Harrys und Hermines Masterplan, der darin bestand, dass sie gemeinsam mit Harry und Severus in das Innere von Gringotts apperierte und sie eigenständig zum Verlies wanderten, wurde von Severus mit gemischten Gefühlen betrachtet.

Einerseits wusste er wo sich das Verlies befand, andererseits lauerten weit aus mehr Gefahren in den Katakomben. Ein Drache beschützte den Zugang und die Tür war mit mehr als einem Zauber versiegelt. Diesen Zauber konnte nur ein Kobold aufheben. Also mussten sie es schaffen, unbemerkt einen Kobold zu entführen, diesen dazu überreden dass er sie in das Verlies ließ und lebend wieder hinausgelangen. Severus zog seine Stirn in tiefe Falten.

Hermine und Harry schien dies kaum Kopfzerbrechen zu bereiten. Mit einer unerschöpflichen Zuversicht widersprachen sie jedem seiner Widerworte bis er schließlich aufgab. Im Prinzip hatten sie recht, auch wenn er das niemals laut sagen würde. Sie mussten in das Verlies gelangen, und zwar schnell. Und bis jetzt hatten sie keinen besseren Plan also musste dieser funktionieren.

Als sie sich an einem kalten Mittwoch Morgen bereit machten gingen sie die Schritte noch einmal durch. Zuerst musste sich Hermine in die Bank apperieren, mit dem Tarnumhang geschützt einen Kobold entführen und wieder zurück kehren. Severus bezweifelte, dass gerade ein Kobold, dessen Gattung für ihre Sturheit und Gleichmütigkeit bekannt war, ihnen half, doch Harry war sich sicher dass jedes magsiche Wesen einen Beitrag zur Vernichtung Voldemorts leisten wollen würde. Severus dachte sich im Stillen, dass die Kobolde keinen Grund hatten ihnen zu helfen, da sie selbst unter Voldemorts Herrschaft nichts zu befürchten hatten. Geld war etwas was immer gebraucht wurde und das System der Kobolde bestand seit Jahrtausenden und war unbestritten. Voldemort sah die Rasse der Magier zwar über den Kobolden stehen, doch war er nicht so töricht und würde dieses System abschaffen. Aber da er keinen besseren Vorschlag hatte, sah er sich nicht in der Position ständig auf die Schwachstellen des Plans hinzuweisen.

Mit einem entschlossenen Blick und einem lauten Plop verschwand Hermine und tauchte wie damals, nicht mit einem Schwert sondern mit einem Kobold an ihrem Arm wieder auf. Dieser blickte verwirrt umher und fing lautstark an zu schimpfen. Mit einer fließenden Bewegung seines Zauberstabes brachte Severus ihn zum schweigen und Harry fing an auf den Besucher einzureden. Dieser wirkte jedoch alles andere als begeistert von ihrem vorhaben und schüttelte vehement den Kopf. Wie Severus erwartet hatte, weigterte sich der Kobold ihnen zu helfen. Severus konnte nicht anders und verlautbarte den Gedanken und erntete sogleich einen düsteren Blick von Hermine und Harry.

„Nun gut, was wäre dann dein Vorschlag?" fragte ihn Harry und bedachte ihn mit einem spitzen Blick. Severus zuckte untypisch mit seinen Schultern und strich mit seinem Zeigefinger über sein Kinn.

„Tja wenn er uns nicht freiwillig helfen will, müssen wir ihn dazu zwingen." Er sah den Kobold an und grinste bösartig. Dieser erstarrte und riss seine Augen vor Furcht auf.

„Wir werden sicher niemanden foltern!"

„Ich meinte auch nicht Folter." Severus verdrehte die Augen. Typisch Gryffendor, so edel, so mutig, so heldenhaft.

"Imperius?" Hermine flüsterte und sah ihn an. Er nickte. Harry zuckte nur mit den Schultern und schien sich mit dem Gedanken einen unverzeihlichen Fluch anzuwenden schnell überlegte für einen Moment und nickte schließlich zustimmend. Voldemort benutzte die Flüche zu wesentlich schlimmeren Zwecken.

Als Severus den Kobold unter Kontrolle hatte, konzentrierte sich Hermine auf ihr eigenes Verlies. Sie stellte sich das Tor, die Dunkelheit und die Kälte vor. Sie konnte beinahe den modrigen Geruch riechen als sie sich, Severus, Harry und den Kobold apperierte.

Sie landeten mit einem dumpfen Geräusch und lauschten der Dunkelheit. Es war kein Alarm zu hören. Severus atmete erleichtert auf und versuchte sich zu orientieren. Nach Hermines Erzählungen wusste er ungefähr wo sie sich befanden, jedoch war das Lestrange Verlies nicht um die Ecke.

Er stapfte in eine Richtung und die Gruppe folgte ihn. Alle drei waren sie darauf Bedacht kein Aufsehen zu erregen, daher hallte lediglich das Getrampel des Kobolds von den endlos langen Wänden aus nacktem Fels wieder. Als Severus den kränklich aussehenden Drachen erblickte wusste er, dass er es geschafft hatte. Erleichtert ging er zu den Glocken die den Drachen von einem Angriff abhalten sollten. Hermine blickte das bleiche Tier an und empfand Mitleid. Ein Drache gehörte nicht in dieses dunkle Grab, eingesperrt und gefoltert.

Die Tür zu dem Verlies wurde durch den Kobold geöffnet, der nun eher einen betrunkenen Zustand hatte.

Severus zog beide Brauen hoch als sich die Tür öffnete. Er blickte in das Verlies.

„Das war einfach." stellte er fest.

Als er sich zu Hermine umdrehte rührte sich der Drache und stieß einen lauten Schrei aus. Auf einmal ertönten mehrere Sirenen und sie konnten aus der Ferne mehrere Rufe hören.

Sie eilten hinein und suchten verzweifelt nach dem Kelch, doch sobald sie einen Gegenstand berührten, teilte sich dieser in mehrere Gegenstücke. Zu allem Überfluss waren diese Brennheiß- und verursachten schmerzhafte Blessuren. Die drei erstarrten in ihren Bewegungen und sahen sich an.

Auf einmal spürte Harry etwas. Es schlich sich langsam an und überfiel ihn wie ein Raubtier. Er konnte das Böse und den Hass spüren und es zog ihn zu der hinteren Ecke des Raumes. Dort sah er hinter einigen goldenen Tellern und Bechern schließlich einen Kelch. Er stürmte hin und musste nach wenigen Metern durch das glühende Gut graben. Er ignorierte den Schmerz und griff mit letzter Kraft den Kelch. Als er ihn berührte erfasste die Bosheit sein Herz und er sah Voldemort. Er schüttelte das Gefühl ab und stürmte zurück zum Ausgang.

„Ich hab ihn!" Mehr brauchten Severus und Hermine nicht, sie drehten sich um und versuchten so schnell wie möglich dem Ort und vor allem dem Schmerz zu entkommen. Auf ihrer Haut waren rote Brandblasen zu sehen.

Als sie bei der Tür waren, wurden sie von wirr umherirrenden Flüchen überrascht. Der Kobold war bereits zu sich gekommen und wankte umher. Er wurde von einem Fluch getroffen und fiel leblos zu Boden. Die Wachen hatten sie bereits erreicht. Der Drache in der Mitte riss in Panik an seinen Ketten und heulte vor Schmerz auf. Hermine sah ihn an und sie hatte eine Idee.

Severus versuchte so gut wie möglich die angreifenden Flüche zu blocken und die Wachen zu treffen, jedoch wusste er dass er dem Angriff nicht lange standhalten konnte. Hermine griff Harry und Severus und zog sie in Richtung des Drachen. Severus riss seine Augen auf und konnte gerade noch „Das ist Wahnsinn!" schreien als er mit einer Wucht auf den Drachen geworfen wurde. Er hielt sich verzweifelt an dem harten Panzer des Tieres fest und wich dem einen oder anderen Fluch aus. Hermine landete über ihm und befreite den Drachen mit einer Bewegung ihres Zauberstabes von seinen Fesseln. Als ob er seine Chance auf Freiheit spüren konnte, erwachte das Tier aus seiner Angst und schoss den Wachen einige wuchtige Feuerstöße zu, dann blickte er sehnsüchtig auf den fahlen Lichtschein der hinein schien und kletterte nach und nach die steile Wand aus Fels hinauf. Harry und Severus klammerten sich mit aller Macht an den Drachen und Severus schickte ein Stoßgebet an alle Götter die er kannte, dass Hermines Plan nicht ihr Ende wäre.

Hermine versuchte so gut wie möglich dem Drachen den Weg nach oben freizumachen und schickte einen Fluch nach dem anderen gen Himmel. Auf einmal durchbrachen sie die Decke der Unterwelt und sie fanden sich in der prunkvollen Empfangshalle Gringotts wieder. S

everus starrte in die verdutzten Gesichter der Kobolde und wunderte sich über die seltsame Komik der Situation. Schließlich saßen sie zu dritt auf einem Drachen, mitten in Gringotts. Der Drache verweilte nicht lange sondern setzte seinen Weg fort.

Hermine zerstörte die feine Glasdecke und die Scherben rieselten wie Schnee auf sie hinab. Als der Drache schließlich auf dem Dach thronte atmete er ein paar mal tief ein und aus. Er störte sich nicht an seinen Begleitern und genoss die fast vergessene Freiheit.

Unter dem Tier konnte man wütende Schreie hören und der Drache zog sich über die Decke und streckte seine gewaltigen Flügel. Er versuchte ein paar mal abzuheben und zerstörte damit mehrere Dächer. Die Schindeln flogen umher und der Drache hob schließlich ab. Er drehte eine Runde und flog zielsicher Richtung Norden.

Severus wagte einen Blick zu Hermine und sie lächelte ihn triumphierend an. Er konnte nicht anders als das Lächeln mit einem leichten Grinsen zu erwidern. Hinter den beiden hielt sich Harry an den Schuppen fest und verdrehte die Augen. Er schüttelte den Kopf und verkniff sich eine Bemerkung. Diesen Moment wollte er nicht zerstören. Sie hatten das geschafft an das sie selbst kaum glaubten. Es war nun schaffbar. Nach dem Kelch gab es nur noch zwei Horcruxe. Dann war er verwundbar, dann konnte er getötet werden.