Abschlussball…. Im Leben jedes Zauberschülers markierte dieser Tag einen Meilenstein in dessen Leben. Nicht nur auf Hogwarts, sondern auch in sämtlichen anderen europäischen Zaubererschulen wurden heute die ZAG´s überreicht, endete für hunderte junge Magier die Schulzeit. Krönenden Abschluss bildete üblicherweise ein Ball, ehe sich die Abgänger in alle Himmelsrichtungen verstreuten und dem Ernst des Lebens entgegen gingen. Es sollte ein Ereignis der Superlative sein, dem man mit Anspannung, Nervosität und vor allem Freude entgegen blickte, schlimmstenfalls mischte sich noch ein wenig Angst darunter, wie man bei den Prüfungen abgeschnitten hatte, ob es reichte, um den Beruf zu erlernen, den man sich erhoffte.

Draco und Hermine saßen sich an diesem Tag beim Mittagessen gegenüber, als hätte ihr letztes Stündlein geschlagen – und genauso fühlten sie sich auch. Es blieben ihnen noch zwei Tage, ehe sie Hogwarts verlassen mussten. Die Zeit danach lag wie unter einem grauen Schleier verborgen, einzig die bevorstehende Hochzeit hing wie ein Damoklesschwert über ihnen, dunkel, drohend, unübersehbar. In der vergangenen Nacht hatten sie das erste Mal seit langen wieder darüber gesprochen, und Draco hatte Hermine mit aller Deutlichkeit zu verstehen gegeben, dass er sich nicht von ihr trennen würde, nicht freiwillig. Doch er wusste nur zu gut, dass sie sich nicht ewig als seine heimliche Geliebte zufrieden geben konnte, auch, wenn sie jetzt noch das Gegenteil behauptete. Sie wussten beide, dass dies nur ein Aufschub war, um das Unvermeidliche hinauszuzögern.

Die Prüfungen waren schon seit Tagen beendet; das Paar war seitdem im wahrsten Sinne des Wortes unzertrennlich gewesen. Wortlos gingen sie Hand in Hand spazieren, saßen am See, saugten die Sekunden in sich auf. Ihre Freunde ließen sie in Ruhe; lediglich am Tag vor dem Ball zogen Luna und Ginny ihre Freundin beiseite und überredeten sie dazu, dass sie am Nachmittag darauf in den Schulsprecherräumen gemeinsam fertig machen würden für das Fest. Widerwillig hatte Hermine zugestimmt.

Kaum hatte sie den letzten Bissen heruntergewürgt, standen die beiden bereits neben ihr. „Bist du fertig?" Ginny strahlte über das ganze Gesicht und zuppelte an Hermines Arm herum, als die nicht direkt reagierte, sondern sie nur lustlos ansah. „Komm schon!" drängelte das Weasley-Mädchen. Luna sagte zwar nichts, aber auch ihr war die Unruhe deutlich anzumerken. „Jetzt schon?" fragte Hermine entsetzt, was Ginny dazu veranlasste, ungeduldig die Augen zu verdrehen. „Sicher jetzt schon, wir müssen schließlich noch dusch." „Duschen? Bei uns?" *So war das nicht abgesprochen…* dachte Hermine. „Ja, glaubst du denn, wir duschen in unsren Türmen und laufen dann halbnackt mit unsrem Klamotten quer durchs Schloss?" Bei der Vorstellung mussten alle grinsen; selbst Draco´s Mundwinkel zuckten verräterisch, ehe er entrüstet aufbegehrte. „ Und wo, gedachten die Damen, soll ICH mich fertig machen?" Luna und Ginny wechselten betretene Blicke. Da hatten sie gar nicht drüber nachgedacht. „Mehr als eine Stunde brauchst du ja sicher nicht, oder? Solange hast du Zeit." bestimmte Luna, schnappte sich Ginny und zog mit einem letzten verschwörerischen Blinzeln zu Hermine mit ihr von dannen.

„Wie großzügig!" murrte Draco ätzend. „Und wo, bitte schön, schlag ich mir danach in voller Montur die Zeit bis heute Abend tot?" Dabei stand er auf und hielt Hermine die Hand hin, die sie ergriff und sich ebenfalls erhob. „Armer, geplagter Mann!" zog sie ihn auf und gab ihm einen kleinen Kuss. „Ich glaub, im Kerker haben sie bestimmt noch ein Plätzchen für dich frei." „Welch erhebende Aussicht…" knurrte der Slytherin. „Den schlimmsten Teil des Abends dann direkt hinter sich zu haben." Das er damit ein Zusammentreffen mit Pansy meinte, brauchte er nicht extra zu erwähnen; man sah es ihm an der Nasenspitze an.

Arm in Arm stiegen sie zu ihren Räumen hinauf und Draco machte sich direkt daran, duschen zu gehen. Als er wieder aus dem Bad trat, hatte er jedoch wieder normale Kleidung angezogen, was ihm einen amüsierten Blick von Hermine einbrachte. „SO willst du zum Ball mit mir? Ich bin entsetzt!" Sekunden später lag sie rücklings auf dem Bett und blickte in Dracos graue Augen, die belustigt funkelten. „Ich für meinen Teil würde dich in jeder Aufmachung mitnehmen." grinste er. „In jeder?" hakte Hermine frech grinsend nach. „Jepp!" antwortete er nur kurz und verschloß ihre Lippen mit einem leidenschaftlichen Kuss, dessen Auswirkungen sie prompt an ihren Schenkeln spürte. Gespielt entrüstet stemmte sie sich mit den Händen gegen seine Brust, um ihn weg zuschieben, was ihn nur dazu veranlasste, sie noch heftiger zu küssen. „Draco Malfoy!" keuchte sie, um Atem ringend, als er sie endlich unverschämt grinsend freigab. „Wenn du so weiter machst, wirst du heut nie fertig!" „Wer sagt denn, das ich das überhaupt will?" entgegnete er und ließ eine Hand aufreizend zwischen ihre Beine gleiten. *Eine viertel Stunde hätten wir noch* ging Hermine durch den Kopf ; sie schloss genießerisch die Augen und war schon versucht, sich ihm zu ergeben, als es an der Tür klopfte. Da die Tür zu Dracos Zimmer offen stand, war dies nicht zu überhören. Grummelnd ließ er von Hermine ab und wollte bereits öffnen gehen, als sie ihm hinterher hechtete und ihn zurück in sein Zimmer schob. Mit einem vielsagenden Blick auf seine Körpermitte gluckste sie: „Ich glaube, es ist besser, das ich aufmachen gehe." Kichernd zog sie die eine Tür zu und öffnete einen Moment später die andere. Wie erwartet standen Ginny und Luna davor, bis zum Anschlag aufgedreht und linsten an Hermine vorbei in den Raum. „Ist er schon weg?" fragte Ginny aufgeregt?" Ihre Freundin schüttelte den Kopf. „Ihr seid ja auch viel zu früh dran!" gab sie zur Antwort, als sie das Stirnrunzeln der Gryffindor sah. „Hab ich ja auch gesagt, aber Ginny meinte, Malfoy soll sich nicht so anstellen, sie würde ihm schon nix weggucken." feixte Luna und schob sich an Hermine vorbei. „Da hätte ich auch entschieden was dagegen!" hörten die Mädchen Draco sagen. Er stand nun, bepackt mit seinen Siebensachen, im Raum und wartete darauf, dass die drei die Tür frei gaben. Hermine grinste, als sie sein Gesicht sah. „Ich aber auch." stimmte sie seiner Aussage zu, gab ihm einen kleinen Kuss und bugsierte ihn zur Tür. „Lass dich nicht ärgern im Kerker!" flüsterte sie ihm noch leise zu, ehe sie das Portal hinter ihm schloss.

Einige Stunden später standen die Mädchen vor Hermines Spiegel und betrachteten sich darin prüfend. Kichernd und schwatzend hatten sie den Nachmittag verbracht, nachdem Ginny und Luna staunend die Räume begutachtet und kurzerhand beim Anblick der riesigen `Badewanne´ beschlossen hatten, dass alle gemeinsam baden gingen. Mit großer Sorgfalt wurden danach die Haare in die gewünschte Form gebracht und sich geschminkt. Es war eine Sache des Prinzips, dass man bei so was mit so wenig Magie wie möglich zurecht kam; schon allein, weil es per Hand mehr Spaß machte.

„Willst du nicht doch noch ein Paar Ohrringe und einen Armreif anlegen, Hermine?" Luna musterte ihre Freundin skeptisch, und Ginny kam ihr zu Hilfe. „Ja, wirklich, du siehst so nackt aus, nur mit der Kette." Doch Hermine schüttelte entschieden den Kopf. „Nein, nur die Kette, nichts sonst." Mit leisem Bedauern legte Luna die Ohrringe wieder weg, die ihrer Meinung nach perfekt zu dem Kleid gepasst hätten. Kritisch beäugten sie sich noch einmal gegenseitig, zupften hier ein Haar zurecht, dort einen verdrehten Träger und nickten sich schließlich zufrieden zu. „Fertig?" fragte Ginny. „Fertig!" antworteten die andren zwei wie aus einem Mund. Sie schlüpften in ihre Schuhe – Hermine hatte sich diesmal wohlweislich für zwar schicke und hohe, aber bequeme Riemchen-Pumps entschieden -, schnappten sich ihre Handtaschen und verließen die Wohnung. Am Ende des Ganges blieben sie kurz stehen und sahen sich an; nachdem sie tief Luft geholt hatten, nickten sie sich aufmunternd zu und betraten mit klopfenden Herzen das Podest, das den Anfang der Treppe markierte.

Das Schicksal meinte es an diesem Nachmittag gut mit Draco: Die Slytherin-Mädchen hatten sich aufgeteilt, damit es im Badezimmer nicht zu einem riesen Gedränge kam, und so zog die Hälfte ins Bad der Vertrauensschüler, nachdem die Schulleitung dazu die Erlaubnis gegeben hatte. Auch Pansy verdrückte sich dorthin, und so begegneten sie sich nur einmal kurz. Er vertrieb sich die Zeit mit lesen, während um ihn herum alles durcheinander wuselte und schnatterte. Mehr als einmal verfluchte er die Weasley, das sie ihn aus seinen ruhigen Räumen vertrieben hatte. Als es an der Zeit war, zog auch er sich um und wartete auf Blaise, der sich kurzfristig dazu entschlossen hatte, mit Draco zusammen auf Hermine zu warten. Gemeinsam mit ihm und seiner Freundin verließ der Schulsprecher endlich den Kerker. Sie gingen gemächlich hinauf zum Treppenhaus, wo sie auf Harry, Neville und Ron stießen, letzterer ebenfalls schon in Begleitung des Ravenclaw-Mädchens, mit der er mittlerweile fest und offiziell zusammen war. Die Schüler nickten sich zu; nicht freundlich, aber ohne die Feindseligkeit, die ihre gemeinsamen Schuljahre geprägt hatte.

Draco knetete nervös die Hände, die mit jeder Minute feuchter wurden vor Aufregung. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals, und gerade, als er dachte, die Anspannung nicht länger aufhalten zu können und überlegte, ob er nicht hinauf laufen und Hermine holen sollte, ging ein leises Raunen durch die Gruppe. Sein Kopf ruckte hoch und ihm stockte der Atem.

Da oben stand sie, verlegen lächelnd, und sah zu ihm herunter. In einem rot-grün schimmernden Traum aus Seide, bodenlang und Trägerlos; der einzige Schmuck, den sie trug, war die Kette mit dem Löwen und der Schlange, ihre Augen funkelten und strahlten damit um die Wette.

„Oh, Mann, Alter!" hörte er Blaise neben sich. „Ich weiß grad nicht, ob ich dich bedauern oder bemitleiden soll." „Beschränk dich heut aufs beneiden." entgegnete er und machte einen Schritt auf die Treppe zu, auf der Hermine gerade anmutig herab schritt. In weiser Voraussicht hatte Professor McGonnagal den Hausmeister angewiesen, die Treppen zu fixieren, und so mussten die Mädchen sich keine Gedanken darum machen, dass ihnen irgendwo an einem offenen Treppenabsatz das Kleid hängen blieb oder eingeklemmt wurde. Mit glänzenden Augen sah Draco seiner Liebsten entgegen und legte ihr zärtlich die Hände auf die Hüften, als sie endlich bei ihm war. „Du siehst bezaubernd aus!" Hermine schlug verlegen lächelnd die Augen nieder. „Danke!" sagte sie leise.

Auch Luna und Ginny wurden von ihren Partnern gebührend bewundert; Nevilles Ohren hatten vor Stolz auf seine hübsche Freundin die Farbe seines Hauses angenommen und er reckte stolz die Brust heraus. Harrys Augen wanderten in stillem Vergnügen, mit einem zufriedenen Lächeln über Ginny; sie war für ihn sowieso das schönste Wesen dieses Planeten. Gemeinsam begab sich das kleine Grüppchen in die große Halle, die bereits gut gefüllt war. Sie hatten Glück, dass sie noch einen Tisch fanden, an dem alle Platz hatten. Zur allgemeinen Verwunderung setzte Blaise sich nicht ab zu den Slytherins, sondern hielt sich weiterhin an Draco, der Hermine zuliebe wiederum bei Harry und den anderen blieb.

Nachdem auch die restlichen Schüler eingetrudelt waren, sich ihre Plätze gesucht und etwas zu trinken geholt hatten, begann die Direktorin mit ihrer Rede. Sie war nicht so wortgewandt wie Dumbledore, es hatte sich auch nichts Ergreifendes ereignet im vergangenen Schuljahr, daher war sie ziemlich schnell fertig mit dem, was sie sagen wollte und begann mit der Verteilung der Abschlusszeugnisse. Wie erwartete erhielt Hermine die Auszeichnung als Jahrgangsbeste, aber auch die anderen schnitten sehr gut ab. Freudestrahlend verglichen sie die Noten.

Als das Buffet eröffnet wurde, stürzten sich alle ausgehungert darauf, allen voran mal wieder Ron. Sie unterhielten sich während des Essens darüber, wie sich ihr Leben in Zukunft gestalten würde; Draco und Hermine hielten sich dabei bedeckt und blickten sich betrübt an. Das blieb auch Harry nicht verborgen, der die beiden mitfühlend musterte. „Sagt mal…" fing er vorsichtig an, „was genau ist das eigentlich für ein Schwur, der euch zwei das Leben so dermaßen zur Hölle macht?" Hermine sah Draco an; es stand ihr nicht zu, diese Frage zu beantworten. Das musste er schon selber machen. Der junge Mann machte ein verbissenes Gesicht, und fast schien es, als wollte er Harry eine Abfuhr erteilen, besann sich dann allerdings anders. Mit knappen Worten schilderte er, was es mit dem Eid auf sich hatte. Luna erklärte im Anschluss, was in dem Buch stand, dass Hermine von Blaise bekommen hatte. Ratlos sahen sich alle an. „Das hört sich ja an wie aus dem letzten Jahrhundert." bemerkte Neville, woraufhin Blaise trocken meinte: „Das hört sich nicht nur so an, das ist auch so. Das Buch, aus dem der Schwur entnommen wurde, wurde Mitte des Achtzehnten Jahrhunderts geschrieben." Daraufhin blickte Ron von seinem Essen auf, dem er sich gerade noch hingebungsvoll gewidmet hatte, und blickte verwirrt in die Runde. „Dann weiß ich allerdings nicht, was ihr für ein Problem habt." Tödliche Blicke ließen ihn auf dem Stuhl immer kleiner werden, und er versuchte hastig, sich zu erkären. „Ja, was denn?" stammelte er. „Das Ding wurde geschrieben, als kein Mensch jemals an Scheidung dachte oder so." „Kannst du dich mal etwas klarer ausdrücken, Weasley?" zischte Draco, dem alles andere als nach Scherzen war beim dem Thema. Ron holte tief Luft.

„Also… mal angenommen, du heiratest Pansy und würdest dich dann wieder von ihr scheiden lassen? Was würde dagegen sprechen? Wenn ich dich richtig verstanden hab, steht kein Wort darüber dabei, oder?"

Langsam schüttelte Draco den Kopf, und Ron wurde mutiger, als er merkte, dass die anderen ihm jetzt aufmerksam zuhörten und sich über das, was er gerade gesagt hatte, durch den Kopf gehen ließen.

„Angenommen – nur mal angenommen, du lässt dich von Pansy wieder scheiden. Dann hätte sie deinen Namen, und du hättest deine Pflicht erfüllt." „Hm…" überlegte Draco. „Das ist aber nur die halbe Miete; heiraten könnte ich danach nie wieder, da keine andere Frau den Namen Malfoy von mir annehmen darf, außer halt Pansy." Er drückte bedauernd Hermines Hand, die stumm daneben saß und das Gespräch verfolgte; sie traute sich kaum, dem Gehörten Glauben zu schenken, und doch machte sich ein kleines Fünkchen Hoffnung in ihrem Herzen breit.

Ron zuckte unbekümmert mit den Schultern auf Dracos Einwand. „Na und? Heutzutage kann doch auch ein Mann den Namen seiner Zukünftigen annehmen, oder? Vorausgesetzt, er bekommt es fertig, sich von seinem Geburtsnamen zu trennen." Diesen kleinen Seitenhieb konnte er sich nicht verkneifen; grinsend stellte er sich auf eine hitzige Erwiderung des Slytherins ein. Der jedoch ging überhaupt nicht darauf ein, sondern fing nur breit an, zu grinsen. „Wer will heutzutage denn schon Malfoy heißen?"

Dann stand er auf und bot Hermine den Arm dar, die immer noch nichts zu sagen wusste, vor lauter Verblüffung, Freude und Unglauben über das, was sich ihr da gerade eröffnet hatte. „Miss Granger, wären Sie so nett, mir die Ehre zu erweisen?" Das Musikorchester hatte bereits den Tanz eröffnet. „Mir ist danach, die Welt zu umarmen!"