„kratzt sich ganz nervös an ihrem Siebhirnigen Kopf" Äh… also ja, ich hatte irgendwie so dieses Kapitel auf meinem Rechner und dachte eigentlich, ich HÄTTE es schon veröffentlich und ööh da lief wohl was schief mit meiner Organisation und ääh…. Entschuldigung! „duckt sich" Büdde nüsch hauen „g"

Jedenfalls hier ist Kap 24, Kap 25 geht die nächsten Tage zur Betaleserin (muss selbst noch mal drüber schauen), Kap 26 ist angefangen, der Frühling ist da und Schreibblockade weg „gg"

Ich hoffe, ihr lest trotzdem noch alle weiter, auch wenn ich euch so lange warten ließ. Vielen Dank für die tollen Reviews an alle und nun ohne weitere Umschweife Kapitel 24…

Viel Spaß!

Kapitel 24

What a wicked game you play

To make me feel this way

What a wicked thing to do

To let me dream of you

Die Tage im nördlichen Waldlager rannen dahin und der Urui brach an, sonnig und warm wie schon die Wochen zuvor, bis auf das heftige Gewitter, das nun bereits zwölf Tage zurücklag. Doch keine Wolke trübte den leuchtend blauen Himmel und auch über dem Nebelgebirge, dessen Gipfel selbst im Sommer noch mit Schnee bedeckt waren, war der Himmel klar.

Auch wenn die rätselhafte Bedrohung durch die Orks noch immer das Leben im Waldlager bedrückte, so hatte Legolas diese schon fast vergessen. Die letzten Tage hatte er damit verbracht, all jenes nachzuholen, das er nicht im Stande zu tun gewesen war, solange sein Körper sich noch nicht vollständig von den Verletzungen erholt hatte. Auch jetzt spürte er bei bestimmten Bewegungen noch die Wunde in seiner Brust, doch wurden diese Momente mit jedem Tag weniger. Bald schon würde auch die Narbe verblassen und eines Tages verschwunden sein. Seit vier Tagen ritt er wieder, doch man wollte ihm nicht gestatten, mit Gîl-Farod in die Wälder hineinzureiten, und so musste er sich auf den Übungsplatz und die umliegenden Pfade beschränken, wo er jeden Morgen einige Runden ritt, um seinen Hengst regelmäßig zu bewegen. Nach dem Frühstück ging er meist in den Stall zurück, um seinen Dienst dort zu verrichten, auch wenn niemand ihn dazu angehalten hatte. Doch diese Arbeit verschaffte ihm Kurzweil und zudem das Gefühl, nicht gänzlich nutzlos zu sein. Manchmal schämte er sich noch dafür, dass er so unüberlegt davongelaufen war und die übrigen Wächter dadurch in Sorge versetzt hatte. Er hatte fast erwartet, sie würden wütend auf ihn sein, doch die meisten schienen nur dankbar, dass er noch am Leben war. Allen voran Haldir.

Als er vor einigen Tagen zufällig auf ihn und Rumil gestoßen war, hatte er das Ende ihres Gespräches gehört, und seitdem kreisten seine Gedanken immer wieder um die Worte, die der Galadhrim gesprochen hatte. Er liebte ihn also, auch nachdem Legolas ihm gesagt hatte, dass er nur an einer Freundschaft interessiert war. Ein Teil von Legolas wünschte sich, Haldir könnte darüber hinwegkommen, denn das Leid in seiner Stimme war vor Legolas nicht gänzlich verborgen geblieben. Doch ein anderer Teil von ihm fühlte sich eigenartig berührt, fast stolz, dass Haldir diese Gefühle für ihn hegte, dass er es wert war, geliebt zu werden. Es war selbstsüchtig von ihm, sich an diesem Wissen zu erfreuen, doch gänzlich abwenden vermochte er es ist.

Und oft musste er an Glorfindels Worte denken. Es ist immer schön, wenn jemand dich liebt… Doch auch das Geständnis des älteren Elben hatte Legolas überrascht, hätte er doch nie gedacht, dass Glorfindel ebenfalls diese Art der Liebe gefunden hatte. Vielleicht war es weiter verbreitet, als er zunächst angenommen hatte, vielleicht gab es auch in seiner Heimat Elben, die eher dem eigenen Geschlecht zugetan waren statt dem anderen, und Legolas fragte sich, wer diese Elben sein mochten. Einer seiner unverheirateten Freunde? Einer der vielen Berater seines Vaters? Doch warum war er über hundert Jahre lang nie einer solchen Verbindung ansichtig geworden? Sobald ein Elb und eine Elbenmaid zueinander fanden und eine Verbindung eingingen, wurde dies meist schnell bekannt, und man freute sich für die Frischverliebten, doch vermutlich fürchteten die anderen, man würde für ihre Liebe kein Verständnis aufbringen, ihnen mit demselben Misstrauen begegnen, das auch Legolas Haldir anfänglich entgegengebracht hatte.

Er hätte gerne noch einmal mit Glorfindel darüber gesprochen, doch dieser war gemeinsam mit den Zwillingen nach Caras Galadhon zurückgekehrt, um dort vor ihrer Abreise noch einige Tage mit Galadriel und Celeborn zu verbringen. Auch Legolas hätte zurück in die Elbenstadt gehen können, sobald er in der Lage war, diese Reise zu Fuß anzutreten, da er dort unter dem Einfluss Galadriels sicherlich noch schneller genesen wäre, doch Legolas fühlte, dass sein Platz hier im Lager war, bei den Elben, die seine Freunde geworden waren.

Am Morgen des zwölften Tags nach dem Unwetter brach Legolas gemeinsam mit Haldir, Rumil und Edlothion zu einem der kleinen Bäche auf, um dort nach Forellen zu fischen. Die Stelle, die sich hierzu besonders gut eignete, lag nordwestlich des Lagers, etwa einen zweistündigen Fußmarsch entfernt. Legolas freute sich auf diesen kleinen Ausflug, da er bereits zu Hause in Düsterwald gerne gefischt hatte, doch umso mehr wunderte es ihn, dass die drei Galadhrim keine Angelruten mitnahmen. Stattdessen trug Edlothion ein zusammengelegtes Netz aus einem eigenartig dünnen Material.

Als er danach gefragt hatte, hatten die drei anderen nur verschmitzt Blicke ausgetauscht und ihm gesagt, er würde sehen, wie man in Lorien auf Forellenfang ging.

Als sie den Bach erreichten, machten sie an einer Stelle Halt, an der das Wasser weniger schnell floss und das Bett des Laufs sich in einer flachen Senke verbreitert hatte.

„Hier werden wir mit etwas Glück einen guten Fang machen", sagte Haldir, während Edlothion das große Netz auseinanderfaltete. „Es gibt hier besonders viele Flusskrebse, Wasserasseln und Mücken, von denen sich die Fische ernähren. Und da das Wasser hier flacher und damit wärmer ist, sind sie träger und lassen sich leichter fangen."

Etwas skeptisch schaute Legolas auf das Netz, dessen Maschen aus einem dünnen, silbrig glänzenden Material bestanden, das viel zu zart und kostbar wirkte, um zum Fischfang zu dienen.

„Hithlain", sagte Haldir. „Es wird aus den Fasern eines besonderen Gewächses gemacht, das nur hier in Lorien gedeiht. Wir machen auch Seile und Leitern daraus, doch ist dieser Stoff kostbar und seine Herstellung zeitaufwendig, so dass wir im Lager normale Seile verwenden und du dieses Material noch nicht zu Gesicht bekommen hast."

Edlothion nickte. „Es ist eine hohe Kunst, es zu verarbeiten, denn unsere Seile und Netze haben ganz besondere Eigenschaften, die man mit anderem Gewebe nicht erzeugen kann."

„Und warum benutzt ihr keine Angeln?" fragte Legolas, der sich immer noch nicht ganz vorstellen konnte, wie man Bachforellen mit Netzen fangen sollte.

„Weil dies hier um einiges effektiver ist", antwortete Rumil nun, während er Edlothion zur Hand ging. Auch Legolas trat näher und nahm ein Stück des Netzes in die Hand. Das Material fühlte sich seidig weich unter seinen Fingern an und schien so leicht, dass es nicht den Eindruck erweckte, besonders stabil zu sein.

In der Zwischenzeit hatte Haldir ein weiteres Seil aus seiner Tasche hervorgeholt, das ebenfalls aus Hithlain zu bestehen schien. Ein Ende des Seiles wand er um den Stamm eines Baumes, der direkt am Ufer des Baches stand. Legolas konnte sehen, wie sich das Seil zunächst dehnte, bevor es festgezogen wurde und ohne einen aufwendigen Knoten am Stamm hielt. Nun hob Haldir das andere, teilweise noch zusammengerollte Ende über seinen Kopf und begann es zu schleudern, bevor er es mit Schwung von sich warf. An der anderen Seite des Baches wand es sich um einen weiteren Baum, schlang sich einige Male um den Stamm und zurrte sich wie von selbst fest. Erstaunt beobachtete Legolas, wie Haldir nun einen Fuß auf das Seil setzte, als wollte er auf ihm gehen.

„Aber es wird nachgeben und du wirst ins Wasser fallen", sagte er, was spontanes Gelächter bei den anderen Elben auslöste.

„Nein, das werde ich nicht", sagte Haldir nur und trat auf das Seil, das sich unter seinem Gewicht nicht einmal zu bewegen schien. Sicher lief er darüber auf die andere Seite des Baches, als wäre es eine massive Brücke und kein dünner Faden, der ihm als Übergang diente.
Erstaunt und mit geöffnetem Mund blickte Legolas zu dem Galadhrim herüber, der ihn schmunzelnd ansah.

„Hithlain ist sehr dehnfähig, solange kein Zug darauf lastet, doch sobald es gespannt wird, wird es fest und zieht sich zusammen, so dass es nicht mehr nachgeben kann."

„Wie ich sagte, ist es eine hohe Kunst, Seile dieser Art herzustellen", wiederholte Edlothion schmunzelnd und nahm nun das Netz auf. An dessen Enden hatte es statt weiteren Maschen einen langen Abschnitt Seil, und der dunkelhaarige Elb wickelte dieses einmal locker um das bereits gespannte, behielt das längere Ende in der Hand und balancierte ebenfalls zur anderen Seite des Baches. In der Zwischenzeit hatte Rumil das andere Stück Seil am Ende des als Brücke dienenden befestigt und hielt es, während Edlothion nun an ihrem Ende zogen, so dass das Netz sich entlang des Brückenseils durch den Bach zog und spannte. Statt dass die dünnen Fasern auf dem Wasser schwammen, wie Legolas es erwartet hatte, sanken sie zu Boden und bildeten eine Wand. Doch es war kein durchgängiges Netz, sondern eher viele kleine Abschnitte von Netzen, dessen Sinn der Düsterwaldelb noch weniger begriff als die Funktionsweise des Hithlain.

„Aber ihr habt die Köder am Netz vergessen", meinte er schließlich und wieder wurde diese Aussage mit Gelächter quittiert, diesmal jedoch allein von Rumil, da Haldir und Edlothion sich bereits am anderen Ufer des Baches niedergelassen hatten und über etwas sprachen, das Legolas von seinem Standpunkt aus nicht hören konnte.

„Wir brauchen keine Köder", erklärte Rumil. „Das Hithlain schimmert unter Wasser in allen Regenbogenfarben, wenn sich das Licht an seiner Oberfläche bricht, und so glauben die Forellen, dort befinden sich Krebse und Larven. Sobald sie das Netz berühren, entsteht Spannung und die zuvor losen Maschen ziehen sich zusammen und fangen die Fische wie in einem Köcher."

Erstaunt sah Legolas den anderen Elben an, zuckte dann jedoch mit den Achseln und richtete den Blick auf das leise plätschernde Wasser. „Und was tun wir nun?"

„Warten", antwortete Rumil lächelnd und setzte sich neben den Baum ins Gras. Legolas tat es ihm gleich und sah gespannt zu dem Netz, sehr neugierig, wie es funktionieren würde.

„Doch wir sollten nicht allzu laut sprechen", fuhr Rumil mit etwas gedämpftem Ton fort, „um die Forellen nicht zu verschrecken."

Legolas nickte stumm und sah von Zeit zu Zeit zu Haldir und Edlothion herüber, die sich noch immer leise unterhielten, ab und an lächelten und sich zunickten. Er fragte sich, worüber sie sprachen.

„Hast du in Düsterwald auch Fische gefangen?" fragte Rumil dann.

„Ja, aber bisher nur mit Angelruten. Ich habe es schon als kleiner Junge geliebt, gemeinsam mit meinem Vater angeln zu gehen."

Ein leicht überraschtes Lächeln legte sich auf Rumils Lippen. „Oh, der König höchstpersönlich geht auf Fischfang?"

„Natürlich", antwortete Legolas. „Er jagt auch gerne und ist sogar sehr geschickt darin. Leider hatte er nicht allzu viel Zeit in den letzten Jahren."

Schmunzelnd schüttelte Rumil den Kopf. „Wenn ich versuche, mir Celeborn bei der Jagd vorzustellen, erscheint es mir unmöglich, auch wenn er sicherlich wie jeder andere dazu in der Lage ist. Ich könnte ihn ja einmal auf die Jagd einladen, wenn ich das nächste Mal in Caras Galadhon bin", scherzte er und lachte leise, darauf bedacht, seine Stimme nicht lauter als ein Flüstern werden zu lassen.

„Wann gehst du das nächste Mal dorthin?" wollte Legolas wissen. Er konnte sich vorstellen, dass Rumil Niphredil sicherlich vermisste.

„Ich hoffe, dass ich in ein paar Tagen gehen kann. Ich würde Niphredil nur zu gerne wieder sehen, da ich manchmal fürchte, sie könnte es sich anders überlegt haben, wenn ich mir zuviel Zeit lasse, auch wenn dies unwahrscheinlich erscheint." Der verliebte Elb seufzte leise und ihm war anzusehen, dass er wirklich große Sehnsucht nach seiner Liebsten hatte.

„Ich muss gestehen, es hat mich ein wenig überrascht, dass ihr so schnell zueinander gefunden habt, wo doch… nun ja, Niphredil ist an mir interessiert gewesen." Legolas senkte den Blick und spürte eine leichte Röte auf den Wangen, da er hoffte, Rumil würde seine Worte nicht als Zeichen der Enttäuschung deuten.

„Das war sie, ja, so wie ich einst an Ithiliel interessiert gewesen bin", antwortete er. „Wir haben viel miteinander gesprochen, auch über dich und Ithiliel, und letztendlich kamen wir zu dem Schluss, dass wir beide einer Illusion hinterher gelaufen sind. Wir hatten uns in einen Gedanken verrannt, ohne dass es einen wirklichen Grund dafür gab, waren eher verliebt in unsere Träume als wirklich in die Personen, die wir zu lieben glaubten. Doch bei diesen Gesprächen bemerkten wir irgendwann, dass wir mehr gemeinsam hatten, als wir je geglaubt hätten."

„Aber es waren doch sicherlich nicht nur diese Gemeinsamkeiten, oder?" wollte Legolas wissen.

Rumil schüttelte den Kopf. „Nein, natürlich nicht, denn dies würde nicht ausreichen, sich zu verlieben. Doch während wir so viel Zeit miteinander verbrachten, bemerkte ich, wie liebreizend Niphredil wirklich ist. Sie ist gütig und warmherzig und ehrlich an mir interessiert. Sie wollte wissen, was meine Wünsche und Träume sind, mich kennen lernen, wie ich wirklich bin, und auch ich stellte zum ersten Mal fest, dass der äußere Schein längst nicht das wichtigste ist. Natürlich ist auch Niphredil wunderschön, und mit jedem Tag, wird sie in meinen Augen schöner, bis Ithilien daneben völlig verblasst. Manchmal ist das, was du dir wirklich wünschst, die ganze Zeit vor deinen Augen, und du bist nur zu blind, es zu sehen." Ein glückliches Lächeln hatte sich auf Rumils Zügen gebildet, und er blickte verträumt aus strahlenden Augen vor sich hin, die von seinem Glück zeugten.

Legolas dachte einige Zeit über die Worte Rumils nach, spielte gedankenverloren mit einem Grashalm und fragte sich, ob auch ihm ein solcher Irrtum unterlaufen war. Wie viele andere war auch er der Schönheit von Ithiliel verfallen, hatte sich von ihrer atemberaubenden Anmut hinreißen lassen und sie begehrt, wie noch niemanden zuvor. Doch es war nur ihre Hülle gewesen, ihr Äußeres, ihre schönen, klaren Augen, das dunkle, seidige Haar, das Lächeln… doch nicht ihr Wesen, ihre Seele. Diese kannte er nicht einmal, und wenn er sich ihre Begegnungen noch einmal ins Gedächtnis rief, so musste er sich eingestehen, dass sie nicht einmal sonderlich freundlich gewesen war.

Unbewusst hatte er in Haldirs Richtung gesehen und bemerkte es erst, als dieser ihn fragend anblickte, jedoch mit einem Lächeln auf den Lippen, kurz nickend, bevor er sich wieder Edlothion zuwandte und weiter über irgendetwas zu diskutieren schien.

„Wer weiß, vielleicht könnten Haldir und Edlothion auch noch einmal zueinander finden", meinte Rumil plötzlich, als habe er Legolas' Blick bemerkt. „Es macht mich traurig, dass er nicht dasselbe Glück erfahren kann wie ich."

„Aber ich dachte, sie haben sich nie wirklich geliebt", wandte Legolas ein.

Rumil zuckte mit den Achseln. „Nun, das ist wohl wahr, aber vielleicht könnte sich dies noch ändern." Er seufzte leise und schüttelte den Kopf. „Für Haldir ist es schwer, jemanden zu finden, ich denke das weißt du ganz genau. Es gibt nun mal nicht viele, die so sind wie er."

Legolas nickte verstehend und sah wieder hinüber zu den beiden. Die Gedanken, die er schon zuvor gehabt hatte, gingen ihm wieder durch den Kopf, und er versuchte sich vorzustellen, wie schwierig es für jene beiden sein müsse.

Und nun schien es ihm fast nicht mehr zufällig, dass gerade diese beiden an der gegenüberliegenden Seite des Baches saßen, beide vom gleichen Schlag, während Legolas und Rumil hier nebeneinander saßen, nicht nur durch den Strom des Wassers von den anderen getrennt, sondern auch durch ihre Weise zu lieben. Doch war es wirklich so? War dieser Unterschied eine unüberwindbare Kluft oder würde es auch hierfür ein Seil geben, möge es auch noch so dünn sein, das beide miteinander verband und Unterschiede wie diesen unwichtig machte?

Als er so zwischen Haldir und Edlothion und seiner Seite des Baches hin und her sah, fiel sein Blick auf einige Fische, die fröhlich durch das Wasser schwammen, sich langsam dem Netz näherten, und in diesem Augenblick entsann er sich einer Geschichte, die er vor langer Zeit gehört hatte.

„Meine Mutter hat mir, als ich noch klein war, viele Geschichten erzählt", begann er, ohne dass das Gesagte einen direkten Zusammenhang zu ihrem vorigen Gesprächsthema hatte. Rumil blickte ihn interessiert an.

„Vielleicht passt sie ganz gut", erklärte er, woraufhin der ältere Elb nickte.

„Ich höre gerne Geschichten. Erzähle nur."

„Einst lebte in einem großen See ein Fischschwarm aus vielen kleinen blauen Fischen mit weißen Flecken. Und sie waren glücklich und wohlgenährt, da der See voller Kleintiere war und es keine größeren Fische gab, die sie fressen würden, doch unter ihnen war auch ein Fisch, der anders war als alle anderen. Statt einem blau-weißen Schuppenkleid war das seine leuchtend rot. Nun hätte man auch ihn als wunderschön bezeichnen können, doch die anderen Fische verspotteten ihn, da er nicht so war wie sie, und so war der kleine rote Fisch unglücklich, auch wenn ihm an nichts mangelte. So sehr er sich auch um die Freundschaft der anderen bemühte, wurde er immer wieder abgewiesen, da niemand mit einem roten Fisch befreundet sein wollte.

Eines Tages jedoch kam ein großer Hecht in den See und fraß viele der kleinen Fische, und so berieten sie sich und beschlossen dann schweren Herzens, dass sie ihre Heimat verlassen müssten. So schwammen sie aus dem See heraus in den Fluss und es war eine lange, beschwerliche Reise über Stromschnellen und Wasserfälle, bis sie endlich einen weiteren See erreichten, in dem sie bleiben konnten. Hier schien es keine Hechte oder andere große Fische zu geben, und so fühlten sie sich in Sicherheit. Doch in diesem See wohnten bereits andere Fische, und sie waren allesamt leuchtend rot wie der einsame, kleine Fisch. Schnell nahmen sie diesen auf, boten ihm ihre Freundschaft an, und endlich wurde der kleine Fisch geachtet und geliebt. Die blau-weißen Fische aber wurden von den roten gemieden und bald schon wurden auch sie verspottet, da die Roten in der Überzahl waren.

Und so waren die blau-weißen Fische unglücklich und dachten bereits darüber nach, weiter zu ziehen, doch der kleine rote Fisch hatte Mitleid mit ihnen, obwohl sie so unfreundlich zu ihm gewesen waren, und so sprach er zu den Roten und sagte, er wisse, wie die anderen sich fühlten, wenn sie verspottet würden und wünschte sich, dass beide Fischrassen Freunde würden, obwohl sie so unterschiedlich waren. Da waren die roten Fische beeindruckt von seiner Großherzigkeit und sahen ihren Fehler ein, und fortan schlossen die blau-weißen und die roten Fische Freundschaft und lebten gemeinsam in dem großen See.

Sie lernten voneinander und irgendwann vermischten sich die Rassen untereinander, und so gab es bald rote Fische mit blauen Flecken, weiße mit roten und viele Zwischentöne. Manche hatten sogar alle drei Farben in den verschiedensten Mustern. Und alle waren sie wunderschön und man freute sich und bewunderte neue Färbungen statt sie wie zuvor zu verschmähen. Der See wurde der schönste See von ganz Arda und niemand wagte es, in ihm zu angeln, da die Fische dort wie verzaubert schienen und ein jedes Herz mit Glück erwärmten, wenn es der wunderbaren Vielfalt ansichtig wurde. Und dort in dem See leben sie noch heute." Lächelnd endete Legolas die Geschichte und blickte Rumil erwartungsvoll an.

„Du hast mir soeben den Appetit auf Forelle verdorben, mein Freund", meinte dieser schmunzelnd, winkte dann jedoch ab. „Nein, es ist eine wirklich wunderschöne Geschichte, und ich wünschte, Elben und andere Völker Mittelerdes könnten auch ein wenig so leben, wie diese Fische. Es wäre doch um einiges schöner und einfacher."

Legolas nickte, doch war sein Blick gesenkt, seine Augenbrauen grübelnd zusammengezogen.

„Ich frage mich, warum ich mir früher nie Gedanken über diese Geschichte gemacht habe, über ihre Moral, denn sie soll uns lehren, andere zu respektieren, egal wie anders und fremd sie uns erscheinen mögen, egal ob es ihre Lebensweisen oder ihr Aussehen sind. Doch ich habe sie damals als schöne, kleine Geschichte verstanden über einen unglücklichen Fisch, für den es doch noch ein gutes Ende gab."

Rumil lachte leise. „Nun, manchmal dauert es länger, bis man den tieferen Sinn von etwas begreift. Was zählt ist, dass du es doch noch getan hast. Oh, und wo wir schon von Fischen sprechen, da sieh! Sie beißen an."

Legolas' Blick folgte Rumils ausgestrecktem Arm und er sah, wie das Wasser sich um das Netz herum stärker bewegte. Etwas schien an den Netzen zu ziehen, doch was genau unter der Oberfläche geschah, konnte Legolas nicht sehen.

Auch Haldir und Edlothion hatten die Ereignisse bemerkt und blickten gespannt auf das Netz. Es dauerte nicht mehr lange, bis jeder Teilabschnitt einen oder mehrere Fische gefangen hielt und so konnten Rumil und Legolas nun gemeinsam das Netz einholen, um den reichlichen Fang an Land zu bringen. Es waren genug Forellen, um das gesamte Waldlager damit an diesem Abend zu speisen.

Der Abend war schon weit vorangeschritten, die Nacht längst angebrochen, als Haldir zu seinem Zelt zurückkehrte. Nachdem Legolas in dem Zelt geblieben war, das zunächst als Krankenlager gedient hatte, schlief Haldir nun alleine in dem seinen.

Im Lager saßen die Männer, die nicht auf der nächtlichen Patrouille waren, noch am Feuer, wie so oft. Das Mahl diesen Abend war köstlich gewesen, denn die gefangenen Forellen hatten sich als besonders zart und schmackhaft erwiesen. Und so hatte man reichlich gespeist und anschließend noch frischen Met getrunken, der erst vor wenigen Tagen gereift war. Alles in Allem war es ein schöner Abend gewesen, heiter und ausgelassen, doch noch immer war die Gefahr durch die Orks nicht gebannt, und so konnten die Wächter die angenehme Stimmung nie vollends genießen. Doch allmählich schien die Angst vor weiteren Angriffen zu schwinden, da keiner der zahlreichen Streifzüge durch den nördlichen Waldabschnitt zu einem Ergebnis geführt hatte und man vermutete, dass die Orks nun doch weitergezogen waren.

Jedoch waren dies nicht die einzigen Gedanken, die Haldir an diesem Abend beschäftigten. Als sie am Morgen fischen gewesen waren, hatte er sich lange mit Edlothion unterhalten und aus dem Gespräch neuen Mut geschöpft. Obwohl seine beiden Brüder ihm Verständnis entgegenbrachten, war Edlothion doch der einzige, der ihn vollständig verstehen konnte. Er hatte ihm gesagt, sich in einen Mann zu verlieben, der bislang nur dem weiblichen Geschlecht zugetan war, brächte nur Schwierigkeiten mit sich, denn so sehr man es sich auch wünschte, so konnte man doch das Wesen einer Person nicht ändern. Und damit hatte Edlothion Recht gehabt, auch wenn Haldirs Verstand ihm dies schon lange gesagt hatte. Doch wie so oft ließen sich Herz und Verstand nicht vereinbaren und Wünsche, so unwahrscheinlich ihre Erfüllung auch war, konnten nicht von heute auf morgen verschwinden. Und selbst wenn man glaubte, sie überwunden zu haben, so schlummerten sie noch in den Tiefen der Seele, um immer wieder an die Oberfläche zu stoßen. Für die Liebe gab es kein Heilmittel, außer der Zeit. Doch wie man sah, gab es auch Gefühle, die alle Zeit zu überdauern schienen.

Wieder musste Haldir an Maedir denken, den er zu Anfang beinahe gehasst hatte, doch nun bemitleidete. Er fragte sich, wie es dem Heerführer damals ergangen war, was genau ihn und Galadriel verbunden hatte. War es genauso gewesen wie zwischen Haldir und Legolas? Und hatte Maedir damals, seine Wünsche und Gefühle ebenfalls nicht bekämpfen könnend, noch weiter gehofft und war deswegen stets an Galadriels Seite geblieben? Vielleicht hätte auch er seine Liebe überwinden können, wenn er ihr fern geblieben wäre, seinem Herz eine Möglichkeit gegeben hätte zu heilen. Doch stattdessen trug es nun tiefe Narben, und schöne Gefühle hatten sich ins Gegenteil gekehrt. Anstatt aber Galadriel zu hassen, richtete er seinen Zorn gegen all jene, die ihm unterlegen waren. Vielleicht waren dies die einzigen Situationen, in denen er sich wieder stark fühlte und daraus seine Kraft schöpfte. Er war in der Tat bemitleidenswert und nicht verabscheuungswürdig.

Am Morgen hatte Haldir auch mit Edlothion über Maedir gesprochen, und über seine Befürchtung, ihm könnte es genauso ergehen, doch der andere Elb hatte ihm gut zugesprochen und ihm Mut gemacht. Haldir würde nicht so werden wie Maedir. Er hatte Freunde und eine Familie, die ihm Halt gaben, während Maedir die seine hinter sich gelassen hatte, ja vielleicht sogar zugesehen hatte, wie sie starb, als Feanors Gefolgsleute ein Blutbad unter den Teleri angerichtet hatten. Vermutlich war Galadriel alles gewesen, das Maedir noch in seinem Leben hatte. Nein, Haldir würde nicht dasselbe Schicksal ereilen, so lange seine Brüder und treue Freunde wie Edlothion bei ihm waren.

Er hatte ihm den Rat gegeben, sich ein wenig von Legolas fernzuhaltenDoch dies erschien Haldir noch unmöglich. Vermutlich bildete er sich dies nur ein, doch glaubte er, er fühlte sich besser, wenn er sich zumindest in Legolas' Gegenwart befand, auf ihre Freundschaft vertrauen konnte.

‚Ihr seid keine Freunde. Ihr werdet nie Freunde sein. Wenn du dies nicht einsiehst, wirst du ihn lieben, bis es dir den Verstand raubt.'

Doch Haldir wollte es nicht einsehen. Der Gedanke, Legolas auch noch als Freund zu verlieren, war zu schmerzlich, und so wollte er all seine Hoffnungen auf dieser Freundschaft ruhen lassen, sie wie einen kostbaren Schatz in seinem Herzen bewahren und alles dafür tun, dass sie gedieh. Und eines Tages vielleicht, würde sich die Liebe gänzlich in Freundschaft gewandelt haben.

Haldir schüttelte seufzend den Kopf, als er bemerkte, dass er nun schon einige Zeit auf seinem Lager saß und es noch nicht einmal vollbracht hatte, seine Schuhe abzulegen. Er schob die Gedanken schließlich beiseite und schlüpfte aus dem weichen Leder, während seine Finger die Verschnürungen seiner Übertunika öffneten. Doch plötzlich hielt er inne, als er leise Schritte vor dem Zelt vernahm. Den Blick zum Eingang gerichtet sah er, wie der Vorhang langsam gelüftet wurde, und dort stand, als hätte er ihn mit seinen Gedanken beschworen, Legolas. Er sprach nicht, stand nur im Eingang und sah Haldir direkt in die Augen. Das sanft flackernde Licht der Kerze malte weiche Schattenspiele auf das blasse Antlitz des Elben und sein Haar glänzte golden. Aus irgendeinem Grund versagte Haldir die Sprache. Anstatt Legolas zu begrüßen, saß er nur auf seinem Lager, starrte ihn an und konnte nicht umhin zu bemerken, wie schön der Elb war, wie königlich seine anmutige Haltung wirkte und wie bezaubernd das kaum sichtbare Lächeln war, das sich auf seine Lippen legte.

„Rumil sagte heute etwas zu mir, das mir nicht mehr aus dem Sinn gehen will", begann er mit leicht gedämpfter Stimme.

Noch immer vermochte Haldir nichts anderes zu tun, als in die tiefblauen Augen zu sehen, die nun durch das schwache Licht der Kerze dunkel wirkten, und doch funkelte etwas in ihnen auf, das Haldir nicht deuten konnte. Wie gebannt lauschte er Legolas, verwundert darüber, dass sein Herz plötzlich so viel schneller in seiner Brust schlug, als hätte er ihn nicht noch kurze Zeit zuvor am Feuer gesehen. Was war nun anders als bei ihren Begegnungen am Tage?

„Er sagte, manchmal seien die Dinge, die wir uns wünschen, direkt vor unseren Augen und wir seien nur zu blind, sie zu sehen", fuhr Legolas fort, und diesmal verließ er seinen Platz am Eingang und trat einige Schritte auf Haldir zu, nachdem der Vorhang des Zeltes sanft herunter geglitten war. Kurz senkte Legolas den Blick und atmete kaum merklich durch, bevor er Haldir wieder in die Augen sah. „Vielleicht war auch ich blind."

Bei diesen Worten setzte Haldirs Herz einen Schlag aus und er spürte, wie er kurz erzitterte. Nein, Legolas konnte unmöglich das gemeint haben, was er hatte verstehen wollen, und doch stand er hier, so nah vor ihm, hielt seinen Blick gefangen und lächelte sanft, halb verlegen und halb ermutigend, so dass Haldir kaum merkte, wie er sich schließlich erhob und nur einen Schritt von Legolas entfernt vor ihm stand.

Und plötzlich, als hätte sie nie existiert, war die Distanz zwischen ihnen überwunden, so dass Haldir nicht einmal wusste, wer den letzten Schritt getan hatte, als sich Arme um den anderen schlangen im selben Moment, als sich ihre Lippen berührten. Nicht zärtlich und vorsichtig war der Kuss, sondern leidenschaftlich und voller Sehnsucht. Endlich wieder diese Lippen unter den seinen spüren zu können, nahm Haldir jeglichen Atem und er schien schier in diesem Kuss zu ertrinken. Nach wenigen Augenblicken schlich sich die Angst in sein Bewusstsein, Legolas könnte sich jeden Moment von ihm losreißen und seinen Schritt bereuen, doch dies geschah nicht. Stattdessen wurde der Kuss fordernder und gleichzeitig so süß, dass Haldir glaubte, im Glück dieses Augenblicks zu vergehen, in jenem Moment, in dem Tränen in seine Augen traten und seine Wünsche sich endlich erfüllt hatten.

Urui August