Kapitel 28

Die kleine Chartermaschine hatte sie heute von London direkt nach Basel gebracht.
Sie waren vor einer guten Stunde, auf dem Gelände für Privatmaschinen, etwas außerhalb des Flughafens gelandet und standen nun auf dem Basler Bahnhof, wo sie den Zug einfahren sahen, der sie in drei Stunden ihrem Ziel näher bringen sollte.

Durch Recherchen im Ministerium hatte Severus herausgefunden das ein, als Wanderprediger getarnter Zauberer die Rune einst in die Schweiz gebracht und in einer Berghöhle verborgen hatte.

Auf Umwegen und über sehr alte Aufzeichnungen hatten sie die Wanderschaft des "Bruders" nachvollziehen und ihr Zielgebiet merklich eingrenzen können.

Durch einen Lokalisationszauber, den der Schulleiter über einer regionalen Karte gesprochen hatte und durch eine Verbindung mit Raido hatten sie schließlich eine klare Vorstellung davon gehabt, wo sie nach Uruz suchen mussten.

Das Abteil hatten sie für sich allein und nachdem sie ihr Gepäck auf den Ablagen verstaut hatten, hing jeder für einen Moment den eigenen Gedanken nach.

Der Zug fuhr an und Hermine streckte sich auf der einen Seite des Abteils, über die drei Sitzplätze, aus. Severus suchte indes in seiner Reisetasche nach einem Buch und lehnte sich entspannt zurück. Er ließ das Buch jedoch erstaunt wieder sinken, als sie ihren Platz verließ und auf ihn zukam.
Sie setzte sich mit seitlich angezogenen Beinen neben ihn, den Kopf auf seiner Brust, eine Hand auf seinem Oberschenkel und schloss die Augen.

Severus legte das Buch auf die Ablage und schlang wohlig seufzend seine Arme um sie.

"Ich habe dich vermisst", flüsterte er in ihr Haar und hauchte einen Kuss darauf.

Der Zug brachte sie bis in ein kleines Städtchen am Fuße des Berges auf dem sie Uruz lokalisiert hatten.

In einem Hotel im Ort hatten sie zwei Zimmer für diese Nacht gebucht.

Hier würde dann morgen auch der gemütliche Teil der Reise enden und Hermine dachte mit gelindem Grusel an die Bergwanderung, die ihnen bevorstand.

Es gab noch einiges an Vorbereitungen zu treffen, ehe sie Aufstieg wagen konnten und so wurde es Abend, bis sie beim Essen einen Moment der Ruhe genießen konnten.

Sie sprachen nicht viel. Das brauchten sie auch nicht.

Jeder merkte dem anderen an, wie sehr er sich, trotz der zu erwartenden Strapazen, auf diese gemeinsame Zeit, weitab von Hogwarts freute.

Ich habe dich vermisst'

Genau das fühlte Hermine in jedem Moment, in dem er nicht bei ihr war.

Und dass er ihr das sagte, bedeutete ihr unendlich viel.

Wäre da nicht der leise nagende Zweifel an dem Ursprung seiner Gefühle, sie hätte kaum glücklicher sein können.

Nach dem Essen tranken sie noch ein Glas Wein an der Hotelbar und sprachen über Details der morgigen Wanderung.

Hermine beobachtete ihn, wie er den Wein probierte, wie er seine Brille hervorholte um die Karte der Gegend besser lesen zu können, wie er sich seufzend durch die Haare fuhr, als ihnen die Länge der morgigen Tour bewusst wurde.

Es kribbelte sie in den Fingern, ihn zu berühren, doch sie erinnerte sich an seine Reaktion in Italien, wo er eine Liebkosung in der Öffentlichkeit entschieden abgelehnt hatte.

Sie sah ihm entgegen, als er an den Tisch zurückkehrte, nachdem er noch rasch die Möglichkeit einer Übernachtung auf dem Berg geklärt hatte.

Er trug eine schwarze Hose und ein dunkelblaues Hemd und sah, wie Hermine fand, einfach umwerfend aus.

Ob er weiß, dass er im Handumdrehen die Träume sämtlicher Mädchen auf Hogwarts beherrschen könnte, wenn er dort häufiger so auftreten würde wie hier? Wenn sie alle diese kleinen Fältchen um seine Augen sehen könnten, die nur erschienen, wenn er so lächelte, wie er es jetzt tat?'

„Es gibt eine kleine Hütte, in der wir bleiben können... ", sagte er, als er sich setzte.

Hermine stöhnte.

„Bitte sag mir, dass es da fließend Wasser und Strom gibt..."

„Wohl kaum", grinste er. „... aber wir könnten auch zelten... "

Sie hob abwehrend die Hände.

„Ok, ok... ich freu mich ja schon über ein festes Dach über dem Kopf...", lenkte sie seufzend ein.

Nachdem sie ihre Gläser geleert hatten, stand Severus auf.

„Wir sollten jetzt schlafen gehen... morgen liegt ein anstrengender Tag vor uns..."

Hermine nickte, erhob sich und folgte ihm die Treppen hinauf bis zu ihren Zimmern.

Vor ihrer Tür blieben sie stehen und er hauchte einen Kuss auf ihre Stirn.

„Schlaf gut... morgen um sieben machen wir uns auf den Weg... ", sagte er leise und wandte sich ab, um sein Zimmer zu betreten.

oooooooo

Früh am nächsten Morgen, trafen sie sich in der Lobby. Sie hatten sich gestern reichlich Proviant zusammenstellen lassen und konnten daher auf das Frühstück im Hotel verzichten.

Hermine saß mit angezogenen Beinen auf dem großen roten Sofa in der Halle und sah noch ziemlich verschlafen aus. Sie trug eine Jeans und einen hellen Pulli, ihre Haare hatte sie zu einem praktischen Zopf gebunden.

Neben ihr lehnte ein großer Wanderrucksack an einem Sessel und wartete darauf, stundenlang den Berg hinaufgetragen zu werden.

Heute wollten sie den Aufstieg bis zu Sandlerhütte schaffen. Die Höhle auf dem Berg konnten sie nicht in einem Tag erreichen und mussten deshalb in der kleinen Schutzhütte übernachten.

Hier unten war es zwar eigentlich nicht sehr kalt, aber je höher sie ins Hochgebirge kommen würden, desto kälter würde es werden und desto schärfer würde der Wind in ihre Haut schneiden.

Severus trug eine blaue Jeans und einen schwarzen Rollkragenpullover und wie Hermine, hatte er oben auf seinem Wanderrucksack warme Kleidung für die höheren Regionen festgemacht.

Der Weg aus dem Dorf heraus, führte sie vorbei an saftigen Wiesen, auf denen braune Kühe grasten, vorbei an malerischen kleinen Bauernhöfen und hübsch hergerichteten Holzhäusern.

Sie waren schon mehrere Stunden gelaufen und Hermine legte trotz des Gewichts, das der Rucksack hatte, ein schnelles Tempo vor. Sie hatten während der gesamten Zeit nur gehalten, um etwas zu trinken oder gemeinsam die Karte zu studieren.

Der Wind hatte inzwischen merklich aufgefrischt und ein Blick zurück zeigte Severus das Dorf als einen kleinen bunten Punkt, inmitten gewaltiger Bergmassive und breiter grüner Täler.

"Hermine! Warte... ich brauche eine Pause!", rief er ihr hinterher und ließ den schweren Rucksack neben sich auf eine Wiese fallen.

Sie drehte sich spöttisch lächelnd um.

"Bist du etwa schon müde... Professor?", ärgerte sie ihn, als sie sich grinsend neben ihm ins Gras setzte.

"Wenn du damit auf mein Alter anspielen willst, würde ich mich vorsehen..", sagte er lauernd und packte sie dann blitzschnell um die Taille.

Hermine gab einen erschrockenen Laut von sich, ließ sich aber nur zu gern in seine Umarmung ziehen.

Schwer atmend sahen sie sich an, während sie sich langsam einander näherten. Schließlich presste er seine Lippen fest auf ihre.

Sein Kuss war, von der allerersten Berührung ihrer Lippen bis zu dem Moment, da er sich von ihr löste, voller Leidenschaft und wilder Zärtlichkeit gewesen und ließ den Hunger, den er verspürte, nur vage erahnen.

"Wir sollten eine Kleinigkeit essen und dann weitergehen", sagte er plötzlich und fuhr sich mir der Hand fahrig durch die Haare.

Am späten Nachmittag sahen sie schließlich die kleine Hütte etwas weiter oben, geschmiegt an einen Hang, auf einer kleinen Wiese stehen.

Inzwischen hatte es angefangen zu regnen und sie hatten sich dick in ihre mitgebrachten Wintersachen eingepackt.

Der Regen wurde von eisigem Wind begleitet, der jeden Tropfen wie einen scharfen Peitschenhieb auf ihre Haut trieb.

Als Severus die Tür zur Sandlerhütte geöffnet hatte, waren beide völlig durchnässt und sie waren sie froh, endlich ins Trockene zu kommen und ein Dach über dem Kopf zu haben..

Das Innere der Schutzhütte war eher karg eingerichtet. Es gab einen rußigen offenen Kamin mit einem alten Sofa davor, zwei Betten mit dicken Decken, einen Tisch mit zwei klapprigen Stühlen und einen alten Kohleherd.

Vor dem Holzbau gab es einen Brunnen der per Schwenkpumpe bedient werden konnte und eine schmale Holzbank.

Hermine setzte stöhnend den Rucksack ab und zog sich die Kapuze vom Kopf.

Severus tat es ihr gleich, stapelte dann einige Holzscheite im Kamin und entfachte ein wärmendes Feuer.

Sie zündete die Petroleumlampen in der Hütte an und feuerte den Kohleherd ein, um in einer der verbeulten Aluminiumkannen einen Kaffee zu kochen.

Während sie darauf wartete, dass die Kohlen durchglühten stellte sie sich an den Kamin, in dem das Feuer nur zögerlich zu brennen begann.

Sie fror erbärmlich und ihre nasse Kleidung klebte an ihr.

Severus stand neben ihr, und es schien ihm nicht besser zu gehen.

„Ich glaube, ich sollte mich besser mal umziehen", schnatterte sie.

Er nickte und sie gingen zu ihren Rucksäcken, um sich trockene Kleidung zu holen.

Entsetzt musste Hermine feststellen, dass ihr sündhaft teurer Wanderrucksack offensichtlich nicht dicht war... sie zog ein feuchtes Kleidungsstück nach dem anderen heraus.

Severus blickte auf, als er sie fluchen hörte.

Ein amüsiertes Lächeln spielte um seine Lippen, während er ihr zusah, wie sie Kleidung über die Stühle verteilte und sie an den Kamin stellte.

„Das ist nicht lustig!", fauchte sie. „Mir ist schweinekalt... und ich habe nichts Trockenes zum Anziehen!"

Sie sah überrascht auf, als er ihr einen schwarzen Pulli hinhielt.

„Ich habe zwar nur eine Garnitur zum Wechseln dabei, aber ich teile sie gerne mit dir. Schließlich sind wir... Partner. Oder möchtest du lieber die Hose?", fragte er mit einem breiten Grinsen.

Hermine funkelte ihn ärgerlich an, nahm aber den Pulli mit einem leisen „Danke" entgegen.

Severus ging zu dem kleinen Schrank, der neben den Betten stand und öffnete ihn.

Mit zwei groben, grauen Decken kam er wieder auf sie zu.

„Die werden den Rest wärmen", sagte er und begann, sich seine durchnässte Hose auszuziehen, nachdem er ihr eine der Decken gereicht hatte.

Hermine wandte den Blick ab.

Sie hatte ihn schon nackt gesehen...

Du hast sogar mit ihm geschlafen!', erinnerte sie sich.

Aber es war trotzdem eine merkwürdig intime Situation sich so voreinander auszuziehen...

Sie streifte ihre feuchte Kleidung ab und schlüpfte in den Pullover, der umwerfend nach Sandelholz und Severus duftete.

Natürlich war er zu groß und sie krempelte die Ärmel zurück.

Skeptisch sah sie an sich herunter.

Der schwarze Stoff reichte bis zur Mitte ihrer Oberschenkel und die dicken, wundersamerweise trockenen, Socken wirkten auch nicht gerade elegant...

Sie sah auf.

Severus hatte eine neue Hose an und wickelte sich gerade die Decke um den nackten Oberkörper.

„Wehe, du lachst", knurrte sie, seinen Spott erwartend, doch er hielt in der Bewegung inne und sah sie nur mit seltsam nachdenklichem Blick an.

Dann lächelte er, warm und zärtlich.

„Ich glaube, ich bin nicht in der Position, um dich auslachen zu können...", schmunzelte er, auf seinen grauen Überwurf weisend.

Hermines Lippen verzogen sich ebenfalls zu einem kleinen Lächeln.

„Machst du uns einen Kaffee?", fragte sie. „Ich würde gern meine Haare lösen. Sie trocknen dann schneller und ich hasse einen nassen Zopf..."

Er nickte und machte sich daran, Wasser in die Kanne zu füllen, während Hermine das Zopfgummi herauszog und die geflochtenen Haare auflöste.

Sie schüttelte die Haare nach vorn gebeugt über den Kopf aus und warf sie dann schwungvoll nach hinten.

Durch die Feuchtigkeit waren sie noch stärker gelockt als üblich und mit einem Seufzer holte Hermine einen Kamm heraus.

Sie wickelte die graue Decke um wie einen Rock, setzte sich auf den flauschigen Teppich vor dem Kamin und begann, die Strähnen zu entwirren.

„Ich bekomme sie sonst morgen gar nicht mehr auseinander", erklärte sie mit gequältem Lächeln auf Severus' fragenden Blick hin.

ooooooo

Severus stellte die Kanne wieder an die Seite der Herdplatte und ging zu Hermine hinüber.

Langsam ging er in die Knie und hockte sich hinter sie.

„Die sind immer wunderschön.." ,flüsterte er und griff sanft in ihre Haare.

Hermine hob den Kopf ein wenig an und schloss genießerisch die Augen.

Severus' Puls beschleunigte sich als er mit beiden Händen ihre Schultern berührte und mit seiner Wange leicht ihren Kopf zur Seite bog.

Seine warmen Lippen strichen zärtlich über die weiche duftende Haut ihres Halses.

Der Kamin begann langsam, eine angenehme Wärme zu verbreiten und er öffnete die Decke, die er um seinen Oberkörper geschlungen hatte und barg Hermine an seiner nackten Brust.

Seine Hände strichen über ihren Rücken und glitten sanft unter den weichen Wollstoff des schwarzen Pullovers.

Sie war einfach vollkommen... er wusste das er nie mehr ohne sie sein wollte... sein konnte!

Ihre Nähe wärmte seine Seele und hielt ihn fest, wenn er am Abgrund stand.

Bei ihr konnte er ein anderer Mensch sein... war er es von selbst...

ooooooooo

Hermine gab sich mit geschlossenen Augen den Gefühlen hin, die seine Liebkosungen in ihr weckten. Sie hatte noch nie so empfunden... so intensiv... sie wollte sich auflösen unter seinen Berührungen...

Sie wollte nichts anderes mehr spüren, als nur ihn... überall und für immer... sich ihm verlieren...

Als sie sich viel später gemeinsam in eine Decke einwickelten, brannte das Feuer im Kamin hell und warm.

Severus hielt sie liebevoll in seiner Umarmung geborgen und strich ihr eine verschwitzte Strähne aus dem Gesicht.

„ Ich liebe dich, mein Engel.." ,flüsterte er heiser und senkte seinen Mund zärtlich auf ihre warmen Lippen.

Sie hätte beinahe laut aufgeschluchzt, als sie diese Worte ausgesprochen hörte.

Die Liebe, die sie für ihn empfand, schnürte ihr die Kehle zu.

Sein Gesicht mit beiden Händen umfassend löste sie sich aus dem innigen Kuss und blickte ihm in die Augen.

Sie erschienen ihr dunkler und tiefer als je zuvor.

Sie wusste, dass er in ihren Augen lesen konnte, was sie empfand, auch wenn sie es nicht aussprach.

Nach einer Weile löste er sich von ihr und stand auf.

„Willst du etwa keinen Kaffee mehr?" , antwortete er schmunzelnd, auf ihren fragenden Blick

hin.

Dann ging er hinüber zum Herd und stellte die verbeulte Kanne wieder auf die Mitte der Platte.

Hermine lächelte und beugte sich leicht nach vorn, um im Kamin einige Scheite nachzulegen, dann beobachtete sie ihn, während er am Kohleofen stand und den Kaffee zubereitete.

Er bewegte sich ganz ungezwungen in seiner Nacktheit und Hermine genoss es, ihre Blicke auf ihm ruhen lassen zu können.

Sie wusste, dass er sich gut anfühlte... aber erst jetzt wurde ihr deutlich, was für einen aufregenden Körper der Zaubertrankmeister unter seiner Robe verbarg.

Er war sehr schlank... aber ohne schwächlich zu wirken... im Gegenteil... Hermine erschauerte, als sie daran dachte, wie mühelos er sie gerade eben noch an sich und auf sich gezogen hatte...

Sie stand auf und trat leise hinter ihn.

Das Bedürfnis ihn zu berühren war nie lange gesättigt.

Sie konnte es nicht lassen, die Arme um ihn zu schlingen und mit den Lippen die glatte Haut unter seinen Schulterblättern zu schmecken und sein leises Brummen verriet ihr, dass er die Berührung ebenso wie sie genoss.

Wenig später saßen sie in die Wolldecken gewickelt am Kamin und Severus hielt sie in einnehmender Umarmung an seinem Oberkörper geborgen.

Hermine starrte in die Flammen, die Kaffeetasse hatte sie neben sich abgestellt und sich an seine Brust geschmiegt.

Es hätte alles so schön sein können.. doch dieser verdammte Text ging ihr nicht aus dem Kopf.

Sie richtete sich auf, griff wieder nach dem Becher und senkte den Blick auf den dunkelbraunen Inhalt.

„Severus, ich muss dir etwas sagen..."

Sie zögerte. Würde sie damit nicht alles zerstören? Sollte sie nicht einfach glücklich entgegennehmen, was ihr gegeben wurde, ohne nach dem Hintergrund zu fragen?

Doch dieser nagende Zweifel würde sie nicht zur Ruhe kommen lassen.

Sie seufzte.

„Ich habe einen Text gefunden, aus dem hervorgeht, dass wir uns unter dem Einfluss der Runen... einander annähern... und dass das notwendig ist, um die Suche erfolgreich beenden zu können..."

Sie drehte sich zu ihm um, sah ihm in die Augen und wartete gespannt auf seine Reaktion.

ooooooo

Als sie sich aufrichtete und ihn zögerlich ansprach, versteifte er sich innerlich.

Nun wird sie dir sagen, das alles ein bedauerlicher Irrtum war...' ,dachte er leicht panisch.

Insgeheim hatte er sich schon lange gefragt, wann der Tag wohl käme, an dem sie ihm sagte das sie eigentlich nichts für ihn empfand außer vielleicht einer körperlichen Anziehungskraft.

Er wollte diese Worte nicht hören! Noch nicht.. nicht hier... niemals!

Als er sie dann über den Text der „Dreizehn" sprechen hörte, entspannte er sich leicht.

„Dreizehn Steine sollt ihr finden...", zitierte er den Buchtext und nahm ebenfalls seine Kaffeetasse.

„Ich habe das so oft gelesen das ich es auswendig kann, Hermine.", fügte er hinzu und trank einen großen Schluck des starken braunen Getränks.

„Die Bedeutung des Textes ist mir wohlbekannt... und ich denke es ist an der Zeit, dir etwas zu gestehen."

Hermines Kopf fuhr zu ihm herum. Er lächelte schuldbewusst und küsste sie auf die Stirn.

„Ich habe mir zu dem Text meine eigenen Gedanken gemacht und habe dir zweimal heimlich einen Trank gegen die Wirkung der Lichtrunen verabreicht...", er stockte kurz und biss sich auf die Unterlippe.

So, nun war es raus! Er hoffte das sie nicht allzu böse auf ihn sein würde und fügte erklärend hinzu: „Es erschien mir nicht passend, das wir uns einander annähern und ich wollte nicht glauben das es dein freier Wille war, mir nahe zu sein."

Hermine antwortete zunächst nicht, ihr Blick war unergründlich.

Severus nutzte diese Gelegenheit, um weiter zu sprechen.

„Seien wir doch mal ehrlich Hermine. Ich bin nicht gerade der Traum einer jungen hübschen Frau. Ich konnte... ich kann doch nicht hoffen, dass du..."

In seiner Stimme schwangen Bitterkeit und Verzweiflung mit.

„Und du?", fragte sie mit tonloser Stimme. „ Hast du auch davon getrunken?"

Er verzog gequält das Gesicht.

„ Ja, ich habe den Trank schon eher genommen aber er hat nicht gewirkt. Seitdem wusste ich das meine Gefühle nicht mehr den Runen zuzuschreiben waren. Ich wollte einfach, dass du auch die Möglichkeit hast nur das zu tun, was du von dir aus willst."

Seine Augen wichen ihrem Blick aus als er sprach und sahen statt dessen in die knisternden Kaminflammen vor ihnen.

„Severus...", sagte sie leise und legte eine Hand an seine Wange, um ihn zu zwingen, sie anzusehen. „Warum hat der Trank nicht gewirkt?"

Seine Augen fingen ihren Blick auf.

Hermine war intelligent. Sie hatte mit Sicherheit längst herausgefunden, warum der Trank nicht wirken konnte.

Er stellte seine Tasse neben sich auf den Boden und schlang seine Arme um Hermine.

„ Weil...", er schluckte. „ Weil es nicht die Runen sind, die uns diese Gefühle eingeben."

Severus legte seine Stirn auf ihre Schulter.

"Eine Macht, die der Teufel nicht kennt." ,flüsterte er heiser.

ooooooo

Hermine nickte.

„Ja", sagte sie leise.

Ein ungekanntes Glücksgefühl breitete sich langsam in ihr aus. Was er für sie empfand, war nicht von den Runen bestimmt...

„Du wolltest es nicht wahrhaben... ", stellte sie fest.

Warum sonst sollte er nach einem Banntrank gesucht haben?

„Nein, ich habe nicht daran geglaubt. Als der Trank bei mir nicht gewirkt hat, habe ich beschlossen es hinzunehmen."

Er sprach leise aber bestimmt. Wieder schwang Bitterkeit in seiner dunklen samtigen Stimme mit.

„Aber als wir uns immer weiter annäherten, blieb mir als letzter Ausweg nur, dir den Trank zu geben damit du dich wieder von mir zurückziehen konntest. Ich hätte nicht mehr in den Spiegel sehen können, wenn ich es ausgenutzt hätte, das du unter dem Bann der Runen stehst."

Er kniff seinen Mund zu einer schmalen Linie zusammen. „Bist du mir sehr böse?" , fragte er leise.

Statt einer Antwort beugte Hermine sich vor und küsste ihn sanft. Zuerst auf die Stirn, dann auf die Wangen und schließlich auf den Mund.

Dann löste sie sich wieder von ihm und sah ihm in die Augen.

„Ich habe mich nicht zurückgezogen... und werde es auch jetzt nicht tun", sagte sie fest.

Er erwiderte ihren Kuss und lächelte erleichtert, als sie sich von seinen Lippen gelöst hatte.

„Ja, und genau das ist es, was ich nicht verstehe." ,sagte er leise und umfasste ihr Gesicht mit beiden Händen. " Was siehst du nur?", seine schwarzen Augen blickten sie fragend an.

Dann stand er auf. Hermine schlang die Decke fester um sich und ging hinüber zu dem wacklig aussehenden Bett.

„Wir sollten jetzt schlafen gehen" Seine Stimme war weich und klangvoll wenn er mit ihr sprach. Nicht so brachial und hart wie er sie in Hogwarts einsetzte.

Nachdem er noch einige Scheite im Kamin nachgelegt hatte, schlüpfte er zu ihr unter die Decke und Hermine schmiegte ihren Körper in seine Arme.

Sie hob den Kopf, um ihn noch einmal behutsam auf den Mund zu küssen.

Und nach diesem letzten Kuss legte sie den Kopf auf seine Brust, wohlig umfangen von seiner Umarmung.

Die vielen offenen Fragen, die ihr im Kopf umherschwirrten schrumpften bis zur momentanen Bedeutungslosigkeit, während sie glücklich seinem Herzschlag lauschend, einschlief.