Muschen: Jepp, die Stelle hat sich einfach total angeboten, um mittendrin abzubrechen und euch etwas schmoren zu lassen.
Gut, dann keine Mary-Sue. Das freut mich umso mehr, wenn meine Hauptdarstellerin sympathisch aber trotzdem menschlich ist. Denn bitte! Wer will schon von einem Weibsbild lesen, dass einen selbst ohne die geringsten Schwierigkeiten in den Schatten stellt und alle Aufmerksamkeit auf sich zieht? ;)
Nuit: Ja, so ab und an ein Cliffhanger erhöht die Spannung. ;) Ich weiß, es ist ein bisschen fies, aber die Stelle hat sich nun geradezu dafür aufgedrängt. ;)
Orks in den Kellern... Joah, wirst Du ja dann gleich lesen, was da so ein Scream-Potenzial hat.
Ob Erestor allerdings Pluspunkte sammeln kann, müssen wir dann erstmal sehen. Zumindest wohl nicht auf den ersten Blick. Abwarten. ;)
LG
Tami
Nim war auf ihren 1,20 Meter langen Beinen natürlich bedeutend schneller und so verlor ich sie kurz darauf aus den Augen. Irgendwann brachen die Schreie unvermittelt ab und dann war es lediglich der Schein ihrer Fackel, der mir die ungefähre Richtung vorgab, in die ich laufen musste.
Als ich sie endlich einholte, wünschte ich mir, ich hätte sie gar nicht erst gefunden. Nim war abrupt im Eingang einer kleinen Grotte stehen geblieben, so dass ich ihr mit meiner brennenden Fackel fast in den Rücken lief.
„Nim, was.." Weiter kam ich nicht, denn meine Freundin schwankte etwas zur Seite und mir bot sich ein einwandfreier Blick auf das ganze grausige Schauspiel.
Ich hatte bisher noch keinen Ork live und in Farbe zu Gesicht bekommen. Diese Bildungslücke wurde augenblicklich geschlossen. Nur wenige Schritte von uns entfernt stand eine Gestalt mit ledriger, grauschwarzer Haut, klauenartigen Händen und spitzen Zähnen. Von seinem Kinn tropfte eine rote, dickliche Flüssigkeit, von der mir schnell klar wurde, dass es sich um Blut handeln musste. Ebenso klar wurde mir gleich darauf, dass das hier kein normaler Ork sein konnte, da er bedeutend größer war als ich.
Mit einem würgenden Laut wich ich vor dem Uruk zurück, denn nichts anderes konnte es sein. Mein Blick fiel auf etwas, das hinter ihm lag. Ein Bündel mit verdrehten Gliedmaßen, die Kleider in Fetzen gerissen und mit Blut besudelt. Nur die rabenschwarzen Haare zeugten noch davon, dass dieses Etwas einmal Silwen gewesen war. So absurd es scheint, ich war in diesem Moment froh, dass ich ihr Gesicht nicht sehen konnte.
Nimriel hielt auf ihrem Posten unverdrossen stand, doch ich konnte nicht sagen, ob es der Schock war, der sie lähmte oder ihr Willen sie so stark machte, sich dem Uruk entgegen zu stellen. Der bleckte jetzt die Zähne und ließ ein Grinsen sehen, als er langsam, mit unpassend vorsichtigen Schritten, auf uns zukam.
Für einen Moment war ich versucht, einfach mein Heil in der Flucht zu suchen, doch weder konnte ich Nim hier allein lassen, noch wäre ich mit meinen zitternden Beinen besonders weit gekommen. Mit großer Anstrengung rang ich das Panikgefühl, das in mir aufstieg, nieder und trat wieder einen Schritt nach vorn, so dass ich neben der blonden Elbenfrau stand. Ich wagte einen Blick in ihr Gesicht und sah, dass sowohl Angst als auch Entschlossenheit darin um die Vorherrschaft rangen. Und irgendwie gab mir die Gewissheit, dass auch Nim zu kämpfen hatte, die Kraft, die ich brauchte, um nicht doch noch Hals über Kopf davon zu stürzen. Ich griff nach ihrer eiskalten Hand und gemeinsam machten wir einen weiteren Schritt auf den Uruk zu.
Mit einem Mal bekam der Orkauflauf vor Bruchtal einen Sinn. Diese Biester hatten sich dort gesammelt, um die Aufmerksamkeit der Elben auf sich zu ziehen, während einer oder vielleicht auch mehrere, wer konnte das schon wissen, einen Weg nach Bruchtal hinein suchten. Aber zu welchem Zweck? Selbst diese tumben Viecher mussten wissen, dass die Elben sie im Null Komma Nichts nieder machen würden!
Es sei denn, kam mir in den Sinn, sie konnten sie überraschen. Dort erwischen, wo niemand mit ihrem Auftauchen rechnete. Zum Beispiel in Bruchtals Küche. Bevor auch nur einer der Krieger, die das Haus schützten, bereit für einen Kampf wäre, konnten sie schon soviel Unglück angerichtet haben.
Ich kratzte all meinen Mut zusammen und nahm dieses Ding, halb Tier ,halb Mensch, wie es mir erschien, genauer in Augenschein. Groß, hässlich, gefährlich und ganz und gar in Kettenhemden gehüllt. Allerdings war nirgendwo ein Abzeichen zu erkennen.
„Interessant! Ich wollte schon immer mal wissen, wie SEIN Gezücht aussieht." sagte ich. Allerdings klang meine Stimme mit einem Mal piepsig und nicht im Mindesten beeindruckend. Das Vieh starrte mich an, dann wurde sein Grinsen noch breiter. Mit einem hässlichen Klirren seines Kettenhemdes kam er noch ein Stück auf uns zu. Nim stieß ihm ihre Fackel entgegen und er wich sogar ein Stück zurück, als plötzlich etwas geschah, was die ganze Sache noch schlimmer, noch grausamer machte.
Links und rechts vom Uruk gingen zwei weitere Gänge von der Grotte ab und dazwischen lag das, was von Silwen übrig war. Aus dem linken Gang, auf Nimriels Seite, erschien plötzlich ein kleiner Lichtschein. Wie von einer Kerze.
Und ich wusste, was das bedeutete. Die Eingebungen wurden stärker und noch bevor sie aus dem Gang auftauchte, wusste ich, dass es Alvariel war. So wie ich vorhin gewusst hatte, dass sie die Keller für ein tolles Versteck hielt, in dem Silwen sie lange suchen konnte. Naja, gut, vielleicht war es auch mehr logisches Denken als Eingebung. Wer sollte sonst noch hier unten rumlaufen?
„Nein, zurück Alvariel, verschwinde!" brüllte ich aus vollem Hals, aber da war es bereits zu spät. Ihr Blondschopf tauchte in dem Durchbruch auf und witternd drehte der Uruk seinen Kopf. Die Kleine lief noch ein paar Schritt weiter, bevor das fröhliche Lächeln langsam aus ihrem Gesicht rutschte. Sie blickte zu uns, zu dem Uruk, schließlich zu Silwens Leiche und selbst ihr dämmerte, was hier los war. Auch sie blieb wie angewurzelt stehen ohne einen Laut herauszubringen. Alvariel sah aus, als wollte sie schreien, könnte es aber nicht.
Der Uruk wandte sich jetzt von Nim und mir ab und machte einen Schritt auf Alvariel zu. „Elbenkind! Komm zu mir!" stieß er in einer seltsam schnarrenden Tonart hervor. Seine Stimme war rau und anscheinend versuchte er freundlich zu klingen. Eine sinnloses Unterfangen bei seinem Aussehen.
Ich hatte keine Ahnung, was wir jetzt tun sollten. Eigentlich blieb nur noch beten, dass das Ganze so endete wie Alvariels Bootsausflug. Dass Erestor und Glorfindel hier auftauchten, bevor noch Schlimmeres passieren konnte. Einstweilen waren wir aber allein und auf uns gestellt.
„Wir müssen ihn ablenken!" flüsterte ich verzweifelt und noch während ich es sagte, kam mir eine Idee. War ich nicht deswegen nach Mittelerde gebracht wurden? Um andere von dem abzulenken, was sie eigentlich wollten?
Nim drückte kurz meine Hand und bewegte sich dann parallel mit dem Uruk auf Alvariel zu. Sie streckte ihre Hand nach dem Kind aus. „Komm, Alvariel. Komm ganz langsam zu mir und halt die Kerze hoch. Es hat Angst vor Feuer!"
Der Uruk und Nim beäugten sich jetzt eingehend und ich fragte mich, was dieses Ding davon abhielt, uns einfach in Stücke zu reißen, wie er es mit Silwen gemacht hatte. Aber er war eine grausame Kreatur, geschaffen von einem noch viel grausameren Geist. Vielleicht machte es ihm Spaß, unsere Angst zu sehen. Vielleicht gab ihm das vielmehr als unser Tod. Wahrscheinlich spielte er nur mit uns, um dann unerwartet zuzuschlagen.
Unser einziges Ass, das wir im Ärmel hatten, war, dass Eryndis Erestor und Glorfindel schnellstmöglich dazu brachte, in die Keller zu kommen. Und bis dahin musste ich ihn irgendwie ablenken, damit Alvariel und Nim hier verschwinden konnten. Auch wenn ich daran zweifelte, dass das klappte.
„Wieso willst Du sie? Sie ist nur ein kleines Mädchen, Uruk. Viel zu uninteressant!" Na immerhin hatte ich meine gewohnte Stimmqualität wiedergefunden und meine Worte hallten in der kleinen Grotte von den Wänden zurück. Es klappte. Das Vieh drehte sich wieder zu mir um und nahm mich in Augenschein.
„Du bist nur ein sterbliches Weib. Du kommst zuerst dran. Und dann die beiden Leckerbissen da!" keifte er und Speichel rann aus seinem Mund.
Das waren allerdings keine guten Aussichten. Für einen Moment wurden mir die Knie weich und ich musste mich an der Felswand abstützen, damit ich nicht zu Boden ging. Dann begann ich mich langsam von Nim, die Alvariel fast erreicht hatte, wegzubewegen. Ich tastete mich an der Höhlenwand entlang Richtung Silwen und der Uruk folgte mir. So, dass er sich immer weiter von Nim und Alvariel wegbewegte. Das war gut und irgendwie auch nicht. Zumindest nicht für mich.
„Oh Gott, Du bist ja so ein Kretin!" Ich legte allen Snobismus, den ich im Moment aufbringen konnte in meine Stimme. „Aber Du weißt wohl kaum, was das bedeutet. Einerlei! Kannst Du nicht sehen, was ich wirklich bin? Wer ich bin? Wenn Du mich zu IHM bringen würdest, dann wäre Deine Belohnung mehr, als Du Dir vorstellen kannst. ER sucht schon so lange nach mir..." fabulierte ich vor mich hin, in der Hoffnung dass der Uruk diesen Unsinn glauben würde.
Nim hatte Alvariel erreicht, die immer noch stocksteif inmitten der Höhle stand und sich nicht rührte, während der Uruk jetzt mit dem Rücken zu dem Ausgang stand, durch den Nim und ich in diesen Nightmare in Rivendell gestolpert waren.
Das Vieh beäugte mich jetzt etwas genauer und ich fragte mich, was ich tun konnte, um meine These zu stützen. Denn wenn ich ehrlich war, trotz meines Maia-Blutes sah ich wie eine ganz durchschnittliche Sterbliche aus. Und genau zu dem Schluss schien das Ungeheuer auch zu kommen. „Wenn Du unbedingt willst, dann zu Dir später. Es wird ein Vergnügen sein, Dich dabei zusehen zu lassen." Bei jedem Wort rann ihm etwas rot gefärbter Speichel aus dem Mund.
Entsetzt sah ich, wie er plötzlich mit einem riesigen Satz auf Nimriel zusprang, die gerade Alvariel hochhob. Doch bevor er sie erreichen konnte, passierte etwas. Wie üblich passierte dieses Etwas viel zu schnell für meine sterblichen Augen. Anstatt auf der blonden Elbenfrau zu landen, schien irgendwas das Vieh aus der Bahn zu werfen. Es gab ein krachendes Geräusch, als er gegen die hintere Felswand schlug und für einen kurzen Augenblick herrschte ein ziemliches Durcheinander. Dann sah ich in dem Gewirr von Gliedmaßen etwas Weißes aufblitzen und mir wurde klar, was passiert war. Diesmal war Glorfindel als Erster zur Stelle gewesen.
Während ich erleichtert auf die Knie sank, zerrte Nim Alvariel in die relative Sicherheit des Eingangs und wenige Augenblicke später, war der ganze Spuk erst mal vorbei. Erestor und Elrond stürzten in die Grotte und irgendwie hatte Glorfindel es geschafft, das riesige Biest kampfunfähig zu machen.
Mit dem Lederband, dass seine Haare zusammengehalten hatte, fesselte Erestor den bewusstlosen Uruk die Klauen zusammen und murmelte dabei einige mir unverständliche Worte.
Glorfindel war natürlich sofort zu Nim und Alvariel gestürzt, die er kurzerhand einfach beide in seine Arme schloss und seiner Erleichterung Luft machte, dass ihnen nichts passiert war.
Lediglich Elrond, keine Ahnung, was der hier zu suchen hatte, ging zu Silwens Leiche und beugte sich über sie. Auch er murmelte einige Worte, dann zog er seine Robe aus und breitete sie über die tote Elbenfrau.
Anschließend kam er herüber zu mir, aber ich machte eine abwehrende Handbewegung. „Nichts passiert, mir ist nichts passiert. Ich bin nur halbtot vor Angst." brachte ich mühsam hervor. „Alvariel!"
Nach einem weiteren prüfenden Blick wandte Elrond sich tatsächlich von mir ab und ging zu Nim und dem Elbenkind hinüber. Sie und Glorfindel redeten auf die Kleine ein, doch die ließ keine Reaktion erkennen. Sie stand einfach nur da und starrte mit leerem Blick vor sich hin.
Ich war dermaßen in Sorge um meine Freundinnen, dass ich nicht mal bemerkte, dass ich selbst das Objekt von Erestors Interesse war. Er stand zwar immer noch einen Fuß breit neben dem niedergeschlagenen Uruk, aber dass er mich eindringlich musterte und keinen Augenblick aus den Augen ließ, fiel mir erst auf, nachdem Elrond Alvariel kurzerhand auf den Arm genommen hatte und sie von Nim gefolgt hinaus trug.
Auch ich rappelte mich nun langsam wieder auf und schaute erst zu Erestor und dann zu Glorfindel. „Was passiert jetzt mit diesem... Ding?" fragte ich und deutete mit dem Fuß auf den am Boden liegenden Uruk.
„Ich werde mich darum kümmern." antwortete Erestor leise, aber er schaute dabei Glorfindel an und nicht mich. „Und jetzt schaff sie hier raus!"
