Ich habe es geschafft mal wieder ein Kapitel pünktlich fertigzustellen.
Vielen, vielen Dank für die Reviews, vorallem Sepsis und Aconitum, denen ich nicht persönlich antworten konnte.
Ihr seit alle so gut zu mir.
Dann mal viel Spaß beim Lesen.
Kapitel 26
Er war ihr erlegen und sie
wusste es.
Er stand an der geöffneten
Tür, bereit sie hinauszuwerfen und sie verhöhnte ihn.
Verletzlich... Nein das war er
nicht. Er durfte es nicht sein. Das würde er ihr beweisen.
Als er die Tür mit einem
lauten Knall ins Schloss fiel, hatte er ein Zusammenzucken von ihr
erwartet, doch diesen Gefallen tat Hermine ihm nicht.
Was hatte er denn nun noch für
eine Wahl. Sein Gesicht zu verlieren, oder ihr zu zeigen, dass sie
nicht die Macht über ihn hatte, die sie selbst schon erkannt
haben zu schien.
Er ging mit schnellen Schritten
auf sie zu.
„Wollen Sie mich jetzt
schlagen?"
Ihre Stimme war fest, frei von
Furcht. Er konnte ihr nicht mehr drohen, dass wurde ihm spätestens
in diesem Augenblick bewusst.
Sie hatte viel zu viel von ihm
gesehen. Noch vor wenigen Minuten war sie voller Angst gewesen, doch
dann hatte er gezeigt, dass er nicht vorgehabt hatte, ihr etwas
anzutun.
Sie musste wohl erkannt haben,
wie schockiert er gewesen war, dass ihre Angst vor ihm noch immer so
gegenwärtig war.
In diesem Moment waren beide in
dem Glauben gewesen, er könne ihr kein Haar mehr krümmen.
Ihr hatte es die nötige Sicherheit gegeben, sich ihm auf diese
Weise entgegenzustellen.
Nun, sie hatten sich wohl beide
geirrt.
Hermine Granger schien erkannt
zu haben, dass sie ihm etwas bedeutete.
Er hatte sich lächerlich
gemacht, lächerlich in einem Anflug von Schwärmerei.
Sie durfte dieses Zimmer nicht
in diesem Glauben verlassen, sonst wäre er für alle Zeit
dieser Lächerlichkeit preisgegeben.
Nein, schlagen konnte er sie
nicht. Nicht mehr. Nicht noch einmal.
So wandte er die einzige Waffe
an, die ihm geblieben war. Noch ehe er es richtig überdacht
hatte, noch ehe er den eigenen Fehler erkannte hatte, war die Formel
gesprochen.
„Legilimens."
Der Anblick ihres entsetzten
Gesichts ließ sein Herz höher schlagen.
Sie war so schön. So
verletzlich.
Wieder bedrohte er sie, drohte
damit, dass er ihre Ängste kannte. Niemals durfte sie wissen,
dass er etwas für sie empfand.
Und dann glitten die
Erinnerungen an ihm vorbei.
Er schloss die Augen, Hermine
hatte es schon längst getan, fast so als könne diese Geste
ihren Geist verschließen. Sie war so naiv.
Er suchte konkret die
Erinnerungen, in denen er selbst eine Rolle spielte.
Es überraschte ihn,
wieviele es waren.
Er spürte ihren Hass, als
er sie in jener Nacht, in der sie sich zum ersten Mal seit einem Jahr
begegnet waren, überwältigt hatte, ihren Ekel, als sie ihn
entkleidete, pflegte, heilte.
Das war der Moment in dem er die
Verbindung abbrechen wollte, in dem er fest davon überzeugt war,
nichts anderes finden zu können.
Ja, er war verletzlich, diese
Erinnerungen schmerzten zutiefst, ließen sie ihn doch in dem
Glauben, von dem einzigen Menschen, der ihm etwas bedeutete verachtet
zu werden.
Er würde die Verbindung
lösen, sich geschlagen geben. Hermine würde ihn als
gebrochen vorfinden, einem einsamen, alten Mann gegenüber
stehen.
Gerade als er den Zauber zu
beenden versuchte, empfand er etwas anderes, sie empfand etwas
anderes.
Mitleid.
Er sah sich selbst in der
heulenden Hütte, nackt vor ihr liegend.
Er konnte ihre Bemühungen
spüren, ihn nicht mehr als nötig anzusehen. Doch diese
Bemühung entsprang nicht der Verachtung. Sie tat es getan um
seine Achtung zu wahren, ihn nicht unnötig leiden zu lassen.
Er hatte ihr vorgeworfen, sie
würde ihn quälen, doch sie hatte das genaue Gegenteil
getan.
Vorsichtig strich sie über
seine Wunden und zum ersten Mal seit lange, wusste er wieder, warum
die Träume begonnen hatten.
Sie war der erste Mensch seit
einer Ewigkeit gewesen, die ihm Zärtlichkeiten schenkte, auch
wenn diese nur in einer sanften Behandlung seiner Verletzungen
gelegen hatten.
Die Medikamente, die sie ihm
verabreicht hatte, hatten seine Phantasien vielleicht angeregt,
vielleicht intensiviert, doch entsprungen waren sie aus dieser
zärtlichen Behandlung.
Und in dem Augenblick, in dem er
seine eigene Haut mit ihren Fingern zu spüren schien, erwachte
in ihm selbst die lebhafte Erinnerung ihrer Hände auf seiner
Haut.
Ein leises, klägliches
Stöhnen drang aus seinem Mund. Er wusste, dass sie es gehört
hatte, doch das war ihm egal.
Er verweilte eine kleine
Ewigkeit in diesem Moment, rief diese Erinnerung immer wieder auf und
genoss sie in vollen Zügen.
Er wusste auch, dass er einen
fatalen Fehler in dieser Vereinigung beging.
Sein eigener Geist öffnete
sich zunehmend, er konnte beobachten, wie sich die Bilder
vermischten, wie er die Behandlung einmal aus ihrer und einmal aus
seiner Perspektive erlebte, wie einmal ihre Fürsorge und dann
wieder seine Furcht spürte, unter der er in diesem Moment
gelitten hatte.
Die Furcht vor der Demütigung,
die so vollkommen unangebracht gewesen war.
Nach gefühlten Stunden
könnte er sich endlich von diesen Bildern lösen, könnte
er in den Erinnerungen weiter voranschreiten.
Er fand sich erneut in der
heulenden Hütte wieder, sah sich selbst durch ihre Augen auf
seinem Krankenlager liegen. Er schlief.
Er erlebte, wie intensiv Hermine
Granger ihn gemustert hatte, wieviel Mitleid sie empfunden hatte, wie
überrascht sie gewesen war, ihn so entspannt zu sehen.
Im ersten Augenblick wusste er
nicht, wann sich das zugetragen hatte, doch kurz darauf wurde es ihm
schmerzlich bewusst. Er brauchte nur seinen eigenen Gesichtsausdruck
zu sehen, nachdem er erwacht war.
Es war die Nacht in der er das
erste Mal von ihr geträumt hatte, die Nacht in der sie gesehen
hatte, was er geträumt haben musste.
In ihm selbst stieg die
altbekannte Panik auf, während die Gefühle von Hermine nur
mit Verwirrung zu beschreiben waren. Verwirrung um seine Angst.
Sein Herz raste, als er Zeuge
des Moments wurde, in dem sie die Bettdecke zurückgeschlagen
hatte. Er wartete auf ihren Spott, doch er blieb aus.
Stattdessen fühlte er
nichts als Peinlichkeit, Ratlosigkeit, Mitgefühl.
Er spürte, dass sie selbst
mit der Situation vollkommen überfordert gewesen war, ihr Geist
verriet ihm...
Sie hatte so etwas noch nie
gesehen.
Hermine Granger war das, wofür
er sie hielt. Unbefleckt und rein.
Sie hatte gewusst um was es sich
handelte, aber derartiges in keinster Weise erlebt.
In diesem Moment wusste er, dass
sie noch Jungfrau war.
Er hörte sie im selben
Moment wimmern, weinen.
Kurz war er versucht es zu
beenden, ihr weitere Peinlichkeiten zu ersparen.
So wie sie es für ihn ein
ums andere Mal getan hatte. Doch er war nicht wie sie.
Die Neugierde trieb ihn weiter
voran.
Doch er wollte sie nicht unnötig
quälen, nicht unnötig viele Szenen durch ihre Augen, mit
ihren Gefühlen erleben.
Er trieb die Erinnerungen voran,
zu den letzten Stunden, die er in der heulenden Hütte verbracht
hatte.
Er spürte ihre Angst, in
der Nacht, als er unter dem Ruf Voldemorts gelitten hatte. Angst
versagt zu haben, aber auch...
Angst um ihn, um seine
Gesundheit, Angst ihm die schmerzen nicht nehmen, nicht einmal
lindern zu können.
Und wieder Angst, nur wenig
später. Angst, dass er getötet werden würde, als
Minerva die Hütte betreten hatte.
Verwirrt setzte er seine Reise
fort, immer tiefer in ihren Geist hinein.
Die verschiedensten Empfindungen
rauschten an ihm vorbei.
Verzweiflung, Angst, Schuld, das
Gefühl der Unzulänglichkeit, Selbsthass.
Und immer wieder kreisten ihre
Gedanken um ihn.
Dann fühlte er plötzlich
ihre Dankbarkeit, er befand sich in der Nacht, in der er sie am Gehen
gehindert hatte.
Sie war wütend gewesen,
doch nachdem er mit ihr gesprochen hatte, war sie erleichtert... Er
hatte ihr in dieser Nacht tatsächlich geholfen.
In der Nacht, in der der
Ursprung für ihr heutiges Hiersein lag.
Dieser Gedanke führte ihn
in die nahe Vergangenheit.
Wieder konnte er konnte ihre
Angst spüren, Angst vor dem was sie in seinen Räumen
erwarten würde. Und gleichzeitig die Entschlossenheit die
Wahrheit herauszufinden.
Sie war in dem Glauben, er habe
sie vergewaltigt.
Und endlich fand er den Grund
für diese Gedanken. Sie hatte es geträumt.
Snape schluckte schwer.
Er selbst hatte sich einmal
vorgestellt, sie sich gewaltsam zu nehmen, hatte sich kaum von dieser
Vorstellung lösen können.
Jetzt scheute er sich ihren
Traum anzusehen, er hatte Angst vor dem, was sie dabei empfunden
hatte, Angst davor, doch wieder mit ihrer Verachtung gestraft zu
werden.
Und dennoch, rief er ihre
Erinnerungen an diesen Moment auf. Er hoffte, dass diese Bilder und
die dazugehörigen Empfindungen dazu beitragen konnten, sich von
ihr zu lösen.
Wenn er sich selbst als das
Untier sah, welches sie zweifellos in ihm erkannt haben musste,
vielleicht würde seine Träume dann enden. Vielleicht würde
er erkennen, dass jegliche Hoffnung aussichtslos war.
Es war verwirrend.
Sie erlebte die Geschehnisse in
vollkommener Dunkelheit, unfähig sich zu bewegen. Es war
erschreckend, wie real ihr Traum begann.
Sie hatte geträumt, dass er
sie fest an sich gedrückt hielt, genau so, wie es in der
Realität gewesen war.
Sie hatte geträumt, dass er
sie sanft auf das Sofa gelegt hatte, dass er zunächst ratlos
durch das Zimmer geschritten war, so wie er es tatsächlich getan
hatte.
Doch was dann geschah, wich
deutlich von seinen Erinnerungen ab.
Er erlebte, wie Hermine von ihm
selbst entkleidet wurde, wie er sanft über ihren Körper
strich, wie er sie stimuliert.
Er fühlte die Abscheu und
die Verzweiflung der jungen Frau, das Gefühl der totalen
Wehrlosigkeit, ihre Angst.
Er spürte wie die Übelkeit
in ihr aufstieg, als das Geräusch von raschelnder, fallender
Kleidung an ihr Ohr drang.
Doch dann wechselten die Gefühle
urplötzlich.
Er spürte eine Welle der
Erregung, die ihren Körper zu durchströmen schien, die
seinen eigenen erfasste.
Sie war erwacht, der Traum war
durchgestanden, doch anders als er es erwartet hätte, weinte
Hermine nicht in ihre Kissen.
Er wurde Zeuge, wie die Hand der
jungen Frau zwischen deren Beine glitt.
Das war der Moment, in dem er
die Verbindung unterbrach.
Er selbst wusste zu gut, wie
grausam es war, einen Menschen an solch einer intimen Situation teil
haben lassen zu müssen. Und er hätte das Gefühl,
welches die Bilder in ihm ausgelöst hatten, nicht länger
ertragen können, ohne seine eigene Hand in tiefere Regionen
seines Körpers zu lenken.
Er beendete den Zauber und wich
mit einem Keuchen von ihr zurück, wandte sich von ihr ab.
Hermine schluchzte laut auf, er
konnte hören, wie sie in sich zusammensackte um dann haltlos zu
weinen.
Er empfand Mitleid mit ihr, so
wie sie es ihm so häufig entgegen gebracht hatte, er fühlte
sich schuldig, weil er der Auslöser für das Leid war, das
sie jetzt empfand. Er war vollkommen verwirrt, durch die Bilder, die
er gesehen hatte.
Sein Herz raste, sein Körper
war angespannt, erregt und müde zugleich.
Sie hatte es genossen...
Er fuhr sich mit den Händen
über das Gesicht, versuchte unter ihren immer kläglicher
werdenden Lauten einen klaren Gedanken zu fassen.
Sie hatte es genossen.
Vorsichtig schaute er über
seine Schulter zu ihr.
Sie saß auf dem Boden,
ihre Hände vor das Gesicht geschlagen.
Sein Inneres zog sich
schmerzhaft zusammen.
Er wusste nicht was er ihr sagen
sollte, was ihr helfen würde. Und so wartete er auf eine
Reaktion von ihr. Er wartete sehr lange, stand unbewegt in seinem
Wohnzimmer und schaute auf die klägliche Gestalt.
Und wie ist ein Kapitel beendet.
Im Augenblick bin ich sehr stark am Überlegen wie weit ich die Handlung dieser geschichte noch voran treiben werde, was ein idealer Punkt zum aufhören wäre.
Für Vorschläge bin ich offen;-)
Bis bald
Vestilia
