Die zweite Chance

Fanfiction von Slytherene



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Danke schön an Moonlight, Sally S., Spitzohr und ganz besonders an Alcina für Eure Reviews! Ich freue mich riesig darüber.

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A./N. Pünktlich zum Sonntag geht die Geschichte und mit ihr der heimliche daruntergemogelte Kurs „Finnisch für Anfänger" weiter. Ich wünsche viel Vergnügen!

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Besten Dank auch diesmal an meine fleißige Beta TheVirginian. Sie schreibt – hatte ich das je erwähnt? – übrigens wundervolle eigene Fanfictions, die auch deutlich mehr Reviews verdient hätten. Geht doch mal lesen…

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26. Krieg

Nach einer knappen Stunde kehrte Sanni zu Remus zurück. Hastig wischte er die Tränen aus dem Gesicht und löschte einen Teil der Kerzen, als er den Kamin aufflackern hörte. Draußen war es dunkel, sie würde vielleicht nicht sehen, dass…

„Du hast geweint", stellte sie fest.

Er zuckte die Schultern. „Es ist nicht ganz einfach", entschuldigte er sich.

Zu seiner Verblüffung lächelte sie. „Ein Fall typisch britischen Unterstatements. Aber weißt du, ich gehe nicht für immer." Sie nahm seine Hand. „Nur ein Jahr, Remus. Mein Vater hat es versprochen. Zwölf Monate lang soll ich mich verstecken, bis wir mehr wissen über die Entwicklung mit Voldemort und seinen Todessern. Falls sich die Situation in England dann noch nicht entspannt hat, wird es nicht allzu sehr auffallen, wenn du ebenfalls verschwindest. Bis dahin wird selbst Lucius dich aus den Augen verloren haben."

Remus starrte sie an. „Wie meinst du das?"

„In den Wäldern um Nykänen Maatila kann ein Werwolf weit laufen, bevor er jemanden trifft." Sie lächelte. „Und mir fehlen zwei Jahre Schule bis zum Abschluss als Hexe. Ich werde einen Lehrer brauchen."

„Dein Vater wird das niemals erlauben", wandte Remus ein.

„Oh doch, das wird er. Immerhin war es seine Idee." Sannis Augen strahlten. Remus konnte ihr die Strapazen der letzten Nacht immer noch ansehen, sie wirkte nun aber ruhiger, besänftigt. „Zugegeben, ein bisschen Erpressung von mir war auch im Spiel." Sie sah ihn an. „Du hast doch nicht wirklich geglaubt, dass ich einfach so aus deinem Leben verschwinde? Ich liebe dich! Außerdem bin ich für meine Halsstarrigkeit bekannt."

Als sie sah, dass Remus immer noch äußerst verhalten reagierte, seufzte sie auf.

„Natürlich ist mein Vater ziemlich schockiert über meine Wahl", gab sie zu. „Er hat mich gefragt, warum ich mir nicht gleich einen Kobold oder einen Troll ausgesucht hätte."

Remus schluckte. Auf dieses Detailwissen hätte er gerne verzichtet. Doch Sanni, die manchmal sehr unverblümt sein konnte, fuhr fort: „Ich wollte dich natürlich am liebsten gleich mitnehmen. Aber er hält es für sinnvoll, uns eine Auszeit zu verordnen." Sie sah Remus entschuldigend an. „Seiner Ansicht nach sind alle Vargen triebgesteuert, unzuverlässig und promiskuitiv. Ich habe ihm gesagt, dass du nicht so bist, aber er bestand darauf, dass ich zunächst allein mit ihm gehe. Wenn wir dann noch immer zusammen sein wollen, wird er keine Einwände mehr erheben. Ein Jahr ist lang, aber keine Ewigkeit."

Sie schlang die Arme um Remus' Hals.

„Du wirst doch so lange auf mich warten können?" Nur für einen Wimpernschlag flackerte Unsicherheit in ihrem Blick auf.

Remus zog sie an sich und küsste sie. Seine Gedanken wirbelten wild durcheinander. Sie hatte Recht, ein Jahr war lang, aber wirklich nichts im Vergleich zu einem Leben mit ihr. Das war es doch, was er mehr als alles andere wollte: Mit Sanni zusammen zu sein. Ob er sich vorstellen konnte, neben ihrem Geliebten auch ihr Hauslehrer von ihres Vaters Gnaden zu sein, darüber musste er sich nicht jetzt den Kopf zerbrechen. Der Gedanke war ihm ziemlich unangenehm. Doch vielleicht konnte er etwas anderes tun. Egal, diese Dinge waren nebensächlich und würden sich irgendwie regeln. Allein die Aussicht, dass er sie wieder in den Armen halten würde, zählte.

„Ich werde dich schrecklich vermissen", sagte er rau. „Und ich hoffe sehr, dass dir kein Troll oder Kobold begegnet, der dir besser gefällt als ich."

„Ach, Remus." Sanni lachte, doch nun liefen ihr auch schon wieder Tränen übers Gesicht, und Remus selbst hatte Mühe, die Fassung zu bewahren.

„Der Portschlüssel geht sehr bald", sagte Sanni leise. „Wir wollen keinen offiziellen nehmen, also wird Eero einen beschwören, der nicht zurückverfolgt werden kann."

„Dieser Eero Laaksonen scheint über ausgesprochen seltene Fähigkeiten zu verfügen", stellte Remus leise fest.

„Es heißt, er sei früher mal in einer Spezialeinheit gewesen, aber niemand weiß etwas Genaues", erklärte Sanni verschwörerisch. „Zumindest entstammt er einer sehr, sehr alten magischen Familie, die stets den geheimen Künsten zugewandt war."

Das Knacken des aufflackernden Kaminfeuers störte die kurze Stille. Remus' feine Ohren nahmen das Trippeln von Hauselfenschritten wahr. Er ahnte, was das bedeutete – ihre Zeit lief ab.

Beinahe verzweifelt umarmte er Sanni und presste einen Kuss auf ihren Mund.

„Ich will dich nicht gehen lassen! Bei Merlin, wie sehr ich dich liebe!"

Weich schmiegte Sanni sich an ihn, nachgiebig öffnete sie die Lippen, um seine Zunge willkommen zu heißen. Remus vergrub die Hände in ihrem seidigen Haar. Nein, er würde sie niemals loslassen!

Enni hatte mitten in der Bewegung inne gehalten und starrte nun mit großen, etwas ängstlichen Blicken in Remus' Richtung. Sie rang die braunen Hände und hatte so offensichtlich Angst, die beiden Liebenden zu unterbrechen, dass es Remus Leid tat.

„Deine Elfe ist hier", flüsterte er zwischen zwei Küssen und legte seine Stirn gegen die seiner Geliebten.

„Miss Sanni", piepste Enni leise. „Der Master wartet in der Eingangshalle."

Sanni stöhnte gequält auf.

„Wir kommen", erwiderte Remus mit heiserer Stimme an ihrer Stelle.

Er wusste sehr wohl, dass Portschlüssel zeitgetaktet waren, und wenn sie nicht pünktlich dort waren, würde es Ärger geben, den er vor allem Sanni gerne ersparen wollte. Sie musste schließlich ein Jahr lang mit ihrem Vater klarkommen, und von einem entspannten Verhältnis konnte nach den Ereignissen der Vergangenheit wohl keine Rede sein. Er löste sich von ihr und nahm sie bei der Hand.

Sie traten auf den Gang hinaus und Sanni drückte Remus' Hand beinahe so fest, dass es schmerzte. Der Flur öffnete sich in die beeindruckende Eingangshalle. Auf einem achteckigen Tisch, der mit aufwändigen Schnitzereien verziert war, lag ein faustgroßer Bergkristall. Blaue Lichter zuckten um den transparenten Halbedelstein.

Veikko Nykänen stand bereits hoch aufgerichtet neben dem Tisch, und auch Eero Laaksonen hatte sich eingefunden. Sein gezückter Stab war auf den Portschlüssel gerichtet.

„Guten Morgen", grüßte Laaksonen freundlich. „Gut geschlafen?" Er wartete die Antwort nicht ab. „Bedauerlicherweise habe ich gleich noch mehrere Termine, die sich nicht verschieben lassen, deswegen wird das Frühstück leider ausfallen müssen."

Remus' Blick wanderte zu Sannis Vater. Nykänen legte seine zur Faust geballte Linke auf die Brust und deutete eine Verbeugung an. Remus erkannte den seltsamen Gruß, der aus alten höfischen Zeremoniellen stammte. Er war der Ansicht gewesen, dass niemand mehr derartige Umgangsformen pflegte, doch am Vorabend hatte er dieselbe Geste bei Lucius Malfoy gesehen, als dieser Sannis Vater getroffen hatte.

„Mr. Lupin", richtete Nykänen nun zum ersten Mal das Wort an Remus.

Remus spürte, wie ihm das Blut in die Wangen stieg und sein Herzschlag sich beschleunigte. Sanni verstärkte den Druck ihrer Hand.

„Sie haben in den letzten Wochen gut für meine Tochter gesorgt, wie ich erfahren habe. Die Familie Nykänen ist Ihnen zu Dank verpflichtet. Aber nun wird Sannitara zuhause, wo sie hingehört, sicherer sein als hier in Ihrem Land." Er sah das Mädchen an und streckte die Hand nach ihr aus. „Es wird Zeit."

Sanni nickte, wandte sich dann zu Remus um und drückte einen letzten, zärtlichen Kuss auf seinen Mund. Sie löste ihre Finger aus den seinen und legte ihre Hand in die ihres Vaters.

„Ich werde dir schreiben", sagte sie noch.

„Alles Gute, Sannitara", wünschte Laaksonen und winkte. Gleichzeitig vollführte er eine Bewegung mit dem Zauberstab, und die blauen Lichter, die bis eben noch eng um den Kristall zuckten, breiteten sich nun aus, bis sie Veikko und Sanni einhüllten.

„Danke für alles, Eero", ließ sich Sannis Stimme vernehmen. „Remus…"

Ein letztes Mal traf ihn ihr Blick, wild zuckten jetzt helle Blitze um ihre zarte Gestalt.

„Minä raskatan sinua", rief sie.

Im letzten Moment ergriff Enni ihre Hand, und mit einem hellen Aufflackern waren sie verschwunden: Der Kristall, Nykänen, Sanni und die Hauselfe.

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Remus starrte auf den Fleck, an dem sich bis eben der Portschlüssel befunden hatte. Sein Kopf weigerte sich zu glauben, was er sah, und sein Herz weigerte sich zu fühlen, was sein Verstand durchaus erfasste. Sie war fort.

Er hätte nicht sagen können, wie lange er dort in dem Korridor mit dem prächtigen Geländer aus dunklem Mahagoni und dem weichen, roten Teppich gestanden hatte, aber schließlich spürte er eine Berührung an der Schulter.

„Mr. Lupin?"

Eero Laaksonen schenkte ihm einen mitfühlenden Blick.

„Es tut mir sehr Leid, aber besondere Ereignisse und außergewöhnliche Zeiten erfordern rigorose Maßnahmen. Zu Hause in Finnland wird sie sich besser verbergen können vor dem, den manche hier ‚Dunklen Lord' nennen." Er zuckte entschuldigend die Achseln. „Ich kann Ihnen kaum helfen mit diesem Verlust. Sanni ist eine ganz besondere Person."

Remus fühlte sich zu einer höflichen Erwiderung verpflichtet, verzweifelt an Konventionen und Manieren festhaltend.

„Vermutlich haben Sie Recht", sagte er scheinbar ruhig.

Ihm war auch nicht danach, aufbrausend zu reagieren oder gar zornig. Eigentlich wollte er lieber gar nichts fühlen.

„Natürlich", versicherte Laaksonen sofort. „Sie hätten Sanni nicht schützen können hier in England. Selbst innerhalb der Botschaftsmauern wäre das auf Dauer ein zu großes Risiko gewesen. Außerdem kann sie daheim in Finnland frei leben."

Remus nickte. Vermutlich war es so. Allerdings hatte er derzeit keine Ahnung, wie er überhaupt weiterleben sollte. Sie hatte gesagt, sie würde schreiben. Er war sicher, dass sie es versuchen würde. Allerdings war er keineswegs davon überzeugt, dass ihr Vater den Kontakt nach England und zu ihm nicht doch rigoros unterbinden würde.

„Ich habe etwas für Sie", verkündete Laaksonen und unterbrach damit Remus' Gedanken.

Der Attaché hielt ein gesiegeltes, kleinformatiges Pergament in den Händen, auf dessen Rücken die finnische Flagge prangte. Remus sah ihn fragend an.

„Dies ist ein Visum für Finnland und - das besondere daran – alle skandinavischen Länder. Es ist fünf Jahre gültig und ermöglicht Ihnen einen Aufenthalt von zunächst sechs Monaten. Es ist problemlos verlängerbar und berechtigt Sie sowohl zur Aufnahme einer bezahlten Tätigkeit als auch zu Studien- und Lehrzwecken. Wie Sie sehen können, enthält es den auch in Ihrer Heimat üblichen Vermerk, dass Sie ein Varge sind. Bitte betrachten Sie dies nicht als Diskriminierung, denn es ermöglicht Ihnen in jedem öffentlichen Gesundheitszentrum eine Versorgung mit Wolfsbanntrank."

„Womit?" Remus hatte noch nie von etwas derartigem gehört.

„Eine relative Neuentwicklung, die in England noch nicht zugelassen ist", erläuterte Laaksonen. „Es handelt sich um einen Zaubertrank, der zwar die Verwandlung nicht unterdrückt, wohl aber die damit einhergehende rasende Wut. Der Lykantrophe behält somit sein menschliches Bewusstsein und die Kontrolle über seine Handlungen. Zwinger mit Silberstangen und ähnlich inhumane Sicherungsvorkehrungen werden damit obsolet." Laaksonen lächelte. „Sie wissen sicher, dass Lykantrophie in Skandinavien weitaus verbreiteter ist als hier. Unsere Tränkemeister mussten sich also etwas einfallen lassen. Interessanterweise kamen einige der bahnbrechenden Forschungsergebnisse aus Ihrer Heimat Großbritannien."

Diese neuen Erkenntnisse drohten Remus schier zu überwältigen. Ihm war sofort klar, dass dieser Trank sein Leben verändern würde, wenn man ihn erst einmal in England zuließ. Die Restriktionen konnten aufgehoben werden. Er würde sein Studium wieder aufnehmen und beenden können. Er wollte lieber nicht darüber nachdenken, welche Chancen das für seine und Sannis Zukunft bedeutete. Auch wenn sie jetzt erst einmal getrennt waren – sobald Voldemort und seine ‚Todesser' besiegt wären, würde das Leben neu beginnen.

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Doch anstelle eines neuen Lebens brachte bereits der Januar den Tod über Großbritannien. Es dauerte drei Tage, so stand es im Tagespropheten zu lesen, bis Fluchbrecher das Zeichen der Mörder von Abraxas Malfoy vom Himmel über dem Manor entfernt hatten.

Der grünliche Schädel, aus dessen Mund eine Schlange quoll, etablierte sich bald als ‚Das Dunkle Mal' und wurde zum Synonym für Tod, Brutalität und Zerstörung.

Dennoch – für ein paar Wochen klammerte sich Remus an seine Hoffnungen auf eine bessere Zeit. Er vermisste Sanni in jeder freien Minute so sehr, dass es fast körperlich schmerzte. Seine Nächte waren kalt und sehr einsam, und mehrfach fragte er sich, ob es Sanni hoch droben im Norden ebenso erging.

Den ersten Brief brachte Enni, die Hauselfe, die eines Abends unangekündigt vor Remus' Tür stand.

„Kissa", bat die Elfe. „Miss Sanni vermisst ihre Hammas."

Remus musste unwillkürlich lächeln. Dass Sanni zumindest Kralle Taschenkatze bei sich haben wollte, war typisch. Sie hatte einen Narren an dem Winzling gefressen. Remus seufzte. Auch er würde das kleine Tier vermissen, doch eigentlich war er froh, dass er die Verantwortung für die Katze abgeben konnte. Die Ereignisse der letzten Wochen erforderten zivilen Widerstand, da das Ministerium den Aufgaben nicht mehr gewachsen schien. Dies zumindest sagte Sirius, der von Alastor Moody für eine geheime Widerstandsorganisation angeworben worden war, und auch Remus war bereit, sich an dem Kampf zu beteiligen.

Mit einem klammen Gefühl beobachtete er, wie die Hauselfe Kralle Taschenkatze behutsam in einer weich gepolsterten Holzkiste verstaute.

„Vielleicht bringst du ihr diese auch mit?" Remus wies auf Sannis Gitarre, und die Elfe nickte.

„Vermisst sie mich?", brach es plötzlich aus Remus hervor.

Die Elfe sah ihn zweifelnd an, offenbar unsicher, ob ein Zauberer einer niederen Kreatur wie ihr überhaupt ein Urteil in solch einer Angelegenheit zutraute.

„Miss Sanni weint viel", beschied sie ihn schließlich mit dem so vertrauten Akzent. „Mister lesen ihren Brief."

Sie wies auf das noch ungeöffnete Pergament, das sie überbracht hatte.

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Zwei weitere Male erhielt Remus noch Briefe von Sanni, die wie der erste von Sehnsucht und Liebe kündeten. Überbracht wurden sie von einem prächtigen Gerfalken. Das Tier hörte auf den Namen Tarvo, und mit stolzgeschwellter Brust nahm es Remus' Antwortschreiben entgegen.

Dieser kleine Rest Glück währte jedoch nur kurz.

Remus' Wohnung inklusive all seiner ohnehin bescheidenen Habe wurde ein Raub der Flammen, als im Keller des Mietshauses der Gastank explodierte. Remus glaubte nicht einen Moment an die hilflosen Erklärungsversuche der Muggel-Feuerwehr. Fassungslos stand er vor der Ruine. Er tastete nach Sannis Briefen, die er wie stets bei sich trug und starrte blicklos auf die bunten Trollseidenhandschuhe. Mehr als die Dinge, die er am Körper trug, waren ihm nicht geblieben. Er fand einen weißen Falken tot in der Nähe des Hauses, und jemand hatte sich die Mühe gemacht, das ‚Dunkle Mal' auf einen Zettel zu kritzeln und diesen an die Brust des Vogels zu heften. In diesem Augenblick war er bei aller Not, die der Verlust des Wenigen, das er besessen hatte, bedeutete, froh, dass zumindest Kralle Taschenkatze nicht mehr in der Wohnung gewesen war.

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Dass der Wolfsbann zur Illusion wurde, war nicht mehr als eine Randnotiz, als der Krieg mit der Macht einer Naturgewalt über sie alle hereinbrach.

Sie wehrten sich.

Unter der Leitung des mächtigen Albus Dumbledore gründete sich der ‚Orden des Phoenix'. Dann begann der Kampf – und das Sterben.

Die freudige Nachricht, dass Lily ein Kind erwartete, hellte den blutigen Horizont nur für ein paar Tage auf.

Jeder von Remus' Versuchen, zwischen seinen Einsätzen für den Widerstand Kontakt zu Sanni aufzunehmen, scheiterte. Zumindest erhielt er keine Antwort mehr auf seine Eulenbriefe. Die Zeiten waren derart unsicher, vielleicht hatte der Verlust des Falken Veikko Nykänen bewogen, die verräterische Verbindung zu unterbrechen. Ihm blieb kaum Zeit, darüber nachzudenken, den Schmerz schob er weit von sich. Indessen begruben sie Freunde und Weggefährten: Die Prewetts, die McKinnons, Edgar Bones und dessen Familie.

Eines grauen Londoner Morgens, Remus war inzwischen bei Sirius untergekrochen – klopfte eine Eule an das Fenster. Anstelle eines Briefes brachte sie eine Tageszeitung. Es war der „Helsinki Kurier" vom vergangenen Samstag. Auf der Titelseite war das Bild eines weitläufigen, ländlichen Anwesens zu sehen, und über dem Dach hing das ‚Dunkle Mal' am Himmel der skandinavischen Winternacht. Remus musste die Bildunterschrift nicht verstehen, um zu begreifen, was geschehen war. Die Schlagzeile „Murha (Mord)!" trugen Namen und dahinter ein Kreuz: Veikko und Sannitara Nykänen †. Daneben lächelte eine ziemlich junge Sanni ihn aus einem älteren Foto heraus an und winkte in die Kamera, während das Portrait ihres Vaters ein ernstes Gesicht machte. Auf einer beiliegenden Karte sprach Eero Laaksonen Remus mit wenigen, aber sorgsam gewählten Worten sein Beileid aus.

Remus weigerte sich, zu fühlen. Das zumindest erklärte, warum Sanni seine Briefe nicht mehr beantwortete. Hatte sie versucht, sich zu verstecken? Hatte der Dunkle Lord selbst sie getötet? Remus konnte den Artikel nicht lesen, aber eigentlich wollte er den genauen Hergang des Mordes gar nicht wissen. Wissen bedeutete, sich mit dem Unvermeidlichen zu konfrontieren, mit Schmerz und Trauer. Er hatte keine Kraft mehr dafür. Seine Liebe, seine Hoffnungen, jeder Trost war im grünen Leuchten des tödlichen Fluchs vergangen, den das ‚Dunkle Mal' über dem finnischen Landsitz symbolisierte. Eine einzige Nacht erlaubte sich Remus Leid und Trauer zuzulassen, verzweifelte Tränen in Lilys Armen am Kamin der Potters vergießend. Gegen Morgen war er zu erschöpft, um zu weinen, und lauschte stumm auf Lilys leise Versicherung, dass das Leben jedem Menschen eine zweite Chance gebe – immer. Auch wenn diese Gewissheit Remus jetzt nicht trösten könne, so sei sie, Lily, doch überzeugt davon.

Am nächsten Tag verschloss Remus Sannis Briefe und ihre Weihnachtsgeschenke, Mütze, Schal und Handschuhe aus Honigtrollseide, in einer Pappkiste und deponierte sie unter dem Bett in Sirius' Gästezimmer. Die Erinnerung tat viel zu weh, um sich tagtäglich damit zu konfrontieren, und was ihm an Kraft geblieben war, brauchte er gar zu dringend für den Orden und den Kampf gegen Voldemort und seine Todesser.

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Knapp eineinhalb Jahre später beerdigte Remus schließlich James und Lily Potter. Mit ihnen verlor er auch seine anderen engsten Freunde: Peter, getötet von Sirius, dem er vertraut hatte. Und Sirius, den Verräter, lebendig begraben in Askaban, unter Felsen, Gischt und namenloser Angst.

Während Remus alles verlor, das seinem Leben noch eine Bedeutung gegeben hatte, und ihm am Ende nicht einmal mehr der Kampf blieb, atmete England auf. Denn Lily Potter schien auch Lord Voldemort mit in den Tod gerissen zu haben.


Fortsetzung folgt



Finnisch mit Sanni (suomea mukaan Sanni):

Nykänen Maatila – ist die Entsprechung von Malfoy Manor ;-)

„Maatila" bedeutet „Gutshof", man darf sich das Ganze also etwas ländlicher vorstellen als das Anwesen der Malfoys

Minä raskatan sinua – Liebe Mädels, so hört es sich an, wenn Euch ein Mann aus Helsinki oder Tampere erklärt, dass er euch liebt. Es sind die berühmten drei Worte, und ich finde, auf Finnisch klingen sie besonders schön. :-)