Hallo Leute, leider bin ich immer noch nicht wieder ganz gesund. +schnief, hust+ Deswegen hats auch wieder etwas länger gedauert. Ich hoffe, die nächsten Kapis gehen wieder schneller.
Viel Spaß beim Lesen und GLG angeltears-and-deviljoy
26. Krankenflügel
Langsam erwachte Snape am nächsten Morgen. Obwohl er die ganze Nacht durchgeschlafen hatte, fühlte er sich wie gerädert. Seine Muskeln waren vollkommen verspannt und er spürte leichte Schmerzen in Brust und Bauch. Seine Alpträume hatten ihr Übriges getan. Sie waren zwar nicht so intensiv gewesen, wie in der Vergangenheit, aber trotzdem präsent und hinterließen einen dunklen Schatten in seinen Gedanken.
Eigentlich sollte er seinem Meister und dessen Freunden dankbar sein. Sie hatten ihn aus seiner Hölle, die er selbst erschaffen hatte, in die Wirklichkeit zurückgeholt. Eine Wirklichkeit, die zwar ebenfalls ungerecht war, aber die es mit der Grausamkeit seiner Selbstvorwürfe und seiner Erinnerungen nicht aufnehmen konnte. Warum also fühlte er diese Dankbarkeit nicht, sondern nur eine verzehrende Leere und Gleichgültigkeit? Früher wäre er lieber gestorben, als zuzulassen, dass ausgerechnet diese drei Gryffindor sein Innerstes auf diese Weise sehen. Doch nun war es ihm schlicht und einfach ... egal.
Plötzlich rissen ihn gedämpfte Geräusche aus seinen Gedanken. Sein Meister war wach, also musste auch er aufstehen. Vorsichtig und ohne seine verspannten Muskeln unnötig zu beanspruchen, stieg Snape aus dem Bett. Als er schließlich am Türrahmen zu seinem Wohnzimmer stand, atmete er erstmal tief durch. Sein ganzer Körper rebellierte gegen seine Bewegungen. Nachdem er sich wieder einigermaßen beruhigt hatte, drückte er die Türklinke nach unten und trat noch etwas unsicher ein. Hier schlug ihm ein intensiver Geruch entgegen … Frühstück. Es war noch nicht einmal etwas Besonderes dabei, nur Tee, Toast, Marmelade und ein wenig Ei. Krampfhaft versuchte Snape seinen Magen unter Kontrolle zu bekommen.
In diesem Moment sah ihn Harry und lächelte ihn leicht verlegen an. Dieses Lächeln verschwand jedoch augenblicklich, als er bemerkte, wie sich sein Lehrer taumelnd am Türrahmen festhielt. Er wollte gerade nachfragen, als Snape nur ein „Verzeiht, Meister" hervorbrachte und so schnell er konnte in Richtung Bad verschwand.
Alarmiert ging ihm Harry nach und fand ihn über die Toilette gebeugt. Da Snape nichts im Magen hatte, würgte er nur trocken und spuckte lediglich Galle. Nachdem sich der Slytherin wieder beruhigt hatte, reichte ihm Harry kommentarlos ein feuchtes Handtuch. Besorgt meinte er dann: „Mach dich erstmal frisch. Ich räume inzwischen das Essen wieder weg. Wenn du dich schon allein beim Geruch übergibst, bleibt sicherlich auch nichts drin. Falls du Hilfe brauchst, rufst du. Das Letzte, was dir jetzt noch fehlt, ist ein Unfall im Bad."
Snape nickte nur schwach mit geschlossenen Augen und hörte kurz darauf, wie die Tür ins Schloss fiel. Eine Weile saß er einfach nur auf dem Boden. Sein Körper schmerzte durch die Flucht zum Badezimmer nur noch mehr und seine Kehle brannte wie Feuer. Behutsam öffnete er die Augen und stand langsam auf. Nachdem er ein paar Schlucke Wasser zu sich genommen hatte, die zum Glück nicht wieder heraus kamen, wollte er seinem morgendlichen Ritual folgen. Das hieß als erstes auf die Toilette. Hier erlebte Snape die nächste unangenehme Überraschung … zum Einen schmerzte es und zum Anderen hatte er etwas Blut im Urin.
Er musste sich wohl oder übel eingestehen, dass er Hilfe brauchte. Also öffnete er die Tür, doch bevor er sich bemerkbar machen konnte, war Harry schon bei ihm. Dieser hatte nachdem er das Essen weggeräumt hatte, die Badezimmertür nicht mehr aus den Augen gelassen. Auf den fragenden Blick antwortete Snape krächzend: „Verzeiht mir, Meister, aber ich fürchte es gibt Probleme. Mein Körper fühlt sich an, als ob er in Flammen steht und ich habe ... Blut im Urin."
Snape konnte dem Gryffindor regelrecht beim Denken zusehen und auch das Schuldgefühl war auf dessen Gesicht zurück gekehrt. Schließlich führte ihn Harry erstmal wieder zum Bett, auf dem sich der Slytherin dankbar niederließ. Zaghaft meinte sein Meister: „Ich werde den gleichen Fehler nicht nochmal machen. Du brauchst professionelle Hilfe ... vor allem, da Zaubertränke im Moment keine Option sind. Madame Pompfrey kann sicher ..." Als sein Meister die Medihexe erwähnte, zog sich in Snape alles zusammen. Sie würde sofort zu Dumbledore gehen und allein beim Gedanken, dass der Direktor alles herausfand, beschleunigte sich seine Atmung rapide. „Bitte, Meister ... so würde auch ... der Direktor ... davon erfahren."
Harry erkannte zwar das Problem an der ganzen Sache, aber er hatte nicht die geringste Ahnung, was er sonst unternehmen konnte. Wenn sie ins St. Mungos gehen würden, würden sie noch mehr Aufmerksamkeit erregen. Madame Pompfrey war die einfachste und diskreteste Lösung. Bevor er jedoch etwas sagen konnte, hörten sie ein gedämpftes Klopfen. Verwundert blickten sich die beiden an und Harry ging ins Wohnzimmer zum Porträtloch. Als er es öffnete, war der Gang allerdings leer. Harry glaubte schon, sie hätten sich verhört, als Rons Stimme aus dem Nichts erklang: „Harry, wir sinds. Wir haben deinen Tarnumhang."
Schnell machte der Gryffindor Platz und einen Augenblick später erschienen seine Freunde im Wohnzimmer. Erleichtert über ihre Ankunft begann er sofort auf sie einzureden: „Severus geht es nicht gut, aber er möchte auch nicht in den Krankenflügel, da sonst Dumbledore von seinem Zustand erfährt. Habt ihr vielleicht eine Idee?" Ron sah ihn genauso ratlos an, aber Hermine hatte wieder einmal einen rettenden Einfall: „Ganz einfach. Madame Pompfrey ist an die ärztliche Schweigepflicht gebunden. Sie darf den Direktor nur einweihen, wenn das Wohl der Schule oder eines Schülers in Gefahr sind. Da Professor Snape kein Lehrer mehr ist, darf sie Dumbledore gar nicht über seinen Zustand informieren, wenn er es nicht wünscht. Allerdings dürfte das Ganze bei dir anders sein. Da du offiziell sein Meister bist, wirst du wohl anwesend sein müssen. Wenn du trotzdem erstmal mit ihr sprechen möchtest, kann Professor Snape ja solange unter dem Tarnumhang warten. Ihr solltet auch lieber den Kamin nehmen, sonst erregt ihr auf den Gängen doch noch Aufmerksamkeit und der Weg könnte außerdem zu anstrengend sein."
Harry fiel bei Hermines Erklärung ein Stein vom Herzen, als sein Blick zum Schlafzimmer ging und er Snape am Türrahmen gelehnt sah. Dieser hatte den Plan der Gryffindor mit angehört und nickte seinem Meister kurz zu. Dankbar nahm Harry den Tarnumhang entgegen und reichte ihn an den Slytherin weiter, der auch sofort halb darunter verschwand. Als die beiden am Kamin standen und in den Krankenflügel flohen wollten, fragte Hermine zaghaft: „Ähm ... sollen wir schonmal mit dem Einpacken anfangen, oder lieber warten?" Snape zuckte nur leicht mit den Schultern und meinte: „Die Bücher dürften für euch am meisten von Interesse sein, Meister. Das Regal da hinten werde ich wohl selber durchsehen müssen, da dort auch Sachen für Professor Slughorn sein werden." Harry und seine Freunde nickten nur und dann waren Harry und Snape auch schon im Krankenflügel.
Hier half der Gryffindor seinem Lehrer erstmal auf ein Bett und vergewisserte sich, dass der Tarnumhang richtig saß. Keinen Augenblick zu früh kam die Medihexe in den Raum und schaute fragend zu Harry: „Mr. Potter, warum kommen Sie durch den Kamin? Ist etwas nicht in Ordnung?" Dieser verlor keine Zeit und sagte: „Ja, es gibt einen Notfall, aber bevor ich es Ihnen erkläre, müssen Sie mir versprechen, dass der Direktor nichts hiervon erfährt." Madame Pompfrey war zwar verwirrt, aber die Dringlichkeit in Harrys Stimme ließ sie nicht weiter zögern: „Nun gut. Solange es keine Angelegenheit der Schule ist, darf ich das ja auch gar nicht."
Der Gryffindor atmete erleichtert auf und zog Snape langsam den Tarnumhang von den Schultern: „Es wäre wohl das beste, wenn Sie eine Gesamtuntersuchung machen würden." Die Medihexe atmete erschrocken ein: „Was zum Henker ist mit ihm passiert?" Allerdings rechnete sie gar nicht mit einer Antwort und begann stattdessen sofort mit ihrer Arbeit. Routiniert sprach sie mehrere Diagnosezauber und murmelte leise vor sich hin. Schließlich seufzte sie und erklärte besorgt: „Die Schäden sind zu großflächig, da komme ich mit den normalen Diagnosezaubern nicht weiter. Die spezielleren können jedoch nur bei direktem Kontakt mit der Haut wirken. Deswegen müsstest du zumindest das Hemd und die Hose ausziehen, Severus."
Snape schaute kurz zu Harry: „Am schnellsten geht es mit einem Zauber, Meister." Harry wurde leicht rot, murmelte dann aber den entsprechenden Spruch. Sofort saß Snape nur noch in seiner Unterhose da und fixierte mit starrem Blick einen Punkt an der gegenüberliegenden Wand. Harry und die Medihexe zogen zeitgleich scharf die Luft ein. Ohne die schützenden Lagen Stoff konnte man erkennen, wie dünn der Slytherin wirklich war. Sein Oberkörper und sein Rücken wurden von mehreren Narben durchzogen und auch an seinem rechten Oberschenkel verlief eine alte verheilte Verletzung. Ebenso hatten Fluffys Zähne ihre Spuren hinterlassen.
Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, machte Madame Pompfrey weiter, dabei notierte sie sich mehrere Sachen auf einer Pergamentrolle. Als sie fertig war, schaute sie ernst zwischen den beiden hin und her: „Es wurde höchste Zeit. Ein paar Wochen länger und ich hätte nichts mehr tun können. So allerdings besteht noch Hoffnung, dass sich die Organe wieder erholen. Aber am besten fangen wir von vorne an."
Da Snape nicht reagierte, wandte sie sich mit einem Kopfschütteln an Harry: „Als erstes muss sein Gewicht wieder normalisiert werden. Im Moment hat Severus sechs Kilo Untergewicht. Ich habe einen Essensplan zusammengestellt, der genau auf seine derzeitige Verfassung abgestimmt ist. Damit dürfte er in spätestens einem Monat wieder bei einem gesunden Normalgewicht angekommen sein.
Bei seinen Organen sind die Leber, die Nieren, der Magen-Darm-Trakt, aber auch das Nervensystem am schlimmmsten betroffen. Ich konnte sie mit einigen Zaubern soweit stabilisieren, dass sie in spätestens einer Woche wieder absolut funktionstüchtig sind. Während dieser Zeit reagiert sein Körper sehr negativ auf irgendwelche Tränke, deshalb gilt ein striktes Verbot. Nach dieser Woche dürfte es allerdings kaum Probleme geben.
Aber nicht nur seine Organe sind angeschlagen. Ich habe vier schlecht verheilte Knochenbrüche gefunden: die rechte Schulter, das rechte Handgelenk, zwei linke Rippen und das linke Schienbein. Ich würde das gerne in Ordnung bringen. Das heißt ich müsste die Knochen erst systematisch wieder brechen, um sie dann richtig zu heilen. Das wird nur etwa zehn Minuten in Anspruch nehmen.
Außerdem wurden seine Muskeln durch den Cruciatus sehr mitgenommen. Sie sind völlig verspannt und haben nicht mehr die volle Bewegungskapazität. Ich gebe Ihnen dafür eine Salbe mit. Sie müssen diese vor allem auf Rücken, Brust und den Gliedmaßen auftragen. Severus sollte dabei liegen, da die behandelten Muskeln für ungefähr zwei bis drei Stunden nicht angespannt werden können. Wenn Sie die Salbe auftragen, Mr. Potter, tragen Sie bitte diese Handschuhe, sonst können Sie ihre Hände ebenfalls nicht bewegen."
Harry traute seinen Ohren kaum, als Madame Pompfrey mit leiser, aber fester Stimme die einzelnen Punkte aufzählte. Wie in Trance schaute er ihr bei der Behandlung der Knochen zu, bei der Snape keine Miene verzog. Danach schwenkte die Medihexe kurz ihren Zauberstab und der Slytherin war wieder angekleidet. Als der Gryffindor den Beutel mit dem Essensplan, der Salbe und den Handschuhen in Empfang nahm, bedankte er sich noch und kurz darauf waren die beiden zurück im Kerker.
