Kapitel 25: Opfer und Täter
Kit hatte die 5 Männer in das Haus gelassen und erzählte ihnen, von dem im Badezimmer eingeschlossenen Mann. Zuerst hörten die Polizisten nur halbherzig zu, sie kannten Kit und sie wussten über sein Leben Bescheid. Zuerst die Heirat mit seinem so genannten Hausmädchen, dann die Einlieferung in ein Sanatorium, dann das unchristliche Zusammenleben mit zwei Frauen und nun hatte er wieder eine Frau hier, die mehr als Zweifelhaft war. Alle hatten den Artikel gelesen und zwei der Polizisten konnten sich ein zynisches Grinsen in Judes Richtung nicht verkneifen. Für sie alle waren Kit und Jude nichts weiter als Abfall. Unmoralische Menschen die die Idylle ihrer kleinen Vorstadt zerstörten. Erst als Kit den Namen des Mannes erwähnte, der in Badezimmer eingesperrt war, begannen die Männer ihm Gehör zu schenken.
„Moment Mr. Walker, sagten Sie gerade Leigh Emerson? Sie meinen den Leigh Emerson, der vor Jahren aus dem Irrenhaus geflohen ist? Den Mann den wir wegen Mordes an 7 Frauen suchen?"
Der alte Detektiv sah Kit fragend und fast schockiert an. Wie konnte es sein, dass ein Kerl wie Walker einen der meist gesuchten Verbrecher des Staates stellen konnte.
„Ja, genau diesen Leigh Emerson meine ich! Das Schwein ist in mein Haus eingedrungen und ist über meine Freundin hergefallen wie ein Tier." sagte Kit mit tiefer Verachtung in seiner Stimme.
„Stop, zu Ihnen komme ich gleich." Er wandte sich an seine Kollegen und deutete Ihnen, das Badezimmer zu überprüfen und den eingesperrten Emerson in Gewahrsam zu nehmen. Drei der Polizisten nickten ihren Vorgesetzten zu und verschwanden in Richtung Bad „So Mr. Walker, jetzt zu Ihnen! Sie waren die ganze Zeit hier, als ihre….Freundin überfallen wurde?"
Kit schüttelte unverständlich den Kopf „Was? Nein natürlich nicht. Denken Sie, ich hätte dieses Tier nicht von Judy ferngehalten?"
Ein arrogantes Grinsen erschien in dem Gesicht des alten Detektives „Dann ist Ihre Aussage noch nicht relevant für uns. Wir möchten gern erst mit Miss Martin sprechen."
Sobald Jude die 5 Polizisten erblickte versteifte sie sich und versuchte langsam ein und aus zu atmen. Sie wusste, dass sie alles der Polizei noch einmal erzählen musste. Sie fühlte sich jetzt schon gedemütigt und wäre am liebsten davon gerannt. Sie konnte nicht hören, was Kit den Männern sagte aber sie sah, dass sie immer wieder zu ihr herüber sahen. Sie sah die hämischen Blicke und schluckte ihre Tränen herunter. Nein, sie würde nicht weinen! Nicht vor denen. Jude bereitete sich emotional gerade auf die Fragen vor, als sie plötzlich ein wütendes und furchteinflößendes Geschrei hörte und sie erkannte die Stimme sofort. Sie sah panisch in Richtung Flur, der zum Badezimmer führte und hörte das wütende Geschrei von Emerson immer näher kommen.
„Lasst mich los Ihr Hurensöhne! Die verdammte Schlampe hat es nicht anders verdient."
Und mit der sich ihr nährenden Stimme, erblickte Jude auch bald Emerson der sie mit den Blick eines Wahnsinnigen ansah.
„Du weißt ich komme wieder….ich komme immer wieder." er blickte zuerst Jude an und dann Kit. Ein widerliches Lachen entkam Emerson, als er Kit fast gegenüber stand „Deine kleine Hure wollte es. Sie hatte wohl schon lange keinen richtigen Mann mehr zwischen ihren Beinen."
Kit verspürte wieder den Drang diesen Bastard endgültig zum Schweigen zu bringen. Er knirschte mit den Zähnen und ballte die Hände zu Fäusten. Er wollte diesen Monstrum sein dämliches Grinsen aus dem Gesicht schlagen, doch er hielt sich zurück. Stattdessen sah Kit ihn nur kalt an „Sie werden für Ihre Taten bezahlen Emerson! Sie werden nie wieder das Tageslicht sehen."
Ein lautes Lachen dröhnte durch das Walker Haus „Niemals! Ihr werdet mich niemals los…Alle guten Dinge sind drei Schwester Jude!"
Die drei Polizisten hatten Mühe Emerson im Zaum zu halten und zogen ihn weg von Kit und brachten ihn nach draußen. Doch auch nachdem er schon das Haus verlassen hatte, waren seine Drohungen noch zu hören. Jude würde sie wahrscheinlich für den Rest ihres Lebens hören, nie würde sie den Klang seiner Stimme vergessen können. Sie hatte sich die ganze Zeit über verzweifelt die Ohren zugehalten und doch hämmerte seine Stimme in ihren Kopf. Erst als sich der eine Polizeiwagen mit Emerson in Gewahrsam in Bewegung setzte, kehrte Ruhe ein. Jedoch nicht in Judes Kopf, sie hörte seine Worte noch immer klar und deutlich. Er sagte ‚Ihr', er sagte ‚Ihr werdet mich niemals los'.
Judes Herz raste wie wild, was wäre wenn er noch einmal entkommen würde? Was wenn er sie wieder finden würde? Was würde geschehen, wenn die Kinder dann auch da wären? Judes Herz zog sich zusammen, als sie erkannte, dass sie für die Menschen die sie liebte nur eine Gefahrenquelle war. Konnte sie ihrer Familie wirklich diese Gefahr aussetzten?
Ihre Gedanken wurden unterbrochen, als sie einen Mann plötzlich vor sich erblickte. Langsam nahm sie ihre Hände von ihren Ohren und atmete tief durch.
„Mein Name ist Detektiv Dixon, ich würde gern Ihre Aussage aufnehmen. Ich kann mir vorstellen, dass es schwer ist aber wir müssen den genauen Ablauf der Geschehnisse kennen. Mein Kollege Detektiv Moore nimmt die Aussage von Mr. Walker auf. Darf ich mich setzten?"
Jude sah den Mann verwundert an und war überrascht über seine Freundlichkeit. In Gegensatz zu dem älteren Mann, schien Detektiv Dixon seine Menschlichkeit nicht verloren zu haben. Judes Kehle fühlte sich trocken an und sie brachte kein Wort heraus, sie schloss die Augen und nickte nur.
Detektiv Moore nahm auf dem Sessel gegenüber von Jude Platz „Danke. Ich weiß, es ist nicht leicht aber ich muss Sie bitten, mir alles genau zu erzählen."
In diesen Moment war Jude dankbar, dass Kit außer Hörweite war. Sie schluckte den Kloß in ihrem Hals herunter und sah Detektiv Dixon an.
„Ich…ich war allein Zuhause. Kit…ich meine Mr. Walker war mit den Kindern in Boston. Sie waren schon einige Stunden weg und irgendwann klopfte es an der Tür. Ich nahm an, dass es Kit war und öffnete die Tür ohne zu gucken wer da war."
„Klopft denn Mr. Walker immer bei seinem eigenen Haus an?" fragte Dixon mit hochgezogenen Augenbrauen.
„Nein, nein natürlich nicht. Er vergisst aber des Öfteren seinen Schlüssel und somit habe ich mir auch nichts dabei gedacht. Als ich aber die Tür öffnete, da….da" Jude räusperte sich, ihre Kehle schmerzte und sie konnte kein Wort mehr heraus bringen.
Genau beobachtete Dixon die Frau vor sich. Auch er hatte nie wirklich Sympathie für Walker und seinen Lebensstil gehabt aber das war jetzt auch nicht von Bedeutung. Hierbei ging es um eine versuchte Vergewaltigung und diese Fälle waren ihm immer ein Graus.
„Möchten Sie ein Glas Wasser haben?"
Jude schüttelte den Kopf und räusperte sich ein paarmal. Sie wollte es so schnell wie möglich hinter sich bringen.
„Nein, danke! Wie gesagt, es war nicht Kit sondern Emerson. Als ich ihn gesehen habe, war ich wie gelähmt. Ich hätte niemals gedacht, ihn wieder zu sehen."
„Woher kannten Sie ihn?" fragte Dixon.
Es war ein Alptraum, auch die Geschichte aus der Vergangenheit würde jetzt wieder neu aufgearbeitet werden.
„Leigh Emerson war Insasse in Briarcliff, als ich dort gearbeitet habe." Jude hoffte, dass er diese Antwort akzeptieren würde aber als sie seinen Blick sah, wusste sie dass er alles wissen wollte.
„Miss Martin, ich muss Sie bitten mir alles zu erzählen. Emerson sagte, alle guten Dinge sind drei. Drei! Was meinte er damit?"
Jude blickte nach unten uns seufzte „Er hat es schon einmal versucht." flüsterte sie und konnte die Tränen kaum noch zurück halten.
„Bitte? Was genau?"
„Ich sagte, er hat es schon einmal versucht." Sagte Jude etwas lauter und sah den Polizisten mit wässrigen Augen an „Vor 6 Jahren, hat er schon einmal versucht mich zu vergewaltigen. Kurz danach ist er aus Briarcliff geflohen."
Der Detektiv nickte wissend und schrieb alles mit „Kurz darauf wurden Sie selbst Patientin dort wenn ich mich nicht irre."
Jude schluckte schwer, ignorierte aber den Kommentar. Sie nahm eine Zigarette von den kleinen Tisch und inhalierte den Qualm tief. Schweren Herzens erzählte sie Detektiv Dixon den Rest der Geschehnisse und versuchte dabei nicht in Tränen auszubrechen. Später würde sie sicherlich noch weinen, aber dann aus einem anderen Grund.
