Arya
Für ihr Problem mit dem Weiterreisen hatten sie bis jetzt leider noch keine Lösung gefunden, doch zumindest konnte sie mittlerweile wieder eine gewisse Strecke alleine gehen.
Die Blutungen hatten- sehr zu ihrem Ärger- immer noch nicht ganz aufgehört, weswegen sie den Versuch in ein leichtes Lauftempo über zu gehen zutiefst bereute und es danach auch nicht wieder gewagt hatte.
Hätte Sōna nicht immer mal wieder Hunger gehabt, hätte Jaqen die Kleine wohl gar nicht mehr hergegeben. Immer wenn es gerade nichts zu tun gab hielt er sie im Arm und Arya schmunzelte. Sie hätte sich Jaqen niemals als Vater vorstellen können… Nun ja, sich selbst als Mutter ja auch nicht, aber bis jetzt schien sie sich gar nicht mal so schlecht zu schlagen.

„Wir können nicht ewig hier bleiben." Sie lagerten bereits gut drei Wochen hier und die Lebensmittelvorräte würden nicht mehr allzu lange reichen.
„Aber wir dürfen auch nichts überstürzen." Leich genervt verdrehte sie die Augen, manchmal konnte Jaqen auch zu vorsichtig sein. Obwohl Vorsicht in ihrem Fall zugegebener massen sehr wichtig war. Denn obwohl Sōna für die Tatsache, dass sie sechs Wochen zu früh zur Welt gekommen war schon recht kräftig war, wäre eine Erkältung fatal gewesen.
Da mit Aryas Genesung auch ihr alter Bewegungsdrang zurückkehrte, beschloss sie Joffreys Körper einen kleinen Besuch abzustatten. Jetzt da ihre Schwangerschaft vorüber war, würde es ihr hoffentlich wieder etwas leichter fallen. Zuerst vergewisserte sie sich jedoch, das Sōna keinen Hunger hatte, denn Arya wollte keinesfalls gestört werden.

Joffrey befand sich eindeutig in seinen Gemächern, das war ideal.
Sie stand in seinem Körper auf und trat vor einen Ganzkörperspiegel, der vor einer Wand stand. Dabei achtete sie jedoch nur auf sein Gesicht, und das schien deutlich ausgemergelt zu sein. Gerne hätte sie ihn noch ein wenig in den Wahnsinn getrieben, aber momentan war Joffrey alleine und sollte sie den Auftrag zu ende bringen können, wäre das natürlich umso besser.
An einem Haken an der Wand entdeckte sie seinen Schwertgurt, daran hing auch das Messer, welches sie bereits kannte. Jorffrey schien zu begreifen was sie vorhatte uns sträubte sich natürlich mit aller Macht. Trotzdem erreichte sie den Schwertgurt ohne grosse Mühe, seine Finger um den Knauf des Messers zu legen war da schon um einiges schwieriger.
Seine Hand zitterte und liess das Messer auf den Boden fallen, doch Arya liess nicht locker und hob es wieder auf.
So ging das eine ganze Weile weiter, doch Arya erkannte, dass sie ihr Ziel heute wohl nicht mehr erreichen würde und verliess seinen Körper.

Jaqen
Gut eingehüllt in mehrere Tücher ging er mit Sōna nach draussen. Der Mond war zunehmend und alles schien einen leichten Silberschimmer zu haben. Hier in der Weite schien man doch langsam aber sicher zu erkennen, das sich der Winter seinem Ende näherte. Nicht etwa, dass sich der Frühling näherte, dass würde wohl noch zwei drei Jahre dauern. Aber man schien zu spüren, dass der Winter etwas ruhiger wurde.
Ausserdem schien Sōna draussen um einiges schneller einzuschlafen. Deswegen wartete er nur so lange bis er sicher war, dass sie schlief und ging dann wieder zurück ins Zelt.
Arya war wach, schien aber mit den Gedanken an einem völlig anderen Ort zu sein.
„Du warst wieder in Joffreys Körper." Ihr Schlaf vorhin war alles andere als ruhig gewesen und da sie kein Fieber mehr hatte, schien ihm das die logischste Erklärung zu sein.
"Ja", sie setzte sich auf, „aber bis ich den Auftrag zu ende bringen kann, dauert es wohl noch ein bisschen."
„Lass dir Zeit, Hauptsache es funktioniert." Wenn irgendetwas nicht nach Plan lief, würde man Joffrey sicherlich noch mehr unter Beobachtung stellen, und dann würde es beinahe unmöglich sein, den Auftrag auf diese Weise zu Ende zu bringen.

Da bei der Geburt eine der Decken unbrauchbar geworden war, blieb ihnen nichts anders übrig als beim Schlafen näher zusammenzurücken. Ausserdem wechselten sie sich immer damit ab, wer von beiden Sōna im Arm hielt. Denn der Schlaf war dann meistens weniger erholsam, da man alle paar Minuten aufschreckte und sich automatisch vergewisserte, dass alles in Ordnung war.
Heute wäre wieder er an der Reihe gewesen, doch Arya nahm ihm die kleine aus den Armen.
„Wirklich viel werde wohl ich ohnehin nicht schlafen." Er protestierte nicht, diese Diskussion hatten sie in den letzten Wochen schon oft genug geführt. Nur Sekunden nachdem er sich neben ihr zur Seite gedreht hatte, war er eingeschlafen.

Arya
Sie sah keinen Grund, Jaqen länger als nötig wach zu halten. Sie selbst würde sich wahrscheinlich ohnehin die halbe Nacht lang den Kopf über Joffrey zerbrechen. Es konnte noch einige Zeit dauern, bis sie das Messer überhaupt ruhig halten konnte, ausserdem war Joffrey sicher selten alleine.
Irgendeine einfachere Lösung musste es doch geben, nur welche? Ihr Gefühl sagte ihr, dass sie sich nicht mehr allzu viel Zeit lassen durfte. Obwohl die Lannisters am Boden waren und sich wie die Ratten verkrochen hatten, wusste sie, dass sie wieder versuchen würden den Thron für sich zu erobern. Doch das durfte einfach nicht passieren.
Ihre Gedanken wurden nur hin und wieder von Sōna unterbrochen, die sich entweder eingenässt hatte, eindeutig Hunger verspürte oder einfach nicht mehr einschlafen wollte. In zwei von diesen drei Fällen blieb Arya nichts anders übrig als aufzustehen (mit der Lautstärke musste sie sich keine Mühe geben, Sōna achtete auch nicht darauf) bis die kleine gewickelt oder wieder eingeschlafen war.
Erst als sie bemerkte wie die Zeltplane langsam vom aufkommenden Tageslicht erhellt wurde, kam ihr eine Idee wie sie das Problem mit Joffrey lösen konnte. Und zwar endgültig.

Cersei
‚Bin ich denn hier nur von Vollidioten umgeben?' Cersei war niemand, der etwas überstürzte. Doch in diesem Fall konnte sie sogar ihren Vater nicht verstehen. Stannis war drauf und dran den Eisernen Thron zu erobern und der Einzige der ihm noch versuchte Paroli zu bieten war der Dunkelstern. Aber auch dieser würde Stannis nicht mehr lange standhalten können, und dann hatte er den Thron für sich alleine. Die einzige Möglichkeit die ihnen blieb war einzugreifen, bevor Stannis den Thron endgültig für sich hatte. Und hier begannen die Probleme, denn sie schien hier neben Joffrey anscheinend die Einzige zu sein, die das so sah. Bei der heutigen Diskussion war Joffrey ihr auch keine wirkliche Hilfe gewesen, er sah so aus, als hätte er kein Auge zugetan und wirkte völlig apathisch. Was bei den sieben Höllen stimmte nur nicht mit ihm?
Nach einer weitern hitzigen Diskussion mit ihrem Vater hatte sich Joffrey wieder auf den Weg in sein Zimmer gemacht und Cersei angeschwiegen als sie ihn nach seinen Wohlbefinden gefragt hatte. Doch auch wenn er ihr momentan keine grosse Hilfe war, sie hatte nicht vor, den Thron einfach so aufzugeben.

Arya
Das gefiel ihr nicht... Das gefiel ihr ganz und gar nicht. Mit besorgter Miene musterte sie den Reiter, der nun schon eine ganze Strecke weit entfernt war. Er hatte keineswegs wie ein Flüchtling ausgesehen, trug aber auch kein Wappen. Sein Ziel schien er sehr genau zu kennen und Arya vermutete stark, dass es sich um einen Späher handelte.
„Können wir los?" Sie wandte ihren Blick von dem immer kleiner werdenden Punkt ab und Jaqen zu. Dieser hatte sich alle Mühe damit gegeben, das Zelt und die wenigen Nahrungsmittel sie sie noch besassen so zu verschnüren, dass man praktisch sie und ohne grosse Probleme mit sich nehmen konnte.

Dabei waren sie nicht darum herum gekommen, eine der beiden verbliebenen brauchbaren Decken zurück zu lassen. Die wenigen Nahrungsmittel die sie noch besassen brauchten sie alle und das Zelt konnte sie am ehesten vor der beissenden Kälte schützen. Jetzt da sie Sōna dabei hatten, konnten sie es sich nicht mehr leisten unter dem freien Sternenhimmel zu übernachten.
Viel getaugt hätte die Decke ohnehin nicht mehr, sie hatten von den wenigen nicht verschmutzen stellen ständig irgendwelche Stücke herausschneiden müssen um eine provisorische Windel für Sōna herzustellen.
Sie mit den Lebensmitteln, den Fellen und Sōna, Jaqen mit dem Zelt und der verbliebenen Decke beladen gingen langsam los. Dabei hielten sie sich ostwärts um den Schwarzwasser so früh wie nur irgend möglich zu erreichen. Das nahe gelegene Dorf war nun nicht mehr ihr Ziel. Westeros war ein einziges Kriegsgebiet und jetzt, da Sōna geboren war wollten sie dieses so schnell wie möglich verlassen.

Wie zu erwarten ging es nur sehr langsam voran und sie mussten einige Pausen mehr einlegen.

Mit zielstrebigen Schritten ging sie nach draussen. Diesmal befand sie sich im Körper eines Wachmannes, nicht in Joffreys. Für ihren Plan reichte der Wachmann vorerst völlig aus, sollte Joffrey sich doch noch ein wenig in Sicherheit wiegen.
Der Wachmann war nicht gerade der hellste und es war nicht sonderlich schwer gewesen, seinen Körper einigermassen unter ihre Kontrolle zu bringen. Sie musste hier ja auch nichts Aussergewöhnliches vollbringen, vorerst wollte sie sich nur umsehen.
Joffreys Zimmer befand sich in einem gut bewachten Turm von Casterystein, für Aryas Vorhaben war das ideal. Die Scharfen Kanten der Felsen unter dem Turm liessen keinen Zweifel daran, dass Joffrey einen Sturz nicht überleben würde. Um herauszufinden wie hoch sein Zimmer genau gelegen war, musste sie nun aber doch direkt in seinen Körper schlüpfen und tat etwas, das sie zuvor noch nie getan hatte: Sie schickte ihren Geist von einem Körper in den anderen ohne vorher in ihrem eigenen gewesen zu sein.

Hier musste sich Arya augenblicklich an die neuen „Bedingungen" gewöhnen. Wenigstens traf sie ihn wieder alleine vor.
Anstatt dem Messer an seinem aufgehängten Schwertgürtel irgendwelche Beachtung zu schenken, ging sie direkt zum Fenster und blickte in die tiefschwarze Nacht hinaus. Es war sehr schwer zu erkennen, in welcher Tiefe genau sich die Felsen befanden. Glücklicherweise brach just in diesem Moment ein Teil der dicken Wolkendecke auf und liess einen kleinen Teil des fahlen Mondlichtes auf die Umgebung, und somit auch auf die Felsen fallen. Das Problem war nur, das Arya bemerkte, wie tief dieses Zimmer hier lag. Sicher, der Turm an sich war ziemlich hoch, doch mit einem Sprung auf diesem Fenster hätte er sich höchstens das Bein gebrochen. Irgendwie musste sie den Turm ausspionieren. Doch vor der Tür standen zweifellos Wachen, ausserdem spürte sie, wie sie wieder in ihren Körper zurückgezogen wurde.

Es war nicht ruhig, wie sie erst erwartet hatte. Sōna schrie- nett ausgedrückt- etwas laut und Arya wusste, was zu tun war. Müde setzte sie sich auf und nahm den Säugling aus Jaqens Armen. Dieser sah sie mit einem entschuldigenden Blick an.
„Macht nichts", sagte sie während sie der Kleinen die Brust gab, „ich habe sowieso nicht geschlafen."
„Joffrey…" Obwohl sie wusste wie sehr Jaqen die Frage ‚Wie lange' auf der Zunge brannte, stellte er sie nicht. Und sie war ihm dankbar dafür. Denn selbst jetzt wo sie einen genauen Plan hatte, wusste sie nicht, was noch alles zu Verzögerungen führen konnte. Sie wusste auch noch nicht, wie viele Wachen sich genau in Joffreys Nähe befanden. Doch sie kam in guten Schritten voran und früher oder später würde sie ihn kriegen, die Frage war nur wann…
Heute Nacht würde sie zumindest eindeutige nicht mehr versuchen in irgendwelche anderen Körper zu gelangen, es war ein Fehler gewesen gleich in zwei Körper hintereinander zu schlüpfen. Alles drehte sich und sie war froh als Sōna fertig getrunken hatte, schnell reichte sie sie wieder Jaqen und war eingeschlafen, bevor ihr Kopf auf der Decke zum liegen kam.

Jaqen
„Es gibt soviel ich weiss noch ein wenig nördlicher von hier eine Anlegestelle, von der aus wir den Schwarzwasser überqueren können. Ich schätze mal, wir benötigen etwa…" Erst jetzt bemerkte er, dass sie schon längst schlief. Dabei hatte sie sich doch gerade erst hingelegt… Durch die Geburt, den Blutverlust und das darauffolgende Fieber war sie natürlich immer noch geschwächt, doch im Moment machte er sich viel eher Sorgen darüber, was dieses ewige Wechseln zwischen den Körpern anrichten konnte.

Währenddessen in Königsmund…

Doran Martell
Wenn das hier so weiter ging würde ihn nicht seine Gicht, sondern dieser verfluchte Krieg umbringen. Seit fast einem Jahr waren sie nun schon hier und seine Berater rieten ihm immer und immer wieder, nach Sonspeer zurück zu kehren.
Vielleicht täuschte ihn ja sein Instinkt dieses eine Mal, doch er konnte nicht glauben, dass die Lannisters einfach so aufgaben. Wenigstens hatten sie durch die Befreiungsaktion viele verloren geglaubte Kämpfer und Spioniere zurückerlangt. So weit er wusste hatten die Rebellen es dann trotz ihrer Wut unterlassen dem Wachmann und seiner Frau zu folgen, wenn nicht, war es nicht sein Problem. Er hatte seinen Teil der Abmachung eingehalten.

Im Moment ging es hier einigermassen „friedlich" zu, Stannis hatte den Thron für sich beansprucht und da es im Moment keine Streitmacht gab die ihm standhalten konnte (was zweifellos mit dieser zwielichtigen Feuerpriesterin zu tun hatte) hielten sich die Kämpfe in Grenzen. Die Dornischen lagerten mit Stannis' Erlaubnis vor der Stadt und sie hatten ausgehandelt, dass Joffey, sollte er tatsächlich so töricht sein zurückkehren zu wollen, ihnen gehörte.
Wenn Doran dann nachts wie fast immer nicht einschlafen konnte, stellte er sich die verschiedenen Methoden vor, mit denen er Joffrey leiden lassen würde. Und da gab es so einige...