Disclaimer: Nichts gehört mir; Übersetzung aus dem Englischen (Original von coffeeonthepatio).
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Syntaktische Strukturen:
Ein Ergebnis der formalen Erforschung grammatischer Strukturen ist, dass ein syntaktischer Rahmen offengelegt wird, der semantische Analysen unterstützen kann. Bedeutungsbeschreibungen verweisen nützlicherweise auf diesen zugrundeliegenden syntaktischen Rahmen, obwohl systematische Betrachtungen offenbar nicht hilfreich sind, um ihm überhaupt erst zu untersuchen.
Der Begriff ‚strukturelle Bedeutung' scheint jedoch im Gegensatz zu ‚lexikalische Bedeutung' durchaus fragwürdig zu sein, und es ist anfechtbar, dass die in einer Sprache vorhandenen grammatischen Elemente regelmäßig genug genutzt werden, sodass ihnen direkt eine Bedeutung zugewiesen werden kann. Nichtsdestotrotz finden wir viele wichtige Korrelationen, logischerweise, von syntaktischen Strukturen und Bedeutungen; oder wir stellen, anders gesagt, fest, dass grammatische Elemente ziemlich systematisch genutzt werden. Diese Korrelationen könnten Teil des Gegenstandes für eine allgemeinere Sprachtheorie, die sich mit der Syntax und Semantik und ihren Verbindungspunkten beschäftigt, bilden.
(nach Chomsky, 1957)
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Draco zog schnell in Betracht, in Richtung der Universität Manchester zu apparieren und dann seinen Weg zu Aideen zu suchen, doch er nahm an, dass es nicht helfen würde. Er würde sie ewig suchen, würde vermutlich dabei gesehen werden, wie er Magie benutzte, würde sie wahrscheinlich nicht einmal finden, und so entschied er sich, einfach nach Hause zu gehen. Er hatte, naja, Verdacht sowohl in Grangers als auch in Potters Kopf gesät. Doch andererseits hatte er vermutet, dass sie es schon zuvor gewusst hatten. Dass sie einfach mit der Tatsache leben konnten, dass willkürlich ausgewählte Leute (naja – relativ willkürlich) illegal unter Drogen gesetzt wurden. Und es war egal. Er wollte nie wieder etwas mit dem Ministerium zu tun haben.
Er apparierte, wie immer, in Mrs Callaghans Garten, hinter den großen Busch, und lief dann durch Severus' Garten zur Haustür. Eleanor Callaghan hatte ihm einen Schlüssel gegeben und er benutzte ihn. Er hätte Alohomora benutzen können – doch manchmal waren Muggel in ihrem Haus, Aideen war dagewesen und sie wusste nicht, dass er ein Zauberer war. Und das Klicken der Tür, das Geräusch, welches der Schlüssel im Schloss machte, das fehlte, wenn er den Schlüssel nicht benutzte. Er warnte die Menschen dort drinnen vor, dass er hereinkam, und Mrs Callaghan wollte diese kleine Vorwarnung. Wollte ihn grüßen und kam ihm üblicherweise entgegen, empfing ihn im Flur, wenn sie ihn beauftragt hatte, Essen oder eine Zeitung oder etwas Anderes zu besorgen.
Nicht dieses Mal. Er hörte ihre Stimme aus der Küche und eine andere Stimme, die er kannte. Seine Augen weiteten sich und sein Magen krampfte.
Diese Stimme, diese andere Stimme, die er hörte – sie gehörte – zu seiner Mutter. Seine Mutter. Narcissa Irma Malfoy.
Draco war sich unsicher, was er tun sollte. Offenbar gab es nur zwei Möglichkeiten – bleiben oder davonrennen. Severus würde immer noch nicht zu Hause sein, seine Hintertür hatte verschlossen ausgesehen. Aideen finden, naja, er hatte darüber nachgedacht. Herumwandern? Ein Feigling sein? Er schüttelte den Kopf und holte schnell zwei Mal tief Luft, ließ die Luft scharf zwischen seinen Zähnen rauszischen.
Die Tür zur Küche war nur einen Spalt breit offen und bevor er sie aufdrückte und eintrat, lauschte er einen Moment.
„Ich möchte wirklich, dass er nach Hause kommt," sagte seine Mutter.
Mrs Callaghan seufzte leicht und Draco hörte, wie etwas in eine Tasse gegossen wurde – vermutlich Tee. Sehr wahrscheinlich Tee. Er kannte sie. Und seine Mutter genoss in der Tat eine gute Tasse Tee. Zumindest wusste er das über sie. Doch er würde nicht zurückkehren. Auch wenn sie so klang, als wollte sie wirklich, dass er es tat. Nicht alles war Schuld des Imperius gewesen – das Wegschicken war nicht der Imperius gewesen, das Ausgeschlossen werden, seine Verbannung auf sein Zimmer wie ein Kind war nicht der Imperius auch nicht gewesen.
Und das war der Grund, warum er gegangen war, warum er bei Mrs Callaghan lebte. Nicht nur, weil sein Vater sie mit diesem schlimmen Fluch getroffen hatte, nicht nur, weil er sie mit Zaubern hatte heilen müssen, die er noch nie zuvor genutzt hatte – nein. Hier wurde er wie ein Neunzehnjähriger behandelt. Und trotz der abgeschlossenen Tür und des Misstrauens ihm und Aideen gegenüber, war er jemand, der an Gesprächen teilnahm, der nach seiner Meinung gefragt wurde. Der gebeten wurde, seinen Werkzeugkasten zu benutzen, um Sachen zu reparieren. Der ein Buch über Do-It-Yourself-Projekte geschenkt bekommen hatte und dem erlaubt wurde, diese Projekte durchzuführen. Sachen zu bauen ohne ausgelacht zu werden. Nicht dazu gezwungen zu werden, immer der gute Junge zu sein. Ihm gefiel es in Mrs Callaghans Haus. Ihm gefiel es, dass sein Pate ein Haus weiter wohnte, auch wenn ihre Gespräche begrenzt waren und er die meiste Zeit lang mürrisch war. Ihm gefiel es, Aideen anzugucken und sich nicht rechtfertigen zu müssen, warum er sie mochte. Er mochte die Gemütlichkeit dieses Hauses, den Mangel an vergoldeten Objekten, den Mangel an Gold. Den Mangel an unbequemen Stühlen, den Mangel an nur in silber und grün eingerichteten Räumen. Den Mangel an Himmelbetten. Er mochte die dünne Matratze, auf der er schlief. Und er schlief gut.
Und er liebte es, immer jemanden um sich zu haben. Er liebte es, mit Mrs Callaghan zu reden. Einfach nur zu reden, Mahlzeiten mit ihr einzunehmen.
Nein, er wollte nicht zu seinen Eltern zurückkehren.
„Ich bin mir nicht sicher, dass das vernünftig ist. Ich denke, er braucht eine Auszeit von Ihrer Welt."
„Unsere Welt?" fragte seine Mutter.
„Hexen, Zauberer," antwortete Mrs Callaghan prompt. „Nachdem, was seinem Patenonkel widerfahren ist, und, naja, mir,…"
Draco atmete erneut tief durch und drückte die Tür auf, bevor sie noch mehr sagen konnte. Zudem wusste nur Merlin, was seine Mutter tun würde, jetzt wo sie wusste, dass Mrs Callaghan Kenntnis von der Existenz von Hexen und Zauberer hatte. Er wusste nicht, was seine Mutter in solch einer Situation machen würde. Und wenn er darüber nachdachte, fiel ihm auf, dass er seine Mutter überhaupt nicht gut kannte.
„Hallo Mutter," sagte er mit einem angedeuteten Kopfnicken.
„Draco," er konnte keinen Schock in ihrem Gesichtsausdruck erkennen. Lediglich dieses künstliche Lächeln, das er schon sein ganzes Leben lang kannte – nein – nicht ganz so künstlich. Es war ein winziges bisschen wärmer als üblich. Jedoch kaum erkennbar.
„Hallo Mrs Callaghan," Draco lächelte sie jedoch strahlend an. Konnte sich nicht überwinden, seine eigene Mutter anzulächeln. Zu viel.
„Möchtest du eine Tasse?" fragte sie, ihr irischer Singsang stärker als wenn er mit seiner Mutter sprach.
„Ja, bitte. Danke," lächelte er immer noch; gerade, als Mrs Callaghan aufstehen wollte, beschloss er, zum entscheidenden Schlag auszuholen. „Ich mache ihn mir aber selber," fügte er hinzu und schickte ein kurzes, höhnisches Grinsen in Richtung seiner Mutter; die Frau, die von Hauselfen abhängig war; die Frau, die genau genommen beinahe geweint hatte, als sie die meisten ihrer Hauselfen entlassen mussten. Die den einen stresste, den sie immer noch hatten. Oh nein, sie musste verstehen, dass er nicht so war. Zumindest nicht mehr.
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Systematisch legte er die neu erworbenen Stifte auf den soeben freigeräumten Tisch und zog dann den Reader aus seiner Ledertasche. Er sah noch neu aus, und das, obwohl er ihn in der Universität und im Bus auf dem Weg nach Hause durchgeblättert hatte. Nun verstand er sogar Busfahrten; es war nicht so schlimm, wie er es beim ersten Mal gedacht hatte. Und – Aideen hatte ihm erzählt, dass er eine günstige Fahrkarte, die er einen Monat lang nutzen konnte, kaufen könne und das hatte er getan. Dieses Mädchen war wirklich voller Informationen. Trotz der Tatsache, dass sie sich von vornherein nicht für ihn erwärmt hatte. Und er konnte das verstehen. Gewissermaßen.
Er hatte in dem Laden auch bunte Klebezettel gefunden und hatte diese ebenfalls gekauft und zog sie, mit neuem Enthusiasmus, auch aus seiner Tasche. Er würde etwas zu tun haben. Er konnte darin eintauchen. Und damit, mit diesem Fach, konnte er die Zauberwelt komplett vergessen. Er hatte etwas zu tun und es war unglaublich interessant.
Sorgsam sah Severus auf den Kursplan, schlug dann die Seites des Texts auf, den sie zur darauffolgenden Woche lesen sollten, nahm den grünen Stift erwartungsvoll in die Hand und fing, mit einem Lineal unter den Linien, an zu lesen. Langsam und aufmerksam. Er unterstrich die Dinge, die er als wichtig empfand, und machte sich – zusätzlich – Notizen auf seinem Block. Er würde vorbereitet sein.
Und das hier war – faszinierend. So viele Sachen wurden jeden Tag von so vielen Menschen gesagt – und so wenige Menschen wussten, dass es immer eine zweite Bedeutung gab, dass es immer Raum für Interpretationen gab. So wenige Menschen wussten, wie viel in ihren Gehirnen passierte, schon alleine nur beim Hören eines alltäglichen Ausdrucks wie ‚Guten Morgen'. Irgendwie fühlte er sich, als würde er in ein Geheimnis eingeweiht. Irgendwie fühlte es sich an, als wäre er einer dieser wenigen, die es wirklich verstanden. Die es wirklich wussten.
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Severus war nicht bewusst, dass sich ein Lächeln auf seinem Gesicht ausgebreitet hatte. Ein glückliches und zufriedenes Lächeln, welches niemand für fast dreißig Jahre gesehen hatte. Severus war nicht bewusst, dass er glücklich seufzte, dass er sich streckte, dass er sich gerade hinsetzte und dass sich seine Nase mit dem Duft frisch kopierten Papiers füllte. Severus realisierte nicht, dass er sich, tief in seinem Inneren, fühlte, als streckte er seine Beine wieder, nachdem er sehr lange zusammengeschlagen worden war.
Ihm fiel das Lächeln nie auf. Ihm fiel nie auf, wie schnell sich die Seiten seines Notizblocks füllten, wie schnell er lernte.
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„Glaubst du das wirklich?" fragte Harry, als sie aus dem Aufzug traten.
„Warum sollte er lügen?" Hermine zuckte mit den Schultern, ihr Haar nervte sie ungemein. Das passierte, dachte sie, wenn man das Haus mit nassen Haaren und nur einer Mütze verließ, um eine Erkältung zu vermeiden. Die Locken fielen ihren Rücken buschig herunter, kitzelten ihr Haar und ihre Nacken und ihre Wangen. Irgendwann, versprach sie sich, würde sie sie abschneiden.
„Es ist Malfoy," grummelte er.
„Harry, du weißt, wie es ist," mahnte sie, „in solch einer Situation ist jeder auf einmal verdächtig und er schien eine offensichtliche Wahl zu sein. Zudem hat er uns angeboten, uns seine Erinnerungen zu zeigen. Er muss wissen, dass wir genug gesehen haben, um erkennen zu können, wenn sie verändert wurden. Ich zweifle ganz ehrlich nicht daran, dass das Ministerium davor Halt machen würde, Leute unter Drogen zu setzen.
„Aber Kingsley..."
„Er ist kein Heiliger," sagte sie finster. „Überleg mal, Veritaserum ist verlockend, sein Gebrauch ist verlockend. Es ist so einfach zu wissen, dass man die reine Wahrheit hören wird. Stell dir vor, Muggel hätten den Trank. Niemand würde unschuldig im Gefängnis landen. Und ich denke nicht, dass sie zögern würden, es auch zu benutzen. Warum sollte er nicht? Er hat diese tolle Methode, mit der er an die Wahrheit herankommt und…"
„Aber es ist unethisch," schrie er beinahe.
„Und? Das ist das Ministerium, Harry, kein Kindergarten. Das ist nicht mehr unethisch; sie sind die Leute, die festlegen, was ethisch ist und was nicht," sie rieb ihre Augenbraue. „Ich bekomme Kopfschmerzen. Ich glaube, ich möchte hier nicht sein. Sie können machen, was auch immer sie gerne wollen, aber ich möchte kein Teil dessen sein. Sag Kingsley, dass ich…"
„Hermine?"
„Nein, Harry. Ich habe genug davon, dass Leute denken, sie machen das Richtige, und aber dann solche Methoden benutzen. Wer hat ihm das Recht gegeben, Malfoy unter Drogen zu setzen? Nichts außer sein eigener Argwohn. Und nur weil er ein Todesser war, heißt das nicht automatisch, dass er böse sein muss. Sieh dir Snape an. Er war…" sie schüttelte ihren Kopf. „Ich gehe nach Hause. Ich muss ein wenig Prüfungsstoff wiederholen, was viel wichtiger ist als das hier. Sprich du mit Shacklebolt, guck ob er es rechtfertigen kann. Ich kann es nicht erledigen."
„Aber wir sind schon hier und du bist klüger als…"
Sie schüttelte ihren Kopf erneut und brachte ihn mit einer kurzen Umarmung zum schweigen. „Tut mir Leid. Dieser Ort ist… ich kann hier nicht sein." Sie drehte sich um und wollte gehen, als ein Gedanke ihr plötzlich in den Sinn kam. Sie stoppte und drehte sich halb zu ihm zurück. „Weißt du," begann sie zögerlich, „ich fange an zu glauben, dass Snapes Verfluchung gar keine so schlechte Sache war. Er muss sich nicht mit all diesen korrupten… Menschen herumschlagen. Es ist nicht richtig, Harry. Sie benutzen machiavellistische Methoden und ich… Tut mir Leid."
Er sah sie mit gerunzelter Stirn an und zog dann eine Schulter hoch. „Wenn du dir sicher bist."
„Ich bin mir nicht sicher. Aber ich bin mir sicher, dass ich nicht mit dem Minister reden will. Und Harry?"
„Ja?"
„Nimm kein Getränk von ihm an," sagte sie feierlich und trat zurück in den Aufzug. Ja, sie hatte sich umentschieden. Alles in ihrem Kopf war durcheinandergeworfen – richtig und falsch schienen ihre Plätze getauscht zu haben, Gedanken mussten sortiert werden. Machiavellistische Methoden, ja. Mittel zum Zweck. Egal welches Mittel. Sie hatten nicht Halt davor gemacht, Draco unter Drogen zu setzen. Sie hatten nicht davor Halt gemacht, Snapes Zauberstab zu beschlagnahmen. Wovor würden sie noch nicht Halt machen?
Im Vergleich schien die Muggelwelt derzeit der weniger verrückte Ort zu sein.
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„Draco, dein Vater war nicht er selbst. Er möchte, dass du zurückkommst. Wir müssen unsere Standards bewahren…"
„Standards, die ich niemals erfüllen könnte, Mutter," antwortete er eisig, blickte in ihre kalten Augen, drehte sich dann abrupt zu Mrs Callaghan um und sah in ihre blassgrünen. Augen, die warm und liebevoll waren. Diese Frau hatte ihm mehr Liebe und mehr Verständnis in einigen wenigen Wochen geschenkt, als seine Eltern ihm in seinem ganzen Leben gegeben hatten. In seinem ganzen Leben.
„Wir waren nicht in der Lage…"
„Ich will es nicht hören," rief er wütend und stellte seine Tasse mit einem lauten Knall zurück auf die Untertasse. „Mir wurde gesagt, dass ich dies und das tun musste, da meine Familie es erwartete, da ich meiner Familie gegenüber eine Pflicht hatte. Und was hat es mir gebracht? Was, Mutter?"
„Draco, mein Lieber, kein Geschrei," mahnte Mrs Callaghan sanft.
„Würden Sie uns bitte alleinlassen?
„Es ist ihr verdammtes Haus," fauchte Draco. „Und du glaubst, du kannst sie einfach bitten zu gehen? Was wirst du als nächstes machen, sie verfluchen wie es dein heiliger oh-ich-stehe-so-sehr-unter-dem-Imperius-Mann getan hat? Oder sie mit einem Vergessenszauber belegen, wie Severus' Mutter es getan hat? Das werde ich nicht zulassen," er zog seinen Zauberstab aus der Hosentasche und richtete ihn auf seine Mutter. „Versuch es doch."
„Draco," sagte Mrs Callaghan sanft und legte ihre Hand auf seinen Arm. „Wenn ihr eine Minute allein braucht…"
„Nein, wir brauchen keine Minute alleine. Ich bin fertig mit dir," schrie er erneut. „Du kommst hierher und führst dich auf, als wäre das hier dein Zuhause, du rümpfst die Nase, weil es hier so schmuddelig und muggelhaft ist. Du wirst darüber zusammen mit Vater lachen und wirst diesen Hauselfen herumkommandieren, damit er deine Drecksarbeit erledigt. Du hast noch nie in deinem Leben einen Finger gerührt und du glaubst, du könntest ehrliche, anständige Leute herumkommandieren. Du und Vater. Du hast nie einen Imperiusfluch gebraucht, um mich aus dem Raum zu schicken. ‚Tu, was dir gesagt wurde, Draco'," spottete er. „Nein."
„Draco, wir wollten nur das Beste für dich," sagte seine Mutter sanft.
„Das Beste? War das hier das Beste?" er schob seinen Ärmel zurück und hielt ihr seinen linken, geschädigten Arm hin. Das verblasste Dunkle Mal hob sich, obwohl es nur eine schwache, gräuliche Narbe war, von seiner blassen Haut ab. „Das war das Beste für mich?"
„Du wolltest das, Draco. Wir haben dich nicht dazu gezwungen."
„Ihr habt mich nicht dazu gezwungen? Das ist lächerlich, Mutter. ‚Oh, Draco, wir müssen… dein Vater… Schande… du bist unsere einzige Hoffnung…' Ihr habt mich nicht gezwungen? Was denn sonst?" er stand auf und starrte auf seine Mutter herab.
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Irgendetwas war los, dachte Severus, als er aufhörte, seinen faszinierenden Text zu lesen. Nebenan hörte man Geschrei. Lautes Geschrei. Draco schrie. Er konnte nicht hören, wie Eleanor, sondern wie Draco schrie… dieser Junge verlor seine Beherrschung so schnell und brutal…
Er zögerte keinen Moment lang, wartete nicht und lief durch die Hintertür, zog sich auf die Mauer und sprang über sie. Erstaunlich, wie schnell seine Körperstärke zurückgekommen war. Wirklich erstaunlich. Er kam auf Eleanors Terrasse auf seinen Füßen auf und riskierte einen Blick in die Küche – und seine Augen weiteten sich.
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„Draco!" sagte Eleanor laut und umrundete den Tisch zu der Stelle, wo der Junge neben seiner Mutter stand, mit dem Zauberstab auf ihren Hals gerichtet. Sie legte ihre Hände auf seine Arme und zog sie behutsam, doch mit ausreichend Kraft zu sich, drückte sie an seine Seiten und zog ihn erfolgreich zu sich, umarmte ihn von hinten. „Das darfst du nicht tun," flüsterte sie in sein Ohr. „Du wirst nur in Schwierigkeiten geraten, und das möchte ich nicht."
Er sank gegen sie, seine linke Hand griff die ihre als, im selben Moment, die Hintertür aufgestoßen wurde und Severus, in seinem schönen schwarzen Pullover, dort stand, sein wachsendes Haar hinter die Ohren geklemmt, mit einem seltsamen Gesichtsausdruck.
„Narcissa," sagte er gedehnt mit eisigem Ton. „Stiehlst du wieder Bücher?"
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