Auf der Suche nach Magie"

Übersetzung der Geschichte „Looking for Magic" von Hypnobarb.

Disclaimer: Alles gehört JKR, bis auf diese Übersetzung. Die gehört mir, aber ich verdiene kein Geld damit!

Ich wünsche euch allen ein frohes und gesundes neues Jahr 2007!

Hoffentlich funktionieren die Replies heute?!

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26. Kapitel:

Hermine, 20. August 1998

Draco nahm sein Tablett, wählte einen Tisch am Fenster und setzte sich. Hermine tat es ihm nach. Beide schauten mit Entsetzen auf ziemlich trocken aussehende Schweinekoteletts, Kartoffelbrei und Bratensoße aus der Tüte sowie grüne Bohnen aus der Dose.

"Wenigstens können sie den vorgefertigten Salat und die Gelatine mit Früchtecocktail nicht ruinieren", sagte Hermine und schaute mit Bestürzung auf ihr Essen. „Obwohl, es mangelt nicht an Versuchen."

"Ich weiß, Erstsemestler müssen im Studentenwohnheim wohnen, aber ich denke ernsthaft darüber nach, nächstes Jahr in ein Appartement zu ziehen", murmelte Draco. „Ich könnte mir einen der Hauselfen von Zuhause mitnehmen. Außer das Essen killt mich bis dahin und ich werde die Möglichkeit dazu gar nicht haben."

"Bis dahin werden wir uns sowieso in Nichts aufgelöst haben." Hermine schaute zu den anderen Studenten, die an der Sommerschule teilnahmen. „Anita sagte, die eigentlichen Serviceelfen wären im Sommerurlaub und ihre Arbeit wäre von Aushilfskräften übernommen worden. Vielleicht wird das Essen im Herbst viel besser sein. Wenn nicht, kann ich mir nicht vorstellen, wie die Studenten dieses Essen Jahr für Jahr ertragen sollen?"

"Gar nicht. Ich wette, sie werden den fortgeschrittenen Kurs klonen und uns alle durch Doppelgänger ersetzen, wie in Die Frauen von Stepford."

Hermine dachte bei sich, dass Draco ziemlich besessen wurde durch das Anschauen der Muggel Science Fiction Filmen.

"Wenigstens wird Anita heute Abend ein annehmbares Essen erhalten."

"Und sie hat uns nicht eingeladen", grummelte Draco.

"Ich glaube kaum, dass ihr schon auf dem triff-die-Eltern-Level seid." Hermine schaute Draco amüsiert an.

Draco schaute Hermine an und errötete. Hermines Gabel hielt auf halbem Wege inne.

"Raus damit, Draco."

"Also, Anita und ich sind ein paar Mal mit einander ausgegangen. Das ist alles", sagte Draco.

"Etwas bedrückt dich aber. Ich weiß es."

"Sie sagte heute etwas zu mir…", Draco errötete erneut. „Ich kann nicht mit dir darüber sprechen, um Merlins Willen."

"Sieh mal, wenn ihr zwei in das nächste Level eurer Beziehung übergeht, ist alles, was ich verlange, dass ihr Stillezauber benutzt und nicht die Bücher von dem Regal über meinem Bett herunter stoßt. Ich bin im Nebenzimmer und es gibt Dinge, die ich wirklich nicht wissen muss. Wenn du das Badezimmer benutzt, verschließe bitte meine Tür, damit ich nicht unerwartet in dich hineinlaufe."

"Das ist es nicht. Also, irgendwie doch." Draco versuchte sich herauszuwinden. "Heute morgen in der Vorlesung, als wir an Schaubildern und Tabellen übten, zeigte mir Anita, wie man das Schaubild in ein Kreisdiagramm umwandelt." Draco lehnte sich vor, seine Stimme war nur noch ein Flüstern. „Sie fragte mich, ob ich einen Schlappen Schwanz, einen floppy dick hätte."

Hermine hielt sich selbst davon ab, ihren Salat über Draco zu spucken, als sie sich bemühte, ihre Fassung zu bewahren.

Sie wollte Dracos Gefühle wirklich nicht verletzen. Hermine griff in ihren Rucksack, holte eine kleine Hülle hervor, öffnete sie und nahm eine Computerdiskette heraus. Sie hielt sie Draco hin und tat ihr aller bestes, ein ernstes Gesicht zu wahren.

"Sie fragte dich, ob du eine von diesen Datenspeicherdisketten hast. Sie werden Disketten genannt, aber auch als Magnetdiskette, floppy disk, bezeichnet."

Dracos rotes Gesicht wurde bleich. Er griff über den Tisch und nahm die Diskette. „Sie fragte, ob ich eine Diskette hätte?" Er lehnte sich mit einem Gesicht voller Erleichterung zurück. „Ich habe das komplett missverstanden. Ich dache, sie bestreitet meine Männlichkeit oder würde fragen, ob ich eine Schwuchtel wäre."

"Ich denke nicht, dass deine sexuelle Orientierung jemals in Frage stand, Draco."

Dracos Schultern begannen zu zittern. Er hielt seine Hände vor sein Gesicht und lachte.

Hermine, die sah, wie Draco nachgab, begann ebenfalls leise zu glucksen. Wenige Augenblicke später krümmte sich Draco nach vorne, so laut lachend, dass Köpfe sich in seine Richtung drehten, während die anderen Studenten versuchten herauszufinden, was so komisch war. Hermine lachte und Tränen rannen ihr übers Gesicht.

"Du, du … kannst auf keinen (Husten), kannst das auf keinen Fall jemanden erzählen." Draco konnte die Worte vor Lachen kaum aussprechen.

"Zauberstab Ehrenwort, Draco", würgte Hermine hervor während sie ihr Gesicht an einer Papierserviette trocknete.

"Anita wundert sich bestimmt, warum ich so gestottert habe wie ein Narr für den Rest der Vorlesung. Ich konnte es absolut nicht glauben, dass sie mich so etwas gefragt hat." Draco schüttelte seinen Kopf. „Ich dachte, sie sei richtig dreist. Ich habe den ganzen Tag darüber gebrütet, sprich, ich bin ein verdammter Idiot."

"Nein, bist du nicht. Du kennst nur noch nicht die Sprache, vor allem den Dialekt. Wir leben in einer Welt, die halb magisch und halb muggelartig ist, in einem fremden Land und es gibt viel Neues, dass wir noch lernen müssen." Hermine schaute auf ihr Abendessen und runzelte die Stirn. „Weißt du, dass hier ist wirklich abartig. Was hältst du davon, wenn wir einen Spaziergang machen und irgendwo eine angemessene Mahlzeit finden und diesmal bezahle ich."

„Granger, das ist das beste Angebot, das ich den ganzen Tag erhalten habe. Lassen wir diesen Mist stehen."

Die zwei standen auf und stellten ihre Tabletts auf das Transportband in die Küche. Kurz darauf gingen Draco und Hermine die Straße hinunter. Um halb sieben abends war der Verkehr geringer, aber es waren viele Fußgänger unterwegs. Hermine genoss die kühle Brise vom Michigan See. Chicago war im Sommer wärmer als London.

"Hast du Pläne für das kommende Wochenende?", fragte sie Draco.

"Ich reise nach Hause. Am Samstag hat meine Mutter Geburtstag und die ganze Familie wird sich zusammenfinden." Draco schaute zu Hermine. Sie hielt ihr Gesicht neutral und er realisierte plötzlich die Bedeutung seiner Worte. Draco griff vor und berührte Hermines Arm und hielt sie an. Sie schaute weiter geradeaus.

"Hermine, es tut mir leid. Das war gedankenlos von mir."

Hermine war für einen Augenblick ganz ruhig. Sie schaute auf ihre Schuhe und zurück zu Draco. „Das Leben geht weiter und Mütter haben Geburtstag. Ich muss mich daran gewöhnen, Menschen über so etwas reden zu hören. Ich möchte nicht, dass jeder denkt, vorsichtig sein zu müssen, mit dem, was man in meiner Gegenwart sagt. Bitte, du musst dich nicht dafür entschuldigen."

Draco nickte und die beiden gingen weiter. „Du musst es mir nicht erzählen, aber wo bleibst du, wenn du in England bist? Nein, warte", sagte Draco nachdrücklich. „Sag es mir nicht. Es ist besser, wenn ich es nicht weiß."

"Es ist kein Geheimnis, Draco. Ich bleibe bei den Weasleys.", sagte Hermine. „Molly und Arthur Weasley waren so gut zu mir seit meine Mum und mein Dad starben. Sie halfen mir, das Haus zu räumen, damit es verkauft werden konnte; regelten die Umsetzung des Testaments und so weiter. Zudem war ich ein Einzelkind und habe jetzt all die großen Brüder, die ein Mädchen je brauchen könnte."

Draco entdeckte ein chinesisches Restaurant weiter oben an der Straße. „Sollen wir Chinesisch essen? Wenigstens wissen die, wie frisches Gemüse aussehen muss."

"Gute Idee", sagte Hermine. Die zwei erhöhten ihr Tempo, jetzt da sie ein Ziel vor Augen hatten. Sie erreichten das Restaurant und Draco öffnete die Tür für Hermine. Nach kurzer Zeit saßen sie an einem Tisch mit Tee und Tellern voll Essen vom Buffet vor sich.

Draco nahm einen Bissen von dem Hühnchen mit Broccoli und schaute mit einem absolut zufriedenen Gesicht auf. „Ist es nicht wunderbar, Gemüse zu essen, das nicht bereits seit sechs Monaten tot ist?"

Hermine schaute auf ihren Teller und spießte eine kurz angebratene Möhre sowie ein Stück einer Garnele auf. „Sie verstehen das Konzept von knusprig und es gibt kein Gemüse, das verkocht wurde."

Die zwei kauten zufrieden.

Hermine wog vorsichtig ab, ob das Thema, welches sie ansprechen wollte, sicher war, um darüber mit Draco zu sprechen. Von dem was Professor Snape ihr erzählt hatte, war Lucius Malfoy ein Todesser, aber einer, der seinen Sohn davor bewahren wollte, dieselbe Richtung einzuschlagen. Hermine konnte für sich nicht entscheiden, ob Lucius damit ein unwilliger Todesser war oder absolut Voldemort ergeben, aber seinen Sohn in Sicherheit wissen wollte.

"Draco?"

Er sah von seinem Abendessen auf und schaute Hermine erwartungsvoll an.

"Wie lebt es sich in der oberen Gesellschaft der Reinblüter? In Gryffindor gab es nicht wirklich jemanden, der in diese Kategorie fiel und in Hogwarts wäre es mir nicht im Traum eingefallen, danach zu fragen. Ich weiß, wie das Leben für eine Familie wie den Weasleys ist und der Familien aus der Mittelklasse, wie Lavender Browns, aber wie lebt das reiche und berühmte Volk? Ich weiß, ich schwafel und ich hoffe, es macht dich nicht wütend, dass ich gefragt habe und wenn es so ist, entschuldige ich mich dafür und du musst auch nicht drauf antworten…"

"Beruhige dich, Hermine. Atme einmal tief durch." Draco schaute zu Hermine und überlegte für einen Augenblick, ob ihre Frage unangebracht war und wie es ihm dabei ging, das gefragt zu werden. Einige Monate zuvor wäre er beleidigt gewesen und hätte sie in einer Weise nieder gemacht, die sie nie wieder vergessen hätte. Zwei Monate nach Hogwarts realisierte er, dass Hermine nur unersättlich neugierig war über all die magischen Dinge.

Als eine Muggelgeborene würde sie nie die Möglichkeit haben, in einem sozialen Rahmen mit einer Reinblüter Familie der höchsten Klasse zu interagieren. Sie würde nie als gut genug angesehen werden, egal wie klug, ausgezeichnet oder mächtig sie als Hexe wäre. Sie war eine Einwanderin in der ersten Generation in der Zaubererwelt. Einwanderer verkehrten nicht mit königlichen Familien und die Malfoys waren dem Stand sehr nahe in der Zauberwelt. Irgendwie bedrückte Draco diese Erkenntnis. Er konnte freundlich zu Hermine sein, aber sie würde in seinem Zuhause nie willkommen sein.

"Ich bin nicht beleidigt", grübelte Draco. "In Hogwarts wäre das anders gewesen. Aber als wir in Hogwarts gewesen sind, hätten wir nie zusammen zu Abend gegessen, vor allem das du dafür bezahlt hättest. Wir hätten nie zusammen gelernt oder Star Wars oder Stirb Langsam mit einander gesehen oder Celine Dion oder Nine Inch Nails zusammen gehört. Es ist hier ganz anders als ich erwartet habe. Ich denke, hier gibt es Möglichkeiten, die ich mir nie hätte träumen lassen. Weißt du, Granger, so übel bist du gar nicht."

Hermine schenkte Draco ein Lächeln, das ihr ganzes Gesicht erhellte. Sie hätte niemals erwartet, dass ein einmonatiges Zusammensein mit Draco ihr einen neuen Freund geben würde. Wenn Professor Snape ihr nicht gesagt hätte, dass Draco kein Todesser war und auch nicht die Absicht hätte, einer zu werden, hätte Hermine niemals am ersten Abend an seine Tür geklopft. Weg von Hogwarts, hatten sie die Gelegenheit, mit einander zu interagieren, ohne dass die anderen Slytherins zusahen. Weg von Hogwarts, konnten sie eine Art Freundschaft schließen.

"Du bist auch nicht so, wie ich erwartet hatte, Draco." Hermine bewegte sich und schob ihren noch halb vollen Teller beiseite. „Wir kommen bisher ganz gut mit einander aus, seit wir aus Hogwarts weg sind. Ich weiß, dass die vier Häuser eine der größten Traditionen von Hogwarts sind, aber ich wundere mich, ob es nicht die Spaltung in der britischen Zauberergesellschaft unterstützt?"

"Du weißt schon, dass wir noch bis morgen hier sitzen würden, wenn wir versuchen heute Nacht alle Probleme des magischen Großbritanniens zu lösen, und würden nicht mal zu einer einzigen Lösung kommen", neckte er. „Was würdest du gern wissen?"

"Wo bist du zur Schule gegangen, bevor du nach Hogwarts gekommen bist?"

"Ich wurde privat unterrichtet. Professor Vektor übernahm die Stelle als Arithmanik Professor in Hogwarts nachdem Professor Beatrice Angulo in den Ruhestand ging. Madam Angulo ist die Kusine zweiten Grades meines Großvaters und nachdem sie in den Ruhestand gegangen war, engagierte meine Mutter sie, um mich zu unterrichten. Sie lebte mit auf dem Manor und ist immer noch wie eine Großmutter für mich. Als ich dann nach Hogwarts ging, hat sie mit dem Unterrichten gänzlich aufgehört und lebt nun in einem Cottage auf den Ländereien. Ich sehe sie, wann immer ich Zuhause bin. Es ist allgemeiner Brauch in Familien, eine Witwe oder ein unverheiratetes Familienmitglied zu engagieren, um die Kinder des Hauses zu lehren. Es ist ein Weg, sich um unsere Hexen zu kümmern, die schon älter oder auf sich allein ohne einen Ehemann oder andere Familie gestellt sind."

"Das klingt sehr nach Gouvernante, die eine wohlhabende Muggelfamilie im achtzehnten Jahrhundert engagiert hätte, um für die Grundlagen der Ausbildung und Unterweisung für ihre Kinder zu sorgen." Hermine war fasziniert. „Hast du die meisten deiner Tage mit lernen verbracht?"

"Da ich der einzige Schüler war, hatte ich die volle Aufmerksamkeit der Lehrerin", gestand Draco. „Ich musste mich daran gewöhnen als ich nach Hogwarts kam, dass weitere fünfundzwanzig Menschen im Unterricht mit saßen. Für gewöhnlich verbrachte ich die Vormittage im Unterricht mit Madam Angulo. Danach aßen wir zu Mittag und dann wurde von mir erwartet, für zwei weitere Stunden zu lesen oder Hausaufgaben zu machen. Für gewöhnlich hatte ich alles am Nachtmittag fertig."

"Hattest du auch speziellen Unterricht im Sozialen Benehmen?" Hermine knabberte an einer Frühlingsrolle.

"Absolut obligatorisch für jede Reinblüter Familie der oberen Schicht", grummelte Draco. „Ich hatte Unterricht in Umgangsformen, höflicher Konversation, Tischmanieren, Stammbaumforschung, Tanzen, Kunstverständnis, Musikverständnis, Reiten und wie man eine Krawatte bindet. Manchmal wurde ein spezieller Lehrer engagiert und für einige Dinge, wie z.B. Tanzen, ging ich mit anderen Kindern zum Unterricht."

"Du gingst in eine Charme-Schule", neckte Hermine.

"Hat doch prima funktioniert, oder?", sprach Draco gedehnt.

Hermine brach in Gelächter aus und Draco tat es ihr gleich.

"Wo verbrachtest du deine Ferien?"

"Wir sind viel gereist. Ich war schon überall in Europa, besuchte Museen, Kathedralen und Ruinen. Wir waren in Ägypten vor ein paar Jahren, um die Pyramiden und Sphinx zu sehen. Die Museen dort sind wirklich faszinierend. Wir waren in Südamerika, um die Ruinen der Maya zu sehen. Chachoben und Chichén Itzá hatten in ihrer Geschichte wirklich mächtige Zaubererkönige."

Draco lehnte sich zurück und rührte seinen Tee. „Reinblüter akzeptieren die moderne Muggelgesellschaft womöglich nicht, aber in alten Zeiten lebten Zauberer und Muggel nebeneinander. Zauberer wurden als überlegen angesehen, in manchen Fällen als Götter oder Propheten. Deswegen mögen wir Museen und alte Orte, es geht einher mit unserem Verständnis von Geschichte."

"Ich war in Griechenland, Rom und Paris. Ich liebte die antiken Schauplätze und könnte Wochen damit verbringen, durch die Museen zu gehen. Warst du auch in Pompeji?"

"Ich war dort vor drei Jahren. Was hältst du von den Fresken?"

"Es ist erstaunlich, wie die Asche viel erhalten hat während sie dennoch so viele tötete. Die Kunst ist sagenhaft, aber es waren die versteinerten Körper, die mich faszinierten. Es ist so makaber, darüber nachzudenken, wie in der einen Minute die Menschen ihrem Leben nachgingen und in der nächsten…" Hermine wurde bleich.

Draco sah, wie Hermine erstarte als ihre Sicht sich nach innen kehrte. Er ergriff über den Tisch hinweg ihre Hand.

"Hermine, hör auf. Schau mich an."

Hermine schaute auf, in ihren Augen schimmerten Tränen. „Entschuldige Draco. Für Wochen geht es mir gut und ganz plötzlich werde ich an etwas erinnert und verliere mich." Sie wischte sich die Augen mit ihrem Handrücken. „Ich bin nur müde. Es ist schlimmer, wenn ich müde bin." So viele Dinge gingen ihr durch den Kopf. Dinge, die sie sagen wollte, aber nicht konnte, da es Draco war. Sie konnte ihm nicht von Albträumen erzählen, von der Schuld, Einsamkeit und den schrecklichen, makaberen Gedanken, die sie plagten.

"Kümmern sich die Weasleys gut um dich?"

"Das tun sie. Mrs. Weasley wird mich noch füttern bis ich platze. Natürlich sind Charlie, Bill und Percy nicht anwesend, aber George und Fred kommen vorbei und ärgern mich andauernd, bis es schmerzt vor Lachen. Ich sehe Ginny und Ron." Hermine setzte ihr tapferes Gesicht auf.

Draco erkannte, dass die Stimmung von einfacher Kameradschaft zerstört war. Beide hatten sich erinnert, wer sie waren und die Distanz zwischen ihnen aufgrund ihrer Geburt und den Vorurteilen der Gesellschaft, von der sie beide ein Teil waren. Todesser hatten Hermines Eltern ermordet. Draco konnte ihr keine Sicherheit bieten, dass sein eigener Vater nicht der gewesen war, der den Avada Kedavra gesprochen hatte.

"Ich bin satt Hermine. Und du?", fragte Draco.

"Auch. Ich habe genug. Sollen wir zurück ins Wohnheim gehen?"

Hermine und Draco gingen zurück zur St. Germain Hall. Ihr Gespräch fokusierte sich auf die sicheren Themen. Sie klagten über das Mensaessen, Muggelmusik und den Computer Workshop. Sie trennten sich an Hermines Tür.

"Wir sehen uns beim Frühstück, Draco."

"Wenigstens vermiesen sie nicht das Rührei", neckte er.

"Aber der Toast ist schrecklich. Es ist matschig", grummelte Hermine. „Toast sollte nie vorgebuttert werden."

"Hermine, wird es dir die Nacht gut gehen?", fragte Draco ernst.

"Ich denke schon. Ich werde ins Bett gehen und früh schlafen", erwiderte Hermine in einem beruhigenden Ton, der nicht wirklich echt klang.

"Wenn du etwas brauchen solltest…"

"Danke Draco." Hermine öffnete die Tür und Draco ging den Flur weiter. Hermine schloss die Tür und verriegelte sie hinter sich. Nur Krumbein konnte jetzt nur noch ein und ausgehen durch die Katzentür. Sie warf ihren Rucksack auf den Stuhl und ließ sich auf das Tagesbett fallen. Sie legte ihren Kopf auf das Kissen und ließ ein paar Schluchzer zu.

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Eine Stunde später lag Hermine auf ihrem Tagesbett, zusammengerollt gegen einen Kissenstapel. Krumbein saß zufrieden auf ihrem Schoß, während Hermine seinen Pelz streichelte.

Wenigstens war Krumbein zufrieden. Es gab Zeiten, in denen Hermine sich so fühlte, als würde sie alles vortäuschen. Es schien, als ginge sie die Bewegungen nur durch, gab vor eine Collegestudentin und an anderen Menschen interessiert zu sein, ihre Zukunft zu planen, ihr Leben allgemein vortäuschte. Sie war einsam, hatte Heimweh und war ausgebrannt.

Die Albträume waren diese Woche wiedergekommen und Hermine wusste warum. Letzten Montag war der Geburtstag ihres Vaters gewesen. Er wäre dreiundsiebzig geworden. Wenn das Leben in Ordnung gewesen wäre, wären die drei zum Abendessen ausgegangen in das Lieblingsrestaurant ihres Vaters. Er hätte das Prime Rip Steak, Mum den Hummerschwanz und Hermine den Lachs gegessen.

Sie hätten über die Zahnarztpraxis ihrer Eltern erzählt und darüber, ob Dad für den Ruhestand bereit war oder nicht, ob sie eine Reise nach Italien machen würden während der Weihnachtsferien, welche Kurse Hermine im Herbst belegen würde. Dad würde seine Geschenke öffnen. Von Mum hätte er wie immer Karten für ein Konzert oder Theaterstück bekommen. Von Hermine gewöhnlich Musik CDs oder Videos von Musicals. Er liebte die Musik von Big Bands, Oldies und Filmen.

Es wäre alles normal gewesen. Normal für Hermine eine Familie zu haben und jetzt hatte sie keine mehr. Ja, sie hatte die Weasley und sie waren wunderbar zu ihr. Aber es war nicht dasselbe. Da war echte Zuneigung und die Liebe, die man für seine Freunde empfindet, aber es ist nicht die dieselbe Art der Liebe. Krumbein miaute laut, als sie ihn in eine feste Umarmung zog.

"Gott sei dank bist du ein halber Kniesel, Krumbein", flüsterte sie in seinen Pelz. „Wage es dir ja nicht, in den nächsten zehn oder zwanzig Jahren zu sterben."

Da er gerade wirklich genug hatte vom Gedrückt werden, wand sich Krumbein aus Hermines Umarmung und sprang auf den Fußboden. Er trottete zu seinem Wassernäpfchen, schleckte ein wenig von der ständig blubbernden Fontaine und sprang auf seinen Fensterplatz, um ein wenig aus dem Fenster zu schauen.

Es war nicht Dracos Schuld gewesen. Die Dinge liefen gut und sie mochte es sogar, in seiner Nähe zu sein, aber als er davon sprach, zum Geburtstag seiner Mutter wieder nach Hause zu fahren, brachte es den Schmerz zurück.

Morgen würde es wieder besser sein, erzählte sich Hermine selbst. Sie würde wieder bei den Weasleys sein und die Dinge würden sich nicht mehr so fremd anfühlen. Harry und Ron würden auch dort sein, wenn sie frei bekommen würden. Sie würde Mollys hausgemachtes Brot riechen und ihr Appetit würde wieder kommen. Arthur würde sie fragen, wie ihr Leben in Amerika ist. Sie würde ins Hauptquartier gehen und vielleicht dort Minerva oder der Direktor treffen. Sie würde Remus und Professor Snape sehen. Die Dinge würden dann viel normaler sein.

Danach würde es nur etwas mehr als zwei Wochen dauern, bis der Computer Workshop zu ende wäre und sie würde für eine Woche zum Fuchsbau zurückkehren bevor das Herbstsemester begann. Dann würde sie zu beschäftigt sein, um Trübsal zu blasen.

Hermine lächelte. Die letzten drei Samstage hatte sie damit verbracht, Fertigkeitentests für das Einstiegsniveau der Collegevorlesungen zu machen. Sie wurde in englischer Dichtkunst getestet und den Einführungsvorlesungen in Arithmantik, Zauberkunst, Zaubertränke und Verwandlung. Sie würde das College als Zweitsemester Frischling beginnen. Vielleicht würde Professor Snape beeindruckt sein. Hermine schnaubte bei dem Gedanken. Sie war sich sicher, dass Remus beeindruckt sein würde, wenn sie einen Weg finden konnte, der nicht nach Prahlerei klang, wenn sie es ihm erzählte.

Professor Snape. Hermine hoffte, er fand die Informationen, die sie ihm zugesandt hatte, hilfreich. Mit dem Magazin hatte sie ihm ein paar ziemlich überraschende Dinge erzählt, die sie über neuseeländische Schlangen erfahren hatte. Zum einen gab es keine nichtmagischen Schlangen in Neuseeland. Da es eine Insel im Pazifischen Ozean neben Australien war, hatte sie faszinierende Dinge durch Evolution hervorgebracht. Hermine hatte den besten Teil eines Abends damit verbracht, alles darüber zu lesen, als sie einmal angefangenen hatte, über das Thema nachzuforschen.

Prähistorische Tiere waren über das Land gewandert und zwischen den Inseln geschwommen, und irgendwann nach Neuseeland gekommen, welches die evolutionäre Grenze der Erde zu sein schien. Abgeschnitten vom Rest der Welt, hatte sich der Genpool verringert und so zu bedeutenden Entwicklungen beigetragen und zu fremden Spezies geführt, die nirgendwo anders existierten. Nichtmagische Schlangen hatten es nie bis nach Neuseeland geschafft, aber zwei magische Arten.

Ophites obscuratio magicus war eine kleine Gartenschlange, die sich von Insekten ernährte. Sie war eine scheue Spezies, die im grasigen Land lebte, wo sie sich vor Räubern im Untergrund verstecken konnte. Sie hatte die magische Fähigkeit, sich verstecken zu können, in dem sie ihre Hautfarbe perfekt an ihr Umfeld anpassen konnte. Die Schlange war nahezu unmöglich aufzufinden aufgrund ihrer Größe und Fähigkeit, sich anzupassen.

Die zweite, vipera praedatorius cyanos magicus, war größer, bis zu einem Meter lang. Diese Schlange war ein Räuber und lebte von kleinen Nagetieren und Vogeleiern. Sie kroch in die Bäume, um daran heranzukommen. Sie war fähig, lebende Beute zu hypnotisieren durch eine Art Schlangenimperius.

Neuseeland hatte eine kleine magische Gemeinschaft, nur rund tausend Menschen in einer Population von dreieinhalb Millionen. Es war eine vermischte Gruppe mit Nachkommen von beiden, den Maori, die die Insel in 800 n. C. besiedelten, und moderneren europäischen Siedlern.

Sie fanden für jede Schlange einen Nutzen. Die ophites obscuratio magicus war nicht sehr brauchbar, da es eine ziemliche Anhäufung von ihnen bedurfte, um einen Zaubertrank zu kreieren, der es dem Zauberer ermöglichte, sich in der gleichen Weise wie die Schlange zu tarnen. Die Schlange vermehrte sich einfach nicht gut genug in Gefangenschaft und konnte nur schwer in der Wildnis gefangen werden.

Die vipera praedatorius cyanos magicus war von ganz anderer Art. Die Augen wurden dazu verwendet, einen Zaubertrank zu kreieren, der den Willen eines Opfers untergrub. Hermine war sehr angewidert als sie erfuhr, dass die gebräuchlichste Anwendung durch Zauberer war, ihn an unwilligen Frauen in einem Stammesbrauch inklusive dem Stehlen der Braut anzuwenden. Eine zweite Anwendung war, das Blut der Schlange in einem Zaubertrank zur Stärkung des Herzmuskels zu verwenden.

Hermine konnte nur spekulieren, warum Professor Snape die Informationen benötigte. Das siebenseitige Blatt hatte sich entpuppt als eine Art von magischem Klee, den es nur in Neuseeland gab. Beide Arten der magischen Schlangen schlängelten sich durch den Klee, um magische Ladungen aufzunehmen, die an ein Gelege von Eiern weitergegeben werden konnte, um die Schale zu verstärken und die Brut vor Räubern zu schützen.

Woher der Professor das Blatt hatte, blieb ein Mysterium, aber Hermine wettete, dass es etwas mit Voldemort und den Todessern zu tun hatte. Als ein Spion hatte er seine eigenen Gründe, die Dinge so zu tun, wie er sie tat und sie würde womöglich niemals erfahren, wie er an ein Blatt von einer Pflanze kam, die es nur in Neuseeland gab.

Wie er es verlangt hatte, hatte Hermine ihre gefunden Informationen in das Magazin geschrieben und von ihm am nächsten Tag eine Antwort erhalten, in der er ihr für die Nachforschung dankte, aber nicht erklärte, wie er die Informationen verwenden würde. Fotokopien der Unterlagen, die sie gefunden hatte, waren per Post am nächsten Tag an ihn gesendet worden, inklusive der Fotos von den Schlangen. Es gab einen Service, der die Zaubererpost via Portschlüssel in Büros in fremden Ländern schickte und von da per Eule weitersendete.

Ihr Päckchen an Professor Snape war über Minerva versendet worden, zusammen mit einem langen, schnatterigen Brief an sie und einer Schachtel mit Chai Tee, den sie in einem Kaffeehaus gefunden hatte und dachte, ihre ehemalige Hauslehrerin würde ihn mögen. Professor Snape hatte ein paar Tage später geantwortet, dass alles angekommen war. In seiner Mitteilung schrieb er, dass er, Professor McGonagall und der Direktor den Chai Tee probiert hätten. Der Direktor und die Hauslehrerin von Gryffindor hätten ihn genossen, aber er dachte, die ganze Milch mache den Tee eher zu einem weichlichen Getränk, obwohl er den Geschmack von Kardamom und Zimt schätzte. Hermine hatte laut lachen müssen, als sie das Wort weichlich (im Englischen: sissy) in Professor Snapes kantiger Schrift gesehen hatte.

Sie dachte an das letzte Mal, als sie ihn gesehen hatte, als er die Kellertreppe hinaufging mit seiner Hand am Geländer. Sie war dermaßen erschrocken, als sie realisierte, dass die Hände, von denen sie seit ein paar Jahren der sexuellen Fantasie träumte, von Professor Snape waren.

Hermine war dankbar zu der Zeit, dass er ging. Somit musste sie nicht versuchen, ihre Reaktion zu verstecken. Es gab nicht viel, was man vor ihm verbergen konnte und sie wusste, er lag richtig mit dem, dass sie eine armselige Schauspielerin sei. Ihre überraschte Reaktion wäre unmöglich zu verstecken gewesen, der Professor hätte sie ausgefragt, Hermine hätte gelogen, er hätte es herausgefunden und alles wäre von da an den Bach hinuntergegangen. Wenn die Wahrheit herauskommen sollte, gab es keine andere Reaktion, als das der Professor wütend und beleidigt wäre und Hermine gedemütigt.

Nachdem Professor Snape nicht mehr im Keller war, konnte Hermine ruhigen Gewissens über die Dinge nachdenken. Sie erkannte, dass absolut nichts Falsches daran war, von den Händen Professor Snapes zu fantasieren. Sie hatte gar nicht bemerkt, dass es seine Hände waren, als sie damit anfing. Sie hatte nur gedacht, lange, schmale Hände mit langen Fingern wären sexy, vor allem wenn sie sich in der hypnotischen Anmut bewegten, die typisch war für Professor Snapes Hände.

Hermine erkannte, dass sie einfach nur dasitzen und auf seine Hände starren konnte, wenn er arbeitete und darüber erregt wurde. Was bedeutete, sie schaute besser nicht so intensiv auf seine Hände. Es war ja nicht so, dass sie von all seinen Körperteilen so fantasierte, obwohl es nicht wehtat, dass er groß war und dieses nette Etwas in seiner Stimme hatte.

Hermine schüttelte sich. Fange erst gar nicht an, diesen Weg zu gehen, sagte sie zu sich selbst. Sie musste die Dinge trennen. Sie konnte mit Professor Snape arbeiten, bei ihm sein und ihn aus ihrer Fantasie fernhalten. Abgesehen davon hatte sie diesen Herbst die Möglichkeit, jemand Reales kennen zu lernen, jemanden, mit dem sie die Dinge tun konnte, die sie sich mit ihrem Fantasieliebhaber vorgestellt hatte. Alles, was sie bisher getan hatte, war eine Generalprobe für den wahren Zauberer gewesen.

Der morgige Tag würde besser werden, entschied Hermine. Sie würde wieder zurück im Fuchsbau sein, mit Menschen, die sie wenigstens mochten. Am Samstag würde sie den Friedhof besuchen und mit ihren Eltern sprechen. Danach würde sie zum Treffen des Ordens im Hauptquartier gehen und ihre Freunde sehen. Der morgige Tag würde auf jeden Fall besser werden.

Sie klammerte sich fest an diesen Gedanken.

tbc

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Anmerkung der Übersetzerin:

Ophites - Marmor mit Schlangenflecken
Obscuratio - Verdunkelung
magicus - magisch

Vipera - Schlange Natter
praedatorius - beutemachend
cyanos - eigentlich eine Algenart, aber wenn man ins griechische geht mit kyaneos stahlblau, schwarzblau, und cyan als Farbton blaugrün, türkis
magicus magisch

Die nächsten zwei Kapitel sind Hermine-Severus-Kapitel, ein Zweiteiler.

Kapitel 27 gibt es am 11. Januar.

Rieview?