grinste der Professor und ging kurz in seine privaten Räume, um einige Scones zu holen, die er Hermine reichte, „Hier, damit Sie den Morgen überleben, Slughorn hat sich heute morgen krank gemeldet."

„Na klasse!", seufzte Hermine und steckte die Brötchen in die Robentasche, „Wir sehen uns also am Nachmittag. Bis dahin, Professor, und Danke!"

„Gern geschehen. Bis dahin, Miss Granger!"

Oh, und der Tag war wirklich klasse!

Es war herrlich Harry und Ron wiederzusehen und mit ihnen einen ganz gewöhnlichen Schultag zu erleben, dabei ein wenig mit ihnen herumzualbern und sich über Lehrer und Schulstoff auszutauschen. Mit dem, was sie aus der Zukunft wusste, konnte sie auch die dunklen Schatten über Harrys Kopf gelassener betrachten und hatte jetzt deutlich weniger Angst um ihn und um die Zukunft.

Nur das mit Ron machte ihr echt zu schaffen. Noch vor einer Woche hatte sie von ihm geträumt, hätte alles Mögliche dafür gegeben, wenn er sie endlich einmal geküsst hätte und wäre definitiv bereit gewesen für mehr, wenn er es denn gewollt hätte.

Aber jetzt war sie sich nicht mehr sicher. Verflixt. Dieser düstere Kerkermeister mit seinem versteckten Grinsen und seinen schwarzen Augen hatte sie ganz aus dem Konzept gebracht und so konnte sie seinem Unterricht auch nur bedingt folgen, ohne dabei ständig an seine unglaublichen Küsse und seine wundervoll kosenden Hände auf ihrem Körper zu denken. Etwas, das ihr sogleich eine Rüge einbrachte, „Miss Granger, wenn Sie nicht augenblicklich Ihre Gedanken ausschließlich auf diesen Trank vor Ihrer Nase richten, dürfen Sie gerne die zweite Strafarbeitswoche noch heute Abend bei mir antreten!"

„Wie? Oh, nein, entschuldigen Sie, Sir!", schreckte sie aus ihren Tagträumen auf, aber das sein ungläubiges Knurren diesen Schauer über ihren Rücken jagen musste, war auch nicht sehr hilfreich.

Sie atmete unwillkürlich auf, als die Schulglocke das Ende der Stunde verkündete und Harry und Ron taten es ihr gleich. Freilich aus gänzlich anderen Gründen…

Der Rest des Tages verlief herrlich normal und in der Nacht schlief sie ohne große Störungen durch hungrige Kinder und schwarze Augen bis zum nächsten Morgen friedlich durch. So konnte man auch viel erholter und gelassener den Tag beginnen.

Als sie nach dem Anziehen ihren Stab vom Nachttisch nehmen wollte, entdeckte sie zudem eine kleine, unscheinbare Nachricht. Obwohl ohne Signatur wusste sie genau, wer sie für den Abend in eines der leerstehenden Klassenzimmer im Ostflügel bat.

Gut, aber bis dahin gab es noch eine Menge zu tun, immerhin waren es mittlerweile nur noch 52 Tage bis zu den Prüfungen und die letzten 9 Tage hatten sie in ihrer Vorbereitung eher zurückgeworfen, als weitergebracht. Verdammt! So kam sie nie im Leben nach Oxford!

Trotzdem erfüllte sie natürlich die Bitte des Professors und erschien pünktlich zur angegebenen Uhrzeit in dem besagten Klassenzimmer.

Der dunkle Kerkerherr erwartete sie auch schon und versiegelte sogleich den Raum gegen mögliche Störungen.

„Danke, dass Sie kommen konnten, wie war Ihr Tag?", fragte er und musterte sie eingehend.

„Wundervoll normal, Sir, und Ihrer?"

„Zwar nicht normal, aber doch sehr erfolgreich, aber das ist ein anderes Thema", er ging einige Schritte auf und ab, „ich habe Sie hierher bestellt, weil ich Sie um einige Dinge bitten möchte, Hermine."

„Und das wäre?"

„Wenn ich – wie ich inständig hoffe – morgen wieder mit dem alten Professor Snape den Platz getauscht habe, und das alles hier doch kein Traum oder eine Illusion war, dann hielte ich es für sinnvoll und wichtig, dass Sie sich mit ihm treffen, um sich gegenseitig die Erinnerung der letzten zehn Tage zu löschen."

Sie legte die Stirn nachdenklich in Falten, nickte dann aber zustimmend, „Sie haben recht. Aber so etwas habe ich noch nie getan."

„Ich habe Ihnen diesen Spruch hier aufgeschrieben", er reichte ihr einen kleinen Pergamentstreifen, „Er hat eine verzögerte Wirkung von einer halben Stunde, das müsste reichen, damit sie sich gegenseitig obliviaten und sich dann noch an verschiedene Orte begeben können."

„Gut, ich werde es dem Professor unterbreiten", versprach Hermine, „gibt es sonst noch was zu beachten?"

„Allerdings", er reichte ihr einige dicht beschriebene Blätter, „Meine Frau hat Ihnen die wichtigsten Ereignisse der letzten Woche aufgeschrieben. Das Gleiche habe ich für mein früheres Ich getan."

„War denn so viel los?", staunte Hermine, als sie die Blätter überflog.

„Das kann man so sagen…", seufzte Severus, „Ansonsten habe ich mich bemüht alles in meinem Büro und in meiner Wohnung so zu lassen, wie es war, bitte achten Sie darauf, dass auch Sie in ihren Sachen keine Hinweise oder Notizen mehr haben."

„Ich werde nachsehen."

„Danke!", erwiderte er mit einem kleinen warmen Lächeln und wollte schon den Zauber aufheben, als sie ihn zurück hielt.

„Professor?"

„Ja, Miss Granger?"

„Ich wollte Ihnen noch sagen, dass ich mich sehr gefreut habe, Ihre Bekanntschaft gemacht zu haben, Sir!"

Er zog die linke Augenbraue erstaunt empor und verneigte sich galant, „Ganz meinerseits, Miss Granger, ich verspreche Ihnen, das wiederholen wir in einigen Jahren noch mal in aller Ruhe!"

„Ja, das befürchte ich auch!", lachte sie, dann gab sie sich einen Ruck und beugte sich schnell vor, um ihm einen flüchtigen Kuss auf die Wange zu hauchen, bevor sie mit hochrotem Kopf zur Türe eilte.

„Ein kleiner Vorgeschmack, Hermine?", hörte sie ihn noch frech fragen und dunkel und kollernd auflachen.

„Sie sind unglaublich, Professor!", war ihr zufriedener Kommentar.

„Ganz wie Du, meine Liebe!", meinte sie ihn leise murmeln gehört zu haben, als er den Zauber aufhob und ihr kopfschüttelnd hinterher sah.