26. The Lake
Sie öffnete die Augen, und dieses Mal lag er neben ihr und betrachtete sie. Was auch immer das hier war, er hatte gestern nicht die Kraft gehabt, Nein zu ihr zu sagen. Er hatte es gewollt. Wirklich dringend gewollt, hätte ihr besser ihr Shirt reichen sollen, damit sie sich wieder anzog, aber… er hatte nicht gekonnt.
Den ganzen Tag hatte er versucht, Distanz zu schaffen, den Hass wiederzufinden, der ihn die ersten vier Monate beherrscht hatte, aber sehr schnell war ihm aufgefallen, dass von diesem Hass erstaunlich wenig übrig war.
Sie war irritierend, sie nervte ihn – ja. Aber diese Regungen waren weniger anstrengend als vielmehr aufreizend für ihn geworden.
Niemals hätte er damit gerechnet, dass sie… ihn aufforderte, sie zu berühren, aber hier waren sie jetzt. Sie sah ihn an, und da er nicht wirklich wusste, was er sagen sollte, beschränkte er sich auf das Wesentliche.
„Die Affen sind seit einer Weile unruhig", sagte er, und seine Stimme klang noch rau und unausgeschlafen. Er hatte sie beide irgendwann mit dem schwarzen Tigerfell zugedeckt, was er noch immer als Trophäe mit sich trug. Es spendete erstaunlich viel Wärme.
„Ok", entfuhr es ihr müde.
„Granger-", begann er plötzlich, als sie Anstalten machte, aufzustehen, denn – Merlin, er hatte mit ihr geschlafen! Mehrfach. Und gestern Morgen hatte er ernsthaft geglaubt, sie hasste ihn dafür, aber gestern Abend….
„Ja?" Sie sah ihn an, das schwarze Fell verbarg nur knapp ihren perfekten Busen, und seine Erektion erwachte wieder.
„Ich…", begann er unschlüssig, nicht sicher, was er eigentlich sagen wollte, aber plötzlich wurde ihr Blick ernst. Eindeutig sah sie ihn an.
„Das hier… zwischen uns", erklärte sie streng, „das ist die Ausnahme. Ich habe keine Lust, immer nur die Ausweglosigkeit unserer Situation zu fühlen, Malfoy! Also… mach daraus keine große Sache, ok?" Er blinzelte überrascht. Aber viel wichtiger war-
„-was heißt das?", wollte er übergangslos von ihr wissen, innerhalb eines Atemzuges. Sie musste seinen intensiven Blick spüren, denn hastig fiel ihrer auf das schwarze Fell.
„Was hier passiert… hat nichts mit unseren echten Gefühlen zu tun", erklärte sie stiller. „Wenn wir Zuhause sind, vergessen wir diese Zeit hier", fuhr sie überzeugter fort. Gut. Das war… eigentlich alles, was er hören wollte, dachte er, während Ungeduld ihn überkam. Sie war so krank wie er. Das war… wirklich beruhigend. Er rückte näher zu ihr, und sein bloßer Körper berührte ihren unter dem Fell. Hastig hob sich ihr Blick, sanfte Panik stand in ihren Augen.
Aber innerhalb einer Sekunde hatte er ihren Körper zurück auf die Matratze gepresst. Sie schnappte nach Luft, als er das störende Fell in einer gereizten Geste auf den Boden warf. Er wollte ihren Körper sehen.
„Malfoy!", protestierte sie, aber ihre Hände lagen nur über seine Brust, ohne Druck auszuüben. „Du… hast gesagt, die Affen-", begann sie heiser, aber knurrend unterbrach er sie.
„-scheiß auf die verdammten Affen, Granger!", brachte er angespannt über die Lippen, während er unbeherrscht den Kopf senkte, um ihre Lippen einzufangen. Sie stöhnte unterdrückt, als er seinen Körper zwischen ihre Beine legte, und dass sie tatsächlich ihre Beine so willig für ihn weiter spreizte, machte ihn wahnsinnig.
Und wenn jetzt ein Monster die Hütte stürmte, wäre es ihm so was von scheiß egal! Heiß drang seine Zunge fordernd zwischen ihre Lippen, und gleichzeitig fand sein steinharter Schwanz den Weg zwischen ihre Schamlippen, und sie war noch immer so verdammt feucht von ihrer letzten Runde, dass es ein verfluchter Genuss war, sich tiefer und tiefer in sie zu rammen, während sie diesen Kuss erwiderte, als gäbe es nichts anderes auf der Welt, als diesen Moment.
Aber das hatte sie doch gesagt! Hier auf der Insel… gaben sie ihren verbotenen Instinkten nach – und es bedeutete überhaupt nichts! Damit konnte er leben. Verflucht noch mal, dieser Vorschlag war verdammt noch mal das Beste, was bisher über ihre Lippen gekommen war, fast…- denn jetzt flog ihr Kopf nach hinten, und sie keuchte auf vor Lust.
„Oh Gott, Malfoy! Jaah!", rief sie heiser, und grinsend leckte er über ihren Hals, bevor er selber über die Klippe sprang, ihrem Orgasmus folgte, sich härter in sie stieß, und ihre Beine legten sich fester um seine Hüften, als er tief in seiner Kehle ihren Namen stöhnte.
Granger….
Sie hatten die Hütte zurückgelassen, und sie hielt sehr dringend Ausschau nach einem See, irgendeiner Wasserquelle, denn sie wollte sich dringend waschen, dringend seinen Geruch loswerden, der an ihrem Körper zu haften schien, wie eine schlechte Eigenschaft, die sie nicht loswerden konnte.
Wahrscheinlich hatte sie nicht sonderlich klug gehandelt, aber sie hatte ihm einfach klar machen wollen, dass das, was hier auf der Insel passierte, nichts mit der echten Welt zu tun hatte.
Und wenn das für ihn die Einladung war, sie zu…- Ein Schauer befiel sie. Ok, sie könnte für die Zeit, die sie noch hier waren, einfach diese eine Ausnahme machen. Denn ihr Körper wollte das. Wirklich.
Und der Wunsch nach einem Zauberstab stieg ins Unermessliche, denn siedendheiß war ihr vor einer Weile aufgefallen, dass sie ungeschützten Sex hatten. Natürlich. Was auch sonst. Und deshalb brauchte sie einen verdammten Zauberstab, damit… nun… damit das alles hier nicht noch dramatischer wurde! Sie brauchte ehrlich gesagt kein kleines Souvenir von diesem Höllentrip, was sie Zuhause daran erinnerte, sofern sie denn irgendwann nach Hause kamen.
Die Affen folgten ihnen, aber… durchaus widerwilliger als noch vor einigen Stunden. Und es war merklich still, so tief im Wald.
Und dann blieb Skills stehen, einige Meter hinter ihnen. Malfoy reagierte sofort und drehte sich um. Auch Hermine warf dem Affen einen knappen Blick zu. Skills Blick war ins Leere gegangen, er fixierte einen blinden Punkt, und seine Nasenlöcher hatten sich geweitet. Violet schnaubte leise und angsterfüllt.
Und dann hörte sie es. Einige Meter weiter, tiefer zwischen den Bäumen, knackte ein Ast. Hermines Herz schlug schneller. Sie hätte vermutet, es wäre vielleicht wieder ein Reh, aber für gewöhnlich freute sich Skills über Beute und verscheuchte sie durch lautes Schnauben. Aber dieses Mal stand er reglos da.
Malfoy bedeutete ihr durch ein Kopfrucken, ihm zu folgen. Leise kam sie der Aufforderung nach und sie folgte ihm einige Meter zurück hinter einen einsamen hohen Stein, ein seltener Hinweis, dass die Berge bald wieder zahlreicher werden würden. Sie hockten sich hinter den Stein, während die Affen weiterhin ungerührt an derselben Stelle standen.
„Ein Männchen", murmelte Malfoy, während er leise den Säbel zog. Hermine hatte einen neuen Speer, bereit, ihn zu benutzen, denn ihren alten hatte sie am Abgrund zurückgelassen. Nach dem Kampf gegen Violet war er sowieso kurz davor gewesen, zu bersten.
„Denkst du?", fragte sie ihn, und er ruckte mit dem Kopf.
„Wahrscheinlich", bestätigte er. „Hoffen wir, dass es nur eines ist. Und hoffen, wir, dass es ein junges ist", fuhr er angespannt fort.
„Was tun wir?", wagte sie zu fragen, aber sein Blick war eindeutig.
„Wir bringen es um und hauen hier ab", schloss er. Dann knackte es wieder im Unterholz, dieses Mal näher.
Und dann knurrte Skills, und es hatte etwas Territoriales an sich, fand Hermine. Sie lugte um den Stein, und Skills hatte sich aufgerichtet, war so groß, wie er sein konnte, aber Hermines Augen weiteten sich, und hastig wich sie zurück hinter den Stein. Malfoy sah sie an. Sie schüttelte unbewegt den Kopf.
Denn es war kein junges Männchen! Es war ein verdammter, ausgewachsener Monstergorilla. So groß wie Skills Mutter es gewesen war! So groß wie der Gorilla, gegen den sie nahe der Lagune gekämpft hatten.
Und dann brüllte der fremde Affe. Laut. Verdammt laut. Hermine zog vor Schreck den Kopf ein.
Und der Kampf ging los. Unerschrocken war Malfoy aufgesprungen, und es war reiner Instinkt, dass Hermine folgte. Und tatsächlich wirkte der fremde Affe für eine Sekunde überfordert, dass direkt vier Feinde auf ihn losgingen. Hermine hatte eine Handvoll lila Affen gesehen, und Furcht erfasste sie jedes Mal, aber sie wusste, die Biester waren nicht unsterblich, und sie musste einfach den massigen Armen ausweichen.
Es war wahrscheinlich nicht das, was Dokumentarfilmer taten, dachte Hermine dumpf, während sie das Glück hatte, und ihren Speer durch das Hinterbein des Affen rammte, so dass dieser vor Schmerzen wild aufschrie. Dokumentarfilmer durften den Lauf der Dinge nicht unterbrechen, aber sie würde nicht zulassen, dass Skills etwas passierte.
Malfoy bearbeitete den Affen mit abwechselnden Messerstichen, und Skills biss ihm in den Nacken. Allerdings gab es keinen letzten Schlag, keinen letzten Stich. Der Affe schien genug zu haben, zog sich humpelnd zurück, und Skills folgte ihm nicht.
Violet stieß einen eindeutigen Schrei aus, machte dem Feind deutlich, abzuhauen, und das tat das fremde Männchen auch. Malfoy stützte sich auf die Knie, während er schwer atmete. Dann warf er Violet einen Blick zu.
„Er wollte das Weibchen", stellte er erschöpft fest. Hermines Arme zitterten, und sie glaubte nicht, dass sie jetzt sofort noch einmal würde kämpfen können. Es war eine gefährliche Angelegenheit. Dann richtete Malfoy sich auf. „Wir müssen weiter", schloss er dann. „Es wird bald dunkel. Die Affen schlafen nachts. Vielleicht haben wir eine gute Chance, die nächste Bergkette zu erreichen, bevor sie uns in Stücke reißen werden." Es waren finstere Aussichten, aber Hermine stimmte ihm zu.
Je schneller sie diesen Wald hinter sich ließen, umso schneller erreichten sie die nächsten Berge. Sie wusste nicht, warum, aber sie war sich sicher, der schwarze Baum befand sich nicht zwischen diesen Bäumen. In der Vision war es… lichter gewesen. Weniger dicht bewuchert. Es hatte anders ausgesehen. Und… es hatte Wasser gegeben.
Malfoy fand einen dicken Ast, umwickelte ihn mit Zweigen und Laub und zog einen schmalen Fetzen Leinen aus seinem Bündel, um es um die Spitze zu wickeln. Dann schlug er die Feuersteine gegeneinander, bis der Funkenflug das trockene Leinen erfasste. Es dauerte nicht lange, bis die Fackel glomm und anfing zu brennen.
Schnell war die große Flamme erloschen, aber die Spitze glomm hell genug, dass sie den Weg erkennen konnten.
Niemand von ihnen war verletzt, und Hermine hoffte, dass, wenn sie auf fremde Affen trafen, diese niemals im Rudel durch den Wald liefen. Aber sie wusste auch, die Affen waren Einzelgänger. Die Chancen standen hoch. Es sei denn, sie trafen eine Mutter mit Jungen.
Aber diese Sorgen würde sie sich machen, wenn es soweit war.
Der Weg ging plötzlich abschüssig, und sie mussten auf ihre Schritte achten. Und dann wurden die Bäume spärlicher. Es war mittlerweile zu dunkel zum Jagen, aber sie hatten noch getrocknetes Fleisch für später.
Und dann blieb Hermine stehen. Die Bäume hatten sich geteilt, und das letzte Licht des Tages fiel dämmrig auf eine spiegelglatte Wasseroberfläche vor ihnen. Merlin sei Dank! Sie hatten Wasser gefunden. Und nicht nur das! Mitten in dem natürlichen See erkannte sie eine Insel.
Und ein eigenartiges Gefühl erfasste sie, aber Malfoy schien es ähnlich zu gehen.
„Merlin, das ist es", flüsterte er neben ihr. „Das ist die Vision", ergänzte er atemloser, und sie nickte bloß. Die Insel im Wasser war nicht groß, vielleicht einen halben Kilometer lang, aber einen schwarzen Baum konnte sie in der hereinbrechenden Dunkelheit nicht ausmachen.
Violet tänzelte nervös hinter ihnen. Auch Skills schnaubte.
Oh nein. Nicht noch ein Affe! Aber die Affen beäugten das Wasser vor ihnen mit größter Vorsicht, schnaubten tiefer, und Malfoy hielt die Fackel weiter über das Wasser. Und vielleicht spielte der Feuerschein ihr einen Streich, aber Hermine glaubte, dass sich etwas unter der dunklen Wasseroberfläche bewegte. Etwas Großes. Der schwache Feuerschein schien es verschreckt zu haben.
„Vielleicht… sollten wir hier nicht schwimmen gehen", bemerkte Malfoy neben ihr.
Hermine verzog den Mund. Die Nacht auf der Insel zu verbringen wäre gut, denn soweit sie wusste, konnten die Affen nicht schwimmen. Dort wären sie wahrscheinlich sicher. Dann wiederum hatte sie keine Lust von einer riesigen Wasserschlange gefressen zu werden. Sie hob den Blick.
„Und wie kommen wir dorthin?"
Sie sah, wie Malfoys Schultern sanken. Er hob die Fackel höher, um die Umgebung in orangenes Licht zu tauchen.
„Keine Ahnung. Ich schlage vor, wir sehen uns die Felsen dort hinten an. Vielleicht geht eine Spalte tief genug, um dort zu übernachten. Die Affen scheinen Angst vor dem Gewässer zu haben, vielleicht haben wir Glück, und die fremden Affen empfinden ähnlich und halten sich fern." Malfoy hatte Recht. Sie folgte ihm, Skills und Violet jedoch blieben zurück, gingen nicht weiter, und Hermine überlegte, wovor Affen eine natürliche Furcht besaßen. Sie kam nur auf Schlangen, und sie konnten sich direkt überlegen, wie sie morgen die vielen Meter an Wasser überwinden wollten, ohne gefressen zu werden.
Es war immer irgendetwas, dachte sie frustriert. Es war nie einfach oder leicht. Es war immer kompliziert.
Aber tatsächlich fanden sie eine Spalte, die tief genug war. Malfoy ließ das Bündel fallen, raffte Blätter und Äste zusammen und Hermine begrenzte den Haufen mit ein paar Steinen. Malfoy entzündete das trockene Geäst, und die Flammen brannten hoch. Hermine fühlte sich direkt sicherer, jetzt wo sie weiter als drei Meter sehen konnte. Sie waren alleine hier.
„Dir ist klar, was das heißt, oder?", wollte er von ihr wissen, und eine gewisse Anspannung lag auf seinem Gesicht. Sie sah ihn abwartend an. „Der Baum ist auf dieser Insel. Und dort ist auch das Einhorn."
Natürlich, dachte sie plötzlich. Denn es würde nicht fortkommen. Und war das nicht seltsam? Dass beides zusammen war? Dass es wie… gewollt hier vor ihnen lag? Beinahe künstlich?
„Es ist… wie eine Prüfung", murmelte sie abwesend, aber Malfoy schnaubte auf.
„Das ist alles eine Prüfung hier", knurrte er, aber sie hörte, auch er war erschöpft. „Ich hole Wasser", bemerkte er nur, und sie seufzte schwer.
„Lass dich nicht fressen", rief sie ihm nach und hörte ihn freudlos lachen.
Sie schlang die Arme um ihre Knie und ließ sich vom Feuer wärmen. Sie waren so nahe! Die Lösung lag praktisch vor ihnen! Nur eine tödliche Schwimmlänge entfernt. Verdammt. Ihr Gehirn spuckte keine Alternative aus.
Sie gähnte müde. Sie würde nicht aufgeben.
Jetzt nicht mehr.
