Entschuldigt die lange Wartezeit – die, die in privatem Kontakt mit mir standen, wissen, warum hier nichts mehr ging – danke für die moralische Unterstützung in der Zeit! Euch anderen sei gesagt – es ging nicht anders... und als ich wieder klar Schiff hatte, gings meiner Beta nicht so besonders... aber schließlich ist das hier Hobby und kein Job und es soll nicht nur den Lesern, sondern auch den Schreibenden Spaß machen. Meine Beta hat mir gerade am Telefon die "Erlaubnis" gegeben, dieses Kapitel ungebetat einzustellen, damit ihr nicht mehr schimpft, daß es nicht weitergeht...
Ich denke euch endlos für die vielen Reviews!


Ich habe oft mit Windmühlenflügeln gefochten,
wohlwissend, daß dabei der Gegner Sieger bleibt,
und gleich, wie reißend die Ströme der Zeit sein mochten,
wehrte ich mich, das Stroh zu sein, daß darauf treibt,
Ich habe stets geglaubt, das Ruder selbst zu halten,
und fuhr doch nur auf vorbestimmten Bahnen hin,
denn alle Hoffnung und alle Ängste mussten dahin führ'n
wo ich bin


Kapitel 25

Die Unterrichtsplanung des nächsten Tages wurde noch vor dem Frühstück verändert so daß die Klassen von McGonagall und Snape von anderen Professoren übernommen werden konnten. Die sechsten und siebten Jahrgänge bekamen in der Zeit frei. Snape hatte bisher nicht einmal Hermine berichtet, was er herausbekommen hatte – und sie hatte auch nicht danach gefragt, wissend, daß sie zu einem Zeitpunkt den er selbst wählen würde, alles erfahren würde, was sie wissen musste.

Das Frühstück in der großen Halle verlief, ohne daß davor oder währenddessen auch nur ein einziges Wort über den gestrigen Tag verloren worden wäre, aber unmittelbar danach versammelten sich alle die, die es betraf, im Büro des Schulleiters.

Hermine fühlte sich durch die lange Nacht und die Ereignisse wie gerädert und ahnte, daß man ihr das auch ansehen konnte. Wieder einmal stellte sie fest, wie meisterlich Snape mit derlei Dingen umging. Er sah auf den ersten und auch auf einen zweiten Blick nicht anders aus, als sonst. Man musste ihn sehr genau kennen und sogar dann genau hinsehen, um zu sehen, daß sich auch in seinen Zügen Müdigkeit und Anspannung niedergeschlagen hatten.

Sie hatten sich in der Sitzecke niedergelassen, die zu diesem Zweck an einer Seite des großen Raumes erschienen war und hatten vor sich auf dem Tisch dampfende Kaffeebecher stehen.

Minerva berichtete kurz, daß Poppy Mrs. Norris mit einigen wenigen Heilzaubern hatte versorgen können, so daß diese die Nacht bereits in einer der Zellen Hogwarts verbracht hatte, die auch gegen den Ausbruchsversuch einer Katze gefeit waren.

Severus hatte sich, während dieser Information, in einen der Sessel gesetzt und lehnte nun in seiner angespannten und gleichzeitig trotzdem auch seltsam ruhigen Art gegen das alte aber edle Polster. Die Blicke von Hermine, Silvian, Albus und Minerva ruhten auf ihm. Keiner hatte seinen Kaffee genommen und es lastete eine seltsame Stimmung im Raum. Eine Mischung aus noch immer nachwirkender Betretenheit und gespannter Erwartung dessen, was der Zaubertrankmeister zu berichten haben würde.

Sein Blick hob sich und er sah mit seinen jetzt tiefschwarz erscheinenden Augen einmal in die Runde, bevor er mit völlig neutraler Stimme mit seinem Bericht begann...

„Als ich mich von Melianda getrennt habe, hat sie Filch, der wohl schon immer in sie verliebt gewesen ist und ihr gewisse Avancen gemacht hat, im Auftrag der Essenz auf mich angesetzt, um mich weiter unter Beobachtung zu haben. Sie muß Filch dafür wohl gewisse... Hoffnungen... gemacht haben." Er schüttelte sich kaum sichtbar, bevor er weitersprach. „Melianda hat, so wie es aussieht, schon immer – schon bevor wir uns kennengelernt haben - der Essenz angehört. Ob das der Grund dafür war, daß sie mich geheiratet hat, wußte Norris nicht, aber die Wahrscheinlichkeit für den Grund der immer offen auf dem Tisch lag, ist trotz allem sehr groß. In jedem Fall kennt Norris Melianda noch aus der Zeit davor und hat häufig irgendwelche niederen Dienste für sie erledigt. Als Filch keine besonderen Informationen liefern konnte, und es augenscheinlich wurde, daß ich es über kurz oder lang bemerken würde, wenn er ständig um mich herumstreichen würde, wurde ihm gesagt, er könne diese Arbeit einstellen. Als er dann bei Melianda einlösen wollte, daß sie ihm schöne Augen gemacht hatte... „ erneut zogen sich die Worte ein wenig in die Länge „speiste sie ihn mit einem angeblichen ‚Geschenk' ab – mit Mrs. Norris, deren Aufgabe es war, die Überwachung auf unauffälligere Art zu übernehmen. Filch hat sie erzählt, daß sie sehr an dem Tier hänge und es ihm deshalb..." Snape unterbrach sich selbst und winkte mit einer kleinen, ungehaltenen Geste ab „Aber das ist jetzt hier nicht relevant. Von ihr hatte Rochus jedenfalls zum Beispiel die Passworte, die er brauchte, um in mein Labor zu kommen. Ich habe auch überprüft, welche Passworte sie außerdem kennt. Die wenigen die sie erschleichen konnte, sind inzwischen bereits geändert, weil Albus und ich beinahe alle Passworte verändert haben, als wir den Schutzzauber des Schlosses verändert haben. Was die Essenz betrifft, war Norris nur in wenige Details eingeweiht, aber sie wusste unter anderem, daß ein Gerücht unter den Anhängern der Gruppierung besagt, daß es Rochus gelungen sein soll, einige Dementoren zu kontrollieren. Ich habe keine Ahnung, wie er das geschafft haben will und es ist auch nicht sicher, daß es eine Tatsache ist, aber sie hat Melianda wohl danach gefragt und hat keine Antwort bekommen – was alles heißen kann. Fakt ist jedenfalls, daß es in der Tat so ist, daß Rochus die Essenz leitet und unter seiner Führung ein Kreis aufgebaut wurde, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, jeden, der der magischen Welt schaden könnte – und sei es nur durch die Vermischung mit nicht magischem Blut – aufzuhalten. Er ist damit zufrieden, wenn die Verbindung aufgelöst werden kann, aber wenn das nicht geht, ist er auch bereit, den Muggelpart dieser Bindung kurzerhand zu eliminieren. Rochus eigene Leute waren es, die für die Attentate der letzten Wochen zuständig waren und sie selbst haben dann die Zeitungen informiert, damit diese darüber berichten können. Mir ist nicht klar, wie er mich davon überzeugen will, daß es gut ist, was er tut, wenn es zur gleichen Zeit die Greueltaten sind, mit denen er mich anlocken möchte, um weiteres dieser Art zu verhindern. Vielleicht hofft er, daß ich ihm andere Wege aufzeigen kann, Muggel und Magier zu trennen oder möglicherweise hofft er auch einfach nur auf mein Einsehen, wenn er erst einmal ein ausführliches Gespräch mit mir haben könnte – ich weiß es wirklich nicht. Aber es ist genug wahnsinniges Potential da, daß Rochus – mit den, in seinen Augen, besten Absichten – ein zweiter dunkler Lord wird. Norris wusste, daß man ihm – als Gegensatz zu Voldemort – in seinen Kreisen sogar bereits den „weißen Lord" nennt. Ihm fehlen sicherlich Fähigkeiten die Voldemort besessen hat, aber das kranke mentale Grundgerüst, und die Bereitschaft, seine Vorstellungen aufs brutalste durchzusetzen, sind vorhanden."

„Ach wirklich?", murmelte Silvian kaum hörbar. Snape reagierte nicht auf die Äußerung.

Von den anderen hatte keiner ein Wort gesagt. Ohne auch nur eine Unterbrechung anzudeuten, ließen sie ihn weitersprechen.

„Er tut, was er tut, nicht, um die Herrschaft zu erlangen, wie Voldemort es getan hat, sondern sieht seine Herrschaft als Notwendigkeit an, um die magische Welt vor ihrem Verfall zu retten. Da er davon ausgeht, daß er alle reinblütigen Zauberer und Hexen durch sein Tun schützt, ist auch verständlich, daß er das ungeborene Kind haben will, das möglicherweise die Aufgabe haben wird, eben diese Welt zu schützen."

Jetzt unterbrach Silvian ihn.

„Aber warum dann die Anschläge auf Hermine? Das macht doch keinen Sinn, wenn er gleichzeitig das Baby haben will."

Snape kräuselte die Lippen zu einem sarkastischen Grinsen.

„In diesem konkreten Fall, braut Melianda ihren eigenes Tränklein."

Die Gesichter der Anwesenden waren eine einzige Frage.

„Melianda kommt aus keiner armen Familie. Auch wenn es nicht für hochherrschaftliches Leben gereicht hat, hatte die Familie doch immer ihr Auskommen auf Mittelschicht-Niveau. Und auch wenn Melianda einen Zauberer als Vater und eine Hexe als Mutter hatte, fanden sich doch zwei Generationen zurück nichtmagische ‚Flecken' in ihrem Stammbaum. Was Melianda immer gefehlt hat, war der gute Name, der alte, reinblütige Name, und die ‚richtige' Menge an Geld. Beides hat sie mit unserer Ehe erhalten und konnte sich von da an in den höchsten Kreisen der magischen Familien bewegen. Auch unsere Trennung ändert daran nichts, solange sie den Namen Snape trägt."

„Der ihr aber genommen wird...", unterbrach Minerva „sobald du dich anderweitig neu bindest."

Hermine verstand nicht und blickte etwas irritiert von einem zum anderen.

Albus erklärte: „Das Gesetz sieht vor, daß Ex-Ehepartner den Ehenamen auch nach einer Trennung so lange führen dürfen, bis sich der Träger des Familiennamen neu vermählt. Zum Zeitpunkt einer offiziellen Verlobung, muß der zugeheiratete Part den Ehenamen ablegen und seinen ursprünglichen Familiennamen wieder annehmen."

Snape erklärte weiter: „Und da gerade in den obersten Kreisen der Magier der Name ungeheuer wichtig ist, würde sie sofort aus den gesellschaftlichen Kreisen verstoßen werden, in denen sie sich jetzt bewegt. Und auch die finanziellen Mittel die ihr blieben – und die deutlich geringer wären, als das, was ihr zur Zeit zusteht, würden nicht ausreichen, um sich dort zu halten, wo sie hinzugehören glaubt."

„Und DAFÜR wollte sie mich umbringen?" fragte Hermine mit einem leisen, aber unüberhörbar hysterischem Unterton und bekam vor Entrüstung Schluckauf.

Snape nickte.

„Genauer gesagt – umbringen lassen, Hermine. Von Mrs. Norris. Diese träumt nämlich schon seit Jahren davon, im Lichtkreis von Melianda in die Gesellschaft eingeführt zu werden und Melianda hat ihr versprochen, daß sie als der neue Star in die oberen Kreise aufgenommen würde – Merlin allein weiß, wie sie das bewerkstelligen wollte, aber wie ich sie kenne, war das ohnehin nur ein leeres Versprechen. Auf jeden Fall sollte Norris als Gegenleistung dafür sorgen, daß ich mich nicht verlobe oder gar heirate. Rochus durfte von der Angelegenheit nichts wissen, denn von ihm kam explizit die Order, Hermine nur zu ergreifen und ihm zu übergeben. Solange das funktioniert hat, war diese Lösung Melianda natürlich ebenfalls recht – weshalb sie Hermine an Rochus übergeben hat -, denn wenn Hermine weggesperrt wäre, bis sie letztendlich getötet würde, war die Gefahr für sie ebenso vorbei wie bei Hermines sofortigem Tod. Sie hätte beides - die Essenz und ihr Ego - zufriedengestellt. Aber wenn sie wählen muß, zwischen Rochus und sich selbst – dann wählt sie selbstverständlich sich selbst... Rochus wollte nur einen Keil zwischen Hermine und mich treiben, weil er mich für sich selbst will – aber bei Melianda ging die Sache noch einen ganzen Schritt weiter."

Snape machte eine kurze Pause, holte dann Luft und sprach weiter: „Ich habe in Erfahrung bringen können, daß Rochus offenbar nichts besseres eingefallen ist, als mich bei einem Treffen mit einem Imperius-Fluch unter seine Gewalt bringen zu wollen, bis er mich tatsächlich von seiner Arbeit überzeugt hat. Außerdem hat er diverse Portschlüssel in Auftrag gegeben, die alle auf ein und denselben Endpunkt gerichtet sein sollen. Wo dieser Endpunkt ist, wusste sie nicht. Ich vermute, daß, wo immer ich mich mit ihm treffen werde, er versuchen wird, die Anwesenden mit automatisch auslösenden Portschlüsseln zu einem anderen Ort zu bringen, den er entsprechend präpariert hat. Aber auch über diese Präparationen wusste Norris unglücklicherweise nichts."

„Sicher?", rutschte es Minerva heraus.

Snape sah sie mit einem Blick an, der sie auf der Stelle wieder verstummen ließ.

„Ganz sicher..." sagte er trotzdem.

Er richtete sich noch ein wenig gerader auf und fuhr mit seinen Erkenntnissen fort: „Und das Bonbon zum Schluß – ich weiß, wo das Hauptquartier der Essenz ist."

Ungläubiges Staunen raunte durch den Raum.

„Wo?", fragten Albus und Minerva letztendlich zeitgleich.

Snape konnte den Anflug leichten Amüsiertseins nicht unterdrücken.

„In London, Grimmauld Place 4"

Der Raum schien zu explodieren. Minerva sprang sogar auf.

"WIE BITTE?"

"WAS?"

„Das kann doch nicht sein"

„Völlig undenkbar!"

Alle riefen gleichzeitig und durcheinander und übertönten sich mit ihrer Ungläubigkeit.

Snape bedeutete ihnen, wieder ruhiger zu werden und langsam legte sich der Schock.

Snape konnte weiter erklären: „Vor über sechs Jahren haben sie sich in dem dunkelgrauen Gebäude auf der Ecke zur Woolbark Lane eingenistet. Das beinahe Komische daran..." und seine Mundwinkel zuckten nun deutlich „... ist die Tatsache, daß sie nicht wissen, daß der Orden inzwischen in Nummer 12 sein Hauptquartier hat. Sie haben nicht mitbekommen, daß wir dort Einzug gehalten haben und wir haben nicht mitbekommen, daß sie längst da waren. Seit dieser Zeit arbeiten die beiden Organisationen praktisch Tür an Tür."

Die Gesichter der Anwesenden als fassungslos zu bezeichnen, wäre eine Untertreibung gewesen.

Snapes Gesicht wurde wieder ernst.

„Ich werde heute noch das Schreiben an Rochus abschicken, in dem ich ihn um ein Gespräch bitte."

„Heute schon?", fragte Hermine sofort.

Er nickte.

„Natürlich heute. Wir wissen nicht, wann Melianda oder der Essenz sich das nächste Mal bei Mrs. Norris melden wollen. Aber natürlich können wir sie unmöglich zu ihnen zurück lassen. Sie werden ihr Verschwinden also recht schnell bemerken und dann ist klar, daß wir mehr wissen, als wir wissen sollen. Mein Angebot muß Rochus erreichen, bevor er diese neuen Fakten kennt."

Albus brachte sich in das Gespräch ein.

„Wir werden einen Sturm auf das Hauptgebäude der Essenz vorbereiten, damit wir zuschlagen können, während du mit Rochus beschäftigt bist. Wen möchtest du dabei haben, wenn du dich mit ihm triffst?"

Snape überlegte und schüttelte dann den Kopf.

„Ich denke nicht, daß es ratsam wäre, jemanden mitzunehmen. Er wird Vorkehrungen treffen, die das überprüfen."

Jetzt war es an der Reihe des Schulleiters, den Kopf zu schütteln.

„Du gehst auf keinen Fall alleine. Das ist kein Todessertreffen – was schlimm genug wäre -, auf dem man erst einmal davon ausgeht, daß du auf der ‚richtigen' Seite stehst, sondern er will versuchen, dich zu überwältigen."

„Genau damit rechne ich und sollte daher vorbereitet sein."

Hermine beugte sich vor und legte ihm sanft eine Hand auf den Arm.

„Du hast selbst gesagt, daß es trotzdem sein kann, daß er mit Überraschungen aufwartet, die genau das sind: Überraschungen... nimm Ordensmitglieder mit, bitte..."

Er überlegte noch einmal, kam aber zu dem selben Ergebnis.

„Nein... selbst wenn er mich gefangen nehmen würde – wovon ich keineswegs ausgehe – droht mir keine Gefahr. Er hat inzwischen Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um mich auf seine Seite zu ziehen, da wird er mich kaum so kurz vor dem Ziel umbringen wollen. Ich bin sogar so ziemlich der einzige, dem keine Gefahr droht."

Albus nickte.

„Das stimmt vermutlich."

Selbst Hermine konnte sich dieser Logik nicht entziehen, ließ ihre Hand von ihm weggleiten und lehnte sich seufzend wieder nach hinten.

Snape erhob sich und begann, im Raum auf und abzugehen.

„Das größte Risiko, das ich sehe, ist, daß er, wenn ich bei ihm bin, mit Illusionen arbeiten könnte, um mich zu bestimmten Dingen zu bringen." Er blieb stehen und sah die anderen an.

„Wir sollten Kennzeichen ausmachen, um zum Beispiel sicher zu gehen, daß man dem gegenübersteht, dem man gegenüberzustehen glaubt."

„Verdoppeln", sagte Hermine automatisch.

„Verdoppeln?", fragte Minerva von der Seite.

Hermine zuckte mit den Schultern und nickte.

„Ja, simples Verdoppeln. Bei vielen anderen Stichworten oder ähnlichem, kann der Gegenüber möglicherweise versehentlich das Richtige sagen, wenn es nicht eine total abstruse, komplizierte Frage ist – diese abstruse Frage müsste man sich aber erst einmal merken und es kann passieren, daß man die korrekte Antwort vergißt. Das kann hierbei nicht geschehen. Ich sage zum Beispiel ‚vier' und mein Gegenüber antwortet ‚acht'. Oder ich sage ‚zwölf' und mein Gegenüber antwortet ‚vierundzwanzig'. Enorm simpel aber auch enorm effektiv. Man braucht sich keine komplizierten Worte und Kombinationen zu merken. Einfach nur verdoppeln..."

Snape hob ebenso erstaunt wie Albus die Augenbrauen, ihm fehlte allerdings das vergnügte Blitzen, das der alte Schulleiter dabei in den Augen trug.

„Ich denke manchmal in zu komplizierten Bahnen. Das ist erstaunlich simpel – aber perfekt... so machen wir es. Wer auch immer von uns einem der anderen gegenüberzustehen glaubt, bis diese Sache hier vorbei ist, und auch nur den Hauch eines Zweifels an dessen Identität hegt, sagt einfach eine Zahl in den Raum."

Hermine nickte, wie die anderen.

Sie hatte das für ihn so typische Blitzen in Albus Augen gesehen und obwohl es in der momentanen Situation überhaupt keinen Grund für Fröhlichkeit gab – was für dieses Blitzen natürlich noch nie eine Voraussetzung gewesen war -, war sie froh, daß es wieder da war. Es war für sie wie ein winziges Leuchtfeuer, das das Ende dieses ganzen Irrsinns markierte. Sie hatte das Gefühl, daß all dies hier ein endlos langer Staffellauf gewesen war, auf dem jeder von ihnen viel Kraft verloren hatte, aber auch wenn jetzt noch einmal ein überaus schweres Stück Weg vor ihnen lag, hatte Hermine doch endlich auch das Gefühl, daß sie mit den Informationen die Severus erhalten hatte, gerade eben auf der Zielgeraden eingelaufen waren.

Sie durften jetzt nur nicht noch auf den letzten Metern stolpern...

OoOoO

Snape hatte keinen Roman verfasst. Um der Glaubwürdigkeit willen, hatte er den Mittelweg zwischen der Wahrheit und dem Erfundenen gewält. Er hatte Rochus geschrieben, daß er wahnsinnig sei und gestoppt werden müsse, daß aber nicht alle seine Überlegungen falsch seien. Er hatte Verachtung für seine Vorgehensweise ausgedrückt, aber auch Verständnis für die grundsätzlichen Überlegungen geheuchelt. Er hatte es für absolut ausgeschlossen erklärt, daß sein ungeborenes Kind in Rochus Obhut übergehen würde, wenn es auf der Welt sei, aber auch deutlich gemacht, daß er ebenfalls die Bedeutung der Prophezeihung erkennen und das Kind dahingehend erziehen würde. Er hatte gedroht, daß er ihn umbringen würde, sollte er sich Hermine noch einmal in unangebrachter Weise nähern, bemerkte allerdings auch, daß er Hermine in ähnlicher Weise in ihre Schranken verwiesen hätte, da die ‚Angelegenheit' ja in nicht unerheblichem Maße von ihr ausgegangen sei. Alles in allem hatte er Rochus wissen lassen, daß er ein Irrer sei, der aber das Potential habe, Gutes für die magische Welt zu tun, wenn er die richtigen Leute an seiner Seite hätte, die ihn hin und wieder in seine Schranken verweisen würden – und sich selbst als Beispiel genannt. Abschließend hatte er einen Treffpunkt im Verbotenen Wald bestimmt und eine Zeit festgelegt.

Die Eule war noch keine halbe Stunde fort, als Rochus bereits seine Zustimmung geschickt hatte...

In fieberhafter Eile hatten Hermine, Silvian und Snape gemeinsam noch die wichtigsten Fakten zusammengetragen, während Albus und Minerva sämtliche Schutzzauber des Schlosses erneut überprüften, um zu verhindern, daß Rochus oder einer seiner Anhänger Hogwarts betreten konnten.

Snape ging in seinen Vorbereitungen so hochkonzentriert vor, daß er auf überflüssige Fragen oder Vorschläge nicht einmal reagierte. Wie eine Maschine sortierte sein Geist aus, was wichtig und was unwichtig war. Silvian murmelte Hermine in einer kurzen Pause leise zu, daß soviel Adrenalin seiner Meinung nach für einen einzigen Menschen nicht gut sein konnte. Hermine hatte sich ein Lächeln abgerungen, obwohl ihr nicht danach zumute war.

Niemand hatte bemerkt, wie die Besucherin hereingekommen war.

„Ich bin dann soweit.", erklang plötzlich Hannahs Stimme durch den Raum.

Die drei Erwachsenen hoben erstaunt den Kopf in die Richtung, aus der das Mädchen gesprochen hatte und sahen eine reisefertige Schülerin. Sie hatte den dickeren Mantel an und trug eine Tasche über der Schulter.

Snape ging um seinen Tisch herum auf sie zu und fasste sie bei den Schultern.

„Du kommst nicht mit Hannah. Und wer hat dir überhaupt davon erzählt?"

„Niemand, Papa", erklärte sie sehr glaubwürdig. „Jedenfalls keine Person." Sie überlegt, wie sie es den anderen wohl begreiflich machen konnte, dann schien sie etwas gefunden zu haben: „Mein Bauch! Ich denke, es war mein Bauch, der es mir gesagt hat." Dann lachte sie „Wer auch immer! Ist doch egal. Ich weiß es halt und da ich nun mal dabei sein muß, konnte ich mich auch gleich fertig machen. Wann müssen wir los?"

„Du musst nicht dabei sein, Hannah. Du kommst auf keinen Fall mit.", wiederholte Snape noch einmal eindringlich, diesmal sogar mit einem leicht grollenden Unterton.

Hannah legte den Kopf schief und sah ihn nun ihrerseits etwas ungehalten an.

„Du tust gerade so, als ob du das entscheiden könntest."

Hermine und Silvian bekamen große Augen und auch Snape schnappte beinahe sichtbar nach Luft.

„Wie meinst du das, Hannah?", fragte er leise.

„Das ist längst entschieden, Papa."

„Du kommst nicht mit.", wiederholte er erneut und diesmal ließ sein Ton keinen Widerspruch zu. „Du gehst jetzt zurück in die große Halle und wirst dort mit deinen Mitschülern den Nachmittag bei Hausaufgaben und Übungen verbringen. Hast du mich verstanden?"

Hannah zuckte, sehr zur Überraschung der Erwachsenen mit den schmalen Schultern und stimmte zu. „Wenn du es nicht anders willst, werde ich das tun. Am Ergebnis wird es allerdings nichts ändern." Sie wandte sich zum Gehen, aber Snape hielt sie fest und sah sie intensiv an.

„Du wirst in die große Halle zu deinen Mitschülern gehen." Hannah nickte. „Du wirst nicht versuchen, mir nachzukommen." Hannah schüttelte den Kopf. „Und du wirst, wenn deine Mitschüler die Halle verlassen, mit denen mitgehen, die in euren Aufenthaltsraum gehen und dann dort bleiben, bis ich selbst dir sage, daß du euern Turm wieder verlassen kannst. Ist das klar?" Hannah nickte wieder. „Und da du weißt, was ich mit diesen Worten gemeint habe, wirst du auch nicht versuchen, sie irgendwie so auszulegen, daß du trotzdem tun kannst, was du willst?" Jetzt wirkte Hannah ein wenig entrüstet.

„Papa, ich bin keine Gryffindor." Snape zog die Augenbrauen belustigt hoch und konnte, trotz der ernsten Situation ein ganz kurzes Lachen nicht unterdrücken. „In Ordnung. Dann geh jetzt." Er schob sie mit Nachdruck zur Tür und Hannah ging.

Snape sah besorgt zu Hermine und Silvian hinüber und Hermine sprach aus, was Snape dachte.

„Sie weiß Dinge, die wir anderen nicht wissen. Was, wenn sie tatsächlich dabei sein wird?"

Snape schüttelte den Kopf.

„McGonagall wird Aufsicht in der großen Halle halten und darauf Acht geben, daß Hannah sich nicht entfernt."

Sie nickten, aber das schlechte Gefühl blieb bei allen dreien.

Als Hermine den Blick zum Stundenglas hob, schloß sie kurz die Augen, als könne sie damit die Zeit ungeschehen machen. Es war soweit...

Snape sah ihrem Blick hinterher und seufzte leise. Er griff den Umhang, der neben ihm über den Schreibtisch gelegt lag und zog ihn sich über.

Er sah zu Silvian und Hermine hinüber, als wolle er noch etwas sagen und als er nur noch Hermine anblickte, lag darin für einen Sekundenbruchteil eine reißende Sehnsuch, die dann aber ebenso schnell wieder in den Tiefen seiner Augen verschwand wie sie gekommen war.

Als Hermine aufstand und auf ihn zugehen wollte, machte er wortlos einen Schritt rückwärts von ihr weg, bevor er sich umdrehte und ein kurzes „bis nachher" murmelnd, einfach ging.

Ihr erster Impuls war, ihm nachzulaufen, und sich vernünftig von ihm zu verabschieden, vielleicht sogar wütend zu sein, daß er einfach so gegangen war, aber sie kannte ihn inzwischen gut genug, um zu erkennen, warum er es so gewollt hatte. Sich nun mit großen Worten zu verabschieden, hätte die Möglichkeit beinhaltet, daß es ein Abschied für immer sein könnte. Einfach nur zu gehen, als habe er nur eine Kleinigkeit zu erledigen, verleugnete diese Möglichkeit.

Hermine blieb im Raum stehen, sah auf die Tür, die sich hinter ihm geschlossen hatte und versuchte, ihre Gefühle zu sortieren, als sie Silvians Hände auf ihren Schultern fühlte.

„Er kommt wieder.", sagte er leise, aber bestimmt.

Ohne den Blick von der Tür zu wenden, fragte sie: „Woher willst du das wissen?"

„Weil es nicht anders sein kann.", antwortete er, drehte Hermine um und zog sie in seine Arme.

O o o

Snape verließ mit großen Schritten und ohne sich ein einziges Mal umzuwenden das Schloß, lief über die Wiesen zum Rand des verbotenen Waldes und verschwand darin.

O o o

Hannah gelangte in die Große Halle und setzte sich, nachdem ihre Klassenkameradinnen sie fröhlich begrüßt hatten, an den langen Ravenclaw-Haustisch, um mit ihren Hausarbeiten zu beginnen.

O o o

Hermine und Silvian hielten sich eine ganze Weile, bevor sie sich voneinander lösten und sich setzten. Hermine nahm in Snapes großem Schreibtischsessel Platz, während Silvian sich vor ihr auf den Schreibtisch setzte. Keiner von beiden hätte nun einfach seinem üblichen Tagwerk nachgehen können, also begannen sie, sich leise zu unterhalten, während sie auf die Rückkehr des Zaubertrankmeisters warteten.

O o o

Albus Dumbledore stand am Fenster seines Büros und sah Snape hinterher. Auch als der schwarze Zauberer bereits von den Bäumen verschluckt worden war, blieb er dort stehen. Bis gerade eben hatte er überprüft, gefestigt, erneuert – jetzt war sein Kopf nur noch von einem Gedanken erfüllt. Von Sorge...

O o o

Minerva McGonagall betrat die Große Halle, weil sie Severus Snape versprochen hatte, die Aufsicht über die Schüler zu führen, wenn er nicht da war. Sie war froh, daß sie so selbst ein Auge auf Hannah Snape werfen konnte. Die ältliche Kinderfrau war eine gute Seele, aber um ihre magischen Fähigkeiten war es bei weitem nicht so gut bestellt, wie um ihre Fähigkeiten im Hüten von Kindern. Außerdem schien Lissy alles andere als abgeneigt zu sein, wenn es darum ging, auf ihre alten Tage die Verantwortung für das Kind wieder in die Hände des Vaters zu legen. Sie hatte ihren Teil getan. Minerva ging langsam, schlendernd und beobachtend durch die Schülerreihen und sah dann, wie sich, wie jeden Tag um diese Zeit, die großen Fenster der Halle öffneten, um die Eulenpost hereinzulassen...

O o o

Snape ging so weit in den Walt hinein, bis er sicher sein konnte, daß man ihn vom Schloß aus nicht mehr sah. Dann nahm er seinen Zauberstab in die Hand, atmete einmal tief durch, murmelte den Spruch für die Apparation und verschwand.

O o o

Hermine und Silvian sahen sich verwundert an, als es an dem kleinen Fenster klopfte. Eine kleine Eule klickerte mit ihrem Schnabel vor die Scheibe. Silvian stand auf, ging zum Fenster, öffnete es und ließ den Vogel herein. Die Eule flog schnurstracks auf Hermine zu und ließ ihr den Brief in die Hände fallen. Die junge Gryffindor fing ihn, aus, in jahrelanger erworbener Gewohnheit auf und das letzte, was Silvian von ihr sah, war der entsetzte Blick, als ihr klar wurde, daß sie gerade eben einen Portschlüssel berührt hatte. Silvian schrie auf, stürzte zu der Stelle an der gerade eben noch Hermine gestanden hatte – aber sie war fort... ebenso wie die Eule, die sofort wieder davongeflogen war.

Plötzlich erschien eine zweite Eule und trug einen Brief in den Krallen. Silvian zögerte keine Sekunde und griff fest nach seinem Zauberstab. Er wusste genau, was er tat, als er den Brief auffing, der ihm in die Hände fallengelassen wurde – einen Wimpernschlag später war auch er verschwunden...

O o o

Die kleine Eule, die jetzt im Büro des Schulleiters war, war durch ein kleines, offenes Oberlicht hereingekommen. Albus war sofort misstrauisch. Nicht daß er selbst etwas vermutet hätte, aber Fawkes schrie in einem so unangenehmen Tonfall, daß er der Eule damit Schmerzen zu bereiten schien. Und wenn der sonst so friedfertige Phönix so etwas tat, dann konnte dies nur aus Absicht sein. So ließ Dumbledore den Umschlag, den die Eule fallen ließ, unberührt auf seinen Schreibtisch niedersegeln, wo er ihn erst einmal in Ruhe betrachtete, während die kleine Eule erleichtert wieder durch das Oberlicht entschwand...

O o o

Die Post-Eulen flogen mit dem Rauschen ihrer großen Schwingen in die Halle hinein und es regnete die übliche Menge an Zeitungen, Briefen und Päckchen gezielt auf die jungen Empfänger hinab. Hannah blickte erstaunt auf den Brief der vor ihr auf ihre Pergamentrolle gefallen war. Der Umschlag trug ihren Namen...

O o o

Minerva McGonagall sah zu den Eulen hoch und stellte erfreut fest, daß eine geradewegs auf sie zuflog. Wer schrieb ihr heute wohl? Als ihr Brief zu ihr herabgefallen kam und die Eule in einem großen Bogen weiterflog, Erschien es Minerva, daß die Zeit plötzlich langsamer abliefe, denn während sie die Hand nach dem Umschlag ausstreckte, sah sie, wie Hannah Snape nach einem Brief griff, der vor sie gefallen war – und verschwand... Einer Ahnung folgend sprang sie zur Seite und ließ den Umschlag, der für sie gedacht war, auf den Boden fallen. Sie schrie den Schülern entgegen „Keiner rührt sich! Jeder bleibt exakt da, wo er jetzt ist! Und niemand – ich wiederhole NIEMAND – berührt diesen Umschlag!" Die Schüler erstarrten und gehorchten. Die Ravenclaw-Schüler, die mitbekommen hatten, was geschehen war, waren vor Entsetzen starr. Mit großen Schritten war Minerva an der Stelle angelangt, an der gerade eben noch Hannah Snape gesessen hatte. Aber alles was sie finden konnte, waren ein paar Schulunterlagen und ein leerer Platz und eine Horde panischer Erstklässler. Snapes Tochter war fort...


Das Zitat über dem Kapitel ist aus: „All meine Wege" von R. Mey.