Ü/N: Ich möchte mich für die lange Pause entschuldigen… Leider haben meine Uni- und Arbeitsverpflichtungen der letzten Wochen und Monate so viel Zeit in Anspruch genommen, dass ich abends nur noch todmüde ins Bett fallen konnte. Ich hoffe, ihr seid mir nicht allzu böse und freut euch trotzdem über ein neues Kapitel.
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Disclaimer: Nichts gehört mir; Übersetzung aus dem Englischen (Original von coffeeonthepatio).
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Spracherwerbsbarrieren:
Einige offensichtliche Gründe für die Probleme, die beim L2 [Zweitsprach-] Erwerb aufkommen, stehen im Zusammenhang mit der Tatsache, dass die meisten Menschen versuchen, eine weitere Sprache im Jugend- oder Erwachsenenalter zu lernen – in wenigen Stunden in jeder Schulwoche (vielmehr als durch konstante Interaktion, die von einem Kind erlebt wird) mit einer Menge anderer Beschäftigungen (das Kind hat wenig Anderes zu tun), und mit einer bereits gelernten Sprache, die für die meisten ihrer täglichen kommunikativen Bedürfnisse zur Verfügung steht. Einige unwahrscheinlichere Gründe beinhalten den Vorschlag, dass die Zungen von Erwachsenen durch das Sprechen eines Sprachtyps (z.B. Englisch) ‚steif werden' und einfach nicht mit den neuen Lauten einer anderen Sprache (z.B. Französisch oder Japanisch) umgehen können. Es ist eine nette Idee, doch es gibt keine physischen Beweise, die dies unterstützen.
(nach Yule, 1985)
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Ihr Notizenstapel war seit Weihnachten exponentiell gewachsen. Sie hatte durch all diese Tage durchgearbeitet – durch Weihnachten, durch Neujahr, durch die Woche danach, durch diese Woche. Wann immer sie nicht ihre letzten sechs Jahre Bildung in Hogwarts durchging, arbeitete sie an ihrer Liste von Verdächtigen, arbeitete daran, Severus Snapes Publikationen durchzugehen.
Dieser Mann war – einfach ausgedrückt – brilliant.
Der vernünftige Teil ihres Gehirns hatte sie seit dem zweiten Weihnachtsfeiertag ausgeschimpft – und schimpfte sie immer noch aus –, weil sie eine Schwärmerei entwickelt hatte, von dem sie wusste, dass sie idiotisch und unrealistisch war. Und der vernünftige Teil ihres Gehirns war groß. Dennoch, einige seiner Publikationen – sie konnte ihn diese Worte sagen hören mit dieser Stimme von ihm, sie konnte sich vorstellen, wie er da stand mit seinen vor der Brust verschränkten Armen in einer Lederjacke und blauen Jeans und ihr mit dieser Stimme und mit Geduld erklärte, wovon alle seine Texte handelten (was idiotisch war, da er kein geduldiger Mann war, und der vernünftige Teil ihres Gehirns wusste das).
Mehr als zwei Wochen waren seit Weihnachten vergangen. Mehr als zwei Wochen, in denen der unvernünftige Teil ihres Gehirns (ein winziger) ihn dargestellt hatte. Sich ihn vorgestellt hatte. Taggeträumt hatte.
Es war idiotisch und sie wusste es, doch andererseits wusste sie, dass es nichts machte. Sie wusste, es würde nie jemals etwas daraus werden. Sie wusste, dass ihre Tagträume, die kleinen Szenarien, die sie sich in ihrem Kopf vorstellte, wenn sie nicht schlafen konnte und mit ihrem Kissen kuschelte, ihr nicht schadeten und ihm nicht schadeten. Es war nur eine kleine Fantasie, die sie sich in ihrem Kopf zusammengesponnen hatte, und sie wusste, dass das alles war. Nicht mehr, nicht weniger.
Und dennoch – es war schön vorzugeben, dass er da war, ihr beim Lernen für ihre Zaubertränke UTZ-Prüfung half. Zu denken, dass jemand anderes als Harry sie vielleicht umarmen wollte. Nicht, dass der echte Snape dies wollen würde (oder viele andere Leute), doch der Severus in ihrem Kopf würde es. Der Severus in ihrem Kopf würde sie die Nacht hindurch halten wollen, wenn die Albträume sie erfassten, und er würde ihre still vergossenen Tränen abwischen, der Severus in ihrem Kopf würde sie küssen, bis alles besser war, und würde ihr sagen, dass er sie liebte und dass…
„Schwachsinn," sagte sie sich selbst an diesem trostlosen Januarmorgen. Der Severus in ihrem Kopf existierte nicht. Er war ein Hirngespinst. Sie wusste es. Sie wusste, es war vermutlich sogar etwas ungesund, sich einen Severus in ihrem Kopf zu bauen. Aber sie fühlte, irgendwo in ihrem Bauch, dass sie das Severus-Hirngespinst in ihrem Kopf brauchte, um jeden Abend einzuschlafen.
Hermine Granger schob ihre Zaubertränkenotizen so weit es ging von sich weg und zog das Zauberkunstbuch näher zu sich. Vielleicht würde sie irgendwo zur Uni gehen und ihren Abschluss in Zauberkunst machen. Oder vielleicht etwas ganz anderes machen.
Frisörin. Sie könnte immer noch versuchen, Frisörin zu werden. Vielleicht würde es ihr mit ihrer eigenen Mähne helfen. Sie würde der Sache nachgehen. Definitiv. Vielleicht auch nicht.
An diesem kalten, trostlosen Januarmorgen, als Schneeregen vom grauen Londoner Himmel fiel, vergrub Hermine ihren Kopf in ihren Händen und dachte, zum millionsten Mal, über ihre Zukunft nach.
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Draco Malfoy war zwei Dinge: frustriert und glücklich. Beides zugleich. Frustriert, da er sich seit Weihnachten wie von einem Falken beobachtet gefühlt hatte. Von Eleanor beobachtet zu werden, war schrecklich. Er hatte nie mehr als eine oder zwei Minuten alleine mit Aideen, egal wie sehr sie sich bemühten. Und nachts konnte er sein Zimmer verlassen, doch Aideens war abgeschlossen. Keine Gelegenheit, sie alleine zu sehen, keine Gelegenheit zu reden oder etwa ihre Hand zu halten. Nichts. Daher war er glücklich, dass sie wieder zur Uni ging. Er musste nur den 216 Bus nehmen. Dann ein wenig laufen. Er musste seinen Patenonkel nach dem Weg fragen, da er nun den fast gleichen Weg hatte. Naja, von diesem Morgen an. Offenbar musste er dort nur drei Mal die Woche hin und es konnte nicht so schwer sein, einen Bus zu nehmen oder, sobald er erst einmal wusste, wohin er genau gehen musste, konnte er sogar apparieren. Und sobald er dort bei ihr war, konnte er mit ihr reden, sie kennenlernen ohne dass ihre Großmutter danebenstand.
So sehr er Mrs Callaghan auch mochte – und das tat er wirklich – diese fast drei Wochen seit Weihnachten hatten nichts dazu beigetragen, dass sie sich beliebter bei ihm machte. Naja, sie hatte ihn nicht wie einen Straßenköter behandelt, der ihre reinrassige Hündin jagte, doch sie hatte sie beide sehr genau im Auge behalten, hatte dafür gesorgt, dass einer von ihnen immer etwas zu tun hatte. Und das war – nervenaufreibend.
Er hatte versucht, es von ihrem Standpunkt aus zu sehen, hatte versucht zu sehen, dass sie um Aideens Tugendhaftigkeit Angst hatte, aber was dachte sie, wer er war? Jemand, der alles in Sichtweite vögelte? Naja – er würde ihr einfach beweisen müssen, dass er Aideens würdig war. Wenn es an der Zeit war.
Und vorerst freute er sich wirklich darauf, dass sein Patenonkel ihm die Universität zeigen würde. Und dass er vielleicht anfangen würde zu arbeiten. Er brauchte Geld und er musste seine Unterlagen fälschen, bevor er selbst anfangen konnte zu studieren.
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Severus beäugte sich kritisch im Spiegel. Eleanor hatte ihm gesagt, dass er eine Krawatte (die ihrem verstorbenen Ehemann gehört hatte) und ein Jackett (das Stephen gehört hatte) tragen solle. Aideen hatte gesagt, er solle Jeans und ein Hemd oder einen Pulli und die Lederjacke tragen. Aideen war diejenige, die zur Uni ging, und nicht Eleanor – und aus diesem Grunde hatte er die Jeans und einen schwarzen Pulli aus dem Schrank gezogen und diese angezogen. Bisher war er ziemlich erfolgreich damit gewesen, alle Gedanken an diese Universität beiseitezuschieben. Er wollte sich nicht vorstellen, wie er aussah, wenn er in einen Klassenraum stolperte. Als Student.
Bisher war er damit beschäftigt gewesen, Eleanor dabei zu helfen, Draco und Aideen auseinanderzuhalten. Nicht dass er dachte, es würde zu Babys (oder einem Baby) führen, wenn sie zehn Minuten lang zusammen alleine gelassen wurden (und er vertraute darauf, dass Draco non-verbale Verhütungszauber kannte), doch er respektierte Eleanor und ihren Wunsch, die Tugend ihrer Enkelin nicht in ihrem Haus zu gefährden. Er spielte mit – und er wusste, Draco war glücklich mit ihr zusammen zu sein, eine Art Normalität in einer Familie zu spüren, aufeinander aufzupassen jetzt wo er seit der Verfluchung Eleanors nicht mit seinem Vater oder seiner Mutter gesprochen hatte. Es waren Eulen gekommen. Er hatte sie gesehen. Und er hatte gesehen, wie Draco sie ignorierte. Einmal hatte er gesehen, wie Draco versuchte, eine Eule zu verhexen.
Er hatte – nichts gesagt. Er hatte die Aktion des Ministeriums, die Narkotisierung seines Patensohns – nicht kommentiert. Er hatte sich seinen Teil gedacht. Nicht mehr, nicht weniger. Nicht dass er nicht versucht gewesen war, sich irgendeine Art von Muggel-Zerstörungsmittel zu besorgen und was auch immer dem Ministerium hinzuzufügen. Eine Bombe vermutlich. Muggel hatten ihre Wege und für diese brauchten sie keinen Zauberstab.
Er würde auch keinen brauchen.
Doch zumindest, dachte er, als er das Haus verließ und es abschloss, hatte Lucius sich nicht mehr blicken lassen. Nicht dass irgendjemand wusste, wer ihn mit dem Imperius belegt hatte, zumindest wusste er das nicht. Und es kümmerte ihn wirklich nicht. Er hatte einige wenige in Verdacht – hatte darüber nachgedacht, als er nicht schlafen konnte – doch er würde nichts unternehmen. Er würde dem Ministerium nichts sagen. Und warum sollte er? Das Ministerium hatte nie irgendetwas für ihn getan. Wie du mir, so ich dir. Man konnte – wie er vor einer Weile gedacht hatte – den Mann aus einem Slytherin herausbekommen, aber man konnte nicht den Slytherin aus einem Mann herausbekommen.
Er lief langsam in Richtung der Bushaltestelle, die Ledertasche, in die Draco das Geld getan hatte, unter seinem Arm. Er wusste, was er tun musste. Aideen und Eleanor hatten ihm den Weg gezeigt. Er hatte sich das Gebäude zwei Tage nach Neujahr angeguckt.
Nein, er war kein Feigling – doch diese Situation, sie war so neu, sie war so seltsam. So viele Jahre lang war er Lehrer gewesen – und dann, auf einmal, würde er wieder auf der anderen Seite sitzen? Andererseits wollte er unbedingt mehr über Linguistik wissen. Herausfinden, was genau in all den Büchern stand, die Stephen ihm, wie versprochen, schicken wollte – und geschickt hatte. Überraschenderweise. Sein Bücherregal war nun halbvoll. Bücher, die er von Eleanors Familie zu Weihnachten bekommen hatte. Geschenke, die er mit größerem Erstaunen, als er es jemals an irgendeinem Weihnachtsfest gefühlt hatte, ausgepackt hatte. Romane. Klassiker. Alles. Diese Familie hatte ihm Geschenke gemacht.
Keine Zeit, darüber nachzudenken. Jetzt war es an der Zeit, diesen Bus zu nehmen. Jetzt war es an der Zeit, sich mental auf die kommenden Stunden vorzubereiten.
Semantik bei Professor Deveney. Wer auch immer er war. Sie war. Er würde schon sehen.
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