Leon hielt Angelas Hand.
Er saß neben ihr.
Es hatte nicht lange gedauert, sie in dem großen Krankenhaus zu finden. Sie hatte noch immer in der Notaufnahme gesessen. Was genau mit Rebecca hinter diesen Türen geschah, wusste niemand. Hoffen und Bangen…eine üble Mischung.
Leon ließ seinen Blick durch die Notaufnahme schweifen. Es hatten wohl auch andere Menschen einen echt prickelnden Neujahrsanfang. Ihnen gegenüber saß ein Junge neben seiner Mutter. Ein Tuch um die wohl verbrannte Hand. Auf der anderen Seite saß ein wartender, der wohl etwas ins Auge bekommen hatte und gerade wurde links eine Frau durchgeschickt, sie üble Verbrennungen am Bein hatte. Die Strumpfhose hatte wohl Feuer gefangen.
,,Blödes Feuerwerk…" murmelte Leon, ,,…hab ich noch nie gemocht."
Angela legte müde ihren Kopf an seine Schulter: ,,Ich hasse Feuer auch…" sie dachte an ihren Bruder Curtis zurück. Er hatte sein Haus in Brand gesteckt, wo er einst mit seiner Familie, die in Raccoon City umgekommen war, gewohnt hatte und war dann zu WilPharma gegangen, um sich selbst ein Ende zu setzen. Damals, beim Harvardville-Vorfall.
,,Bist du müde, Liebling?" Leon hatte den Kopf zu ihr gedreht.
Sie nickte: ,,Ich hoffe, sie packt das…" Im Krankenwagen hatte es alles andere als rosig für Rebecca ausgesehen.
Neben ihr saß Carlos, der sich nach vorne lehnte, das Gesicht in seine Hände vergrub, diese auf den Knien anstützte. Dieser Abend war eine Katastrophe gewesen und jetzt, da er seit fast einer Stunde schon hier saß, kaute die Nervosität zweisam an ihm. Zum einen betet er drum, das seine Frau durchkommen würde und zum anderen hoffte er, das Jill und den Zwillingen nichts passiert war. Alles war seine Schuld!
Er hasste sich. Wie hatte er sich so vergessen können?
Leon sah zur Seite, da sich ihm etwas, nein, jemand näherte und sein Blick hellte sich auf: ,,Chris!"
Auch Angela und Carlos sahen hin.
,,Hey…" begann die Polizistin, ,,…wie geht es Jill? Ist alles okay?"
Erschöpfte setzte sich der Agent neben seinen besten Freund, beachtete Carlos mit keiner Wimper. Er blendete ihn einfach aus und schluckte, ehe er nur knapp nickte.
,,Dann ist nichts passiert?" bohrte Leon nach.
,,Nicht fiel…" Chris wurde detaillierter, ,,…Eine Ärztin hat Jill sehr genau untersucht und einen Ultraschall gemacht. Die Zwillinge sind okay, allerdings hat eines der Kinder durch den Sturz direkt auf der Hohlvene gelegen, der Blutfluss in Jills Körper wurde eingeengt und dadurch ist ihr Kreislauf zusammengesackt und dadurch ist sie eben…bewusstlos geworden…"
,,Ist das was ernstes?" fragte Angela.
Chris schüttelte den Kopf: ,,Nein, nur wenn es länger andauert oder häufiger vorkommt, aber die haben ihr gesagt, wie sie sich am besten hinzulegen hat. Sie haben ihr auch ein Beruhigungsmittel gegeben…eben wegen der ganzen Sache heute und sie wollen sie bis morgen da behalten."
Carlos war zumindest in dem Punkt erleichtert. Er hatte gemerkt, das er heute wirklich zu weit gegangen war.
,,Was gibt es neues von Rebecca?" Chris sah in Angelas Augen, dann in die von Leon und beide zuckten mit den Schultern, was seine Frage beantwortete. Er seufzte und wartete…
Jill seufzte leicht. Kam nur langsam zu sich.
Sie fühlte, das jemand ihre Hand hielt, ihr über den Handrücken strich und versuchte die Augen aufzuschlagen. Mit Erfolg.
Chris saß neben ihrem Bett, lächelte sanft.
Die Blonde Frau überlegte. Sie war noch immer im Krankenhaus, draußen war es bereits heller Morgen.
Was war passiert? Und schlagartig fiel es ihr wieder ein.
Urplötzlich stemmte Jill sich hoch: ,,Rebecca!…" sie blickte in die Augen ihres Ehemannes, der sie sanft wieder zurück in das Bett drückte.
,,Bleib liegen, Jill…"
Sie gab nach, legte sich zurück auf die linke Seite, blickte zu ihrem Bauch und ihre Hand glitt sanft darüber. Ihre Kinder waren noch immer rastlos.
Chris legte seine Hand neben ihre, fühlte es ebenfalls: ,,Wie geht es dir, Jill?"
Die Blondine überlegte, sie konnte es kaum sagen: ,,…Ich weiß nicht…müde, glaube ich…"
,,Dann wirkt das Beruhigungsmittel noch, lass es langsam angehen, ja?…" er sah zu ihrem Bauch, ,,…die Beiden protestieren ganz schön?"
Jill nickte: ,,Ja, ich glaube, ich habe da eine ganze Footballmannschaft drin…" ihr war nicht entgangen, das Chris versuchte fröhlich zu sein. Sie konnte es ihm nicht verübeln, auch er musste sich um die Kinder gesorgt haben. Sie waren zum Glück mit einem blauen Augen davon gekommen, alle, außer vielleicht Rebecca?
,,Chris…" begann Jill, ,,…wie geht es ihr?…Lebt sie?"
Chris sah Jill in die Augen, nickte knapp und sah, wie seine Frau erleichtert die Augen schloss.
,,Oh Gott sei dank!"
,,Jill…" Chris wartete, bis sie ihn wieder ansah, ehe er weiter sprach, ,,…es gibt da noch einiges, was ich dir sagen muss…"
Sie stürzte die Lippen. Sorge und Furcht spiegelte sich in ihren Augen.
,,…Rebecca wurde schwer verletzt…" Chris schniefte, hielt weiterhin Jills Hand, ,,…Sie hatte innere Blutungen, ihr Bein ist gebrochen und sie hat eine schwere Gehirnerschütterung…"
,,Aber sie wird doch wieder, oder?…" Jill schluckte, drückte seine Hand, ,,…Rebecca wird gesund, nicht wahr?"
Er konnte ihr nichts vor machen, er musste ihr die Wahrheit sagen, die er selbst noch nicht ganz realisiert hatte. Schwer fiel es ihm, da er wusste, was Rebecca Jill bedeutete, was Rebecca ihnen allen bedeutete.
,,Jill…" Chris zuckte mit den Schultern, ,,..sie liegt im Koma."
Ein Schock schlug ein, der sich in schwiegen hüllte. Sie konnte in diesen Momenten nicht begreifen, was diese letzte Nacht verändert hatte…
,,….Koma…" Kathy schüttelte nur den Kopf.
Gerade hatte Barry es ihr gesagt, da er mit Chris telefoniert hatte.
Sie befanden sich beide in der Küche ihres Hauses, neben dem Tisch an dem Eric saß und seinen Frühstücksmüsli löffelte.
,,…Ja, wissen die Ärzte schon, wann sie wieder aufwachen wird?"
Barry schüttelte den Kopf: ,,Nein…es ist noch nicht zu sagen…" er schluckte, stellte sich vor seine Frau und nahm deren Hände, ,,…Chris meinte, die wissen ja selbst noch nicht einmal genau, was Rebecca im Koma hält, sicher ist ihre Kopfverletzung schuld, aber die genaue Ursache ist noch nicht bekannt, auch nicht, ob eventuell, sollte sie wieder aufwachen, bleibende Schäden zurück bleiben."
Erschüttert nahm Kathy auf einem der Stühle am Esstisch platz. Sie blickte ins Leere.
So hatte sie sich ihre Wiederversöhnung mit ihrem Ehemann nicht vorgestellt. Es hatte nicht so enden sollen, es hatte schön und liebevoll sein sollen. Ein ruhiges Silvesterfest mit all ihren Freunden, doch nur wegen Carlos war alles aus dem Ruder gelaufen.
,,…Wo ist Mommy?…" Eric sah den beiden erwachsenen zu, trank seine Milch und leckte sich die leinen Lippen sauber.
Kathy drehte sich zu ihm, lächele dann liebevoll und strich dem Kind durch die braunen Locken: ,,Sie und dein Vater sind bald wieder da, okay? Und so lange, darfst du noch etwas bei Onkel Barry und mir bleiben, gefällt dir das?"
Eric nickte: ,,Mag Schlitten fahren…"
Sie lachte einmal mehr, tauschte kurz einen Blick mit Barry und dieser war es, der sich dann an das Kind wandte: ,,Okay, wenn du aufgegessen hast, dann hilft Kathy dir deine Schneeschuhe und deine Jacke anziehen und dann gehen wir raus in den Garten."
,,Ja!…" Eric freute sich, wandte sich weiter seinem Frühstück zu.
Barry sah auf ihn herab und innerlich wurde ihm warm. Er mochte den Jungen wirklich sehr und ja, Eric war Chris wirklich aus dem Gesicht geschnitten.
,,Können wir denn irgendwas tun?" wollte Kathy wissen.
,,Nein…" entgegnete Barry, ,,…es liegt jetzt allein an Rebecca. Chris sagt, er und Jill kommen Eric abholen, nachdem die Visite durch ist…" er stürzte die Lippen und atmete schwer durch, ,,…Ich hoffe Carlos weiß, was er angerichtet hat."
Kathy nickte: ,,Er weiß es…" sie blickte ihrem Ehemann in die Augen, ,,…glaub mir, er weiß es…"
