Disclaimer: Wenn ich JKR wäre, hätte ich Kohle. Ich schreibe, weil es mir Riesenspaß macht. Bitte nicht klagen!

Cassie

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Kapitel 27 – Männerclub

/Blacks Sicht

Ich bin mir nicht sicher, was im Hauptquartier vorgeht, aber ich habe weder Harry noch den dunklen Lord für eine lange Weile gesehen. Offensichtlich arbeiten sie an etwas sehr wichtigem, aber langsam werde ich besorgt. Severus erzählte mir, der dunkle Lord habe ihn gerufen und ihn darum gebeten, Harry zu untersuchen. Er habe keine Ahnung, warum der dunkle Lord ihn untersuchen lassen wollte, aber offensichtlich denke er aus irgendeinem Grund, dass es Harry nicht gut gehe. Aber Severus versicherte mir, dass es ihm trotzdem gut geht. Es ist ein Rätsel...

Einige Todesser sagten mir auch, es habe ein Treffen gegeben, wobei Harry ihnen Aufgaben gegeben hat. Hermine und Laetitia seien in die USA geschickt worden, um dort etwas zu erledigen. So sehr wie es mich freut, dass er ihnen so viel vertraut, fühle ich mich ein wenig vernachlässigt. Es ist, als hätte er mich vollkommen vergessen. Vertraut er mir nicht mehr? Warum gibt er mir keine Arbeit? Ich hocke hier seit ich zurückgekommen bin und kein einziges Mal haben weder er noch der dunkle Lord mich gerufen. Langsam werde ich ein wenig nervös und wünsche mir, der Brief von Remus würde schneller ankommen. Laut dem letzten Brief, den ich bekommen habe, geht es ihm gut. Das Leben in dem Rudel hat ihm sogar geholfen, obwohl er es nicht so sieht. Mir ist auch klar geworden, dass der Alpha ihn zu verführen versucht und aus den vielen Seiten, die er über ihn geschrieben hat, muss ich feststellen, dass er ständig an ihn denkt. Heißt das, dass er auch auf ihn steht? Denn wenn man ständig über jemanden nachdenkt, bedeutet es normalerweise, dass man Gefühle für diese Person hegt. In meinem letzten Brief habe ich es sogar gewagt, ihm diese Frage zu stellen und warte ungeduldig auf seine Antwort.

Das Leben in Manor läuft wie üblich. Narzissa shoppt und plant eine Party, Lucius ist unterwegs und Severus braut Tränke in seinem Labor. Währenddessen langweile ich mich im Salon zu Tode. Jetzt wünsche ich mir, wir würden kämpfen gehen denn das heißt, ich würde etwas zu tun haben. Bin ich denn so verzweifelt? Oder ist das eine Folge der Zeit, die ich bei den Hellmagiern verbracht habe?

Seufzend entfalte ich den Propheten und nehme die Teetasse wieder in die Hand. Es gibt eine Flasche Feuerwhiskey in der Vitrine, aber ich habe keinen Feuerwhiskey angefasst seit ich zurückgekommen bin. Ich bin mit dieser Geschichte fertig. Alkohol tut mir nicht gut aber erst jetzt kann ich verstehen, warum ich getrunken habe. Ich wollte meine Sorgen und Zweifel vergessen und sie einfach unterdrücken. Und Alkohol bot mir all das. Ich konnte für eine kurze Weile über all meine Probleme vergessen und die entsetzlichen Szenen aus den Kämpfen, die an meinem geistigen Auge vorbei huschten, endlich aus dem Kopf vertrieben. Aber sie waren immer da, ob ich trank oder nicht. Seit ich mit mir selbst klargekommen bin und mich als Schwarzmagier akzeptiert habe, verspüre ich keinen Drang, nach der Flasche zu greifen. Ich benutzte den Alkohol als ein Mittel, vor mir selbst zu fliehen aber mein Aufenthalt bei den Hellmagiern hat mir beigebracht, dass man von sich selbst nie fliehen kann. Ich war ein Feigling und ich schäme mich dafür.

Ob Harry gewusst hat, welche Wirkung meine Mission auf mich haben wird? Unmöglich zu sagen, aber wahrscheinlich hat er gedacht, sie würde mir guttun. Und das hat sie. Ich weiß jetzt, wer ich bin. Aber ich wünsche mir, ich würde bald einen Auftrag bekommen sonst werde ich verrückt.

Die Tür öffnet sich und ich schaue hoffnungsvoll auf. Ach, es ist nur der Elf.

„Meister Black", piepst er. „Es gibt jemand, der Sie sehen möchte."

Ich runzele die Stirn, aber ich bekomme nicht viel Zeit, um zu raten. Aideen kommt rein und schaut sich um. Ihr Ausdruck erhellt sich als sie mich erblickt und ich stehe grinsend auf.

Wir haben uns vor ein paar Monaten im Hauptquartier kennengelernt. Sie hat gerade das dunkle Mal bekommen und ihre Freunde meinten, sie solle sich ein wenig setzen und etwas trinken ehe sie zurück nach Irland apparieren, weil ihr schwummerig war. Wir haben gesprochen und festgestellt, dass wir entfernt verwandt sind. Danach hat sie an mich geschrieben und seit dem schreiben wir uns. Narzissa lud sie einmal zu einer ihrer Partys ein und sie kam. Ich musste erneut feststellen, wie viel wir gemeinsam haben und zu jener Zeit spürte ich Zuneigung für diese wortkarge, schüchterne Hexe, die sich jedoch im Kampf vollkommen verwandelt. Aideen stammt auch aus einer dunklen Familie, in der man von reinblütigem Stolz besessen war. Sie versuchte davon zu fliehen indem sie die Zeit mit ihren Freunden verbrachte, aber was aber keine dauerhafte Lösung war. Schließlich hat sie jemanden kennengelernt und ihn geheiratet. Sie ist umgezogen und verspürte unglaubliche Erleichterung, endlich aus dem Familienhaus raus zu sein und den Geschichten ihrer Eltern nicht mehr zuhören und die Neckerei ihrer Brüder erdulden zu müssen. Sie erzählte mir, das sei der Moment in ihrem Leben gewesen, als sie sich vollkommen frei gefühlt hat.

Aber in Gegensatz zu mir, hat sie immer gewusst und die Tatsache akzeptiert, dass sie eine dunkle Magierin ist. Als sie ein Kind war, liebte sie die dunkle Magie. Was sie aber nicht mochte war diese Besessenheit von der Abstammung. Sie hat drei Brüder, die ihr das Leben zur Hölle gemacht haben und sie haben ständig Streiche an ihr gespielt. Da sie die gleiche Schule besucht haben, konnte sie auch nicht dort von ihnen fliehen. Sie haben sie beschattet, allen peinliche Vorfälle aus ihrer Kindheit erzählt und sie beschattet, als sie mit jemandem ausging. Das Date war natürlich eine Katastrophe. Ihre Eltern dachten, dass ihre Brüder sie beschützten und sie im Auge behielten, aber Aideen fühlte sich wie ein Tier in einem Käfig und konnte es kaum abwarten, ihren Abschluss zu machen. Danach ist sie mit erstem Zauberer geflohen, den sie kennengelernt hat. Sie sagt, dass die Ehe katastrophal ist. Er versucht sie zu kontrollieren und behandelt sie wie ein Kind und sie fühlt sich wieder, als wäre sie zurück in ihrem Familienhaus. Für eine kurze Weile, als sie geheiratet haben, war es phantastisch. Er war freundlich und nett ihr gegenüber und sie genoss seine Aufmerksamkeit und die Freiheit, die sie erworben hat. Aber mit den Jahren wurde es schlimmer.

Sie ist dem dunklen Orden ohne sein Wissen beigetreten. Vielleicht tat die Tatsache weh, dass sie und nicht er aufgenommen worden ist. Vielleicht war er nur neidisch. Sie ist die einzige Todesserin aus der ganzen Familie und ist auf diese Tatsache verdammt stolz. Dass sie es gewagt hat, so was hinter den Rücken von allen zu tun, war der erste Schritt in die Freiheit, nach der sie sich verzweifelt sehnte. Als sie ihrem Mann gesagt hat, was sie getan hat, ist er ausgeflippt. Er begann sie zu schlagen und für eine Weile lag Aideen nur hilflos da, von Schock gelähmt und nicht glauben wollend, dass der Mann, den sie heiratete – wenn auch nicht liebte – sie zu schlagen. Dann aber ist ihr klargeworden, wer sie ist. Sie ist verdammt noch mal von dem dunklen Lord selbst aufgenommen worden, unter all ihren Freunden und Kollegen. Er wollte sie in seinen Reihen haben. Und anscheinend sah er etwas in ihr, was sie nicht sah.

Aideen sah rot. Sie stand auf und zückte ihren Stab. Ob ihr Mann fest überzeugt war, dass sie nie zurück schlagen würde, bleibt unklar. Aber sie hat ihn mit einem Fluch erwischt und er flog in einem weiten Bogen durch den Raum, schlug mit dem Kopf gegen den Tischrand und blieb regungslos daliegen. Für ein paar Momente stand sie wie angewurzelt da, darauf wartend, dass er aufstand und sich auf sie stürzte, sodass sie ihn wieder erwischen konnte, aber nichts dergleichen geschah. Sie bückte sich über ihn und in diesem Moment wurde ihr klar, dass sie ihn getötet hat.

Sie geriet in Panik. Sie wollte keine Sekunde mehr im Haus bleiben. Sie wollte nicht den Auroren erzählen, was passierte, denn sie dachte nicht, dass jemand ihr geglaubt hätte. Sie musste fliehen und innerhalb fünfzehn Minuten stand sie bei der Eingangstür mit einem Koffer in Hand und apparierte direkt zum Hauptquartier des dunklen Ordens.

Einer der irischen Todesser bot ihr an, in seinem Haus zu schlafen und seit dem wohnt sie bei ihm und seiner Familie. In dieser Hinsicht ist der dunkle Orden einer Familie ähnlich. Dieser Vorfall ist auch nichts, was nicht schon früher passiert ist. Viele der Todesser hatten Probleme entweder mit ihren Familien oder mit ihren Partnern, als sie dem Orden beigetreten sind. Manche sind auch in Schwierigkeiten mit den Behörden geraten, wie Aideen. Und der Orden bot ihnen immer eine Lösung an. Aideen kannte diesen Zauberer nicht, aber als sie verloren und verwirrt ins Hauptquartier apparierte und da jemanden suchte, der ihr helfen konnte, fand sie Severus, der ihr versprach, ihr zu helfen. So hat er diesen Zauberer gefunden, der ihr sofort einen Platz in seinem Heim angeboten hat. Seit dem ist sie auf der Flucht. Wie ich...

Von allem, was wir gemeinsam haben, hat uns vielleicht diese Tatsache, dass wir beide auf der Flucht sind, näher als irgendetwas anderes zu einander gebracht.

Ich sehe in ihren braunen Augen, dass etwas passiert ist.

„Was ist los?" frage ich als sie sich mir gegenüber niederlässt.

„Du würdest es nicht glauben, Sirius", flüstert sie.

Ich gieße ihr eine Tasse Tee ein wie ein guter Gentleman und sie lächelt mich kurz an als sie die Tasse von mir entgegen nimmt.

„Der dunkle Prinz hat alle Iren berufen", fängt sie an. „Er hat uns erklärt, dass der dunkle Orden Irland einnehmen möchte."

Ich pfeife und lehne mich zurück. Also ist Harry zurück. Wo war er? Was hat er getrieben?

„Er hat danach über die Arbeit und die Veränderungen geredet, die auf Irland warten", sagt sie leise. Ihre Stimme zittert. „Und er sagte, er müsse den Minister auswählen. Ich weiß nicht, wie das funktioniert, aber... Sirius, er hat mich ausgewählt!"

Sie hebt den Blick und ich schnappe nach Luft. Harry hat sie ausgewählt? Um der nächste Minister zu werden?

„Und ich habe Angst, Sirius", sagt sie schnell, die Tasse wegstellend. „Ich weiß nicht, ob ich es schaffe. Ich weiß gar nichts über Politik. Ich weiß nicht, warum er ausgerechnet mich ausgewählt hat, aber ich werde es vermasseln. Ich werde etwas dummes anstellen. Ich werde..."

„Hey", sage ich, nach ihrer Hand greifend. „Aideen, du weißt schon, dass der dunkle Prinz ein Legillimentiker ist?"

„Ja, klar", sagt sie achselzuckend. Ihr wird urplötzlich klar, worauf ich damit hinaus will und schüttelt den Kopf. „Sei nicht albern, Sirius. Er saß nur da und trank Kaffee. Ich habe gar nichts gespürt."

„Und das bedeutet nichts", sage ich lächelnd. „Er macht es oft mit mir und ich spüre gar nichts. Danach aber spricht er meine intimsten Gedanken laut aus. Er ist ein begabter Legillimentiker, weißt du. Man spürt gar nichts. Aber ich kann dir eins sagen – er macht etwas nie und nimmer ohne einen guten Grund. Er wollte euch alle dabei haben, sodass er eine Person auswählen kann. Und er hat in deine Gedanken geschaut und gesehen, dass du der beste Kandidat für den Job bist. Du solltest stolz auf dich sein! Wir sollten feiern!"

„Oh mir ist nicht Feiern zumute", sagt sie kopfschüttelnd. „Ich mache mir fürchterliche Sorgen. Was wenn ich ihn enttäusche? Und das werde ich, da bin ich mir sicher. Ich weiß gar nichts über Politik und ich weiß, welche Strafe für Fehlschlag im dunklen Orden ausgeübt ist. Man wird hingerichtet. Und man betrachtet es auch als eine Gnade, wenn es schnell geht."

Ich schaue in die tränenefüllten braunen Augen und mein Ausdruck wird sanfter. Die Arme...

„Weißt du, ich auch habe nicht erwartet, lebendig zurückzukommen", sage ich. „Aber ich habe es irgendwie geschafft."

Sie schnaubt und vergräbt ihren Kopf in den Händen.

„Du bist ein guter Zauberer", stöhnt sie. „Ich wiederum..."

„Was, du?" wiederhole ich ungläubig. „Du hast den nationalen Duellwettbewerb gewonnen! Du bist ein Champion!"

Sie schüttelt den Kopf.

„Was nutzt mir all das, wenn ich keine Ahnung von Politik habe? Ich werde kaum jemanden verfluchen können, um etwas zu erreichen, Sirius", murmelt sie.

Ich fahre mir durchs Haar und denke darüber nach wie ich ihr helfen kann.

„Warum redest du nicht mit Lucius?" frage ich auf einmal. Ich sehe durch den Vorhang ihres roten Haars, dass sie aufgeblickt hat. „Er hat Verbindungen im britischen Ministerium und er weiß eine Menge über Politik. Er könnte dir ein paar Tipps geben."

Sie hebt den Kopf und schaut mich an. Ihr Gesicht ist tränenverschmiert und ihre Unterlippe zittert. Ich muss ihr helfen. Ich kann sie nicht jetzt in Stich lassen, wenn sie so verzweifelt einen Freund braucht.

„Ist er hier?" fragt sie mit einem Schimmer Hoffnung in ihrer Stimme.

„Noch nicht, aber wir werden auf ihn warten", sage ich lächelnd.

Sie schnieft und ich reiche ihr mein Taschentuch. Verlegen putzt sie sich die Nase und lächelt mich schwach an.

„Du bist ein guter Freund, Sirius", flüstert sie. „Danke."

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„Was habe ich verpasst?" fragt Narzissa, in den Salon platzend. „Wie viel kann bloß passieren während man einmal shoppen geht?"

Ich lächele. Typisch Narzissa. Sowie man beim Kämpfen das Gefühl für Zeit und Raum vergisst, so vergisst sie, wie spät es ist während sie mit ihren Freundinnen unterwegs ist. Und ich weiß, dass sie nicht nur shoppen. Dazu hat man die Schneider. Man geht dorthin, erklärt was man will und geht. Die Kleidung muss nur abgeholt werden. Nein, Narzissa hat auch Kaffee mit ihren Freundinnen getrunken und das kann eine Weile dauern. Denn eine Tasse wird zu drei und bald ist es dunkel da draußen und den Frauen wird auf einmal klar, dass es an der Zeit ist, dass sie nach Hause gehen.

Im gewissen Sinne sind die Treffen mit ihren Freundinnen ein Ausweg und ich hoffe, dass auch ihr das klar ist. Denn es gibt keinen Platz für sie in diesem Krieg, Lucius ist nie zu Hause und Draco ist umgezogen. Draco ist vielleicht das größte Problem. Narzissa fällt es schwer, dass ihr Sohn nie zu Besuch kommt und dass er kein Interesse an seiner Familie hat. Er steht unter direktem Schutz des dunklen Prinzen und er hat seine Pflichten im Orden, denen er täglich nachkommt. Er hat Freunde im Orden; er hat Hermine Granger, die seine beste Freundin ist und mit der er viel Zeit verbringt. Er bekommt Aufträge und reist. Seine Familie kann ihm gar nichts anbieten. Wäre Lucius nicht da, würde er vielleicht vorbeikommen, um seine Mutter zu besuchen, so aber nicht.

Lucius und Draco haben anscheinend nichts mehr zu einander zu sagen. Lucius kann einfach nicht begreifen, dass sein Sohn ihn nicht mehr braucht und dass er sich für alle Zeiten seinem Griff entrissen hat. Er war schockiert als er herausgefunden hat, womit sich sein Sohn beschäftigt. Aber jetzt steht Draco außerhalb seiner Reichweite. Er kann nichts dagegen unternehmen und der bloße Gedanke macht ihn verrückt. Lucius ist nicht mehr das Rollenbild des Zauberers, der Draco werden soll und Lucius fühlt, dass er seinen Sohn und auch die Macht, die er über ihn hatte, verloren hat. Alles, was er für ihn getan hat, alle Erwartungen, die Ausbildung, die Bücher und die Privatlehrer, all das war umsonst. Nach all seinen Anstrengungen hat sich Draco in jemanden verwandelt, den Lucius nicht versteht und nicht mag. Lucius ist zu stur um zu begreifen, dass er endlich Schluss mit seinen Forderungen und seiner Kritik machen soll und seinen Sohn so akzeptieren wie er ist. Und vor allem endgültig zu begreifen, dass sein Sohn nicht mehr ein Kind ist. Aber ich bezweifele, dass es ihm je gelingt. Narzissa weiß es und es zerreißt ihr das Herz, zuschauen zu müssen, wie ihre Familie auseinanderbricht. Sie macht oft Ausflüge in das Hauptquartier, unter welchem Vorwand auch immer, ihren Sohn suchend. Draco trifft sich und redet mit ihr, aber so bald er seinen Vater zu Gesicht bekommt, macht er sich aus dem Staub. Ich kann das nachvollziehen und es tut mir leid, dass so sein muss.

„Der dunkle Prinz hat Aideen als nächsten irischen Minister ausgewählt", sage ich.

Narzissa schnappt nach Luft und schaut zur Tür.

„Und Lucius gibt ihr gerade Tipps", erkläre ich die verschlossene Arbeitszimmertür. Denn sie hat offensichtlich versucht, mit ihrem Mann zu reden, der aber die Tür zugesperrt hat.

„Oh liebe Morgana", flüstert sie und lässt sich mir gegenüber nieder. „Das sind großartige Neuigkeiten! Also ist der Prinz zurück?"

„Offensichtlich", sage ich achselzuckend. „Ich denke, ich werde morgen zum Hauptquartier apparieren und versuchen, mit ihm zu reden. Ich muss wissen, was mit ihm los ist."

„Du solltest ihn aber nicht stören", ist Narzissa der Meinung. „So wie es sich anhört, ist momentan viel los und er hat wahrscheinlich keine Zeit um mit dir zu plaudern. Und außerdem könnte er dich dafür bestraufen und momentan brauchst du keine weiteren Verletzungen. Aber du siehst schon viel besser aus. Du hast ein wenig zugenommen."

Sie mustert mich zufrieden. Ich lächele und schüttele den Kopf. Als ich zurückgekehrt bin, hat sich Narzissa vorgenommen, mich rund zu füttern und tauchte auch mit Essen auf, wenn ich keinen Hunger hatte.

„Was hast du gekauft?" frage ich, um das Thema zu wechseln.

„Ein paar Sachen für Hermine", sagt sie zufrieden. „Die Arme, ich werde nie vergessen, als sie mich angerufen hat und mich darum gebeten, neue Kleidung für sie zu kaufen. Sie war so verlegen... am Anfang konnte ich nicht begreifen, für wen sie eigentlich die Kleidung braucht, bis ich von Draco erfahren habe, dass sie eine Freundin hat. Vielleicht habe ich beim Shoppen etwas übertrieben. Aber ich war so froh, dass sie endlich verliebt ist und dass sie mit ihrer Sexualität klargekommen ist. Die Französin ist sehr hübsch und nett und sie passen sehr gut zu einander."

Und das ist auch typisch Narzissa. Da es nicht mehr einen Draco gibt, dem sie Kleidung kaufen kann und sich um ihn kümmern kann, findet sie andere Menschen, die ihre Sachkenntnis was Mode angeht benötigen.

„Ich habe mir ein neues Kleid besorgt", fährt sie schnell fort. „Und ich habe auch eine Jacke für Draco gekauft, ich konnte ihr einfach nicht widerstehen... Ich würde sie ihm gerne persönlich geben. Ob er schon zurück ist?"

„Aideen sagte, er sei beim Treffen anwesend gewesen." sage ich.

„Wunderbar", sagt Narzissa lächelnd, der Uhr einen Blick werfend. „Und bald kommen meine Gäste an. Das ist typisch Lucius, er kommt zu spät. Aber er ist trotzdem gekommen, was mich eigentlich wundern sollte."

„Narzissa, denkst du, dass Aideen vielleicht hier bleiben könnte?" frage ich plötzlich.

Sie ist ein Durcheinander und sie braucht Hilfe. Und Narzissa würde etwas weibliche Gesellschaft guttun. Schließlich ist sie die einzige Frau in diesem Haus.

Sie blickt auf.

„Na ja, sie ist einsam und erschrocken", erkläre ich. „Und etwas sagt mir, dass ihr die Nähe von Lucius guttun wird. Er wäre immer dabei, um ihr Ratschläge zu geben und ich denke, dass sie diese Tatsache tröstend finden würde. Und außerdem würde ihre Gesellschaft auch etwas für Lucius tun. Endlich würde er jemanden haben, mit wem er über Politik reden kann. Mit mir kann es das nicht; und mit Severus auch nicht. Wir scheren uns nicht um Politik."

Narzissas Ausdruck erhellt sich.

„Das ist eine ausgezeichnete Idee", meint sie. „Ich werde sie fragen sobald sie fertig sind. Das ist sehr einfallsreich von dir, Sirius."

Ich lächele nur.

„Aber vielleicht ist der wahre Grund, warum du möchtest, dass sie hier bleibt, weil DU sie dabei haben willst?" fragt sie und zwinkert mir verschwörerisch zu.

Ich öffne den Mund, um zu protestieren aber sie lacht.

„Ach Sirius, ich bin doch nicht von gestern", sagt sie fröhlich. „Und ich kann Männer lesen als wären sie Bücher. Dir steht es auf der Stirn geschrieben, dass du von ihr angetan bist."

„Wir sind gute Freunde und haben viel gemeinsam", werfe ich ein.

„Ja, ja", sagt sie abwinkend. „Erzähl es jemandem anderen. Ich werde ihr nichts davon erzählen, keine Sorge."

Ich entspanne mich ein wenig.

„Und versteh mich nicht falsch, aber ihr beide seid nicht mehr so jung. Wenn sie dir wirklich lieb ist, solltest du etwas unternehmen und nicht darauf warten, dass sich jemand anderes sie schnappt. Sie ist eine charmante Frau und eine mächtige Hexe. Jeder würde mit ihr gerne ausgehen wollen."

„Aber würde sie mit mir ausgehen wollen?" frage ich leise.

Das ist eine gute Frage...

„Warum denn nicht?" fragt Narzissa überrascht. „Du hast es selbst gesagt, dass ihr viel gemeinsam habt. Das ist immer ein guter Anfang. Sie kann dich verstehen und du kannst auch sie verstehen. Versuch es doch. Du hast nichts zu verlieren."

„Außer einer guten Freundin", flüstere ich betrübt.

Aber schon jetzt gefällt mir die Idee. Ich gebe zu, ich habe schon mit dem Gedanken gespielt, war aber zu feige um etwas zu unternehmen. Und jedes Mal als wir uns trafen haben wir über unsere beschissenen Leben geredet und hatten keine Zeit für solche Fragen. Aber wenn sie hier bliebt, werde ich wohl die Chance dafür bekommen.

Reiße dich zusammen, Black. Es geht um eine Frau – und nicht um einen Angriff aufs Ministerium. Das schlimmste, was dir passieren kann, ist dass sie nein sagt. Dann würde ich wissen, dass sie nicht auf mich steht. Vielleicht wäre es bei einer anderen Frau ein wenig taktlos, sie so was zu fragen nachdem sie ihren Mann getötet hat, aber sie ist eine Schwarzmagierin. Und außerdem hat sie ihn nicht wirklich geliebt, das hat sie selbst gesagt. Ich weiß, wie sehr sie aus ihrer Ehe raus wollte, und dieser Vorfall – auch wenn man ihn eigentlich eine Tragödie nennen kann – hat sie befreit.

Vielleicht versuche ich es. Wer weiß? Vielleicht bekomme ich keine Ohrfeige sondern ein 'ja' und ein Lächeln.

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„Vielleicht wären die irischen Behörden verständnisvoll", meint eine Freundin von Narzissa beim Abendessen. „Vielleicht hätten Sie die Auroren benachrichtigen sollen. Man geht nicht wegen Totschlag ins Gefängnis."

„So geht es nicht", sage ich mit vollem Mund. Ich schlucke den Salat runter und lege die Gabel ab. „Sie kommt aus einer dunklen Familie und ist eine dunkle Magierin. Natürlich können sie das Letztere nicht auf der Stelle beweisen, aber ihre Abstammung und die Tatsache, dass sie zu jener Zeit alleine mit ihrem Mann im Haus war und keine Zeugen hat, sind keine mildernden Umstände."

„Ich sollte es wissen", murmele ich. „Man hat mich nicht verhört und mir im Allgemeinen keine Chance gegeben, um zu erklären, was passiert ist, sondern mich auf der Stelle ins Gefängnis geschickt. Die Behörden sind von Vorurteilen geblendet und wenn man ein Schwarzmagier ist oder von einer dunklen Familie abstammt, ist man sofort schuldig."

„Sie sagen also, Sie seien nicht schuldig? Sie haben diese Muggel nicht getötet?" fragt die Hexe. „Nicht, dass es irgendjemandem etwas ausmacht, dass einige Muggel tot sind, aber..."

Ja, das ist der Standpunkt der Reinblütigen. Es ist in Ordnung, Muggel umzubringen. Für mich ist es nicht in Ordnung, ein Leben zu nehmen, um wen auch immer es geht, aber im Krieg stehen die Sachen anders. Ich wäre nie imstande, jemanden aus Spaß umzubringen, sowie einige es machen, der dunkle Prinz eingeschlossen, aber ich weiß sehr wohl, dass man im Krieg keine Zeit für Moralzweifel hat und schnell handeln soll. Und wenn das Mord bedeutet, fein. So viel habe ich gelernt und habe jetzt keine Probleme damit. Aber das heißt nicht, dass ich meine Moralprinzipien vergessen habe. Ein lebendiges Wesen ist ein lebendiges Wesen. Es gibt aber Ziele, die über meinen Moralprinzipien stehen und das sind die Ziele des dunklen Ordens. Sieg, koste es, was es wolle? Wenn es sein muss...

„Nein, an jenem Massaker bin ich nicht schuld", sage ich.

Und ich soll lieber nicht meine Meinung laut äußern.

„Waren Sie dann in Irland und haben an diesem Massaker teilgenommen?" fragt eine andere Hexe.

„Ja", sage. „Ich war in Begleitung des dunklen Prinzen."

Denn die Schwarzmagier scheinen wie Indianer zu denken. Wenn man noch kein Leben im Krieg genommen hat, verdient man keinen Namen, oder in diesem Fall, verdient man nicht, sich Todesser zu nennen. Auf der einen Seite ist diese Denkweise ziemlich dumm und kindisch; aber auf der anderen Seite ist mir völlig klar, warum dem so ist. Denn sie denken, dass falls man noch keinen im Kampf getötet hat, man nicht wirklich am Krieg teilgenommen hat. Dass man ein Feigling und inkompetent ist. Denn Opfer sind schließlich unvermeidlich.

„Bleibe mit uns", sagt Narzissa, an Aideen gewandt. „Ich würde wirklich deine Gesellschaft genießen. All diese Männer werden mich umbringen."

Die Frauen lachen und Aideen lächelt verlegen.

Lucius wirkt etwas überrascht, sagt aber nichts dazu, sondern nickt. Ihm scheint Narzissa auf die Nerven zu gehen und natürlich denkt er, dass falls es noch eine Frau im Haus gäbe, dass sie Narzissa beschäftigen würde, sodass er endlich seine Ruhe haben könnte.

Ich werde diesen Mann nie und nimmer verstehen. Liebt er seine Frau denn nicht? Warum geht sie ihm auf die Nerven? Und was treibt er den ganzen Tag lang? Treibt sich mit seinen Todesserkumpeln herum? Ich weiß, dass der dunkle Prinz ihm oft Aufträge gibt, aber schließlich passiert das nicht jeden Tag. Und außerdem waren der Prinz und der Lord für eine lange Weile weg und doch war er ständig unterwegs und beschäftigt. Mit was? Oder... mit wem? Hat er eine Affäre?

Oh Mann. Das ist mir noch nie eingefallen. Ich habe fest daran geglaubt, dass die Malfoys immer zusammen bleiben werden und mir ist nie eingefallen, dass einer von den zwei vielleicht fremdgehen würde. Ich soll Lucius vielleicht fragen. Aber wenn das wahr ist, ist das ziemlich unfair Narzissa gegenüber, denn sie liebt ihn und würde nie eine Affäre haben. Da bin ich mir sicher.

„Es würde uns alle freuen", sagt Lucius in die Stille.

„Oh", flüstert Aideen und streicht sich das Haar aus dem Gesicht. „Also, in diesem Fall... ja, in Ordnung. Ich bleibe. Ich muss nur meine Sachen holen."

„Die Elfen werden sich schon darum kümmern", sagt Lucius abwinkend. „Ich werde dir später das gesamte Haus zeigen und du kannst entscheiden, welches Zimmer du haben willst."

„Danke", sagt Aideen, in die Runde lächelnd. „Das ist echt nett von dir."

„Wisst ihr, seit ich dem Orden beigetreten bin, fühle ich mich, als hätte ich meine wahre Familie gefunden. Denn meine echte Familie hat mich nur gequält und mein Leben zur Hölle gemacht, aber im dunklen Orden fühle ich mich wie zu Hause", sagt Aideen lächelnd.

Und das habe ich nicht nur einmal gehört. Aber so war es früher nicht. Die Anhänger des dunklen Lords haben sich zweifelsohne bei ihm wie zu Hause gefühlt, aber sie haben nicht auf diese Weise zusammengearbeitet und sich für einander eingesetzt. Das ist zweifelsohne Harrys Werk, dessen Einstellungen und Prinzipien sich im heutigen dunklen Orden spiegeln. Das ist der Beweis, dass ein einziger Mann doch die Welt ändern kann, wenn er genug Einfluss und Macht hat. Denn er hat genau das getan. Er hat durch seinen eigenen Willen den dunklen Orden verändert und dadurch wird er auch eines Tages die ganze Welt ändern. Vielleicht war der dunkle Lord derjenige, der damit angefangen hat, an einer 'dunklen' Welt zu arbeiten – aber Harry wird derjenige sein, der es in die Tat umsetzen wird.

„Ein Toast", sage ich, mein Glas in die Hand nehmend. „Auf Aideen Delaney, den nächsten Zaubereiminister."

Alle heben feierlich die Gläser in die Luft und Aideens Wangen laufen leicht rosa an. Sie ist nicht an all die Aufmerksamkeit gewöhnt und im gewissen Sinne fühlt sie sich irgendwie nackt. Aber ich sehe, dass sie sich über ihr Leben in diesem Haus freut. Und ein Teil von mir fragt sich, ob sie sich auch darüber freut, weil auch ich in diesem Haus wohne... Träume weiter, Black.

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Wenn die Frauen damit anfangen, über Schuhe zu reden, weiß jeder vernünftiger Zauberer, dass es an der Zeit ist, sich aus dem Staub zu machen.

Narzissa hat sich zu Aideen gesetzt und ist mit ihr ins Gespräch gefallen, was mich sehr freut. Ich sehe schon, dass die zwei gut miteinander auskommen werden aber ich weiß auch, wann ich verschwinden soll. Hoffentlich erwähnt sie nichts... unangebrachtes.

„Puh, das war knapp", sage ich als ich in den Salon hineinschlüpfe, wo Severus und Lucius bereits Feuerwhiskey trinken und leise miteinander reden. Sie werfen mir fragende Blicke. „Sie reden über Schuhe", sage ich, auf die Tür deutend.

„Ach", seufzt Lucius. „Bald kommt Schmuck an die Reihe, Narzissas Lieblingsthema."

Severus sagt nichts dazu, aber seine Mundwickel zucken.

Ich setze mich zu ihnen und Lucius zieht die Flasche zu sich. Ich verdrehe die Augen. Wirklich – das Zeug interessiert mich nicht mehr. Warum behandeln sie mich wie ein Kind?

„Das ist nichts für dich", sagt Lucius, eine andere Flasche vom Tablett nehmend. „Das aber schon. Preiselbeerwein."

Narzissa hat eine ganze Kiste davon gekauft. Das Zeug ist eigentlich nicht schlecht, obwohl es für meinen Geschmack ein wenig zu süß ist. Aber man soll es eher Saft als Wein nennen, denn der Alkoholgehalt ist beinahe nicht existent. Kinder können diesen Wein trinken und nie betrunken werden. Also tut der Wein einem Säufer mit viel Erfahrung gar nichts.

„Lucius", sage ich, mir etwas Wein gießend. „Ist es wirklich in Ordnung, dass Aideen hierher umzieht?"

Die grauen Augen mustern mich. Schließlich nimmt er noch einen Schluck Feuerwhiskey und lehnt sich zurück.

„Warum denn nicht? Narzissa wird endlich etwas weibliche Gesellschaft haben und ich denke, dass Aideens Anwesenheit in diesem Haus zur Ruhe von uns allen beitragen wird", sagt er.

Die Ruhe von uns allen...

„Es ist schön, dass du so darüber denkst", sage ich, versuchend, darüber zu entscheiden, wie ich ihm die Frage stellen soll. „Aber ich frage mich, was Narzissa getan hat, dass du sie so brennend aus dem Weg haben willst."

Die grauen Augen blitzen auf.

„Ich bin nur besorgt", sage ich schnell. „Und du und Narzissa seid meine Freunde aber auch meine Familie. Ich frage mich nur, wie ich euch helfen kann."

„Er möchte helfen", sagt Lucius knapp.

Severus möchte sich offensichtlich da raus halfen und starrt, uns ignorierend, aus dem Fenster hinaus.

„Liebst du sie denn nicht mehr?" frage ich verzweifelt.

Ich bezweifele, dass ich etwas aus ihm herausbekommen werde, aber ich muss es wegen Narzissa trotzdem versuchen.

„Ich werde solche und ähnliche Fragen nicht beantworten", erwidert Lucius kalt. „Nicht in meinem Haus."

„In Ordnung", sage ich resigniert. „Ich dachte nur, dass es vielleicht etwas gibt, worüber du reden willst. Aber wenn nicht..."

„Du scheinst dich aber darüber zu freuen, dass Aideen umzieht", wirft Severus ein, das Thema wechselnd. Warum hat er es getan? „Also kann man sagen, dass du deine eigenen Gründe hast, warum du sie dabei haben willst."

Warum ist es für Männer so schwierig, über Gefühle zu reden? Wann auch immer man das versucht, bekommt man nur knappe und ausweichende Antworten und nach einer Weile wendet sich man dem Spott zu. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die zwei sich jetzt über mich lustig machen werden. Bin ich denn so durchschaubar? Der gute alte Sirius – ihm steht immer alles auf der Stirn geschrieben. Soll ich mich denn wie sie benehmen? Wie Lucius, der immer alles unter einer Maske der Gleichgültigkeit verbirgt oder wie Severus, der sarkastisch wird wenn man ein heikles Thema anschneidet? Ganz ehrlich möchte ich nie und nimmer einer von ihnen werden. Ich möchte nicht meine Menschlichkeit verlieren. Und wenn man mich deswegen auslacht, schön.

„Ja, ich habe sie gerne", gebe ich etwas genervt zu. „Und ich weiß einfach nicht, warum ihr euch über mich lustig machen solltet."

Stille. Die zwei trinken weiter und schweigen. Etwas ist los. Sie haben über etwas ernstes geredet, bevor ich gekommen bin. Und sie verschweigen mir etwas und möchten nicht, dass ich irgendetwas darüber herausfinde. Sie bilden zusammen einen Männerclub, zu dem ich offensichtlich nie gehören werde, was auch immer ich tue.

„Wisst ihr vielleicht, was der Prinz und der dunkle Lord zusammen so lange getrieben haben?" frage ich in die Stille.

Da schon ein Drittel des Feuerwhiskeys fehlt, kann man nur hoffen, dass die beiden bald genügend beschwipst sein werden, sodass sie über etwas ehrlich reden können. Auch wenn sie mich morgen dafür hassen werden, wenn ich sie dazu bringe.

Endlich scheint es, dass ich diese Barriere, die sie um sich aufgerichtet haben, durchgebrochen habe. Denn Severus lehnt sich ernst zurück und schüttelt den Kopf.

„Ich weiß nur ein paar Details, die aber zusammen kein größeres Bild bilden", sagt er.

Anscheinend hat er viel darüber nachgedacht.

„Erstens, der dunkle Prinz hat allen Zutritt den Kerkern verboten", fährt er fort. „Woraus sich schließen lässt, dass er und der dunkle Lord dort irgendwelche wichtigen Gefangenen aufbewahren. Zudem scheint er selbst oft dorthin zu gehen, aber er geht nicht immer alleine. Einmal habe ich ihn mit einem Zauberer dorthin gehen gesehen, den ich noch nie in meinem Leben gesehen habe. Aber leider habe ich nur kurz sein Gesicht gesehen. Vielleicht ist er ein Todesser, weiß ich nicht. Aber wenn keinem von uns erlaubt ist, dorthin zu gehen, warum nimmt er ausgerechnet diesen Todesser mit?"

„Hat es vielleicht etwas mit seinen Plänen für Irland zu tun?" frage ich, mich am Kopf kratzend.

„Zweitens", fährt Severus fort, meine offenbar rhetorische Frage ignorierend. „Der dunkle Lord hat mich einmal zum Hauptquartier berufen, weil er wollte, dass ich den dunklen Prinzen untersuche. Dabei hatte ich den Eindruck, dass sie an etwas ernstem gearbeitet haben. Sein Büro war ein Durcheinander und sie beide sahen so aus, als hätten sie seit Tagen nicht geschlafen oder etwas gegessen. Dem Prinzen ging es gut, aber ich konnte eine ernste Erschöpfung feststellen."

„Aideen sagte aber, dass er beim Treffen ganz ausgeruht und entspannt wirkte", werfe ich ein.

„Wahrscheinlich sind sie jetzt mit ihrer Arbeit fertig", meint Lucius nachdenklich. „Was mich aber beschäftigt, ist diese russische Seherin. Sie hat mit dem Prinzen schon oft genug gesprochen und jedes Mal tun sie es hinter einer geschlossenen Tür. Ich weiß, dass der dunkle Prinz nicht viel vom Wahrsagen hält und deswegen finde ich ein wenig seltsam, dass er mit ihr so oft redet. Worüber denn? Wenn er über die Lage in Russland hätte reden wollen, hätte er auch die russischen Diener rufen können."

„Ich bin mir sicher, dass Hermine mehr darüber weiß", sage ich. „Und Aideen sagt, sie habe sie beim Treffen gesehen. Vielleicht soll ich sie besuchen und sie fragen."

„Und wenn der dunkle Prinz davon Wind bekommt, dass du rumschnüffelst, wird man deine Körperteile in einer Kiste herschicken", meint Lucius trocken.

„Vielleicht hast du Recht", sage ich seufzend. „Aber ich mache mir Sorgen um ihn. Und ich würde wirklich gerne Hermine sprechen. Klingt so, als hätten die beiden ein Abenteuer in New York gehabt."

„Aber stell bloß keine Fragen zu dem dunklen Prinzen oder dem dunklen Lord", sagt Severus ernst. „Wenn sie dir etwas von sich selbst sagt, schön. Aber du solltest nicht versuchen, etwas aus ihr herauszubekommen. Wenn der Prinz ihr etwas schon enthüllt hat, ist das etwas zwischen ihnen."

Wir verfallen wieder in Stille. In Ordnung... du bist ein Spion, Black. Wenn es dir schon gelungen ist, was noch keinem gelungen ist, nämlich monatelang unter den Hellmagiern zu leben und dazu auch wertvolle Informationen aus Aberforth Dumbledore von allen Menschen herauszubekommen, dann solltest du keine Schwierigkeiten damit haben, das gleiche mit zwei Zauberern zu tun, die du Freunde und Familie nennst.

„Sagt mal, wisst ihr, mit wem es Bellatrix treibt?" frage ich.

Zuerst den Boden vorbereiten...

Severus zieht die Augenbrauen in die Höhe.

„Also... der dunkle Prinz hat so etwas angedeutet, dass sie es mit jemandem treibt", füge ich hinzu.

„Momentan vögelt sie mit einem der Franzosen", sagt Lucius sachlich.

„Echt? Mit welchem? Bernard Levert womöglich?" frage ich neugierig.

„Was, mit dem Schwuchtel? Das würde sie nie und nimmer tun", meint Severus abwinkend.

Ich verkneife mir ein Lächeln. Sie können ruhig etwas über Frauen sagen, die stundenlang über neuste Schuhmodelle plaudern können, aber wenn es darum geht, wer wen vögelt, sind Männer noch schlimmer als Frauen. Denn so was interessiert sie ja.

„Ich habe sie auch einmal mit einem blonden, großen Zauberer gesehen", fange ich nachdenklich an. „Sie hat bei der Geburtstagsparty des dunklen Prinzen oft mit ihm getanzt."

„Ja, das ist er", sagt Severus, auf mich deutend. „Wie heißt er wieder, Lucius?"

„Ferriér", antwortet Lucius ohne zu blinzeln.

Er scheint alles über alle zu wissen. Wie schafft er es nur? Verbringt er seine Freizeit beim Tratschen?

„Na so was", murmele ich. „Ich wusste natürlich, dass man ihre Ehe mit Rodolphus eher eine Freundschaft nennen soll, aber man würde denken, dass sie wenigstens miteinander schlafen."

„Rodolphus?" fragt Lucius und schnaubt. „Nein, der ist schwul."

„Wie bitte?" frage ich schockiert.

„Er ist schwul", wiederholt Lucius seine Worte, als wäre es etwas ganz selbstverständliches.

„Wie weißt du das?" frage ich.

„Er hat es mir gesagt", sagt Lucius kurz.

"Aber... er hat doch mit Bellatrix geschlafen, oder?" hake ich nach.

"Am Anfgang, ja", sagt Lucius. "Aber später ist ihm klargeworden, dass ihn Frauen nicht interessieren."

„Wirklich, Black, hast du es nicht bemerkt?" fragt Severus mit einem hämischen Lächeln. „In welcher Welt lebst du? Dass man mit solch einer Frau wie Bellatrix verheiratet sein kann und dass man sie nicht vögelt, kann nur eines bedeuten."

„Also... treibt er es auch mit jemandem?" frage ich.

Wirklich – ich hatte keine Ahnung. Aber anscheinend wenn es um Gerüchte und wer wen vögelt geht, bin ich bei den beiden richtig. Das erklärt auch, warum Bellatrix Liebhaber hat. Denn wenn sie von ihrem Mann keine Befriedigung bekommen kann, sucht sie sich jemanden anderen.

„Das wissen wir nicht", sagt Severus, Lucius einen Blick zuwerfend. Wissen sie doch, wer seine Liebhaberin – nein, sein Liebhaber – ist? Warum sagen sie mir einfach nicht?

„Und du, Black, du hast zweifelsohne so lange nichts gevögelt, dass du vergessen hast, wie es geht", wirft Severus höhnisch ein.

„Leider", sage ich seufzend.

„Dann solltest du vielleicht das nächste Mal, wenn wir kämpfen gehen, eine Muggelfrau zu dir nehmen", sagt er grinsend.

Lucius und er wechseln Grinsen. Sie benehmen sich wie zwei Teenagers. Bin ich der einzige Erwachsene hier?

„Hast du schon so was gemacht?" frage ich.

Ich finde es abstoßend, dass er überhaupt dazu in der Lage ist, jemanden zu vergewaltigen, aber ich soll lieber nicht so was laut sagen. Ich soll mitspielen.

„Na ja, ein Zauberer hat seine Bedürfnisse", murmelt er geheimnisvoll in sein Glas.

Lucius kichert.

„Aber vielleicht hofft Black, etwas dauerhaftes zu bekommen", meldet sich Lucius zu Wort.

„Es macht viel mehr Spaß, wenn man es wieder und wieder tun kann und wenn man sich nicht jedes Mal bemühen muss, eine Frau ins Bett zu bekommen", spiele ich mit.

Sie lachen und ich grinse breit. In Ordnung, ich habe die Spielregeln offensichtlich gelernt – jetzt spielen wir.

„In Ordnung, Severus ist ein gelegentlicher Ladykiller", sage ich.

„Und ein Ratschlag an dich, Black", sagt Severus, auf mich deutend. „Heirate nie. Denn eine Ehe bringt nur Schwierigkeiten mit sich, nichts mehr."

„Tja, ich bin sowieso zu alt dafür", sage ich.

Aber ich verstehe einfach nicht, warum Severus nicht heiraten will. Ist es möglich, dass er schon seine Traumfrau gefunden hat, die ihn aber nicht will?

„Sei aber vorsichtig mit dieser Irin", wirft Lucius ein. „Denn wenn sich eine Frau einen Mann schnappen will, wird sie schwanger. Dann muss man sie heiraten."

„War es auch so bei dir?" frage ich auf den ersten Blick beiläufig.

„Natürlich nicht", sagt Lucius mit Abscheu. „Narzissa und ich haben geheiratet als wir sehr jung waren. Wir haben uns später für ein Kind entschieden."

„Ich frage mich, wann die beiden heiraten", sage ich nachdenklich. „Der dunkle Prinz und Draco. Sie sind schon über drei Jahre zusammen und ich sehe den Prinzen einfach mit keinem anderen. Ich weiß, dass er ihn liebt, wenn auch auf eine seltsame Weise."

Der Ausdruck von Lucius wird finsterer und er schüttelt den Kopf. Wird er darüber endlich reden? In diesem Haus meidet man das Thema Draco und wir alle wissen warum. Narzissa beginnt zu weinen und Lucius knallt die Tür zu und verlässt das Haus.

„Ich meinerseits bin froh, dass Draco es noch immer gut geht", sagt Severus leise, den Kopf senkend. „Und ich möchte nicht wissen, wie ihre Beziehung aussieht. Es ist kein Geheimnis, dass der dunkle Prinz Wutanfälle hat und natürlich spürt Draco sie oft an seiner eigenen Haut."

Lucius sagt nichts, sondern füllt sein Glas schon wieder nach. Lucius ist kein Trinker; aber wenn es ihn packt, sitzt er alleine beim Feuer und trinkt einen nach dem anderen. Heute scheint eine dieser Nächte zu sein.

„Ich denke nicht, dass er ihm je etwas antun würde", sage ich. Lucius schnaubt und schüttelt den Kopf. Wissen die beiden etwas, was ich nicht weiß? „Was?" frage ich in die Runde.

„Vielleicht verbringst du nicht genug Zeit im Hauptquartier", sagt Severus finster, einen vorsichtigen Blick in Richtung Lucius werfend. „Aber der dunkle Prinz ist nicht wirklich zärtlich zu ihm."

„Deutest du etwa an... dass er ihn misshandelt?" frage ich überrumpelt.

Severus zuckt mit den Schultern und verstummt.

Ja klar, Harry hat seine Menschlichkeit verloren aber man würde denken, dass er doch etwas für seinen Geliebten empfinden würde. Ich weiß, dass er ihm gegenüber sehr besitzergreifend ist. Einmal hat er Severus gefoltert weil er Draco angebrüllt hat. Und ich weiß dass keiner, der etwas im Kopf hat, sich es je wagen würde, Draco ein Haar zu krümmen. Denn die Strafe dafür wäre zweifelsohne ein schmerzhafter Tod.

Vielleicht sollte ich das Thema wechseln. Ich muss aber darüber mit Harry reden. Ich kann es einfach nicht glauben, dass er Draco etwas antun würde. Ja, er ist brutal und kann blutrünstig sein, aber das bezieht sich nur auf seine Feinde und auf Verräter. Draco ist sein Freund, um Merlins Willen!

„Ich kann es kaum abwarten, dass wir endlich kämpfen gehen", sage ich in die eingetretene Stille. Die beide schauen mich skeptisch an. „Echt. Ich langweile mich zu Tode hier. Severus arbeitet jeden Tag im Labor; und du, Lucius, du scheinst immer Aufträge zu haben. Ich wiederum werde hier verrotten."

Die beide wechseln schon wieder Blicke. Also weiß Severus, wohin Lucius geht, möchte aber nicht darüber sprechen. Es ist sein Geheimnis und wenn Lucius selbst es nicht enthüllt, wird Severus die Klappe halten. Er wird nicht seinen Kumpel verraten. Das ist sehr nett von ihm, aber ich möchte herausfinden, was los ist. Langsam bekomme ich den Eindruck, dass er es mit jemandem treibt und ich muss es wegen Narzissa herausfinden.

„Du würdest lieber kämpfen gehen als hier sitzen?" fragt Lucius schließlich. „Red keinen Unsinn, Black. Du hasst Kämpfe."

„Ach aber jetzt doch nicht mehr", sage ich lächelnd. „Ihr habt nicht Monate bei Hellmagiern verbracht. Dort hatte ich eine Erleuchtung und bin endlich mit mir selbst klargekommen. Jetzt bin ich aufs Kämpfen gespannt."

„Das muss ich sehen", murmelt Severus mit einem hämischen Lächeln. „Ich hoffe auch, dass wir bald kämpfen gehen, sodass ich dir dabei zuschauen kann."

„Ich bin kein schlechter Kämpfer", werfe ich empört ein.

„Nein, das ist es nicht, was ich gemeint habe", sagt Severus, noch immer lächelnd. „Du kämpfst wie ein Hellmagier."

„Wie bitte?" platzt es aus mir.

„Du hast Angst, dass du jemanden verletzen wirst", fährt Severus fort. Dabei fällt mir auf, dass ihm seine Zunge nicht mehr so gut gehorcht wie sonst. Gut. „Und die ganze Zeit machst du dir Sorgen, ob du jemanden umgebracht hast. So kämpft man nicht."

„Vielleicht habe ich endlich begriffen, dass es einen Unterschied zwischen Feinden und Freunden gibt", sage ich gereizt.

Severus lacht und füllt sein Glas nach. Langsam geht er mir auf die Nerven.

„Oh das muss ich sehen", sagt er wieder.

Die Tür öffnet sich und Narzissas Kopf erscheint im Türrahmen.

„Da seid ihr", sagt sie lächelnd. „Wir gehen ein wenig spazieren, Lucius. Aideen kommt mit."

„Was auch immer", murmelt er abwinkend.

Narzissas Blick schweift über den Raum und fixiert sich auf den Inhalt unseres Tisches. Erkenntnis breitet sich über ihre hübschen Züge aus. Sie saufen, steht ihr ihr Schluss auf der Stirn geschrieben.

„Das ist sehr nett von dir, dass du mir erlaubst, mit meinen Freundinnen etwas Zeit zu verbringen", sagt sie bissig und macht die Tür laut zu.

Ich schaue zu Lucius, der die Lippen zusammenpresst.

„Was ist los? Habt ihr wieder miteinander gestritten?" frage ich vorsichtig.

„Müssen wir auch nicht", meint Lucius trocken. „Sie hat ihre Interessen und ich habe meine. Ich billige ihre Interessen nicht und sie billigt auch nicht meine."

„In Ordnung, ich weiß, dass sie viel Zeit mit ihren Freundinnen und beim Shoppen verbringt", sage ich, als kapiere ich es einfach nicht. „Was ist mit dir? Ich habe gedacht, dass du reist und Aufträge erfüllst."

Severus schaut wieder zu ihm und ich schnaube.

„Schön, sagt es mir nicht", sage ich genervt. „Ich möchte nur helfen. Ich schnüffele nicht herum. Ich möchte wissen, was mit der Ehe meiner guten Freunde nicht stimmt."

Ich stehe entschlossen auf und Lucius wirft mir einen finsteren Blick zu.

„Aber ich denke, dass ich schon weiß, was dein Geheimnis ist", zische ich. „Ich wünsche mir aber, du könntest für einmal damit aufhören, alles hinter einer Maske zu verbergen und begreifen, dass es Menschen gibt, die sich um dich Sorgen machen."

Ich stapfe zur Tür und begebe mich in den Garten. Ich muss meine Gedanken ordnen.

Das ist typisch Lucius. Er ist immer in sich selbst verschlossen und möchte nicht über ernste Sachen reden. Er würde nie offen gestehen, dass er Draco vermisst und dass er sich Sorgen um ihn macht. Denn wäre ich sein Vater und wüsste ich, dass es überhaupt eine winzige Wahrscheinlichkeit gibt, dass sein Liebhaber ihn misshandelt, würde ich gleich zu ihm gehen und ihn zur Rede stellen. Ich würde etwas unternehmen. Wie kann man nur so stur sein? Warum lässt er nicht zu, dass man ihm hilft? Warum möchte er nicht über seinen Kummer offen reden? Schließlich ist er nicht Harry, der seine Menschlichkeit einfach verloren hat. Lucius Menschlichkeit ist da, aber er lässt nicht zu, dass sie jemand sieht. Weil er denkt, dass man ihn als schwach ansieht? Oder weil er Angst hat, dass man endlich begreift, wie einsam und miserabel er eigentlich ist? Wie MENSCHLICH er ist?

Und man sagt, dass Frauen kompliziert sind.

Ein leises Geräusch reißt mich aus den Gedanken aus und ich halte inne. Ist es ein Tier? Nein, kein Tier. Ich habe gedacht, dass Narzissa mit ihren Freundinnen spazieren gegangen ist – aber jetzt wird mir klar, dass jemand auf der Bank sitzt. Dass jemand weint.

Ihr Kleid ist dreckig und ihr Haar hat sich aus ihrem ordentlich gemachten Knoten gelöst. Sie wischt sich das Gesicht, schnieft und starrt weiter ins Wasser des kleinen Teiches vor sich.

„Narzissa?" rufe ich leise.

Sie zuckt zusammen als wäre sie ein Mädchen, das von ihren Eltern bei etwas verbotenem ertappt worden ist. Als sie mich erblickt, entspannt sie sich etwas und wischt sich verlegen das Gesicht.

„Was ist los?" frage ich, mich vorsichtig zu ihr setzend.

Sie lächelt bitterlich und schüttelt den Kopf.

„Wo sind deine Freundinnen?" frage ich, mich umschauend.

„Sind nach Hause gegangen", antwortet sie mit schwacher Stimme. „Ich konnte einfach nicht... mitkommen. Mir ist die Lust aufs Spazieren vergangen."

„Wegen Lucius?" frage ich, versuchend, nicht wütend zu klingen weil meine Wut nicht auf sie gerichtet ist. Sondern auf Lucius.

Sie schaut mich überrascht an und dann lacht. Solche Reaktion habe ich nicht erwartet.

„Lucius?" wiederholt sie. „Nein, nein."

„Er war nicht gerade nett dir gegenüber", bemerke ich.

„Das ist aber nichts neues", sagt sie achselzuckend. „Nein, meine Freundinnen haben über ihre Kinder geredet. Und... ach... ich habe an ihn gedacht. Ich vermisse ihn. Peinlich."

Draco. Narzissa macht sich Sorgen um Draco. Soll ich erleichtert sein, dass Lucius sie nicht verletzt hat?

„Jedes Mal, als wir uns treffen, reden wir als wäre alles wieder beim alten", sagt sie, sich die Nase putzend. Auch so was macht sie mit Anmut, die sich einer reinblütigen Hexe ziemt. „Aber ich weiß, dass er mich nicht mehr braucht. Er hat den dunklen Prinzen... und er hat seine Freunde. Ich wünsche mir, er würde mich in sein Leben reinlassen und über seine Sorgen und seine Probleme mit mir reden. Stattdessen reden wir über unwichtige Sachen und er meidet jedes heikle Thema. Wir reden wie zwei Fremde und es zerreißt mir das Herz."

Ich hatte nicht den Eindruck, dass Draco seine Mutter von sich wegstoßen möchte. Warum macht er es? Liebt er sie denn nicht mehr? Ich verstehe ja, dass er nicht mit Lucius reden will, aber ich dachte, seine Mutter sei eine ganz andere Sache.

„Es war dumm von mir zu behaupten, dass ich für immer ein wichtiger Teil seines Lebens sein werde", sagt sie mit einem schwachen Lächeln. „Er ist fast siebzehn; er ist verlobt und er braucht mich nicht mehr. Ich weiß, dass jede Mutter eine gewisse Leere in sich spürt, wenn ihr Kind auszieht und sich ihr nicht länger anvertraut. Aber ich kann nicht anders."

„Auch wenn er sein eigenes Leben hat, sollte er dich nicht wegstoßen und versuchen, sich dir zu entfremden. Du bist seine Mutter – und er sollte es besser wissen", sage ich sanft.

„Ach aber er hat so viel zu tun und keine Zeit für mich", sagt sie kopfschüttelnd. „Und vielleicht ist das das Problem. Ich hingegen habe zu viel Zeit um über solche Sachen nachzudenken."

„Warum ist Lucius nie zu Hause?" frage ich. „Ich weiß, dass du dich einsam fühlst. Und er sollte es auch besser wissen, statt dich tagelang alleine im Haus hocken zu lassen."

„Ach Lucius", lächelt sie. „Ihm geht meine Sorge auf die Nerven und er sagt, ich sei zu emotional und solle mich zusammenreißen. Dass es jämmerlich sei, dass eine reinblütige Hexe immer weint und sich Probleme ausdenkt, über die sie sich ständig beklagen könne."

„Das hat er gesagt?" frage ich ungläubig. „Das ist gemein! Wie kann er nur dir gegenüber so gemein sein?"

Sie dreht sich mir zu und legt eine Hand auf meine.

„Du bist echt nett und ein guter Freund, Sirius", sagt sie lächelnd. „Und ich habe dich wirklich gerne. Aber Lucius hat Recht. Ich benehme mich wie ein Idiot."

„Nein, ganz und gar nicht", eile ich zu sagen. „Und du solltest mit Lucius reden! Ihm sagen, was dich bedrückt! Ihn fragen, warum er nie zu Hause ist und nie Zeit mit dir verbringt!"

„Ich weiß, warum er nie zu Hause ist", sagt Narzissa. „Er hat eine Affäre."

„Er hat eine... was?" platzt es aus mir.

Sie lächelt wieder und drückt mir die Hand.

„So was ist nichts seltsames in alten dunklen Zauberfamilien, Sirius", sagt sie. „Und vor allem nicht unter reinblütigen Zauberern und Hexen, die so früh geheiratet haben, wie wir. Wir waren erst Kinder. Aber ich werde ihn immer lieben."

„Mit wem hat er eine Affäre?" frage ich verwirrt.

Sie hat mich total aus der Bahn geworfen. Die ganze Zeit denke ich darüber nach und immer wieder sage ich mir, dass er nicht imstande wäre, sie derart zu verletzten, trotz der kleinen Stimme in meinem Kopf, die mir sagt, dass ich Recht habe. Aber leider hatte ich doch Recht.

„Mit Rodolphus", sagt Narzissa ohne zu blinzeln.

Mein Mund öffnet sich und Narzissa lacht.

„Was, hast du nicht gewusst? Hast du sie nie zusammen gesehen?" fragt sie.

Ich weiß nicht, was ich verwirrender finde. Die Tatsache, dass Lucius eine Affäre hat – und dazu auch mit einem Mann – oder dass Narzissa darüber lachen kann.

„Nein", sage ich mit einer hohlen Stimme. „Ich hatte keine Ahnung. Und ist er... wie kann er... schwul sein?"

„Er ist nicht schwul", erklärt sie. „Er ist bisexuell. Wir hatten ein ziemliches wildes Liebesleben bevor Draco geboren worden ist. Und für ein paar Jahre danach auch..."

Sie zwinkert mir zu. Ich möchte gar nicht fragen, was sie zusammen im Bett getrieben haben und momentan fühle ich mich wie ein Vollidiot. Ich weiß nichts von nichts. Dieser Abend beweist es.

„Aber als wir dazu gezwungen waren, das Manor verlassen..." Sie seufzt. „Er hatte seine Pflichten bei dem dunklen Orden und ich saß alleine zu Hause und machte mir Sorgen um Draco und um ihn. Als er nach Hause kam, wollte er meine Fragen nicht beantworten und ja, manchmal übertrieb ich es. Aber ich wollte so verzweifelt wieder ein Teil des Lebens von ihnen beiden sein dass ich ihn täglich mit Fragen plagte. Eines Tages kam er nichts ins Bett und den nächsten Tag fand ich ihn im Gästezimmer. Ich wusste, dass ich teilweise für diese Entfremdung verantwortlich war, aber es gab nichts, was ich tun konnte. Ich versuchte es... Aber mit der Zeit wurde er immer distanzierter und wollte mit mir nicht reden. Dann habe ich es herausgefunden..."

Sie seufzt und schaut zum Himmel.

„Ich habe ihn verfolgt", sagt sie. „Oh das war wirklich dumm von mir! Aber ich war eifersüchtig und wollte wissen, was er treibt. Und ich habe sie zusammen gesehen... Jede Frau wäre in deinem Moment ausgeflippt, ob es ein Brauch unter den Reinblütigen Zauberern und Hexen ist oder nicht. Die Liebe ist blind, Sirius, und viele haben schon wegen Liebe unglaubliche Sachen gemacht. Jedenfalls habe ich immer gedacht, dass ich total durchdrehen würde, falls ich ihn je mit jemandem ertappe. Aber als ich sie beobachtet habe, wurde mir klar, was Rodolphus für ihn darstellt und warum er fremdgegangen ist. Vielleicht bin ich die einzige, die ihn versteht. Und ich weiß, dass Lucius mich noch immer liebt und respektiert. Aber das, was er mit Rodolphus hat, werde ich ihm nie geben können. Rodolphus fragt nichts; und möchte auch nichts über Lucius Leben herausfinden oder ihn besser kennenlernen. Und das, was sie zusammen haben, ist wilde, ungezähmte Leidenschaft. In ihrer Beziehung gibt es keinen Raum für Zärtlichkeiten, für Fragen oder für Freundschaft. Sie sind Liebhaber, Punkt. Ich hingegen bin vor allem seine Freundin, denn ich kenne ihn von innen und von außen und das seit wir Kinder waren. Ich sehe durch seine Maske hindurch und ich kenne seine intimsten Gedanken und er weiß es. Und er hasst es. Aber wir teilen etwas, Sirius, was über Sex und über eine rein physische Beziehung geht. Wir sind Lebensgefährten – und wir verstehen uns ohne Worte."

„Da ich jetzt weiß, was diese Beziehung für ihn darstellt, bin ich froh, dass er Rodolphus gefunden hat. Sie tun einander gut. Und ich möchte nur das Beste für ihn, aus welchem Grund ich gar nichts gesagt habe. Er weiß dass ich darüber Bescheid weiß – und ein Teil von ihm fühlt sich schuldig. Ein Teil von ihm zudem hasst mich, weil ich auch das ihm weggenommen habe. Ich weiß alles über ihn, auch über seine Affäre und ich habe gar nichts dazu gesagt – und es macht ihn total fertig, dass ihn jemand so gut kennt und so durchschauen kann. Deswegen brüllt er mich an und gibt mir knappe Antworten. Aber das wird schon. Wenn er nur in seinem Herzen die Kraft finden könnte, Draco zu vergeben und zu versuchen, sich mit ihm zu versöhnen, würde sich alles ändern. Das weiß ich. Aber eines Tages werden sie miteinander reden müssen und ich hoffe, dass es an dem Tag passiert, an dem mein Draco heiratet."

Während sie gesprochen hat, habe ich sie wortlos angestarrt und versucht zu begreifen, was sie mir gerade gesagt hat. Ja, jetzt ergibt alles einen Sinn – aber wie habe ich so blind sein können? Ich wohne mit ihnen seit Jahren und ich habe es nicht gesehen. Wie denn? Bin ich ein Idiot?

„Ich wohne mit euch seit Jahren zusammen", spreche ich meine Gedanken laut aus. „Und all das hat sich vor meinen Nase abgespielt? Wie denn?"

Narzissa lacht herzlich und legt ihren Kopf auf meine Schulter.

„Sirius, du bist zu gut für diese Welt", sagt sie grinsend. „Und du bist erfrischend ehrlich und naiv."

„Ich fühle mich gar nicht geschmeichelt", murmele ich, kann mir aber ein Lächeln nicht verkneifen.

Dass sie sich nicht über so was aufregt, finde ich unglaublich. Narzissa ist eine unglaubliche Frau und Lucius verdient sie nicht.

„Und ich werde dir helfen", sagt sie. „Aideen ist eine gute Frau und ihr werdet ein gutes Paar sein. Ich werde dir Ratschläge geben und du wirst ihr Herz gewinnen. Denn du verdienst es, endlich glücklich zu sein."