Titel: Ein Leben wie die Zukunft
Autor: Momixis
Zeit: spielt nach „Halbblutprinz"
Kapitel: 16
Teil: 4/9
Paare: Es kommen viele der typischen Paare vor, aber Hauptpersonen werden Harry und Draco sein… (später auch als Paar)
Warnungen: Slash, Charadeath, lange Geschichte, unterschiedlich lange Kapitel….
Inhalt: Harry ist im 7. Schuljahr und will nach Dumbledores Tod nur noch den Krieg beenden, aber was wird er dafür opfern und wird er mit den Verlusten leben können? Wird er die Kraft und das Wissen dazu haben erfolgreich zu sein? Und welche Rolle werden Snape und Malfoy einnehmen?
MIR GEHÖRT NICHTS UND ICH VERDIENE DAMIT AUCH KEIN GELD!
Danke an die Reviewer!!
Teil IV
Altes Hogwarts
Kapitel 16
Glamouröser Festball
Es war relativ schnell und heftig Herbst geworden und feiner Nieselregen fiel vom grauen Himmel herab. Das Wetter passte zur Jahreszeit, auch wenn es für Ende Oktober eigentlich zu kalt war. Aber schon im September hatte sich der Sommer endgültig verabschiedet und alle auf einen ekligen Herbst vorbereitet.
Halloween lag vor der Tür und genau deswegen stand Harry auf dem Astronomieturm. Ein Imprägnier- und ein Wärmezauber schützten ihn vor dem kalten und feuchten Wetter. Es war der einzige Schutz vor der Feuchtigkeit und nicht nur Harry kannte diesen Zauber mittlerweile auswendig.
Er wartete. Im Grunde war es eine Seltenheit, dass er bei einer Verabredung warten musste, denn normalerweise musste man auf ihn warten. Oft hatte er wegen seiner Unpünktlichkeit Ärger bekommen, nicht nur mit den Lehrern, sondern auch mit Hermione oder Ron. Aber heute wartete Harry. Er wartete auf Sal.
Sie hatten eine Verabredung und eigentlich sollte sie geheim bleiben. Trotzdem wusste Sanuel, Lin und vermutlich die anderen Mädchen davon. Nur wusste keiner, um was es eigentlich ging.
Plötzlich stand Sal vor Harry. Auch sie schützte sich offensichtlich mit einem Zauber, denn ihre verblassten rosafarbenden Haare waren mit einer Spange gebändigt und zeigten keine Spuren von Feuchtigkeit und Regen. Sie ließ sich offensichtlich nicht die gute Stimmung durch das Wetter verderben. Sie war trotzdem immer noch flippig und direkt. „Hey Adrian! Wartest Du schon lange?" Es hörte sich nicht nach einer Entschuldigung an.
Harry lächelte sie schief an und schüttelte dann den Kopf. „Nein. Du bist genauso unpünktlich wie ich." Sal lachte hell auf.
„Und hat er Dich gefragt?", kam Harry sofort auf den Punkt. Der Punkt, warum sie sich hier heimlich treffen wollten. Der Punkt, warum niemand von ihrer Absprache wusste. Der Punkt, warum Harry bereit war, sich mit Sal zu treffen.
Harry drehte sich zum Geländer und blickte in die dunkle und trübe Landschaft hinaus. Nur die erleuchteten Fenster vom Schloss und von Hagrids kleiner Hütte gaben diesem Anblick Leben und Wärme. Geborgenheit und Schutz.
Leider sah Harry so nicht, wie Sal rosane Wangen bekam und ein Hauch Unsicherheit in ihrem Gesicht geschrieben stand. ‚Adrian' war zu einem Freund geworden und sie wollte ihn nicht wieder verlieren. Sie wollte ihn nicht vor den Kopf stoßen und wusste doch genau, dass es nicht anders ging. Aber er würde über ihre Antwort nicht glücklich sein. „Ja", sagte sie daher sehr leise. So leise, dass Harry es fast nicht gehört hatte.
Harry blickte sie aufmerksam an.
„Und wo liegt dann Dein Problem? Sal, wir hatten eine klare und einfache Vereinbarung: Wenn er Dich fragt, gehst Du mit ihm zum Halloweenball und ansonsten gehen wir. Wo ist das Problem?" Harrys Blick war eindringlich und fragend, denn Sal schien nicht zufrieden mit der Situation zu sein. Sie verknotete die Finger und bewegte sich unruhig umher.
„Was ist, Sal?", sein Blick war bohrend und streng.
„Ähm… ich habe …ähm…"
„Jaaaa? ... Was hast DU?"
„'Nein' gesagt?", flüsterte sie schließlich ziemlich kleinlaut.
„Bitte was? Warum?" Harry verstand das alles nicht. Zu Sals Überraschung blieb er ganz ruhig und sah sie nur verständnislos an. Während sie sich nur noch mieser fühlte.
„Naja, ich dachte, er würde noch mal fragen. Er sollte nicht denken, dass ich sofort aufspringe, wenn er pfeift."
Harry seufzte: „Und er hat Dich nicht noch einmal gefragt?" Harry war etwas überrascht. Er hatte den Jungen anders eingeschätzt, aber vermutlich würde kein Mann gerne einer Frau hinterher rennen. Jedenfalls nicht bei einem so deutlichen Korb. Nachdenklich strich er sich die Haare aus dem Gesicht.
„Nicht direkt…", nuschelte Sal und sie schien wirklich traurig über diesen Stand der Dinge zu sein. Harry beschloss nicht weiter nachzuhaken, was Sal mit dieser undeutlichen Aussage meinte. Es würde ohnehin nichts bringen.
„Glaubst Du, dass Lovegood Dich noch einmal fragen wird?", fragte Harry ruhig.
Sal schüttelte nur den Kopf und schluchzte leise auf. Ihr Blick war auf den Boden gerichtet. Harry konnte die Tränen in ihren Augen zwar nicht sehen, aber er wusste genau, dass sie dort waren. Er trat zu ihr und legte zärtlich eine Hand auf ihren Arm. „Dann gehen wir beide zusammen zum Ball, wie abgesprochen. Und weil Du Dich besonders hübsch machst, wird Lovegood dann schon sehen, was er verpasst und Du wirst ihn um Deinen kleinen Finger wickeln, okay?" Sofort warf Sal sich in seine Arme und schluchzte herzzerreißend.
Harry hatte nun eine heulende Ravenclaw am Hals. Er hatte die Hoffnung nun auch aufgeben das Lovegood Sal doch noch mal fragt, denn selbst wenn, würde Sal wieder ‚Nein' sagen. Dafür kannte er das Mädchen dann doch mittlerweile einfach zu gut. Also würde Harry ganz brav zum Ball gehen und das Beste daraus machen. Etwas unbeholfen tröstete er jetzt das Mädchen in seinen Armen.
Zum Glück war sie nur eine gute Freundin.
oooooooooo
Eigentlich hatte Harry gedacht, dass das nächste größere Ereignis der Halloweenball am nächsten Wochenende war. Er hatte nicht damit gerechnet in eine heftige Prüfungssituation zu kommen. Innerhalb einer Woche wurde in jedem Fach das Wissen abgefragt. Alles unangekündigt versteht sich. Und niemand nannte einen triftigen Grund, warum plötzlich in allen Fächern das Wissen getestet wurde. Das rätselhafte daran war, dass die Tests wirklich schwer waren und die Lehrer nur immer wieder sagten, dass es nicht nur auf die Note ankam, sondern um das Wissen besser einzuschätzen. Harry beruhigte sich, da in allen Jahrgangsstufen solche Prüfungen durchgeführt wurden und sich kaum jemand der Schüler wirklich darüber wunderte. Vielleicht war es in dieser Zeit normal?!
Der Freitag war endlich da und erst jetzt konnte Harry sich Gedanken über die vergangene Woche machen. Es war der reinste Spießrutenlauf gewesen. Von massenhaften Hausaufgaben bis hin zu den Prüfungen; Es blieb keine Zeit für irgendetwas Anderes. Besonders da Sanuel Hermiones Rolle übernommen hatte und stets darauf achtete, dass Harry alles ordentlich machte und auch noch etwas dabei lernte. Und da sie die Hausaufgaben meistens zusammen in der Bibliothek machten, konnte Harry sich auch nicht drücken. Lily schien genau im Auge zu haben, welche Hausaufgaben ihm noch fehlten. Und in ‚alte Runen' erhielt er auch noch seit September Nachhilfe von Lily, denn es war das einzige Fach, welches Harry nicht wirklich konnte und Aufholbedarf hatte.
Am Samstagabend war der Halloweenball, also auch keine Möglichkeit für Ausflüge oder andere Arbeiten, die seiner eigenen Aufgabe sehr viel näher standen. Dafür hatte er die Möglichkeit seine Mutter und deren Freundinnen genau kennen zu lernen. Harry wusste nicht genau, was ihm wichtiger sein sollte.
oooooooooo
Die Turmuhr schlug drei Mal. In 15 Minuten würde der Ball beginnen.
Harry stand im Badezimmer und starrte in den großen Spiegel über dem weißen Waschbecken. Sein Blick war prüfend, er wollte nicht unnötig auffallen, aber seine Garderobe entsprach der aktuellen Mode in der Zaubererwelt, also kein Grund zur Besorgnis. Sein Blick glitt über die fremde aber mittlerweile auch vertraute Erscheinung. Inzwischen vermisste er sein wahres Aussehen. Er hasste die Tabletten, die er alle zwei Tage nehmen musste. Er hasste seine Haare, die jetzt so lang waren, dass er fast einen Zopf machen konnte. Ständig hingen die Haare ihm ins Gesicht und er griff immer häufiger zu Haargel (die Zauberervariante), um sie wenigstens etwas zu zähmen.
Sein grünes Seidenhemd ließ seine Augen trotz der Kontaktlinsen grün erscheinen und der schwarze Umhang verhüllte den schmalen Körper. Traurig blickte Harry in den großen Spiegel und strich mit der Fingerkuppe über das kalte Glas.
„Lächel' und alle werden Dir zu Füßen liegen", wisperte der Spiegel und riss Harry aus seinen wehmütigen Gedanken. Er grinste nur schief und verließ dann mit gestrafften Schultern den Schlafraum und das Gebiet der Slytherins. Leise glitt er durch die Gänge auf dem Weg zum Treffpunkt. Er würde lieber etwas anderes machen, aber es wäre viel zu auffällig und er hatte es Sal versprochen.
Ohne große Probleme kam er am vereinbarten Treffpunkt an und stand seiner Partnerin für den heutigen Abend gegenüber. Sal sah toll aus. Ihr schwarzes bodenlanges Kleid stand ihr fabelhaft. Die blonden Haare glänzten und die Strähnchen strahlten wieder in einem satten Pink. Auch die Accessoires harmonierten farblich sehr gut zu ihrem typischen Aussehen. Harry hoffte nur, dass Lovegood nicht in einem roten Umhang erscheinen würde, denn dies würde zu einer farblichen Kakophonie führen.
Harry lächelte Sal charmant an und sie strahlte. „Es ist mir eine Ehre mit Dir auf den Halloweenball zu gehen, auch wenn ich hoffe, dass Du bald einen anderen Partner findest", begrüßte er Sal und sie lächelte verstehend. Sie warf einer atemberaubend aussehenden Lily ein Blick zu, der soviel heißen sollte, wie „wie kann man diesen Jungen nicht lieben?" und Lily lachte auf.
Ja, warum gab es Menschen, die diesen Jungen nicht liebten. Ihr Tanzpartner gehörte zu diesen Menschen, genau in diesem Moment erschien James und Lilys Gedanken wanderten in eine andere Richtung.
oooooooooo
Der Abend war schön. Harry ließ sich sogar zu dem einen oder anderen Tanz von Sal und Lin überreden. Leider musste er dann auch mit Mick, Esmare und Lily tanzen. Lily allerdings bewegte sich zurzeit in einem wunderschönen dunkelgrünen Kleid in James Armen über die Tanzfläche. Die mehr oder weniger deutlichen Tanzaufforderungen von anderen Mädchen überhörte und ignorierte Harry schlicht. Er hatte keine Lust mit fremden Mädchen zu tanzen.
Er saß an einem kleinen Tisch und beobachtete seine Eltern beim tanzen. Sie waren ein schönes Paar, aber es tat ihm im Herzen weh sie beim tanzen und lachen zu beobachten, und dabei zu wissen, dass sie in genau sechs Jahren von Voldemort getötet werden würden. Seine Augen brannten leicht und er kniff sie kurz zusammen. Es waren Schmerzen über die er mit niemanden reden konnte. Niemand könnte es verstehen. Leise seufzte er.
„So schlimm?"
Lins Hand legte sich auf seine Schulter und sie sprach so leise zu ihm, dass kein anderer es verstehen könnte. Harrys Kopf ruckte zu ihr. „Was?" fragte er und sah sie dabei völlig verständnislos an.
„Dir scheint es sehr nahe zu gehen, dass Lily und Potter zusammen tanzen. Ich dachte, Du hättest vielleicht etwas für sie übrig."
Harry konnte ein tieftrauriges Lächeln nicht vermeiden. Dann schüttelte er den Kopf. „Nein Lin! Ich habe… ich will nichts von Lily. Sie ist mir sehr wichtig, aber ich bin… nicht eifersüchtig. Das denkst Du doch, oder? Ich freue mich für die beiden…"
Lin sah ihn skeptisch an: „Und deshalb schaust Du so traurig? Lüg mich nicht an."
„Ich lüge nicht. Ich… die… Lily…erinnert mich an meine Mutter. Sie starb als ich noch sehr jung war, also nichts Weltbewegendes. Außerdem…" setzte Harry leise hinzu, um Lin von diesem heiklen Thema abzulenken. „Mein Interesse an einer romantischen Beziehung zu irgendeinem Mädchen hält sich insgesamt sehr zurück. Sal, Mick, Esmare, Lily und auch Du, Ihr seid meine Freundinnen, aber für mehr uninteressant."
Woher Harry diese Einsicht hatte, wusste er selbst nicht genau. Vielleicht lag es daran, dass er genau wusste, dass eine Beziehung nicht funktionieren würde. Er war gerne mit den Mädchen zusammen, aber keine ließ sein Herz höher und schneller schlagen. Und es störte ihn noch nicht einmal. Wenn andere Mädchen ihn ansprachen fühlte er sich meistens etwas hilflos und überfordert. Er konnte darauf verzichten.
„Ich glaube, ich weiß wem Dein Herz gehört oder irgendwann gehören wird."
Harry starrte Lin überrascht an. „Bitte?!"
„Das müssen wir ja nicht jetzt bereden…"
„Da gibt es nichts zu bereden…"
„Tanzt Du mit mir?"
Ohne eine Antwort abzuwarten oder eine Reaktion zuzulassen, zog Lin den heißbegehrten Jungen auf die Tanzfläche. Harry ergab sich seinem Schicksal und schloss seine Arme um Lin. Sie war zu einer wirklich guten Freundin geworden. Er würde sie nicht in Gefahr bringen. Sie durfte nicht sterben… nicht so wie Hermione…
Unwillkürlich wurde der Griff um Lin fester. Sie spürte diese Veränderung sofort, kommentierte es allerdings nicht. Ihre Gedanken konzentrierten sich, wie schon so oft auf diesen jungen Mann. Ihr Verlobter in Japan würde ihn auch lieben und beschützen, wie einen kleinen Bruder. Daher konnte sie sich wohl auch so wohl in diesen Armen fühlen. Es waren die Arme eines Bruders und nicht die eines potenziellen Verehrers.
Sie bewegten sich anmutig zur Musik und ihre Gedanken gingen auf Reisen. Langsam vergaßen sie alles um sich herum und schwebten sanft in der Großen Halle über den Parkettboden. Die wenigen Paare auf der Tanzfläche hatten genug Platz und behinderten sich so nicht im Geringsten. Es war ruhig und angenehm. Niemand traute sich diese Anmut zu stören.
oooooooooo
„Na, sie einer an. Was für ein süßes Paar!", spottete die kühle Stimme von Draco. Harry blickte nicht auf und wollte auf keinen Fall reagieren. Er hat es schon einige Male geschafft die neusten Spötteleien von Draco zu ignorieren, warum nicht auch jetzt?!
Der blonde Junge stand mit seinen Leuten, sprich Lucius Malfoy, Narcissa Black und Severus Snape, am Rande der Tanzfläche. Auf dieser bewegten sich noch immer Harry und Lin unbeirrt. Lins Kopf lag entspannt auf Harrys Schulter und ihre Augen waren genauso geschlossen, wie Harrys. Völliges Vertrauen und eine freundschaftliche Einheit bildeten sie.
„Eifersüchtig, Mosnay?", fragte eine helle Stimme von der anderen Seite. Sal stand dort und hatte bis eben mit Konstantin Lovegood getanzt, der, Merlin sei dank, einen dunkelblauen Umhang trug.
„Was? Auf ihn?" Draco war geschockt, versteckte es aber gut unter seiner Arroganz. „Du solltest wohl eher eifersüchtig sein. Immerhin ist er DEIN Tanzpartner für diesen Ball." Dracos Grinsen war fies und seine Augen blitzten kalt.
„Ach, mein lieber Dorian", Sal sprach sehr sanft und liebreizend. „Ja, Adrian ist mit mir zum Ball gegangen, aber es war schon vorher klar, dass wir ihn nicht komplett zusammen verbringen würden." Lovegood zog die Augenbrauen elegant nach oben und blickte Sal überrascht an.
„Weißt Du, Dorian, ich glaube auch, dass Du eifersüchtig bist, aber auf was?" Lily hatte sich jetzt zum großen Missfallen von James eingemischt. Mittlerweile sammelten sich immer mehr Schüler um das tanzende Pärchen.
Draco fühlte sich angegriffen, auch wenn er angefangen hatte. Von allen Seiten kamen prüfende und fragende, aber auch gehässige Blicke. Wie schaffte es Harry Potter eigentlich immer so starken Rückhalt zu bekommen? Selbst als Slytherin?
Dracos Augen trafen die grünen von Lily und da half die beruhigende Hand von Narcissa auf seiner Schulter auch nicht mehr. Draco riss der Faden der Geduld und Ruhe. Schon seit ihrer Ankunft in Hogwarts wurde diese Seite ständig angegriffen und malträtiert.
„Halt Deine schleimige Schnauze, Du dreckiges Schlammblut. War ja klar, dass Du mit Deinen speckigen Muggelfingern einen reinblütigen Zauberer schnappen musst. Verschwindet und zeugt viele kleine hässliche und unfähige Halbblüter, damit der dunkle Lord etwas zum spielen hat. Aber wag es nicht mich mit Deiner stinkenden Anwesendheit zu belästigen. Du und Deinesgleichen seid es nicht wert zu existieren. Man sollte euch…"
James war schon bei den ersten Worten zusammengezuckt und sein Gesicht hatte sich merklich verdunkelt. Beschützend und tröstend hatte er die geschockte Lily sofort in den Arm gezogen. Sein wütender Blick war zielsicher auf Draco gerichtet. James wollte schon mit Sirius zusammen Draco an die Gurgel, aber jemand war schneller.
Harry stand ganz plötzlich dicht vor Draco. In voller Größe und sich seiner Erscheinung gänzlich bewusst. Die Augen bohrten sich in die hellblauen vom Blonden und Draco blieben die Worte im Halse stecken. Harrys Augen waren dunkelgrün und blitzten ihn wütend an. Aber nicht nur diese Wut ließ Draco erbleichen, sondern auch die Kälte, die Harry wie scharfe Flammen ausstrahlte. Draco verstummte. So wütend hatte er Harry Potter noch nie erlebt.
Narcissa ging einen Schritt zurück und war nur froh, dass zu diesem Ball keiner einen Zauberstab dabei haben durfte. Zur Sicherheit aller und in diesem Moment wusste sie, dass Gefahr nicht nur von außen drohte. Wenn ‚Adrian Jericle' keine Gefahr bedeuten konnte, dann wusste sie auch nicht mehr weiter.
Harry zischte mehr, als dass er sprach. Seine Mimik war starr, kalt und verschlossen. Seine vor Wut blitzenden Augen bohrten sich in Dracos blaue und hielten ihn erbarmungslos fest. Draco hatte schon begriffen, dass er zu weit gegangen war. Er hatte nicht nur Lily aufs Schändlichste beleidigt, sondern auch ihn und irgendwann war es einfach nur noch genug.
„Was wird das, Jericle. Darf man nicht mal mehr seine eigene Meinung haben?!", versuchte Lucius Malfoy die Situation kalt zu entschärfen. Auch er spürte die Gefahr. Die Luft stand förmlich vor Anspannung und Lucius bewunderte ‚Dorian' für seine Kaltschnäuzigkeit gegenüber diesem sehr seltsamen Jungen, aber manchmal war er sehr ungeschickt und übereifrig. Er sollte nicht große Gruppen angreifen und schon gar nicht, wenn ‚Adrian' in der Nähe war. Wie schon fast befürchtet halfen Lucius' Worte rein gar nicht. Sie wurden einfach ignoriert.
Harry strafte ihn nur mit einem eiskalten Blick und konzentrierte sich dann wieder auf Draco. „Misch Dich nicht ein Malfoy. Du hast keine Ahnung." Seine Augen verdunkelten sich nur noch mehr, während er sich ganz Draco widmete.
Dann sprach Harry viel leiser weiter, weil es nur für Dracos Ohren bestimmt war. „Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass es für Dich und Deine gesamte Familie unmöglich ist, diese herablassende Bezeichnung für Muggelstämmige jemals wieder in den Mund zu nehmen oder Ihr sollt daran zu Grunde gehen, Malfoy. Das Wort Schlammblut soll nie mehr aus Deinem Mund kommen. Aber da dies nicht geht, warne ich Dich, nur jetzt und nur einmal: Pass bloß auf, welche Entscheidungen Du triffst, sonst fällt mir noch etwas wirklich Nettes für Dich ein. Unterschätz mich bloß nicht. Du bist das widerwärtigste Stück Dreck, welches mir in Hogwarts jemals unter die Augen gekommen ist, Du hast gar keine zweite Chance verdient."
Niemand außer Draco konnte verstehen, was Harry sagte, aber alle wussten, dass dies einer Kriegserklärung gleich kam. Auch Draco wusste dies. Er wollte etwas zu seiner Verteidigung sagen, aber ein kurzer blauer Blitz ließ ihn kurz erblinden und als er wieder aufblickte, sah er nur noch, wie Harry die große Halle mit wehendem Umhang und energischen Schritten verließ. Ein heller Blitz kam von Korinna Habicht, eine begeisterte Fotografin, die sich gerade den Unmut der Slytherins auf sich gezogen hatte. Sie verschwand mit ihren Freunden schnell in der Menschenmasse. Alle blickten sich irritiert um. Korinna war da weniger interessant. Es war viel interessanter, was da gerade zwischen den beiden Neuzugängen passiert war.
Lin warf ihrem Cousin einen vielsagenden Blick zu, auf den Sanuel sich schnell von seiner Flamme aus Hufflepuff trennte. Gemeinsam folgten sie ihrem gemeinsamen Freund aus der Halle. McGonagall sorgt dafür, dass die Gryffindors sich wieder beruhigten. Oberflächlich wenigstens.
„Was war denn bitte das?", fragte Sal leise, als es endlich wieder einigermaßen geordnet zuging und die Professoren sie alleine gelassen hatte. Sie bekam aber keine Antwort. Nur zwei junge Männer kannten die Antwort und einer davon war schon nicht mehr in der Halle und der andere wurde von den anderen Slytherins aus dem Saal gezogen, bevor ein Lehrer Strafarbeiten und Punktabzüge verteilen konnte.
Viele Schüler diskutierten und philosophierten nun darüber, seit wann sich Slytherins in der Öffentlichkeit sich so anfeindeten. Dies war total untypisch und wohl einmalig. Die Häuserrivalitäten waren in den Hintergrund gerückt. Das Augenmerk der Schüler, wie auch der Lehrer lag bei den beiden Jungen aus Slytherin. Wie würde die Zukunft der Beiden wohl aussehen? Wie würde ihre nächste Begegnung aussehen?
Der Rest des Wochenendes verging ohne dass Harry und Draco sich begegneten. Lin und Sanuel versuchten etwas aus Harry herauszubekommen, aber dieser schwieg beharrlich.
oooooooooo
Draco war wütend. Er war so wütend, wie schon lange nicht mehr und mal wieder war es Harrys Schuld. Zu seinem großen Leidwesen hatte Draco schnell bemerkt, was dieser blaue Lichtblitz zu bedeuten hatte. Er hatte rein gar nichts mit Fotografien zu tun. Der Wunsch oder besser gesagt, der Fluch von Harry war in Erfüllung gegangen und niemand außer Harry könnte es ändern. Draco würde sich aber eher die Zunge abbeißen, als Harry Potter zu offenbaren, warum er seine Hilfe brauchte. Er schwor sich insgeheim, nie wieder mit Sal zu wetten.
Auch wenn Sal keine Ahnung hatte, wie schwer Draco für die verlorene Wette aus dem Zug zahlen musste. Nie wieder würde Draco darauf eingehen, dass er die erste Bitte eines Menschen erfüllen muss. Vor einer Woche noch hatte er gehofft, dass Harrys Bitte, immerhin hat Sal ihn als Wunschgeber benannt, eine Sache aus dem Alltag sein würde. Aber eigentlich hätte Draco es wissen müssen, denn Harry war ein Gryffindor und in solchen Sachen stand das Schicksal auf seiner Seite. Zum Teufel mit Harry Potter. Es war alles seine Schuld!
Wütend pfefferte er sein Verwandlungsbuch auf Harrys Bett. Es würde daran abprallen, genauso wie alle anderen Sachen auch, die Draco wütend durch das Zimmer geworfen hatte. Draco hasste diesen Schutzzauber um Harrys Sachen… er hasste alles, was mit Harry im Kontakt stand… er hasst es einfach…
TBC.
Tja, die Wette… wer hätte daran noch gedacht?! Was für Folgen doch so eine kleine magische Wette mit sich ziehen kann. Also die Finger weg.
Als hätte Harry es geahnt, dass seine Sachen nicht sicher sind, oder? Warum sonst sollte er einen Schutzzauber darüber aussprechen? Was kommt nun?
