Was war gerade passiert? Yogi war sich sicher, durch den Haupteingang gegangen zu sein, jedoch konnte er sich nicht vorstellen, dass die Eingangshalle dieses einst so reich geschmückten, riesigen Palastes nun so heruntergekommen aussah. Beinahe war es vollkommen dunkel. Jedoch musste es an einem bisher noch unbekannten Ort eine Lichtquelle geben, die die Wände fahl beschien und sie wie alte, längst vergilbte Schwarzweißfotos aussehen ließ. Das wenige Licht flackerte nicht, also handelte es sich dabei nicht um eine Flamme. Es waren raue, graubraune Steinwände, die vereinzelte Risse aufwiesen, welche sich durch den Korridor zogen, der sich vor Yogi erstreckte. Das Ende des Ganges war nicht ersichtlich und klaffte dort in der Ungewissheit vor ihm, wie ein schwarzes Loch, dass ihn zu verschlucken drohte.

Als ihm durch den Kopf schoss, dass Kiichi und Jiki nicht daran gedacht hatten, ihn auch mit einer Taschenlampe auszustatten schluckte Yogi beunruhigt. Er hatte schon lange keine Angst mehr im Dunkeln und trotzdem erfüllte sie ihn mit einem schauderhaften Gefühl. Wie eine Erinnerung, die sich nicht recht manifestieren konnte, und die er angestrengt versuchte wiederzuerlangen. Er schaffte es niemals.

Er sah einem Instinkt folgend hinter sich und erschrak. Es war vollkommen unmöglich, dass er wenige Minuten zuvor noch durch eine Tür geschritten war. In seinem Rücken befand sich ein weiterer Gang, der in genau demselben fahlen Licht schimmerte und von genau derselben Dunkelheit umgeben war, wie der Erste. Dies verlieh der Umgebung den Eindruck, als würde sie Yogi als Fixpunkt nutzen und dies verstärkte das unangenehme Gefühl in Yogis Magen nur noch. Es fühlte sich an, als würde er beobachtet werden und das gefiel ihm nicht.

Yogi nahm einen tiefen, zittrigen Atemzug und blickte geradeaus. Er könnte zurückgehen aber entweder würde dies auf dasselbe hinauslaufen, oder er würde nicht einmal an seinem Bestimmungsort ankommen. So wie Yogi sein Glück kannte, würde er, sollte er den hinteren Gang wählen, tagelang orientierungslos weiterlaufen, bis die Sohlen seiner Stiefel durchgelatscht waren. Der Gang vor ihm hingegen, schien verlockender und logischer, auch wenn er seinem Zwilling hinter Yogi in nichts nachstand. Es schien, als hätte man ihn absichtlich mit der Nase in diese Richtung, an eben diesen Ort gebracht. Man erwartete offensichtlich von Yogi, dass er dort hinging. Wo immer er auch auskommen würde.

Also setzte er einen entschlosseneren Schritt, als er sich selbst zugetraut hatte, nach vorn. Jeder weitere, den er tat, verhallte in der Dunkelheit und bedeutete somit, dass Yogi wohl in einer schier endlos großen Höhle gelandet sein musste. Das Geräusch unterbrach zwar die unheimliche Stille aber machte es keinen Deut besser. Yogi fühlte sich, als befände er sich tatsächlich in einer Jahrhunderte alten Höhle. Wandmalereien hätten dieses Bild komplettiert, zu seiner Enttäuschung konnte er aber keine ausfindig machen.

Das Licht folgte ihm nicht, sondern blieb stur auf der Stelle stehen, auf der Yogi aufgekommen war. Der Circus-Kämpfer ging bewusst und erhobenen Hauptes in die Dunkelheit und trotzdem wünschte er sich, dieses Licht würde ihm folgen, was für einen merkwürdigen Ursprung es auch hatte. Doch so war es nicht. Yogi war gezwungen sich selbst immer mehr und mehr von seinem Augenlicht nehmen zu lassen, bis es vollkommen düster um ihn herum war. Er hoffte inständig, dass nun keine plötzliche Weggabelung vor ihm lag und er womöglich noch gegen eine Wand rannte, ohne es kommen zu sehen. Daran hatte er ja gar nicht gedacht!

Yogi wollte zunächst wieder umkehren und warf einen Blick hinter sich, doch musste er feststellen, dass das Licht nun gelöscht war... Entweder er war schneller voran gekommen als er gedacht hatte, oder der merkwürdige, aber beruhigende Schein war auf genau dieselbe ominöse Art und Weise verloschen, wie er aufgetaucht war.

Der Kämpfer wimmerte ergeben, bemühte sich den Blick wieder genau vor sich zu richten und weiterzulaufen. Nun durfte er lieber nicht die Orientierung verlieren, ansonsten würde er sich sicher mit Leichtigkeit verlaufen...

Ein plötzliches Geräusch, dass der Schall der Höhle freundlicherweise an seine Ohren trug, weckte seine Aufmerksamkeit. Es war ein Klopfen. Ein Klopfen, dass sich gleichermaßen nach Metall, wie auch nach Stein anhörte. Vielleicht hämmerte ja jemand abwechselnd gegen die verschiedenen Materialien. Dem Hämmern folgte ein einzelnes Gemurmel, als würde jemand sprechen, der noch zu weit entfernt war, um deutlich von Yogi verstanden zu werden.

Deshalb beschleunigte eben dieser seine Schritte.

Auch wenn viele es glauben mochten, Yogi war lange nicht so naiv zu denken, dass dort jemand wartete, der ihm gutmütig helfen würde. Vermutlich war die Person – wer auch immer da sprach – feindlich gesinnt. Dennoch würde Yogi sich wenigstens ein wenig besser zurecht finden können, sobald er bei dem Gemurmel angekommen war. Er glaubte immerhin nicht, dass diese Menschen, oder Wesen, im Dunkeln ausharrten. Und mit großer Wahrscheinlichkeit kannte man dort einen Ausweg. Yogi musste ihnen also bloß folgen.

Und so gering diese Chance auch war: Vielleicht fand er ja tatsächlich Tsukumo-chan. Er rechnete zwar nicht damit, da sie sich im Palast befand, während er auf mysteriöse Weise hier unten gelandet war, in einer Höhle, die sogar nach halbtrockener Erde roch, obwohl der Rest gar nicht mal so altmodisch wirkte. Irgendeinen Grund hatte es ganz sicher.

Die Stimme wurde immer lauter, während Yogi glaubte, hinten, ganz hinten im stockdunklen Gang, einen kleinen Lichtpunkt ausmachen zu können. Automatisch lief er schneller darauf zu, bevor er es selbst bemerkt hatte. Yogi nahm sich vor, so leise wie möglich vorzugehen. Er wusste ja immer noch nicht, ob diese Personen wirklich feindlich gesinnt waren.

Apropos, feindlich gesinnt..., dachte er vollkommen unverschlüsselt und offen. Absichtlich.

Ich höre schon seit einer ganzen Weile kein einziges Wort mehr von dir!

Stille antwortete ihm. Unter normalen Umständen, wäre Yogi erleichtert gewesen. In dieser Situation allerdings, war es eher beunruhigend, dass Silver Yogi nicht reagiert. Fast war das Blonde Original es nicht mehr gewohnt, in seinem Kopf allein zu sein...

Seine mentale Stimme wechselte von leiser Belustigung, zu ehrlicher Verunsicherung.Hallo, jemand zuhause?!

Yogi gab es auf, als immer noch nichts und niemand reagierte, und schob es großzügig auf die Wetterphänomene und Kommunikationsprobleme, die die ganze Mannschaft heimsuchten, seit sie auf diesem Land gelandet waren. Vielleicht, mit viel Glück, traf dies ja auch auf Silver Yogi zu? Vielleicht hatte man ihn angelogen, und dieser „Silver Yogi" operierte gar nicht direkt in seinem Kopf, sondern irgendwo von außen und konnte ihn jetzt nicht mehr erreichen? Yogi war seine Naivität lieber, als sich wirklich ernsthafte Gedanken darüber zu machen. Denn wenn er das tat, bedeutete dies, dass er einsehen musste, dass er gerade in Gefahr schwebte. Wenn Silver Yogi in diesem Zustand war, wie sein Wirtskörper auch, und sich nicht zu Wort meldete, konnte etwas nicht stimmen. Ganz und gar nicht.

Bevor Yogi jedoch schlecht vor Aufregung wurde, konzentrierte er sich lieber auf den Lichtpunkt, bei dem er nun tatsächlich angekommen war. Jetzt konnte er auch die Stimme verstehen, dessen Satzanfang er nicht mehr hatte hören können: „...und deswegen, wird es uns heute gelingen..." Die Stimmlage war tief und überzeugend. Der Mann klang, als hätte er seine kleine Rede entweder mit Elan einstudiert, oder als hätte er schon oft derartige Predigten gehalten.

Bei näherem Hinsehen erkannte Yogi, dass er den Träger der Stimme bereits einmal gesehen hatte. Es war Uro. Der Mann, der als Palnedos Arzt galt. Wenn Yogi ihn sich so ansah, war dieser Kerl vermutlich nicht bloß Arzt... Da unten stand er – mit reichlich Stolz und Überzeugungskraft. Aber selbst wenn Yogi gewollt hätte, er kam nicht an ihn heran. Der Circus-Kämpfer blickte von einem Abhang etwas weiter oben auf die Geschehnisse unten hinab. Er würde noch nicht einmal hinunter springen können, vermutete er. Nicht, wenn er nicht mit Sicherheit wusste, ob seine Kräfte ihm zur Seite stehen würden. Wenn sie das nicht taten, würde er sich bloß das Genick brechen, wie jeder normale Mensch, der aus einer solchen Höhe in die Tiefe zu hopsen wagte.

Während bei ihm oben alles noch in Dunkelheit getaucht war, waren die Leute unten, von einem Licht mit merkwürdiger Färbung beschienen. Es wirkte... chemisch. Wie die Kabel, die auch in der Varuga-Höhle verlaufen waren. Yogi versuchte blinzelnd mehr zu erkennen und tatsächlich: Diese Rohrleitungen waren auch hier angebracht... Sollte das bedeuten, hier trieben sich ebenfalls gefährliche, oder riesige Vargua herum?

Yogi zwang sich dazu, seine wirren Gedanken einzustellen und Uro zu lauschen. Es war nicht schwer zu erraten, dass die Ansammlung von Fremden, welche verstreut vor ihm stand und ihm gebannt zuhörte, Varuga waren. Es war trotzdem wichtig in Erfahrung zu bringen, was genau hier gespielt wurde. „Unser Vorhaben ist oft gescheitert aber ich bin zuversichtlich. Viele gute Leute haben ihre gesamte Energie in das Projekt gesteckt und viele Hilfskräfte haben leider ihr Leben verloren..." Wüsste Yogi es nicht besser, hätte er gedacht Uro hielt auf einer beliebigen Firmen Feier eine Rede... Wenn man sich die Sache mit dem Sterben wegdachte.

„Aber nur so konnten wir und auch das Projekt wachsen. Heute wird der Tag sein, an dem wir siegreich sein werden!"

Die Menge murmelte zustimmend und hirnlos. Yogi hegte keine Zweifel mehr; es handelten sich um Varuga.

Uro wies feierlich auf einen Punkt hinter sich. Yogi musste sich ein wenig strecken, um genau sehen zu können, was der Mediziner zeigte. Ein heftiger, kaltblütiger Schauer lief dem Circus-Kämpfer den Rücken hinunter. „Heute haben wir die perfekten Versuchs-Objekte. Ich bin zuversichtlich und der Boss wird mehr als begeistert sein."

Beinahe schon aufgebahrt, lag Tsukumo. Es war nicht mehr als ein Kasten, der von schräg gestellten Holzbeinen gestützt wurde und die ihm das Aussehen eines Recks verliehen, auf dem sie lag. Die großen Augen der jungen Frau waren geschlossen, außerdem lag sie halb mit dem Kopf nach unten da. Widerstandslos. Vermutlich war sie bewusstlos. Nicht auf dem Kasten selbst, aber zu seinen Füßen, saßen ebenfalls zwei merkwürdig bekannte Gesichter... Ein schlaksiger, schlanker, Schwarzhaariger und ein etwas kleinerer Rothaariger, der sonst immer eine Fliegerbrille trug und seine Augen abschirmte. Jetzt jedoch war besagte Brille von seinem Kopf gerutscht. Beide hatten die Augen ebenfalls geschlossen.

Die ganze Szene wirkte bizarr. Wie ein Opferritual.

„Oder wie ein Scheiterhaufen...", wisperte Yogi leise, um es nicht denken zu müssen und sich selbst zu täuschen. Silver Yogi konnte immer noch irgendwo dort sein und ihm zuhören, während er sich ins Fäustchen lachte.

Uro wedelte fast gleichgültig mit der Hand. „Ihr dürft beginnen."

Ehe Yogi sich versah, wurden seine schlimmsten Befürchtungen zur harten Realität. Zwei der Varuga traten aus der Masse hervor, altmodische Fackeln in der Luft schwenkend. Es schien nicht, als hätten sie dies unbedingt nötig gehabt, sondern eher, als würde es der Show dienen.

„Grausam...", schluckte Yogi panisch.

Sie schritten viel zu schnell auf den Kasten zu, der deutlich als Scheiterhaufen zu dienen schien...

Yogi sprang einen Schritt nach vorn – eher aus Reflex, als um auf sich aufmerksam zu machen – und tat seine unbedachte Aktion. Ohne mit der Wimper zu zucken und darüber nachzudenken, zückte er einen seiner Degen und warf. Die schmale Waffe sauste durch die Luft und verfehlte sein Ziel nur knapp. Verdammt, er hatte gezittert! Der rechte Degen streifte einen der beiden an der linken Wange, erzeugte einen minimalen, feinen Schnitt in der zerstörten Haut und brachte beide Fackelträger dazu, innezuhalten und herum zu fahren.

Uro blickte augenblicklich in die Richtung, aus der der Angriff gekommen war und entdeckte Yogi in Sekundenschnelle.

Der Degen löste sich in schimmernde Luft auf, bevor er den Boden auch nur ansatzweise berühren konnte. Einer der vielen Vorteile, die die speziellen Circus Waffen mit sich brachten.

Der Arzt wies geradewegs in Yogis Richtung. Den Zeigefinger zu einer Drohung für sich erhoben. „Fangt ihn ein."

Yogi bezweifelte, dass es beim Einfangen bleiben würde.

Eilig versuchte er, seine beiden Degen erneut herbeizurufen, doch dieses Mal funktionierte es nicht – als hätten diese verdammten Teile den Zeitpunkt abgepasst, ihn im schlechtmöglichsten Moment im Stich zu lassen.

Die Horde setzte sich schnaufend und gurrend in Bewegung, wollte sich auf Yogi stürzen. Es dauerte nicht lange, bis dieser sie bereits auf der linken Seite, beinahe in seiner Nähe hören konnte. Yogi sprang dieses Mal bewusst auf und hechtete nach rechts. Er irrte nur kurz durch die Dunkelheit, bevor es ein wenig heller wurde und Yogi alarmiert abbremsen musste, als er den klaffenden Abgrund sah, den man nur mithilfe eines schmalen, einsturzgefährlich aussehenden Pfades überqueren konnte. Tief unten am Grund, schien eine Flüssigkeit zu wabbern... Eine dunkle Flüssigkeit, bei der man das Wort Wasser definitiv ausschließen konnte.

Yogi ließ sich nicht zu viel Zeit, mit dem Balance-Akt zu beginnen. Hauptsächlich, weil die grunzende Horde erneut dicht auf seinen Fersen zu sein schien. Er schaffte es fast bis zur Mitte, als er die Varuga einerseits dicht hinter sich spürte, und ein paar vereinzelte vor ihm auftauchten und auf den Steg sprangen. Sie grinsten ihn belustigt an, als wüssten sie mit Sicherheit, dass Yogis letztes Stündlein geschlagen hatte.

Sie begannen bereits geifernd nach ihm zu schnappen, was Yogi dazu brachte gekonnt auszuweichen. Er brauchte nicht zwei Mal nach unten zu blicken, um sich über seinen nächsten Schritt genau im Klaren zu sein. Die Monster konnten die Klauen nicht weiter nach ihm ausstrecken, da war der Circus-Kämpfer bereits gesprungen. Es war ein kurzer Fall, der es nicht einmal schaffte, Yogis Herz zum Rasen zu bringen. Er klatschte in einer dickflüssigen Masse auf, die ekelhaft und metallisch stank... Yogi wollte seine Augen jetzt bloß nicht öffnen aber das machte ohnehin keinen Unterschied. Er wusste, dass die Varuga debil nach unten starrten und darüber nachgrübelten, ob er nun tot war und die Arbeit für sie erledigt war.

Yogi hatte keine Mühe die Luft so lange anzuhalten, das Problem lag eher an diesem furchtbaren Geruch... Kaum dass die Varuga die Köpfe eingezogen hatten und sich auf den Weg machten, zu Uro zurück zu kriechen, kämpfte Yogi sich an die Oberfläche. Er riss schwer atmend die Augen auf und bemühte sich, den Gestank der sich in seiner Nase eingenistet hatte, zu vertreiben, oder ihn sich zumindest wegzudenken...

Das spärliche Licht war schummrig, aber es reichte, um die dunkelrote Flüssigkeit als Blut zu identifizieren.

Instinktiv tastete Yogi nach seinem Pflaster. Seine Hand zitterte kritisch aber er konnte es tatsächlich nicht finden... Silver Yogi war also wirklich ausgebrochen.

Yogi spuckte verzweifelt den Rest hinaus, der sich noch in seiner Mundhöhle befunden hatte, sah angewidert auf die Stelle, als erwartete er, dass sie sich rechtfertigte und watete dann zum nächstbesten, trockenen Fleckchen. Er hatte jetzt keine Zeit sich um dieses dämliche Alter Ego zu sorgen! Er musste einen Weg finden wieder nach oben zu kommen und zu verhindern, dass Tsukumo-chan getötet wurde!

Tsukitachi schaltete das Funkgerät ab und legte es mit tatsächlich erzwungener Geduld auf den Tisch hinter sich, lehnte sich dagegen. Er war ratlos. Sie hatten bereits viel erlebt, bei Circus, aber ein riesiges Gebäude dass sich durch die Gegend orbte? Das war wirklich etwas neues... Wenn es nicht so ernst und besorgniserregend wäre, wäre es sehr spannend gewesen.

„Was ist los?", fragte Gareki misstrauisch.

„Wie wollen sie vorgehen?"

Der Jüngere konnte nicht sehen, wie Tsukitachis Augen kurz nach oben zuckten, eine typische Reaktion eines Menschen, der log. „Sie wollen das wir alle ausschwärmen."

Hirato hob eine Augenbraue. Er war der Idee zwar nicht abgeneigt aber es war schwer vorstellbar, dass dies wirklich die Wahrheit war. Und so wie er Gareki kannte, würde dieser dahinter kommen. Tsukitachi unterschätzte den ehemaligen Kriminellen einfach.

„Nehm ich dir nicht ab", sagte dieser daraufhin auch – wie zu erwarten – schlicht.

„Aber...-"

„Ihr bleibt hier. Ich werde gehen. Wenn ich in einer Stunde nicht zurück bin, könnt ihr von mir aus machen was ihr wollt, bevor die beiden euch hier verrotten lassen." Gareki machte keinen Hehl aus seiner gewohnten, bitteren Stimmung und rückte im Gehen seine Fliegerbrille zurecht.

Akari beobachtete, wie die Türen hinter dem Jungen zuschlossen. Der Blick des Arztes blieb dann zweifelnd an den beiden Katastrophen hängen. Er glaubte nicht, dass diese sich einfach so geschlagen geben würden.

Gareki fand die Tatsache, dass er den Palast wiedergefunden hatte viel zu unglaublich, als dass sie wahr sein konnte. Er sollte Jiki, oder Kiichi alarmieren, das wusste er aber es war einfach keine Zeit geblieben. Aus diesem Grund hangelte er sich nun an einer längst viel zu zerbrechlich aussehenden, alten Hängebrücke entlang, die vor langer Zeit die letzten guten Tage gesehen hatte. Viele der hellbraunen, bis grauen Planken waren durchgebrochen, oder viel zu wackelig und die purpurnen Träger schienen ebenfalls marode. Gareki riskierte nicht, sein volles Gewicht auf das Holz zu stützen.

„Hilfe gefällig?", tönte die Stimme der Brillenschlange ungebeten aus dem Funkgerät, welches man ihm gegeben hatte.

Gareki zischte wütend und zog sich zur Hälfte auf die Brücke, um beruhigt nach dem Telefon kramen zu können. „Wo bist du und wieso bist du hier?!", knurrte er drohend ins Gerät.

„Ich soll dir verraten, wo ich mich versteckt halte, damit du mich wegschicken kannst, als wäre ich dein Angestellter?"

Die Art, wie die Brillenschlange diesen Satz betonte, verwirrte Gareki. „Ich bin nicht dein Angestellter!"

„Was nicht ist, kann noch werden", summte die verdammte Stimme des Captains.

„Was soll das heißen?"

Gareki riss sich im letzten Moment zusammen. „Und lenk nicht vom Thema ab!"

„Du wirst Unterstützung brauchen, Gareki. Deswegen bin ich hier. Außerdem kann ich meine Angestellte nicht im Stich lassen."

Gareki verdrehte genervt die Augen, ließ das Funkgerät wieder in seine Tasche zurückgleiten und setzte seine Kletterei fort. Wenn die Brillenschlange ihn schon zutexten musste, konnte er dies tun, während Gareki selbst etwas Produktives tat.

Er fragte sich, warum der Palast ausgerechnet inmitten einer Müllstadt wieder aufgetaucht war. Tatsächlich befand er sich in einer Art Barackendorf. Die Häuser schienen irgendwie aus altem Metall, welches teilweise bereits Rost ansetzte, zusammengeschustert worden zu sein. Ein einst so prunkvoller Palast, auch wenn er von außen mindestens genauso heruntergekommen wirkte, schien inmitten dieser Landschaft mehr als fehl am Platz.

Gareki setzte eine Hand nach rechts weiter und versuchte die Linke nachzuziehen, jedoch rutschte er im gleichen Moment ab. Fluchend verlor er beinahe das Gleichgewicht und krallte sich mit aller Macht am rettenden Holz fest.

„Ich rate dir, oben entlang zu gehen."

„Vielen Dank für den dringend benötigten Ratschlag!" fauchte der Junge sarkastisch und wollte sich schon stur weiterkämpfen, als ein beängstigendes und gefährliches Ächzen ertönte. Dann knarzte es laut. Es dauerte keine zwei Minuten, bis Gareki das Gefühl hatte einzubrechen. In der Tat löste sich das Holzstück an dem er gerade hing, in diesem Moment viel zu schnell vom Rest der Brücke. Er sah sich im Geiste schon hinunterfallen, als er inmitten des Kraches gepackt wurde.

Er spürte einen Luftzug in seinem Gesicht und riss die Augen auf, die er instinktiv zugekniffen hatte. Gareki flog durch die Luft – wegen Hirato. Die verdammte Brillenschlange hatte ihn geschnappt und sprang nun nach vorn, nein [style type="italic"]flog[/style]. Sie landeten auf dem nächsten Vorsprung, der vor Hirato auftauchte. Der Captain des zweiten Schiffes ließ den zappelnden, fluchenden Gareki auf seinen eigenen Füßen stehen und rückte sich sowohl Zylinder, als auch Brille zurecht.

„Ich weiß nicht, warum du dich so künstlich aufregst", bemerkte er.

„Ich rege mich künstlich auf?! Ich werd dir zeigen künstlich aufregen, du...-" Gareki war drauf und dran, tatsächlich auf den Älteren loszugehen aber dieser hob bloß die Hand. Der Junge war daraufhin so verwirrt, dass er wirklich innehielt.

„Leider hast du keine Chance, ohne mich zurückzukommen, da du nicht fliegen kannst."

Wenn Gareki es nicht besser wüsste, hätte er gedacht, in der Stimme der Brillenschlange läge eine gewisse Schadenfreude. Er grummelte etwas Unverständliches und ging ein paar Schritte vorwärts. „Kommst du nun mit, oder was?", schnappte er.

Hirato blieb ihm eine Antwort schuldig und holte den Jüngeren ein.