Sommerregen

Kapitel 26

Wie so oft in letzter Zeit hatte Hermine beschlossen, Harry und Ron nichts von der Sache mit Draco zu verraten. Sie hatte nicht vor, das mühsam erkämpfte Vertrauensverhältnis zwischen ihr und ihrem Professor aufs Spiel zu setzen und behielt gewisse Dinge lieber für sich. Überhaupt sah sie ihre Freunde immer seltener, seit sie auch in der Nacht heimlich in die Kerker schlich, um Snape zu besuchen.

Eines Morgens beim Frühstück, Ron und Lavender hatten sich wieder einmal vorzeitig knutschend davongemacht, saßen Hermine und Harry alleine beisammen und nutzten die Gelegenheit, sich in Ruhe miteinander auszutauschen. Und so kamen sie auf allerhand Dinge zu sprechen, die sie seit einer Weile schon aufgeschoben hatten.

„Professor Dumbledore hat mich neulich zu sich bestellt", erklärte Harry. „Du hattest völlig Recht, Hermine. Er wollte Slughorn für die Schule zurückhaben, um herauszufinden, wie viele Horkruxe Voldemort geschaffen hat. Aus einer Erinnerung, die Dumbledore Slughorn abgeknöpft hat, geht hervor, dass Tom Riddle ziemlich an den Horkruxen interessiert gewesen sein muss. Leider hat Slughorn sich daran zu schaffen gemacht und wir wissen nicht, wie die Unterhaltung zwischen ihm und Voldemort ausgegangen ist."

„Lass mich raten", sagte Hermine wenig überrascht. „Du sollst dich bei Slughorn beliebt machen, um ihm dieses Geheimnis zu entlocken."

„Stimmt. Woher weißt du das?"

„Hast du nicht mal erwähnt, Dumbledore wollte mit dir vor Slughorn angeben? Du warst der Köder, Harry. Jetzt musst du nur noch an ihm dranbleiben."

„Das ist gar nicht so leicht. Ich hab schon versucht, mit ihm zu reden."

Hermine schüttelte energisch ihre Mähne.

„So einfach wirst du ihn nicht rumkriegen. Slughorn ist zwar manchmal etwas vertrottelt, aber nicht, wenn es um Voldemort geht. Er hat sich nicht umsonst vor den Todessern versteckt. Die wollten ihn genauso haben wie Dumbledore."

„Was soll ich dann tun, Hermine? Ihm Veritaserum unterjubeln?"

„Das halte ich für keine gute Idee. Vermutlich nimmt er irgendein Gegenmittel ein. Wenn du ihn also nicht vergraulen willst, musst du dir was anderes einfallen lassen."

Das Gespräch mit Harry machte Hermine deutlich, wie ernst die Lage mit diesen Horkruxen wirklich war. Wenn Slughorn die einzige Person war, die einen Hinweis auf die Anzahl dieser Seelenbruchstücke liefern konnte, würden sie sich mehr anstrengen müssen, um an die wahre Erinnerung zu kommen.

Es ging auf Weihnachten zu und Hermine hatte alle Hände voll damit zu tun, Harry gut zuzureden, die zähe Angelegenheit, Slughorn die Erinnerung abzuknöpfen, so bald wie möglich wahrzumachen. Da sie ohne den Hinweis über kurz oder lang nicht viel gegen Voldemort ausrichten konnten und Hermine ständig dahinter war, kam das Thema wie durch Zufall auch in den Kerkern zur Sprache.

"Wie gut kennst du Professor Slughorn?", fragte sie eines Abends, als sie gemeinsam mit Snape im Bett lag und abwesend ihre Finger über seine Brust kreisen ließ. Sie schwelgte noch verträumt in den Nachwehen ihrer gemeinsamen körperlichen Vereinigung und hatte eigentlich gar nicht beabsichtigt, es in diesem wunderbar intimen Moment auszusprechen. "Ich meine, wie war er früher, bevor er angefangen hat, sich vor den Todessern zu verstecken?"

"Er war mein Lehrer", erwiderte Snape kurz angebunden. "Aber das heißt nicht, dass ich ihn besonders gut kenne."

"Trotzdem wird es doch irgendetwas geben, an das du dich erinnerst, oder?" Hermine hob erwartungsvoll den Kopf und sah ihn an. "Er hat neulich davon erzählt, dass du der talentierteste Schüler in Zaubertränke warst, den er jemals unterrichtet hat."

"Was hat er noch gesagt?", brummte er ohne besondere Anteilnahme zurück.

"Nicht viel. Er hat es nur nebenbei erwähnt, Severus."

Snape warf ihr einen kühlen Blick zu. "Du meinst wohl abgesehen von den Lobpreisungen unseres Wunderkinds, das neuerdings Erfolge im Brauen einheimst, die seine Kompetenzen weit überschreiten."

Hermine machte ein verdutztes Gesicht.

"Woher weißt du davon?"

"Ich bitte dich!", stieß er halb im Ärger, halb belustigt aus. "Horrace spricht von nichts anderem mehr."

Plötzlich in heller Aufregung, stemmte Hermine sich auf und lehnte sich mit dem Rücken gegen das Kopfende des Bettes.

"Du weißt, wie wichtig es ist, dass Harry einen Bezug zu Slughorn aufbaut, der es ihm ermöglicht, näher an ihn heranzukommen. Dumbledore will es so, damit wir endlich erfahren, was Voldemort geplant hat, als er noch zur Schule ging. Es könnte uns helfen, herauszufinden, wie viele Horkruxe wir finden müssen."

"Mir ist egal, was Albus will, Hermine. Es ist nicht richtig, wenn Potter sich seine Ergebnisse erschwindelt."

Sie biss sich angespannt auf die Lippe. Das war das Stichwort gewesen, auf das sie insgeheim gewartet hatte.

"Wie lange weißt du schon davon?"

"Eine ganze Weile."

"Und weißt du auch, was dahintersteckt?"

"Ich habe meine Vermutungen. Es gibt nicht viele Leute, die die geheimsten Tricks und Kniffe kennen, die in den Lehrbüchern aufgeführten Tränke so zu brauen, dass sie Vollkommenheit erlangen."

"Dann ist dir der Begriff des Halbblutprinzen also geläufig", sagte Hermine fröstelnd, was nicht alleine von der kalten Luft des Kerkers herrührte, die um ihre nackten Brüste strich. Sie hatte schon gerätselt, wer hinter dem geheimnisvollen Gekritzel in Harrys Zaubertrankbuch stecken könnte, jedoch nie den richtigen Ansatz gefunden, ihren Professor danach zu fragen.

"Ehrlich gesagt wundert es mich, dass du bisher nicht einmal in Erwägung gezogen hast, mir davon zu berichten", sagte er finster.

"Ob du es glaubst oder nicht, das habe ich", wehrte sie ausweichend ab. "Aber nachdem es so wichtig für uns alle ist, habe ich beschlossen, dem Nutzen des Ganzen einen Vorrang zu geben. Du hättest es nicht anders gemacht."

"Mag sein. Mir ist dennoch nicht wohl dabei, ihm das Buch zu überlassen. Er hat kein Recht darauf, es zu besitzen."

"Wieso hast du es dann nicht versteckt?"

"Ich war vermutlich schon zu lange in den Kerkern, Hermine. Weißt du, wie lange ich dieses Fach unterrichtet habe?"

Sie nickte gedankenverloren.

"Es liegt mir fern, dir einen Vorwurf zu machen. Aber wenn du geahnt hast, dass er es hat, wieso hast du dann nichts unternommen, um es ihm abzunehmen? Du bist doch sonst nicht so zurückhaltend mit Harry."

Snape ließ einen tiefen Seufzer vernehmen.

"Aus demselben Grund, warum auch du tolerierst, dass er damit herumexperimentiert. Es gefällt mir zwar nicht, aber es könnte ihm tatsächlich helfen, Slughorn weichzukochen."

Erleichtert kroch Hermine zurück unter die Decke und drückte ihre ausgekühlte Haut an seinen wärmenden Körper.

"Bist du mir böse, weil ich nichts gesagt habe?"

Er sah sie scharf an.

"Heb dir die Frage für später auf, wenn dein Freund anfängt, meine Zauber zu missbrauchen."

"Das wird er nicht tun."

"Er wird es nur dann nicht tun, wenn du ihn davon abhältst."

Hermine verstand den Hinweis sofort und versprach, sich darum zu kümmern. Vorerst aber hatte sie anderes im Sinn. Sie rollte sich auf ihn und küsste ihn, denn das Gefühl, ihn unter sich zu haben, war einfach überwältigend und tausendmal besser, als jetzt an Harry und sein heißgeliebtes Zaubertrankbuch denken zu müssen - sollte er jemals davon erfahren, dass es Snape gehört hatte, würde er mit Sicherheit einen ziemlichen Schock erleben.

Wie in einem Rausch spürte sie seinen wilden Atem und seine in ihren Mund drängende Zunge von ihr Besitz ergreifen. Die vielversprechenden Reaktionen seines Körpers, die gegen ihren Unterleib drückten, ließen nicht lange auf sich warten. Wie zufällig glitt ihre Hand über seinen flachen Bauch und schlang sich um seine hervorstechende Männlichkeit. Ein tiefes Grollen drang aus seiner Kehle und Hermine fuhr fort, ihn der Länge nach zu streicheln, bis er plötzlich ihre Hüften in die Höhe hob und sie auf sich setzte.

Ihre Blicke trafen sich und verschmolzen miteinander und für eine schiere Ewigkeit wagte keiner von ihnen, sich zu bewegen. Sie labten sich an ihrer vertraut gewordenen Nähe zueinander und genossen ihr Beisammensein.

Über Hermines Gesicht legte sich ein sanfter Ausdruck, der einem kaum erkennbaren Lächeln glich. Sie beugte den Kopf und senkte ihre Lippen auf seine nieder, um ihn erneut zu küssen. Sie reckte ihm ihr Becken entgegen und musste sich schmerzhaft zwingen, nicht damit auf und ab zu rutschen, als sie das unterdrückte Stöhnen hörte, das in seiner Kehle gefangen war. Etwa im selben Moment spürte sie, wie seine Hände ihren Po umfingen, um sie an ihn zu pressen.

Er packte ihren Arsch und knetete die festen Backen, dass es ihr mit jeder verstreichenden Sekunde noch schwerer fiel, sich stillzuhalten. Es war wie eine harte Prüfung, die man unmöglich bestehen konnte, eine Qual, mit ihrem Körper an ihn gefesselt zu sein und doch jedes Mal wieder den Wunsch zu verspüren, niemals das Ende zu erreichen, um für immer mit ihm verbunden zu bleiben.

Sie zog ihre Muskeln um seinen Schaft zusammen und bäumte sich auf, wo sie den Kopf in den Nacken legte und ihre Nägel in seine Brust schlug. Es geschah ganz von allein, als ihr Körper fortführte, was sie begonnen hatte. Sie fühlte ihn pulsierend und vital unter sich und hatte nur noch den verstörenden Wunsch, ihren Professor leer zu saugen.

xxx

Die Weihnachtsvorbereitungen im Schloss erreichten ihren Höhepunkt und Harrys Beliebtheitsgrad im Zuge dessen immer absurdere Dimensionen, da plötzlich scharenweise Mädchen vor dem Portraitloch der Fetten Dame auf ihn warteten, um von ihm gesehen und vielleicht sogar zu Slughorns Weihnachtsparty eingeladen zu werden. Zwar betraf dieses Verhalten nicht die Slytherins, viele andere Mädchen jedoch, die in den letzten Jahren ihre Zweifel an seiner Zurechnungsfähigkeit gehabt hatten, bekannten sich nun als Fans des Jungen, der im Zaubereiministerium gegen Voldemort gekämpft hatte. Die meisten unter ihnen waren harmlos und schüchtern, doch einige der Mädchen machten sich einen Spaß daraus, Harry heimlich Liebestränke unterzujubeln, um ihn gefügig zu machen. Glücklicherweise hatte Hermine schon alles über diese Methoden gelesen und konnte Harry mit Rat und Tat zur Seite stehen und ihn davor warnen, nicht versehentlich Opfer einer solchen Machenschaft zu werden.

Um ihm zu zeigen, dass in dieser Sache nicht zu Spaßen war, schleifte sie ihn nach der Fertigstellung ihrer Hausaufgaben in die Bibliothek und besorgte ihm ein Buch über Liebeszauber und Gegenzauber.

„Du solltest das unbedingt mal lesen, Harry", beharrte Hermine streng, die durch den nur mäßig begeisterten Ausdruck auf seinen erröteten Wangen ganz geknickt war. „Es sei denn, du fragst endlich Ginny, ob sie mit dir zu Slughorns Weihnachtsfeier geht. Ich wette, wenn du das tust, ist der Spuk ein für alle Mal vorbei."

Sie trug den Titel des Buchs in die Liste für die ausgeliehenen Bücher ein, drückte ihm den Wälzer in die Hand und schob ihn wieder nach draußen.

„Ich kann sie nicht fragen, Hermine", wand Harry gedemütigt ein, nachdem Madam Pince außer Hörweite war. „Wie oft willst du das noch hören? Sie ist Rons Schwester."

„Und was glaubst du, würde er mit dir machen, wenn du mit ihr zusammenkommst? Als dein Freund sollte er sich für euch freuen. Wenn du mich fragst, ist das ein ziemliches Trauerspiel. Ich schätze, dass Ginny nur noch mit Dean rumhängt, weil du nicht in die Gänge kommst."

Harry blieb ruckartig stehen und Hermine prallte unsanft gegen seine Schulter.

„Hat sie das etwa gesagt?"

„Nicht direkt. Aber sie ist ziemlich unglücklich mit ihrer Beziehung zu Dean. Ein paar Mal hab ich sie auf dem Mädchenklo getroffen und hätte schwören können, dass sie verheulte Augen hatte."

„Das hat nichts zu bedeuten, Hermine. Mädchen heulen oft in eurem Alter."

„Nur wenn sie unglücklich sind", sagte Hermine bissig und rümpfte die Nase.

Da Harry nicht beabsichtigte, das Buch zu lesen, brachte Hermine es am nächsten Tag zurück in die Bibliothek. Sie hatte ihr Möglichstes getan, ihn von seinem Glück zu überzeugen und konnte nicht mehr unternehmen, wenn sie nicht vorhatte, ihn dazu zu zwingen. Außerdem gab es durchaus noch weitere Dinge, die ihr Sorgen machten, so zum Beispiel die Frage, mit wem sie selbst auf diese Party gehen sollte, wenn sie nicht als offizielle Geliebte ihres Professors aufwarten wollte.

„Frag doch Ron", sagte Harry witzelnd auf dem Weg zur nächsten Unterrichtsstunde, was Hermine jedoch keinesfalls komisch fand.

„Das hättest du wohl gern", entgegnete Hermine steif und drückte sich an Lavender und Ron vorbei, die knutschend den Eingang zum Klassenzimmer für Verteidigung versperrten. Sie wählte ein freies Pult in der Nähe von Snapes Schreibtisch und knallte ihre Schultasche auf den Tisch. „Ich weiß sowieso nicht, warum Slughorn mich eingeladen hat. Wenn wir ehrlich sind, habe ich dort nichts verloren. Es wäre so schön, sich einen gemütlichen Abend in der Bibliothek zu machen oder mal wieder nach Dobby und Kreacher zu sehen ..."

Sie starrte verträumt auf das Pult. In Wahrheit hatte sie natürlich anderes im Kopf.

„Weil du eine sehr begabte Hexe bist, Hermine", sagte Harry wie selbstverständlich. „Tu nicht so, als wüsstest du das nicht."

„Wenn ich wirklich so begabt bin, warum fällt es mir dann so schwer, eine Lösung für dieses Problem zu finden?"

„Vielleicht bist du zu wählerisch. Oder du hängst noch immer an Ron."

„Wenn du dich da mal nicht täuschst, Harry."

Die Tür zum Klassenzimmer wurde aufgestoßen und die soeben noch entspannte und ausgelassene Atmosphäre im Raum änderte sich schlagartig, als Snape eintrat. Die Menge wurde still, Ron und Lavender stoben nach Luft ringend auseinander, um Platz zu machen und Granger beeilte sich, ihren Stuhl ein Stück von Potter wegzurücken.

Snape grinste hämisch. Das Verhalten seiner Schüler überraschte ihn kaum. Wenn Weihnachten vor der Tür stand und überall im Schloss aus dem Nichts Mistelzweige hervorwuchsen, drehten alle durch. Er richtete in einer vernichtenden Geste seinen Zauberstab auf die verwunschenen Dinger, von denen rein zufällig ein gewaltiges Exemplar über seinem Pult aufragte, baute sich vor der Tafel auf und faltete vor dem Schoß die Hände ineinander.

Der Unterricht konnte beginnen.