Weiter geht's. Es ist kurz vor Weihnachten, ich sitze bei meinen Eltern zu Hause und habe genug Zeit zu schreiben. Außerdem muss ich die Geschichte noch zu dem Punkt bringen, an dem mein kleines Weihnachtsspecial ansetzt…
-Kapitel 26-
-Ein freier Tag-
Die Spanische Treppe, Rom
Am nächsten Morgen
Nathan Drake und Sara Pezzini kannten sich im Grunde gar nicht. Dennoch hatte es das Schicksal so gewollt, dass sie sich jetzt beide in Rom befanden, an der Spanischen Treppe und das sie beide den Tag zusammen verbringen sollten.
Gestern hatte Nate noch fröhlich zugestimmt, wohingegen er heute bereits kritischer auf die Sache sah. Gestern hatte auch der Sambuca aus ihm gesprochen, so versuchte er es sich jedenfalls zu erklären. Es war nicht so, dass er Saras Gegenwart irgendwie unangenehm fand, er wusste nur nicht, was er einen ganzen Tag lang mit einer Fremden machen sollte.
Außerdem war da noch etwas, dass er vollkommen verdrängt hatte. Erst, als Sara neben ihm in der kleinen Straßenbahn gestanden hatte und ihren Arm hob, um sich an einer der speziell dafür angebrachten Stangen festzuhalten, war sein Blick wieder auf die Witchblade gefallen.
Jetzt ließ ihn dieser Gedanke nicht mehr los.
Was bist du?
Sie schlenderten über den gepflasterten Platz auf die Treppe zu, die trotz der frühen Stunde bereits mit Touristen überfüllt war. Alles Menschen, die glaubten ein Mal auf dieser Treppe gesessen haben zu müssen.
Nate beobachtete Sara, wie sie mit offenen Haaren, einer schwarzen Sonnenbrille, einem weißen Oberteil und einem hellblauen Rock mit weißem Blumenmuster neben ihm ging, über beide Ohren strahlend, als würde sie nicht diese Koexistenz mit diesem übernatürlichen Wesen belasten.
Sie scheint damit überhaupt kein Problem zu haben, ging es Nate durch den Kopf, während sie immer noch schwiegen.
„Warst du schon mal in Rom?", Sara schien das Eis brechen zu wollen.
„Ja.", antwortete Nate etwas verspätet: „Mehrmals."
„Gut.", Sara lächelte ihn an: „Dann kannst du mir ja den Fremdenführer vorspielen und mir ein wenig zu der Treppe hier erzählen."
„Ähem…", Nate kramte in seinem Gedächtnis. Normalerweise hatte er solches Wissen blitzschnell parat, allerdings waren seine Gedanken aktuell nicht beim Thema.
Sein Blick huschte unbewusst immer wieder zu Saras Unterarm und schließlich, als sie die Treppe erreicht hatten und die ehemalige New Yorker Polizistin zu ihrem Fremdenführer aufsah, sprach sie das Unausweichliche aus: „Du willst wissen, was das hier ist, oder?"
„Was?!", Nates Stimme klang viel zu hell: „Wie?!", fast so, als hätte sie ihn bei etwas Unrechtem ertappt: „Ach so…ähem…ja!"
„Dann frag doch einfach.", Sara war sichtlich amüsiert über Nathans Reaktion: „Aber zum Ausgleich darf ich dir auch eine Frage stellen, okay?"
„Okay!", innerlich war Nate sehr froh, dass sie ihn darauf angesprochen hatte. Vielleicht konnte das alles vom Tisch geschaffen werden und es stellte sich heraus, dass dieses Wesen –so dachte er jedenfalls davon- ein simples, militärisches Spielzeug war. Oder ähnliches.
„Also dann: Was ist das für ein Ding?!", fragte der Abenteurer.
„Dieses Ding nennt sich die Witchblade.", begann Sara: „Es ist eine uralte Waffe, geschaffen aus der Angelus und der Darkness."
Auf Nates Gesicht schien sie sehr deutlich zu erkennen, dass er keine Ahnung hatte von dem, was sie da sagte.
Die Angelus und die Darkness?
Nate war überfordert und das sah man ihm scheinbar an, denn plötzlich erhob sich Sara von ihrem Sitzplatz und blickte sich um, als sie entdeckt zu haben schien, was sie suchte, griff sie Nate am Arm: „Ich glaube das bedarf einer längeren Geschichte, aber dafür brauch ich erst mal einen Kaffee!", zusammen machten sie sich auf den Weg die Stufen hinauf, wo Sara am oberen Ende ein –sicher überteuertes- Cafe entdeckt hatte.
Unterwegs begann sie ihren Bericht: „Also…"
Flaminio Village
Via Flaminia Nuova, Rom
Zur selben Zeit
Lara war früh aufgestanden und hatte erst mal eine Runde im Swimmingpool gedreht. Die Luft war noch kühl gewesen, aber genau das war es, was ihren Kreislauf richtig auf Touren gebracht hatte. Außerdem war zu dieser Zeit noch niemand im Pool, so dass sie wunderbar ein paar Bahnen hatte schwimmen können.
Jetzt saß sie, bei einer Tasse Tee –sie hätte nie gedacht, dass es so schwer sein würde in Italien Tee aufzutreiben- in ihrem Bungalow und betrachte das Deckblatt des Buches. Irgendwie wollte ein Teil von ihr nicht, dass sie dieses Buch daneben aufschlug.
Ihr Blick fiel auf den goldenen Barren, der noch immer keinen vernünftigen Namen hatte, neben dem Buch.
Damit hat das alles angefangen.
Sie war sich noch immer nicht sicher, was ihre Ansage gegenüber Thornton zu bedeuten hatte. Würde sie wirklich Gefahr von einem Anwalt erwarten können? Was würde er tun? Sie wegen irgendeinem fadenscheinigen Grund anklagen?
Wie gefährlich kann er schon werden, die blausten Augen hin oder her…
Komischerweise fiel ihr in diesem Moment diese mysteriöse Andrea ein. Sie hatte ebenfalls blaue Augen.
Ob das wohl etwas zu bedeuten hat?
Um sich nicht weiter von ihren Gedanken ablenken zu lassen, zog sie das Buch zu sich heran und begann zu lesen.
Sie wusste nicht, wie lange sie insgesamt gelesen hatte, aber die Teekanne war in der Zwischenzeit mehrmals geleert worden und die Sonne war ein gutes Stück weitergewandert, weshalb jetzt durch das kleine Fenster nicht mehr genug Licht hineinfiel.
Lara entschloss sich draußen weiterzulesen, packte ihre Sachen und verließ das Bungalow. Draußen wurde Lara von einer erstaunlichen Hitze begrüßt.
Was hab ich bereits gelesen?
Sie wusste das es sich bei dem Barren um eine Art Wegweiser handelte. Das Blatt Papier was sie zu dem Buch gefunden hatte, war bisher noch mit keinem Wort erwähnt worden.
Ob es überhaupt eine Funktion hat?
Fürs Erste entschloss sich Lara es auf jeden Fall zu behalten.
Der Barren allerdings war sicher von großer Bedeutung. Außerdem hatte sie erfahren, dass das Objekt, welches sie suchten ein so genanntes Symbolon darstellte. Ein Objekt, dass aus mehreren Teilen bestand. Sehr erfreut war Lara darüber nicht gewesen, denn das bedeutete, dass sie nicht nur in Rom würde suchen können.
Außerdem hatte Lara erfahren, dass das Artefakt tatsächlich den Weg zu Gott öffnen sollte. Offenbar nicht nur in rein metaphorischem Sinne. Allerdings würde das auch bedeuten, dass die Bibel sich in vielerlei Hinsicht stark geirrt hatte.
Das Artefakt, welches sie im Moment suchten, sollte sich hier in Rom befinden, an einem Ort größter Heiligkeit. Das würde also eine Kirche bedeuten.
Lara überlegte, welche Kirchen ihr in Rom einfielen, ließ es aber sofort wieder bleiben, denn ihr war klar, wie viele Kirchen in Rom überhaupt standen.
Größte Heiligkeit? War der Vatikan gemeint?
Immerhin stellte der Petersdom das Zentrum der christlichen Kirche dar.
Diesen Gedanken verwarf sie allerdings sofort wieder, denn das Artefakt war viele tausende Jahre alt, älter als das Christentum. Welcher Ort würde sich also von größter Heiligkeit in Rom finden, der schon vor dem Christentum existierte?
Während Lara so überlegte, näherte sich der Tag dem Ende und es wurde kühl, weshalb sie sich auch schnell wieder ins Bungalow verzog.
Es ist ein kleines hin und her…
Hin und her…hin und her…es war ein Gefühl, wie das, wenn einem etwas sprichwörtlich auf der Zunge lag.
Größte Heiligkeit! Ein Ort von größter Heiligkeit in Rom aus vorchristlicher Zeit. Plötzlich fiel es Lara wie Schuppen von den Augen.
Der Trevi Brunnen, Rom
Einige Stunden zuvor
Sie hatten sich sehr schnell gegen das Cafe entschieden, als ihnen die Preise aufgefallen waren. Also hatten sie sich für einen gemütlichen Spaziergang entschieden, bei dem Sara Nate über die ganze Geschichte aufklärte, wie Licht und Finsternis schon seit Jahrtausenden im ewigen Kampf verstrickt waren, wie die Angelus und die Darkness ein „Kind" zeugten, welches die Witchblade war.
Ein Objekt von höchster Reinheit, geschaffen von zwei Überwesen, zur Überwachung und zur Wahrung des Gleichgewichtes.
Sie erzählte auch, wie sie an die Witchblade gekommen war, wie sie ihren ersten Partner damals in der Schießerei verlor und auch beinah ihr eigenes Leben gelassen hatte, wenn die Witchblade sie nicht errettet hätte.
Als sie fertig war, standen sie bereits am Trevi Brunnen, einem der schönsten Brunnen von ganz Rom. Auch hier war die Anzahl der Touristen enorm, weshalb es sie einiges an Mühe kostete, um bis zum Brunnen zu gelangen.
„Kennst du den Brauch?", wollte Nate wissen und begann in seinem Portmonee zu kramen. Sara wusste nicht genau, was er meinte, ließ sie aber überraschen. Plötzlich zog Nate zwei Kupfermünzen hervor und reichte Sara eine davon, dann drehte er sich um und warf die Münze über die rechte Schulter mit der linken Hand in den Brunnen: „Jetzt du!"
Sara zögerte: „Und was soll das bringen?!"
„Eine Münze soll die sichere Rückkehr nach Rom garantieren.", erklärte Nate.
„Und wenn ich mehrere werfe?", wunderte sich Sara.
„Dann wirst du wohl gezwungen sein einen Römer zu heiraten.", Nate lachte amüsiert.
Sara beeilte sich und warf die Münze in den Brunnen, auf dieselbe Weise, auf die auch Nate es getan hatte: „Ich hoffe es bringt was!"
„Also. Jetzt, wo ich alles einigermaßen verstanden habe, bist du wohl dran mit der Frage!", gestand Nate ein. Abgemacht war abgemacht und daran würde er sich halten.
„Richtig!", sie nahmen etwas Abstand von dem großen Brunnen und ließen sich auf einer Stufe nieder: „Was verbindet dich mit Lara!", die Frage schien Nate etwas zu überraschen, weshalb sie noch schnell hinzufügte: „Und zwar die Wahrheit!"
„Das ist wohl auch eine längere Geschichte.", seufzend begann Nate zu erzählen.
Keiner von beiden bemerkte die beiden schwarz gekleideten Männer, die in einigen Metern Abstand standen und einen Blick auf die zwei geworfen hatten. Das sie ihnen schon seit der Spanischen Treppe folgten, wusste ebenfalls keiner.
Croft Manor, Surrey, England
Zur gleichen Zeit
Viktor Sullivan begann das Leben als britischer Aristokrat zu genießen. Er wusste zwar selbst, dass er keiner war, aber es machte ihm doch mehr Spaß als erwartet. Da er leidenschaftlicher Teetrinker war –auch wenn er es vor Nathan Drake niemals zugeben würde- , kamen ihm die vielen tea times, wie Winston sie nannte, sehr gelegen.
Gerade saß er vor dem Kamin und genoss eine weitere Tasse. Winston war irgendwo unterwegs im Hause und beschäftigte sich mit seinen Sachen. Gern hätte Sully gewusst, wie es Nathan ging, denn seit seiner spontanen Abreise hatte er nichts mehr von ihm gehört. War es ihm gelungen Lara zu retten? Lagen sie jetzt irgendwo erschossen am Grund des Tibers?
Es gab viele Fragen, die ihn quälten.
Aber erst Mal gibt es tea time…
Lächelnd nahm er einen weiteren Schluck und genoss die Ruhe. Vielleicht war es für ihn wirklich an der Zeit abzutreten und sich irgendwo in aller Ruhe niederzulassen. Mit Nate um die Gräber zu ziehen war zwar sehr unterhaltsam, aber auch er wurde älter und man sollte der nächsten Generation Platz machen und vielleicht würde Nate ja mit Lara an seiner Seite eine würdige Nachfolgerin für Sully finden.
Mit diesen Gedanken beschäftigt, blickte Sully ins Feuer und hörte nicht, wie sich ein Einsatzkommando von zehn Männern am Zaun des Anwesens zu schaffen machte.
Croft Manor, Surrey, England
Außenanlage
Charles Viktor Thornton war ein Mann, der schon oft mit seinem Ego kollidiert war. Meistens aber waren es die Anderen, die damit Probleme hatten. Dieses Mal war es Lara Croft.
Mich einfach so sitzen zu lassen…
Wutschnaubend stand er, einen schwarzen Mantel tragend, vor dem Tor und beobachtete, wie sein kleines Einsatzkommando sich am Tor ausließ.
Dir wird der Spaß noch vergehen, ich werde es dir zeigen, was es heißt sich mit mir anzulegen.
Eine grüne Flamme materialisierte sich aus dem Nichts neben ihm und die Silhouette einer Frau wurde erkennbar.
„Du weißt was du zu tun hast, oder?", wollte Thornton wissen.
Das Flammenwesen, das als Andrea bekannt war, nickte. Dann, als er das Zeichen von seinem Team bekam, dass das Tor geöffnet war, wand er sich ab und verließ das kleine Team in Richtung Wald.
Lara Croft würde bezahlen für alles, was sie getan hatte.
Trevi Brunnen, Rom
Zur selben Zeit
Sara und Nate hatten sich ausgesprochen, weshalb sie ihren Weg fortsetzten. Jetzt, wo sie sich etwas besser kannten, fühlte sich auch Nate wohler in der Nähe von Sara und der Witchblade. Die beiden Männer in schwarz folgten ihnen.
„Hast du es bemerkt?", murmelte Nate leise zu Sara.
„Die beiden Männer, die uns folgen?", wunderte sich die ehemalige Polizistin.
„Genau die!"
„Ja!", antwortete Sara. Mit einem kurzen Zeichen bogen sie rechts in die nächste Gasse ein, schritten nun etwas schneller. Die Gasse war eng und verlassen, als sie eine kleine, schmale Tür passierten, traten zwei weitere Personen heraus und fielen über Sara und Nate her. Der Angriff war so plötzlich gekommen, dass keiner von ihnen im ersten Moment wusste, wie er reagieren sollte. Es sah nicht gut aus.
Flaminio Village
Via Flaminia Nuova, Rom
Ich hab Hunger, erkannte Lara, als sie eine weitere Stunde gelesen hatte. Ihr erster Verdacht über den genauen Aufenthaltsort des Artefaktes schien sich zu bestätigen.
Ich muss noch Nate und Sara anrufen.
Gerade als sie den Türgriff berührte, auf dem Weg zum Restaurant, geschah es. Sie hörte das dumpfe Geräusch von Etwas, dass gegen die Tür knallte, dann erfolgte eine ohrenbetäubende Explosion und Lara wurde von den Füßen gerissen, knallte mit aller Kraft gegen die gegenüberliegende Wand.
Noch bevor sie den Fußboden erreichte, hatte sie das Bewusstsein verloren.
Fortsetzung folgt:
Was wird weiter geschehen und was will Thornton mit seinem Rundumschlag erreichen?
Und schaltet morgen wieder ein, für das große Weihnachtsspecial!!!
