Hallo Kiana Liv! Ich danke dir vielmals für dein Review und bin froh, dass es dir immer noch gefällte! Beim nächsten kapitel bin ich etwas nervös, weil es mir diesmal echt schwer gefallen ist... naja, das nächste wird wieder besser, das weiß ich :D Aber ich hoffe trotzdem, dass du nicht enttäuscht bist ;)
Gleißender Schmerz
BPOV
Die Tage vergingen für meinen Geschmack viel zu schnell. Ich hatte es früher kaum erwarten können, wenn ein schrecklicher Tag nach dem anderen endlich zu Ende war, doch nun ging für mich alles viel zu schnell und ehe ich mich versah, war das neue Jahr angebrochen und ich hatte kaum noch Zeit, mich auf das Treffen mit Zoe vorzubereiten… und um ehrlich zu sein, hatte ich versucht es zu verdrängen, doch jetzt blieb mir kaum noch eine andere Wahl, als mich mit dem Gedanken zu beschäftigen, bald meiner ehemals besten Freundin gegenüberstehen zu müssen und ihr dabei auch noch das Herz brechen zu müssen.
Ich wusste, dass ich in den letzten Tagen keine gute Gesellschaft war, nicht für Charlie, nicht für Edward oder sonst jemanden. Und trotzdem hatte Edward es sich nicht nehmen lassen, so viel Zeit wie möglich mit mir zu verbringen. Er versuchte alles in seiner Macht stehende, um mich abzulenken, aufzumuntern, aber ich ließ es nicht zu und hatte das eine oder andere Mal mit dem Gedanken gespielt, ihn für eine Zeit lang nicht mehr in mein Zimmer zu lassen. Meine Stimmungsschwankungen waren nicht fair ihm gegenüber und ich stellte mir immer noch die Frage, was es nur war, das ihn bei mir hielt… mit mir war in letzter Zeit nämlich ohnehin nichts anzufangen.
Leise seufzend stieg ich aus meinem Truck und schnappte mir sämtliche Einkaufstüten um sie ins Haus zu tragen. Ich hatte eine Menge an Lebensmittel für mich und Charlie gekauft, denn seit Tagen schneite es ununterbrochen und ich war mir nicht sicher, ob es in den nächsten Tagen noch möglich sein würde, sicher auf den Straßen unterwegs zu sein.
Ich drehte mich um und versuchte mit meinem Ellenbogen die Tür des Trucks zu schließen, als ich den Halt auf dem gefrorenen Boden verlor und wegrutschte. Reflexartig kniff ich meine Augen zusammen, ließ sämtliche Tüten fallen und erwartete einen harten, schmerzhaften Aufprall, als ich plötzlich in nicht minder harten Armen landete. Noch bevor ich die Augen öffnete, hörte ich sein amüsiertes Lachen.
„Wie schön, dass du mich unterhaltsam findest." Sagte ich grimmig und hätte mich am liebsten selbst für meinen Ton geohrfeigt. Edward hatte mich gerade davor bewahrt, mit meinem Hintern schmerzhaft auf Glatteis zu landen und ich hatte nichts Besseres zu tun, als meine üble Laune an ihm auszulassen. Ich öffnete meine Augen und erblickte Edwards golden färbige, sanftmütig und freundlich wie immer. Und es ärgerte mich umso mehr, dass er nicht ein einziges Mal wütend auf mich war.
„Danke." Murmelte ich dafür, dass er mich und die Einkäufe aufgefangen hatte und befreite mich dann langsam von ihm. „Ich ähm… bin in letzter Zeit etwas tollpatschig…" murmelte ich entschuldigend und wunderte mich, als Edward nicht einwandte dass ich rund um die Uhr tollpatschig war. Stattessen stellte er meine Einkaufstüten ab und zog mich an meinem Arm wieder etwas näher.
„Du bist nervös nicht wahr?" fragte er leise und hatte immer noch dieses sanfte Lächeln in seinem Gesicht.
Ich entließ laut und zittrig Luft aus meinen Lungen. „Ist das… so unübersehbar?"
„Mach dir keine Sorgen." Murmelte Edward, als er seine Lippen gegen meine Stirn drückte. Als er mich wieder ansah, hatte sein Blick sich verändert und ich wusste sofort, dass er etwas vor hatte. Edward hatte seinen „spielerischen Blick" so wie ich ihn nannte aufgesetzt. Und jedes Mal wenn ich diesen an ihm beobachtet hatte, war er Sekunden später mit mir aus dem Fenster oder von einer Klippe gesprungen. Und auch sein jetziger Blick konnte nichts Gutes bedeuten.
„Oh je..." schaffte ich es noch zu sagen, bevor Edward mich plötzlich mit seinen Armen umschlang und ich einen kalten Luftzug an meinen Wangen spürte, bevor ich mit Edward Hals über Kopf im Tiefschnee landete. Ich kreischte auf, als ich mit meinen Händen den viel zu kalten Schnee berührte und mir eine beachtliche Menge in den Nacken rutschte und versuchte, mich aufzurappeln, doch Edward hatte seine Arme fest um mich geschlungen und hinderte mich daran, mich zu bewegen.
„EDWARD CULLEN! Das wirst du bereuen!" rief ich und versuchte mich los zu strampeln, doch ich hatte keine Chance. Edward hielt mich immer noch fest und begann mich erbarmungslos zu kitzeln. Ich kreischte erneut auf und schlug wie wild um mich, doch ich erwischte Edward nicht mit meinen Armen, was vielleicht auch besser war, ich hätte sie mir ohnehin nur gebrochen.
Ich ergriff den Moment, als Edward mich für einen Moment verschnaufen ließ und schleuderte ihm eine Ladung Schnee ins Gesicht, doch diese Aktion brachte ihn nur noch mehr zum Lachen.
„Dir ist schon bewusst, dass Schnee auf meiner Haut nicht den gewünschten Effekt hat?" fragte er und stützte sich auf seinen Unterarmen ab.
„Dann sollte ich es das nächste Mal vielleicht mit Trockeneis versuchen… oder Stickstoff. Angeblich ist das sehr Schmerzhaft." Konterte ich und versuchte den viel zu kalten Schnee aus meinem Nacken zu entfernen, doch Edward schlang erneut seine Arme um mich und zog mich zurück in den Schnee und für einen kurzen Moment hatte ich meine Probleme und Unsicherheiten vergessen. So etwas Banales wie eine Schneeballschlacht, ließ mich für einen kurzen Moment wieder frei von all den erdrückenden Gedanken sein und ich genoss es, mit Edward zu lachen.
Wir lagen nebeneinander im Schnee und ich versuchte wieder zu Atem zu kommen, als ich meinen Kopf in Edwards Richtung drehte. Seine Nase berührte fast meine und ich lächelte, als ich in seine warmen Augen blickte. Ich hätte ihn ohne weiteres küssen können, aber mir reichte diese Nähe die ich zu ihm hatte, vollkommen.
„Was… tust du da?" fragte ich und hob eine Augenbraue, als ich bemerkte, wie Edward seinen freien Arm und Beine im Schnee bewegte.
„Hast du noch nie einen Schneeengel gemacht?" fragte er und schenkte mir ein Lächeln, während er weiter den Schnee mit seinem Arm hin und her schob.
„Ähm… nein!.. Jedenfalls kann ich mich nicht daran erinnern." Sagte ich und begann dann Edwards Bewegungen nachzuahmen. Als Kind hatte ich selten Schnee zu Gesicht bekommen. Und wenn, dann war es mir viel zu kalt, als dass ich meine Freizeit draußen verbracht hätte. Meine Mutter war mit mir nach Phönix gezogen, als ich knapp fünf Jahre alt war. Ob ich davor je einen Schneeengel gemacht hatte, wusste ich nicht. Ich drehte meinen Kopf wieder zu Edward und bemerkte, dass er mich die ganze Zeit angestarrt hatte.
„Was?" flüsterte ich
„Du… machst mich wirklich glücklich." Murmelte Edward leise und rieb seine Nase sanft an meiner, während sich Schmetterlinge in meinem Bauch und ein warmes Gefühl in meiner Brust ausbreiteten.
„Und du mich erst." Antwortete ich leise, als ich Edwards Lippen an meiner Wange spürte.
Für ein paar Minuten lagen wir weiter so da, bis Edward sich plötzlich langsam aufsetzte und mich mit in eine aufrechte Position zog.
„Was… ist los?" fragte ich, als ich sah, wie Edward mich etwas unsicher ansah.
„Bella… kann ich dir etwas sagen, ohne dass du wütend auf mich wirst?"
Mit einem Male spürte ich, wie mir das Blut aus den Wangen wich und ich musste laut Luft holen, als Edward sofort einen Arm um mich legte.
„Hey, ganz ruhig Bella! Es ist überhaupt nichts Schlimmes. Versprochen! Ich habe nur Sorge, dass du es vielleicht falsch verstehen könntest." Murmelte Edward und rieb mir über meine Arme.
„Ähm… Ok." Murmelte ich und hatte Angst vor seinen bevorstehenden Worten.
„Ich weiß, dass du nicht eines dieser Mädchen bist, das jede Woche einen Strauß Rosen erwartet und ich weiß dass du der Ansicht bist, eine emanzipierte Frau kann selbst Türen öffnen und für ihr Essen bezahlen und… das respektiere ich. Ich finde das sogar bewundernswert, aber… da wo ich herkommen… zeigt man einer Frau dass man sie mag, indem man sie beschenkt… verwöhnt,… zuvorkommend ist… lass mich dich etwas verwöhnen. Bitte! Ich möchte es! Lass mich nur ein klein wenig… zuvorkommend sein."
Ich musste ein paar Mal blinzeln, als seine Worte in mich sackten und griff dann nach seiner Hand. Ich hatte nie bemerkt, dass es ihn kränkte, wenn ich ihm sagte er müsse mir nicht die Türen aufhalten oder wenn ich es verweigerte, ihn für mein Essen bezahlen zu lassen. Ich hatte keine Ahnung, dass es ihn so viel bedeutete. Aber die meiste Zeit über vergaß ich auch, dass Edward aus einer ganz anderen Zeit stammte.
Ich fuhr mit meinen Fingern über seinen Handrücken und blickte zu ihm auf. Ich öffnete meinen Mund um ihm zu antworten, doch mein Kopf war leer. Ich konnte meine Gefühle nicht beschreiben, wusste nicht, wie ich ihm das sagen sollte, was ich ihm mitteilen wollte. Ich war noch nie gut darin gewesen, meine Gefühle zu formulieren, darüber zu sprechen. Aber Edward schien das wirklich nahe zu gehen und ich wusste auch warum. Für ihn hieß die Ablehnung seines Bemühens und seiner Geschenke auch Ablehnung ihm gegenüber und plötzlich bildete sich ein schmerzhafter Knoten in meiner Brust.
„Ich… „ ich schluckte und suchte nach Worten und bemerkte, wie ich unter Stress geriet, auch wenn ich wusste, dass Edward mich niemals zu einer Antwort hetzen würde. Ich fühlte wie er sanft meine Hand drückte, sie zu seinen Lippen führte und dann einen leichten Kuss auf meinen Handrücken drückte, das mich zum Lächeln brachte. Und plötzlich konnte ich wieder freier atmen.
„Siehst du es nicht?" fragte ich leise. „Du… du zeigst es mir doch die ganze Zeit… Dass… du mich magst…" meine Stimme wurde immer leiser und ich konnte nicht verhindern, dass ich plötzlich wieder schüchtern und unsicher in seiner Gegenwart wurde. „Mit… mit diesen kleinen Gesten, die… ich so sehr schätze..." ich räusperte mich, um nicht meine Stimme zu verlieren. „Wenn… du nachts bei mir bleibst, wenn du… deine Arme beschützend um mich legst, oder… an meinem Handgelenk riechst…"
Ich musste kurz lachen und sah, dass auch Edwards Augen sich wieder erhellten. „Die… Art und Weiße wie… du mich tröstest…" fuhr ich noch leiser fort. „Oder… Grüntee mit Zitrone und… eine Wärmflasche." Schloss ich und schluckte den Klos in meinem Hals hinunter. „Ich wollte dich nicht verletzen Edward!"
„Hey! Das weiß ich doch." Murmelte Edward und strich mir liebevoll über die Wange. „Und ich will auch nicht, dass du dich schlecht fühlst. Ich… wollte nur, dass du verstehst, wie viel es mir bedeutet, dir eine Freude zu bereiten."
Ich nickte und schaffte es wieder zu lächeln.
„Du sagtest ich dürfte dir nichts zu Weihnachten schenken, aber… du hast nichts von heute gesagt."
„Edward…" murmelte ich. „Was… hast du getan?" Ich sah zu, wie er langsam seine rechte Hand in seiner Jackentasche verschwinden ließ und sie dann langsam wieder hervorzog. Seine Hand war zu einer Faust geballt, in der er etwas fest verschlossen hielt. Ich blickte immer wieder von seiner Hand zu seinen Augen, die ungewöhnlich funkelten, so als würde es ihm wirklich Freunde bereiten, mir etwas schenken zu können.
„Edward…" ich wusste nicht, was ich sagen sollte, als mir plötzlich etwas einfiel. „Hey! Du hast mir etwas zu Weihnachten geschenkt oder wie nennst du es, wenn man für jemand anders ein Lied komponiert?" fragte ich und hob eine Augenbraue, doch ich musste unweigerlich lächeln, als ich daran zurückdachte, wie Edward mir seine neueste Komposition vorgespielt hatte, und das einen Tag vor Weihnachten.
Edward lachte, als er seine freie Hand nach meiner ausstreckte und sie so drehte, dass meine Handinnenfläche nach oben zeigte. „Bella… ich hätte dir dieses Lied ohnehin vorgespielt, also… war es nicht wirklich ein Weihnachtsgeschenk. Ich habe versucht, deinen Wunsch zu respektieren, also… bitte versuche auch meinen Wunsch, dir heute etwas schenken zu dürfen, zu respektieren."
Ich schluckte und lächelte leicht, auch wenn es nicht fair von ihm war. „Für mich war es ein tolles Weihnachtsgeschenk Edward!"
„Das weiß ich und… keine Sorge, ich hab nicht zu viel Geld ausgegeben." Murmelte er, als er mir etwas Kaltes in meine wartende Hand fallen ließ.
Ich ließ meinen Blick nach unten gleiten und nahm zögerlich das dünne silberne Armband aus meiner Hand um es eingehend zu betrachten.
„Du meine Güte es… ist wunderschön!" murmelte ich, als ich die drei Anhänger aus Stein musterte. Ein Herz, eine Schneeflocke und das Zeichen der Unendlichkeit. Noch nie in meinem Leben hatte ich je ein Geschenk bekommen, hinter dem so viel Bedeutung steckte, wie in diesen drei kleinen Anhängern aus Stein und ich bemerkte, wie sich mein Hals vor Rührung plötzlich schmerzhaft zusammenzog. Ich blickte wieder in Edwards Augen und schenkte ihm ein Lächeln, während er mir das Armband aus der Hand nahm, um es mir um mein linkes Handgelenk zu legen. Erneut betrachtete ich das kostbare Geschenk… es war viel zu kostbar.
„Edward… du hast doch nicht…" doch ich wurde von Edward unterbrochen, als er mein Kinn anhob um mich ansehen zu können.
„Hör auf, dir darüber Sorgen zu machen. Ich sagte doch, dass ich deine Ansichten respektiere. Ich… habe nicht viel dafür ausgegeben ok?"
Ich blinzelte ein paar Mal, bis es mir wie Schuppen von den Augen fiel. „Du… du hast es selbst gemacht?" fragte ich flüsternd, als ich wieder an das steinerne Herz auf meinem Nachttisch dachte und als Edward nickte, konnte ich nicht mehr an mich halten und schlang so fest wie möglich meine Arme um seine Körpermitte. „Danke Edward!" sagte ich leise, während ich mein Gesicht an seinen Hals drückte.
Ich wäre am liebsten für immer mit Edward hier sitzen geblieben, doch natürlich machte mir die Kälte einen Strich durch die Rechnung. Nach ein paar Minuten bemerkte ich, wie meine Finger und Gesicht langsam aber sicher taub vor Kälte wurden und Edward zog mich vorsichtig auf die Beine, sodass wir unser Kunstwerk im Schnee nicht ruinierten. Ich drehte mich um und betrachtete für einen kurzen Augenblick die beiden Schneeengel, die Aussahen, als würden sie Arm in Arm daliegen.
Mit einem kleinen Grinsen hielt Edward die Haustür für mich auf und ich schüttelte lachend den Kopf, während Edward meine Einkäufe in der Küche abstellte.
„Du stehst also auf die traditionelle Rollenverteilung?" fragte ich lachend. „Männer tragen schwere Gegenstände und Frauen werden hinter den Herd verbannt?" Ich hatte kaum zu Ende gesprochen, als ich plötzlich umher gewirbelt wurde und mit einem Male auf der Küchenzeile saß, während Edward vor mir zwischen meinen Beinen stand und mich an meiner Hüfte festhielt.
„Wieso denn verbannen?" fragte Edward. „Ich dachte du kochst gerne und außerdem würde dir eine Schürze bestimmt gut stehen." Scherzte er und ich schlug ihm leicht auf seine Brust.
„Aber… ja. In manchen Belangen ziehe ich sehr wohl die traditionelle Form vor." Sagte er leise.
„Und wobei?"
„Lass uns das ein anderes Mal besprechen. Brauchst du Hilfe beim Kochen?" fragte er stadtessen und fuhr mit seinen Händen seitlich an meinen Oberschenkeln entlang.
„Ähm klar." Murmelte ich, als Edward mit seinem Kopf meinem immer näher kam. Mein Atem blieb in meinem Hals stecken, doch plötzlich stoppte Edward.
„Ist das in Ordnung für dich?" fragte er leise, woraufhin ich nur nicken konnte, doch ich bemerkte, wie mein Puls sich beschleunigte und das nicht auf eine angenehme Art und Weise.
Meine Augen fielen wie von selbst zu, als ich Edwards kalte Lippen an meinem Mundwinkel spürte. Federleicht und zart und ich entließ meinen angehaltenden Atem zittrig durch meine Nase.
Edward löste sich sehr schnell wieder von mir, ich konnte mein Unwohlsein nicht vor ihm verbergen, auch wenn ich mich noch so sehr anstrengen würde und es tat mir unendlich leid, dass ich ihn immer wieder ein Stück von mir stieß, wenn ich dachte, es würde endlich besser werden. Doch seine Augen hielten immer noch diese Wärme für mich bereit.
Ich streckte meine Arme aus und umarmte Edward kurz. Versuchte ihm so zu zeigen, was ich für ihn empfand, bevor ich von der Küchenzeile sprang und wir gemeinsam begannen, das Mittagessen vorzubereiten, als Charlie die Küche betrat.
„Edward! Schön dich zu sehen." Grüßte Charlie und hob dann plötzlich eine Augenbraue. „Du kochst?"
„Ich versuche es zumindest. Bella ist eine tolle Lehrerin!" antwortete Edward und ich musste mir ein Grinsen verkneifen als ich daran dachte, dass Edward bei weitem besser kochen konnte als ich.
„Du bleibst doch zum Essen oder?" fragte Charlie und Edward nickte. Er tat mir jetzt schon leid.
„Na gut dann… ich werde mal zusehen, dass ich diese Uniform loswerde." Murmelte Charlie und verschwand dann die Treppe nach oben.
Eine Weile arbeiteten wir schweigend nebeneinander. Während ich das Gemüse für den Salat schnitt, deckte Edward den Tisch. Ich kaute nachdenklich auf meiner Unterlippe herum und holte Luft.
„Edward?"
Ich spürte förmlich, wie Edward sich nach mir umdrehte, wagte es jedoch nicht, mich zu ihm zu drehen.
„Ich ähm…" erneut suchte ich nach Worten und ermahnte mich innerlich, mich zusammenzureißen, doch ich konnte nicht verhindern, dass meine Hände zu schwitzen begannen. „Würdest du… würdest du mich am Freitag begleiten?" fragte ich leise und hielt meinen Blick weiter auf das Schneidebrett vor mir gerichtet. Ich spürte, wie die Nervosität wieder in mir hochkroch und zuckte kurz, als ich spürte, dass Edward plötzlich dicht hinter mir stand.
„Natürlich Bella. Ich… Ich dachte du würdest das wissen." Edward legte seine Hände an meine Oberarme. „Warst du deshalb in den letzten Tagen so nervös? Weil du dachtest du müsstest allein fahren?"
Ich schluckte hörbar und begann die Möhren kleinzuschneiden. „Unter… anderem, ja, aber…" plötzlich durchzuckte ein brennender Schmerz meinen Finger und ich ließ das Messer fallen. „Verdammt!" fluchte ich, als ich bemerkte, wie sich Edwards Griff versteifte.
„Nichts passiert, es ist nur…" doch als ich hinter mir ein gefährliches Knurren vernahm und sah, wie dickes, dunkles Blut meinem Finger entlanglief, erstarrte ich plötzlich selbst für einen kurzen Augenblick. Ich wollte mich umdrehen, doch Edward hielt mich in einem todesähnlichen, viel zu festen Griff und es gelang mir nur, meinen Kopf zu ihm zu drehen. Ich erblickte Edwards verzerrtes Gesicht und wilde, viel zu dunkle Augen starrten mich an. Doch im nächsten Augenblick war Edward verschwunden und ich hörte das Glas des Küchenfensters zerbersten.
Wie erstarrt blieb ich wo ich war und blickte wie hypnotisiert zum zerbrochenen Küchenfenster, aus dem Edward vor wenigen Sekunden geflüchtet war, während das Blut weiter von meinem Finger tropfte.
„Bella? Ist alles in Ordnung bei euch?" hörte ich Charlie rufen. Ich schreckte aus meiner Starre und wickelte mir schnell ein Stück Küchenpapier um den Finger, als Charlie die Küche betrat.
„Ähm… ja, alles in Ordnung." Murmelte ich und griff nach einem Besen um die Scherben zu beseitigen.
„Wo ist Edward? Hast du dich verletzt?" fragte Charlie, als er meinen verletzten Finger erblickte.
„Oh ähm…. Also…. Edward… Edward musste weg und… ich hatte das Fenster offen gelassen… der Wind hat es zugeworfen und ich… du weißt wie Schreckhaft ich bin. Da hab ich mich geschnitten… alles halb so wild."
Charlie blickte mich forschend an und ich war mir nicht sicher, ob er mir Glauben schenkte. „Na gut. Dann… sollte ich lieber jemanden anrufen, der das repariert. Nicht dass wir heute Nacht erfrieren."
Ich nickte nur und begann die Scherben zu beseitigen. „Dad?" rief ich, als Charlie dabei war, nach dem Telefon zu greifen. Er drehte sich zu mir und blickte mich fragend an.
„Ich ähm… ich hab ganz vergessen, ich muss noch einmal weg. Ist das… in Ordnung?" fragte ich und versuchte meine Panik zu verbergen. Ich musste Edward finden und ihn davon abhalten sich Vorwürfe zu machen für etwas, das nicht passiert war.
„Natürlich, aber bitte sei Vorsichtig. Die Straßen sind rutschig."
Ich nickte und beseitigte die restlichen Scherben, bevor ich so schnell wie möglich nach oben in mein Zimmer lief um meine Jacke und feste Schuhe zu holen.
Zehn Minuten später saß ich bereits hinter dem Steuer meines Trucks und hielt mir mein Handy an mein Ohr. Es war das erste Mal seit Ewigkeiten, dass ich glücklich darüber war, eines dieser Dinger überhaupt zu besitzen. Ungeduldig trommelte ich mit den Fingern auf das Lenkrad, während mir das Freizeichen ins Ohr dröhnte.
„Bitte bitte nimm ab!" murmelte ich und fuhr vorsichtig in Richtung der Cullens.
„Bella! Alles in Ordnung?" hörte ich Alice Stimme und atmete etwas erleichtert auf.
„Ist er hier?" fragte ich, ohne Zeit zu verlieren.
„Nein. Er war hier, aber…"
„Wo ist er Alice?" unterbrach ich sie und bemerkte, wie mein Puls schneller wurde.
„Ich weiß nicht, ob du…"
„Alice bitte! Du musst mir sagen wo er ist. Ich werde ihn finden, mit oder ohne deiner Hilfe." Flehte ich und hoffte, Alice würde einlenken. „Mir wird nichts passieren! Sieh in die Zukunft, wenn du mir nicht glaubst!"
„Das weiß ich Bella, aber vielleicht solltest du einfach etwas warten, bis…"
„Hör zu Alice. Wenn… wenn er mich nicht sehen möchte, dann… soll er es mir selbst sagen und ich werde sofort wieder gehen. Ok? Aber… ich muss ihn sehen." Ich wartete darauf, dass Alice mir antwortete, doch das Schweigen machte mich immer nervöser. Ich hatte keine Ahnung, wo Edward sein könnte und es würde Ewigkeiten dauern, ihn an all seinen Lieblingsplätzen zu suchen, noch dazu könnte er überall sein.
„Er ist am Fluss." Murmelte Alice leise. „Bitte…bitte bleib auf Abstand ok?"
„Ich danke dir Alice! Und keine Sorge. Ich weiß, dass Edward mir nicht weh tun wird." Sagte ich, bevor ich das Telefonat beendete.
Keine zwanzig Minuten später stapfte ich mühsam durch den dichten Schnee auf dem Weg zu Edward und versuchte mein Gesicht mit meinem Schal vor dem kalten Wind zu schützen. Ich hatte keine Ahnung, wie lange es dauern würde, den Fluss zu erreichen, ich hoffte nur inständig, dass ich in der Zwischenzeit nicht erfrieren würde. Ich kontrollierte, ob mein Telefon noch sicher in meiner Jackentasche verstaut war, damit Alice mich erreichen konnte, sollte Edward vorhaben, den Ort zu wechseln. Meine Schnittwunde hatte ich fein säuberlich verarztet und zugeklebt, doch ich befürchtete, dass es nicht viel helfen würde.
Langsam begannen sich die dichten Bäume etwas zu lichten und von weitem konnte ich eine Gestalt am Flussufer erkennen. Alleine an seiner Haltung sah ich, dass es Edward war, so wie er dahockte. Ich beschleunigte meine Schritte und hatte plötzlich das Bedürfnis, ihn fest in meine Arme zu schließen, als ich sah, wie seine Schultern nach vorne gebeugt waren und sein Kopf nach unten hing. Noch nie hatte ich ihn in einer derart gekrümmten und verletzlichen Position gesehen und mein Herz schmerzte als ich daran dachte, dass er sich bestimmt schuldig fühlte. Schuldig dafür, dass er mich immer wieder einer Gefahr aussetzte, schuldig dafür, dass er nicht die Kraft hatte, sich für immer von mir fern zu halten, schuldig dafür, dass er existierte.
Ich öffnete meinen Mund und wollte seinen Namen rufen, doch mit einem Male hatte Edward sich ruckartig zu mir gedreht und ich konnte sehen, wie angespannt sein Körper war. Sein Gesicht zeigte mir… blankes Entsetzen als er mich aus tiefsten schwarzen Augen ansah… ich wäre am liebsten in Tränen ausgebrochen.
„Edward..." murmelte ich. „hör mir zu, du…" ich machte einen Schritt auf ihn zu und wurde jeher von ihm unterbrochen.
„Nicht… näher kommen!" zischte er. Es klang nicht bedrohlich, viel mehr schmerzerfüllt. „Bitte… bitte komm nicht näher!" flehte er.
Edward flehte.
Edward flehte mich an, nicht näher zu kommen und als ich seinen viel zu verspannten Körper sah, seine zu Fäusten geballten Hände und die viel zu dunklen Augen, als ich sein gequältes Wimmern vernahm, wurde mir schlecht als ich viel zu spät begriff.
Edward war nicht gegangen, weil er Angst hatte mir etwas anzutun… nein… Edward war verschwunden, weil ich ihm unfassbare Schmerzen zufügte, Schmerzen, die er kaum ertragen konnte. Er war mittlerweile stark genug, seinem Durst nicht nachzugeben, aber die brennenden Schmerzen waren zu viel für ihn, sodass er sich gezwungen sah, Abstand einzunehmen… und ich verwehrte ihm diesen Abstand. Ich… machte alles nur noch schlimmer. Jeder hatte mal einen schwachen Moment und ich bezeugte gerade seinen.
Ich versuchte mich nicht zu schnell zu bewegen, als ich mich auf einen Baumstumpf setzte. Edward verfolgte jede meiner Bewegungen, ganz so als könnte ich plötzlich auf ihn zustürmen um ihn… zu verletzen. Ich hielt seinem Blick stand und sortierte meine Gedanken.
„Ich… wollte nur sichergehen, dass du ok bist." Sagte ich leise und knetete meine Finger. „Ich dachte… ich war mir nicht sicher… ich…" ich holte tief Luft und schluckte, bevor ich meinen Kopf schüttelte und seufzte. „Gott… ich mache alles… nur noch schlimmer."
Langsam stand ich wieder auf. Ich hatte hier nichts zu suchen. So gerne ich Edward auch Trost spenden wollte,… es war nicht möglich. Und je länger ich hier blieb, desto unerträglicher wurde es für Edward.
„Es tut mir leid. Ich… hab nicht nachgedacht ok? Sonst… wäre ich hier nicht aufgetaucht."
Edward hatte sich immer noch nicht bewegt und ich konnte sehen, wie er immer wieder das angesammelte Gift schluckte, welches eigentlich dafür bestimmt war, mich zu lähmen.
„Gib mir… etwas Zeit. Ok?"
Ich nickte. „Natürlich. Nimm… dir so viel Zeit wie du brauchst!" sagte ich leise und sah zu wie Edward langsam aufstand. Ich musste mich zwingen, nicht doch noch weiter auf ihn zuzugehen und der Abstand zwischen uns machte mich fast wahnsinnig. Ich konnte ein seufzen nicht unterdrücken, als ich seinen gequälten Gesichtsausdruck sah, doch mit dem nächsten Wimpernschlag war Edward verschwunden und ich hatte keine Ahnung, wann ich ihn wieder sehen würde, doch ich war mir sicher, dass es diesmal länger dauern würde.
Ich schluckte den schmerzenden Klos in meinem Hals hinunter und zwang mich, ruhig zu bleiben. Ich würde das hinbekommen, auch wenn es hieß, mich Zoe alleine stellen zu müssen. Ich musste das alleine auf die Reihe bekommen.
EPOV
Ich hatte mir geschworen, niemals wieder in meinem Leben solch eine Schwäche zu zeigen, wie an dem Tag, an dem Bella in mein Leben trat. Nie wieder wollte ich dieses Monster sein, das alles um sich herum vergaß und nur noch eines im Kopf hatte. Nämlich Blut… ihr Blut. Und es war mir so gut gelungen dieses widerliche Monster eine Zeit lang ganz tief in mir zu vergraben. Es nicht hervor zulassen, unter gar keinen Umständen. Doch nun hatte ich versagt und meine innerliche Bestie war auf widerlichste Weise zum Vorschein gekommen. Bezeugt von meiner ganzen Familie, denn dieses Mal hatte es Carlisle nicht geschafft, mich alleine zu bändigen. Und möglicherweise hätte es nicht einmal Emmet geschafft, wenn ich nicht selbst den Willen dazu gehabt hätte, mich zu beherrschen.
„Wie lange… willst du dir das noch antun?"
Ich blickte nicht auf. Ich war so sehr in meinen Gedanken versunken, dass ich nicht einmal bemerkt hatte, dass Rose sich zu mir gesetzt hatte. Normalerweise hätte ich ihre Gedanken schon von weitem gehört, doch… heute gab sie sich besonders große Mühe, sie vor mir zu verbergen.
„Was… meinst du?" fragte ich.
„Na… das alles. Ich… weiß, du liebst sie, aber… ist es das wert? Dass du dich so sehr quälst? Sie in Gefahr bringst?" Rose schwieg kurz und ich sah aus den Augenwinkeln wie sie mich musterte. „Edward ich sage das nicht, weil ich sie nicht leiden kann, oder um euch auseinanderzubringen. Ich sage das, weil du mein Bruder bist und ich nicht möchte, dass es dir schlecht geht. Aber jedes Mal, wenn so etwas passiert, geht es dir miserabel und du solltest du dich fragen ob sie es wirklich wert ist."
„Wenn es… doch nur so einfach wäre, ich würde sofort verschwinden. Mich nicht mehr umdrehen, aber… sie braucht mich. Verstehst du? Es ist nicht nur die Tatsache allein, dass ich sie liebe. Sie braucht mich einfach. Und… Gott das ist es alle male wert." Murmelte ich und wunderte mich gleichzeitig darüber, dass ich mit Rose über meine Gefühle sprach. Aber ich wusste, dass sie es nur gut meinte. Sie wollte einfach ihre Familie beschützen… und auch Bella.
„Edward… jeder hat sein Päckchen zu tragen. Sie kann nicht von dir erwarten, dass du auch ihres übernimmst. Du kannst nicht beide Lasten tragen!"
„Das tut sie nicht!" antwortete ich und blickte zum ersten Mal auf. „Aber ich erwarte es selbst von mir. Verstehst du? Auch… wenn ich weiß, dass es kompletter Schwachsinn ist!"
„Und… wie soll es weiter gehen?" fragte Rose. „Was… willst du tun? Ich meine… sie ist ein Mensch. Menschen verletzen sich nun einmal. Aber was passiert das nächste Mal, wenn es vielleicht mehr als nur eine kleine Schnittwunde ist? Auch wenn sie noch so vorsichtig ist, wird sie nicht immer verhindern können, sich zu verletzen. Wirst du standhalten können?"
„Das hoffe ich."
„Aber hoffen reicht nun mal nicht Edward. Du musst dir sicher sein. Ansonsten ist nicht nur ihr Leben in Gefahr sondern wir alle. Und glaub mir… dass wir uns verstecken müssen, darauf bin ich vorbereitet, ich will nur nicht, dass du etwas tust, womit du niemals leben könntest." Schloss Rose und stand langsam auf.
Noch nie hatte Rose so ehrlich und sachlich mit mir gesprochen und ich bemerkte erst jetzt, dass sie nicht wirklich einen Groll gegen Bella hegte, sondern lediglich besorgt darüber war, dass alles aus dem Ruder laufen würde und… ich konnte sie sehr gut verstehen.
„Ich weiß, dass ich standhalten kann Rose." Sagte ich leise. „Sie ist mir viel zu wichtig, als dass ich mich auch nur für eine einzige Sekunde vergessen könnte."
Rose nickte langsam und versuchte zu lächeln. „Ok. Gut… Und Edward… denk daran, wir alle… stehen hinter dir. Ok?"
Ich nickte. „Danke!"
„Und jetzt geh endlich zu ihr. Das ist ja nicht mehr mit anzusehen. Du hast lange genug gewartet und glaub mir, noch heller können deine Augen nun wirklich nicht mehr werden." Und mit diesen Worten drehte sie sich um und verschwand im Haus.
Dicke Schneeflocken fielen aus dem schwarzen Himmel über mir und blieben in meinen Haaren hängen, als ich nach oben zu dem geschlossenen Fenster starrte. Ich konnte hören, wie Bella sich bettfertig machte und wie ihr Herz dabei um einiges schneller schlug als für gewöhnlich, wenn sie entspannt war. Sie war nervös und ich konnte es ihr bei Gott nicht verübeln. Sie hatte Angst davor, was der morgige Tag bringen würde und ich hatte nichts besseres zu tun, als sie mit ihrer Angst drei Tage allein zulassen… aber das Monster in mir war zu stark gewesen und nie und nimmer hätte ich es verantworten können, mich in Bella's Nähe aufzuhalten.
Ich wartete bis ich das Rascheln von Bella's Bettdecke hörte um sicher zu sein, dass sie bekleidet war und setzte dann zum Sprung an. Geräuschlos landete ich im Baum vor dem Fenster und streckte meine Hand aus um zu klopfen, doch in diesem Moment schreckte Bella's Kopf von ihrem Buch auf, als sie vermutlich aus den Augenwinkeln meine Bewegung erhaschte. Als sie mich erblickte, schlich sich sofort ein Lächeln auf ihre Lippen und ich fühlte, wie mir nur bei diesem Anblick innerlich warm wurde. Bella stieg aus ihrem Bett und eilte sofort zum Fenster um es für mich zu öffnen. Sie schob es nach oben und ich landete so sanft wie möglich in ihrem Zimmer.
„…H…Hey." Murmelte Bella und ich konnte sehen, dass Unsicherheit von ihr Besitz genommen hatte. Ihre Hand zuckte nach vorn in Richtung meiner, doch sofort überlegte sie es sich anders und biss sich nervös auf die Unterlippe.
Ich hasste den Gedanken, dass sie meinetwegen wieder die schüchterne Bella war und sofort ging ich einen großen Schritt auf sie zu, legte meine Hände an ihre Wangen und drückte mit all meiner Liebe die ich für sie empfand meine Lippen gegen ihr Stirn. Ich hörte, wie sie erleichtert ausatmete und ihre Anspannung schien von ihren Schultern zu fallen, als sie ihre Hände auf meine Unterarme legte.
„Ich hab' dich vermisst!" sagte sie leise und musterte forschend mein Gesicht. Was sie darin suchte blieb mir jedoch ein Rätsel.
„Da bin ich aber erleichtert! Ich dachte schon, du würdest mich auf der Stelle wieder rauswerfen!" scherzet ich und brachte sie damit zum Lachen. Doch nur für einen Moment, denn sofort sah sie mich wieder aus diesen fragenden Augen an. Ich spürte, wie sie meine Hand in ihre nahm und ließ mich von ihr zu ihrem Bett ziehen. Bella zog ihre Beine dicht an ihren Körper, eine Schutzhaltung, die ich schon so oft bei ihr beobachtet hatte und hielt meine Hand weiterhin in ihrer.
„Ich wollte dich nicht so lange alleine lassen, aber… ich hielt es für besser, ein paar Tage auf Abstand zu bleiben."
„Das ist in Ordnung. Du musst dich dafür nicht rechtfertigen, niemals, aber Edward. Sag… geht es dir gut?" fragte Bella leise und blickte mich mit großen Augen an. Es erstaunte mich, dass sie in diesem Moment an mein Wohlbefinden dachte und nicht an das ihre, aber vielleicht tat es ihr auch gut, für eine kurze Zeit etwas anderes in ihrem Kopf zu haben.
„Ja, natürlich." Versicherte ich ihr, auch wenn ich selbst nicht wusste ob es überhaupt der Wahrheit entsprach. „Warum sollte es das nicht?" fragte ich leise und zog meine Augenbrauen zusammen.
„Du… siehst aus, als könntest du eine… ganz feste Umarmung brauchen." Bella umfasste meinen Arm und zog mich in ihre Richtung. „Komm her." Und ich ließ es einfach zu, lehnte mein Gesicht an ihre Schulter und legte meine Arme um ihre Körpermitte, während sie mir über den Rücken streichelte und mich so fest wie sie nur konnte an sich drückte.
Mir entwich ein leiser Seufzer als ich mich vorsichtig gegen sie lehnte und meine Nase ihren Hals berührte und mit einem Male bemerkte ich, wie sehr mir wirklich eine Umarmung gefehlt hatte. Und ich spürte den Unterschied zwischen einer Umarmung die man bereit war zu geben und einer Umarmung, die man von jemandem bekam. Ich fühlte mich wohl und geborgen und ein wohliges Schnurren verließ meine Brust.
„Danke." Murmelte ich leise und drückte meine Lippen sanft auf ihre Halsschlagader.
Bella lachte leise und fuhr mir mit einer Hand durch mein Haar und schüttelte dabei die verbliebenen Schneeflocken zu Boden. „Es wird doch langsam an der Zeit, dass ich dir das zurückgebe, was du mir die ganze Zeit über gibst. Trost und… Geborgenheit."
Bella's Stimme war sanft und…leicht und ich hörte, wie sie etwas lauter die Luft einzog, bevor sie weitersprach.
„Ich… weiß, dass das alles auch für dich nicht einfach ist und… es… tut mir wirklich leid, dass…
„Bella! Nicht..." wollte ich sie unterbrechen, doch sie ließ sich nicht beirren.
„Nein, Edward ich… bitte lass mich dir das sagen. Ich… hatte nie vor, jemanden in meinen Schlamassel mit hineinzuziehen, aber... als du plötzlich vor mir standest, konnte ich einfach nicht anders, ich… wollte so sehr, dass du mich verstehst, aber manchmal denke ich, dass… es nicht richtig von mir war, dich damit zu belasten. Vor allem, weil du doch… mit deinen eigenen Problemen zu kämpfen hast, da… es… war wirklich nicht fair von mir…" Bella wurde immer leiser und vergrub ihr Gesicht in meinen Haaren.
Ich überlegte, was ich ihr sagen könnte, um diese Situation zu entschärfen, denn auch wenn ich ihre Gedanken nicht lesen konnte, war ich mir sicher zu wissen, in welche Richtung dieses Gespräch verlaufen würde. Sie versuchte erneut, mich von sich zu stoßen, aber dieses Mal war ich mir sicher, dass sie das eigentlich gar nicht wollte. „Bella… aber genau das ist doch… einer der wesentlichen Punkte, wieso man überhaupt… Beziehungen eingeht. Damit man mit seinen Problemen nicht allein ist."
Ich hob meinen Kopf um Bella ansehen zu können und sah, dass sie ein trauriges Lächeln auf ihren Lippen trug.
„Weißt du… ich hatte Zeit… etwas nachzudenken und…" sie zögerte und ich sah zu, wie sie langsam eine Hand hob und diese an meinen Hals legte. „Gott ich… hasse es so sehr, dir… ständig weh zu tun. Meine… Schusseligkeit hat mir gezeigt, wie sehr ich es hasse, diese brennenden Schmerzen in dir auszulösen und… dass… ich dich einfach gehen lassen sollte um… dir nicht mehr weh zu tun, aber… ich denke dafür bin ich einfach… zu egoistisch." Schloss sie leise und blickte plötzlich beschämt auf ihren Schoß.
„Bella… sieh mich an, bitte." Ich griff nach vor und hob ihr Kinn an um sie ansehen zu können. „Was hat das alles herbeigeführt?"
„Ich… sehe es einfach nicht gerne, wenn es dir schlecht geht. Edward bitte… versprich mir, dass… du dich nicht mehr aufgrund dieser… Vorfälle so sehr quälst. Wir wussten doch von… Anfang an, dass es nicht leicht werden würde und… wir beide wissen, dass du mir… niemals absichtlich und… ernsthaft verletzen würdest."
„Aber… es macht keinen Unterschied, ob absichtlich, oder nicht, ich..."
„Für mich macht es den größten Unterschied, den du dir überhaupt vorstellen kannst, Edward."
Ich sah Bella ein paar Sekunden schweigend an und ließ unser Gespräch noch einmal durch meinen Kopf laufen. Und plötzlich ahnte ich, was das alles zu bedeuten hatte. Ich versuchte ruhig zu bleiben um mich zu sammeln. Ich musste behutsam vorgehen, wenn ich verhindern wollte, dass sie sich vor mir verschloss. Ich strich Bella sanft über ihre Wange und hauchte ihr einen Kuss auf die Stirn, ehe ich wieder sprach.
„Was… versuchst du vor mir zu verbergen?" fragte ich leise.
„W…was… meinst du?" stammelte sie.
Ich versuchte weiter ruhig zu bleiben, um Bella nicht zu verschrecken, doch es kostete mich immer mehr Kraft. Ich zog scharf die Luft ein, als es mir wie Schuppen von den Augen fiel.
„Ich… habe dich verletzt…" ich schloss für einen Moment die Augen und seufzte schwer.
„N…nein, Edward, das…"
„Zeig es mir!" Ich sah wie Bella schluckte, doch sie bewegte sich nicht. Langsam streckte ich meine Hand nach ihrem Pullover aus und zog leicht daran. „Bitte."
Bella seufzte leise, nickte aber dann. „Es…ist nichts. OK? Das… hätte mir auch in jeder anderen Situation passieren können." Langsam schob sie ihren Pullover nach oben und zog ihn dann über ihren Kopf. „Ich… wollte es dir… nicht zeigen, weil ich nicht möchte, dass… es dir dadurch noch schlechter geht." Schloss sie leise und zeigte mir ihre Oberarme. Ich wollte nicht hinsehen, aber die dunklen Flecken auf ihren Armen waren nicht zu übersehen. Genau da, wo ich sie festgehalten hatte, kurz bevor ich aus dem Küchenfenster sprang konnte man klar und deutlich meine Fingerabdrücke erkennen.
Wie ein loderndes Feuer flammte die Wut gegen mich selbst hoch und ich streckte vorsichtig meine Hand nach ihren Arm aus, um mir das Desaster, welches ich angerichtet hatte zu begutachten.
„Es… es tut mir so schrecklich leid!"
„Das weiß ich Edward. Ich weiß dass es dir Leid tut und du musst mich nicht um Verzeihung bitten, denn… es gibt's nichts zu verzeihen."
„Aber… ich bin um nichts besser, als…" doch Bella fiel mir sofort ins Wort.
„Nein!" ihre Stimme wurde etwas lauter und ich konnte plötzlich Selbstsicherheit heraushören. „Tu' das bitte nicht. Du… kannst nichts dafür, du hast das nicht gewollt. Gott ich… laufe gegen Türen und sehe schlimmer aus! Also bitte. Bitte! Belassen wir es dabei. Bitte Edward."
Ich blieb für einige Sekunden stumm, ehe ich meinen Blick wieder auf ihr Gesicht richtete. Sie hätte allen Grund wütend auf mich zu sein, aber ihr Gesicht hielt nichts als… Freundlichkeit und Vertrauen für mich bereit. Und in einem Moment der Schwäche knickte ich ein. Ich wollte nicht mit ihr streiten.
„Ok." Sagte ich leise und ließ mich wieder von ihr in eine Umarmung ziehen. Wir ließen uns zurück in die Kissen fallen und kuschelten uns eng aneinander. Ich nahm bewusst ihren Duft in mir auf und ließ mich durchströmen, ehe ich ihre Wangen mit Küssen bedeckte.
„Tut… es sehr weh?" fragte ich leise und legte eine meiner Hände auf ihren Oberarm, um den Bluterguss etwas zu kühlen.
„Nein ich… vergesse ständig, dass sie da sind."
„Hör zu, ich… wollte dir nie das Gefühl geben, dass du etwas vor mir verstecken müsstest."
„Das weiß ich Edward, aber… ich dachte es wäre so einfacher, ich… keine Ahnung. Ich… werde es nicht mehr tun."
Ich hob meinen Kopf und drehte ihren in meine Richtung. Ich hatte das starke Bedürfnis, sie zu küssen, ihre weichen und warmen Lippen auf meinen zu spüren, doch ich wagte es nicht. Zu sehr hatte ich die Sorge, dass Bella nicht gut darauf reagieren könnte. Trotzdem senkte sich mein Kopf fast wie automatisch und nur noch wenige Zentimeter trennten uns voneinander. Ich hörte, wie ihr Puls in die Höhe schnellte und ihr Atem etwas lauter wurde, doch ich konnte keine Angst riechen.
„Gibst du mir die Erlaubnis, dich zu küssen?" fragte ich leise und strich mit meiner Nase gegen ihre. Bella's Lippen formten sich zu einem Lächeln.
„Ja." Antwortete sie sofort und ich verlor keine Zeit mehr, ehe ich meine Lippen auf die ihre presste. Ich hatte sie so sehr vermisst. Doch jetzt, wo ich sie endlich wieder in meinen Armen hielt, schien die Zeit still zu stehen. Und für einen kurzen Moment, konnte Nichts und Niemand an uns heran.
Ich drückte ihr einen letzten sanften Kuss auf den Kopf und zog die Decke hoch, ehe ich mich mit ihr richtig in die Kissen fallen ließ. „Möchtest du versuchen zu schlafen?"
Bella seufzte leise und legte einen Arm um eine Körpermitte um sich eng an mich kuscheln zu können. „Das sollte ich wohl." Sie vergrub ihr Gesicht an meiner Brust und zog tief die Luft in ihre Lungen. „Danke, dass… du mich heute Abend nicht… alleine gelassen hast. Ich… weiß nicht ob ich es geschafft hätte, einzuschlafen."
„Ich habe dir doch versprochen, dass ich dir beistehen werde." Sagte ich und strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht.
„Danke." Murmelte sie und schloss dann müde die Augen.
Je näher wir dem Treffpunkt kamen, desto stiller wurde Bella. Sie ließ ihren Blick aus dem Fenster schweifen und knetete unentwegt ihre Finger. Beruhigend legte ich meine Hand auf ihren Oberschenkel und schenkte ihr ein aufmunterndes Lächeln.
„Lass dich nicht zu sehr von deiner Nervosität übermannen. Vielleicht… wird es einfacher als du es dir gerade ausmalst. Und… sie bleibt doch das ganze Wochenende über hier richtig?"
Bella nickte leicht und blickte mich mit großen Augen an, sagte jedoch nichts.
„Dann… musst du… ja nicht direkt heute mit… der Tür ins Haus fallen. Vielleicht ist es besser, erst mal etwas Zeit mit ihr zu verbringen."
„Ja… vielleicht hast du Recht." Bella biss sich auf ihre Unterlippe und knetete weiter ihre Finger, während ich langsam den Wagen hielt. Ich stellte den Motor ab und drehte mich zu ihr.
„Ich bin für dich da wenn du mich brauchst ok? Egal… was es ist. Wenn du möchtest, dass ich in der Nähe bleibe, werde ich das tun. Wenn du außer meiner Hörweite sein möchtest, lass es mich wissen. Ja?"
Bella schluckte schwer und nickte zaghaft. „Ok."
Wir stiegen gemeinsam aus den Wagen und ich legte fürsorglich meinen Arm um ihre Schultern. Es war alles, was ich für sie tun konnte und es schien mir nicht genug, bei dem Gedanken, was ihr bevorstand. Ich zog sie eng an mich und lächelte sie aufmunternd an, als ein Wagen direkt vor uns hielt.
Und mit einem Male versteifte sich Bella merklich in meinen Armen. Ihr Herz begann wie wild gegen ihren Brustkorb zu hämmern und sie klammerte sich wie eine ertrinkende an mich.
„B…Bleib! Bitte… bleib!" Bella holte zittrig Luft, als zwei Personen aus dem Auto stiegen.
„Bella, was ist los?" fragte ich und hielt sie weiter fest.
„Es… es ist… er. Er ist… es…" Bella holte Luft. „Sie… hat ihn… wieso hat sie ihn… mitgebracht?"
Meine Augen schnellten zu Zoe und ihrer männlichen Begleitung und ich musste mich mit allem in meiner Macht stehende zwingen, ein wildes fauchen zu unterdrücken, als mich die Gedanken von Adam wie eine Wucht trafen.
Ich spürte, wie sich Bellas Hand fest um meinen Oberarm legte und bemerkte erst in diesem Augenblick, wie nah dran ich war, auf dieses abscheuliche Ungeheuer vor mir, loszugehen, um es zu zerreißen, in winzige kleine Stücke und zuzusehen, wie das Leben aus den Augen dieses abscheulichen Menschen erlosch.
„Edward. Nicht!" murmelte Bella und holte mich somit aus meinen finsteren Gedanken. Es ging hier nicht um mich und meine Rachegelüste, die ich in diesem Augenblick nur zu gerne ausgelebt hätte, es ging um Bella und daran, sie zu beschützen und sie mit meinem Leben zu verteidigen, denn als mir dieser widerwärtige Geruch in die Nase stieg, stellten sich all meine Rezeptoren auf Alarmbereitschaft.
