Vielen Dank an diejenigen die mit einem Review an uns Gedacht haben.

Kapitel 28

Alle Schüler, die nicht gerade das Glück hatten, eine Freistunde gleich als erstes am Montag morgen zu haben, saßen beim Frühstück in der Großen Halle. Horace Slughorn saß an seinem Platz am Lehrertisch und beobachtete alles genau, um Probleme sofort zu unterbinden, da er heute die Aufsicht hatte.

Dabei wanderte sein Blick immer häufiger über den Tisch seines eigenen Hauses, an dem besonders die älteren Schüler häufiger giftige Blicke zum Gryffindortisch hinüber warfen. Das konnte ungut enden.

Dieses Verhalten hatte sicherlich mit dem Vorfall am Vorabend zu tun und so nahm sich der Hauslehrer Slytherins vor, ein Gespräch mit Mister Malfoy zu führen.

Lucius war gerade mit dem Frühstück fertig, als ihm beim Aufstehen ein Stück Papier unter dem Tellerrand auffiel, das zuvor, da war er sich sicher, noch nicht dort gewesen war. Nur kurz stutzend wischte er einmal mit der Hand über den Tischrand, als wolle er sich lästiger Krümel entledigen und erhaschte mit derselben Bewegung das Zettelchen.

Erst als er die Große Halle verlassen hatte und in einem eher abgelegenen Gang stand, wo zu dieser Stunde kaum ein anderer Schüler entlang kam, sah er sich das Papier genauer an.

Eine Einladung, wie er feststellte. Zu einem Gespräch mit seinem Hauslehrer Professor Slughorn. Nun - Lucius zweifelte nicht auch nur einen Augenblick daran, dass dies eine höflich verpackte Aufforderung war und keine bloße Bitte.

Auch wenn Lucius selbst vorgehabt hatte, mit dem Professor zu sprechen, fragte er sich doch, was den Professor dazu trieb, ihn zu sich zu bitten. Konnte es gar sein, dass dieser wusste, was Lucius widerfahren war, dass er… möglicherweise selbst einer von Ihnen war? Wenn ja, hätte es ihm nicht auffallen müssen? Hatte Avery ihm nicht erklärt, dass sie sich gegenseitig… erahnen, spüren könnten?

Nun er hatte noch den ganzen Tag Zeit, sich mit diesem Problem auseinander zu setzen. Oder auch nicht, wollte er den Lehrstoff nicht versäumen. Es brachte ihm schließlich nichts, sich jetzt über etwas Gedanken zu machen, mit dem er erst am Abend nach Unterrichtsschluss konfrontiert werden würde.

Zu Lucius' Leidwesen verging der Schultag mehr als zäh und auch wenn er es nicht wollte, so dachte er immer wieder darüber nach, was Slughorn nur von ihm wollte.

Langsam und mit einem mulmigen Gefühl im Bauch begab sich Lucius Malfoy am Abend hinunter in die Kerker zum Büro seines Hauslehrers.

"Herein.", drang die Stimme des Lehrers durch die dicke Tür, nachdem es geklopft hatte.

Tief durchatmend und seine Kleidung noch einmal glatt streichend, öffnete Lucius die Tür und trat ein: „Professor..", begrüßte er den Hauslehrer, die Türe wieder hinter sich schließend.

"Setzen Sie sich.", bot Slughorn sofort an und deutete auf den Stuhl, der seinem Schreibtisch gegenüber stand. "Ich denke, Sie wissen, weshalb ich Sie zu sprechen wünsche?"

„Nicht wirklich…", erwiderte Lucius, der Aufforderung sich zu setzen nachkommend.

Slughorn hob eine Augenbraue. "Der Zwischenfall gestern Abend..."

Lucius musste seine Überraschung nicht spielen, als er dies hörte, hatte er tief in seinem Innersten doch eher mit etwas Anderem gerechnet: „Ich wüsste nicht, was es darüber zu besprechen gäbe, Professor."

"Ich möchte wissen, wer die Schuld daran trägt. Wenn Sie mir sagen, dass es eine... sagen wir.. Lektion für ihn sein sollte, muss ich das akzeptieren. Nur sollten Sie so etwas in Zukunft etwas privater durchführen. Das Verhalten Ihrer Hauskameraden heute Morgen lässt allerdings vermuten, dass diese die Gryffindors verantwortlich machen."

Lucius' Gesichtszüge verdüsterten sich sichtlich: „Ich brauche nicht auf derart primitive… Scherze zurückzugreifen, selbst wenn eine Lektion nötig gewesen wäre, was es nicht war."

Der Professor nickte leicht. "Also ein Scherz eines anderen. Wünschen Sie, dass der Schuldige bestraft wird? Immerhin hat er sich an Ihrem Eigentum vergriffen, auch wenn es nicht beschädigt worden ist, nehme ich an?" Dass er von einem seiner Schüler wie von einem Gegenstand sprach, gebot einfach die Situation. Wenn er mit dessen Meister redete, konnte er leider nicht so einfach seine Achtung, die er dem hochintelligenten jungen Sklaven gegenüber empfand, zum Ausdruck bringen.

„Wenn eine Bestrafung möglich ist, ohne dass Severus'… Status dabei herauskäme, dann ja.", stimmte Lucius zu, der damit nun überhaupt nicht gerechnet hatte und auch nicht wirklich daran glaubte, dass dies möglich war. Zumal der Weißbart doch eh immer alle Strafen abschmetterte, oder in etwas eher Lächerliches umwandelte, wenn es um seine heiß geliebten Gryffindors ging.

"Dazu müsste ich mit ihm reden und er müsste mir genau sagen, was passiert ist und eventuell auch einen Zeugen benennen, dann kämen wir darum herum, einzubringen, was er ist und dass er deswegen nicht lügen kann."

„Einverstanden.", stimmte Lucius zu, „…aber nur so lange nichts über ihn, oder mich bekannt wird. Ich wünsche nicht, dass noch mehr Personen darüber erfahren."

"Gut. Dann wäre es vielleicht das einfachste, wenn ich ihn gleich herkommen lasse.", meinte Slughorn und rief eine Hauselfe herbei, der er einen schnell geschriebenen Pergamentzettel gab.

Bereits fünf Minuten später klopfte es an der Tür und auf ein "Herein" betrat Severus Snape das Büro seines Hauslehrers, wo er zu seinem Erstaunen auch seinen Meister antraf. Unsicher blieb er nach dem Schließen der Tür stehen.

„Professor Slughorn hat einige Fragen an dich, zu dem Vorfall von gestern Abend.", begrüßte Lucius den Schwarzhaarigen, so dass dieser gleich wusste, worum es ging und sich keine Sorgen zu machen brauchte, es hätte etwas mit seiner schulischen Laufbahn zu tun.

Sofort lief Severus rot an, trat dann aber näher und blieb vor dem Schreibtisch des Lehrers und neben Lucius stehen.

Nur einen Augenblick überlegte Slughorn, ob er Snape einen Sitzplatz anbieten sollte, verwarf diesen Gedanken dann aber sofort wieder. "Erzähl einfach erst einmal genau, wie es zu diesem kläglichen Bekleidungszustand gekommen ist."

Mit einem leichten Nicken begann Severus sofort zu berichten, was genau ab seinem Besteigen des Hogwarts-Express geschehen war.

"Ich war auf der Suche nach einem Abteil, in dem ich meine Ruhe haben würde oder zumindest geduldet wäre. Dabei bin ich leider recht schnell über Potter und seine Gang gestolpert. Doch... anstatt sofort wieder zu gehen, wie es sicherlich ratsamer gewesen wäre, habe ich mich auf ein Streitgespräch eingelassen. Lupin hat mal wieder einfach weggehört. Und dann haben sie mich überrascht... ich war gefesselt, unter einem Silencio und unter.. unter einem Tarnumhang." Severus hielt kurz inne und sah Lucius an. "Ihr habt kurz herein geschaut, während ich unter Potters Bank lag."

Lucius' Augen wurden schmal und mehr zu sich selbst wie als Antwort gedacht murmelte er: „Diese elenden Gryffs." Doch das mit dem Tarnumhang würde er sich merken, auch wenn ihm etwas anderes ganz gewaltig daran störte.

„Ich hätte doch merken müssen, dass du da bist…", und als Erklärung für den sicherlich gespannt lauschenden Slughorn fügte Lucius noch hinzu, „…ich verband meine Suche nach einem Abteil mit einer Runde durch den Zug, da ich…", er stockte kurz, sich fragend, ob es nicht doch nur bloße Einbildung gewesen war, „…ein wenig… besorgt war, als ich ihn beim Einsteigen nicht sah", und schnell fügte er noch hinzu, „…und da es ohnehin mit zu meinen Pflichten als Schulsprecher gehört hat."

"Warum glauben Sie, dass Sie es hätten merken müssen? Haben Sie einen entsprechenden Zauber auf ihn gelegt?", fragte Horace nach und legte dabei den Kopf etwas zur Seite.

Lucius schüttelte verneinend seinen Kopf: „Nein… Ich hatte eigentlich gedacht, dass dies… nun… dazugehört."

"Nein... vielleicht gehörte dieses Gefühl der Unruhe dazu. Also dass Sie irgendwie gespürt haben, dass er in einer ungünstigen Situation ist... aber wenn Sie seine Gegenwart spüren wollen, müssten Sie einen Zauber nutzen.", erklärte Slughorn.

„Welche derartigen Zauber gibt es?", entschlüpfte es Lucius, ehe er sich zurückhalten konnte, sprach dann aber mit einem für ihn eher unüblich starkem Interesse weiter, da es nun ohnehin schon egal war, „…es gäbe da einiges das… nun, berichtigt werden müsste."

"Nun. Es gäbe verschiedene Möglichkeiten. Sie könnten zum Beispiel Ihren Reif magisch mit dem Sklavenhalsband verbinden. In seiner Gegenwart könnten Sie dann ein leichtes Kribbeln spüren. Allerdings wirkt es nur mit diesem einen Reif. Man kann nicht beliebig viele daran binden.", erklärte Slughorn nachdenklich.

Severus stand einfach nur daneben und wartete. Aber es fiel ihm schwerer, als er gedacht hätte. Immerhin war es schon länger her, dass in seiner Anwesenheit über ihn gesprochen wurde, als wäre er nicht da, ohne dass er etwas dagegen tun konnte.

Sich mit dem Zeigefinger leicht gegen die absichtlich bartlose Oberlippe streichend, dachte Lucius über den Vorschlag nach. Ein Gedanke kam ihm, der, wie er wusste, arg in den Grenzbereich der noch geduldeten Zauberkunst geriet, aber… nun, er sprach hier immerhin auch mit einem Slytherin. Dennoch formulierte Lucius seine Frage eher allgemein: „Rein theoretisch, könnte man den Zauber auch auf… nun… nicht gar so leblose Dinge sprechen?"

"Sie meinen direkt.. auf Ihren Sklaven?", fragte Slughorn und lehnte sich langsam zurück. "Das wäre sicherlich nicht unbedingt ungefährlich. Man müsste erst einmal genauer nachforschen, was über die Risiken bekannt ist. Es sei denn, sie sind Ihnen egal."

„Natürlich nicht…", wehrte Lucius seine Entrüstung ob dieser Annahme nur schwer verbergen könnend brüsk ab, „…aber es wäre wesentlich sicherer. Was wenn etwas geschieht und er dann nicht gerade diesen einen Reif trägt? Und auf einen einzigen beschränken… nein, das ziehe ich nicht einmal in Erwägung."

Lucius fiel nicht einmal auf, dass er schon die ganze Zeit über Severus' Kopf hinweg sprach, ebenso wie ihm nicht bewusst war, dass er diesen damit noch weiter in seinem Status ausgrenzte. Im Moment fühlte es sich einfach nur… richtig an was er tat.

Ein leichtes Schaudern durchlief Severus' Körper beim Gedanken daran, dass Lucius es nicht in Erwägung zog, diesen Spruch auf den bequemen Reif zu sprechen, der sich gerade um seinen Hals schloss. Das bedeutete nur zu deutlich, dass sein Meister nicht ausschloss, ihm in Zukunft erneut andere - unbequemere - umzulegen.

"Gut... ich werde Ihnen eine Erlaubnis für die verbotene Abteilung und eine Empfehlungsliste geben, damit Sie recherchieren können.", murmelte Slughorn, ehe sein Blick kurz wieder zu Snape huschte.

„Danke.", lächelte Lucius ehrlich erfreut und sah dann ebenfalls zu Severus, der wie er überrascht feststellte immer noch neben ihm stand. Nun, es war nicht sein Büro und so nicht an ihm dem Schwarzhaarigen einen Sitzplatz anzubieten.

„Nur sollte diese Erlaubnis auch auf Severus ausgeweitet werden, wenn Sie nichts dagegen haben, Professor, da ich selbst im Gegensatz zu ihm ja nur noch wenige Monate hier sein werde."

"Ich habe seit Anfang des Schuljahres eine uneingeschränkte Erlaubnis, Meister.", murmelte der Sklave leise.

Lucius' Augenbrauen wanderten kurz erstaunt nach oben: „Tatsächlich?… Sehr gut, dann kannst du ja nach einem entsprechenden Zauber und dessen Aus- und möglichen Nebenwirkungen suchen."

Dann richtete Lucius seine Aufmerksamkeit wieder auf ihren Hauslehrer und erkundigte sich höflich: „Was glauben Sie, wegen des Angriffs auf Severus erreichen zu können? Der… Direktor", Lucius musste sich doch arg beherrschen, nicht eine seiner üblichen Anreden Dumbledore gegenüber zu gebrauchen, „…wird sicher wie üblich seine schützende Hand über diese… Bande halten."

"Es besteht noch immer die Frage, ob es Zeugen für die Behandlung gibt.", erwiderte der Hauslehrer mit einem Blick auf Snape.

"Ich war mit Potter, Black, Lupin und Pettygrew allein in dem Abteil, während sie... ihre Späße mit mir trieben. Lupin hat wie immer so getan, als wäre nichts, sich aber nicht beteiligt. Kurz vor Hogsmeade kam Evans rein und ich konnte verschwinden. Allerdings hatten sie mir da schon... die Hose und so weiter entfernt und ich hatte meine Robe an. Sie dürfte also nicht bemerkt haben, was los ist und... ich habe es ihr auch nicht gesagt, als sie später fragte."

Lucius schwieg, wusste er darauf nun wirklich nichts zu sagen. Es war schließlich kaum anzunehmen, oder gar zu erwarten, dass einer der Vier gegen den jeweils anderen aussagte und schon gar nicht zu Gunsten irgendeines Slytherin. Schon gar nicht gegen den, den sie selbst gequält hatten.

Mit sich deutlich verdüsternder Miene saß Lucius da. Es war wie er schon von Anfang an angenommen hatte, nichts dass sich schnell würde begleichen lassen können. Von einigen Streichen, welche die Gryffindors in nächster Zeit zu erwarten hatten, einmal abgesehen. Streichen von denen Lucius natürlich keinerlei Einzelheiten kannte und auch nicht kennen wollte. Es genügte ihm vollauf, dass er wusste, dass sich Bellatrix und deren Anhang damit befassen würden.

"Hätte ich es ihr sagen sollen, Meister?", fragte Severus leise nach und sah dabei auf Lucius herunter, was ihm wieder weiche Knie bescherte. Frühere Lektionen quälten seinen Geist und seine Augen zeigten seine Probleme sicherlich deutlich. Er durfte nicht stehen, wenn sein Meister saß!

„Vielleicht wäre das besser gewesen, auch wenn es mir widerstrebt zu glauben, dass ein…", das Wort Schlammblut gerade noch so herunterschluckend, stockte Lucius kurz, „…eine die mit Potter anbändelt für dich sprechen würde."

"Ich… ich weiß nicht. Sie wollte zumindest, dass ich... zu Euch gehe und erzähle, was passiert ist, Meister.", murmelte Severus, während seine Hände sich hinter seinem Rücken verkrampften.

„In Zukunft", sank Lucius' Stimme zu einem eisigen Flüstern herab, während sich seine Augenbrauen verärgert zusammenzogen, „…wirst du mir Alles unaufgefordert berichten, was irgendein Gryffindor auch nur in deine Richtung flüstert, geschweige denn wenn ein Gryffindor", er spuckte das Wort fast schon aus, „dich ausgerechnet zu mir schickt."

Lucius' Gedanken rasten. Was wenn das Schlammblut herausgefunden hatte, was niemand sonst wissen durfte? Hatte sie vielleicht doch mehr gesehen… oder schlimmer noch, Potter erzählt? Er hasste es, etwas nicht zu wissen, hasste es, wenn es ihn und seine Pläne betraf und das wiederum machte Lucius unglaublich wütend.

Severus zog instinktiv den Kopf ein. „Sie... hat nichts vermutet, Meister.", erklärte er leise und brauchte alle Willenskraft, um nicht auf die Knie zu sinken. „Sie meinte nur, weil... weil Ihr Schulsprecher seid und in meinem Haus... Ich.. ich hab ihr aber gesagt, dass Ihr niemals dem... dem Halbblut helfen würdet."

Slughorn hob eine Augenbraue, sagte jedoch nichts weiter dazu... vorerst.

Sich unmerklich wieder entspannend nickte Lucius leicht, wenn auch nicht weniger verstimmt. Es ärgerte ihn sehr, dass er erst in Anwesenheit eines Anderen von diesem Aufeinandertreffen erfuhr und Severus ihm dies nicht bereits gestern berichtet hatte. „Ich hoffe für uns Beide, dass dies der einzige Grund war… und dass sie dir geglaubt hat."

"Ja, Meister.", erwiderte Severus deutlich aber mit leicht zitternder Stimme.

Slughorn lehnte sich nun wieder nach vorn und stützte seine Arme auf den Schreibtisch. "Ich gehe davon aus, Sie können mir nicht sagen, was die anderen Schüler für.. Vergeltungsmaßnahmen planen?"

Nur kurz überlegte Lucius abzustreiten, überhaupt etwas von irgendwelchen Racheakten zu wissen. Doch wussten sie beide, dass dies recht unglaubwürdig wäre und so beschränkte sich Lucius zumindest auf den Teil der Wahrheit, den er enthüllen konnte: „Es wäre gelogen wenn ich nichts über derlei… Gemunkel wüsste, aber mehr ist auch mir nicht bekannt. Ich habe vollauf mit meinen Prüfungsarbeiten zu tun, Professor, ich hoffe, Sie verstehen, dass ich mich dann nicht mehr an derartigem Verhalten beteilige. Zudem hoffe ich ja immer noch, dass Sie etwas gegen die Schuldigen unternehmen können."

"Es ist schwierig. Das Wort eines Einzelnen gegen vier, sich sicherlich gegenseitig deckende Schüler... andererseits.. Professor McGonagall wird vermutlich im nächsten Jahr, wenn sie Professor Dorwitsens Stelle als stellvertretende Schulleiterin einnimmt, sowieso die Wahrheit über Snapes Status herausfinden. Es wäre also durchaus möglich, sie jetzt schon zu informieren, so dass sie wahrscheinlich einschreitet, da Snape Sie zumindest nicht anlügen kann. Andererseits könnte sie argumentieren, dass er durchaus andere anlügen kann, wenn sein Meister es verlangt."

Lucius gefiel die Möglichkeit überhaupt nicht, einen weiteren Menschen einzuweihen - und dann noch eine Gryffindor durch und durch. Doch bezweifelte er, dass Slughorn sich in seiner Einschätzung irrte, was den künftigen Posten der Verwandlungslehrerin betraf und er hatte somit nur eine weitere Möglichkeit zu verhindern, dass diese über Severus' Sklavendasein erfuhr und das war, diesen aus der Schule zu nehmen.

Erneut dachte Lucius über diese Möglichkeit nach, doch wogen die Vorteile weit schwerer als die möglichen Risiken und… nun, man könnte Professor McGonagall ja bei ihrer so genannten Ehre packen. Zumindest hoffte Lucius, dass die alte Katze auch zu schweigen verstand.

„Wenn sie ihr Wort gäbe, nichts über Severus zu verraten, wäre ich mit einer solchen… Möglichkeit einverstanden. Ich werde Severus vor Ihnen Professor Slughorn den ausdrücklichen Befehl geben, zu diesem speziellen Thema nichts als die Wahrheit zu sagen und Sie könnten dies der Professorin gegenüber bestätigen, sobald diese ihr Wort gegeben hat, ohne dass meine… Identität als Severus' Meister bekannt wird."

Slughorn neigte leicht den Kopf. "Also gut. Einen Versuch ist es wert." Auffordernd sah er Snape an und wartete, dass dieser dem Befehl Malfoys nachkam.

"Ich habe bereits die Wahrheit erzählt. Black und Potter haben all ihre neuen Scherzzauber an mir ausprobiert. Haare färben und in Tiere verwandeln, eiternde, juckende Pickel am ganzen Körper, unförmig anschwellende Hände...", fing Severus an aufzuzählen, was alles mit ihm gemacht worden war. Etwa eine halbe Stunde später kam er zum Ende: "...und am Ende eine schnelle Möglichkeit jemandem bestimmter Kleider zu berauben."

Lucius' Miene hatte sich mit jeder weiteren aufgezählten Gemeinheit immer mehr verfinstert: „Diese Bastarde sollten dafür der Schule verwiesen werden.", zischte er mit vor Wut leiser Stimme, zum ersten Mal wirklich so etwas wie puren Hass einem anderen Menschen gegenüber fühlend.

Lucius hatte geglaubt Hass zu kennen, Schlammblüter und Muggel zu hassen, aber das war nichts gegen das, was er nun empfand.

Er würde Potter und dessen Freunde vernichten. Ganz gleich welche ohnehin nicht genügende Bestrafung, wenn man dies dann überhaupt so nennen konnte, er erhielte… Lucius schwor sich in diesem Moment, jeden einzelnen der Vier - alles was sie liebten und schätzten - und am Ende sie selbst, zu zerstören.

Dass dies nicht über Nacht ginge, war Lucius bewusst, und dass er dazu noch weit mehr von dem brauchte, was er alleine seines Namens wegen bereits ererbt hatte, war ihm auch vollkommen klar. Er brauchte Macht, viel mehr Macht - auch und besonders innerhalb Seiner Reihen und wenn er dazu durch das Bett jedes einzelnen des Inneren Kreises gehen musste, dann würde er auch dies in Kauf nehmen.

Auch Slughorn war sichtlich um Fassung bemüht, als die Liste immer länger wurde. "Wir sollten auf jeden Fall etwas unternehmen, dass sie bestraft werden. Allerdings hättest du viel früher zu mir kommen sollen, Snape. Ich nehme an, dass es schon länger so geht?"

Severus senkte betreten den Kopf. "Von Anfang an.", antwortete er leise. Sein Blick huschte kurz zu Lucius, ehe er wieder auf seine Fußspitzen sah.

"Nun... ja.. ich werde also mit Professor McGonagall sprechen und dich dann dazu holen. Gibt es sonst noch etwas, das ich wissen müsste?" Dabei sah Slughorn nun wieder Lucius an.

Lucius zögerte kurz, doch dann wusste er wieder, was mit ein Grund gewesen war, wieso er überhaupt hatte mit dem Professor sprechen wollen, nur dass dieser ihm dank Potter zuvor gekommen war. „Da gäbe es tatsächlich noch etwas, Professor. Könnte es… nun… einen Fehler im Sklavenbund geben?"

"Nein.. Das ist unmöglich.", erwiderte Slughorn sofort und schüttelte leicht den Kopf. "Weshalb fragen Sie?"

Lucius zögerte. Konnte er wirklich… nun, er hatte bereits angefangen und Slughorn war der Einzige, den er fragen konnte und der zudem auch viel darüber zu wissen schien. Nicht zum ersten Mal fragte sich Lucius, woher der ältere Zauberer dieses Wissen wohl hatte. Dass dieser es sich nur angelesen hatte, daran mochte Lucius nicht wirklich glauben. Nicht bevor er nicht auch diese ominösen Bücher gelesen hatte.

Dennoch wählte Lucius seine nächsten Worte mit Bedacht: „Nun… konsequenzenloser Ungehorsam wäre wohl die beste Umschreibung für das, was ich meine."

Slughorns Blick ging zu dem jungen Sklaven, der bei diesen Worten feuerrot anlief. "Das sollte eigentlich nicht möglich sein.", begann er, verstummte aber wieder und überlegte einige Zeit. "Die einzige Möglichkeit ist, dass es sich um einen Zwiespalt im Bund handelt. Einerseits muss er gehorchen... doch andererseits ist es so, dass der Meister in Gefahr ist oder gerät... und dann ist es dringlicher zu helfen, als zu gehorchen."

Lucius schüttelte leicht seinen Kopf: „Also kann er selbst entscheiden, wann er gehorcht und wann nicht? Wann eine Situation gefährlich ist und wann nicht? Das könnte äußerst… unerfreulich enden."

"Nein, er entscheidet nicht selbst... Der Bund entscheidet für ihn. Dieser Sklavenbund ist nicht nur auf den Sklaven beschränkt. Es besteht eine Verbindung zum Meister und der Bund kann durchaus entscheiden, ob der Meister einen Befehl ernst meint... oder ob er sich, wenn der Sklave den Befehl ausführt, in Lebensgefahr begibt.", versuchte Slughorn zu erklären, während er die beiden jungen Männer vor sich genau beobachtete.

Lucius gefiel nicht wirklich, was er hier hörte, bedeutete es doch, dass dieser Umstand, diese Eigenmächtigkeit vom Sklavenbund her nicht nur nützlich, sondern auch viel eher gefährlich sein konnte. Ganz besonders wenn es einmal soweit kommen würde, dass - Mordraud bewahre - Severus einmal zugegen wäre, wenn er Lucius wieder vor den Dunklen Lord treten würde. Was dann geschah, darüber machte sich Lucius keinerlei Illusionen mehr und ein Gefühl namenloser Angst ergriff von seinem Denken Besitz, als er an die möglichen Konsequenzen dachte, die eine solche Eigenmächtigkeit seitens seines Sklaven dann mit sich brächte.

Dass er bei diesen Überlegungen ziemlich blass wurde, bemerkte Lucius nicht einmal.

„Manchmal muss man bereit sein, ein Risiko einzugehen und das geht nicht immer ohne Gefahren ab. Ich kann es nicht gebrauchen, mir ausgerechnet dann Gedanken darüber zu machen, ob Severus tut, was ich ihm befohlen habe."

„Nun, dass der Bund ihn in dem Moment nicht bestraft, heißt noch lange nicht, dass er ihn zum Ungehorsam zwingt. Er ist intelligent... sicherlich wird er auch verstehen, worum es geht.", meinte Slughorn, auch wenn er nicht so ganz verstand, wovon der junge Malfoy sprach. Oder eher, er wollte lieber nicht zu genau darüber nachdenken.

Lucius nickte leicht und sah erst dann wieder zu Severus: „Ich zweifle nicht an seiner… an deiner Intelligenz, aber an dem Urteilsvermögen, wenn man es so nennen will, des Bundes."

Severus sah auf, als er wieder angesprochen wurde und war dankbar dafür. Er hatte sich mittlerweile schon daran gewöhnt, nicht ignoriert zu werden, sodass es ihn schwermütig stimmte, wenn er wieder wie ein Sklave behandelt wurde. „Wenn Ihr.. wenn es wichtig ist, werde ich auch gehorchen, wenn es gefährlich ist. Ich... es ging nur darum, dass... Ihr sinnlos gestorben wärt, Meister.", versuchte er zu erklären.

Lucius' Lippen pressten sich so fest zusammen, dass sie nur noch als dünner Strich zu sehen waren und rasch warf er einen Blick zu seinem Hauslehrer, ehe er sich brüsk erhob: „Ich werde dann gehen, wenn Sie nichts mehr zu besprechen wünschen, Professor Slughorn und Sie und Severus hier dem hoffentlichen Stillschweigen unserer… geschätzten Verwandlungsprofessorin anvertrauen."

„Also gut, gehen wir zu Professor McGonagall.", meinte Slughorn und erhob sich. Gemeinsam mit Severus machte er sich auf den Weg zum Büro seiner Kollegin. Dort angekommen klopfte er an.

Minerva hatte gerade die letzten Vorbereitungen zu den anstehenden Prüfungsfragebögen für die Abschlussklasse getroffen, als es an ihrer Bürotüre klopfte. Von dem letzten Pergamentblatt aufblickend rief sie: „Herein."

Sofort öffnete Slughorn die Tür und betrat den Raum, gefolgt von Severus, der sich mehr als unbehaglich fühlte. Zu oft schon hatte McGonagall ihm eine Strafarbeit aufgebrummt, weil er versucht hatte, sich bei der ein oder anderen Gelegenheit bei den Rumtreibern zu rächen.

„Minerva. Es gibt etwas bezüglich einiger Schüler deines Hauses zu klären.", erklärte Horace liebenswürdig.

Ihren Blick zu dem Slytherinschüler wandern lassend, rückte Minerva kurz ihre Brille zurecht, ehe sie langsam, ihre Hände vor sich auf der Tischplatte faltete: „Was sollen meine Schüler denn dieses Mal wieder angestellt haben?"

„Es geht um den Vorfall von gestern Abend.", erwiderte Slughorn und setzte sich auf einen der Stühle, die sich gegenüber des Schreibtisches befanden. „Ich bin sicher, es ist auch dir nicht entgangen."

Severus stand neben Slughorn und wartete. Dabei war er ziemlich bleich, trotz der eigentlich peinlichen Situation. Aber gleich würde Professor McGonagall erfahren, dass er nicht wie die anderen Schüler war. Wie würde sie reagieren? Würde sie ihn überhaupt noch unterrichten wollen?

„Natürlich nicht..", und während ihr ansonsten üblich strenger Blick kurz zu dem Slytherinschüler huschte, sprach sie weiter, „…also darf ich annehmen, dass die angeblich Schuldigen wieder einmal Schüler meines Hauses sein sollen?"

„Nun, nicht nur angeblich. Und ich denke, du wirst mir zustimmen, dass, wer immer auch der Schuldige ist, bestraft werden sollte... zumal das, was wir mit ansehen mussten, nur die Spitze des Eisberges war.", erwiderte Slughorn, während auch sein Blick kurz zu dem Schüler huschte. „Bevor du Snape allerdings als Lügner hinstellst, solltest du etwas erfahren, was du in einem halben Jahr vermutlich sowieso erfahren würdest."

Minervas Blick wurde nun wenn möglich noch strenger, ja regelrecht unnachgiebig: „Ich betitele niemanden einfach so als Lügner, werter Horace. Aber es ist nun einmal eine bedauerliche Tatsache, dass Schüler aller Häuser zu… nun… Übertreibungen neigen."

„Nun, ich bin mir zu Hundert Prozent sicher, dass dieser Schüler auf keinen Fall... übertreibt.", erwiderte Horace und sah dann zu Severus. „Was du gleich erfährst... würdest du auch als stellvertretende Schulleiterin in einem halben Jahr unter dem Siegel der Verschwiegenheit erfahren. Kann ich mich darauf verlassen, Minerva?"

Ihre Hände langsam wieder entfaltend musterte Minerva abermals den nun doch selbst für ihn ungewöhnlich blassen Jugendlichen. „Wenn es etwas die Sicherheit der Schule und der Schüler betreffend ist, natürlich. Aber weshalb solltest du und nicht Albus mir dies mitteilen?"

„Bei deiner Ernennung zu seiner Stellvertreterin würde Albus es dir sicherlich selbst sagen. Allerdings ist dies jetzt schon notwendig, wie du gleich sicherlich selbst verstehen wirst.", meinte Horace und sah wieder zu dem Jungen. „Öffne deinen Kragen, Junge.", verlangte er nun.

Sofort hob Severus die Hände, die deutlich zitterten, und knöpfte seinen hoch geschlossenen Kragen auf. Dann hob er den Kopf, damit die Professorin den einfachen Silberreif sehen konnte, den er im Moment trug.

Langsam den unbewusst angehaltenen Atem wieder entweichen lassend, stand Minerva von ihrem Platz hinter dem Schreibtisch auf und stützte sich mit ihren Händen auf der Tischplatte ab, ehe sie mit rauer Stimme fragte: „Ich hoffe, dass es sich dabei nur um einen… weiteren Scherz handelt und nicht…" Sie stockte, wagte es nicht auszusprechen, was dies sonst bedeuten würde.

Mit einem gefährlich in ihre Augen tretenden Funkeln sprach sie rasch weiter: „Wenn einer meiner Schüler für diese… Geschmacklosigkeit verantwortlich sein sollte, kannst du versichert sein, dass ich ihn oder sie mit aller Härte bestrafen werde."

Die eben noch blasse Gesichtsfarbe des Jungen wurde schlagartig krebsrot und er senkte hastig den Kopf, sein Gesicht dadurch hinter seinen Haaren versteckend.

„Ich fürchte, dass ist keiner der Scherze, Minerva. Snape ist ein Sklave und sein Meister besteht auf der Bestrafung der Übeltäter, wie es sein Recht ist. Allerdings wünscht er, dass Snapes Status dabei nicht öffentlich gemacht wird, genauso wie er wünscht, dass seine eigene Identität nicht preisgegeben wird. Er hat ihm in meinem Beisein befohlen, nichts als die Wahrheit zu dem Zwischenfall zu sagen und diese Aussage dir gegenüber zu wiederholen."

Minerva war vollkommen fassungslos und dies war einer der wenigen Momente, in denen man ihr dies auch deutlich ansehen konnte. Betroffenen Blickes setzte sie sich langsam wieder. „Das ist… unerwartet.", brachte sie schließlich stockend hervor.

Ein Sklave - hier in Hogwarts.. .ein zauberkundiger Sklave noch dazu… Minerva wusste nicht, wann sie das letzte mal in ihrem Leben einen solchen gesehen hatte. Es musste schon… nun, es war lange, lange her.

Dann wurden ihre Gedanken jedoch auf einen anderen Punkt von Horaces Aussage gelenkt: „Du willst damit doch nicht etwa sagen, dass sein..", Besitzer brachte die braungrauhaarige Hexe einfach nicht über ihre Lippen und griff stattdessen auf die Bezeichnung zurück, die der Slytherinhauslehrer so erschreckend selbstverständlich gewählt hatte, „…Meister ebenfalls hier Schüler ist?"

„Das werde ich nicht kommentieren, Minerva. Aber du solltest in Betracht ziehen, dass über den Kamin in meinem Büro ebenfalls kommuniziert werden kann.", erwiderte Horace ruhiger, als er sich fühlte, hatte er doch mit der Aussage schon mehr verraten, als er wollte. Aber vielleicht würde McGonagall es auf sich beruhen lassen.

Leicht ihren Kopf schüttelnd seufzte Minerva: „Also gut, belassen wir es vorerst dabei. Was ist noch passiert, dass es offenbar notwendig wurde, mir dieses… delikate Geheimnis anzuvertrauen?"

Auf ein Nicken seines Hauslehrers berichtete Severus erneut detailliert, was im Zug geschehen war. Dabei sah er der Professorin nun wieder in die Augen, damit sie sah, dass er ernst meinte, was er sagte. „Potter und Black waren die ausführenden... Pettigrew hat sie angefeuert und.. Lupin hat wie immer versucht, so zu tun, als wäre gar nichts, und hat aus dem Fenster geschaut.", beendete er seinen Bericht.

Während ihre Miene immer ausdrucksloser wurde, kämpften die verschiedensten Empfindungen in Minerva. Sicher wusste sie ob der zahlreichen Schülerstreiche, die sie auch selbst früher oft angewandt, oder gar auch noch weit öfter selbst zum Ziel geworden war. Aber das es solche Ausmaße angenommen hatte, das erschütterte die Gryffindor durch und durch.

Ausgerechnet diese Vier, auf die sie so stolz war wegen ihres Zusammenhalts, ihrer Loyalität, ihres Mutes beim Quidditch und anderer Dinge. Einfach wegen allem, was für sie zum Gryffindorsein dazu gehörte… und die Scherze, nun.. .es waren immerhin Kinder. Gut Jugendliche, Heranwachsende, aber dennoch… nur hätte Minerva niemals geglaubt, dass es so weit ginge und hätte es wohl auch jetzt versucht abzutun, wenn nicht der silberne Sklavenreif wäre, den sie immer noch am Hals des schwarzhaarigen Slytherin sah.

Ein plötzlicher Gedanke kam ihr, der eine eventuelle Erklärung sein könnte. Wenn auch für die Täter keinerlei Wohlwollen bringend. „Ist es möglich, dass diese Vier von Ihrem Status wissen, Mr. Snape?"

Mit voller Absicht wählte Minerva die übliche Anrede, wollte sie dem jungen Mann dadurch nicht nur zeigen, dass sie ihn nicht weniger schätzte, jetzt wo sie wusste, was er war, und… dass sie absolut missbilligte, was die Anderen mit ihm getan hatten; ihn womöglich ausgenutzt hatten.

„Nein. Wenn die vier es wüssten, würden sie es nicht für sich behalten, Professor.", erwiderte Severus ruhig, während er versuchte seine innere Aufregung zu kontrollieren. Er konnte es kaum fassen, dass McGonagall ihn immer noch Siezte und mit Mister ansprach.

Slughorn saß ruhig da. „Ich denke, du stimmst mir zu, dass sein Meister durchaus das Recht hat, auf einer Bestrafung der Schuldigen zu bestehen?"

„Natürlich stimme ich dem zu, nur da dieser… eine Offenbarung weder von sich selbst, noch von seinem…" Minervas Lippen verzogen sich, als müsste sie damit kämpfen, das Wort überhaupt auszusprechen: „..Besitz wünscht, wird es nicht mehr werden, als eine Verwarnung und Punkteabzug."

Severus sah erstaunt auf, senkte dann aber wieder den Kopf. Was hatte er denn erwartet?

„Wie wäre es mit einer Runde Nachsitzen,... beim Hausmeister.", schlug Slughorn vor, der sehr gut wusste, dass der Punkteabzug und eine Verwarnung nicht wirklich befriedigend waren.

Mit ihren Fingernägeln auf die Tischplatte klopfend, dachte Minerva kurz über diesen Vorschlag nach, ehe sie entschieden ihren Kopf schüttelte: „Filch ist auch nur ein Hund, der mehr bellt als beißt… Er droht zwar gerne damit, dass er wieder wie in früheren Zeiten mehr… Befugnisse über die Schüler haben wollte, aber mehr auch nicht. Natürlich kann ich ihn fragen, aber ich kann dir jetzt schon versichern, dass er ablehnen, oder eine andere Möglichkeit finden wird, sich da heraus zu winden. Die letzten beiden Male, als ich ihn um einen derartigen… Gefallen bat, war seine Katze krank."

Wieder dachte sie eine Weile nach, ihren Blick dabei nachdenklich auf den Schwarzhaarigen gerichtet haltend. „Aber ich könnte diesen Vier und dem ein oder anderen weiteren, dem es nötig täte, einige extra Prüfungsfragen in Verwandlung aufgeben, welche… gewisse zusätzliche Unterrichts- und Aufsichtsstunden in der Zaubertrankbraukunst voraussetzen, um beantwortet werden zu können." Schließlich gab es mehr als einen anspruchsvollen Verwandlungszauber, der nur in Verbindung mit einem nicht minder komplizierten Zaubertranks seine Wirkung zeigte. Und welche Strafen auch immer in diesem Unterricht dann anfallen würden, sie waren dann nicht Minervas Verantwortung.

„Das ist eine Idee, die dich fast als Slytherin qualifizieren würde, Minerva.", murmelte Slughorn schmunzelnd, ehe er sich wieder erhob. „Ich erwarte die vier dann.. sagen wir Samstags vormittags. Da Mister Potter und Mister Black Auroren werden wollen, sollten sie sich sowieso mehr auf den Hosenboden setzen, um die nötigen Noten zu bekommen."

Nur kurz und wenn man ganz genau hinsah, konnte man so etwas wie ein flüchtiges Lächeln über das dünne Gesicht der Verwandlungsprofessorin huschen sehen, ehe sie Horace mit einem Nicken bestätigte, dass die Vier zu diesem Zeitpunkt bei ihm sein würden.

Dann blickte sie wieder zu dem mit gesenktem Blick dastehenden Schüler und zum ersten Mal klang in der sonst immer so strengen Stimme fast schon so etwas wie Wärme mit als sie sprach: „Es gibt nichts, dessen Sie sich schämen müssten, Mr. Snape. Niemand kann etwas für seine Geburt. Uns allen obliegt es nur, das jeweils Beste aus unserem Leben zu machen."

Langsam hob Severus den Kopf und schluckte schwer. Sie konnte schließlich nicht wissen, dass er nicht als Sklave geboren worden war. Dennoch nickte er leicht, ehe er seinen Kragen wieder zuknöpfte, um den Halsreif zu verdecken. „Dürfte..." Er atmete tief durch. „Dürfte ich diese Extraaufgaben auch bekommen, Professor?"

Womit Minerva auch immer gerechnet hatte, damit nun gewiss nicht: „Nun… natürlich, wenn Sie dies wünschen. Aber wollen Sie wirklich noch mehr Zeit mit denen verbringen, die Sie derart… drangsaliert haben?"

Minerva mochte dies einfach nicht glauben.

„Ich... nein, natürlich nicht. Aber... mich interessieren die Aufgaben.", erwiderte Severus und sein Blick huschte dabei zu seinem Hauslehrer.

„Alles, was mit Tränken zu tun hat, fasziniert ihn. Und ich habe nichts dagegen. Eventuell bewirkt seine Anwesenheit ja auch etwas.", meinte Slughorn mit einem kleinen Zwinkern in Richtung Minerva.

„Ich wüsste zwar nicht was, außer dass es weiteren…", abrupt stoppte sie, plötzlich verstehend wohin diese Frage führte und nun war tatsächlich etwas wie ein kleines Lächeln zu sehen.

„Ich werde Ihnen die Aufgaben, noch heute Abend zukommen lassen, Mr. Snape."

„Vielen Dank, Professor.", erwiderte Severus, auch wenn er glaubte, dass McGonagall nicht wirklich verstand, wie wichtig ihm Zaubertränke waren.

Gemeinsam mit seinem Hauslehrer verließ er dann das Büro der Hexe und ging zurück in die Kerker.

Lange noch sah Minerva McGonagall auf die nun wieder geschlossene Bürotüre, ehe sie schließlich ihren Schreibtisch aufräumte, die Türe versiegelte und das Fenster öffnete. Kaum einen Atemzug später stand statt der hochgewachsenen schlanken Frau eine gemusterte Katze auf dem Boden, die im nächsten Moment auch schon auf das Fenstersims sprang, von dort aus auf einen Mauersims und diesen entlang lief, auf das nächst gelegene Schlossdach springend.

Nur wenige Minuten später hatte sie den Schlossgrund erreicht und lief, ihre Pfoten weit streckend so schnell wie schon lange nicht mehr. Einfach den Wind in ihrem Fell spüren wollend und den Geruch der Freiheit in der Nase. Jeden Gedanken an Sklaven, die an dieser Schule ihr Leben verbrachten, aus sich herauslaufend.

TBC

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