Titel: …and then rain starts falling…
Autor: KimRay
Kategorie: action/adventure
Unterkategorie: Drama
Inhalt: Der Krieg ist vorbei. Harry ist Auror und Todesserjäger und sein nächstes Ziel heißt Draco Malfoy.
Und wie immer: SLASH
DISCLAIMER: Alle urheberrechtlich geschützten Figuren in dieser Story gehören natürlich den jeweiligen Eigentümern. Ich habe sie mir nur ausgeliehen. Einzig die Idee und neue Charaktere sind komplett von mir.
ACHTUNG: KEIN BETA!!
Kapitel 26
Der verlorene Sohn
„Master…Master Draco…wir…wir haben Post…Eulenpost." Winky, noch immer vollkommen durcheinander von den Ereignissen der letzten Tage starrte ziemlich fassungslos auf den dicken Pergamentumschlag. Es war das erste Mal seit sie alle hier in Italien lebten, dass sie in irgendeiner Form von der magischen Gesellschaft wahrgenommen wurden. Die beiden Hauselfen mochten magische gewesen sein und auch Vivien besaß Magie, doch erst seit Draco seine Zauberkraft zurück hatte, wirkte sich das auf ihren kleinen Haushalt aus. Bis jetzt hatten sie immer nur Muggelpost bekommen und das war es, woran Winky und Dobby gewöhnt waren.
„Ich schätze daran musst du dich wieder gewöhnen, Winky. Ich habe meine Magie zurück und das heißt wir können nicht mehr wirklich unter dem Radar fliegen." Er war sich noch nicht ganz sicher, was er davon halten sollte. Einerseits war es unglaublich endlich wieder ein Zauberer zu sein, andererseits hatte er sich daran gewöhnt ohne Magie zu Leben und war vollkommen aus der Übung. Bei dem Versuch, sie alle vor neugierigen Reportern zu schützen hatte er sich sogar von Dobby helfen lassen müssen, um die nötigen Schutzbanne, die sie ein Jahrzehnt lang nicht gebraucht hatten, in Kraft zu setzen. Es war gewöhnungsbedürftig und er wusste im Moment nicht, was ihm lieber war. „Wer schreibt uns denn?"
Winke sah von ihm zu dem Brief in ihren kleinen Händen. Das war der nächste Schock, den sie erlitten hatte. Der Brief war von Narcissa Malfoy und Dobby hatte sich geweigert, ihn auch nur anzufassen.
„Von…von eurer Mutter, Master Draco." Zaghaft legte die Hauselfe den Brief auf dem Tisch neben Dracos Kaffeetasse ab, verbeugte sich hastig und verließ den Raum. Draco und Vivien, die das Gespräch neugierig verfolgt hatte, starrten nun beide ziemlich irritiert auf den Umschlag. Mit dieser Wendung hatte keiner von ihren gerechnet.
Vivien hatte immer gewusst, dass sie noch Großeltern hatte. Draco hatte es ihr nach endlosem Betteln, ihr doch endlich etwas über ihre Familie zu erzählen gestanden. Den unerfreulichen Rest hatte Dobby dann übernommen. Er hatte Vivien die unrühmliche Geschichte der Malfoys aus seiner Sicht erzählt. Draco war unwohl dabei gewesen, doch nach allem, was ihm sein Vater angetan hatte und was er Dobby verdankte, hatte er den Hauself nicht korrigiert. Er hatte ihn lediglich gebeten, seine Mutter aus dem Spiel zu lassen. Seine Mutter hatte an all dem, was ihm Lucius angetan hatte, keine Schuld. Sie war noch viel mehr Opfer, als er selbst.
„Soll ich ihn auf machen, Papa?" Vivien hatte die Brauen zusammen gezogen und starrte beinahe missmutig auf den Brief. Für sie waren alle Malfoys eine große, böse, graue Masse. Sie war Vivien Mavot und ihr Vater war Daniel Mavot.
Draco langte wortlos nach dem Brief. Was auch immer seine Mutter ihm schrieb, Vivien würde nicht die Erste sein, die es zu lesen bekam, egal, ob positiv oder negativ. Minuten später ließ er den brief fassungslos sinken und starrte Vivien an, als habe er den Geist seines Vaters gesehen.
„Sie hat es nicht gewusst…sie…sie hat es nicht gewusst…er…ich…"
„DOBBY…" Vivien war auf den Füßen und bei ihrem Vater, als die Seiten des Briefes vom Tisch glitten. Draco war blass und seine Finger zitterten. „DOB-BY…"
Dobby kam durch die Tür gestolpert, noch immer nicht daran gewöhnt, dass er wieder apparieren durfte, nachdem sein Master endlich wieder ein Zauberer und ihr Haushalt wieder ein Zaubererhaushalt war.
„Miss Vivien, was…" Er musste nicht weiter fragen, kaum, dass er Draco blass und vollkommen am Ende auf seinem Platz sah. Es war alles zu viel gewesen, in den letzten Tagen und beim Anblick dieses verdammten Briefes seiner früheren Herrin war ihm alles andere, als wohl gewesen. Eilig hastete er zu Draco und seiner Tochter, die ihm mehr ans herz gewachsen waren als jemals etwas zuvor, fasste Dracos Hand und apparierte sie alle drei in Dracos Schlafzimmer.
„Dobby, was ist los mit Papa?" Vivien hatte die Hand ihres Vaters umklammert und ijn ihren Augen standen Tränen.
„Schock, Vivien, Liebes. Er hat einen Schock." Dobbys Hand legte sich beruhigend auf Dracos Stirn. Es war Jahre her, dass er ihn so gesehen hatte, doch es hatte Zeiten gegeben, da war Draco regelmäßig in diesen Zustand verfallen, von Angst und Panik überwältigt. „Er muss sich ausruhen, Vivien. Das war alles ein bisschen viel in den letzten Tagen und ich habe nicht den Eindruck die Auroren haben ihn besonders gut behandelt."
„Mister Potter war…sehr hart zu Papa…denke ich…aber dieser andere Mann, der aussah, wie Papa, er hätte das auf jeden Fall verdient." Ja, Mister Potter, das war es, was Dobby von allem am meisten schockte.
Harrys wegen war er Draco gefolgt, als dieser Hogwarts verlassen hatte, weil er genau gewusst hatte, wie wichtig Draco Harry gewesen war. Dobby hatte monatelang geglaubt, das Harry kommen würde und Draco aus Malfoy Manor wegbrachte. Er war nicht gekommen und Dobby war enttäuscht gewesen. Schon aus Prinzip hatte er Draco nicht im Stich gelassen, als Recht, als ihm klar geworden war, was mit ihm nicht stimmte. Und dann hatten sich die Ereignisse überschlagen, Draco war von seinem Vater ausgesetzt worden und besaß keine Zauberkraft mehr. Da hatte er ihn nicht mehr allein lassen können.
Verzweifelt hatte er versucht, Draco zu überreden, sich von Harry helfen zu lassen, doch sein junger Herr hatte sich vehement geweigert. Am Ende hatte Dobby keine andere Wahl gehabt, als sich um alles selbst zu kümmern. Er hatte sogar Winky aus Hogwarts geholt, mit dem Versprechen, dass sie einen neuen Master bekommen würde, als die Situation begann außer Kontrolle zu geraten, Draco unter ständigen Panikattacken litt und man ihn kaum aus den Augen lassen konnte.
Sie hatten letzten Endes alles gut überstanden. Draco war okay, Vivien war okay, und mit Draco wieder vollkommen auf den Beinen hatte sich ihre Situation merklich verbessert. Er hatte mit dem bisschen Gold, was Dobby und Winky zusammengespart hatten ein Vermögen als Antiquitätenhändler gemacht und ihnen ihr gegenwärtiges Leben in Italien ermöglicht. Dobby und Winky waren ihm vollkommen ergeben und Dobby verspürte ein gewisses Ressentiment Harry gegenüber, während Winky ihn regelrecht verabscheute seitdem sie erfahren hatten, was ihrem Master geschehen war.
Dobby seufzte tief. Es hatte eine Zeit gegeben, da hätte er nichts über Harry Potter kommen lassen, doch Harry hatte Draco bitterböse im Stich gelassen und nun hatte er ihn auch noch gefangen genommen und offenbar wirklich schlecht behandelt. Dobby konnte sich nicht helfen, seine Loyalität gehörte seit Jahren Draco und er wusste, dass es dabei bleiben würde.
„Dein Papa wird bald wieder in Ordnung sein, Vivien. Er braucht wirklich nur ein wenig Ruhe, Zeit, wieder zu Sinnen zu kommen. Glaub mir. Dobby erlebt das nicht zum ersten Mal. Master Draco war das Öfteren mit den Nerven am Ende, als du noch klein warst, Vivien." Es war nicht zu übersehen, das Vivien ihre Zweifel hatte, doch vorerst hatte Dobby sie beruhigt.
Es war mitten in der Nacht, als Draco das erste Mal wieder zu Sinnen kam. Er konnte Vivien neben sich im Bett spüren und hörte leises Gebrabbel aus dem Flachbildfernseher an der Wand gegenüber seinem Bett. Offensichtlich war Vivien beim Fernsehen eingeschlafen.
Sein Kopf fühlte sie an, als sei er mit Watte voll gestopft und mühsam erinnerte er sich, was das zu bedeuten hatte. Es war das Gefühl, mit dem er aufwachte nachdem er mit den Nerven am Ende zusammengeklappt war. Es war lange her, das ihm das passiert war.
Draco fingerte nach der Flasche Wasser, die Dobby garantiert auf seinen Nachtschrank deponiert hatte und fand sie ohne große Ansprengungen. Nachdem er sie zur Hälfte geleert hatte, begann er sich langsam besser zu fühlen. Er setzte sich auf und fragte sich mit einem Blick auf Vivien, wie lange es ihn außer Gefecht gesetzt hatte. Als sie noch sehr klein gewesen war, war ihm das ständig passiert. Immer hatte er Angst gehabt, ihr könnte etwas passieren. Er hatte viel zu wenig geschlafen und sich ständig überanstrengt. Damals hatte es ihn in regelmäßigen Abständen umgehauen. Er fragte sich, was Dobby sich wohl gedacht hatte, als er nach so vielen Jahren zum ersten Mal wieder einen Zusammenbruch erlitten hatte.
Er rutschte vorsichtig aus dem Bett um Vivien nicht zu wecken. Ihr hatte er sicherlich einen furchtbaren Schrecken eingejagt, doch das würde er nicht jetzt klären. Er musste sich erst einmal klar werden, was er von dem Brief seiner Mutter halten sollte. Er schaltete den Fernseher aus, griff nach der Flasche Wasser und verließ das Schlafzimmer. Draco brauchte frische Luft, um einen klaren Kopf zu bekommen.
Ein paar Minuten später streckte er sich auf einer der bequemen Relaxliegen auf seiner Dachterrasse aus und starrte in den sternenklaren Himmel. Dank der sommerlich heißen Temperaturen tagsüber war es hier auch jetzt noch angenehm warm, doch all das war im Grunde nebensächlich. Draco musst verarbeiten, dass seine geliebte Mutter jahrelang geglaubt hatte, er sei wirklich derjenige, der all diese grauenvollen Verbrechen begangen hatte – sie, von der er sein Leben lang geglaubt hatte, sie kenne ihn besser, als jeder andere.
„Was werdet ihr tun, Master Draco?" Dobbys Miene war nachdenklich und ohne Zweifel war er nicht glücklich über die gegenwärtige Entwicklung. Dracos Gedanken rotierten seit er den Brief seiner Mutter erhalten hatte. So groß der Schock darüber, dass sie nie begriffen hatte, was mit ihm passiert war gewesen sein mochte, so blieb doch der Fakt, dass sie sich nichts sehnlicher wünschte, als ihren Sohn zurück zu bekommen.
Er hatte mit Vivien gesprochen – notgedrungen. Sie hatte sich nicht mit einfachen Erklärungen abspeisen lasen und so hatte er ihr sagen müssen, dass seine Mutter genau wie alle anderen geglaubt hatte, der Draco, den Potter vor wenigen Tagen hier in Italien getötet hatte, sei der echte. Nun, da sie wusste, dass er nicht dieses Monster gewesen war, wollte sie ihren Sohn zurück. Von Vivien war keine Rede. Offensichtlich war das noch nicht in die britische Presse vorgedrungen.
Bis jetzt hatte Draco noch nichts klar gestellt. Im Moment tendierte er dazu, schön brav hier in Italien zu bleiben und sich nie mehr mit England auseinander zusetzen. Interessanter Weise war es Vivien, die vollkommen anderer Meinung war. Er hatte sie den Brief lesen lassen und obwohl ihre Großmutter nichts von ihr wusste, wünschte sie sich doch offensichtlich, diese unbekannte Großmutter, die ihren Sohn so sehr liebte kennen zu lernen, auch wenn sie es nicht zu klar äußerte. Vivien hatte genau wie Dobby und Winky begriffen, dass Draco einer Rückkehr nach England mit einer Menge Animosität gegenüber stand. Und doch war da der Fakt, dass seine Mutter ihn regelrecht anflehte, zu ihr zurück zu kehren.
Es war Narcissa offensichtlich gelungen, sich letzten Endes doch noch von Lucius und ihrem angeblichen Sohn zu distanzieren. Sie hatte niemals eine wirkliche Rolle gespielt, war immer nur Lucius Ehefrau gewesen, die er die meiste Zeit genauso schlecht behandelt hatte, wie alle anderen. Das hatte ihr geholfen, sich ihren Platz in der magischen Gesellschaft zu bewahren, auch wenn sie sehr wohl wusste, wie viele Zauberer ihrer Gesellschaftsschicht mit Geringschätzung und Mitleid auf sie herabblickten, während sie sie gnädig tolerierten.
Ihrem Brief haftete ein Hauch von Verzweiflung und Einsamkeit an, den Draco nur schwer ignorieren konnte. Narcissa war und blieb seine geliebte Mutter und sie hatte nicht gewusst, was sein Vater ihm angetan hatte. Darum war Dobbys Frage nur sehr schwer zu beantworten, denn er wusste wirklich nicht, was er tun sollte.
Noch immer sah der Hauself, der in den Jahren, die er mit ihm verbracht hatte mehr zu einem Vertrauten geworden war, als jemals jemand zuvor, ihn fragend an. Draco kannte im Grunde seines Herzens die Antwort, auch wenn sie ihm nicht wirklich gefiel und er wusste, dass sie den beiden Hauselfen noch weniger gefallen würde.
„Ich denke…ich muss…muss sie zumindest…besuchen." Für einen kurzen Moment konnte er Entsetzen in der Miene des Hauselfs sehen, doch Dobby maskierte seine Bedenken schnell. Und Draco fragte sich, ob er das Ganze nicht vielleicht doch besser vergessen sollte, schon allein deswegen, weil ihn in England Potter ohne jeden Zweifel auf Schritt und Tritt verfolgen würde.
tbc
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