ZEHN

„Hast du von dem Glitterer-Artikel mit Harry gehört?"

Tonks sah Remus unter dem Tarnumhang freudig erregt an.

„Ja", sagte Remus und ließ die Schokolade über seine Zunge gleiten, „Sirius hat die Zeitung seit letztem Sommer abonniert. Nach eigener Aussage, um es frühzeitig zu erfahren, wenn sie als nächstes behauptet, er wäre eigentlich der Zaubereiminister von Saudi-Arabien und nur hier um einen terroristischen Akt gegen Großbritannien vorzubereiten. Er meinte, dass er schließlich nur, wenn er informiert ist, den Erwartungen gerecht werden kann."

Tonks grinste, und steckte eine Hand in die Innentasche seines Umhangs um sich auch einen Schokodrops zu nehmen. Remus war sehr froh, dass ihr Umgang miteinander nach ihrer Nacht zusammen vor knapp einer Woche nur entspannter und unbeschwerter geworden war. Es war als wären sie wieder beste Freunde und das machte Beschattungen wie diese eigentlich zu sehr angenehmen Unternehmungen.

„Voll cool, dass er nach all dem Mist, den man in den Zeitungen über ihn schreibt, trotzdem noch den Mut hat, sich hinzustellen und einfach seine Sicht der Dinge zu erzählen", sagte Tonks begeistert.

„Gryffindor halt", murmelte Remus und spähte in der Dunkelheit zu dem Haus auf der anderen Seite des Feldes hinüber.

„Ja", meinte Tonks schnaubend, „couragierte, leichtsinnige Trottel!"

Remus zog eine Augenbraue hoch und suchte Tonks' Blick. Sie grinste daraufhin schelmisch und zwinkerte ihm zu.

„Dir ist schon klar, dass du von uns beiden der Auror bist, oder?", sagte Remus mit ironischem Unterton und betonte jede Silbe.

Tonks zuckte mit den Schultern. „Ich kämpfe, weil es etwas gibt, was es zu schützen lohnt, nicht des Ruhms oder des Nervenkitzels wegen."

Remus nickte langsam, während er über ihre Antwort nachdachte.

„Glaubst du, wir hätten uns gemocht, wenn wir uns in der Schule begegnet wären?", fragte Tonks nachdenklich.

„Da ich dann dein Lehrer gewesen wäre, wahrscheinlich nicht", entgegnete Remus trocken.

„Vielleicht gerade dann", entgegnete Tonks kokett. Remus sah etwas irritiert hinab in ihr schelmisches Grinsen und die leuchtend weißen, in die Unterlippe gedrückten Zähne und zog seine Augenbrauen hoch.

„Wie auch immer", meinte Tonks nach einem Moment der Stille, „ich wette du warst ein ziemlicher Streber in der Schule. Os in allen Prüfungen und immer der erste, der sich gemeldet hat und demzufolge in den Korridoren verhext wurde."

Als Tonks seinen verdutzten Blick sah, konnte sie sich nur mit Mühe einen Lachkrampf verkneifen.

„Du hast ziemlich falsche Vorstellungen von meiner Schulzeit, Tonks", sagte Remus belustigt und schüttelte leicht irritiert den Kopf.

„Oh wirklich?", fragte Tonks und Ironie sprach aus ihrem Tonfall.

„Ja", meinte Remus entschieden, „mit James und Sirius als meine besten Freunde, gehörte ich definitiv zu den coolen Leuten." Tonks fing nur noch mehr an zu lachen und hielt sich schwankend an Remus' Arm fest um nicht umzufallen.

„Ich kann vielleicht nicht leugnen", meinte Remus langsam, „das ein Außenstehender, jemand der nur eine sehr oberflächliche Vorstellung meiner Person hätte, vielleicht… möglicherweise, den Eindruck hätte bekommen können, dass ich ein wenig überambitioniert meine schulischen Leistungen betreffend war, aber…"

Tonks stützte ihre Stirn gegen seine Brust und steckte sich ihre Faust in den Mund um ihren noch stärker ausufernden Lachanfall zu dämpfen. Remus musste unwillkürlich lächeln und legte wie automatisch eine Hand an ihren Rücken. Nach und nach beruhigte sich Tonks wieder und sie standen schweigend beieinander und sahen zu dem großen Landhaus hinüber. Tonks' Wange ruhte dabei warm an seiner Brust.

„Und ich bin durch meinen Zaubertränke-ZAG fast durchgefallen", sagte Remus nach unbestimmter Zeit leise.

„Wirklich, kein Talent fürs Brauen?", entgegnete Tonks ihren Kopf immer noch an seine Brust gelehnt. Remus schüttelte nur sachte seinen Kopf.

„Nur den Wolfsbanntrank, dann?"

„Nicht mal den", meinte Remus sachlich. Tonks hob erstaunt den Kopf um ihn anzusehen.

„Im Ernst?", fragte sie ungläubig. Remus nickte.

„Hast du es probiert?"

„Nun", sagte Remus und kratze sich unsicher im Nacken, „ich hab das Rezept studiert als er erfunden wurde, aber er ist recht schwierig zu brauen und…" er zögerte und wich Tonks' Blick aus, „die meisten Zutaten sind ziemlich teuer."

Er konnte für einen Moment Tonks' Blick spüren.

„Kann man ihn fertig gebraut kaufen?", fragte sie nach einer Weile leise.

Remus schüttelte den Kopf. „Anscheinend muss man ihn jeden Monat frisch zubereiten und dann bis wenige Stunden vor Gebrauch über dem Feuer köchelnd lagern. Und fertig gebraut wäre er ohnehin noch unerschwinglicher."

„Ja, aber", Tonks klang leicht irritiert, „das wäre trotzdem machbar und das Ministerium könnte es finanzieren und kostenlos herausgeben."

Remus schnaubte unwillkürlich auf. „Wieso sollten sie das tun?", fragte er mit leichter Verbitterung in der Stimme.

„Weil es doch besser ist, ihn jetzt an Bedürftige auszugeben, als zu riskieren, dass weitere Leute angesteckt werden und das Problem für die Gesellschaft sich damit nur verschlimmert!" Tonks schien nun tatsächlich aufgebracht. Ihre Wangen hatten sich leicht gerötet und ihr Blick war plötzlich fest und unnachgiebig.

„Bekommst du ihn über den Orden?", fragte sie forsch, fast ungehalten, und musterte jede Regung in seinem Gesicht.

„Ich…", Remus war irritiert von Tonks' plötzlicher Empörung und zögerte bevor er antwortete. „Severus hat ihn mir auf Dumbledores Anweisung hin gelegentlich zukommen lassen, aber mit den neuen Ministeriumsbestimmungen in Hogwarts wird es für ihn zu schwierig jeden Monat…"

„Das heißt es gibt ein Heilmittel, aber du hast keinen Zugang dazu?!" Tonks' Blick erinnerte ihn nun unweigerlich an ihre Begegnung auf dem feuchten Rasen vor ihrem Haus.

„Es ist kein Heilmittel", sagte Remus behutsam, „es macht die Verwandlung nur etwas sicherer und…"

„Das ist nicht der Punkt!", sagte Tonks erzürnt und Remus verstummte. „Entscheidend ist, es gibt ein Mittel, aber das Ministerium ist zu kurzsichtig es bereitzustellen und verhindert gleichzeitig mit seinen eigenen dummen Gesetzen, dass du einen Job finden kannst, bei dem du genug Geld verdienst, um es dir leisten zu können. Und das ist einfach falsch!"

„Hey, Tonks", sagte Remus leise und schloss unwillkürlich seine Arme um sie und strich liebevoll über ihren Rücken und ihr Haar um sie zu beruhigen. „So ist das halt, was bringt es sich darüber zu echauffieren."

Tonks schüttelte mit starren Augen abwesend den Kopf, ließ aber zu, dass er sie weiter sanft streichelte.

„Sirius ist bei mir", sagte Remus schließlich, „als Hund, meine ich. Das macht es wesentlich angenehmer, als es sonst immer war."

„Es ist trotzdem nicht richtig", sagte Tonks trotzig.

„Ich weiß", meinte Remus sanft, „aber wir haben momentan dringendere Probleme das Ministerium betreffend, oder?"

Tonks antwortete nicht, doch nach und nach beruhigte sich ihre Atemfrequenz und die Muskeln in ihren Schultern und ihrem Gesicht entspannten sich etwas.

„Ich finde es sehr bewundernswert, dass du so entspannt damit umgehen kannst", sagte Tonks nach langer einträchtiger Stille und sah zu ihm auf.

„Danke", meinte Remus nur und senkte seinen Kopf etwas in ihre Richtung. Tonks legte eine Hand an seine Wange und drückte sanft ihre Lippen auf die seinen. Remus roch ihren Duft, der mit einer dezenten Note von Schokolade vermischt war. Seine Finger strichen durch ihr weiches Haar.

„Sag mal", sagte Tonks langsam und ihr Mund formte nun wieder ein sanftes Lächeln, „müssen wir eigentlich immer auf Neumond warten?" Ihre Hände fuhren durch sein Haar und ihr Körper drückte sich sachte an den seinen.

„Nein", entgegnete Remus leise, „nicht zwangsläufig."

Tonks' Augen funkelten ihm entgegen. „Die Schicht ist in einer Viertelstunde zu Ende", meinte sie langsam und ließ ihre Finger ein wenig intensiver durch sein Haar und in seinen Nacken gleiten. Ein Kribbeln breitete sich daraufhin von ihren Fingern ausgehend in Remus' Körper aus.

„Aber es ist spät. Musst du morgen früh nicht ins Büro", sagte er langsam und schloss unwillkürlich die Augen.

„Ich brauch nicht viel Schlaf", hörte er Tonks' spitze Stimme. Eine warme Hand schob sich langsam in den Spalt zwischen seinem Hemd und seinem Umhang und ruhte schließlich an seinem Rücken. Tonks' Schopf kitzelte seine Nase.

Eng umschlungen standen sie unsichtbar in der Dunkelheit und warteten auf das Vergehen der Minuten. Remus atmete tief, seine Nase in Tonks' Haaren vergrabend, und sein Verstand schien sich mit jedem Atemzug ein wenig mehr zu verabschieden. Nach ein paar Minuten spürte er wieder eine warme Hand in seiner Innentasche tasten, doch diesmal schien sie nicht an der Schokolade interessiert.

„Andere Tasche", flüsterte er und musste dabei unwillkürlich grinsen.

Tonks fand wonach sie suchte und öffnete das quadratische Tütchen um ihm ein Blatt in den Mund zu legen. Dann warteten sie wieder schweigend.

Um Punkt eins ließ Tonks ihre Arme sinken und ergriff stattdessen fest Remus' Hände. Der Schrei einer vermeintlichen Eule verkündete, dass ihre Ablösung, wenn auch genauso unsichtbar, wie sie selbst, eingetroffen war. Mit einer energischen Drehung disapparierte Tonks und zog ihn mit sich.

Als Tonks den Schutzzauber gelöst hatte und sie über die Schwelle ihrer Wohnung trat, fiel Remus als erstes die Lupine auf, die immer noch in dem Wasserglas auf dem kleinen Tisch stand. Er hatte keine Zeit sich zu fragen, wie lange solche Pflanzen sich für gewöhnlich frisch hielten, denn in diesem Moment warf Tonks schwungvoll ihre Tasche auf das Sofa und trat mit raschen Schritten zu ihm um ihn entschlossen seiner Kleidung zu entledigen.

Remus' Hände folgten automatisch ihrem Beispiel und als sie sich nach wenigen Minuten nackt gegenüber standen, zog Tonks ihn energisch in eine kniende Position auf dem Teppich und nach einem kurzen Schock der Dunkelheit, tauchten sie in ihrem Bett wieder auf.

„Erschreck mich doch nicht dauernd so!", sagte Remus etwas außer Atem als er sich der neuen Position im Raum bewusst wurde. Tonks grinste nur und zog ihn auf sich in die Waagerechte. Gierig fuhren seine Hände über ihren Körper der sich ihm energisch entgegenstreckte. Sein Mund wanderte hinab über ihre Brüste und ihren Bauch bis ihm schließlich der betörende Duft ihres Schoßes in die Nase stieg.

„Bitte, lass mich dich lecken!", flehte er tonlos. Tonks kicherte angesichts der leichten Verzweiflung in seinem Tonfall, öffnete aber bereitwillig die Beine. Er neigte ihr seinen Kopf entgegen und begann fast augenblicklich in dem Moment zu versinken.

Er wusste nicht, wie lange er so zwischen ihren Beinen lag und mit seinen Händen ihr Becken immer bestimmter zu sich zog, während sein Penis immer schmerzhafter gegen die Matratze drückte. Alles was noch in sein Bewusstsein drang war Tonks' Geschmack und ihr Duft. Immer energischer teilte seine Zunge ihre Lippen bis er gelegentlich stöhnende Seufzer von ihr vernahm. Ihr Körper erschauderte zunehmend mehr unter der Berührung seiner Zunge und dem leichten Druck seiner Zähne, bis sie schließlich laut die Luft durch die Zähne einsog und ihre Finger sich krampfhaft in das Laken krallten.

Für einen Moment beobachtet er schwer atmend die stille Verzückung, die noch in Tonks' Gesicht stand und rutschte dann zu ihr hoch um einen saften Kuss auf ihre feuchte Stirn zu drücken. Tonks öffnete die Augen und sah freudestrahlend zu ihm hoch, als er sich neben sie legte. Sie biss sich für einen Moment kess auf die Lippe und streckte dann entschlossen die Hand nach seinem Schritt aus.

Er zuckte unwillkürlich zurück, erholte sich aber nach dem ersten Schrecken schnell wieder und schloss die Augen als sie ihre Hand über seinen Penis zu gleiten begann. Er sog tief ihren Duft ein und versuchte sich auf das Gefühl an seinem Glied und die Erinnerung an ihren Geschmack zu konzentrieren. Tonks schien die Reaktionen in seinem Gesicht zu beobachten und veränderte mehrmals die Intensität und Ausprägung ihrer Berührungen, doch nach einiger Zeit erlahmten ihre Bewegungen und Remus öffnete die Augen.

„Sorry", sagte sie scheu und biss peinlich berührt auf ihren Daumennagel.

„Schon in Ordnung", sagte Remus sanft und lächelte sie an.

„Ich…", Tonks' Blick schwang unsicher nach oben und wanderte über die Decke, „hab das eigentlich schon öfter erfolgreich gemacht."

„Mach dir keine Gedanken, Tonks", sagte Remus beschwichtigend und zog sie in eine Umarmung. Tonks nestelte noch eine Weile an ihren Haaren doch Remus schloss die Augen und genoss das Gefühl ihres warmen Körpers und ihrer weichen Haut. Nach kurzer Zeit erlosch sein Bewusstsein und er schlief ein.

Als er erwachte, lag er, den Rücken zu Tonks und mit vor der Brust angewinkelten Beinen, auf einer Seite des Bettes welches anscheinend keinen Anspruch auf die Decke hatte. Er lächelte milde und streckte seine Beine aus. Nachdenklich betrachtete er seine Hände vor seinem Gesicht und ließ einen Funken aus seinen Fingern erscheinen und langsam um seine Kuppen tänzeln.

„Hey"

Der Funke erstarb augenblicklich als er abrupt den Kopf drehte.

„Was machst du da?", fragte sie schlaftrunken und rutschte näher an ihn heran, so dass sie beide unter der Decke Platz fanden.

„Ach nichts", sagte er knapp, „wie spät ist es? Musst du schon los?"

Tonks gähnte und warf einen Blick auf ihre Uhr. „Ja", sagte sie, „in ein paar Minuten."

Sie kuschelte sich für einen Moment an ihn und fuhr mit einem Finger eine der Narben auf seinem Oberarm nach.

„Seh' ich dich vor dem Treffen in zwei Tagen noch mal?"

„Ich glaube nicht", sagte er langsam, „Moody hat mich gebeten, ihn nochmal nach Cornwall zu begleiten"

Tonks nickte abwesend und setzte sich nach einer Weile aufrecht hin und zog die Decke enger an ihren Körper. Remus zog etwas die Augenbrauen hoch und sah sie fragend an.

„Du weißt, dass ich dich schon mal nackt gesehen habe, oder?"

„Ich weiß", sagte Tonks kurzangebunden, „aber vielleicht seh' ich ja heute anders aus."

Sie apparierte auf den Teppich und nahm die mit einer Hand um ihren Körper gehaltene Decke mit sich. Umständlich begann sie mit der freien Hand ihre Kleidungsstücke zusammen zu suchen.

„Das ist total albern, Tonks!"

Tonks zuckte mit den Schultern „Etwas vielleicht", sagte sie ausweichend, „aber was wäre das Leben ohne ein paar Marotten."

Remus schnaubte und ließ sich wieder auf die Matratze sinken. Tonks trat unter das Hochbett, wo er sie nicht mehr sehen konnte, und begann sich anzuziehen.

„Du kannst gerne so lange bleiben, wie du willst und dich beim Toast oder meinen Büchern bedienen", erklang nach einem kurzen Moment ihre muntere Stimme von unten. „Vergiss nur nicht den Schutzzauber wieder auf das Haus zu legen, wenn du gehst."

„Hoffst du, dass ich wieder dein Geschirr abwasche?", fragte er spöttisch.

„Vielleicht", entgegnete sie vage, tauchte vollständig bekleidet auf dem Teppich auf und zwinkerte zu ihm hoch. „Musst du entscheiden, ob es die Sicherheit beim nächsten Besuch noch heile Schalen vorzufinden wert ist."

Remus grinste und sah zu Tonks hinab die gerade ihre Haare wachsen ließ und in einen merkwürdigen Gelbton färbte.

„Also bis dann", sagte sie strahlend und verschwand mit wehendem Umhang durch die Tür.