Weihnachten bei den Halliwells – Part 1
Der 24. Dezember kam schneller als gedacht. Helena brauchte keine Koffer zu packen, da sie ja genug Kleidung in ihrem Schrank in Halliwell Manor hatte. Severus jedoch packte zumindest eine kleine Tasche.
Das Mädchen versuchte zu erwirken, dass ihr Vater Elly doch frei geben könnte. Doch die Hauselfe wollte nicht auf der faulen Haut liegen. Snape schickte sie daher nach Hogwarts zurück, wo sie bei dem Festessen für Morgen gleich mithelfen konnte.
Nervös, auch wenn man es ihm nicht anmerkte, trat er aus dem Haus und verschloss die Tür zuerst mit dem Schlüssel. Dann versiegelte er es noch zusätzlich mit ein paar Zauberformeln. Danach ließ er sich von Helena die Adresse nennen. Er würde die beiden apparieren. Doch das Mädchen protestierte.
„Ich mag nicht appararieren. Das ist so ein ungutes Gefühl. Wieso können wir nicht beamen?" Flehend sah sie ihn an. Doch er ließ nicht locker.
„Nein. Wie sieht es denn aus, wenn ich dich zaubern lasse und selbst keinen Finger rühre? Gib mir die Hand, oder wir bleiben zu Hause!" Sein Tonfall duldete keine Widerworte, daher streckte sie ihm trotzig die Hand entgegen. Er zog zwar die Braue nach oben, sagte aber nichts sondern griff nach ihrer Hand und apparierte.
Die junge Halliwell fing sich diesmal schneller als beim letzten Mal. Sie waren direkt vor der Tür erschienen. Aus Spaß läutete sie sturm an. Snape sah sie streng an. Bei dem durfte man echt nichts. Die Tür wurde ihnen sofort geöffnet und sie traten ein.
„Guten Tag. Schön euch in unserem kleinen Häuschen zu begrüßen!" Piper schüttelte Severus lächelnd die Hand. Danach musterte sie ihn. Der Tränkemeister trug eine dunkle Hose und einen dazu passenden schwarzen Rollkragenpulli. Anscheinend kannte er keine anderen Farben. Dann wandte sie sich an ihre Schwester. „Leo holt gerade deine beiden Freunde. Phoebe und Paige sind gerade unterwegs, sollten aber bald kommen. Zeig deinem Dad doch das Gästezimmer!" Danach ging sie zurück in die Küche.
Helena grinste. Weihnachten bereitete gerade Piper am meisten Stress. Immerhin war sie für das leibliche Wohl verantwortlich. „Komm, wir müssen ein Stockwerk höher", sagte sie zu ihrem Vater und nahm ihn an der Hand. Sie führte ihn die Treppe hinauf. Während sie ihn die Stufen hochzog, wanderte sein Blick zu den Bildern die dort hingen. Doch er konnte sie nicht genauer betrachten.
Das Kind ging ziemlich zügig voran. „Hier ist ein Badezimmer! Da ist Piper und Leos Zimmer. Da Phoebes, und da Paiges, was früher Prues Zimmer war. Da das zweite Badezimmer und da ist mein Zimmer und direkt daneben das Gästezimmer. Da hinten ist die Treppe zum Dachboden." Sie holte tief Luft, da sie ohne Pause gesprochen hatte. Die junge Halliwell öffnete die Tür und ließ ihn eintreten. „Wenn du was brauchst, ich bin unten und helfe Piper!" Damit ließ sie ihn allein.
Schnell eilte Helena nach unten. „Piper! Weißt du wo meine Kinderfotos sind?" Ihre Schwester sah von einem Kochbuch auf.
„Entweder am Dachboden, oder im Keller!" Das Mädchen schauderte als sie das Wort Keller vernahm. Na hoffentlich waren sie nicht da unten. Sie hasste diesen dunklen Ort, und das aus gutem Grund. Sie bedankte sich bei ihr und lief dann wieder die Treppen nach oben zum Dachboden.
Sie stieß die schwere Holztür, die schon oft zu Bruch gegangen war, auf. Das Buch der Schatten thronte wie immer auf dem Buchhalter. Seufzend sah sie sich um. Das würde länger dauern als sie dachte. Missmutig begann sie in der hintersten linken Ecke zu suchen.
„Da bist du! Harry und Ron sind da!" Leos Stimme riss sie aus ihrer Tätigkeit. Hinter dem Wächter des Lichts traten zwei grinsende Jungen hervor.
„Hi. Danke, dass wir hier sein dürfen. Was machst du eigentlich hier?" Harry sah Helena verwundert an. In ihrem Haar war eine Spinnwebe zu finden.
„Ich suche nach meinen Babyfotos. Ich habe da was vor damit. Sie sollen in das Album da kommen! Ihr könnt mir suchen helfen. Drei Leute sehen mehr als einer allein. Zur Info: Auf der Schachtel steht mein Name!" Das Mädchen grinste breit.
Ron riss die Augen auf. „Du hast doch nicht etwa vor … ? Sehr gewagt!", stellte er schließlich fest. Ohne ein weiteres Wort machte er sich auf die Suche. Sein suchender Blick blieb an dem Buch der Schatten hängen. „Was ist das?"
„Das Buch der Schatten. Darin sind so ziemlich alle Dämonen verzeichnet und wie man sie vernichtet", erklärte sie beiläufig, während Harry und sie ein großes Tuch von einem Stapel entfernten.
„Da schau! Eine Kiste mit deinem Namen!", rief Harry erfreut aus. Er zog eine große Schachtel hervor und platzierte sie in der Mitte des Raumes. Die drei Kinder knieten nun davor und Helena öffnete gespannt die Schachtel.
Ein Haufen alter Fotos kam zum Vorschein. Der Rotschopf war verwundert, warum sich die die Menschen auf den Bildern nicht bewegten. Die anderen beiden lachten und erklärten ihm, dass das bei Muggeln nicht üblich war.
Das große Gelächter brach erst aus, als Harry ein Foto entdeckte, auf dem Helena als Kleinkind zu sehen war. In ihren Händen ein Schokokeks. Doch die Schokolade war nicht mehr auf dem Biskuit zu entdecken, sondern klebte den kleinem Kind im Gesicht. Doch das schien sie nicht zu stören. Munter grinste sie in die Kamera.
Auch andere Fotos ließen die junge Halliwell hin und wieder rot anlaufen. Endlich waren sie fertig. „Kommt, lasst uns in die Küche gehen." Helena erhob sich und schlug das schwarz-grüne Fotoalbum zu. Bilder waren nun ausreichend vorhanden. Hoffentlich würde es passen. Während sie auf dem Weg nach unten waren, verstaute sie das Album in ihrem Zimmer.
In der Küche ereilte sie dann der Schock des Jahrhunderts. Ihre Kinnlade kippte nach unten, als sie das seltsame Schauspiel beobachtete. Piper kochte und backte noch immer, doch neben ihr stand jemand völlig unerwartetes. Snape hackte Gemüse klein und warf sie in einen Topf. Auch Ron und Harry schienen nicht minder erstaunt zu sein.
Severus sah auf und warf den Kindern einen strengen Blick zu, woraufhin die Jungen den Kopf senkten. Na toll. Mit Potter und Weasley in einem Haus. „Wolltest du nicht deiner Schwester helfen, junge Dame?", fragte er streng und sah sie durchdringend an. Helena schluckte.
„Das hat sie. Ich habe sie gebeten ihre Geschenke fertig zu verpacken. Und jetzt holt sie mir bitte Kartoffeln aus dem Keller!" Piper sah ihre Schwester an und zog die Augenbraue nach oben. Das musste das Kind wohl jetzt tun, da sie ihr geholfen hatte.
Helena stöhnte auf. Gequält sah sie zur Kellertür. Seit sie ganz klein war, hatte sie Angst vor dem dunklen Keller. Und das nicht ohne Grund. Missmutig stapfte sie darauf zu, umfasste die Türschnalle und wandte sich noch einmal um.
„Jetzt mach schon! Da unten ist nichts, wovor man Angst haben könnte! Den Schwarzen Mann haben wir längst erledigt!" Piper wandte sich wieder ihrer Tätigkeit zu. Harry und Ron sahen zu ihrer Klassenkameradin. Dann fasste der kleine Potter seinen Mut zusammen und ging zu dem Mädchen.
„Ich gehe mit dir mit! Zusammen ist es weniger schlimm!" Er lächelte sie an und das Kind strahlte zurück. Snape rollte mit den Augen. Der Junge sollte bloß seine Fingern von seiner Tochter lassen. Weasley jedoch stand wie versteinert da und starrte ihn noch immer an.
„Machen Sie sich ebenfalls nützlich Weasley! So ein Kartoffelsack ist schwer!" Auf die Worte des Professors setzte sich der Rotschopf in Bewegung. Amüsiert blickte er ihm hinterher. Es war doch perfekt, wenn die Kinder Angst vor einem haben.
„Wo ist hier überhaupt der Lichtschalter?", wollte Harry wissen. Die Tür war hinter ihnen ins Schloss gefallen. Es war stockdunkel.
„Ich hab keine Ahnung! Ich war schon lange, oder noch nie alleine hier", gab Helena zu. Ihre Stimme zitterte. Plötzlich vernahmen sie ein Poltern und ein Stöhnen. „Was war das?"
„Autsch!", stöhnte Ron. „Passt auf! Da ist eine ziemlich lange Treppe!" Was er selbst schmerzhaft feststellen musste. Wo zum Teufel nochmal war der Lichtschalter? Langsam gewöhnten sich die Augen der Kinder an die Dunkelheit und die beiden Obenstehenden konnten die Treppe ausmachen. Vorsichtig machten sie sich auf den Weg zu dem Rotschopf.
„Wo ist jetzt dieser Sack?" Harry sah sich um und ging ein paar Schritte weit weg.
„Bleib hier! Ich habe Angst." Das Mädchen war den Tränen nahe. Sofort war der Schwarzhaarige bei ihr und nahm ihre Hand. Gut dass es dunkel war, denn Helena lief in diesem Moment ein bisschen rot an.
„Ich hab etwas Kartoffelsack ähnliches gefunden!", kam es von einer Ecke. Danach war ein Geräusch zu vernehmen, dass verriet, dass Ron den Sack zu ihnen zog. „Und wie sollen wir das die Treppe hochschleppen?" Die drei sahen betrübt auf das Ding. Sie durften ja nicht mit Zauberstab zaubern. Und für Helena war es zu schwer um ihn schweben zu lassen.
„Ich hab eine Idee! Hier sollte irgendwo ein langes Brett liegen. Das können wir auf die Stufen legen und dann dort den Sack raufziehen und –schieben." Die junge Halliwell war glücklich mit ihrem Einfall. Jetzt mussten sie nur noch das Brett finden. Vorsichtig tasteten sie sich in der Dunkelheit umher. Das Mädchen folgte der Wand und gelang schließlich zum dem Brett. Doch auch dieses war schwer. Nur zu dritt schafften sie es zur Treppe. Danach machten sie sich daran, die Kartoffeln nach oben zu schaffen. Ron zog und Harry und Helena schoben.
„Wie kann man nur so lange fürs Kartoffeln holen brauchen?", stellte Snape trocken fest, als die drei wieder hinter der Tür auftauchten. Helena sah ihn fassungslos an. Da machten sie sich solche Mühe und dann passte es ihm nicht.
Sie stemmte die Arme und die Seite und sah ihn trotzig an. „Der Sack war unheimlich schwer! Wir mussten was machen, damit wir ihn die Treppe hochbekommen konnten. Und das alles im Dunkeln!" Auch ihr Ton war alles andere als nett.
„Vergreif dich nicht im Ton! Sonst verbringst du den Abend in deinem Zimmer, junge Dame!", herrschte Severus sie an. Sein flammender Blick ließ selbst Piper zusammen zucken. Das Mädchen ließ die Arme und den Kopf sinken. „Verzeihung, Sir!", flüsterte sie. Harry biss sich auf die Unterlippe und Ron rieb sich den Hintern.
„Helena, würdest du bitte deiner jährlichen weihnachtlichen Arbeit nachgehen?" Piper lockerte abrupt die Stimmung und die Kinder waren ihr Dankbar dafür. Das Mädchen setzte wieder, so gut es ging, ein Lächeln auf und ging zu dem kleinen Tisch in der Küche. Wie jedes Jahr um diese Zeit stapelten sich Kekse in verschiedenen Formen und Größen darauf. Die Aufgabe der Kinder war nun, die Plätzchen zu verzieren.
Es erwies sich als unheimlich witzig mit Ron und Harry diese Aufgabe zu erledigen. Snape warf ihnen zwar hin und wieder giftige Blicke zu und ermahnte sie, doch das störte sie kaum. Helena war ein wenig traurig darüber, dass Hermine nicht hier war. Aber dabei fiel ihr etwas anderes ein.
„Habt ihr beiden in der Bibliothek etwas gefunden?" Doch die beiden schüttelten den Kopf. Die junge Halliwell seufzte. Schade. Aber ohne Hermine konnten sie ja auch nicht fündig werden.
„Nein, wir wissen ja nicht, was dieser Flamel gemacht hat. Also ist es schwer ihn irgendwo zu finden", seufzte Ron. Dennoch kam Harry und Helena der Name bekannt vor.
Doch sie konnten nicht weiter darüber nachdenken, denn plötzlich kam die mittlere Halliwell in die Küche und sah ihre kleine Schwester beleidigt an. „Du machst das ohne mich?"
Helena nickte und sah gespielt ernst drein. „Du bist zu alt für sowas!" Doch ein Lacher entfuhr ihr schließlich doch. Phoebe sah sie immer noch gespielt beleidigt an. Sie tauchte Zeige- und Mittelfinger in den weisen Zuckerguss und schmierte es auf die Nase des Mädchens. „Pff, Fräulein Naseweis. Dann helfe ich eben ab jetzt! Außerdem bezeichne mich nicht als alt!"
Damit ging es noch schneller voran. Und es war noch witziger. Phoebe erzählte den Jungen, wie viele Freunde sie schon in ihrem Alter hatte. Helena grinste nur. Die Schwester war eben cool. Am Ende als sie fertig waren, war nicht nur Helena mit Zuckerguss bekleckert. Rons Stirn zierte eine Zuckerguss Blitznarbe, die das Mädchen ihm dort hingeschmiert hatte. Phoebe sah aus wie eine Katze und Harry hatte einen Bart bekommen.
„Geht euch waschen sofort, ihr kleinen Kinder! Vor allem du Phoebe!", lachte Piper. Ihre Schwester würde sich wohl nie ändern, aber sie konnte dafür so gut mit Kindern umgehen.
Während die beiden Jungen von Phoebe in das Badezimmer geführt wurden, ging Helena zu ihrem Dad. In ihren Händen hielt sie einen großen runden Keks. Diesen zierte eine silberne Schlange aus Zuckerperlen. Der Hintergrund war grün. Mit einem zufriedenen Lächeln hielt sie ihm den Keks entgegen. „Den habe ich nur für dich gemacht!" Vorsichtig nahm er ihn entgegen und beäugte die Schlange. Von seitens Helena, war es vor allem als Entschuldigung gedacht.
Severus sah verwundert auf das Plätzchen. Für eine Gryffindor, bekam sie die Slytherinschlange ziemlich gut hin. Sie hatte sich bestimmt bemüht, also würde sie jetzt bestimmt Lob erwarten. „Sieht ganz gut aus. Und nun geh dich waschen!" Das Kind lächelte immer noch, doch er wusste, dass sie mehr erwartet hatte.
„Es ist schön, dass sie ihren richtigen Vater gefunden hat. Du machst dich gar nicht schlecht, auch wenn ein bisschen mehr Gefühl nicht schaden würde!" Piper nahm ihre Schürze ab und faltete sie. Severus sah sie mit hochgezogener Braue an. Was sollte das nur wieder bedeuten? Er ging nicht darauf ein, sondern bewegte sich in Richtung Wohnzimmer.
Dort saßen die Kinder und spielten. Zumindest nur die Jungen. Auf dem Couchtisch stand ein Schachbrett. Severus sah sich um und entdeckte Helena auf Phoebes Schultern. Die beiden standen unter einem Türstock und versuchten einen Mistelzweig daran anzubringen. Einen Seufzer unterdrückend ließ er sich auf einen bequemen Sessel nieder, auf dessen Armlehne eine Muggelzeitung lag. Besser als nichts. Snape schlug sie auf und verschwand dahinter.
Ron und Harry beobachteten ihren Zaubertränkelehrer. Ein leichter Schauer durchfuhr die beiden. Es behagte ihnen nicht, ihn so nah bei ihnen zu haben. Und das in ihrer Freizeit. Doch sie widmeten sich wieder ihrem Zaubererschach.
Helena ließ sich aufs Sofa fallen und sah auf die Jungen, die auf dem Boden vor dem Couchtisch saßen. Gerade zertrümmerte Rons Springer Harrys Pferd. Geschockt riss die junge Halliwell die Augen auf. „Was ist das den für ein brutales Schachspiel? Die Figuren machen sich ja selber fertig!"
Ron lachte. „Ja was denkst du denn? So spielt man Schach nun mal! Das hab ich Harry auch schon erklärt. Sagt mal, was haben die Muggel euch eigentlich beigebracht?"
„Na hör mal! Erstens habe ich schon öfter Schach gespielt, aber die Figuren bewegen sich nur wenn ich sie bewege. Und sie machen sich nicht selber nieder. Zweitens sind meine Schwestern alles andere als Muggel! Sie sind die mächtigen Drei! Und falls dir das nichts sagt, dann schlag ein Geschichtebuch auf und such unter dem Namen Halliwell! Da steht nämlich so einiges drinnen! Und falls du nicht lesen kannst, lese ich es dir gerne vor." Das Mädchen verschränkte die Arme. Hinter seiner Zeitung grinste Severus ein wenig. Seine Tochter hatte dem Rotschopf ziemlich den Kopf gewaschen. Phoebe jedoch lachte laut auf.
„Nana, Helena. Warum denn so bissig?" Sie ließ sich neben ihrer Schwester nieder und legte die Beine auf den Couchtisch. Ihr war bewusst, dass Piper es nicht gerne sah, wenn sie das tat, aber das war ihr im Moment egal.
„Warum? Weil mir die Starrhalsigkeit der Zauberer irgendwie auf den Senkel gehen. Das nervt langsam. Immerhin bin ich mir sicher, dass nicht ein einziger der Zauberer der in Hogwarts ist, weiß was zum Beispiel ein Fernseher ist. Meiner Meinung nach, sollte in Hogwarts ab der ersten Klasse Muggelkunde unterrichtet werden!" Helenas Kopf fuhr zu ihrem Vater herum, der die Zeitung geräuschvoll nach hinten schlug. Argwöhnisch musterte er sie.
„Und du glaubst, dass du die einzige bist, die das für gut befindet. Es gab diesbezüglich schon viele Diskussionen. Und obwohl das gesamte Lehrpersonal dafür wäre, ist es das Ministerium eben nicht. Da siehst du, dass nicht alle Zauberer so starrhalsig sind, wie du meinst. Auch wenn du es nicht glauben solltest, mein Vater war Muggel, also kenne ich mich selbst auch mit den Sachen aus. Außerdem tut es Zaubererkindern nur gut, dass sie keinen Fernseher haben!", schloss er ab und faltete die Zeitung zusammen. Er selbst war nie vor der Mattscheibe gesessen. Es hatte ihn immer nach draußen verschlagen.
Helena kroch auf seinen Schoss. „Es gibt ein eigenes Ministerium?" Jetzt kam sie sich ziemlich dumm vor. Gerade noch hatte sie der magischen Bevölkerung vorgeworfen nichts zu wissen, aber im Grunde wusste sie genauso wenig über die Welt ihres Vaters. Belustigt nickte Snape und sah seine Tochter an. Wie wenig sie doch wusste.
Die beiden Jungen betrachteten geschockt das bizarre Schauspiel. Anscheinend war es für Snape und Helena völlig normal. Aber es sah so eigenartig aus, wenn er sie so ansah und sie ihn und dabei noch auf seinen Beinen saß. Harry riss sich los und sah wieder aus Schachfeld.
Plötzlich rief Piper nach den beiden Schwestern. Sofort sprang Phoebe auf und stellte sich hinter den Couchsessel, in dem Snape saß. „Schnell Helena, mach was! … Hol das Buch! Schnell" Das Kind nickte, streckte die Handflächen aus und sprach einfach nur ein Wort. „Buch!" Schon erschien ein dicker Wälzer in ihren Händen. Die junge Halliwell schlug das Buch schnell auf. Genau in dem Moment kam Piper ins Wohnzimmer und sah ihre Schwestern prüfend an.
„Schön das ihr hört, wenn ich rufe! Habt ihr Zeit?" Doch die beiden schüttelten zeitgleich den Kopf. „Und warum nicht?"
„Weil ich … ähm … Dad … zeigen wollte, welche Dämonen wir schon zur Strecke gebracht haben … und Phoebe hilft mir dabei!", fügte das Mädchen schnell an. Die älteste rollte mit den Augen. Doch sie sagte nichts. Es war doch jedes Jahr dasselbe bei den zwei jüngsten Halliwells. Nun gut, Phoebe war jetzt nicht mehr die jüngste unter den mächtigen Drei, aber da Paige eigentlich Matthews hieß, stimmte das mit den „jüngsten Halliwells" immer noch sehr genau. Da genau in diesem Moment die Tür aufging und Paige eintrat, wurde diese gleich zum Helfen eingespannt.
Nachdem Piper und Paige das Wohnzimmer wieder verlassen hatten, klatschten die beiden Halliwell Schwestern ein. „Wir werden von Jahr zu Jahr besser!", lachte Phoebe. Sie nahm Helena das Buch ab und klappte es zu. Währenddessen schmiegte sich das Kind an den Oberkörper des Tränkemeisters.
„Das war aber mehr als nur unhöflich!", begann dieser und sah sie streng an. Das Kind senkte den Blick schuldbewusst.
„Aber sie macht sich und uns an den Weihnachtstagen viel zu viel Stress! Das ist unglaublich. Nicht mal Grandma war so!" Und schlagartig änderte sich die Stimmung des Kindes. Sie rutschte von seinem Schoss und ging zu den Stufen, wo die Familienfotos hingen. Das Mädchen lehnte sich gegen das Stiegengelände und sah zum dem Bild ihrer Großmutter und Mutter empor. Was hatte sie denn jetzt schon wieder? Auch die beiden Jungen sahen ihre Freundin an. Dann erhob sich der kleine Schwarzhaarige.
„Es ist bestimmt nicht gut, wenn man sich genau an die geliebten Menschen erinnern kann, die von uns gegangen sind. Da bin ich ja schon fast froh, dass ich gar nichts von meinen Eltern weiß", meinte er schwach lächelnd.
„Ach und glaubst du das wäre anders? Das tut doch genauso so weh. Ob du sie gekannt hast oder nicht ist völlig gleich, der Tod schmerzt dich immer!" Helena seufzte. Severus sah sie erstaunt an. Hatte das gerade tatsächlich seine Tochter gesagt? Doch es konnte keiner etwas auf das Gesagte erwidern, da Piper in diesem Moment alle ins Esszimmer rief.
Nachdem Harry, Helena und Ron den Tisch gedeckt und dekoriert hatten, wurden Leo und Cole gerufen. Somit konnte das große Essen beginnen. Helena saß zwischen den beiden Jungen, und ihrem Vater gegenüber. Dieser musterte sie immer wieder. Nun schien das Mädchen wieder fröhlich und ausgelassen. Eigenartig.
„Sag mal, Severus. Wie hast du unsere Mutter überhaupt kennen gelernt?" Die Frage von Phoebe holte ihn unsanft aus den Gedanken und ließ auch eine ungewöhnliche Stille einkehren. Severus wandte sich zu der Mittleren um und bedachte sie mit einem vernichtenden Blick. Phoebe hielt ihm zwar stand, wurde aber etwas verunsichert. „Ich verstehe, wenn du es nicht jetzt erzählen willst. Immerhin sind Schüler anwesend. Es war unhöflich von mir zu fragen." Der Schwarzhaarige nickte zustimmend.
Nun aßen sie alle mehr oder weniger stillschweigend weiter. Helena gefiel das gar nicht. Ihrer Meinung nach, konnte man nur essen, wenn man auch Spaß dabei hatte. Und wenn es so still war, erschien das Ganze eher unheimlich. Sie musste sich also was einfallen lassen. Doch ihr kam nichts in den Sinn.
Während das Mädchen nachdachte, sah Harry immer wieder zu Snape. Es war unheimlich so nahm an der Kerkerfledermaus zu sitzen. Plötzlich verschluckte er sich und das Besteck fiel ihm vor Schreck aus der Hand. Snape hatte die Blicke des Jungen bemerkt, und hatte ihn finster erwidert. Helena brach in Gelächter aus. Nun bedachte ihr Vater auch sie mit einem finsteren Blick.
Damit war auch die Stimmung wieder gelockert. Und das Essen war auch beendet. Helena und die Jungen räumten sofort den Tisch ab, während Piper beladene Teller mit Keksen auftischte. Severus staunte über die Keksverzierungen. So viel Kreativität hatte er den Kindern eigentlich nicht zugetraut. Da er doch vor allem Weasley für einen großen Vollidioten hielt. Aber das Talent ihrer Tochter hatte er ja schon längst bemerkt.
„Wow die Kekse sehen ja echt lecker aus!", meinte Cole und schnappte sich einen und zwinkerte Helena zu. Diese wurde ein wenig rot und grinste.
Das Mädchen nahm einen Schluck Kakao und sah ihren hoffentlich zukünftigen Schwager an. „Tja jeder von uns hat seine Talente." Die restlichen Halliwells lachten auf. Ja jeder von ihnen hatte seine Talente.
Sie saßen noch eine Weile und schwatzten. Die Kinder amüsierten sich, obwohl Snape sie immer wieder böse ansah.
„Ich denke, dass es nun an der Zeit ist, für die jüngeren unter uns zu Bett zu gehen!", kam es plötzlich von Piper. Die drei Gryffindor stöhnten auf. „Aber Piper!" protestierte die junge Halliwell.
„Sie hat recht, junge Dame! Ab ins Bett. Und zwar alle drei! Sofort!" Nach den Worten von Severus erhoben sie sich ohne Murren. Keiner wollte den Schwarzhaarigen ärgern. Daher liefen die drei schnell in Helenas Zimmer, wo sie übernachten würden.
