Danke für die netten Reviews! Da macht Weiterschreiben (trotz geschwollenem Arm – Insektenstich) doch gleich viel mehr Spaß!
Nach dem Gespräch am Vorabend hatte sich Hermine gleich in ihren Gryffindor – Gemeinschaftsraum verzogen, der Gott sei Dank bis auf wenige Erstklässler relativ leer war. Sie hatte schreckliche Kopfschmerzen und wollte einfach nur alleingelassen werden, von niemanden gestört werden, in Ruhe denken können. Snape hatte sie nach seiner klaren Absage noch circa eine halbe Stunde bei sich erduldet, doch als dann Albus Dumbledore wieder kam sah sich Hermine gezwungen, den Raum zu verlassen, alles andere wäre zu auffällig gewesen. Nicht dass Dumbledore mit seinem feinen Menschengespür noch etwas mitbekam! Das wäre wirklich das Letzte und könnte für sie selbst und auch Severus (Snape!) ein trauriges Nachspiel ergeben.
Doch auch in dieser halben Stunde war nicht mehr allzu viel passiert. Hermine war einfach viel zu geschockt und viel zu bedrückt gewesen, als dass sie Snape noch etwas entgegensetzen hätte können. Irgendwie hatte er ja auch Recht – ihr Verstand versuchte auf jeden Fall, sie davon zu überzeugen, doch ihr Herz weigerte sich entschieden, diesen Entschluss einfach so hinzunehmen. Um die Liebe musste man doch kämpfen! Doch Snape schien einfach so aufzugeben...
‚Du dummes Mädchen du, du bist doch auch die Einzige, die sich hier verknallt hat' flüsterte die fiese kleine Stimme in ihrem Hinterkopf, ‚du glaubst doch nicht echt, dass diese Affektion auf Gegenseitigkeit beruht!'
Aber wie sie es hoffte! Wie sie sich danach sehnte, dass ihre Liebe und Bewunderung erwidert wurde! Wie ihr Verlangen nach der schützenden und zugleich liebevollen Umarmung des erwachsenen Zauberers von Tag zu Tag stieg! Wie sie sich seinen Körper herbeiwünschte, seine Wärme!
Natürlich, der Altersunterschied zwischen den Beiden war relativ groß, vllt. 20-25 Jahre. Aber was machte das denn schon! Zauberer und Hexen hatten schließlich eine überdurchschnittlich hohe Lebenserwartung und außerdem sah Snape noch relativ jung aus. Wenn man den Beiden als Paar auf der Straße begegnen würde, würde sicher niemand auf so viele Jahre Unterschied kommen sondern eher eine niedrigere Zahl im Kopf haben, vorausgesetzt natürlich, dass er oder sie nicht bekannt mit Hermine oder Snape wäre.
Noch einmal dachte die Gryffindor an den vorangegangen Tag. Schüchtern hatte sich noch einmal nachgefragt: „Warum denn nicht zusammen joggen gehen?" Nirgends in der Schulordnung von Hogwarts stand schließlich geschrieben, dass Lehrer und Schüler nicht zusammen Sport treiben durften!
Leider wollte Snape davon nichts hören und blieb bei seiner Meinung. Er hätte auch besseres zu tun! Und gerade im Moment wäre er rein körperlich dazu auch nicht in der Lage... schließlich musste er sich auch noch um Malfoy und Crabbe kümmern.
Und damit war in Hermines Kopf schon die nächste Frage aufgetaucht. Was war eigentlich passiert? Warum hatte der Professor das Geländer der Schule verlassen und was war genau vorgegangen? Doch auch hierauf gab es keine Antwort von Snape. „Privatangelegenheiten gehen Sie kein bisschen was an, Miss Granger, entschuldigen Sie".
Und nun saß Hermine schon wieder im Gemeinschaftsraum, auf dem Tisch vor ihr waren diverse Bücher verteilt. Eigentlich sollte sie sich auf ihr Lernmaterial konzentrieren, schließlich musste sie in ein paar Monaten Abschlussprüfungen schreiben! Wo war bloß dieses fleißige Mädchen geblieben, dass sich bei jedem Wetter in die Bücherei verzog und es nicht verstehen konnte, wenn man in Gedanken ganz wo anders war? Mit wehmütigem Lächeln dachte sie an die Zeit zurück, in der sie Harry dafür getadelt hatte, mit seinem Kopf immer bei Ginny anstatt bei seinen Hausaufgaben zu sein. So etwas konnte ihr sicher nie passieren, hatte sie gedacht. Pustekuchen! Jetzt hatte es auch sie erwischt, stärker als sie jemals geträumt hatte.
Und leider gestalteten sich die Angelegenheiten auch nicht so einfach wie bei Harry und Ginny... warum musste sie sich, wenn sie sich schon verlieben musste, denn auch ausgerechnet in den Zaubertrankmeister verlieben? Wenn sie an die Reaktionen ihrer Mitschüler dachte, drehte ihr sich jetzt schon der Magen um. Wahrscheinlich hätten Harry und Ron Draco Malfoy noch akzeptabler gefunden...
Ungefähr eine Stunde später gab Hermine es dann endgültig auf, sich ihren Büchern zu widmen. Wie durch ein Wunder hatte sie es geschafft, wenigstens 20 Seiten ihres Verwandlungsbuches durchzuarbeiten und war wohl, trotz allem, den Anderen noch weit voraus. Doch so konnte es einfach nicht weitergehen! All ihre Versuche, Snape zu vergessen, waren fehl geschlagen, auch war sie der Überzeugung, dass es sich nicht bloß um eine kleine Liebelei handelte. Sie musste etwas tun! Hermine konnte einfach nicht zulassen, dass sie noch länger ihre Studien vernachlässigte beziehungsweise sich noch länger in Gedanken quälte und sich mit „Was wäre wenn – Fragen" beschäftigte.
Der Entschluss zu Handeln viel ihr somit relativ leicht. Irgendwie musste sie Snape klar machen, dass sie mehr als ein reines Lehrer Schülerverhältnis wollte und brauchte. Sie musste anfangen, so viel Zeit wie möglich mit ihm zu verbringen und so viel wie möglich über ihn und seine Gewohnheiten herauszufinden. Schließlich wartete da auch schon das neue Wichtelgeschenk... und da sie ja wusste, dass Snape nicht nach Hogsmeade durfte, er aber sicher einiges aus der Stadt benötigte, sollte dies gar nicht so schwer sein.
Tapfer machte sich die Gryffindor auf dem Weg in den Kerker. In ca. 15 Minuten begann die Unterrichtsstunde, davor wollte sie Snape jedoch noch abpassen. Bloß wie stellte man es an, dass ein Zaubertrankprofessor einen als Courier anheuerte? Eine Schülerin?
Schon wieder eine neue Aufgabe also... warum präsentierte das Leben Hermine zur Zeit nur solche Schwierigkeiten?
