Sie umklammerte die Gitterstäbe, als wären sie ihr Anker. Als wären diese kalten dünnen Metallstreben das Einzige, das sie daran hinderte, zusammenzubrechen.

„Warum Kaito? Sag mir, warum. Ich verdiene eine Antwort, meinst du nicht auch?"

Und natürlich glaubte sie, es gäbe eine einfache Antwort. Einen einfachen Grund, eine einfache Wahrheit. Sie hatte die Welt schon immer in Schwarz und Weiß unterteilt.

Und eigentlich wollte er nicht derjenige sein, der sie dazu zwang, die verwirrenden Grautöne zu sehen.

Eigentlich wollte er nicht derjenige sein, der ihr Weltbild zerstörte.

Und ganz bestimmt wollte er nicht derjenige sein, der sie in sein Verderben mitriss.

Warum war er Kaito Kid geworden?

Weil er die Mörder seines Vaters finden wollte.

Weil er die Mörder seines Vaters zur Rechenschaft ziehen wollte.

Weil er die Mission seines Vaters vollenden wollte.

Weil er den Helden spielen wollte.

Weil es Spaß gemacht hatte.

Kaito lehnte lächelnd nach vorne; sah ihr direkt in die Augen. „Es hatte Spaß gemacht."

(Denn die besten Lügen sind die, die ein Körnchen Wahrheit enthalten.)

Er sah die verschiedensten Emotionen über ihr Gesicht flackern: Enttäuschung und Schmerz und Trauer und Wut und dann, endlich … Resignation. Es war ihm schon immer leicht gefallen, sie zu lesen. Und er wusste, was als nächstes kommen würde:

„Schön." Ein letztes Wort, voll kalter Verachtung.

Sie wandte sich ab; ihre Schritte hallten durch kalte Korridore.

Er sah ihr hinterher und begriff, dass er nicht nur in einem, sondern in zwei Gefängnissen feststeckte. Das erste bestand aus Gitterstäben. Das zweite aus Geheimnissen, Ängsten und Lügen.