Kapitel 26 – Der rote und pinke Feiertag

Am nächsten Tag ging Draco Hermine so gut wie möglich aus dem Weg. Er wachte früh auf, vor ihr, und ging zum Felsvorsprung, um zu trainieren. Er verbrachte den ganzen Morgen dort, ließ das Frühstück ausfallen und kehrte erst ins Haus zurück, als er sich vor Hunger nicht mehr rühren konnte. Er setzte sich auf die Veranda hinaus, bis er sicher war, dass Hermine sich nicht in der Küche befand. Dann ging er hinein und machte sich selbst Mittagessen. Er aß auf der Veranda und ging bis in den späten Nachmittag zum Felsvorsprung zurück.

Wieder wartete er, bis er sicher war, dass er nicht auf Hermine treffen würde, bevor er in sein Zimmer ging, um zu duschen und sich vor dem Abendessen zu entspannen. Nach zwei Stunden begann sein Magen zu knurren. Er lauschte aufmerksam und als er jemanden in der Küche rumoren hörte, entschied er, dass es bald sicher war, sich einen Teller Essen zu schnappen und in sein Zimmer zurückzukehren.

Draco schlich sich leise die Treppe hinunter und ging direkt in die Küche. Er erwartete, etwas Warmes auf dem Ofen stehen zu sehen, einen Salat, wenigstens etwas Brot, aber da war nichts. Er sah in allen Schränken nach, doch es gab kaum Essen, nur ein paar Büchsen mit Bohnen und eine Butterstange. Er stöhnte innerlich, wissend, dass er jetzt mit Hermine sprechen musste.

Er betrat widerwillig den Salon, wo sie saß, die Begegnung fürchtend, obwohl er wirklich nicht sagen konnte, warum er sie so fürchtete. Als er Hermine sah, musste er sich ein Lachen verkneifen.

Sie saß in der Mitte des Sofas, immer noch in ihrem Pyjama, Taschentücher überall um sie herum verstreut. Ihr Haar steckte in einem zotteligen Pferdeschwanz, ihre Augen glänzten mit Tränen. In einer Hand hielt sie eine Packung Eiscreme und in der anderen einen Löffel, der auf dem halben Weg zu ihrem Mund in der Luft schwebte. Ihr Blick hing am Fernsehbildschirm und frische Tränen liefen ihr Gesicht herunter und fielen in ihren Schoß.

„Granger", sagte er.

Sie zuckte zusammen und schaute ihn an. Sie versuchte nicht einmal, sich frisch zu machen oder zumindest so zu tun, als würde sie nicht weinen. „Was?"

„Was gibt's zum Abendessen?"

„Hm?"

„Abendessen. Happa happa. Es ist Essenszeit."

„Oh. Ähm, ich habe nicht gekocht. Mach dir einfach irgendetwas." Sie schaute wieder zum Fernseher.

„Es gibt nichts zu essen. Ich habe schon nachgeschaut."

Hermine hielt den Film an und schenkte ihm mehr Aufmerksamkeit. „Oh. Wirklich?"

„Ja."

„Hmm… Tja, tut mir leid. Ich schätze, ich bin in letzter Zeit nicht einkaufen gewesen."

„Was isst du zu Abend?"

„Eiscreme. Da ist eine Menge im Kühlschrank."

„Eiscreme. Eiscreme ist kein Abendessen. Das ist Nachtisch."

Sie zuckte die Achseln. „Ich esse Eiscreme zu Abend."

„Aber du brauchst echtes Essen."

„Eiscreme ist echtes Essen", protestierte sie.

„Nein, ist es nicht."

„Tja, das esse ich aber. Du kannst machen, was du willst. Wirklich, es gibt drei verschiedene Sorten. Ich bin sicher, du findest eine, die dir schmeckt."

„Ich weigere mich, Eiscreme zu Abend zu essen!"

Sie runzelte die Stirn. „Dann eben nicht."

„Was schlägst du als Alternative vor?"

„Bestell dir etwas."

Er verdrehte die Augen und ächzte. „Granger, willst du uns wirklich nichts machen?" Sie nickte. „Warum?"

„Weil heute ein – ein böser Tag ist und ich hier sitzen will, wie ich es den ganzen Tag getan habe, und Eiscreme essen und weinen."

„Das ist lächerlich. Eiscreme ist kein Essen und den ganzen Tag zu weinen wird dir nichts bringen."

„Das ist mir egal. Das mache ich immer, wenn dieser Tag kommt und ich niemanden habe, mit dem ich ihn verbringen kann."

„Ich habe auch niemanden und du siehst mich nicht mit verfaulenden Zähnen. Ehrlich, sind deine Eltern nicht Zahnärzte?"

Sie funkelte ihn an. „Sie waren es, ja, danke. Wenn du mich jetzt entschuldigen würdest, ich bin mitten in einer wirklich guten Szene." Sie drehte sich zum Fernseher zurück und ließ den Film weiterlaufen. Draco war erstarrt und sah sie mit weiten Augen an. Sie ignorierte ihn weiter und er stieß erleichtert den Atem aus. Sie hatte sich nichts bei seinem Ausrutscher gedacht. Bevor sie also bemerken konnte, dass er sie anstarrte, stürmte er aus dem Zimmer die Treppe hoch.

Er ging in ihr Zimmer zu dem Schrank mit den Kleidern. Er nahm seine Lieblingsrobe heraus, die saphirblaue, und stieg wieder die Treppe hinunter. Er trat in den Salon und warf Hermine die Robe zu, die sie verblüfft auffing.

„Ich gehe in zehn Minuten los. Wenn du mitkommen willst, zieh dir etwas Schönes an und mach um Merlins Willen etwas mit deinen Haaren." Dann drehte er sich um und ging nach oben. Er lächelte über seinen Kommentar bezügliches ihres Haars. Denn ihm gefiel ihr Haar. Es war Teil von ihr.

Hermine verbrachte die Hälfte ihrer zehn Minuten in Schock. Eine halbe Minute lang überlegte sie, ob es ihm ernst war. Dann verging eine ganze Minute mit dem Entschluss, ob sie mitgehen wollte. Drei Dinge gingen ihr durch den Kopf. Erstens: War das ein Date? Wahrscheinlich nicht, da er sie nicht wirklich gebeten hatte mitzukommen. Zweitens: Konnte sie sich in zehn – jetzt acht – Minuten fertigmachen? Diese Antwort lautete Ja. Drittens: Wollte sie überhaupt mit ihm an diesem Tag, dem bösen roten und pinken Feiertag, irgendwohin gehen?

Diese Frage nahm die meiste Zeit ihrer Überlegungen in Anspruch. Sie fühlte sich recht wohl und war beinahe am Ende des Films, den sie im Augenblick anschaute. Sie würde sich umziehen und sich ansehnlich machen müssen. Und falls die Robe, die er ihr zugeworfen hatte, irgendeinen Hinweis gab, würde er sie an einen vornehmen Ort ausführen. Sie rief sich das letzte Mal in Erinnerung, da sie zusammen zu Abend ausgegangen waren – oder besser gesagt: da sie gezwungen gewesen war, ihn zu einem Treffen zu begleiten, und es zufällig Abendessenszeit gewesen war. Ein Teil von ihr war zu ihm hingezogen und wurde mit jedem Tag immer stärker. Im Augenblick schrie dieser Teil ihr zu, endlich aufzustehen und sich umzuziehen. Sie hatte doch Gefühle für ihn und es war nichts dabei, mit ihm zu Abend zu essen.

Sie rannte nach oben und zog sich ein schlichtes schwarzes Kleid an. Sie geriet kurzzeitig in Panik über ihr Haar, hatte aber keine andere Wahl, als sich damit zu befassen. Mit einem Seufzen legte sie ihre Haare in einen lockeren Knoten am Hinterkopf und befestigte ihn mit einem Paar funkelnder Haarspangen. Das dauerte sechs Minuten. Noch zwei. Sie tat etwas Lip- Gloss auf, wischte sich die Augen und warf einen kurzen Blick in den Spiegel. Tatsächlich sah sie bezaubernd aus, doch sie entschied einfach, dass sie für zehn Minuten gut genug aussah. Hermine ging nach unten und nahm wieder ihren Platz auf dem Sofa ein, um die letzten dreißig Sekunden zu warten.

Draco kam nach genau zehn Minuten herunter. Er trug eine schwarze Hose, ein graues Shirt und eine schwarze Robe. Er hatte offensichtlich nicht erwartet, dass Hermine sich zu ihm gesellen würde, denn er ging direkt zur Tür, ohne nach ihr zu sehen.

Sie räusperte sich und er schaute zu ihr herüber. Er musste den Drang unterdrücken, die Augen ungläubig aufzureißen, als er sie sah, wie sie auf dem Sofa saß, wo er sie zurückgelassen hatte, und ihn erwartungsvoll anschaute.

„Ich dachte, ich schließe mich dir an", sagte sie förmlich und erhob sich. Draco stockte der Atem, als er volle Sicht auf sie bekam. Er konnte nicht glauben, dass das dasselbe Mädchen war, welches vor elf Minuten diesen Platz besetzt hatte. Sein Herz begann schneller zu schlagen und ihm fiel nichts Geistreiches zum Erwidern ein. Er nickte nur und wartete darauf, dass sie zu ihm kam, während er den Anblick ihrer graziösen Bewegungen aufsog.

„Wohin gehen wir?", fragte sie.

„Ich kenne einen kleinen Laden", sagte er in dem Versuch, so ruhig wie möglich zu klingen, obwohl er alles andere als das war. Er war nicht darauf gefasst gewesen, Hermine so zu sehen. Er war der Meinung, dass sie die schönste Kreatur auf dem Planeten war. Oder zumindest in Wales. Der Wahnsinn, den er letzte Woche gefühlt hatte, kehrte mit voller Wucht zurück und versetzte ihm einen Tritt mitten in den Bauch.

„Aber du kannst nicht einfach herumlaufen, weißt du."

„Das ist mir bewusst, danke für deine Besorgnis."

„Ich bin nicht besorgt. Ich wollte nur, dass du daran denkst."

„Und natürlich habe ich daran gedacht." Er griff in seine Robe und zog eine kleine Phiole hervor. „Prost", sagte er und trank den Inhalt aus. Langsam färbte sich sein Haar schwarz und seine Augen blau, wie es in Neuseeland der Fall gewesen war. „Und du willst wahrscheinlich auch dein zweites Ich annehmen."

Hermine nickte. „Ich – ich bin gleich wieder da", sagte sie und rannte die Treppe hinauf in ihr Zimmer. In der obersten Schublade ihres Nachttischs lagen zwei verbliebene Flaschen des Tranks, den sie gebraut hatte. Behutsam nahm sie eine der Flaschen in die Hand und betrachtete sie. Dann sah sie in den Spiegel.

Sie glaubte, wenn auch nur für einen Moment, etwas in Dracos Augen gesehen zu haben, als er sie im Salon erblickt hatte. Die Gedanken, die sie hatte, waren ein wenig beängstigend. Für nur einen Augenblick hatte er tatsächlich… anerkennend gewirkt. Mehr noch, er schien… beinahe ehrfürchtig. Praktisch sprachlos.

Hermine schüttelte den Kopf, um den Gedankenfluss abzuwehren. Wenn sie sich nicht beeilte, hatte sie keine Zweifel, dass er sie zurücklassen würde. Mit einem letzten Lächeln in den Spiegel nahm sie den Trank ein und beobachtete, wie sich ihr Aussehen veränderte. Ihr Haar wurde hellblond und ihre Augen tiefgrün.

Als sie wieder nach unten kam, war Draco leicht enttäuscht, nicht mehr die Hermine zu sehen, die er ins Herz geschlossen hatte. Er wusste, dass es Hermine war, doch irgendwie war sie es auch nicht. Seine Hermine hatte kein perfektes Haar und keine grünen Augen und er mochte sie so. Mit einem Seufzen realisierte er, dass er sich wahrscheinlich würde besser konzentrieren und das Klingeln in seinem Gehirn abstellen können, wenn sie wie diese – andere Person aussah.

„Also, wohin gehen wir"

„Nach Australien."

„Was?"

Draco nahm ihren Arm, holte tief Luft, um seine Nerven zu beruhigen, und feixte. „Halt dich an mir fest", sagte er und dann apparierte er mit ihr.

Sie kamen auf eine dunkle, schäbig- aussehende Straße mit baufälligen Läden.

„Äh, Malfoy? Was soll das?"

„Entspann dich, Granger. Das ist ein Zauberer- Etablissement." Er ging zu eine der Türen und öffnete sie. Er musste sie fast hindurch schieben.

Hermine trat in ein sehr elegantes Restaurant. Eigentlich war elegant nicht das richtige Wort. Sie glaubte nicht, dass es überhaupt ein richtiges Wort gab. Es war atemberaubend. Edles Holz, unschätzbarer Marmor, glitzerndes Kristall, Porzellan, Silber und Seide umgaben sie von allen Seiten. Hunderte von erleuchteten Kerzen schwebten als einzige Lichtquelle über ihren Köpfen. Sie flackerten ständig, so dass der Raum in ein fließendes Licht gebadet war, welches sie an den Ozean erinnerte, in den sie sich verliebt hatte.

Ein Streichquartett saß in der Ecke und spielte eine zauberhafte Melodie und als Hermine sich umsah, keuchte sie auf. Gold, Silber und wertvolle Juwelen funkelten an den Hälsen, Ohren und Fingern aller Frauen im Raum. Die Männer waren genauso glanzvoll, doch nicht so auffallend. Hermine warf Draco aus dem Augenwinkel einen Blick zu und bemerkte etwas, dass sie nicht gesehen hatte, als sie ihn im Edge gemustert hatte – seine natürliche Eleganz gliederte ihn in alle anderen Männer im Raum ein. Sie fühlte sich fehl am Platz und ein wenig erbärmlich. Sie passte nicht hierher und das wusste sie auf der Stelle. Es war nicht nur der Mangel an Glitzer, sondern sie hatte das Gefühl, dass selbst die Luft zu kostbar für sie zum Atmen war, und sie wusste, dass wahrscheinlich jeder hier ihr zustimmen würde.

„Malfoy", zischte sie. „Ich will nicht hier bleiben."

Er runzelte die Stirn. „Warum nicht?"

„Ich – ich will es einfach nicht."

Er wollte gerade antworten, als der Oberkellner auf sie zutrat.

„Ah, Mr. Greene, wie schön, Sie heute Abend zu sehen. Es ist schon eine Weile her, seit Sie uns das letzte Mal beehrt haben. Tisch für zwei?", sagte der Mann im Smoking mit schwerem australischen Akzent.

Draco sah den Mann an und nickte, wobei er ein strahlendes Lächeln auflegte. „Ja, Murphy, das wäre perfekt."

„Hier entlang bitte." Er führte Draco und eine versteinerte Hermine zu einem abgeschiedenen Tisch mit Blick aufs Meer. „Unser bester Tisch natürlich." Er zog den Stuhl für Hermine heraus, die der Aufforderung nachkam. Murphy reichte ihnen Speisekarten und Draco die Weinkarte.

Draco schlug sie nicht einmal auf. „Ihre beste Flasche bitte", sagte er und wandte sich den Speisen zu.

Murphy lächelte warm. „Natürlich, Sir. Gibt es noch etwas, das ich der Dame bringen kann?", sagte er an Hermine gewandt.

„Nein, vielen Dank", sagte sie.

Murphy beugte den Kopf mit einem kurzen Lächeln und ging davon.

Hermine starrte die Speisekarte vor ihr an. Das Essen sah unglaublich aus. Jedes Gericht war in köstlichen Details und mit einem empfohlenen Wein beschrieben. Und es waren keine Preise zu sehen. Sie wusste, dass wenn man danach fragen musste, es zu viel kostete. Sie legte die Karte auf den Tisch und sah zu Draco, der sie aufmerksam musterte.

„Alles okay?", erkundigte er sich.

„Ich fühle mich – lächerlich."

„Warum?"

„Dieser – dieser Raum! Er ist so… so piekfein und wirklich zu vornehm für mein Blut und ich fühle mich ziemlich fehl am Platz, um ehrlich zu sein", zischte sie in dem Versuch, nicht zu laut zu sein, auch wenn ihr Herz in ihrer Brust trommelte.

Er runzelte die Stirn. „Das ist ein nettes Restaurant, Granger. Genieß es."

Sie funkelte ihn an. „Ich bin überrascht, dass sie mich überhaupt hereingelassen haben, ohne die erforderliche Millionen- Dekoration."

„Wovon redest du da? Es gibt hier keine Erfordernisse."

„Hast du dich hier umgeschaut?" Sie deutete zu dem Tisch, der ihnen am nächsten stand. „Sieh nur. Der Ring von der Frau kostet wahrscheinlich mehr als alles Geld, das ich jemals in drei Leben verdienen könnte." Sie sah zum nächsten Tisch. „Und ihre Kette glitzert so sehr, dass es schon in den Augen wehtut. Ich brauche eine Sonnenbrille."

„Du brauchst was?", fragte er stirnrunzelnd.

„Egal. Was ich meine, ist, dass ich nicht hierhergehöre."

„Warum nicht?"

„Bitte, Malfoy, müssen wir das wirklich ausdiskutieren?"

„Hermine, du gehörst genauso hierher wie jede andere Person hier. In Wirklichkeit bist du wahrscheinlich viel hübscher und viel weniger langweilig als sie alle zusammen. Lass dich nicht von äußerem Aussehen in die Irre führen."

Sie verschränkte die Arme und sah ihn weiter finster an, während sie das angenehme Gefühl unterdrückte, das bei seinem Gebrauch ihres Vornamens in ihr aufgekeimt war. „Du hast leicht reden."

„Was soll das denn heißen?"

„Nichts." Sie hielt inne. „Nur du kommst hier offensichtlich häufig her. Du gehörst hierher. Ich nicht."

„Und warum nicht? Weil du nicht in glänzenden Sachen gewickelt bist? Du bist ohne das alles bezaubernder als sie jemals mit allen Juwelen der Welt sein könnten. Lass dich nicht von Leuten einschüchtern, die nicht besser sind als du, auch wenn sie mehr Geld haben. Sie sind im Augenblick alle neidisch auf dich, sei dir dessen gewiss. Alte, reiche Frauen lieben es, über andere Leute herzuziehen. Dadurch fühlen sie sich wichtig."

Hermine konnte ihn über das Dröhnen in ihren Ohren kaum hören. Er hatte gerade gesagt, dass sie bezaubernd war. Und sie wusste, auch wenn sie noch nie ein Kompliment von seinen Lippen gehört hatte, auch wenn sie nicht sicher gewesen war, ob er überhaupt zu einem netten Gedanken über eine andere Person fähig war, dass er es ernst meinte. Sie war sprachlos.

„Bitte entspann dich. Wirf einen Blick auf die Speisekarte und such dir etwas aus."

Sie gehorchte, zu verblüfft, um zu widersprechen. Der Kellner näherte sich und brachte den Wein. Er goss ihnen beiden ein Glas ein und stellte die Flasche in einen Eiskübel.

„Haben Sie sich entschieden, Sir?"

„Ja. Ich nehme die Ente." Draco reichte dem Kellner die Karte und sie sahen beide Hermine an.

„Das Lachsfilet bitte", sagte sie und gab ihm ebenfalls ihre Karte.

Der Kellner nickte und ging. Hermine holte mehrmals tief Luft, um ihr Herz zu beruhigen. Sie fühlte sich etwas besser. Draco hatte Recht, Geld bedeutete nichts. Sie wusste das, hatte es immer gewusst, doch als sie realisiert hatte, wie nahtlos er hineinpasste, war ihr unbehaglich geworden. Versteckt in ihrer eigenen kleinen Welt, war es so leicht zu vergessen, dass er in eine gänzlich andere Welt gehörte. Als sie darüber nachdachte, ging ihr auf, dass er selbst es ihr leicht zu vergessen machte. Er stellte sich nicht mit dem, das er besaß, zur Schau und benahm sich nicht wie ein verwöhnter reicher Junge. Tatsächlich schien er seinen Reichtum herunterzuspielen und zog es vor, in einem bescheidenen Haus auf einem Kliff zu wohnen.

„Sie kennen dich hier, als jemand anderen."

Er zuckte die Achseln. „Ja. Ich muss mich ernähren, oder nicht?"

Sie schwieg.

Genau in diesem Augenblick ertönte eine dritte, unerwartete Stimme.

„Sarah?" Zuerst registrierte Hermine gar nicht, dass die Stimme sie ansprach. „Sarah!", wiederholte sie, diesmal viel näher. Hermine sah zu Draco, der sie mit erhobener Augenbraue anschaute.

Nach einem Augenblick stand die Quelle der Stimme an ihrem Tisch. Es war David Watts. Hermine stieß einen Atem der Erleichterung aus und stand auf.

„David, hallo", sagte sie und umarmte ihn rasch.

„Wow, du siehst – umwerfend aus."

Sie errötete leicht. „Was machst du denn hier?", fragte sie.

„Oh, meine Eltern leben in Perth." Er scharrte mit seinem Fuß auf dem Boden herum und lächelte verlegen. „Es klingt vielleicht albern, aber jedes Jahr am Valentinstag komme ich hierher, um sie zum Essen auszuführen. Ich habe es schon jahrelang getan und wenn ich jemals jemanden finde, mit dem ich lieber den Abend verbringen möchte, werden sie mich vermutlich enterben", sagte er und schaute sie bedeutsam an. „Und was machst du hier?"

„Oh, ich esse", sagte sie und trat sich innerlich gleich darauf dafür, dass sie so dumm klang. Natürlich war sie zum Essen hier.

„Nein, ich meine in Perth."

„Immer noch nur zum Essen."

Draco räusperte sich. David und Hermine sahen zu ihm. Draco stand auf und streckte seine Hand aus.

„Andrew Greene."

David schüttelte ihm die Hand. „David Watts, schön Sie kennen zu lernen."

„Ebenfalls. Woher kennen Sie Sarah?"

David sah wieder zu Hermine. Eine Spur von Eifersucht war deutlich auf seinen Gesichtszügen zu sehen. „Sie hat ein wenig Zeit mit mir im Krankenhaus in London verbracht. Sie ist sehr klug."

Hermine lächelte und verfiel wieder in die Schauspielerei, die sie im Krankenhaus betrieben hatte. „Ach komm, es war so eine faszinierende Umgebung. Ich konnte gar nicht anders, als von allem gefesselt zu sein."

David wirkte ein wenig gequält. Er lächelte Draco an. „Das ist also der Grund, warum du mich abgewiesen hast, oder?" Dracos Aufmerksamkeit schoss zu Hermine, die unglücklich über die Richtung aussah, die das Gespräch genommen hatte.

„Was? Oh nein, Andrew und ich sind, äh…" Was? „… Freunde?", sagte sie, leicht unsicher, ob das der Wahrheit entsprach. Waren sie Freunde? Oder nur Bekannte mit einem gemeinsamen Ziel, die im selben Haus wohnten. Sie glaubte nicht, dass diese Antwort sie beide erfreuen würde.

Dracos Miene kniff sich zusammen, während Davids sich ein wenig entspannte. Und er fuhr fort, als hätte Draco sie nicht unterbrochen. „Tja, es ist toll, dich wiederzusehen. Du solltest wirklich zum Krankenhaus zurückkommen. Wenn du jemals eine Arbeit suchst, werde ich ein gutes Wort für dich einlegen."

Sie lächelte. „Danke, ich werde daran denken."

David nahm Hermines Hand und küsste sie. „Sorg dafür, dass er dich anständig behandelt, Sarah." Sie nickte nur und David ging davon.

Hermine setzte sich und nahm einen großen Schluck aus ihrem Weinglas. Sie konnte Dracos Augen auf sich brennen spüren, doch sie wollte seinem Blick noch nicht begegnen. Sie schaute stattdessen auf den Ozean hinaus. Er sah genauso aus wie derjenige, den sie so liebte, doch er war nicht ganz so stürmisch.

„Granger", knurrte er.

Sie schaute ihn endlich an. Für einen Augenblick sah sie etwas in seinen Augen – etwas Grobes und Wütendes – und dann war es verschwunden. Die Mauer hatte sich wieder aufgebaut. Doch sie war… verblüffend, fast beängstigend in ihrer Intensität. Der Wechsel seiner Stimmung war so dramatisch, dass sie seinem Blick nicht standhalten konnte. „Ja?"

„Klär mich auf."

Sie zuckte die Achseln. „Er ist der Heiler, mit dem ich zusammengearbeitet habe."

Er verdrehte die Augen. „So viel habe ich auch schon ausgeknobelt, danke. Er schien ein bisschen mehr interessiert an dir als an einer Schülerin."

Sie schluckte. „Ja. Diesen Eindruck hatte ich auch."

„Du hast ihn abgewiesen?"

„Er hat mich eingeladen, mit ihm auszugehen."

„Also bist du nicht gegangen."

„Doch, bin ich."

Draco fühlte sich, als flöge er mit hundert Stundenkilometern und würde dann mit einem Riesenhaken um den Bauch zurückgerissen. Es war furchtbar unangenehm.

„Und?"

„Und ich habe ihm gesagt, dass ich zu jung für etwas Ernstes sei. Ich war doch angeblich frisch aus Hogwarts."

„Das ist alles?"

„Ja. Was willst du denn noch hören?"

Er wollte mit Sicherheit keine weiteren Details ihres Dates hören. Deshalb konzentrierte er sich auf den Teil, der sie wieder in einen Streit verwickeln würden, so dass er wieder auf vertrauterem Boden war. Diese Eifersucht war mehr, als er erwartet hatte.

„Ihr seid zu einem Date ausgegangen."

Sie holte tief Luft. „Ja, so in der Art. Aber raste nicht aus. Wir haben im Krankenhaus zu

Abend gegessen. Ich habe ihm gesagt, dass ich nirgendwo hingehen dürfe als dorthin."

„Wie süß. Abendessen zu zweit an einem Krankenhausbett", höhnte er. In seiner Stimme schwang mehr Boshaftigkeit mit als er beabsichtigt hatte.

„Es war nichts."

In diesem Augenblick wurde ihnen das Essen gebracht.

Sah nicht nach nichts aus, dachte Draco innerlich.

Fast zehn Minuten lang sprach keiner von ihnen. Hermine konzentrierte sich darauf, darüber nachzudenken, was für ein ungeheuerlicher Trottel Malfoy war.

Dracos Gedanken traten jedoch einen ganz anderen Pfad an. Er dachte an den Heiler und daran, wie er Hermine angesehen hatte. Naja, in Wirklichkeit Sarah. Den Mann hatte es offensichtlich schlimm erwischt. Und er war gut. Um Merlins Willen, er hat seine Eltern zum Essen ausgeführt! Das buchstabierte förmlich G-U-T. Gut. Er dachte einen Moment darüber nach. Gut.

Hermine verdiente jemanden Gutes. Jemand, der sie mit Rosen überschüttete und so weiter, ihr immer nette Dinge sagte und sein Leben damit verbrachte, sie ewig zu vergöttern und zu lieben.

In anderen Worten: jemand anderes als er. Obwohl er sich gut vorstellen konnte, sie ewig zu lieben. Eine Erkenntnis, die ihn durch und durch erschütterte.

Ein weiterer Gedanke ging ihm auf und er schaute durch den Raum zu einem Tisch, an dem er vor kurzem gespeist hatte. Stücke der Erinnerung, die nun so klar wie Kristall waren, spielten sich in seinem Geist ab: Jane lachte über einen Witz, den er erzählt hatte. Steve zog seine Brieftasche heraus und machte eine übertriebene Show daraus, die Rechnung übernehmen zu wollen, obwohl sie alle wussten, dass Draco bezahlen würde. Er hatte sie mehrmals hierher mitgenommen.

Ihn durchfuhr ein unangenehmer Ruck, als er realisierte, was er gerade gedacht hatte. David hatte seine Eltern hierher gebracht und er hatte ihre hergebracht, die beiden Menschen, die er mehr schätzte als alle anderen auf der Welt. Er hatte es getan, weil sie ihnen aufrichtig am Herzen lag und er es ihnen zeigen wollte, wie auch David es für seine Eltern getan hatte. Er hatte Davids Tat mit eigener Güte beglichen, nur um zu realisieren, dass da er genau das Gleiche getan hatte, dieselbe Schlussfolgerung über ihn gezogen werden konnte.

Er runzelte die Stirn. Er hatte sich noch nie als gut betrachtet, nicht ein Mal. Selbst bei allem, das er mit Harry unternahm, allem, das er für Hermine getan hatte, war es nicht aus irgendeinem Sinn für Güte heraus geschehen, die er in sich selbst spürte. Es hatte als Selbsterhaltung angefangen und obwohl es zu einem großen Teil dabei geblieben war, hatte ein Teil davon sich zweifellos zu… etwas anderem entwickelt. Er sorgte sich aufrichtig um Hermine und wollte sie sicher durch diesen Krieg lotsen, zu einem Leben frei von Furcht vor Voldemort.

Er… liebte sie. Eine Erkenntnis, die ihm immer noch Angst einjagte. Er hatte angenommen, dass er niemals erleben würde, was Liebe wirklich war. Die Fürsorge der Grangers hatte begonnen, die Schichten des Verfalls abzustreifen, und Hermine – die Sorge um sie – hatte den Rest getan. Doch er hatte ebenfalls realisiert, dass er sein Leben möglicherweise damit verbringen könnte, sie zu lieben, etwas ganz anderes als sie zu vergöttern. Um sie zu lieben, würde er ein Teil ihres Lebens sein müssen.

Die Eisenbahn der Eifersucht verlangsamte sich zu einem Kriechen. Dieser Wahnsinn würde ihn nirgendwohin bringen. Er konnte sich immer noch nicht vorstellen, wirklich mit Hermine zusammen zu sein, selbst wenn er es mehr wollte als alles andere in der Welt. Es war nicht richtig. Jemand wie er sollte niemals mit jemandem wie ihr zusammen sein. Als er diesen Gedanken abermals akzeptierte, spürte er, wie sich langsam eine taube Ruhe auf sein Herz legte.

Es war unmöglich, dass Draco Malfoy, widerlich reicher und arroganter Reinblüter, Traum jeder Hexe, gut genug für Hermine Granger, Besserwisserin, Schlammblut, war. Er lachte voller Bitterkeit über die Ironie.

Endlich durchbrach er die Stille. „Du solltest mit ihm ausgehen."

Hermine legte ihre Gabel etwas zu laut auf den Teller. „Malfoy, bitte sag mir, dass du nicht anfängst, auch mein persönliches Leben bestimmen zu wollen", zischte sie.

„Nein, ich habe gerade darüber nachgedacht. Er wirkt nett."

Sie starrte ihn ungläubig an.

„Ich bin mit ihm ausgegangen."

„Ich weiß. Ich meinte noch mal."

„Willst du mich dazu drängen?", fragte sie bissig. „Willst du mir erzählen, dass es gut für deine Mission ist?"

Draco war ehrlich verwirrt. Es hatte auf ihn gewirkt, als würde Hermine ein wenig auf den Kerl stehen. Er hatte geglaubt, dass sie sich auf die Chance stürzen würde, ihn noch mal zu sehen.

„Nein, ich dachte nur, du würdest es wollen."

Dieser Kerl hatte einen kompletten Sinneswandel durchlaufen. „Tja, da hast du falsch gedacht."

„Wirklich?", fragte er, ehrlich überrascht.

„Wirklich. Wenn ich ihn wiedersehen wollte, würde ich es tun. Ich habe sicher nicht auf deine Erlaubnis gewartet."

„Aber warum nicht? Er sieht gut aus, ist nett, offensichtlich wohlhabend – was kann man daran nicht mögen?"

Hermine starrte ihn nur an. Erst vor wenigen Augenblicken hatte er bereit gewirkt, sie mitten im Restaurant darüber anzubrüllen, dass sie sich mit David getroffen hatte – und jetzt ermutigte er sie beinahe, mit ihm auszugehen. In all ihrer Zeit, die sie mit ihm zusammengelebt hatte, war er nur lächerlich beschützerisch gewesen und hatte an Eifersucht gegrenzt, wenn sie andere Sachen mit anderen Menschen unternahm. So wie er noch vor Sekunden ausgesehen hatte, als er verlangte, dass sie ihn über David aufklärte… hatte er tatsächlich eifersüchtig gewirkt. Doch das war absurd… oder nicht? Sie suchte seinen Blick und fand jetzt nur ehrliche Neugier, doch sie konnte das nagende Gefühl nicht abschütteln, dass da noch etwas vor sich ging.

„Wenn du es wissen musst, da war keine Magie."

Er blinzelte. Huch. „Wir reden hier von der Art ohne Zauberstab und Zaubersprüche, richtig?"

„Ja."

Huch. Mit so etwas hatte er nicht einmal im Ansatz gerechnet. Dann zog sein Magen sich zusammen und die Dampfmaschine erwachte dröhnend wieder zum Leben. Magie. Berührung.

„Also hat er dich berührt?"

Sie runzelte die Stirn. „Was?"

„Dieses – Magie- Zeug. Man muss sich doch berühren, um es zu fühlen."

„Oh", sagte sie und fühlte sich unbehaglich. „Naja, nein." Jetzt war er völlig verwirrt und sie konnte es ihm ansehen. „Es gibt andere Wege, die Magie zu spüren, Malfoy."

„Ich verstehe. Was denn zum Beispiel?"

„Über die Sinne größtenteils. Zum Beispiel der Anblick. Nur der Anblick dieser bestimmten Person kann dir mitten im Juli Schauer über den Rücken jagen." Und dann schob sich in ihren Kopf, wie sie sich fühlte, als sie ihn gesehen hatte, nachdem er gerade aufgewacht war – der schläfrige Malfoy. Sie hatte ihn nur ein oder zwei Mal so gesehen, doch das träge Grinsen, das er getragen hatte, war in ihre Erinnerung gebrannt. Sie schauerte, nur ein bisschen, hoffentlich unbemerkt von ihm.

„Oder es geht auch über Klänge", fuhr sie fort. „Der Klang von der Stimme der Person oder allein wie sie deinen Namen ausspricht." Hermine. Sie konnte an beiden Händen die Male abzählen, die er sie bei ihrem Vornamen genannt hatte. Und jedes Mal hatte sie einen Rausch gespürt, wie eine Welle, die gegen ein Kliff krachte.

„Und es geht über Gerüche. Vielleicht riecht die Person auf eine bestimmte Weise und jedes Mal, wenn du es riechst, erinnerst du dich an sie und an die Gefühle, die du das letzte Mal gespürt hast, da du den Geruch wahrgenommen hast." Sie errötete, als er sie neugierig ansah. Ihre Gedanken schweiften zu den Empfindungen, die sie jedes Mal hatte, wenn sie mit seinem Umhang auf ihr erwachte. Sie hatte sich allmählich daran gewöhnt, beinahe jeden Morgen seinen Duft einzuatmen.

Oh nein, ich fürchte, mich hat es schlimm erwischt, dachte sie mit Grauen.

Draco starrte sie nur an. „Oh." Er schaute auf seine halb aufgegessene Mahlzeit hinunter und nahm einen Bissen. „Und was ist mit Geschmack?"

„Man kann eine Person nicht schmecken, Malfoy", sagte sie in dem Versuch, ihre Stimme ruhig zu halten.

„Sicher kann man. Beim Küssen."

„Küssen ist Berührung."

Er feixte. „Nicht, wenn es Französisch ist."

Hermine schoss das Blut ins Gesicht und sie nahm noch einen Schluck Wein. Draco konnte nicht anders, als die Farbe, die Hermines Wangen erfüllt hatte, und das Glänzen in ihren Augen zu bemerken. Ein kleines Bisschen männlicher Stolz blubberte in seiner Brust auf, als er realisierte, dass er diese Wirkung auf sie hatte. Er wusste bereits, dass sie so auf ihn wirkte.

„Hey, mach mal halblang! Ich will dich nicht zurückschleppen und dir den Kopf halten müssen, während du dich auskotzt, weil du sturzbesoffen bist."

Sie funkelte ihn an. „Ich kann es vertragen."

„Wenn du das sagst", erwiderte er, dankbar für die Rückkehr auf vertrauten Boden. Er wusste, dass es nicht lange andauern und er bald wieder unter die Oberfläche gedrückt werden würde. Und trotz seines Widerwillens, ihre Antwort zu hören, fragte er weiter, was er wissen wollte.

„Welcher Sinn hat dich dann im Stich gelassen?", erkundigte er sich in dem Versuch, unbeteiligt zu klingen.

„Tja, ich finde Anblick höchst unzuverlässig. Du kannst jemanden attraktiv finden, aber dann macht er den Mund auf und du findest heraus, dass er ein Idiot ist, und die Anziehungskraft lässt ziemlich rasch nach."

„Wirklich?", sagte Draco, wieder ehrlich interessiert.

„Oh ja. Das ist ein Grund, warum ich versucht habe, Viktor vom Sprechen abzuhalten." Sie lächelte in sich hinein. „Hat aber leider nicht funktioniert."

Viktor Krum. Igitt.

„Und Klang und Geruch sind so unbeständig. Ich stütze mich wirklich nur auf Berührung."

„Das bringt uns zu meiner ursprünglichen Frage. Er hat dich also berührt?"

„Ja. Hat er." Sie hatte nicht die Absicht, ihm die Details zu nennen.

„Oh. Und keine Magie."

„Keine Magie. Und man kann sie nicht erzwingen. Man kann Magie nicht dazu zwingen zu existieren." Sie dachte an Ron. „Genauso wie man sie nicht dazu zwingen kann zu verschwinden." Sie sagte diesen letzten Teil, um sich selbst daran zu erinnern, dass sie nichts dagegen tun konnte, wie sie für ihn empfand. Sie würde es einfach ausbaden müssen und hoffentlich noch in einem Stück sein, wenn sie auf der anderen Seite ankam.

Der Rest des Essens war ereignislos. Hermine nahm ihren letzten Bissen Fisch und seufzte. „Das war zu köstlich."

Draco lächelte. Ein echtes Lächeln. „Freut mich, dass es dir geschmeckt hat. Möchtest du noch einen Nachtisch?"

Hermine lachte. „Nein, danke. Auf mich wartet Eiscreme zu Hause."

Draco blinzelte, als er registrierte, was sie gesagt hatte: zu Hause. Er brachte es natürlich nicht zur Sprache. Es hatte wahrscheinlich nichts zu bedeuten.

„In Ordnung, ich rufe den Kellner", sagte er. Draco bezahlte für das Essen und dann standen sie beide auf und verließen das Restaurant. Sobald sie draußen waren, seufzte Hermine wieder schwer.

„Alles okay?", erkundigte er sich.

„Ja. Das war – interessant. Können wir jetzt zurückgehen?"

„Natürlich."

Sie disapparierten beide.

Als sie am Haus waren, öffnete Draco die Tür und ließ sie zuerst hinein. Sobald sie wieder im Salon waren, verwandelten sie sich zurück und Draco stockte wieder der Atem von Hermine.

Sie lächelte ihn leicht an. „Danke für das Abendessen. Es ist besser gelaufen als letztes Mal."

Er nickte, konnte aber nichts sagen, immer noch sprachlos. Er fand, dass sie noch nie so schön gewesen war, und es lag nicht an dem schicken Umhang, dem hübschen Kleid oder sogar an ihrem Haar, das wieder außer Kontrolle war. Es gab keinen Teil von ihr, der herausragte und signalisierte, dass sie reizend war. Alles in allem schrie es jeden Nerv, jede Zelle in seinem Körper laut an. Es war… Hermine selbst, alles, das sie zu der machte, die sie war, die er so unsagbar attraktiv fand. Es war erschreckend zu realisieren, dass er sich gerade noch einmal Hals über Kopf in sie verliebt hatte.

Sie drehte sich langsam von ihm weg und nahm ihren Platz auf dem Sofa zwischen den Haufen vergessener Taschentücher wieder ein. Draco verzog leicht das Gesicht, als sie sich auf das Kleid setzte. Doch dann lächelte er bei dem Gedanken, wie schön es war, dass sie sich nicht darum scherte, es perfekt halten.

Draco ging in sein Zimmer und wechselte in verblichene Jeans und ein altes Slytherin- T- Shirt. Er lungerte eine halbe Stunde lang in seinem Zimmer herum und konnte dann dem Verlangen nicht mehr widerstehen, sich im selben Raum wie Hermine aufzuhalten.

Sie saß immer noch da und starrte den Bildschirm an, Eiscreme in der Hand. Wenn sie nicht das saphirblaue Kleid getragen hätte, hätte er nicht gewusst, dass sie sich an diesem Abend überhaupt vom Fleck bewegt hatte.

Er trat in den Raum und fegte die Taschentücher mit angewidertem Blick mit seinem Zauberstab zur Seite. Dann setzte er sich auf den Rand des Sofas. Hermine spürte Hunderte winziger Schmetterlinge in ihrem Bauch bei seiner Nähe und fragte sich, seit wann sie seine Anwesenheit so bewusst wahrnahm.

„Was ist das für ein Film?", wollte er wissen.

Stolz und Vorurteil." Er schaute sich ein paar Minuten lang den Film an, während er sie beobachtete, und machte es sich dann bequemer.

„Granger, gib mir mal das Eis rüber."

Sie drehte sich zu ihm und ihr stockte der Atem. Er sah wirklich gut aus in den Muggle- Klamotten und mit seinem leicht zerzausten Haar. Sie grinste und reichte es ihm. „Wir haben nur einen Löffel", warnte sie und wandte sich dann wieder zum Fernseher zurück.

Draco sah den Löffel an, zuckte die Achseln und nahm einen großen Bissen. Er sah Hermine lächeln.

Harry kam zwei Stunden später nach Hause und fand seine Hausgenossen im Salon sitzen. Der Fernseher war kaum zu hören und die wechselnden Szenen boten ein flackerndes Licht. Leere Eispackungen bedeckten den Boden. Hermine lag schlafend auf dem Sofa, die Füße an einem Ende und ihr Kopf neben Draco, der am anderen Ende saß.

Harry sah zum Bildschirm und runzelte die Stirn, als er sah, dass Draco von einem Film gefesselt war, den er als Mädchenfilm erkannte.

„Hey", flüsterte Harry. Er trat in den Raum und setzte sich in einen Sessel neben dem Sofa. Erst da bemerkte er, dass Hermine eine ihrer Roben von Malfoy trug, ein schwarzes Kleid, und dass schwarze Schuhe am Fuß des Sofas lagen.

„Hey", sagte Draco und sah Harry an.

„Was ist das?", fragte Harry und deutete auf den Film.

„Äh, wie hat sie es genannt? Stolz und Vorurteil, glaube ich."

Harry kräuselte die Nase. „Wie kannst du nur diesen Müll schauen?"

„Es ist eigentlich echt gut, Potter."

„Wenn du meinst." Harry betrachtete Hermine. Sie sah so friedlich aus, dass es ihn schmerzte zu denken, was vor ihr lag, was vor ihnen allen lag. „Sie ist wunderschön."

Draco schaute sie ebenfalls an und ohne nachzudenken sagte er: „Ja, das ist sie."

Harry riss die Augen auf und feixte. „Aha!"

Draco wandte seinen Blick zu Harry. „Was?"

„Du hast gerade zugestimmt, dass sie wunderschön ist!"

„Na und? Ich bin nicht blind, weißt du." Draco war wütend, dass er so sorglos seine Gedanken ausgesprochen hatte.

„Und was ist heute Abend passiert?", fragte Harry. Er grinste breit und es führte nur dazu, Draco noch weiter zu erzürnen.

„Was meinst du?"

„Naja, als ich heute Morgen losgegangen bin, hat sie mir versichert, dass sie den ganzen Tag in ihrem Pyjama stecken würde. Und das ist jetzt offensichtlich nicht mehr der Fall."

Draco überlegte, wie er die Antwort formulieren sollte. „Ich habe mich geweigert, Eiscreme zu Abend zu essen. Sie ist mitgekommen."

„Also seid ihr ausgegangen?"

„Wir sind essen gegangen."

„Wo?"

„Was macht es schon, wo?" Harrys Grinsen fing ihm an auf die Nerven zu gehen.

„War es ein Date?"

„Nein!", sagte Draco viel lauter als er beabsichtigt hatte. Hermine regte sich, wachte aber nicht auf. Zumindest glaubten sie es.

„Shh!", wies Harry zurecht. „Weck sie nicht auf!"

„Wenn du aufhören würdest, lächerliche Fragen zu stellen, würde ich es nicht tun!"

„Du bist doch derjenige, der sich von ihnen aufregen lässt und laut ist."

Draco funkelte ihn an. „Es war kein Date."

„Was war es dann?"

„Abendessen."

„Abendessen an welchem Tag?"

„Der Tag ist belanglos. Sie wollte mich dazu bringen, Eis zu essen."

„Sieht so aus, als hättest du sowieso welches gegessen."

„Nachtisch."

„Ah. Natürlich. Und Stolz und Vorurteil, der letzte Mädchen- Müll."

Draco verdrehte die Augen. „Potter, hör auf damit."

„Du hast gesagt, dass sie wunderschön ist."

„Nein, du hast es gesagt. Ich habe zugestimmt. Das ist etwas anderes."

„Nicht wirklich. Du findest sie trotzdem wunderschön."

„Du wirst es morgen so zurückbekommen, Harry."

„Was wirst du tun?"

Draco grinste spitzbübisch. „Du wirst schon sehen. Lass uns einfach sagen, es wird anders sein als jede andere Trainingsstunde, die wir je hatten."

„Oh, da hab ich aber Angst."

„Solltest du auch."

„Tue ich aber nicht, Malfoy. Ich meine, du wirst weich! Stolz und Vorurteil?"

„Er ist gut, nicht dass du irgendwas davon verstehst."

Harry verdrehte die Augen. „Ach komm schon, Malfoy. Du hast mir schon seit langem keine Angst mehr machen können."

„Aber ich habe dir einmal Angst gemacht. Behalte das in Erinnerung. Präge es dir ein."

Harry stand auf und lief zur Zimmertür. „Kann es kaum erwarten, den angsteinflößenden Malfoy morgen wiederzusehen! Es wird wie in den guten, alten Zeiten sein!"

Draco verdrehte die Augen und fuhr mit dem Film fort.

Hermine war tatsächlich aufgeweckt worden, als Draco Harry angebrüllt hatte. Sie lag still da, gleichmäßig atmend, und lauschte ihrem Streitgespräch. Sie hörte ihn sagen, dass er sie schön fand. Oder zugestimmt hatte. Wie auch immer. Als sie sich sein Kompliment von vorhin in Erinnerung rief, hatte Hermine das Gefühl, dass sie schwebte. Harry verließ bald darauf das Zimmer und Hermine sah ein paar Minuten lang den Film mit Draco, bevor sie wieder einschlief, ein breites Lächeln auf dem Gesicht.


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