Titel: Den Jäger erlegen

Autorin: Sleepy Tiger

Warnung: In einer Rekordzeit von 2 Stunden geschrieben. *yeah me*

Disclaimer: Lord of the Rings © J.R.R. Tolkien

27. Kapitel: Mißgeburten

Lord Kerrigan IV. starrte den kleinen dünnen Buchhalter vor seinen Schreibtisch in Grund und Boden. Er atmete tief ein und lächelte dünn. "Was soll das heißen, du weißt nicht, was sich Seine Majestät für Bücher angesehen hat?"

"Ich weiß es nicht", piepste der kleine Mann. "Ich weiß es wirklich nicht."

"Seine Hoheit und Herr Gimli waren tagelang in der Bibliothek und du weißt nicht, was für Bücher Seine Majestät sie untersuchen ließ? Du, der schon über 30 Jahre der oberste Buchhalter Perrigon bist, weißt nicht, was sich in deinem Territorium abgespielt hat?"

Der Buchhalter schüttelte traurig den Kopf. Er bekam fast eine Herzattacke, als der junge Lord ein Glas nach ihm warf. Schnell wich er aus. Allerdings strauchelte er dabei unglücklich und fiel zu Boden.

"Weißt du eigentlich, wer dich bezahlt, du Hurensohn?" schrie Kerrigan wütend. Er fing an zu schnauben und an seiner Schläfe pochte eine kleine Ader, die aber in seinem roten Gesicht nicht weiter auffiel. "Du schuldest mir Loyalität!"

"Aber ich weiß wirklich nicht...", jammerte der andere Mann hilflos und hob schützend die Arme über seinen Kopf, als sein Lord ihn mit einem weiteren Glas anvisierte.

Er hatte Glück. Das Glas verfehlte ihn. Kerrigan schien das nur noch wütender zu machen. "RAUS HIER, DU VERDAMMTER HURENSOHN!"

Auf allen Vieren beeilte sich der Buchhalter diesem Befehl nachzukommen. Kerrigan stand auf und lief in seinem Büro auf und ab, als dieser dumme Buchhalter hinaus gekrochen war.

Alles war gegen ihn. Der Feind in Gestalt von König Aragorn und seinen beiden Freunden, Gimli Gloins Sohn und Legolas Grünblatt, aß an seiner Tafel und gab sein Geld aus. Obendrein vergötterte sein Vater dieser Männer und verhätschelte sie, als wären sie seine Söhne. Heute morgen war die komplette königliche Garde in der Stadt eingetroffen. Unbewaffnet zwar, aber momentan durften sich nur diese Männer die besten, stärksten und größten Ritter Gondors nennen. Obendrein gab es in dieser Garde Elben. Angeblich waren sie sogar mit den elbischen Königshäusern verwandt. Als wäre das nicht genug, schien ihm keiner des Personals mehr zu gehorchen. Die Dienstboten vergaßen schon einmal seine Befehle und jetzt hatte jeder dieser kleinen Buchhalter sich geweigert, ihm zu sagen, welche Bücher sich Aragorn und seine Freunde angesehen hatte. Einer der Jüngeren hatte es doch tatsächlich gewagt, ihm die Stirn zu bieten und zu sagen: "Ich bin nicht befugt, über die Aktivitäten Seiner Majestät in der Bibliothek Auskunft zu geben. Ich glaube auch nicht, daß es Euch etwas angeht, Mylord."

Ein grimmiges Lächeln kräuselte um seine Mundwinkel, als er daran dachte, daß dieser junge, aufstrebende Buchhalter wegen angeblichem Bilanzbetrug nun in seinen Kerkern versauerte. Natürlich hatte dieser Mann nichts und niemanden betrogen, aber Kerrigan wollte an ihm ein Exempel statuieren.

Leider hatte es nichts gebracht. Die Buchhalter schienen noch sturer zu werden. Sie stritten ab oder wußten überhaupt nichts von gar nichts. Kerrigan kam an einem Fenster, der zum Hof führte. Dort waren lauter Ritter und ihre Pferde. Inmitten dieses Getümmels von starken Kriegern stand der König und umarmte seinen Hauptmann. Sein Vater, Lord Kerrigan III., unterhielt sich mit einigen Rittern. Er lachte und schien sehr glücklich. Kerrigan hatte es schon vor langer Zeit aufgegeben, seinen Vater glücklich zu machen. Jeder Versuch war immer gescheitert.

Aber sowieso zählte nur das eigene Glück und das seine war durch den König sehr gefährdet worden. Lord Kerrigan IV. saß seit Tagen in seinem Büro und rechnete die ungeheuren Ausgaben des Königs zusammen. Für einen ehemaligen Waldläufer verstand Seine Majestät es wirklich, Geld auszugeben. Aber vor allem machten ihn Aragorns kleinen Bemerkungen über die Änderungen der Steuersystems speziell in Perrigon nervös. Solche Sachen wie "nach elbischen Vorbild" oder "überraschende Besuche von Steuerprüfern" oder "Was haltet Ihr von Steuern gemäß dem Einkommen der Bürger?".

Was er davon hielt? GAR NICHTS!!! Und was sollte das heißen? Nach elbischen Vorbild? Wollte er Elben als Steuerprüfer einsetzen? Diese furchtbar überheblichen Wesen? Wollte er gar seinen ganzen Beraterstab mit Elben besetzen? Das wäre furchtbar! Niemand mehr, der sich bestechen ließe!

Und der König hatte noch ein paar ganz schreckliche Ideen: Hilfefonds für die besonders Bedürftigen und Schwachen und Schulpflicht für alle. Selbst für die kleinen dreckigen Bettelkinder. Dem König waren zu viele Huren und Diebe auf den Straßen. Lehrer und Ärzte sollen von der Stadt bezahlt werden. In Kerrigans Schläfen pochte etwas wieder bedenklich, als er an die Kosten dachte. Er setzte sich wieder in seinen Sessel und suchte die Schubladen seines wuchtigen Schreibtischs nach Medizin ab. Jedes Fläschchen war leer. Das Dienstmädchen, das er für Nachschub geschickt hatte, war bis jetzt nicht zurück. Die würde auch im Kerker landen...

Stöhnend ließ er die Stirn in die Bücher fallen und versuchte krampfhaft an etwas zu denken, daß nichts mit diesem verdammten Waldläufer zu tun hatte.

Er schreckte hoch, als jemand die Tür aufmachte und eintrat. Seine Stiefmutter Lady Gouldwen war ohne anzuklopfen oder ein Wort zu sagen herein gekommen. Wie immer, wenn sie wußte, daß er allein sein würde. Sie sah ihn nicht einmal an, als sie vor seinem Schreibtisch stand und die Papierstapel durchblätterte.

"Was sucht Ihr?" fragte er seine Stiefmutter und erst da sah sie ihn an. Sie blickte ihn an, als hätte sie ihn erst jetzt bemerkt. Aber sie erwiderte nichts auf seine Frage, sondern schnappte sich einige Blätter, die er gerade beschriftet hatte und warf sie ins Feuer, ehe er reagieren konnte.

"Was macht ihr?" brüllte er entsetzt. "Ich brauche sie noch für die Buchhaltung."

Völlig ungerührt von seinem Wutausbruch blickte sie langsam zu ihm hin und er schrumpfte unter diesem eiskalten Blick. "Deine Buchhaltung hat erst zu diesem Chaos geführt."

Schuldbewußt drückte sich Kerrigan junior in die Polster seines Sessels. "Ich mußte doch wissen, was herein kommt...", verteidigte er sich weinerlich.

"Du hast die Bücher behalten, als wären es Trophäen", zischte sie in sein Gesicht. "Dafür, daß du die Stadt in Armut und Elend gestürzt hast, und deinen übermächtigen Vater glauben gemacht hast, es sei die Schuld des Königs."

Kerrigan wand sich ungemütlich. Es gab kein Entkommen vor seiner jungen Stiefmutter. Tagelang hatte er diese Standpauke erfolgreich ausweichen können, weil der König sich nicht scheute, auch sie in seine Pläne einzuspannen. Aber nun war der König nirgends zu sehen.

"Du konntest dich damit nicht begnügen, daß sich deine Schatzkammern füllen", fuhr sie fort. "Nein, du mußtest es auch noch dokumentieren." Nach diesen Worten holte sie aus und schlug ihm quer ins Gesicht. "Und jetzt haben wir nicht nur den König und seine beiden debilen Freunde hier, sondern auch das kleine Miststück."

"Welches Miststück?" wiederholte Kerrigan zitternd und hielt sich mit tränenfeuchten Augen die gerötete Wange. Ihm kam das letzte Gespräch mit dem Ork, der sich Dunkelelb nannte, wieder ins Gedächtnis. Sein Gesicht wurde so kalkweiß, daß man die scharfen Umrisse des Handabdrucks auf seiner Wange sehen konnte. "Diese nordische Kriegerin? Sie ist hier?"

"Ich habe sie eingestellt."

"Ihr habt sie eingestellt?" Kerrigan schnappte vergeblich nach Luft und öffnete den Kragen seines kostbaren Gewands und zerrte wieder alle Schubladen auf. Irgendwo mußte doch etwas Medizin übrig geblieben sein! Als er nichts fand, sank er tiefer in den Sessel und blickte seine Stiefmutter verzweifelt an. "Aber warum habt Ihr das getan?"

"Sie hat Mithril in ihren Augen", erwiderte sie rätselhaft. Als er sie komisch ansah, fügte sie hinzu: "Ich will alle auf einem Haufen haben und nicht überall in der Stadt verstreut."

Dann stieß sie sich plötzlich vom Tisch ab und näherte sich in einer unmenschlichen Schnelligkeit dem Fenster. Mit einem kräftigen Ruck riß sie die Vorhänge von der Stange und packte im gleichen Atemzug dem Dunkelelben an die Gurgel.

Kerrigan schrie vor Schreck auf und starrte auf den sich windenden Dunkelelben, der genauso überrascht schien. Wo kam der denn auf einmal her?

Für Kerrigan war das zuviel. Vor Schock war er von seinem Sessel hochgeschossen und blickte zu dem ungleichen Paar neben dem Fenster. Wenn das jemand sehen würde...Schnell lief er zur Tür und verschloß sie sorgfältig und zog alle verbliebene Vorhänge zu.

Gouldwen unterdessen hatte den Hals des Dunkelelben fest im Griff. Dieser quiekte überrascht und hielt ihr Handgelenk fest, konnte aber nichts gegen sie ausrichten. Außerdem war ihm schwindelig. Wer war dieses verdammte Weib? Warum war sie so stark? Wie hatte sie ihn bemerken können? Warum hatte er nicht gespürt, daß sie nicht menschlich war? Denn das war sie bestimmt nicht. Kein Mensch war so stark und hatte soviel Haß und Kälte in den Augen. Ihre Nägel schienen zu wachsen oder was grub sich da immer tiefer in sein Fleisch? Es strengte sie überhaupt nicht an, ihn so festzuhalten. Sie schwitzte nicht und blickte ihn so herablassend und kühl an, daß er sie am liebsten aufgeschlitzt hätte.

Er knurrte verhalten und griff schnell nach seinem Dolch im Gürtel, aber sie bekam sein Handgelenk zu fassen und drückte zu. Er hörte Knochen protestierend knirschen, aber nichts brach. Beinahe hätte er gelacht. Dieses Weib drohte ihm damit, etwas zu brechen, wenn er noch eine Bewegung machte.

"Warum so schüchtern?" fragte die junge Lady auf einmal. "Du mußt dich doch nicht verstecken, nur weil ich meinem Stiefsohn einen kleinen Besuch abstatte."

Der Dunkelelb blickte sie fassungslos an. Er kannte diese samtene Stimme. Er hatte sie schon so oft gehört, daß er sich nicht irren konnte. Diese süße kleine Lady hier war niemand anderes als diese verhüllte Gestalt, vor der sogar Kerrigan kuschte. Die wandelnde Schlangengrube.

Lächelnd sah sie das Erkennen in seinen weit aufgerissenen Augen. "Schön, daß du vorbeischaust. Ich wollte dich sowieso sprechen, Mocalyon."

Es war ein Name aus längst vergangenen Zeiten. Eine Zeit voller Demütigungen und Angst. Der Dunkelelb verengte seine Augen vor Haß und er schnappte nach ihrer Hand, aber sie würgte ihn nur noch mehr und seine Hand, die sie festhielt, fühlte sich wie abgestorben an. Aber den Widerspruch konnte er sich doch nicht verkneifen: "Nenn mich nicht so, Weib!"

"Aber das ist doch dein Name", erwiderte sie zuckersüß "Ich war doch dabei, als Saruman ihn dir gab. Und nur ihm hast es zu verdanken, daß du heute noch lebst. Ich hätte dich längst aufgeschlitzt und an die Fische verfüttert."

Lord Kerrigan IV. horchte auf. Er wußte, daß seine Stiefmutter Verbindungen zu Saruman gepflegt hatte, aber welche Beziehung sie zu diesem Magier hatte, hatte er nie heraus gefunden.

Mocalyon würgte und rang keuchend nach Luft, als sie fest zudrückte. "Wer bist du?"

"Du kennst mich", erwiderte sie immer noch zuckersüß. "So gut wie ich dich kenne."

"Hilf meiner Erinnerung auf die Sprünge", bat Mocalyon spöttisch. "In meinem Leben gab es nur solche Dreckstücke wie dich. Welche von denen warst du?"

"Werde nicht zu überheblich...Ork", flüsterte sie und lächelte, als der Haß in seinen Augen wieder aufloderte. "Ich kenne dich sehr gut. Dein Volk wollte dich nicht, weil das Mithril dich nicht verabscheute. Man nannte dich Elb, aber ein Elb bist du auch nicht. Häßlich und stinkend wie du bist. Du bist nicht mehr als eine Mißgeburt. Aber du hattest Glück, daß du Saruman aufgefallen bist. Dank ihm bist zu seinem besten Attentäter aufgestiegen. Du hattest Zugriff zu Elben, weil du so schnell und leise bist wie sie. Du trägst sogar Mithril mit dir herum. Das konnte ich nie."

Sie griff nach seinem Dolch und zog es aus der Scheide. Aus jugendlichen Trotz hatte er damals angefangen, Mithrilwaffen zu benutzen. Wenn sie ihn so akzeptieren konnten, wie er war, warum sollte er dann auf sie verzichten? Sie waren sowieso besser und leichter als die der Orks. Mocalyon staunte nicht schlecht, als die Mithrilklinge bläuliche leuchtete. Das tat sie doch nur, wenn sich ein richtiger Ork in seiner Nähe aufhielt. Aber diese Frau war doch kein Ork...oder doch?

"Ich bin genauso eine Mißgeburt wie du", flüsterte sie tonlos. "Mensch und doch nicht Mensch. Jedes Mal glühte und brannte Mithril, wenn ich da war." Sie strich vorsichtig mit der Klinge über ihre Hand und es zischte sofort. Rauch stieg auf, der nach verbranntem Fleisch roch. Dann stieß sie die Klinge bis zum Schaft in die Wand. "Erinnerst du dich jetzt?"

Kerrigan plumpste in seinen Sessel und durchsuchte erneut seinen Schreibtisch. Diesmal brauchte er einen harten Schnaps. Deswegen hatte Gouldwen nach ihrer Hochzeit veranlaßt, daß keine Mithrilgegenstände im Palast sein durften. Die Frau war ein Ork! Aber ziemlich hübsch für einen Ork...

"Die verfluchte Gouldwen", flüsterte Mocalyon kaum hörbar und blickte furchtlos in diese schöne Augen, aus denen nur Haß und Wut sprach.

"Ich war gut!" preßte sie zwischen ihren Zähnen hervor. "Ich war verdammt gut. Niemand konnte so schnell töten wie ich. Ich war Sarumans beste Attentäterin. Aber dann bist du aufgetaucht. Ork...Ich habe dich gehaßt! Nur weil ich mich keinem Elben unbemerkt nähern konnte, wurde ich in diese verdammte Stadt geschickt, um einen alten Tattergreis zu verführen."

Mocalyons Schultern fingen an zu beben und Kerrigan, der auch keinen Schnaps gefunden hatte, dachte, der Dunkelelb würde gleich weinen. Aber er öffnete bloß seinen Mund, um zu lachen. Kerrigan schüttelte den Kopf. Jetzt hatte dieser Mocalyon für die längste Zeit gelebt. Gouldwens Eröffnung, sie wäre einmal Attentäterin gewesen, überraschte ihn nicht wirklich. Er war dabei gewesen, als sie einer zu neugierigen Magd den Hals umgedreht und aus dem Fenster geworfen hatte. Es hatte ausgesehen wie ein Selbstmord. Da hatte sich sein Vater gerade mit ihr verlobt und sie hatte ihm gezeigt, wie er von seinem alten Herrn unabhängig werden konnte. Das war auch die Zeit gewesen, als er mit Mocalyon die fruchtbare Geschäftsbeziehung aufgebaut hatte. Kerrigan würde ihn vermissen.

Der junge Statthalter erhob sich schwerfällig und machte sich noch einige Gedanken darüber, wie man Mocalyons Leichnam unauffällig beseitigen konnte, als er Gouldwen lachen hörte. Erstaunt sah er zu ihnen hinüber und setzte sich wieder. Sie ließ den Dunkelelben los und hielt sich den Bauch, während sie lachte.

Ihr ehemaliger Rivale setzte sich auf den Boden und rieb sich seine malträtierte Gurgel. "Saruman war schon ein verdammter Mistkerl. Dich verschachert an einen alten, sabbernden Kerl und mich setzt er inmitten blutdürstiger Elben ab."

"Aber wir haben beide überlebt", sagte Gouldwen und atmete tief aus. Ein grausames Lächeln leuchtete in ihren schönen Augen. "Er nicht."

Kerrigan wünschte, er könnte zaubern. Dann würde er sich ganz klein machen oder sich in Luft auflösen. Mit diesen beiden schrecklichen und grausamen Gestalten in einem Zimmer wurde ihm etwas mulmig. Am besten tat er so, als wäre er gar nicht da.

"Ich habe das Mädchen gefunden", bemerkte Mocalyon auf einmal. "Ihr Name ist Asani und sie steht unter dem Schutz dieses komischen Elbens. Die Bettler erzählen, daß dieses Mädchen in seinem Bordell ein und aus geht."

Gouldwen runzelte die Stirn. "Oberon Temonis?"

Kerrigans Gesicht wurde aschfahl bei dem Namen. Immer wenn er ihn hörte, kamen einige sehr unschöne und demütigende Erinnerungen hoch. Er hätte diesen Elb schon längst aus der Stadt verbannt, wenn er nicht der Ziehvater von Kerrigan I. gewesen wäre.

"Bist du dir sicher?" fragte Gouldwen skeptisch. "Vielleicht ist sie nur eine kleine Hure."

"Elben gehen zu keine Huren", erwiderte Mocalyon knapp. Als Gouldwen ihn stumm ansah, grinste er. "Sie ist Grünblatts Geliebte. Er betatscht sie in aller Öffentlichkeit."

"Und Ihr habt sie eingestellt", krächzte Kerrigan Gouldwen zu und erhob sich auf steifen Beinen. In einem Schrank bewahrte er Schnaps und Wein. Davon braucht er nun ganz dringend etwas. Was war das bloß für ein Morgen? Dabei wollte er doch nur die Buchhaltung machen und nun standen und saßen zwei der grausamsten Diener Sarumans in seinem Arbeitszimmer. Wäre er damals bloß ins Kloster gegangen...

"Du hast sie eingestellt?" Mocalyon lachte heiser.

"Der Prinz brachte sie mit", entgegnete Gouldwen geistesabwesend. Sie blickte aus dem Fenster und schien tief in Gedanken versunken. "Ich wußte sofort, daß sie dieses kleine Miststück war...aber auch noch seine Geliebte..." Sie lächelte Mocalyon an. "Er liefert sich uns selbst aus. Ist das nicht liebenswürdig von ihm?"

Mocalyon und Kerrigan blickten sie verdutzt an. Aber anders als bei Mocalyon, der schon nach kurzer Zeit, Gouldwens Gedankengänge folgen konnte und verstehend grinste, sah Kerrigan immer noch sehr verwirrt aus. Seine Stimme klang ziemlich piepsig und kleinlaut, als er verängstigt fragte: "Was genau meint Ihr?"

Gouldwen ignorierte ihren Stiefsohn und verschränkte die Arme vor der Brust, als sie auf Mocalyon hinunter sah. "Übermorgen beim Bankett wäre der beste Zeitpunkt. Es wird so voll und chaotisch sein, daß ihr Verschwinden niemandem auffallen wird. Nicht einmal dem Prinzen."

Mocalyon nickte zufrieden.

"Du kriegst das Mädchen natürlich unversehrt und lebend", fuhr sie fort und bediente sich selbst aus dem Weinschrank ihres Stiefsohns. "Allerdings unter einer Bedingung..."

"Ich liefere nicht mal einen Spatz, bevor ich das Mädchen habe", unterbrach Mocalyon kühl.

"Du bekommst sie", versprach sie. Ihr Lächeln war diesmal besonders grausam und sadistisch. "Aber ich will ihre Augen haben, wenn du und deine Männer...eure kleine Feier mit ihr beendet habt."

"Die Augen?" Mocalyon sah sie mißtrauisch an. "Warum die Augen?"

"Ich sammle sie", antwortete sie achselzuckend. Als Mocalyon laut auflachte, fuhr sie fort: "Ich schlage vor, du gibst den Rest von ihr Grünblatt zurück. Stück für Stück. Damit der Schock nicht auf einen Schlag kommt und der Kummer sich ganz langsam in ihn hineinfrißt."

Der Dunkelelb lachte leise. Die Lady wußte wohl ganz genau, wie man sich vergnügte. "Auch gut...wir werden unsere Hunde dann mit etwas anderen füttern müssen, aber was man sich ausgeliehen hat, soll man auch zurückgeben, nicht wahr?"

Lady Gouldwen prostete ihm zu. "Auf das sein Herz zerbricht und er daran zugrunde geht."

Ende des 27. Kapitels

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Chapter 27 is finished *mwuahahahaha* I'm the greatest boy genius...Ähm, falscher Text...aber ich finde mich im Moment schon recht toll. Eigenlob stinkt nicht, ich habe da so meine Wässerchen und Seifen dagegen *ggg* Dieses Kapitel haben ich nämlich in nur 2 Stunden geschrieben...Normalerweise brauche ich ja eine halbe Ewigkeit. Das wißt ihr ja. Ich hoffe, ich brauche keine GANZE Ewigkeit für Kapitel 28....