26. Weihnachten, Valentinstag und ein Tagebuch

Endlich waren die Ferien da und es wurde still in der Schule. So still, aber auch nicht, denn Emily, Harry, Hermine und die Weasleys spielten endlose Runden Zaubererschnippschnapp oder übten sich im Duellieren. Emily perfektionierte ihren Kitzelfluch und nutze die Abende im leeren Gemeinschaftsraum um weiter für die Animagusverwandlung zu üben. Am Weihnachtsmorgen stürmten Emily und Hermine den Schlafsaal der Jungen. Bis auf Harry, Ron und Leo waren alle anderen nach Hause gefahren.

Hermine zog mit einem Ruck die Vorhänge zur Seite und Licht flutete durch das Zimmer. Emily schmiss sich auf das Bett von Harry und wünschte ihm fröhlich Frohe Weihnachten. Hermine berichtete im Flüsterton, dass der Vielsafttrank fertig war, und sie beschlossen, dass sie heute Abend den Versuch starten würden. Dann tauschten sie Geschenke aus, Leo hatte sich zu ihnen gesetzt.

Von Mrs Weasley gab es wieder einen Pullover, abermals in Rot mit einem goldenen E vorne drauf. Emily zog ihn an und die anderen brachen in lautes Lachen aus. Der Pullover war Emily zu lang und zu weit, doch Emily grinste nur glücklich. Es ging nichts über einen kuscheligen Pullover von Mrs Weasley.

Nach dem Auspacken der Geschenke gingen sie hinunter in die große Halle. Es gab wieder mal ein großes Weihnachtsessen und die Halle war festlich geschmückt. Sie sangen mit Dumbledore Weihnachtslieder, Hagrid war leicht beschwipst vom Eierpunsch und Fred und George hatten Percys Anstecker verzaubert. Nach dem dritten Nachschlag Weihnachtspudding winkte Hermine die anderen drei aus der Halle. Sie gingen noch mal den Plan für den Abend durch. Harry und Ron würden Crabbe und Goyle mit einem Schlafmittel betäuben und dann die Haare klauen.

„Was ist mit euch?", fragte Harry. „Wem rupft ihr die Haare aus?"

„Ich hab meines", sagte Hermine strahlend und zog ein Fläschchen aus der Tasche. „Wisst ihr noch wie Millicent sich in der Duellierstunde mit mir gekloppt hat? Das hat sie auf meinem Umhang hinterlassen, als sie versucht hat mich zu erwürgen! Und über Weihnachten ist sie nach Hause gefahren – also muss ich den Slytherins nur sagen, dass ich beschlossen habe zurückzukommen."

„Ich wollte eigentlich die Haare von Pansy Parkinson klauen", sagte Emily seufzend. „Aber leider hat das alles nicht so geklappt. Ich bin an Pansy gar nicht erst drangekommen, außerdem ist sie ebenfalls nach Hause gefahren und zwei Schülerinnen die plötzlich wieder gekommen, sind doch schon ein bisschen auffällig, oder? Also dachte ich mir nehme ich den Tarnumhang."

Harry nickte zustimmend und gab ihr den Tarnumhang, bevor er und Ron auszogen um sich die Haare von Crabbe und Goyle zu besorgen. Emily und Hermine gingen hinunter in die Mädchentoilette um die letzten Sachen vorzubereiten. Vorher stahlen sie aus der Wäschekammer noch ein paar Slytherinumhänge für die Jungen und Hermine. Kurze Zeit später tauchten die Jungen auf und quetschen sich mit in die Kabine.

„Habt ihr sie?", fragte Hermine außer Atem. Harry zeigte ihr die dunklen Haare von Goyle.

„Ich bin mir nicht sicher, ob wir alles richtig gemacht haben", sagte Hermine nervös. „Sieht genauso so aus wie im Buch beschrieben. Wir haben exakt eine Stunde Zeit, bis wir uns wieder in uns selbst verwandeln."

Sie teilten den Vielsafttrank in drei Gläser auf und fügten die Haare hinzu. Die Tränke schäumten und färbten sich um. Dann gingen Harry und Ron in eine andere Kabine, denn keiner der drei Slytherins konnte man als schlank bezeichnen und Emily blieb bei Hermine. Hermine schluckte den Trank und krümmte sich plötzlich zusammen. Ihre Haare färbten sich um und plötzlich sprossen aus ihrem Gesicht Haare. Emily keuchte erschrocken zusammen und Hermine sah sie kläglich an. Die normalerweise braunen Augen Hermines hatten nun verdächtige Ähnlichkeit mit denen einer Katze.

„Was ist passiert?", fragte Emily leise.

„Das Haar war nicht von Millicent", sagte Hermine ebenso leise. „Anscheinend hat sie eine Katze."

„Verdammt", war alles was Emily sagen konnte.

Jemand klopfte gegen die Kabinentür. „Komm schon, wir müssen gehen!"

„Ich- ich glaube, ich geh doch nicht mit. Ihr könnt doch ohne mich gehen-" , sagte Hermine schrill.

„Jungs", rief Emily. „Geht wirklich besser. Ihr habt nur eine Stunde Zeit. Los!"

Schritte und eine klappernde Tür sagten Emily, dass Ron und Harry wirklich losgegangen waren. Sie hoffte, dass die beiden alleine klar kamen. Sie seufzte, jetzt musste sie nur noch Hermine in den Krankenflügel schaffen.

„Komm, wir gehen in den Krankenflügel", sagte Emily. „Madam Pomfrey stellt nicht so viele Fragen."

„N-nein", wimmerte Hermine. „Ich gehe hier nicht raus. Guck doch mal wie ich aussehe."

„Dann nehmen wir eben den Tarnumhang", schlug Emily vor. Nach ein paar Minuten hatte sie Hermine endlich davon überzeugt aus der Kabine heraus zu kommen. Hastig räumte Emily die meisten Sachen weg, dann schwang sie den Tarnumhang über sich und Hermine, dann machten sie sich auf den Weg zu Madam Pomfrey. Merlin sei Dank stellte die Krankenschwester wirklich keine Fragen, sondern schob Hermine in ein Bett und flößte ihr die Medizin ein. Hermine würde ein paar Wochen hierbleiben müssen, aber danach wäre sie wieder ganz die Alte.

Emily verabschiedete sich, als sie sicher war, dass Hermine gut versorgt war, dann rannte sie wieder hinunter zu der Mädchentoilette um auf Harry und Ron zu warten. Kurze Zeit später kamen die Beiden angerannt, die nun viel zu großen Umhänge schlabberten um sie herum und beide sahen schon mehr wie sie selbst aus als Goyle und Crabbe.

„Habt ihr war rausfinden können?", fragte Emily neugierig nachdem sich die Jungen wieder umgezogen hatten.

„Wie man's nimmt", antwortete Harry. „Wir wissen immer noch nicht wer hinter den Angriffen steckt, aber Malfoys Vater war es schon mal nicht. Die Kammer wurde nämlich das erste Mal vor fünfzig Jahren geöffnet."

„Und die Malfoys haben schwarzmagische Gegenstände in ihrem Haus versteckt", fügte Ron hinzu. „Ich schreibe Dad morgen einen Brief."

„Aber was ist mit Hermine los?", fragte Harry.

„Bei der Verwandlung ist etwas schiefgegangen", sagte Emily seufzend. „Das Haar war nicht von Millicent, sondern von ihrer Katze. Und der Zaubertrank ist nicht für Verwandlungen in Tiere gedacht. Ich hab sie in den Krankenflügel gebracht. Wir sollten hochgehen und ihr alles erzählen."

Seitdem besuchten die drei Hermine jeden Abend und hielten sie auf dem Laufenden. Aber sonst passierte in den Ferien nicht viel. Emily verbrachte einen Großteil ihrer Zeit mit den Weasleyzwillingen oder Leo und genoss die freie Zeit. An den Abenden vor dem großen Kamin entstanden unzählige Zeichnungen, die Emily sorgfältig in ihrer Mappe verstaute. Sie würden sie für immer an die glücklichen Zeiten mit ihren Freunden erinnern.

Als nach den Ferien die Schüler zurückkehrten und merkten, dass Hermine fehlte, entstanden sofort die wildesten Gerüchte, dass Hermine ebenfalls angegriffen worden war. Mittlerweile brachten ihr die drei ihre Hausaufgaben, damit Hermine, wie sie sagte, nicht den Anschluss verlor. Nach ihrem Besuch, wanderten Emily, Ron und Harry durch die Flure als sie wieder in dem Gang landeten, der zu der Mädchentoilette führte. Eine große Pfütze bedeckte den Boden und es schien noch mehr aus der Toilette zu sickern. Neugierig tapsten sie durch das Wasser und traten in die Mädchentoilette. Die Maulende Myrte heulte noch lauter als üblich.

„Was ist los Myrte?", fragte Harry.

„Wer ist da?", schluchzte Myrte. „Willst du noch etwas auf mich werfen?"

„Warum sollten wir dich mit etwas bewerfen?", fragte Emily den Geist.

„Lasst uns allesamt Bücher auf Myrte werfen, denn sie spürt es ja nicht! Zehn Punkte, wenn ihr mit einem den Magen trefft! Fünfzig Punkte, wenn es durch den Kopf geht! Schön, hahaha! Was für ein wunderbares Spiel – finde ich gar nicht!"

„Wer war da s denn?", hakte Harry nach.

„Ich weiß es nicht… Ich saß im Abflussrohr und dachte über den Tod nach, und es fiel direkt durch meinen Kopf", antwortete Myrte. „Da drüben ist es, es ist ganz nass geworden."

Unter dem Waschbecken lag ein kleines, dünnes Buch mit einem nassen, schäbigen Einband. Harry hob es auf und schlug es auf. Emily sah ihm über die Schulter und erkannte, dass das Buch ein Tagebuch war. Auf der ersten Seite stand nur ein Name T. V. Riddle. Das Tagebuch war fünfzig Jahre alt.

„Warte mal", sagte Ron. „Den Namen kenn ich doch gut… T. V. Riddle hat vor fünfzig Jahren eine Auszeichnung für besondere Verdienste um die Schule erhalten.

„Woher zum Teufel weißt du das?", fragte Emily verblüfft.

„Filch hat mich bei den Strafarbeiten die Medaille ungefähr hundert Mal polieren lassen", erwiderte Ron.

Harry blätterte durch die Seiten, doch nichts stand dort geschrieben, sie waren vollkommen leer. „Er hat es nicht benutzt."

„Warum wollte jemand das ins Klo spülen?", sagte Ron verwundert.

„Wofür hat Riddle die Auszeichnung bekommen?", überlegte Emily. „Das Tagebuch ist fünfzig Jahre alt, die Kammer wurde vor fünfzig Jahren geöffnet. Vielleicht hat er die Auszeichnung bekommen weil er den Erben gefangen hat."

„Dann würde uns sein Tagebuch alles über die Kammer sagen", führte Harry den Gedanken fort.

„Das ist eine geniale Theorie", sagte Ron. „Mit nur einem kleinem Fehler. In dem Buch steht nichts."

„Dann müssen wir es eben sichtbar machen!", sagte Emily, doch selbst mit der Hilfe von Hermine, die ein paar Tage später entlassen wurde, schafften sie es nicht irgendetwas sichtbar zu machen.

„Ich sag euch doch, da drin ist nichts", sagte Ron. „Riddle hat eben einen Kalender zu Weihnachten bekommen und hatte einfach keine Lust darin zu schreiben."

Das Wetter wurde besser, was bedeutete dass das Quidditchtraining nicht mehr in einer kompletten Schlammschlacht endete, und der Valentinstag stand an. Es war Lockharts Idee gewesen, weil er, wie Inga Emily zuflüsterte, auf noch mehr Fanpost hoffte. Aber Lockhart glaubte auch, dass es an ihm lag, dass es keine weiteren Angriffe mehr gab. Er hatte die Große Halle rosa geschmückt und Konfetti schwebte auf alle Schüler und Lehrer hinab.

„Einen glücklichen Valentinstag!", rief Lockhart, in eine blassrosa Robe gekleidet.

„Der sieht ja wie ein kleines Schweinchen aus", flüsterte Inga Emily ins Ohr und Emily brach in haltloses Kichern aus.

Als sie sich wieder beruhigt hatte, legte Emily nachdenklich den Kopf schief. "Ich finde ja er sieht mehr aus wie ein ganz großes Bonbon. So eins, das fürchterlich süß ist und nur Zahnschmerzen verursacht."

Nun legte auch Inga den Kopf schief und folgte Emilys Blick. "Hmm, ich glaube du hast Recht. Aber nur wenn Snape dann Lakritz ist."

Jetzt gab es für beide kein Halten mehr. Sie brachen in lautes Lachen aus, das sie noch nicht mal als Husten tarnten obwohl sie viele irritierte Blicke von anderen Schülern ernteten. Erst als Emily schon die Rippen schmerzten und ihr die Tränen übers Gesicht liefen, beruhigte sie sich wieder. Inga erging es auch nicht besser. "Ich kann nie wieder Lakritz essen", keuchte Inga.

"Und ich nie wieder rosa Bonbons", anwortete Emily, bevor beide wieder einen Lachkrampf bekamen.

Lockhart ließ sich davon nicht weiter stören. „Und danken möchte ich den inzwischen vierundsechzig Leuten, die mir Karten geschickt haben. Ja, ich habe mir die Freiheit genommen, diese kleine Überraschung für Sie alle vorzubereiten und es kommt noch besser!"

Durch die Tür marschierte eine Horde Zwerge, komplett ausstaffiert mit goldenen Flügeln und Harfen. Die Zwerge würden als Liebesboten durch die Schule streifen und Valentinstagsgrüße überbringen. Das Problem war nur, dass sie deswegen andauernd in den Unterricht platzten und jeden störten. McGonagall bewahrte nur mit Mühe ihre Haltung und Snape musste sich zusammenreißen um die Zwerge nicht zu ermorden.

Die vier waren gerade auf dem Weg zu Zauberkunde als ein Zwerg nach Harry rief. Der Zwerg kämpfte sich durch die Menge zu der auch die Erstklässler, wie Ginny, gehörten und packte Harry an seiner Tasche um ihn aufzuhalten, denn Harry wollte partout nicht seinen Valentinstagsgruß hören. Doch die Tasche riss und der Inhalt ergoss sich auf den Boden. Emily bückte sich und begann damit die Sachen aufzuheben, die alle mit Tinte verschmutzt waren. Währenddessen tauchten auch noch Draco Malfoy und Percy Weasley auf und um das Chaos perfekt zu machen, begann der Zwerg zu singen:

„Seine Augen, so grün wie frisch gepökelte Kröte; sein Haar so schwarz wie Ebenholz; Ich wünscht' er wär mein, denn göttlich muss sein; der die Macht des Dunklen Lords schmolz."

Viele der versammelten Schüler brachen in Gelächter aus, während Emily weiter die Sachen aufhob. Plötzlich erschien eine blasse Hand vor ihr und griff nach dem Tagebuch. Emily blickte auf und sah, dass Draco Malfoy nun das Tagebuch in der Hand hielt. Ihr Blick fiel zufällig auf Ginny, die panisch zwischen dem Buch und Harry hin und herstarrte. Emily runzelte die Stirn, machte sich Ginny etwa Sorgen um Harry?

„Gib das wieder her", sagte Harry mit ruhiger Stimme, doch Draco machte keine Gestalten es wieder zu geben und so zückte Harry seinen Zauberstab und rief: „Expelliarmus." Das Tagebuch flog wieder in Harry Hand.

Draco sah wütend aus als er an ihnen vorbei rauschte und Ginny hinterherrief: „Ich glaube nicht, dass Potter deinen Valentinsgruß besonders gemocht hat!"

Ginny vergrub ihr Gesicht in ihren Händen und verschwand so schnell es ging. Emily war sich sicher, dass die jüngste Weasley rot geworden war. Anscheinend hatte Ginny ihre Schwärmerei für Emilys Bruder noch nicht überwunden. Der Rest des Tages verlief ohne große Zwischenfälle, doch am nächsten Morgen hatte Harry eine erstaunliche Entdeckung zu verkünden.

Riddles Tagebuch hatte ihm eine Erinnerung von vor fünfzig Jahren gezeigt als die Kammer zum ersten Mal geöffnet wurde. Riddle hatte vom damaligen Schulleiter erfahren, dass Hogwarts wegen den Angriffen wohl geschlossen werden müsste. Nach dem Gespräch ging Riddle hinunter in die Kerker und erwischte einen Schüler, der dort eine Riesenspinne versteckt hielt.

„Der Junge war Hagrid", sagte Harry. „Hagrid hat die Kammer des Schreckens geöffnet."

Die anderen drei verfielen in Schweigen. Sie kannten Hagrids Vorliebe für große und gefährliche Tiere, man musste nur an Norbert und Fluffy denken. Aber er würde auch keiner Fliege etwas zu leide tun. Sie konnten Hagrid auch nicht fragen ob er es gewesen war und so blieben ihnen nur wilde Spekulationen. Sie beschlossen Hagrid nur zu fragen wenn es einen neuen Angriff geben würde und im Moment war alles ruhig.