Merlin, ich hasse sie noch mehr als ich dachte
„Aufstehen, Schlafmütze.", hörte Hermine, die nun langsam in die Welt der Wachen zurückkehrte eine bekannte Stimme. Vor ihr, auf dem Sofa der Bar gegenüber sah sie einen lachenden Julian.
Als sie sich den jungen Mann genauer ansah, fiel ihr auf, das Julian geschwitzt war und bereits Sportsachen an hatte.
„Wie viel Uhr haben wir?", fragte sie verdutzt, weil sie fürchtete verschlafen zu haben.
„05 Uhr 45", antwortete ihr Julian ruhig.
„Warum wart ihr dann schon trainieren?", fragte sie erneut verdutzt. Wenn sie nicht zu spät war, warum ist dann das Training schon vorbei?
„Ich und Christian haben für uns trainiert. Jetzt trainieren wir dich.", sagte der immer noch lächelnde Julian, der Hermine aufmunternd aufs Bein klopfte und aufstand, „mach dich bitte fertig. Es geht bald los."
Genau fünfzehn Minuten später band Hermine sich gerade ihre alten Sportschuhe zu, als sie einen lauten Trillerpfeifen Pfiff durch den Gryffindor Gemeinschaftsraum hallen hörte. Hierher musste sie noch kommen, da sie gestern nicht mehr umziehen konnte.
Im Eingangsbereich stand Julian mit eben einer solchen Muggeltrillerpfeife im Mund und lächelte sie an.
„Julian, du darfst nicht hier rein und du machst alle anderen wach.", sagte sie immer noch verschlafen.
„Mine, du bist keine Gryffindor mehr. Vergessen? Du bist Externe und ich soll dich trainieren. Also entweder du verfrachtest dein Hinterteil jetzt hier raus oder ich pfeife und benutze dann den Sonorus Zauber. Und zwar nicht während ich spreche.", statuierte er ihr eindeutig und unmissverständlich.
Empört zischte Hermine und rauschte an ihrem zukünftigen Peiniger vorbei.
Ich hasse ihn immer noch.
Aber kann man den Sonorus Zauber wirklich benutzen wenn man mit einer Trillerpfeife pfeift?
Nachdem sie kurz durch das Schloss gegangen waren, kamen sie einige Minuten später auf dem Vorgelände an. Zu Hermines Überraschnung warteten dort nicht nur Christian, sondern auch Kingsley und Mad-Eye Moody.
„Hallo Hermine. Wir sind nur kurz hier, weil Christian uns gerne vorstellen will, wie sie dich trainieren wollen. Und sich selbst natürlich.", erklärte ihr King, dessen Aussage von einem Grummeln Moodys gestützt wurde.
„Genau, ja, danke. Eigentlich nicht so wahnsinnig schwer. Da wir nun den ganzen Tag zur Verfügung haben, können wir viel detaillierter auf alles eingehen. Wir beginnen morgens mit zwei Stunden Sport, wonach wir frühstücken. Darauf folgend haben wir viele verschiedene Themen die wir gerne behandeln würden. Allgemeine Fächer die wir für wichtig erachten, wären dann die Zauberkampftechniken, die Muggelkampftechniken, realistisches Duellieren, Transfiguration im Kampf und Okklumentik. Zusätzlich wollen wir gerne noch einige vertiefendere Fächer und Themen besprechen, wie die Gedankenlehren an sich, Todesserkunde, Kriegsstrategien am aktuellen Beispiel und die Vorteile beim Benutzen alternativer Magie, wie zum Beispiel Zaubertränke.", erklärte ihr der zweite Deutsche.
„Da habt ihr viel vor…", murmelte und lachte Moody gleichzeitig.
„Wo du recht hast, hast du recht, Mad-Eye.", sagte jetzt Julian lächelnd.
„Danke, das reicht. Viel Spaß, Hermine.", sagte Kingsley der mit Moody den Weg zum Schloß lachend zurückging.
„Also Mine, los geht's. Lauf einfach mit mir, alles weitere sag ich dir währenddessen.", sagte Julian der schon loslief. Christian schlug seinem deutschen Kumpanen auf die Schulter und ging zurück zum Schloss.
Hermine brauchte einige Sekunden um alle Informationen zu verarbeiten, bis sie dann schließlich Julian auf seinem Weg in Richtung Quidditch Feld folgen konnte.
Hermine brannten so viele Fragen auf der Zunge, doch schon nach wenigen Minuten war sie so erschöpft, das Fragen stellen, viel zu viel Kraft gekostet hätte. Schweiß lief ihr von der Stirn und sie wusste, es dürfte nicht mehr allzu lange dauern bis sie Seitenstechen bekommen würde.
Als es dann so weit war und sie schmerzverzerrt mit den Händen in den Seiten stehen blieb, sah sie Julian lachen und wurde anschließend von einem roten Fluch getroffen der sie umwarf.
Als sie wieder zu sich kam, stand Julian über ihr und ihr Kreuz tat sehr weh.
Der Bastard hat mich geschockt...
„Tot.", sagte er und bot die Hand an. Als sie diese ergriff und wieder aufstand, bemerkte sie das stechen ihrer Körperflanken wieder. Julian animierte sie zum Loslaufen, doch als sie sich weigerte wurde sie erneut von einem roten Blitz aus Julians Finger getroffen, deutlich härter als der letzte.
Erneut wurde sie geheilt und hörte nur das Wort „Tot." Aus Julians Mund.
Dieses Mal bot er ihr keine Hand an und lief einfach los. Hermine rappelte sich auf und rannte ihm unter Schmerzen verzweifelt hinterher. Sie wusste sie würde gleich zusammen brechen doch nach wenigen Metern, vielleicht einhundert, hörte Julian auf zu laufen und fing an zu gehen.
„Wenn wir fertig mit Laufen sind, gehen wir uns aus. Auf gar keinen Fall legen oder setzen wir uns, verstanden? Wenn du jemals auf die Idee kommst, das zu tun, kenn ich einige tolle Zauber die dir dabei helfen deinen Körper nicht ganz freiwillig weiter zu bewegen."
Hermine konnte nur nicken. Nicht weil sie seine Drohung guthieß, aber sie war zu erschöpft um irgendetwas zu sagen.
„Auf den Boden.", sagte Julian, der sich augenblicklich auf den Boden fallen ließ. Hermine schaute ihn verdutzt an, doch wurde augenblicklich von einer unsichtbaren Kraft schmerzhaft auf den Rücken befördert.
„Gut, Sit-Ups. Zwanzig, Pause von 10 Sekunden, wieder 20. Das ganze 5 Mal, sodass du hundert hast. Ich mache mit.", sagte er.
Hermine begann die Sit-Ups nur widerwillig, da sie die Konsequenzen, was passieren würde, wenn sie sie nicht machen würde, nicht erleben wollte. Nachdem sie mehr oder weniger mit den hundert Sit-Ups fertig war, wollte sie gerade aufstehen, wie Julian es zuvor auch gemacht hatte, als sie von Julians Magie auf den Boden gedrückt blieb. Sie wusste, sie könne sich dagegen wehren, schließlich war das alles ohne Zauberstab, aber es war nicht im Sinne ihres Training.
„Wieder hundert.", sagte er.
Ungläubig schaute Hermine ihren Peiniger an. Wie sie ihn doch hasste:
„Was? Das kann ja wohl nicht dein Ernst sein. Ich konnte die letzten schon kaum mehr gerade machen ohne das Gefühl haben aufgerissen zu werden."
„Wenn dein letzter Nummer einhundert und nicht einundneunzig gewesen wäre, hätte es auch gereicht.", sagte er lächelnd.
Woher weiß er das? Er war viel zu konzentriert auf seine eigenen Sit-Ups.
Lächelnd fügte er hinzu:
„Zählzauber, gewöhne dich dran."
Sie wusste das es so kommen würde, als sie das erste Mal geschockt wurde, während dem Laufen und doch hoffte sie das es nicht passieren würde. Nach ihrem 62. Sit-Up der zweiten Runde erbrach Hermine. Als ihr gestriger Mageninhalt den Weg nach draußen bahnte und auf der Wiese neben ihr landete, stiegen ihr die ersten Tränen in die Augen. Gerade mal eine Stunde hat sie ohne Weinen durchgehalten.
Als Julian sah, was passieren würde, lief er schnell zu Hermine deren erstes Erbrochenes auf der Wiese landete. Schnell stand er hinter ihrem Körper, was sie zusammen zucken lies. Mit einem schnellen Accio in Richtung seiner Tasche flog ihm die Flasche mit dem Zaubertrank in die Hand.
„Schau mich an.", sagte er daraufhin, doch Hermine schüttelte nur mit dem Kopf.
Hermine konnte und wollte ihn nicht anschauen. Sie hasste ihn, zumindest gerade im Moment, aber trotzdem beschämte es sie, das er sie weinen sehen würde. Sie wusste es würde hart werden, doch niemals hatte sie erwartet das das Training so werden würde.
Langsam liefen ihr die Tränen die Wangen hinab und tropften auf den Boden.
Plötzlich merkte sie eine Hand an ihrem Kinn, die ihren Kopf in den Nacken riss und eine Flasche an ihren Mund hielt. Ohne wirklich zu wissen, was es ist, fing sie an zu trinken und beendete dies kurze Zeit später, immer noch unter Tränen.
„Was war das?", fragte sie nach einigen Momenten der augenblicklichen Besserung.
„Ein Trank der hilft.", antwortete Julian, der zu ihrer Überraschung neben ihr Platz nahm.
Immer noch liefen ihr die Tränen die Wangen hinunter. Hermine konnte nicht aufhören zu weinen. Durch die plötzliche Trainingspause fühlte sie sich so erleichtert das ihre Tränen der Scham zu einer Art Freudenstränen wurden, wobei sie sich immer noch beschämend und falsch anfühlten.
Zu ihrer großen Überraschung merkte sie einen Arm um ihre Schulter und das Julian sie näher zu sich ran zog. Komplett überwältigt von dieser ungewöhnlichen Geste liefen noch mehr Tränen ihre Wangen hinunter und Hermine begann zu schluchzen.
„Ich weiß es ist hart. Und ob du glaubst oder nicht, mir gefällt es auch nicht, dich so zu behandeln. Aber der Anfang ist immer am Härtesten. In wenigen Wochen lachst du dich selber dafür aus, das du nicht an dich geglaubt hast, Mine. Du schaffst das, ich bin ganz sicher.", sagte er in einem ruhigen Ton und hielt sie noch einige Minuten als ihr Weinen weniger wurde. Erschöpft sah sie ihn an und wollte sich gerade bedanken, als er sie anlächelte und sagte:
„Spar dir das. 10 Liegestütze."
Wie sehr ich ihn doch hasse.
Nach weiteren Kraftübungen, die Hermine noch einmal zum Erbrechen brachten, beendete Julian das Sporttraining und ging mit Hermine zum Frühstück. Dort angekommen achtete er penibel darauf das sie genug Kohlenhydrate zu sich nahm. Sie hatte keinen Hunger, anders als vor dem Training und doch aß sie mehr als normalerweise.
Anschließend gingen sie wieder raus ins Gelände, wurden aber von Christian und Sirius erwartet.
„Hallo Hermine. Siehst scheiße aus.", sagte Sirius wieder einmal viel zu direkt aber lachend.
Hermine gab ihm ein ironisches Lachen zurück und schaute zu Christian:
„Also? Ich glaube wir haben noch genug auf dem Zeitplan heute." Sie erhoffte sich von dieser direkten Art Verwirrung zu erreichen, scheiterte aber, als Christian lächelte und mit einem Nicken in Julians Richtung fragte:
„Noch nicht genug gekotzt heute? Wie oft?"
Julian lächelte zurück und sagte:
„Zweimal."
Hermine verzog hasserfüllt das Gesicht. Was sie dabei wunderte ist, das Christian dies ebenfalls tat und Julian hingegen weiter lächelnd sagte:
„Ich sagte doch sie ist taffer als du denkst. Leicht verdientes Geld..."
Kopfschüttelnd begann er in die Mitte ihrer Gruppe zu schreiten und diktierte Hermine, sowie Sirius gegenüber.
„So, nun soll es um Zaubertheorie gehen. Ich erkläre jetzt mal nicht was unsere Lerngewinne sind, sondern wir fangen an. Hermine ich möchte das du Sirius entwaffnest. Mit dem bekannten Expillarmus.", erklärte ihr Christian, als er kurz darauf den bekannten Zauber Sirius entwaffnen sah.
„Wieder. Präg dir genau ein was bei Sirius passiert."
Wieder und wieder zauberte Hermine den Entwaffnungszauber auf Sirius und sah wie der Inhalt seiner Hände, genauer sein Zauberstab, aus seiner Hand flog. Normalerweise hätte sie jetzt gemurrt und die Ineffizienz des Unterrichts angezweifelt doch offen gesagt tat ihr gesamter Körper immer noch weh und sie wollte nicht zu unliebsamen Übungen zurück kehren.
Nach einigen weiteren Vorgängen, stoppte Christian das Ganze und ließ Julian an Sirius stelle gehen. Erneut sollte Hermine ihn entwaffnen.
Wieder einmal dachte sie sich Expilliarmus und der Zauber raste auf Julian zu.
Alles wie gewohnt.
Doch dann passierte das unerwartete. Anstatt seinen Zauberstab wie Sirius zu verlieren, hielt Julian ihn weiter in der Hand. Auch Sirius selber schien erstaunt, denn der Mann war selten leise wenn jemand blamiert wurde.
„Wie?", fragte Hermine ungläubig.
„Genau das, ist dein Ziel für heute. Teste an Julian so viel du willst, auch an Sirius wenn du magst, aber finde heraus warum einer den Stab verliert, der andere aber nicht.", forderte Christian wie ein Lehrer.
Also fing Hermine an zu testen. Dafür stellte sie Julian und Sirius direkt nebeneinander und schockte abwechselnd die beiden. Nach einiger Zeit bemerkte sie Unterschiede. Wohingegen Sirius immer wieder von einer Art Ruck erfasst wurde, schien Julian der Einschlag des Zaubers nie zu treffen.
Jedenfalls ließ er es sich nicht ansehen.
„Julian, wenn selbst Sirius es aus seiner aktuellen Position nicht sieht, wie soll sie es dann lernen du Idiot?", fauchte Christian Julian an, dem das Ganze scheinbar so langsam auch nervte, „soll sie deinen Verstand erst mit Legilimenz angreifen bis du kapierst das sie es so nicht lernen wird."
Julian verzog das Gesicht zu einer Grimasse und sagte:
„Ich wollte das sie mich um Hilfe bittet, nicht du Arschpfeife."
„Wir haben noch anderes Training zu tun.", antwortete Christian wieder.
„Na schön, pass jetzt auf.", sagte Julian und winkte Hermine zum Angriff.
Erneut schoss ihr Entwaffnungszauber auf Julian zu, der jedoch eindeutiger als zuvor, seinen Zauberstab vor dem Auftreffen des Entwaffnungszauber fallen ließ und nach dem Entwaffnungszauber wieder auffing.
„Du lässt den Zauberstab fallen bevor der Entwaffnungszauber dich trifft und fängst ihn direkt danach wieder. So verlierst du deinen Zauberstab nicht. Weil deine Hände sich nicht leeren können, da er ja nicht in deiner Hand ist.", erklärte sie, mehr oder weniger stolz, weil sie es durchschaut hatte.
Julian grinste daraufhin, ging er auf sie zu und sagte:
„Drei Schritte. Schritt Nummer 1 ist das Fallenlassen und wieder Auffangen des Stabs. Nummer 2 ist das hier."
Daraufhin ließ Julian seinen Zauberstab fallen. Anstatt wie vorher seine Hand zu nutzen um den Stab wieder aufzufangen, flog dieser wie ein Jojo wieder zurück. Zauberstablos raste er einfach wieder in seine offene Hand.
„Schritt Nummer 3 ist dann die Perfektion. Du formst in der Sekunde des Aufpralls ein Loch inmitten deiner Hand die den Zauberstab hält und lässt ihn zauberstablos schweben. So sieht dein Gegner nicht was du tust aber sein Fluch wurde abgewehrt."
Erstaunt über diesen Trick von dem sie nie zuvor etwas gehört hat, sah Hermine Christian wieder vortreten:
„Dieser kleine Trick kannst du gerne in deiner Freizeit oder mit Julian üben. Leider wird er dir im kampf gegen verkackte Todesser nicht viel helfen... Doch eigentlich war diese kleine Präsentation hier aus einem anderen Grund. Es ging um das Verständnis dieses Faches."
„Anders als wir, arbeiten und denken Tommys Schergen ausschließlich mit den dir erklärten Schubladen. Doch diese Schubladen haben Limits die wir zur Schadensminimierung oder sogar zu unserem Vorteil ausnutzen können.", fuhr Julian fort, „Nicht jeder Fluch ist endgültig wie der Avada Kedavra. Wusstest du bereits das ein Schockzauber im Kopfbereich oftmals zum Tode führt, weil das Gehrin zu hart getroffen wird?"
„Oder das ein Schnittfluch viel Schlimmer ist, wenn er nicht rechtwinklig sondern mit möglich großem Winkel auftrifft. Ein Entwaffnungszauber der tatsächlich nur den Feind von seinem Inhalt der Hände befreit und deswegen leicht ausgetrickst werden kann.", übernahm Christian wieder, der jetzt sogar lächelte, „hier geht es zwar um Theorie, die aber wenn sie in deine Kampftechniken eingearbeitet wird, mehr als nützlich sein wird, die einzelnen bekannten Zauber zu verstehen und damit gut umzugehen."
Hermine nickte auf diesen Vortrag und lächelte sogar etwas.
Anschließend hatten sie Mittagspause, die Hermine genoss um mal nicht mit Julian oder Christian zu essen oder zu reden, sondern mit ihren Gryffindorfreunden am dazugehörigen Tisch.
„Und dann habe ich gebrochen...", beendete Hermine gerade ihre Rückerzählung an den Unterricht mit Julian.
„Du hast was?!", schrie Ronald empört auf. In diesem Moment wusste Hermine das sie einen großen Fehler gemacht hatte. Der jüngste männliche Weasley war zu impulsiv und würde jetzt sicher versuchen, ihre Ehre zu verteidigen.
„Ist schon gut, Ron. Jedenfalls haben wir dann nach kurzer Pause wieder Übungen gemacht und dann...", wollte Hermine den Satz ins nichts laufen lassen, als sie merkte das sie wieder über ein erneutes Erbrechen reden würde.
„Und dann?", fragte eine anscheinend wirklich interessierte Lavender, die neben Ron saß.
„Dann habe ich wieder gebrochen...", murmelte Hermine, was Ron die Gesichtsröte brachte, die seine Wut wiederspiegelte.
Ziemlich wütend stand er auf und ging in Richtung des Slytherin Tisches wo Julian und Christian saßen.
„Ohoh", murmelte Harry, der seinem besten Freund hinterher schaute.
„Wetten welchen Fluch die beiden gegen ihn benutzen?", sagte Fred, während George schon das Notizbuch auskramte.
„Sicher das alles in Ordnung ist, Hermine?", fragte Harry, der die Hand seiner besten Freundin unter dem Tisch ergriff.
„Ja, Harry, danke. Wenn ich ein Problem damit habe, sag ich es den beiden selber. Julian war heute morgen auf das Erbrechen vorbereitet, hatte extra Heiltränke dabei. Es liefen sogar Wetten... Ich weiß nicht warum, aber ich vertraue ihnen. Keine Ahnung ob das Training so wirklich sinnvoll ist, aber ich kümmere mich da selber drum. Vielleicht gehört das auch zum Aufnahmevorgang der Externen. Über die Jahre kamen ja nicht so viele dazu.", sagte Hermine, die gerade beobachtete wir Ron bei den beiden ankam.
„Ich dachte immer es liegt an mir, das keine angenommen werden würden, weißt du. Weil ich mich immer bewerbe und abgelehnt werde, darf kein anderer hin...", sagte Harry, „aber ihr habt mir das Gegenteil bewiesen. Ich weiß du kannst nichts dafür, aber auch ich bin neidisch."
„Irgendwann wirst du kämpfen Harry, deine Zeit wird kommen. Nur nicht jetzt."
Zum allgemeinen Erstaunen am Gryffindortisch kam Ronald ohne einen einzigen Fluch abbekommen zu haben, wieder zurück zum Tisch.
„Haben sie dich nur mit Worten zerstört Ron?", fragte ein lachender George, der Geld von allen kassierte weil keiner diese Option gesehen hatte.
„Sie sagten, ich solle mir mal Gedanken darüber machen, ob Hermine überhaupt will das ich für sie herum renne. Julian meinte, er ist sich sicher, wenn sie ihm sagen wolle, das er Abschaum ist, dann hätte sie das getan. Er würde nichts ändern, außer sie selbst sagt etwas dagegen. Schließlich sei sie die Betroffene.", sagte Ron während er sich hinsetzte.
Erstaunte Blicke fielen zu dem Rotschopf, der im Normalfall nicht so einsichtig ist.
„Und was haben sie noch gesagt?", hakte Ginny nach, die ihrem Bruder anscheinend die Geschichte nicht vollends abkaufte.
„Das wenn ich mich nochmal ohne Hermines Einverständnis beschwere, ich als Zielscheibe in Hermines Training benutzt werde...", murmelte Ron beschämt, was viele am Tisch lachen ließ.
Ungewöhnlicher Stolz machte sich in Hermine breit. Das war so etwas wie ein Lob der beiden. Das zweite Fast-Lob an einem Tag. So schlimm war das Training doch nicht.
Merlin, wie ich die beiden hasse., dachte sich Hermine noch keine halbe Stunde später. Zauberkampf stand auf dem Programm, wobei das eher einem Spießrutenlauf, bei dem Hermine pro Minute 10 Schocks abbekam glich.
Die beiden hatten sogar Moody dazu geholt, der zusammen mit Christian feuerte, während Julian sie jedes Mal direkt wieder heilte.
Hermine fiel, rappelte sich auf und stand fast wieder und fiel wieder. Oft landete sie auf ihrem Gesicht, was auch schon aus ein paar Wunden blutete, doch es war ihr egal. Tage später würde sie den Sinn dieser Übungen, die wie sie jetzt dachte, nur ihr Selbstwertgefühl senken sollten, verstehen.
„Halte den Einfluss des Treffers klein. Selbst wenn du mal verwundet bist und geheilt wirst, musst du weiter machen. Gib niemals auf.", schrie sie Julian an.
„Schnellere Beinarbeit, oder sie schocken dich noch tausend Mal bis das hier vorbei ist.", schrie er, beim nächsten Treffer.
Als sie dann wieder getroffen worden ist, schrie er:
„Soll ich ihnen sagen, das wir die Stärke der Schocks erhöhen, weil es dir zu einfach ist, jedes Mal wieder aufzustehen?"
Hermine hasste ihn, aus tiefstem Herzen mit größter Motivation. Wie er sie verhöhnte, jedes einzelne Mal das sie fiel.
Sie wollte sich Luft machen. Einmal eine Antwort haben die ihn verstummen ließ. Gerade als sie ihn beleidigen wollte, flüsterte er:
„Zeit den Spieß umzudrehen. Wen willst du, Moody oder Christian?"
In dem Moment wurde sie wieder getroffen und viel zu Boden. Julian heilte sie direkt und hielt ihr die Hand hin.
„Nimm du Moody, ich Christian.", flüsterte sie, „nachdem du mich das nächste mal hochziehst."
Direkt fiel sie wieder zu Boden, Julian heilte sie schnell und zog sie zu sich rauf.
„Umarm mich und feuer an mir vorbei auf Christian.", wies er sie an. Etwas verdutzt aber doch einverstanden, fiel sie in seine Arme und schoss den roten Zauber in sein Zauber in Richtung von Moody flog. Christian ging erschrocken zu Boden und Hermine musste unwillkürlich lächeln.
Es kam Julian so vor als würde Moody seinen Angriff durch lautes Lachen abwehren. Ohne Probleme, nur mit einem kleinen Wisch seines Zauberstabs beschwor er einen Schild. Dies brachte ihn auch unwillkürlich zum Lachen, während er Hermines Körper immer noch an sich gepresst hatte, doch an ihr vorbei seinem Gegner in die Augen schaute.
„Mine, ich muss einen alten Saftsack fertig machen.", flüsterte er ihr zu und ließ sie etwas verdutzt aus seinen Armen.
Just in dem Moment, in dem Hermine Julians Umarmung verließ, realisierte sie, wie schwer es werden würde, Christians Abmachung einzuhalten.
„IMMER WACHSAM, Bürschchen. Dein Freund hat es nicht geschafft.", lachte Moody ihn immer noch an.
„Die Rache ist mein Moody.", sagte Julian, dem nun auch sein zweiter Zauberstab in die Hand flog.
„Dann zeig mal wie gut du bist, Kleiner.", sagte Moody wieder.
Julian lächelte den alten Auror an und senkte verschmitzt den Kopf. Mal sehen wie er auf seine eigenen Waffen reagieren würde:
„Imperio", sagte Julian deutlich hörbar. Wie erhofft war Moody dadurch etwas verwirrt und fing erst spät an auszuweichen.
„Kannst gut tanzen, alter Mann.", provozierte ihn Julian.
„Meine eigenen Waffen gegen mich verwenden, guter Schachzug.", schrie Moody zurück.
Hermine sah mit außerordentlicher Entspannung dem Duell zu. Nicht weil Duelle so entspannend waren, aber sie waren allemal besser als das Zauberkampftraining. Wenn sie richtig mitgezählt hatte, wurde sie etwa fünfzig mal geschockt. An ihrem ganzen Körper spürte sie das nun.
Es war das erste Duell in dem Julian die Initiative ergriff. Wenn sie offen hätte sprechen müssen, hätte sie gesagt, es sah faszinierend aus. Während sein Zauberstab sich kaum bewegte, feuerte Julian Zauber um Zauber auf Moody, der alle Hand zu tun hatte. Nichts desto trotz, schaffte dieser es immer wieder Julian einen eigenen Fluch entgegen zu schleudern. Hermine erkannte kaum einen der Zauber.
So war es auch Mad-Eye der so wie Hermine es sah, den ersten Treffer verzeichnete. Während Julians letzte Zauberkette etwas zu lange gedauert hatte, brach ein Fluch von Moody durch das Schild des jungen Mannes und verletzte ihn an der Schulter. Augenblicklich bekam Moody die überhand und Julian begann zu verteidigen, wobei er seinen linken Stab an seine Schulter bewegte und diese scheinbar heilte.
„Deine zwei Stäbe haben schon Vorteile, Junge."
Von Julian hingegen war nur ein Grummeln zu hören. Mit einem Zauberstabwisch erschuf er seinen Patronuszauber, der sofort auf Mad-Eye losjagte. Direkt hinter diesem Zauber, desillusionierte er sich und verschwand. Wenige Milisekunden später sah Hermine ein blendendes Licht, was ihr sämtliche Sehkraft raubte.
Als einige Momente später das Licht verschwand, stand Mad-Eye vor Julian, der auf dem Boden lag und heftig hustete.
Langsam drehte der alte Mann den Kopf und sagte:
„Miss Granger, ich glaube ihre Bündnispartnerwahl war falsch."
Direkt danach wurde Hermine von den Beinen gerissen und landete auf dem Rücken, ohne das sie sich bewegen konnte.
„Verdammte scheiße, es war so knapp. Der Patronus war zu viel, glaub ich... Ich hatte ihn doch schon, woher wusste er wo ich war.", murmelte Julian vor sich hin. Er wollte wahrscheinlich eine Konversation mit Hermine führen, was diese jedoch eher ablehnte. Nicht weil sie sauer auf ihn war, aber zu behaupten sie wäre gerade an seinem Selbstmitleid interessiert wäre auch eine Lüge.
Christian und Moody gingen vor ihnen und schritten gut gelaunt in die Essenshalle ein.
Also Christian hat diese Überlegenheit ja wohl kaum verdient...
„War es das für heute Julian?", fragte Hermine, körperlich völlig am Ende.
„Nein.", sagte dieser immer noch schlecht gelaunt.
„Hugghhh. Was denn noch?", antwortete sie.
„Okklumentik.", sagte dieser wieder, was Hermine entspannen und lächeln ließ. Seit Tagen versuchte sie die Übungen die er ihnen gegeben hatte, zu bewerkstelligen und es machte Spaß, nur mit seinen Gedanken zu arbeiten.
„Okay.", antwortete sie und sah Julian Christian in Richtung eines anderen Haustisches folgen, „Komm doch mit zu den Gryffindors."
Julian lächelte sie an und sagte:
„Schau mal dein Gesicht an. Wenn der gute Ronald das sieht, dann greift der mich an."
Erst jetzt realisierte Hermine das sie sich immer noch nicht heilen gelassen hatte. Julian der anscheinend ihre Gedanken verstand, sagte:
„Ich mache das nachher vor dem Unterricht in Okklumentik. Ich denke wir sind uns einig das das Essen wichtiger ist."
Als sie beide am Gryffindortisch ankamen machten viele der andere empörte Gesichter als sie Hermine sahen.
„Was ist denn mit dir passiert?", erkannte Julian Seamus Stimme der etwas weiter am Tisch saß.
Merlin, warum hasse ich den so?
„Alles in Ordnung. Training war heute hart.", sagte Hermine, was viele die Gesichter verziehen ließ.
Julian heimste sich viele böse Blicke ein, bis einer der Weasley Zwillinge auf dem Platz neben ihm Platz nahm, Julian auf den Rücken langte und sagte:
„Du siehst ja mal scheiße aus."
„So, lass mich den hier noch wegmachen...", murmelte Julian, der auf einem der Drehstühle gegenüber von Hermine in ihrem Büro saß und mit seinem Zauberstab im Gesicht der jungen Dame herumfuchtelte. Bevor er den Heilzauber sprach, strich seine Hand über die leichte, mit Blut verschmierte Wunde wo ihr Gesicht wieder auf den Boden gefallen war.
Eigentlich wollten sie die Büroräume geheim halten, aber da auch Hermine zu den Externen gehört, zeigte Julian ihr alle Räume, die bald benutzt werden würden oder schon werden. Ihren Fingerabdruck lies er aber ohne Christians eindeutiges Einverständnis noch nicht zu.
Als der letzte Kratzer weg war, begann Julian mit der Okklumentik Stunde.
„In der öffentlichen Stunde hast du gelernt, deinen Gedankenraum zu bilden. Unser Ziel ist es, diesen weiter zu modellieren. Ich will, das du versuchst, ein Rechteck, wie einen Flur zu erschaffen. Wenn du es schaffst, sogar Räume links und rechts. Verstanden?", fragte sie Julian.
Hermine nickte und freute sich auf die neue Aufgabe.
„Ich gehe zu den Externen. Ich werde mit Christian anfangen Erinnerungen zu extrahieren. Das ist ein langwieriger Prozess und in den nächsten Wochen und Monaten will ich, das du lernst wie das im Prinzip geht. Du hast bis 21 Uhr, also etwa eine Stunde. Danach schauen wir mal ob du was erreicht hast."
Erneut nickte Hermine und Julian stand auf um den Raum zu verlassen.
„Ach und Hermine.", fing er an und stoppte kurz, bis sie ihn ansah, „du hast dich heute mehr als nur gut geschlagen. Auch wenn es dir nicht so vorkommt, du hast heute einige sehr überrascht. Mich eingeschlossen."
Julian hatte das Gefühl, er musste ihr ein Kompliment machen. Ihr Selbstbewusstsein hatte es nötig und sie hatte es offen gesagt verdient. Denn von Christian würde sie keines bekommen.
Christian und Julian konnten an diesem Abend viele Erinnerungen über Voldemort und seine Gefolgschaft sammeln. Besonders die über den Mann selbst und einige seiner treusten Schergen waren sehr interessant. Bellatrix LeStrange und Antonin Dolohov waren dabei wohl die interessantesten. Durchgeknallt, brutal und ohne jeglichen Sinn für Moral.
Kampftechnisch unterscheiden sich die englischen Todesser nur wenig von den deutschen Pendants. Tendenziell würden sie sagen, hatten die englischen ein paar dickere Nüsse zu knacken, wie die Deutschen. Trotzdem hatte Julian nicht sehr viele gesehen, vor denen er Angst hatte. Auch Mad-Eye hat betont, dass es nur sehr wenige gibt, die den Top-Kämpfern des Lichts entsprechen. Der gewaltige Vorteil der Feinde lag nur darin, dass sie zahlenmäßig in England etwa eins zu achthundert überlegen waren.
Besonders interessant waren die Erinnerungen an Begegnungen mit Riddle selbst. Der Mann wirkte vor allem arrogant und tendiert dazu, sich auf Kampfeshandlungen rauszuhalten. Wenn er dann doch einmal involviert wurde, war auch die Genialität die hinter der Fassade steckt sichtbar.
Durch die Erinnerungen die Julian und Christian an diesem Abend sammelten, wurde eine neue Top-Liste mit Zielen erstellt. Die Top 12-Ziele:
Tom Riddle Jr.
Lukas Grindelwald
Bellatrix LeStrange
Antonin Dolohov
Lucius Malfoy
Jens Schneider
Rudolphus LeStrange
Rabastan LeStrange
Michael Selwyn
Marcus Yaxley
Flint Rookwood
Peter Nott
Author Note:
Viel Spaß beim Lesen in den Ferien GryffindorGirl
Reesaldo123
