Stranded 27/?
Disclaimer: Die meisten Figuren sind ausgeliehen Der Rest ist meins.
MornMeril: Ich freue mich, dass Du Dich freust... Viel Spaß beim Lesen gg
---
Stranded 27
---
„Ich kann nur eine einzige Wache sehen." Daisuke linste um die Ecke in den Korridor, der zu den Gemächern des Prinzen führte und drehte sich dann fragend zu seinen Begleitern um. „Also? Was machen wir jetzt? Einfach reinstürmen?"
„Nein. Das würde uns überhaupt nicht helfen." Der Berater überlegte, klopfte einige Staubflocken von seiner Kleidung und setzte sich in Bewegung. „Wartet hier. Ich werde mir das ganze mal aus der Nähe anschauen."
„Was hat er vor?" Satoshi stellte sich auf die Zehenspitzen und spähte über Daisukes Kopf hinweg zu dem Wachposten herüber.
„Keine Ahnung." Daisuke zuckte verhalten mit den Schultern. „Aber was es auch immer ist, ich hoffe, er beeilt sich damit."
Themin hatte mittlerweile die Tür erreicht und sagte etwas zu dem Soldaten, der sich unwillkürlich gestrafft hatte, kaum dass der Berater sich ihm näherte. Wieder sagte Themin etwas. Der Soldat schüttelte den Kopf und wich nicht einen Millimeter von der Stelle. Der Berater verschränkte die Arme vor der Brust und bedachte den Mann mit einem Blick, der diesen innerhalb kürzester Zeit unruhig werden ließ.
„Ich muss wissen, was da vor sich geht." Mit diesen Worten verließ Satoshi sein Versteck und eilte davon. Daisuke zögerte noch kurz und rannte ihm dann hinterher. Als sie näher herankamen, hörten sie, wie Themin mit dem Soldaten diskutierte.
„Wie kannst du es wagen, mich aufzuhalten? Ich bin der königliche Berater. Ich will seine Hoheit sehen. Sofort."
„Aber das kann ich nicht, Herr. Der Prinz selbst hat mich angewiesen, niemanden in seine Gemächer zu lassen. Ich kann nicht entgegen seinen Wünschen handeln, Herr. Es tut mir leid." Der Soldat fühlte sich alles andere als wohl in seiner Haut. Jeder im Schloss wusste, wie unbeherrscht der Berater des Königs werden konnte, wenn seine Befehle nicht umgehend befolgt wurde. Unter gesenkten Wimpern warf er dem Berater einen unbehaglichen Blick zu.
Dieser schenkte ihm ein eisiges Lächeln. „Wie du willst."
Daisuke und Satoshi hatten sich bis auf wenige Schritte ihrem Ziel genähert, als plötzlich etwas völlig unerwartetes geschah. Themin wandte sich ab, ganz so, als wolle er von seinem Vorhaben ablassen, doch plötzlich wirbelte er herum, machte einen Schritt nach vorn und hatte den überrumpelten Soldaten innerhalb weniger Sekunden entwaffnet.
„Also, noch einmal von vorn," sagte der Berater mit seidenweicher Stimme und presste dem Soldaten die Spitze seines eigenen Schwertes gegen die Kehle. „Laß uns eintreten. Sofort."
Der junge Mann vor ihm starrte wie hypnotisiert auf die blitzende Stahlklinge und rührte sich nicht von der Stelle. Er hatte panische Angst, das war offensichtlich.
„Mach die Tür auf, Satoshi," befahl Themin und zwang gleich darauf den Soldaten mit sanfter Gewalt den Raum zu betreten. „Schließt ab. Ich will nicht überrascht werden."
Daisuke zog die Tür zu. In der Zwischenzeit war Satoshi bereits in das Schlafzimmer des Prinzen gelaufen und kam mit einem ratlosen Ausdruck auf dem Gesicht zu ihnen zurück.
„Er ist nicht da. Dark ist weg."
„Wo ist er?" Themin unterstrich seine Worte, indem er den Druck, den das Schwert gegen den Hals des Mannes ausübte leicht erhöhte und sah mit Befriedigung, wie der hochmütige Ausdruck in den Augen seines Gegenübers von plötzlicher Angst ersetzt wurde.
„Ich darf Euch nicht... Halt! Wartet!" Der Soldat schluckte schwer und hob abwehrend die Hand. An seinem Hals lief ein dünner Blutfaden herab. „Ich sage es euch!"
„Oh nein." Themin verminderte den Druck, den das Schwert auf die Kehle des Mannes ausübte und wies mit dem Kopf zur Tür. „Du wirst es uns nicht sagen, du wirst es uns zeigen!"
---
Krad fühlte sich miserabel. Von seinem Platz im hinteren Bereich des Raumes aus konnte er genau sehen, was mit seinem Vetter geschah, aber es gab nichts, was er tun konnte, um Dark zu helfen. Verzweifelt zerrte er an seinen Ketten, die seine Hände festhielten und erst als ein stechender Schmerz durch seine Arme fuhr, gab er entmutigt auf.
Er musste einen anderen Weg finden, Dark auf sich aufmerksam zu machen. Vielleicht...? Ja, so müßte es funktionieren. Krad versuchte, Dark etwas zuzurufen, aber seine Stimme gehorchte ihm nicht. Was war denn jetzt? Wieder öffnete er den Mund, doch noch immer kam kein Ton heraus.
Was war denn nun los? Gewaltsam kämpfte er die aufsteigende Panik in seinem Inneren nieder. ‚Atme. Atme weiter', sagte er sich selbst und wusste noch während er sich diesen Rat gab, dass er nicht mehr lange würde durchhalten können. Er war nur eine Handbreit davon entfernt, hysterisch zu werden.
‚Armer Liebling. Hab keine Angst, dies ist nicht von Dauer.'
Hätte Krad auch nur einen Ton herausbringen können, er hätte gequält aufgeschrien. War es denn niemals vorbei?
‚Du lehnst mich also immer noch ab? Ich bin enttäuscht.'
Was hatte dieser Irre mit ihm vor? Und was noch wichtiger war, was würde er Dark antun? Krad fragte sich zum wohl tausendsten Mal, worum es überhaupt ging. Natürlich erhielt er keine Antwort. Dafür wurde seine Aufmerksamkeit plötzlich wieder auf den Heiler gelenkt, der die letzten Minuten dazu genutzt hatte, eine merkwürdige grünliche Flüssigkeit zusammenzurühren.
„Trinkt das, mein Prinz. Es wird Euch gut tun." Jorgen reichte Dark das Glas und sah mit Befriedigung, dass der junge Mann seinem Befehl ohne zu Zögern Folge leistete.
Warum kam Dark denn nicht zu sich? Krad zwang sich immer noch dazu, ruhig weiter zu atmen, obwohl er mittlerweile das Gefühl hatte zu ersticken.
‚Weil ich es nicht will, Schätzchen. Und jetzt entspann dich. Ich will, dass du das nun folgende Schauspiel genießt.'
Eine kaum wahrnehmbare Wellenbewegung ging durch die Schatten zu seiner Linken und Krad zuckte erschrocken zusammen, als sich eine Gestalt aus der steinernen Rückwand der Kammer zu lösen schien. Wie war das möglich?
‚Das werde ich dir ein anderes Mal erklären.' Eine geisterhafte Hand strich durch sein Haar und Krad wandte angeekelt den Kopf zur Seite. Der Mann lachte und ließ von ihm ab.
„Kommt hier herüber, Hoheit." Jorgen führte den willenlosen Prinzen zu einem Stuhl in der hinteren Ecke des Raumes und zwang ihm mit sanfter Gewalt, sich darauf niederzulassen. Mit wenigen Handgriffen hatte er ihn daran festgebunden und trat erwartungsvoll zurück.
„Sehr schön. Ich bin äußerst zufrieden mit dir, Jorgen." Der Mann an Krads Seite trat nun endgültig in den Kreis der Fackeln und der junge Mann starrte in namenlosem Schrecken auf das, was die Schatten bisher verhüllt hatten. Das war... das...
Der Mann drehte sich um und schenkte Krad ein siegesgewisses Lächeln. ‚Erkennst du mich endlich, mein wunderschöner blonder Engel? Erinnere dich, wie nah wir uns waren. Ich nahm mir dein Blut und bald werde ich mir deinen Körper nehmen.'
Krad zitterte und riß wie wild an seinen Fesseln. Der Mann schüttelte amüsiert den Kopf und genoß die Angst, die er in den Augen seines Gefangenen lesen konnte. ‚Oh ja, du wirst mir gehören. Für immer.'
„Herr?" Jorgen trat vor. „Sollen wir fortfahren?"
„Ja." Der Mann zog ein eng beschriebenes Blatt Papier hervor. Er überflog die Zeilen und lächelte. „Die Zeit ist günstig. können mit dem Ritual beginnen."
tbc
