27. So much closer

Hermione hackte wütend auf einige Kräuter ein, die Neville für den finalen Vertumnus maximus benötigte, der aller Voraussicht nach morgen früh ausgereift sein würde. Das war der Vorteil, den der Meistertrank aller Wandlungen für sich verbuchen konnte. Allerdings waren die Risiken ebenfalls sehr beeindruckend.

Hätte sie wirklich eine Wahl, würde sie Neville verbieten auf diesen wahnwitzigen Trip zu gehen. Nicht nur des Trankes wegen, sondern auch der Gefahren wegen, die in Askaban auf ihn lauerten. Was, wenn er angegriffen wurde? Was, wenn der Trank nicht lange genug wirkte und er sich inmitten der Todesser zurückverwandelte? Was, wenn die Dementoren sich ihm zu sehr annehmen würden?

Askaban war kein Zuckerschlecken. So oder so nicht, doch Neville hatte in seinem Leben bisher schon genug Dinge ertragen müssen, die nicht die besten Voraussetzungen für einen Aufenthalt im bekanntesten Gefängnis der Magierwelt waren. Obwohl man im Grunde auf keinen Fall leichtfertig mit einem Aufenthalt dort umgehen sollte.

Natürlich sollte sie die vorausgesagte Inhaftierungszeit von rund 24 bis 48 Stunden beruhigen. Doch dann war da noch dieser Trank, den er einnehmen würde und der in der Vergangenheit weitaus mehr Schaden als Nutzen zurückgelassen hatte.

Doch sie hatten keine andere Wahl. Die Zeit war zu kurz für eine andere Lösung. Und Neville wollte es tun. Er ließ sich einfach nicht von diesem Vorhaben abbringen. Es war so, als verspräche er sich davon, seine Handlungsunfähigkeit bei dem Angriff auf Seamus wettmachen zu können.

Gott, sie konnte ihn verstehen. Sie war nicht dabei gewesen, aber sie konnte ahnen, wie schrecklich es gewesen sein musste. Der Gedanke, dass der Ire niemals wieder zurückkommen würde, war schwer genug zu fassen. Doch der Gedanke, es mit ansehen zu müssen, wie er in den Baumkronen in Stücke gerissen wurde. oder auch es mit anhören zu müssen.

Er ließ sie erschaudern. Er brachte die Gewissheit zurück, dass Seamus tatsächlich nicht zurückkommen würde. Sie würde sich an diesen Gedanken gewöhnen müssen. Und sie wusste, dass er sie irgendwann wie ein Zug und ein voller Frontalaufprall heimsuchen würde.

Doch bis dahin konnte sie sich hinter der noch fehlenden Realisation verstecken. Es kam früh genug. Und sie musste die Taubheit nicht vertreiben, solange sie sie noch davor schützte.

„Du solltest das vielleicht etwas feiner hacken. Umso größer ist die Chance, dass der Trank nach Vorschrift gerinnt und das Longbottom im Anschluss wieder so abscheulich aussieht, wie vorher", schnarrte es plötzlich hinter ihr.

Mione sog schneidend die Luft ein und hörte auf zu hacken. „Was willst du bitte hier? Solltest du nicht schlafen?"

Malfoy lachte leise und hörbar überrascht. Gut, sie gab es zu. Ihre Stimme sollte nicht so wütend und frustriert klingen, wie sie es tat. Aber, so war es nun einmal. Sie war frustriert, weil er diese verwirrenden Gefühle in ihr auslöste. Und weil sie sich selber nicht verstand. Und sie war wütend, weil er nicht versucht hatte, Neville diese absurde Idee etwas gezielter auszutreiben.

Sie konnte und wollte ihn nicht ansehen. Daher begann sie, langsam wieder zu hacken. Er trat hinter ihr hörbar in den Raum und räusperte sich.

„Ich bin nicht müde."

„Dennoch solltest du schlafen", schnappte sie.

Das Messer klapperte lautstark über das Brettchen. Obwohl sie seinen Blicken auswich, spürte sie, dass er sie ansah. Wahrscheinlich mit einem überheblichen Stirnrunzeln... und mit geschürzten Lippen oder einem schwachen Schmunzeln.

Merlin, sie hasste es, wenn er grinste oder hämisch schmunzelte. Das brachte seine Lippen so elendig zur Geltung. Aber es war besser auf seine Lippen zu sehen, als in seine Augen. oder auch nicht.

„Ich bin aber nicht müde", wiederholte er genervt und setzte sich hörbar auf die Trage.

Sie holte tief Luft und wirbelte herum. Malfoy saß auf dem äußersten Rand und ließ seine Beine einige Zentimeter über dem Boden vor und zurück baumeln. Dabei starrte er auf die Grafik an der Wand, die die Anatomie des Menschen zeigte.

„Ich habe wieder diese Frau gesehen. Sie hat Weasley und mich gerettet. Jedenfalls soweit ich mich erinnern kann. Und wenn ich nicht bereits Halluzinationen hatte", sagte er schließlich matt.

Sie strich sich eine Haarsträhne hinter das Ohr und stieß sich von der Anrichte ab. „Diese Frau? Die, die dich gebissen hat?"

Er sah sie an und schüttelte den Kopf. „Nein, es war eine andere. Die Frau, die mich gebissen hat, war rothaarig. Ich glaube diese war dunkelhaarig. Und sie war kleiner."

Mione schwieg und starrte ins Leere.

„Es könnte mein Schatten sein", fuhr er fort.

„Hast du versucht mit ihr zu sprechen? Und bist du sicher, dass es kein Undog war?"

Malfoy schüttelte den Kopf und sprang von der Trage. Als er auf dem Boden ankam, knackten seine Kniegelenke und er verzerrte leicht das Gesicht. „Dazu sah sie zu gut aus."

Mione zog die Lippen schmal. Sie wusste natürlich, wie er es meinte. Dennoch ärgerte es sie. Sie wandte sich ab und setzte sich ruckartig in Bewegung. Malfoy folgte ihr.

„Wo willst du hin?", fluchte er, als er hinter ihr die Treppen hinab sprang.

„Ich habe Durst. Ich mache mir eine Tasse Tee", sagte sie so beiläufig wie möglich.

Schnellen Schrittes durchquerte sie den Wohnraum und trat schließlich in die Küche ein. Sie war leer und abgedunkelt, also machte sie mittels Zauberstab Licht und setzte etwas Wasser auf.

„Du hast trotzdem nicht versucht mit ihr zu sprechen?", fragte sie schließlich, als sie darauf wartete, dass der Kessel kochte.

Malfoy hatte die Arme vor der Brust gekreuzt und musterte sie skeptisch. „Ich war fast ohnmächtig."

Sie nickte. „Es wäre von Vorteil gewesen."

„Wer weiß, ob sie mit mir gesprochen hätte."

„Du hättest es versuchen können. Das hätte uns diesen Trip morgen ersparen können."

Hermione wusste nicht, was sie mehr ärgerte. Die Tatsache, dass ihn all das, was zwischen ihnen passiert war, tatsächlich komplett kalt zu lassen schien, oder dass sie morgen allein mit ihm zum Anwesen des de Barberaque Clans reisen musste.

Malfoy nickte schweigend. „Du bist eindeutig verärgert über mich. Wahrscheinlich, weil du denkst, dass das alles meine Schuld ist. Aber, falls du dich nicht mehr erinnerst, du hast mich zuerst geküsst."

-v-

Granger wirbelte wutentbrannt zu ihm herum. Ihre Augen sprühten regelrecht vor Zorn. Er konnte ihr jedoch auch ansehen, dass ihr Missmut irgendwie mit den jüngsten Geschehnissen zu tun hatte.

„Du hast mich zurückgeküsst. Und ich konnte spüren, dass es dir sehr gefallen hat", fluchte sie und fuchtelte mit dem Zeigefinger vor seiner Nase herum.

„Das beweist nichts. Du warst praktisch überall und nirgendwo an mir. Wie ich bereits erwähnte, bin ich ein verzweifelter und momentan ziemlich vernachlässigter Mann", sagte er.

Der Kessel begann lauthals zu pfeifen und Granger wandte sich zu diesem um, um ihn von der Kochstelle zu nehmen. Er war sich relativ sicher, dass sie die Gelegenheit nur nutzte, damit er nicht die Enttäuschung in ihren Augen sah. Oder was auch immer er sehen würde.

Draco wusste nicht wirklich, was hier vorging. Doch irgendetwas ging definitiv zwischen ihnen vor. Etwas bedenklich Absurdes. Allerdings war es besser für sie beide, wenn sie diesem nicht näher auf den Grund gingen.

Der Wischmopp schnaubte und raufte sich kurz die Locken, sodass sie wie früher in alle Himmelsrichtungen abstanden. Komischerweise sah es nicht so schlimm aus, wie er es in Erinnerung hatte.

„Es bedeutet also nichts", zischte sie, zog grob zwei Teebeutel aus einem der Behälter und stopfte sie hastig in die Tassen. In der einen Tasse endete der Faden außerhalb der Tasse, bei der anderen landete der komplette Beutel in dieser. Doch Granger schien das nicht zu interessieren. Sie füllte einfach beide Behältnisse mit heißem Wasser.

„Nicht mehr und nicht weniger", erwiderte er und zog seine Tasse langsam heran.

Granger zuckte minimal zusammen, sagte jedoch nichts.

„Jetzt sag nicht, dass du wirklich etwas darauf geben willst, Granger. Du und ich", flüsterte er und versuchte den Faden aus der heißen Brühe zu fischen. Das Wasser war jedoch heißer als erwartet, sodass er sich die Fingerkuppe verbrannte.

„Nein. Natürlich nicht", wisperte sie ebenso leise, wie er und sah ihn einen Moment unergründlich an. Da schien etwas auf ihrer Zunge zu liegen, was sie nicht aussprechen wollte.

Draco sah sie schweigend an, ging nicht auf das Spiel ein, indem er ihrem albernen Blick auswich. Er hielt ihm stand, pustete schwach in die heiße Brühe und spürte zeitgleich, dass die vermaledeite Tasse seine Handinnenflächen verbrühte.

Granger atmete hörbar ein und schien den Atem anzuhalten. Draco hielt er Hitze nicht mehr stand und stellte die Tasse klirrend auf der Anrichte ab. Er fluchte leise und fächerte seine Hände einen Moment hektisch durch die Luft. Seine Handflächen waren krebsrot und so hielt er sie einen Augenblick unter eiskaltes Leitungswasser.

Komischerweise reagierte Granger kein Bisschen auf ihn oder sein albernes Tun. Sie lachte ebensowenig, wie sie etwas Altkluges einwarf. Vielmehr starrte sie ihn einfach nur an und folgte jeder seiner Bewegungen mit einer beängstigenden Präzision. Sie ließ ihn nicht einmal wirklich aus den Augen, um zu blinzeln.

Verdammt nochmal, sie tränten sogar.

Er angelte sich ein Handtuch und tupfte sich vorsichtig die Hände ab. Schließlich sah er sie wieder prüfend an. Sie starrte immer noch so merkwürdig, wie sie es zuvor getan hatte.

„Granger?", fragte er leise und hob eine Augenbraue.

„Ja?", japste sie. Und Merlin sei Dank, sie blinzelte. Zwei dicke Tränen liefen ihre Wangen hinab.

„Geht es dir gut?", murmelte er und wich einen Schritt von ihr zurück.

Merlin, sie würde doch jetzt nicht allen Ernstes deswegen heulen. Vielleicht heulte sie aber auch wegen diesem Vollidioten, den Finnigan dargestellt hatte. Natürlich gönnte er ihm den Tod nicht.. oder doch, wenn er wohl ehrlich war. Er hatte ihn nicht leiden können.

Obwohl er nicht sicher war, ob er ihm ausgerechnet das gewünscht hatte.

Er leckte sich über die Lippen und sah Granger dabei zu, wie sie zu strahlen begann.

„Doch. Ich bin nur so... atemlos", brachte sie erneut heraus und trat einen Schritt auf ihn zu.

„Atemlos?", fragte er zugeben etwas besorgt, „hast du irgendwas eingenommen?"

Sie schüttelte mit dem Kopf. Ihre wirren Locken wippten dabei hin und her. Sie trat einen weiteren Schritt auf ihn zu, schien ihre Hände auf seine Schultern legen zu wollen und sah ihn sehnsüchtig an. „Darf ich dich berühren?"

Draco wich zurück und prallte hart gegen den Tisch, der hinter ihm stand. „Was?"

„Ich will dich berühren", wiederholte sie und selig lächelnd.

Das war ein wenig absurd, wenn man bedachte, was genau sie gerade eben noch besprochen hatten.

„Aha", entwischte es ihm wenig geistreich.

„Darf ich?"

„Nein", sagte er skeptisch.

Sie ließ, sichtlich am Boden zerstört, die Hände sinken. „Aber, ich muss."

Der Blonde versuchte ihr in die Augen zu sehen, beugte sich vor. Und sofort schoss Grangers scheiß Hand hoch, um sich auf seine Wange zu legen.

„Du bist so wunderschön", seufzte sie.

Draco umfasste ihre Hand und schlug sie regelrecht von sich. Das war komplett absurd. Was spielte sie hier für ein blödes Spiel? War das ein Witz? Wollte sie irgendetwas Unklares beweisen? Oder wollte sie ihn doch nur aus der Fassung bringen, weil sie sich wer-weiß-was erhoffte?

„Soll das ein dummer Scherz sein? Das wäre, in Anbetracht der Umstände, wirklich nicht besonders lustig", zischte er.

Sie schüttelte heftig den Kopf. „Das würde ich nie tun. Ich würde nie etwas tun, was dich verärgert."

Draco runzelte die Stirn und musterte sie. „Du willst mich also glücklich machen?"

Ihr Gesicht begann zu strahlen. „Oh ja. Ich mache alles, was du willst."

„Scheiße", fluchte er. Das hier war wie eine ziemlich verdrehte Mischung aus Liebeszauber und Imperio.

Besonders die Wirkung von Zweitem war ihm mehr als nur bekannt. Jedoch konnte er sich nicht erinnern, diesen gesprochen zu haben. Und es war auch niemand anwesend, der es hätte tun können.

„Bist du sicher, dass du nicht irgendetwas eingenommen hast?", fragte er schroff.

Sie schüttelte mit dem Kopf.

Draco musterte sie erneut skeptisch und biss sich auf die Lippe. Wenn es kein Scherz und auch kein Zauber war, musste es etwas anderes sein. Gab es einen Zauber, der diese Wirkung aus weiter Entfernung verursachte?

„Fühlst du dich irgendwie merkwürdig?"

Sie lächelte. „Ich fühle mich gut."

Seine Augenbraue zuckte leicht, wie sie es immer tat, wenn er etwas als merkwürdig und ungut befand. „Seit wann?"

„Seitdem du mich angesehen hast."

Mit einem Stirnrunzeln musterte sie erneut. So etwas passierte nicht, nur weil man jemanden ansah. Außer seine Magie war außer Rand und Band geraten, oder wenn man die Kunst der Hypnose beherrschte.

„Verdammt", murmelte er, als ihm etwas dämmerte.

Er hatte sie angesehen.

Soweit er wusste, gab es einen Trank, der eine gewisse Abhängigkeit erzeugte, die einem Liebeszauber und einen Imperio glich. Er nannte sich der Lamius und konnte nur mit Vampirblut gebraut werden. Der Grund war offensichtlich: weil er die Wirkung der Hypnose nachamte, die Vampire angeblich auf ihre Opfer ausübten, um sie ungestört beißen zu können oder abhängig zu machen.

Sie taten es, indem sie ihren Opfern in die Augen sahen. Deswegen war eine der Regeln im Kampf gegen einen Lamia, ihm niemals zu lange oder zu tief in die Augen zu sehen.

Doch konnte er das unbewusst ausgelöst haben? Ihre Augen hatte er ja bereits zum größten Teil. es war also wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, bis sich Weiteres einstellen würde.

„Dreh dich fünfmal im Kreis und sag dabei immer wieder ich bin ein kleines, hässliches Schlammblut", flüsterte er versuchsweise.

Ihre Miene verfinsterte sich. „Findest du mich hässlich?"

„Nein", sagte er schnell. Nicht, dass sie noch anfing, lauthals zu weinen.

Es wirkte wohl doch nicht so, wie er gedacht hatte. „Aber, es würde mich verdammt glücklich machen."

Einen Moment sah sie skeptisch aus, doch dann tat sie tatsächlich, wie er geheißen hatte.

„Verdammt", wiederholte er sich, „okay, hör auf", sagte er nach der dritten Umdrehung.

Granger stoppte, noch während er es aussprach, und wandte sich wieder ihm wieder zu. „Darf ich dich jetzt anfassen?", fragte sie sichtlich unruhig, „es zerreißt mich."

Draco runzelte die Stirn. „Was zerreißt dich?"

„Dieses Gefühl", sagte sie und ballte die Hände zu Fäusten, die sie gegen ihre Brust presste.

„Granger, wenn das ein blöder Scherz sein soll, bringe ich dich um", zischte er erneut und hielt Ausschau nach Wiesel und Potter, die ihn gemeinsam mit dem albernen Wischmopp auslachen würden, weil er auf sie hereingefallen war.

Allerdings war das, vor allem der aktuellen Umstände wegen, alles andere als zu erwarten. So wie es aussah, hatte er Granger tatsächlich unbewusst hypnotisiert. oder wie auch immer es diese elenden Biester, in eines von welchen er sich gerade verwandelte, nannten.

Er hob die Hände und sah sie fest an. „Finite."

Sie runzelt die Stirn.

„Hör auf damit."

„Womit?", fragte sie japsend und trat erneut einen Schritt vor, um ihn anzufassen. Dabei flehten ihre Augen ihn regelrecht an.

„Nein", knurrte er und wich einen weiteren Schritt zurück. Als das nicht wirklich fruchtete, weil sich der Tisch nach wie vor dicht hinter ihm befand, schob er sich an ihr vorbei und trat prüfend einen Schritt auf den Wohnraum zu.

„Kennst du diesen Zustand?"

„Ich weiß nicht."

Draco fluchte leise auf. Potter und Weasley standen am Fuß der Treppe und unterhielten sich angeregt.

Merlin, sie durften Granger so nicht sehen. Sie würden ihn sofort beschuldigen, dass er sie mit einem Imperio oder Ähnlichem belegt hatte. Und dass er es gerade nicht brechen konnte, würde ihm sicherlich nicht zugutekommen.

Er hatte keine Lust, sich binnen Sekunden in Askaban wieder zu finden.

„Granger, wo ist dieses alberne Buch. Das von Sparks?", fragte er und wandte sich langsam zu ihr um. „Merlin", fluchte er und fasste sich an die Brust. Sie stand so dicht hinter ihm, dass ihr Gesicht fast seine Wange berührte, als er sich ihr zuwandte.

„In meinem Zimmer", sagte sie gepresst und legte ihre Hände auf seine Hüften. Sekunden später presste sie ihr Gesicht in seinen Nacken und atmete lautstark ein.

„Granger", fluchte er und versuchte sich loszumachen.

Doch sie ließ sofort von ihm ab und blickte ihn schuldbewusst an. „Ich wollte dich nicht verärgern. Aber, ich muss dich einfach berühren."

„Wo ist das Buch?", fragte er erneut und wurde sich erst als er es ausgesprochen hatte bewusst, dass sie es bereits beantwortet hatte.

Es scherte sie nicht. „In meinem Zimmer."

„Okay", sagte er und wartete darauf, dass Potter und Weasley endlich die Stufen hochstiegen.

„Was tun wir hier?", fragte sie und wieder legten sich ihre Arme von hinten um ihn.

„Ich werde mir dieses Buch anschauen, um herauszufinden, wie man diese alberne Hypnose löst", zischte er.

Sie atmete erneut lautstark ein, rieb ihr Gesicht genüsslich an seinem Nacken. Ihre Brüste pressten sich gegen seinen Rücken. „Darf ich mit dir kommen?"

Er atmete lautstark ein. „Du wartest hier."

„Nein", japste sie und presste sich noch enger an ihn.

„Wenn du mich loslässt, darfst du mit rauf kommen", flüsterte er.

Sie wich augenblicklich zurück und sah ihn strahlend an.

Als die Stimmen am oberen Absatz verstummt waren, durchquerte Draco so schnell er konnte den Wohnraum. Dabei schmerzten seine Beine fürchterlich und er konnte ein gequältes Zischen nicht unterdrücken.

Wie schlimm konnte dieser erbärmliche Tag eigentlich noch enden?

„Du fühlst dich nicht gut?", seufzte Granger hörbar besorgt.

„Nein, alles bestens", warf er zurück und steuerte zielstrebig auf ihre Zimmertür zu.

Granger war ihm erstaunlich schnell auf den Fersen. Lächerlicherweise schreckte ihre dämliche Katze auf, die sich auf dem Sofa gefläzt hatte, und folgte ihnen ebenfalls. Wie eine alberne, kleine Entenfamilie sprangen sie die Stufen hinauf und hetzten über den Flur. Der dumme Kater rannte ihm dabei schnurrend zwischen die Beine, sodass er fast über diesen gestolpert wäre.

Er mochte das Tier nach wie vor nicht. Scheinbar schien das aber nicht auf Gegenseitigkeit zu beruhen, denn das kleine Mistvieh versuchte bereits seit Tagen, oder auch Wochen, jeden Abend in sein Zimmer zu schlüpfen, wenn er zu Bett ging.

Als sie den Flur hinter sich gelassen hatten, atmete er erleichtert aus und verschloss die Tür. Natürlich schlüpfte das elende Fellknäuel so schnell es konnte an ihm vorbei und kroch unter das Bett.

Allerdings war die Situation zu merkwürdig, als dass es ihn gerade interessierte. Auf eine recht schräge Weise erinnerte alles ihn an ihren Abend in der Hütte der Alten. Zudem war er noch nie zuvor in Grangers Zimmer gewesen. Und anstatt ihn achtkantig hinauszuwerfen, tänzelte sie freudestrahlend zu ihrem Nachtschrank. und kam kurz darauf mit besagtem Buch zurück.

„Steht da was über diese Hypnosemethode drin?", fragte er und betrachtete den Umschlag des Buches eingängig. Vielleicht konnte sie ihm auch wertvolle Tipps geben.

„Ich weiß nicht", sagte sie und trat wieder auf ihn zu.

Er knurrte erneut leise auf und blicket in das Buch. Seiten über Seiten albernes Liebesgesülz. Er würde sich die Nacht um die Ohren schlagen müssen, wenn dieser Unsinn nicht endlich von allein aufhörte.

Und er war verdammt noch einmal erschöpft und müde.

Sie sah ihn mit großen Augen an.

„Okay. Am besten gehst du ins Bett", sagte er und machte sich daran, das Zimmer zu verlassen.

Sie schüttelte heftig den Kopf und stürmte auf ihn zu. „Ich gehe mit dir. Ich gehe dahin, wo du hingehst."

Er gab einen gequälten Laut von sich. Womit hatte er das verdient?

Sie hielt ihn am Arm zurück, wie eine Vierjährige und gab leise und wimmernde Laute von sich.

Draco funkelte sie an und sie ließ ihn wieder los. „Bitte bleib."

„Ich bin nur in meinem Zimmer. Direkt nebenan, Granger. Jetzt reiß dich mal zusammen", fluchte er und riss sich genervt von ihr los. Seine Nerven waren nicht wirklich die stärksten.

„Ich kann nicht", jammerte sich sichtlich verzweifelt und krampfte sich wieder zusammen, „ich muss bei dir sein."

Er musterte sie und biss sich seufzend auf die Lippe. Sie hatte von diesem Gefühl gesprochen. Vielleicht musste sie das tatsächlich. Als Nebenwirkung dieser blöden Situation. Es würde zu den Beschreibungen passen, die er gehört hatte.

„Okay", sagte er also leise und deutete auf das Bett. „Du legst dich hin und versuchst zu schlafen. Und ich bleibe hier." ‚bis du endlich eingeschlafen bist', fügte er gedanklich hinzu.

„Ja", rief sie so euphorisch, dass er fürchtete, dass es das halbe Haus gehört haben musste.

„Und sei still", fluchte er flüsternd.

Sie nickte heftig und begann hektisch das Bett aufzuschlagen. „Möchtest du links oder rechts schlafen?", fragte sie hoffnungsvoll.

Einen Moment blieb er vor dem Bett stehen und versuchte nicht zu lachen. Bis vor Kurzem war er noch sicher gewesen, dass es nicht merkwürdiger und absurder hätte werden können. Dann wurde ihm bewusst, dass Finnigan sie vor wenigen Tagen in diesem Bett.

Er holte tief Luft. Er könnte sie mit zu sich nehmen. Aber, dann könnte er nicht einfach verschwinden, wenn sie eingeschlafen war. Er hatte von Gedächtnislücken bei Gebissenen gehört. Er hoffte also, dass sie das hier vergessen würde, sobald es vorbei war. Falls sie in seinem Bett aufwachen würde, war das aber nicht wirklich vorteilhaft.

Wohl oder übel würde er also in den sauren Apfel beißen müssen.

„Ist es frisch bezogen?", fragte er schroff und deutete mit der Hand, in der sich das Buch befand, auf das Bett.

Grangers Stirn runzelte sich fragend.

„Naja, seitdem du mit Finnigan-", er beendete den Satz nicht und hoffte, dass sie es auch in diesem Zustand verstehen würde.

„Oh, ja. Aber ich kann es nochmal frisch beziehen, wenn du willst", antwortete sie und sah ihn mit diesen vermaledeiten fiebrigen Augen an, die so gar nicht zu ihr passen wollten.

Draco schüttelte den Kopf und trat um das Bett herum auf die linke Seite. Als er hinab auf das Bettlaken blickte, wurde ihm bewusst, dass er seine Schlafsachen natürlich nicht hier hatte. Allerdings wollte er auch nicht schlafen. Er würde sie also nicht benötigen.

Als er aufblickte, sah Granger ihn fragend an.

„Okay", bestätigte er und sie ließ sich strahlend auf der rechten Bettkante nieder. Draco tat es ihr auf der linken Seite gleich und streifte sich die Schuhe ab. Dann schwang er sich ins Bett, lehnte sich mit dem Rücken gegen das Kopfende und schlug das Buch auf.

Granger strampelte sich zeitgleich hektisch die Jeans ab, zog ihre Socken, den Pulli und das Unterhemd aus und kroch halbnackt auf ihn zu. Ihre nackten Brüste wippten leicht vor und zurück, als sie sich binnen Sekunden an ihn presste und genüsslich schnurrte.

Draco hingegen fand sich in einer Schockstarre wieder. Das hier passierte nicht wirklich. Wahrscheinlich lag er im St. Mungos im Koma oder war bereits tot.

„Was tust du da?", flüsterte er und versuchte die Hände so zu halten, dass er sie nicht berühren musste.

Doch sein Körper verriet ihn kläglich. Sofort erhitzte sich sein Schoß und seine Körpermitte reagierte auf ihre Nähe. Er konnte ihren rechten Nippel sehen, während ihre Brust sich gegen seine presste, versuchte aber nicht allzu sehr hinzustarren.

Merlin, ihre Brüste waren einfach nur.

Er schloss die Augen und atmete ruhig und tief durch. Hinter seinen Schläfen und zwischen seinen Beinen pochte es und eine kleine innere Stimme sagte ihm, dass sie wahrscheinlich auf der Stelle ihr Höschen ausziehen und sich auf ihn setzten würde, wenn er es verlangen würde.

Natürlich tat er es nicht.

„Du riechst so gut", seufzte sie und rieb ihre Nase erneut an seinem Hals.

Draco lachte ungläubig. Das tat sie auch, schoss es ihm absurderweise durch den Kopf. Doch mehr noch: Sie fühlte sich auch gut an. Verdammt gut. Und er redete sich ein, dass es daran lag, dass sie die erste Frau seit Langem war, die ihm so nahe war.

„Granger, du wirst dir auf der Stelle wieder etwas anziehen", sagte er fest, als er seine Stimme wieder gefunden hatte.

Zwar vertraute er ihr nicht ganz, doch es war besser, als weiterhin hier so mit ihr liegen zu müssen.

„Ich muss dich berühren", jammerte sie und presste sich noch fester an ihn.

Draco schloss die Augen. „Sofort."

Wimmernd richtete sie sich auf, das Rascheln deutete ihm an, dass sie ihm tatsächlich gehorchte. Sekunden später war sie jedoch wieder da, presste sich nur noch fester an ihn und schummelte ihren gesamten Arm unter seinen Pullover.

Ihr Bein wanderte hingegen über seinen Schoss, ließ ihn qualvoll aufstöhnen. Ihr Gesicht vergrub sich erneut in seiner Halsbeuge und Grangers Atem streifte seine Haut, während ihr Bein genau über seiner steinharten Mitte ruhte und ihre Hand sanft seine Brust kraulte.

Als er die Augen öffnete, sah er, dass sie ihr Hemd angezogen hatte. Auf Links. Doch scheinbar schien sie sich zu beruhigen, jetzt wo sie Nähe hatte – die sie schraubstockartig verteidigte.

Draco seufzte, während sie heiß in seinen Nacken atmete und ihm Schauer über den Rücken jagte. Doch er hatte sich diese elende Suppe selber eingebrockt. Wenigstens dieses eine Mal würde er sie wohl auslöffeln müssen.

Er umfasste ihr Bein und schob es über seinen Schoß hinweg. Sie sah ihn fragend an, ließ ihn aber gewähren. Als er sich wieder zurücklehnte und vorsichtig seinen Arm über ihren Rücken legte, seufzte sie mehr als nur genüsslich.

Dann schlug er das Buch auf und begann widerwillig zu lesen. Der Kater kletterte, in seinen tierischen Augen eindeutig unbemerkt, auf das Bett und rollte sich am Fußende wohlig schnurrend zusammen. Draco bedachte ihn mit einem skeptischen Blick, ließ ihn jedoch gewähren. Granger schien ebenfalls die Augen geöffnet zu haben, blickte aber scheinbar gespannt in das Buch in seinen Händen.

„Weißt du die Lösung?", fragte er leise.

Sie hob den Kopf und sah ihn sehnsüchtig an. „Ich weiß nicht."

Draco lachte bitter. Wie er es nicht anders erwartet hatte.

Langsam und zögernd ließ er seine Hand unter den Saum ihres Hemdes wandern und streichelte die zarte Haut über ihrem Steißbein. Sie war verdammt weich. So wie er es niemals erwartet hatte.

Ebenso wenig, wie er erwartet hatte, dass ihr Haar nach Pfirsichen roch. Es war sicherlich nicht sein Lieblingsduft, aber in Verbindung mit ihrer besonderen Note hatte es was.

Was auch immer es war.


Vorschau:

Der Rotschopf lachte einfach nur.

. und Sekunden später verhallte das Lachen in der Ferne, als der Boden unter seinen Füßen wegbröselte und krachend absackte. Mit einem Ruck prallte er hart gegen einen Felsvorsprung und stürzte schließlich durch einen eigentlich viel zu schmalen Spalt einige Meter in die Tiefe...

Sein Zauberstab entwischte ihm und Grangers Stimme folgte ihm hallend, und seinen Namen brüllend, mit in die Dunkelheit.

Hustend schlug er auf dem Boden auf und blickte aus tränenden Augen hinauf in den Lichtkegel, den die beiden Zauberstäbe über ihm erzeugten. Staub und Dreck versperrten ihm aber einen Großteil der Sicht und belegten seine Lunge. Er hustete noch stärker – was seinen Rücken noch mehr schmerzen ließ, als er es eh schon tat.

Fluchend drehte er sich auf die Seite und horchte in sich hinein. Seine Wirbelsäule und sein linker Arm schmerzten zwar, aber wenigstens schien nichts gebrochen zu sein. Sein Zauberstab fiel spürbar von seiner Brust auf den Boden neben ihm.

Erleichtert ergriff Draco diesen.

„Lumos", dieses Mal passierte nicht. Erst beim zweiten Mal erhellte sich das Loch, in dem er sich befand und er biss sich wütend auf die Unterlippe.


Hallöchen ihr Lieben. Es hat mal wieder etwas länger gedauert, als gedacht. Naja, aber wie immer sag ich nur: „Besser spät als nie!" Wie immer Danke fürs Lesen, Danke für eure Geduld und natürlich Danke für die lieben Reviews. Ein besonders großes Dankeschön geht an Fränzi fürs Betalesen.

Aus zeitlichen Gründen erspare ich mir heute die Reviewtime. Ich bitte um Verständnis und knuddel euch alle. *kekseverteil* An dieser Stelle auch noch einmal Dankeschön an alle meine fleißigen *Sleep*-Leser und die lieben, abschließenden Reviews. Es war toll diese Geschichte mit euch gemeinsam erlebt zu haben. :)