Kapitel XXV

„Dazu haben Sie kein Recht!", brüllte Leia, als das Schiff mit einem Vibrieren zum Leben erwachte und abhob. „Auch beim Imperium gibt's Gesetze gegen Entführung!"

„Wie kann das hier eine Entführung sein, wenn ich Sie zu Ihrem Dad gebracht hab?", fragte Han, einerseits vernünftig, aber andererseits auch gereizt.

„ER IST NICHT MEIN VATER!", schrie Leia wütend.

„Fast wär ich drauf reingefallen", murmelte Han, drehte sich auf dem Absatz um und ging aus dem Laderaum heraus, ehe sie einen weiteren Satz kreischen konnte.

Er schloss die Tür hinter sich und machte sich auf den Weg zum Cockpit, wobei er hoffte, dass Vader besserer Laune war als seine Tochter.


Han schlenderte ins Cockpit, wo Vader und der Rotschopf – wie hieß sie? Mara Jade? –, auf dem Pilotensitz, beziehungsweise dem Copilotensitz saßen und auf die bedrohliche Gestalt der Executor starrten. Hinter ihnen saßen Piett, Jix und Polor auf dem Boden bei einem Sabacc-Spiel, während Luke ihnen mit Interesse zusah.

Han setzte sich.

„Ich bin dabei."

Er sah zu Luke rüber.

„Willst du mitspielen, Junior?"

Luke warf Vader einen verstohlenen Blick zu, und als Vader sich nicht bewegte, sah er Han wieder an.

„Ich weiß nicht genau, wie's geht", gestand er leise. „Wedge hat versucht, es mir beizubringen, aber..."

Han winkte Luke zu sich auf den Boden.

„Lass dir von einem Meister zeigen, wie es geht", lud er ihn ein und erntete ein Schnauben von Jix und ein leises Lachen von Polor.

Piett schwieg weiterhin. Han hätte es nie für möglich gehalten, aber Piett hatte das beste Sabacc-Face von ihnen allen.

Luke setzte sich schüchtern neben Han auf den Boden, als der Captain seine Karten aufnahm. Han hielt Luke die Karten hin, damit er sie ansehen konnte. Der Junge sah einen Augenblick lang verwirrt aus, dann überrascht und dann zufrieden. Er nickte Han zu.

Han warf ihm einen schiefen Blick zu – so toll waren die Karten nun auch wieder nicht –, blieb aber still und fing an, zu spielen. Er würde dem Kleinen das Spiel erklären, wenn die Runde vorbei war.


Luke fiel beinahe in Ohnacht, als Vader in seinem Kopf zu ihm sprach.

Hübsche Karten.

Als er sich von seinem Schock erholt hatte, schaffte Luke es, zu antworten: Was?

Solo hat gute Karten. Er kann das Spiel unter Dach und Fach bringen, wenn er es beenden kann, bevor die Karten gewechselt werden.

Braucht er nicht dreiundzwanzig Punkte?, fragte Luke und rechnete Hans Karten nach einem Blick über dessen Schulter schnell zusammen. Er hat nur zwanzig.

Damit ist er näher dran als Jix und Polor, und Piett hat mit den Karten, die er gerade hat, nicht die geringste Chance. Wenn er gewinnen will, müssen die Karten schnell gewechselt werden.

Oh. Wie nennt man die Karte links außen? Die hab ich noch nie gesehen.

Schwert Master. Sag ihm, er soll sein Kolben Ass ablegen.

Welche ist das?

Luke stieß Han an.

„Was?", brummte Han über die Schulter.

„Leg die da ab", sagte Luke und deutete auf die Karte, die Vader vorgeschlagen hatte.

Han starrte ihn an.

„Spinnst du?"

Er legte die Karte ab, in der Luke die so genannte Ausdauer erkannte, und die acht negative Punkte zählte, und dann noch den Schwert Master.

Sobald er die abgelegten Karten losließ, veränderten sich die, die er noch in der Hand hatte. Jetzt zählten seine Karten sechs Punkte – und zwar negative. Han gab ein komisches, kehliges Geräusch von sich, das für Luke nach einem unterdrückten Schimpfwort klang.

Geschieht ihm recht, sagte Vader in Lukes Hinterkopf.

Luke warf einen Blick hoch zu der großen, schwarzen Bedrohung, die über ihnen im Pilotensitz saß, mit dem Rücken zum Spiel. Er hatte keinen Muskel bewegt.

Woher weißt du das alles? Spielst du?

Es entstand ein Pause.

Früher. Es hat Obi-Wan gestört. Jetzt...

Er sagte nichts mehr dazu. Musste er auch nicht.


Leia ging vor Wut schnaubend in dem Landeraum hin und her, in dem sie eingesperrt war. Jedes Mal, wenn sie aus dem kleinen Bullauge schaute, war die riesige, graue Masse der Executor schon näher gekommen, und Leia fing an, sich Sorgen zu machen. Wenn sie erst einmal auf dem gigantischen Schiff war, hätte sie keine Chance mehr, es wieder zu verlassen, ehe Vader es ihr erlaubte, und zwar an einem Ziel seiner Wahl.

Es gab auch keine großartige Möglichkeit, von dem Schiff hier herunterzukommen, eingesperrt wie sie war, aber trotzdem fühlte sie sich besser, wenn da nur sechs Feinde waren, anstatt Tausende.

Sie seufzte und rutschte an der Wand herunter und vergrub das Gesicht in den Armen, um schön lange zu weinen.


Han und Piett standen hinter Vader, als der Sith das Schiff meisterhaft in seine private Landebucht an Bord der Executor manövrierte. Polor und Luke saßen hinter ihnen im Cockpit. Luke schien dem Arzt einigermaßen zu vertrauen – vielleicht, weil der ihn nach dem Verlust seiner Hand versorgt hatte, oder weil der stille Arzt diesen Effekt auf Leute hatte, oder beides. Was auch immer der Grund war, der Kleine entspannte sich sichtlich, als Polor anfing, mit ihm zu plaudern.

Die Laderampe wurde mit einem Zischen gesenkt. Mara Jade hatte das Schiff als Erste verlassen, ihr Rückgrat war so steif und gerade wie eine Durastahlstange.

Die hat vielleicht 'nen Knacks, dachte Han, folgte ihr und sah zu, wie sie einen wartenden Offizier anblaffte.

Piett und Polor kamen als Nächstes, zusammen mit Luke. Han dachte, dass der Kleine guckte wie ein Nerf in Scheinwerferkegeln. Han konnte ihm das wirklich nicht zum Vorwurf machen. Das hier war für ihn immer noch Feindesland.

Dann begleitete Vader die Prinzessin die Rampe hinunter; Jix folgte ihnen auf dem Fuße. Ihre Durchlaucht war in Höchstform, sie reckte aufsässig das Kinn in die Höhe. Han verdrehte die Augen über ihre Arroganz.

Vader ging zu Piett, um mit ihm zu reden, und Han merkte, dass die Blicke der Prinzessin sofort ruhelos umherschweiften, auf der Suche nach einem Fluchtweg, wie er annahm.

Oh nein, das lässt du schön bleiben.

Er marschierte zu ihr rüber.

„Angenehmen Flug gehabt, Euer Hochwohlgeboren?"

Sie sah ihn böse an.

„Gehen Sie weg, Sie blöder Nerftreiber."

„Sie tun mir weh, Prinzessin. Können wir nicht einmal eine zivilisierte Unterhaltung führen?"

Ihr finsterer Blick wurde ironisch.

„Was ist eine zivilisierte Unterhaltung?", fragte sie.

„Keine Ahnung", erwiderte Han vergnügt.

Er merkte, dass Vader durch die Landebucht schritt, mit Luke, Jix und Polor auf den Fersen.

„Sie sollten besser gehen", sagte er und ruckte mit dem Kopf in die Richtung, die Vader nahm.

Sie biss störrisch die Zähne zusammen.

Er sah sie mit gerunzelter Stirn an.

„Muss ich Sie wieder tragen?", fragte er.

Da kehrte ihr böser Blick mit aller Macht zurück, und sie setzte sich in Bewegung – wenn auch langsam – und ging hinter ihrem Vater und ihrem Bruder her. Han wollte sich eigentlich mit seiner Staffel einrichten, aber er nahm an, dass er sie lieber begleiten sollte. Er hatte keinen Zweifel daran, dass sie sich erst „verlaufen" und dann „aus Versehen" in einem abhebenden Shuttle enden würde.