Chryois

Während die ersten Untoten und Menschen anfingen, sich gegenseitig abzuschlachten, streifte Dracos Blick kurz über die Hogwarts Leute, die inmitten des Portals zu erkennen waren. Nur bei Snape verharrte er einen Moment, dann wandte er das Gesicht entschlossen ab, und suchte in der düsteren Höhle nach Ginny. Von seiner Familie war niemand anwesend, und genau das hatte er wissen wollen.

Es war schier ein Ding der Unmöglichkeit, Ginny in diesem Chaos ausfindig zu machen.

Tanadryl war nun weit voraus, und er allein richtete schon ein gewaltiges Blutbad an. Menschen, die unter den Bann seiner unheimlichen Augen gerieten, erstarrten und wurden von den Untoten niedergemetzelt.

Sandrine war nirgendwo zu sehen.

Draco versuchte, sich so schnell wie möglich unsichtbar zu machen, aber Atris vereitelte diesen Plan.

„Stehen bleiben!" zischte sie und hob drohend ihr Schwert. „Ich habe kein Problem damit, dich einfach umzubringen, egal was Tanadryl sagt! Es ist deine Schuld, dass Falínga zerstört wurde!"

„Du bist ja echt mutig, einem Unbewaffneten so zu drohen", spottete Draco. Er musste fast schreien, um das Schlachtengetümmel zu übertönen.

Atris wurde rot vor Wut, bewegte sich jedoch vorerst keinen Millimeter.

Sie standen halb im Gang und halb in der Höhle, dicht an der Wand, um von den angreifenden Truppen nicht überrannt zu werden. Diese Position ließ Draco weniger Möglichkeiten, als ihm lieb war, aber Atris hatte auch nicht die Absicht, hier zu bleiben.

„Los! In die Höhle, Hinkebein, sonst wird es dir leid tun!"

Draco ging rückwärts, ohne Atris aus den Augen zu lassen. Sein Fuß streifte etwas, was sich verdächtig nach einem Schwertgriff anfühlte. Ohne auf die Schmerzen zu achten, die durch sein verletztes Bein rasten, ließ Draco sich auf die Knie fallen, ergriff das Objekt und schleuderte es blindlings in Atris' Richtung.

Es war kein Schwert gewesen, sondern eine Kriegsaxt. Und die steckte nun mit der Schneide voraus in Atris' Schulter. Blut quoll in Massen aus der Wunde, und das blonde Mädchen kreischte schrill.

Draco warf sich herum, als sie trotz allem versuchte, ihr eigenes Schwert nach ihm zu werfen. Es landete etliche Meter von ihm entfernt im festgestampften Sand.

Treffen will gelernt sein, du blöde Kuh!

Aber jetzt war keine Zeit für einen freundschaftlichen Austausch.

Draco rappelte sich wieder hoch und überblickte erneut die Höhle. Hinter dem Portal schienen sich so gut wie keine Kämpfenden aufzuhalten, weder Untote noch Menschen. Dahinter ging ein kleiner, schmaler Gang weiter. Es war das beste Versteck, was die Höhle zu bieten hatte – hoffentlich barg sie nicht noch eine unangenehme Überraschung.

Der Boden unter seinen Füßen wurde immer matschiger, je näher er dem Portal kam. Ein merkwürdiger Geruch lag in der Luft, und Draco fragte sich flüchtig, wo er einen solchen schon einmal gerochen hatte. Dann schob er es gedanklich beiseite, das hatte Zeit bis später – wenn es ein später gab.


Sandrine war verschwunden, aber Ginny befand sich immer noch in der Gewalt von zwei riesigen Untoten, die sie keine Sekunde aus den Augen ließen.

Das Geschrei war ohrenbetäubend, und so sehr sie ihre Augen auch anstrengte, Draco konnte sie nicht entdecken.

Dann wurde plötzlich einer ihrer Bewacher von einem Pfeil getroffen. Als er sich umdrehte, den Pfeil aus seinem Brustkorb riss und gereizt knurrte, trennte ihm jemand den Kopf mit einem Schwert ab.

Ginny schluckte, als der Kopf direkt neben ihr landete, und trat ihn dann mit zusammengebissenen Zähnen fort.

Der andere Untote brüllte etwas und stürzte sich nun ebenfalls in die Schlacht.

Sie bewegte sich langsam an der Wand entlang, um möglichst keine Blicke auf sich zu ziehen. Ein paar Waffen lagen herum, und sie griff sich eins der kleineren Schwerter, die größeren hätte sie ohne Zweifel nicht einmal anheben können – sie waren länger als ihre Arne.

Niemand befand sich hinter dem Portal, es schien, als würde eine unsichtbare Barriere darum liegen, die keiner übertreten wollte. Und dann konnte sie auch noch einen bekannten blonden Kopf erkennen, der jetzt an dieser Stelle verschwand.

Noch bevor Ginny sich wieder in Bewegung setzen konnte, ergriff sie plötzlich jemand an der Schulter und riss sie herum.

„Hallo, Ginny", sagte Maynew und grinste ihr genau ins Gesicht. „Hast du mich vermisst?"

Ginny schlug mit einer heftigen Bewegung seine Hand weg und hielt das Schwert vor sich.

„Habe ich", sagte sie dann ironisch. „Wie Malateras auf dem Arm!"

Maynews Grinsen wurde noch eine Spur breiter.

„Ich habe gehört, du hast dich schon getröstet. Zu schade. Wenn du bei mir geblieben wärst, dann wärst du zumindest nicht als Jungfrau gestorben."

„Wer sagt, dass ich das noch bin?" schleuderte sie wütend zurück. „Ich bring dich um, wenn du noch einen Schritt weitergehst!"

Dramatisch ging Maynew zwei Schritte, und blieb dann wieder stehen.

„Und? Das traust du dich ja doch nicht. Tanadryl erwartet dich, Ginny. Entweder du kommst freiwillig mit, oder ich muss dich leider dazu zwingen."

„Ich gehe mit dir nirgendwohin, du Mistratte!"

„Ich fürchte, du hast keine Wahl."

Er griff wieder nach ihr, und Ginny schlug mit dem Schwert zu, so dass er die Hand hastig zurückzog.

Maynew schlug nun seinerseits mit seiner Waffe zu, und zwar so hart, dass Ginny das Schwert nicht mehr halten konnte und es fallen lassen musste.

„Siehst du? Du hast keine Chance, sieh es endlich ein ... auutsch, wo kommt dieses dämliche Vieh schon wieder her?!"

Er packte nach seinem Rücken, auf dem ein bekanntes Quietschen und Kreischen zu hören war.

Ginny verlor keine Zeit und versuchte, an ihre Waffe heranzukommen, doch Maynew hatte Blossom schon abgeschüttelt und stürzte ebenfalls darauf zu.

Ein heftiges Handgemenge entstand, bei dem der Dunkelblonde bald die Oberhand gewann. In letzter Sekunde bekam Ginny den Schwertgriff zu fassen und stieß die Klinge verzweifelt nach oben.

Maynew erstarrte und sah sie nur ungläubig an. Blut tropfte langsam auf den Boden, während er sich bemühte, wieder auf die Füße zu kommen. Er schaffte es, taumelte und fiel dann rücklings auf den Boden. Das Schwert steckte wie eine Lanze in seiner Brust.

Ginny sah entsetzt darauf, und dann auf ihre blutigen Hände.

„Ich habe ihn getötet. Ich habe einen Menschen umgebracht."

Jemand anderes tauchte hinter ihr auf und griff nach ihrem Arm, aber sie konnte nur wie erstarrt sitzen bleiben, ihr Gesicht war weiß wie Schnee.

„Weasley!" brüllte Draco ihr ins Ohr. „Wir müssen hier weg, du sitzt mitten auf einem Schlachtfeld!"

Sie drehte sich flehentlich zu ihm.

„Ich habe ihn umgebracht. Ich habe ihn wirklich getötet, Draco!"

„Hör auf damit, dafür haben wir jetzt keine Zeit! Na und, dann ist er halt tot!"

„Ich wollte ihn nicht umbringen. Ich wollte doch nur ..." Ginny fing an zu schluchzen.

Dracos erster Impuls war, sie wieder wütend anzuschreien, gefälligst ihren Hintern zu bewegen und endlich aus der Gefahrenzone herauszukommen. Dann überlegte er es sich anders und warf sie sich kurzerhand über die Schulter. Auch wenn er sie noch so laut anbrüllte, Ginny hatte einen Schock, und dadurch würde es nicht besser werden, im Gegenteil.

Am liebsten hätte er Maynews Leiche noch einen kräftigen Fußtritt verpasst, aber Draco beherrschte sich und lief so schnell er konnte in den Schatten des Portals zurück, Blossom im Schlepptau. Der schmale Gang, der dahinter lag, tropfte vor Feuchtigkeit, bot aber ein ausreichendes Versteck – vorläufig.

Sein Bein brannte wie Feuer als er es endlich geschafft hatte und Ginny auf den Boden gleiten ließ. Ihr Gesicht war noch immer weiß, und Tränen liefen ihr über das Gesicht.

„Weasley!" Draco schüttelte sie an den Schultern. „Ginny, lass das!"

Sie sah ihn nur verständnislos an.

Der Slytherin hoffte nun inständig, dass die Hogwarts Leute ihn nicht beobachten konnten, und nahm dann ihr Gesicht in beide Hände.

„Ginny", wiederholte er eindringlich. „Ich weiß, dass das schwer ist, aber was für eine Wahl hattest du denn? Wolltest du an seiner Stelle sterben?"

„Ich kann nicht glauben, dass ich das getan habe", flüsterte sie wieder.

„Du kannst es aber nicht ändern. Du musst damit fertig werden, und das wirst du auch. Wo ist deine ganze Gryffindor Tapferkeit geblieben?"

Ginny stieß seine Hände abrupt weg und starrte ihn unter Tränen zornig an.

„Was hat das mit Tapferkeit zu tun?" sagte sie und wischte sich heftig über die Augen. „Menschen töten ist falsch. Aber vielleicht ist es dir egal, wenn du Leute einfach killst – kein Wunder bei deinem Vater als Vorbild!"

Draco wurde starr, und sein Gesicht blutleer.

„Vielen Dank", sagte er nach einiger Zeit tonlos. „Dein Vertrauen ehrt mich, wirklich."

Er richtete sich auf, hinkte zur Öffnung des Ganges und starrte blicklos auf die Rückseite des Portals.

Blossom sah Ginny aus vorwurfsvollen Augen an.

„Was ist?" fauchte sie die kleine Echse an, die daraufhin erschrocken ein paar Schritte zurückhüpfte. „Du stehst doch sowieso auf seiner Seite, also renn ihm schon hinterher!"

„Scrawny – Draco."

„Verschwinde!" schrie sie schluchzend. „Hau endlich ab und lass mich in Ruhe!"

Blossom blieb sitzen und scharrte unruhig mit einer Klaue im Matsch.


Draco kämpfte derweil darum, nicht die Fassung zu verlieren. Das war ein gewaltiger Schlag unter die Gürtellinie gewesen, etwas, dass er Ginny nie im Leben zugetraut hätte.

Dabei hätte ich es wissen müssen. Sie hat dich schon mal so in den Unterleib getreten, dass du Sterne gesehen hast.

Doch das war nur ein kläglicher Versuch von sarkastischem Humor, und er amüsierte sich kein bisschen bei dem Gedanken. Die Stimme, die sich seit jeher wie sein Vater anhörte, kreischte stumm nach Vergeltung, Rache für diesen Angriff auf seine Person.

Draco, sie ist total durcheinander und weiß gar nicht, was sie redet.

Das war die andere, das Ich, das sich immer bemüht hatte, trotz allem menschlich zu bleiben und nicht auf das Niveau Lucius' herabzusinken.

Aber verdammt, ihre Worte hatten weh getan.

Er hatte sich endlich dazu durchgerungen, nach ihrer Rückkehr mit seinem Leben aufzuräumen – und Ginny hatte nicht den kleinsten Teil dazu beigetragen. Das zuzugeben, fiel ihm schwer genug. Vielleicht wäre er wirklich in etwas hineingeraten, was er im Grunde gar nicht wollte, einfach nur, weil er sich nicht überwinden konnte, Lucius Paroli zu bieten.

Ginnys Vorwurf bewies eindeutig, dass sie ihm im Grunde ihres Herzens immer noch nicht traute, und auch möglicherweise nie wirklich trauen würde. Er hatte ihren Gesichtsausdruck gesehen, als Sandrine spöttisch darauf angespielt hatte, nie einem Slytherin zu glauben.

Und – hatte er ihr wirklich einen Beweis gegeben, dass es nicht so wahr?

Gut, er hatte ihr viel erzählt, Sachen, die ihm mit Sicherheit eine Menge Schwierigkeiten machen würden, wenn Hogwarts oder sein Vater davon erfuhren. Ein wirklicher Beweis war das nicht – es gab Möglichkeiten, selbst das irgendwie zu vertuschen.

Wieso machst du dir Gedanken darüber? Ist es nicht egal, ob sie dir traut oder nicht?

Nein, war es nicht. Und genau da lag das Problem. Er vertraute ihr nämlich, so verrückt das auch klang.


Ginny machte sich derzeit ganz andere Gedanken. Sie hatte es schließlich aufgegeben, Blossom vertreiben zu wollen, und brütete nun vor sich hin. Hatten ihre Eltern das gesehen? Was würden sie nun davon halten, dass ihre Tochter eine Mörderin war?

Draco hatte leicht reden, er hatte schließlich keinen Menschen umgebracht. Wütend auf ihn zu sein war leichter als sich den Konsequenzen ihres Handelns zu stellen, und darauf konzentrierte sie sich jetzt.

Was ist mit Tyron? Er hat Tyron getötet, und er sah hinter nicht so aus, als wäre ihm das leicht gefallen.

„Tyron war ein Untoter, das ist überhaupt kein Vergleich", murmelte sie vor sich hin.

Nein? Wer ist jetzt ein Holzkopf, Weasley? Diese innere Stimme klang erschreckend nach dem spöttischen Slytherin. Tyron war vielleicht nicht mehr ganz am Leben, aber kannst du das mit gutem Gewissen von Maynew behaupten? Worin liegt der Unterschied?

„Ich wollte ihn aber nicht töten. Draco wollte es."

Bist du dir da so sicher? Er hat einfach die Wahl zwischen zwei Alternativen gehabt. Genau wie du auch. Und mal ganz nebenbei, die Bemerkung, die du über seinen Vater gemacht hast, wäre einer Sandrine Slytherin würdig gewesen. Gratuliere.

Das riss sie endgültig aus ihrer Erstarrtheit.

„Blossom, ich bin eine ganz blöde Kuh, oder?"

Blossom gab darauf keine Antwort, aber sie spürte, dass Ginny nicht mehr sauer war, und hüpfte auf ihre Schulter.

„Was ist denn überhaupt mit dir passiert?" Die Gryffindor bemerkte das erstemal Blossoms zahlreichen Verletzungen.

„Sumpf – tot – Kampf", kam es kläglich zurück. „Scrawny – Draco."

„Ich sollte mich wohl entschuldigen, was?"

Es sah aus, als würde Blossom nicken.

Ginny sah sich vorsichtig um. Niemand befand sich außer ihnen hinter dem Portal, es war, als wären sie ganz allein, sogar der Schlachtenlärm klang gedämpft. Das Tor und die undurchdringliche, schwarze Fläche, die von vorne ein Blick nach Hogwarts gewesen war, warfen einen bedrohlichen Schatten, selbst in den Gang hinein. Sie konnte auch das erste Mal einen merkwürdigen Geruch vernehmen, etwas, was Draco schon früher aufgefallen war.

Der Slytherin selbst stand reglos am äußersten linken Rand des Ganges und beobachtete die Leere hinter dem Portal. Er reagierte nicht, als sie hinter ihm auftauchte und sich nervös räusperte.

„Draco?" versuchte Ginny es wieder.

„Beantworte mir eine Frage", sagte er, ohne sich umzudrehen. „Ein einfaches Ja oder Nein genügt völlig."

„Und die wäre?"

„Traust du mir so was wirklich zu? Dass ich es genieße, Leute umzubringen?"

„Draco, ich habe nie behauptet ..."

„Doch, hast du. Aber das war keine Antwort."

„Nein. Nein, das tue ich nicht. Ich habe einfach nicht nachgedacht, und ich war wütend auf dich. Es tut mir leid."

„Ja?" Er schwieg einen Moment. „Kümmern wir uns lieber darum, dass wir eine Möglichkeit finden, durch das verdammte Portal zu verschwinden, ohne dass uns einer nachkommen kann oder wir kurz vorher erwischt werden."

Draco trug ihr die Bemerkung nach, das spürte sie deutlich.

„Hör zu, es war wirklich nicht so gemeint. Könntest du dich bitte mal umdrehen, damit ich dir das auch ins Gesicht sagen kann?"

Draco tat das und verschränkte beide Arme vor der Brust. Sein Gesicht war ausdruckslos, die Augen kalt. Doch Ginny hatte mittlerweile ein kleines bisschen gelernt, hinter seine zahlreichen Masken zu sehen, und sie konnte erkennen, dass sie ihn mit dieser Bemerkung zutiefst verletzt hatte.

„Ich habe es verstanden", sagte er beherrscht. „Wir haben jetzt aber keine Zeit für diesen Müll. Tanadryl oder Sandrine können jederzeit mitbekommen, wo wir stecken, und beide wollen uns wieder in ihre Finger bekommen. Außerdem befinden wir uns hier in einem Krieg, da sind solche Sachen nebensächlich."

„Im Moment interessieren die mich kein Stück. Ich will, dass du mir glaubst, dass es mir ehrlich leid tut."

„Schon gut." Aber sein Gesichtsausdruck veränderte sich nicht.

„Nein, ist es eben nicht!" Ginny stampfte gereizt mit dem Fuß auf. „Kannst du dich nicht einmal wie ein normaler Mensch benehmen? Du bist sauer, schrei mich an, versuch mir in den Hintern zu treten – irgendwas, aber hör auf, diese Mich-kann-überhaupt-nichts-verletzen Masche abzuziehen!"

Keine Reaktion, und Ginny hätte heulen können vor Frustration.

„Ich bin nicht sauer", sagte er dann überraschend. „Ich bin einfach nur enttäuscht, weil du mir nicht traust, so wie ich dir traue. Habe ich dir in der ganzen Zeit hier einen Grund dafür gegeben, dass ich dieses Misstrauen verdiene? Ich kann mir vorstellen, dass es schwer ist, ausgerechnet mir zu vertrauen, aber ich dachte immer, zwischen uns hätte sich was geändert. Scheinbar habe ich mich geirrt."

Das brachte Ginny völlig aus dem Konzept.

„Warum denkst du, dass ich dir nicht vertraue?"

„Weil es so ist. Verkauf mich nicht für dumm, Weasley. Ich habe deinen Blick gesehen, als Sandrine darauf angespielt hat. Aber ein Slytherin ist nicht gleich ein Slytherin, und um nichts in der Welt will ich mit Sandrine oder meinem Vater verglichen werden. Sandrine ist keine Frau, sondern ein Monster in Menschengestalt. Tanadryl ist ihr Sohn, wusstest du das?"

„Was?! Aber ..."

„Aber darum geht es hier gar nicht. Im Moment geht es um dich und mich, oder? Ich kann es nicht ändern, ich bin nun mal ich. Entweder du akzeptierst das, und nimmst mich so, wie ich bin, oder wir haben keine Zukunft, so einfach ist das. Du bedeutest mir eine Menge, aber ich kann meinen Charakter nicht ändern, und zu dem gehört nun mal, dass ich realistisch denke – auch was den Tod von Menschen anbelangt."

Das kam für Draco einer Liebeserklärung so nahe, wie er überhaupt konnte, und Ginny wusste es.

„Ich versuche es. Du hast recht, ich vertraue dir nicht vollständig, warum weiter darum herumreden? Das hat nichts mit der Tatsache zu tun, dass du ein Slytherin bist, sondern weil du Draco Malfoy bist – der Draco Malfoy, der seit ich ihn kenne auf mir rumhackt, auf meinen Freunden, und alles getan hat, um wie das letzte Arschloch auf Erden dazustehen. Ich arbeite daran, das Vertrauen aufzubauen, was du von mir forderst. Aber das geht einfach nicht in ein paar Wochen, verstanden?"

Ginny stellte sich auf die Zehenspitzen und küsste ihn entschlossen. Einen Moment dachte sie, er würde sie von sich schieben, aber dann umschlang ein Arm ihre Schulter und zog sie näher heran.

„Du weißt, dass das jetzt der absolut unpassendste Zeitpunkt ist, hier herumzuknutschen, oder?" Er strafte seinen Worten lügen, als er sie zurückküsste und beide Hände in ihren roten Haaren vergrub.


Hogwarts

Beide hatten Pech, der Blick des Wächters war ihnen auch hinter das Portal gefolgt, und die Hogwarts Leute konnten nun jedes Detail sehen.

Nicht nur Snape war der Unterkiefer heruntergeklappt, als er die vorliegende Szene vor sich sah. Die gesamte Familie Weasley sah ebenfalls fassungslos drein.

Remus Lupin verzog keine Miene, Sirius wirkte wie vom Donner gerührt, und Dumbledore konnte nur mit Mühe ein Lächeln unterdrücken.

„Sie spinnt", sagte Fred und rieb sich die Augen.

„Er ist verrückt geworden", brachte Snape heraus.

„Ein wenig Isolation scheint wahre Wunder im Umgang zwischen Slytherin und Gryffindor bewirken." Das war Remus' trockene Stimme.

„Oh, jetzt wird es erst richtig interessant", kicherte der Wächter. „Wartet und seht!"

Doch die nun folgenden Bilder waren nicht mehr im mindesten amüsant.