Bellas Sicht:

"Bella, bitte sieh nach ihm. Nur ein einziges Mal.", schluchzte Irina.

Sie wollte, dass ich nach Laurent sah?

Dem Mann, der ihr das Herz gebrochen und sie so zugerichtet hatte?

"Ich...ich weiß nicht. Irina, wieso? Ich dachte wir wollten sie vergessen.", begann nun auch ich zu schluchzen.

"Bitte! Bella, wie könnten wir sie jemals vergessen? Wir gehören ihnen. Wir haben ihnen unwiderruflich unser Herz geschenkt und da spielt es keine Rolle, ob es noch schlägt oder nicht."

Natürlich hatte sie Recht.

Es würde niemals einen Anderen für uns geben.

Wir würden uns immer nach ihnen verzehren.

Doch ich hatte Angst sie zu sehen. Das war auch der Grund, weshalb ich niemals meine Gabe eingetzt hatte, um Edward zu sehen.

Was wenn er eine Andere hätte?

Was wenn Laurent eine Andere hätte?
Was sollte ich Irina denn dann sagen?

Die Wahrheit?

Wohl kaum.

Ich überlegte und überlegte und doch kam ich zu keinem Ergebnis.

Beide Möglichkeiten hatten Vor-und Nachteile.

"Bella?", fragte Irina nach einiger Zeit, in der ich immer noch nicht geantwortet hatte.

"Ich weiß es nicht. Bist du dir wirklich sicher, dass du das willst. Und damit meine ich wirklich ganz sicher. Kommst du mit der Antwort klar, egal wie sie ausfällt, Irina?", meinte ich unsicher.

Ihr ging es schon schlecht genug. Was wenn es noch schlimmer werden würde?

Sie zuckte unmerklich zusammen, aber dennoch hatte ich es gesehen. Meinen Vampirfähigkeiten sei Dank.

"Ja, ich bin mir sicher.", antwortete sie, wobei sie sich allerdings genau nach dem Gegenteil anhörte.

Prüfend sah ich sie an, doch wider Erwarten merkte ich, dass sie es wollte.

Ich seufzte ergibig.

Wie konnte ich bei so einem herzzereißendem Anblick auch nein sagen.

Ich nickte ihr leicht zu und zu meiner Überraschung lächelte sie. Es war kein halbherziges oder trauriges Lächeln. Nein, es war glücklich. Sie lächelte wie vor Jahren das letzte Mal.

Ich konnte nicht anders und erwiderte es. Es fühlte sich unglaublich seltsam an, ungewohnt und irgendwie falsch. Doch was sollte man daran ändern, wenn man zwei Jahre lang nur traurig reingeblickt hatte?

Ich begann mich auf Laurent zu konzentrieren. Wie ich ihn das erste Mal gesehen hatte. Unsere Ausflüge, als er mir Freundschaft geheuchelt hatte. Und schließlich die Bilder von dem Laurent, der mich töten wollte.

Was ich sah, ließ mich erstarren.

Laurent befand sich im Haus der Cullens. Doch das war nicht das Schlimmste. Nein. Er befand sich in einem Raum, der mir nur allzu bekannt war. Edwards und meinem Zimmer. Doch auch das war nicht das Schlimmste. Das Schlimmste war derjenige, den er anstarrte. Edward. Doch das war nicht der Edward, den ich in Erinnerung hatte. Nein, er wirkte vollkommen leblos, wie er da auf dem Bett hing und eins meiner alten Kleidungsstücke an sich drückte. Er sah aus als würde er weinen und seine Augen waren pechschwarz. Als ich das Bild genauer betrachtete, fiel mir erst auf, was er die gesamte Zeit vor sich hin murmelte. Meinen Namen. Immer und immer wieder. Es war furchtbar zu sehen, wie er dann auch noch von Schluchzern geschüttelt wurde.

"Edward, bitte reiß dich endlich zusammen. Wir haben ein Jahr nach ihnen gesucht. Überall auf der Welt. Sie wollen nicht gefunden werden und werden auch niemals zu uns zurückkommen. Egal wie schrecklich das ist, wir müssen es akzeptieren.", redete Laurent auf ihn ein, doch Edward schüttelte nur den Kopf. Das Einzige, was er sagte, war mein Name. Er gab keine Gefühlsregung von sich. Fast so, als hätte er ihn nicht gehört.

Laurent seufzte niedergeschlagen und fuhr mit sanfter Stimmer fort:"Edward, ich weiß was das für ein Schmerz ist. Ich fühle ihn doch genauso wie du. Denkst du etwa, dass ich mir nicht mit jeder Faser meines Körpers Irina herbeiwünsche? Denkst du, ich würde sie nicht mehr lieben? Dass ich mich nicht innerlich tot fühlen würde?"

Dann hielt ich es nicht mehr aus und löste die Verbindung. Ich blickte direkt in Irinas Augen, die mich besorgt musterten. Erst jetzt bemerkte ich, dass ich weinte. Ohne wirklich darüber nachzudenken sprang ich auf und rannte los.
"Bella!?", hörte ich Irina noch erschreckt rufen. Doch das war mir momentan vollkommen gleichgültig.

Konnte es sein, dass er genauso litt wie ich?

Wenn man den Bilder Glauben schenken konnte, dann ja.

Doch warum?

Aber selbst diese Gedanken konnten mich nicht daran hindern, zu ihm zu laufen, denn tief im Inneren wusste ich, dass er mich brauchte.

Hallo Leute! Ich hoffe es hat euch gefallen.

Vielen Dank für eure Reviews.

Bitte reviewt!