Disclaimer: Die handelnden Personen und die Orte an denen die Geschichte spielt, sind das geistiges Eigentum von Joanne K. Rowling. Ich beabsichtige nicht, mit dieser Geschichte Geld zu verdienen, sie dient lediglich der Unterhaltung. Mir gehören nur Jane Baker, Nicole Smith, Sarah Black, Sophie Evans, Lucy Potter, Samantha Lestrange, Debbie Grant und Josh Black, sowie einige unbedeutende Nebencharaktere.
Die Rebellion des Phönixorden
Kapitel 27
Dunkelheit und Licht
Der Tagesprophet Montag, 27. Januar 1997
Das Geiseldrama von Hogsmeade
von Rita Kimmkorn
Die neue Regierung hatte in den letzten Monaten immer wieder mit schweren Problemen zu kämpfen, doch das Drama, dass sich am Wochenende in Hogsmeade abspielte, bleibt bislang beispiellos.
„Ich bin schockiert," sagte Bellatrix Lestrange, Ehefrau des Zaubereiministers, „wir wussten, dass die Rebellen des Phönixordens nicht vor Gewalt zurück schrecken, doch was am Wochenende passiert ist, ist absolut erschreckend."
Doch was genau ereignete sich eigentlich in den letzten beiden Tagen in dem bekannten Dorf, das als einziges in Britannien nur Zauberer und Hexen beherbergt?
Die Todesser-Brigade hatte den Hinweis bekommen, dass sich im Dorf ein Rebellenring angesiedelt haben könnte, der versuchte auch den Rest des Dorfes zu einer offenen Rebellion anzustiften. Die Regierung sah sich gezwungen, gegen diesen Rebellenring vorzugehen und somit wurden die Dorfbewohner zu Verhören ins Ministerium gebracht. Tatsächlich erhärtete sich der Verdacht und es kristallisierte sich heraus, dass fünf Paare im Dorf Hogsmeade tatsächlich zu den Rebellen des Phönixorden gehören und versuchten, im Dorf mehr Menschen anzuwerben.
Während die Paare nach Askaban gebracht wurden, wurden ihre Kinder unter die Aufsicht der Regierung gestellt. Als die Todesserbrigade nun die übrigen Bewohner des Dorfes zurück zu ihren Wohnstätten geleitete, kam es zum großen Drama. Weitere Mitglieder des Phönixorden starteten einen hinterhältigen Angriff, in Folge dessen es dreizehn Tote zu beklagen gibt. Außerdem wurden weitere 137 Dorfbewohner entführt.
Der Phönixorden fordert nun einen Austausch der inhaftierten Rebellen, gegen die entführten Dorfbewohner. Sollte dieser Austausch nicht erfolgen werde dies „verheerende Folgen für die Geiseln, haben."
Was genau diese „verheerenden Folgen" sein sollen, kann nur spekuliert werden, doch ein Regierungssprecher sagte dem Tagespropheten, man müsse vom „schlimmsten ausgehen."
Auch Zaubereiminister Rodolphus Lestrange stand für einen Kommentar zur Verfügung.
„So schwer es mir fällt dies zu sagen, doch die Regierung muss nun ihre Stärke unter Beweis stellen. Wir sind nicht erpressbar. Wir haben Rebellen fest genommen und wir werden diese Rebellen nicht wieder frei lassen. Natürlich legt die Todesserbrigade derzeit ihre ganze Energie in die Suche nach den Geiseln und wir hoffen, dass sie erfolgreich sind, ehe es zu spät ist."
Der Phönixprophet, Mittwoch 29. Januar 1997
Ein großer Verlust
Die Zaubererwelt ist in ihren Grundfesten erschüttert. Zumindest kommt es jenen so vor, die am gestrigen Tag die Gedenkfeier zu Ehren von Albus Percival Wulfric Bryan Dumbledore besuchten, der am Sonntag Morgen von Lord Voldemort ermordet wurde.
Dumbledore war der wohl beliebteste Schulleiter den die Hogwartsschule für Hexerei und Zauberei je hatte. Doch seine erstaunlichen Leistungen als Leiter dieser Schule sind nicht das Einzige, was diesen beispiellosen Zauberer auszeichnete.
Zu Berühmtheit gelangte Dumbledore im Jahre 1945, als er in einem spektakulären Duell den schwarzen Magier Grindelwald besiegte. Nur dreißig Jahre später schickte ein weiterer schwarzer Magier sich an, ebenfalls eine grausame Schreckensherrschaft aufzubauen. Dumbledore gehörte zu den ersten, die diese Gefahr erkannten und er gehörte zu jenen, die sich Lord Voldemort unerschrocken in den Weg stellten. Er kämpfte für die Rechte derer, die Voldemort entrechten will. Schützte jene, die sich selbst nicht schützen konnten und in diesem ehrenwerten Kampf ließ Albus Dumbledore letzten Endes sein Leben.
Doch wir, der Phönixorden, werden sein Vermächtnis ehren. Wir werden nicht vergessen, wofür Dumbledore einstand und wir werden sein Werk fortsetzten, bis zum Ende.
Der Phönixprophet, Montag 3. Februar 1997
Der Preis des Widerstands?
Lord Voldemort zieht neue Register der Grausamkeit.
Gestern, eine Woche nach dem erschütternden Tod von Albus Dumbledore, gab es neue Tote zu beklagen. Wie der Phönixprophet bereits berichtete, war es nicht möglich, alle Bewohner des Dorfes Hogsmeade vor den Todessern zu retten. Einige waren bereits vor Beginn des Rettungsversuchs von den Todessern fort gebracht worden, wobei nicht bekannt ist, wohin, vermutlich jedoch in das Gefängnis Askaban.
Diese Menschen waren fünf Familien, von denen ein oder mehrere Kinder nach der Machtübernahme des Todesserregimes in die Sicherheit der Hogwartsschule zurück gekehrt waren.
Die Schüler, deren Familien in Hogsmeade lebten wurden gestern auf grausame Weise für ihr Handeln bestraft. An jeden dieser Schüler wurde der Kopf eines Familienmitgliedes geschickt. Ein Heuler, von Lord Voldemort selbst, erklärte, dass dies der Preis des Widerstands sei.
Wie lange ist die Zauberergemeinschaft noch bereit, dieses Handeln des Todesserregimes mit zu tragen? Haben Tod und Folter nicht lange genug dieses Land beherrscht? Wollen Sie die nächsten sein?
3. Februar 1997 Hogwarts
Die Köpfe, die Voldemort an die Hogwartsschüler geschickt hatte und die damit verbundene Nachricht hatten eine regelrechte Panik ausgelöst. Voldemorts Stimme war natürlich nur von einem Heuler erzeugt worden, dennoch indem er den fünf Schülern, deren Familien in Hogsmeade gelebt hatten den Kopf eines Familienmitgliedes geschickt hatte, hatte er endgültig auch den Schülern den Krieg erklärt und klar gezeigt, dass er sie zu seinen Feinden zählte und dass sie wie alle seine Feinde dafür bezahlen mussten.
Manche dachten ernsthaft darüber nach, die Schule zu verlassen, wenn dies nur bedeutete, dass ihre Familien dadurch vom Radar der Todesser verschwanden. Padma und Parvati Patil führten gerade eine Diskussion über dieses Thema, was Lucy, die versuchte ein Buch zu lesen, zunehmend auf die Nerven ging.
Harry mischte sich nun in die Diskussion der Zwillinge ein, „Also hört mal, ich glaube ich kann von mir behaupten, einiges über Voldemort und seine Methoden zu wissen. Und er ist nicht gerade dafür bekannt besonders gnädig zu sein. Wenn ihr Hogwarts jetzt verlasst, dann findet und bestraft er euch für die Monate, die ihr hier gewesen seid. Ich an eurer Stelle würde ihnen schreiben, dass sie fliehen oder sich wirklich gut verstecken sollen. Das ist auf jeden Fall besser, als wenn ihr von hier verschwindet und euch zusätzlich in Gefahr bringt."
Und das ausgerechnet aus seinem Munde, dachte Lucy.
„Sag ich doch die ganze Zeit," ereiferte sich Parvati, doch Padma wirkte weiterhin höchst skeptisch.
„Du kannst so was leicht sagen Harry, für dich stellt sich die Frage schließlich gar nicht."
„Ja, weil meine Eltern ohnehin auf seiner Kopfgeldliste stehen, das ist doch eine echte Erleichterung."
Lucy hatte kein Interesse daran, diese doch recht fruchtlose Diskussion noch weiter zu verfolgen und wandte sich daher wieder ihrem Buch zu. Nachdem sie den gleichen Absatz allerdings dreimal gelesen hatte wurde ihr klar, dass ihre Konzentration für diesen Abend wohl ruiniert war. Sie richtete ihr Aufmerksamkeit also auf Ron und Hermine, die in ihrer Nähe saßen und leise miteinander redeten, wobei sie immer wieder besorgte Blicke zu den Patil-Zwillingen warfen.
Sie rückte näher zu den Beiden um ihre Worte verstehen zu können. „...gehört, dass Michael Corner auch gehen will," flüsterte Ron gerade.
„Das wären schon fünf."
Hermine biss sich besorgt auf die Unterlippe.
„Warum macht euch das solche Sorgen?" fragte Lucy verwirrt.
„Wenn sich genug entscheiden Hogwarts zu verlassen ist das doch die ideale Propaganda," erwiderte Hermine leise.
„Wie?"
„Na ja, die Regierung wird sagen: Seht her, hier sind Schüler, die in Hogwarts waren und sie sind vor dem bösen Phönixorden geflohen, damit sie wieder in der richtigen Zauberergemeinschaft leben können."
„Meinst du," fragte Lucy skeptisch, „wer wird das glauben, nach dem er einigen hier die Köpfe ihrer Eltern geschickt hat."
Hermine sah sie mit einem Gesichtsausdruck an, der zwischen Unglauben und Mitleid lag,
„Bitte Lucy, du bist doch nicht wirklich so naiv, oder?"
„Ja, schon klar, offiziell ist so was nie passiert, aber Hermine, die Menschen lesen den Phönixpropheten."
„Und sie werden sich nach Dumbledores Tod mehr denn je hüten, das zuzugeben."
„Und wenn sie tatsächlich glauben, was drin steht," ergänzte Ron.
Lucy kaute einen Moment lang auf ihrer Lippe herum, während sie über das, was die Beiden gesagt hatten nachdachte und kam schließlich zu dem Schluss, dass die Überlegungen der beiden mehr Sinn machten, als ihr lieb war.
„Tja, immerhin bringt er die, die Hogwarts verlassen dann nicht augenblicklich um," stellte Ron trocken fest, „man sollte meinen, das ist positiv."
„Trotzdem, jeder der Hogwarts verlässt, untergräbt das Vertrauen in den Orden."
„Aber vielleicht überlegen einige es sich noch mal?"
Lucy hatte nicht gewollt, dass es sich wie eine Frage anhörte, doch sowohl ihr Tonfall als auch ihr Gesichtsausdruck zeigten, wie wenig sie selbst dies zu hoffen wagte. Alle drei blickten erneut zu den Patil-Zwillingen. Padma nickte gerade und Harry lächelte sie dafür aufmunternd an.
„Er lächelt 'n bisschen zu breit, oder?" murmelte Ron.
„Und warum das?" fragte Hermine.
„Er ist mit Ginny zusammen, oder? Ich finde da sollte er nicht..."
Hermine verdrehte die Augen, „Ron, Ginny sitzt neben ihm. Was er tut, ist weit weniger verfänglich, als was du gerade tust. Du bist immerhin mit zwei Mädchen hier während Lavender..."
Nun war es an Ron, die Augen zu verdrehen, „hör mir mit Lavender auf. Mir wäre es gar nicht so unrecht, wenn sie uns sehen würde. Vielleicht könnte ich auch deine Hand..."
Lucy kicherte während Hermine ihre Hand wegzog.
„Oh nein, Ronald. Wenn du mit deiner Freundin Schluss machen willst, dann ohne meine Hilfe und im übrigen will ich Anthony nicht los werden."
Zu schade, fand Lucy, wenn die beiden etwa zeitgleich Single werden würden, würden sie es vielleicht endlich auf die Reihe kriegen. Wirklich eine Schande, dass es danach im Moment nicht aussah. Sie blendete das Geplänkel der beiden aus und ihr Blick richtete sich auf Harry und Ginny.
Harry hatte seine Aufmerksamkeit von den Zwillingen ab und Ginny zu gewandt. Die beiden lagen jetzt mehr auf dem Sofa als sie saßen und küssten sich. Die beiden als Paar zu sehen kam Lucy noch immer mehr als seltsam vor. Zugegeben, ihre Geschichte war hoffnungslos romantisch (zumindest bis zu dem Punkt, an dem die Todesser ins Spiel kamen). Aber das änderte nichts daran, dass die beiden Harry und Ginny waren. Ihr Bruder und ihre beste Freundin. Aber sie würde sich schon daran gewöhnen, Ginny war ihr jedenfalls deutlich lieber als Cho.
„Nehmt euch ein Zimmer," rief irgendein älterer Schüler und einige lachten.
Doch das Lachen verebbte schnell wieder, das tat es immer, seitdem in der Frühstückspost Köpfe gewesen waren. Lucy hatte den Kopf von Leannes Vater gesehen. Sauber abgetrennt, das Gesicht unversehrt, die Augen geschlossen. Hätte er mich auch so zurück geschickt? Hatte sie sich gefragt. Sie hätte keinen Nutzen mehr für Voldemort gehabt, sobald er Harry gehabt hätte und fast war es soweit gekommen. Wenn nicht sowohl Sam als auch Draco in der Nacht so gehandelt hätten, wie sie es getan hatten, wäre es vielleicht für sie beide zu spät gewesen. Oder hätte Voldemort sie noch ein wenig länger leben lassen, sie noch ein wenig länger gefoltert und ihren Eltern dann die komplette, entstellte Leiche überlassen?
Sie wusste selber, dass ihr diese Gedanken nicht gut taten. Ihre Albträume wurden wieder häufiger und sie verlor sich wieder öfter in düsteren Gedanken und Erinnerungen. So wie jetzt gerade.
Mühsam zwang sie ihre Gedanken zurück ins Hier und Jetzt. Ron und Hermine hatten ihr Geplänkel inzwischen beendet und saßen friedlich nebeneinander, nah nebeneinander.
„Sagt mal," flüsterte Lucy, weil das Thema sie doch noch nicht ganz los ließ, „wie, glaubt ihr, haben diese Pakete und der Heuler es ins Schloss geschafft?"
Keiner von beiden musste fragen, von welchen Paketen sie sprach. Beide tauschten einen Blick.
„Also, wir haben vorhin deine Mutter getroffen und sie danach gefragt," erzählte Ron mit gedämpfter Stimme, „und sie meinte, dass die Schutzzauber es nicht erkannt haben, weil im Grunde nichts schwarzmagisches dran war."
„Also kann Voldemort nach belieben Post an uns schicken, solange er sie nicht verflucht?" fragte Lucy ungläubig.
„Also Lily meinte, sie arbeiten daran."
Die Vorstellung, dass Voldemort sich nicht mal hatte bemühen müssen, um diese schreckliche Post nach Hogwarts zu schicken und dass er es jederzeit wieder tun konnte, jagte Lucy einen kalten Schauer über den Rücken. Sie wusste nicht Recht warum es ihr so viel Angst machte. Ein Brief blieb ein Brief und nicht mal Voldemort konnte jemanden durch einen Brief verletzten. Trotzdem blieb das Gefühl, dass die Möglichkeit Post nach Hogwarts zu schicken Voldemort eine schreckliche Macht über die Schule verlieh.
12. Februar 1997 Godrics Hollow
„Wir müssen ein Zeichen setzen."
„Jetzt? James ich weiß nicht ob das..."
„Es ist eine ausgezeichnete Idee," unterbrach er Sam, „gerade jetzt muss der Phönixorden zeigen, dass er Präsent ist. Das wir nicht den Kopf in den Sand stecken, weil Albus tot ist."
„Und was genau soll das für ein Zeichen sein? Das noch mehr bereit sind sinnlos zu sterben?"
„Niemand hat vor sinnlos zu sterben," schoss James zurück.
„Warum müsst ihr beiden eigentlich immer Diskutieren?" fragte Sirius müde.
„James Pläne sind in fünfundneunzig Prozent der Fälle vollkommen Wahnsinnig."
„Was der Grund dafür ist, dass sie funktionieren," erwiderte dieser.
Sirius lachte. „Okay, schön und was genau soll dein Zeichen sein?"
„Wir müssen wieder Todesser festnehmen."
„Das hatten wir doch schon," erinnerte Sam ihn, „es ist zu riskant."
„Und was genau würdest du vorschlagen, was wir tun um Voldemort zu Fall zu bringen?" fragte James zornig, „abwarten und nichts tun?"
„Wir wissen doch was zu tun ist," warf Lily mit leiser Stimme ein.
„Und was meinst du?" fragte Sam.
Lily sah Sirius und James an, „Ich finde, wir sollten es ihr sagen."
„Mir was sagen?"
„Ist eigentlich nicht unsere alleinige Entscheidung," meinte Sirius, „aber was soll's."
„Kannst du mit dem Begriff Horkrux was anfangen?" fragte Lily.
„Soll das ein Witz sein? Ich bin in der wohl schwarzmagischsten Familie dieses Landes groß geworden. Natürlich kann ich mit dem Begriff was anfangen."
„Wunderbar, erspart uns einiges an Erklärungen. Voldemort hat Horkruxe geschaffen."
„Horkruxe? In der Mehrzahl?" Sie starrte die drei Auroren ungläubig an.
„Ich kenne niemanden der es wagen würde einen Horkrux zu schaffen, aber gleich mehrere... wie viele?"
„Sechs."
„Sechs? Er hat seine Seele in sieben Teile gespalten."
„Ja. Das wiederum bedeutet, bevor nicht alles sechs Horkruxe zerstört sind, hat jeder weitere Versuch ihn zu töten recht wenig Sinn."
„Sechs Horkruxe..."
Noch immer stand Unglauben in Sams Gesicht.
„Drei davon sind bereits vernichtet," fuhr James mit der Erklärung fort. „Es gab einen Becher, der einst Hufflepuff gehört hat, ein Medallion, das Slytherin gehört hat und ein Tagebuch, dass ihm selbst als Schüler gehört hat. Albus hat vermutet, dass seine Schlange ein weiterer ist und dass es noch einen gibt, den er in Hogwarts versteckt hat und was den letzten betrifft, haben wir keinen blassen Schimmer was er ist und wo er sich befinden könnte."
„Also soll ich die Augen offen halten und sehen, ob es irgendwelche Gegenstände gibt, auf die er besonders achtet oder so was?"
„Ja, das wäre gut."
12. März 1997 Aurorenhauptquartier Liverpool
James und Lily spielten Schach als Sams Patronus eintraf.
„Razzia in der Winkelgasse, 10 Todesser, eingreifen nicht zwangsläufig erforderlich."
James war auf den Beinen noch ehe die Nachricht zu Ende war und schickte vierzehn Patroni los um weitere Auroren zu alarmieren.
„Wen hast du alles benachrichtigt?" fragte Lily, während sie ihr Gesicht mit einem Verschleierungs-Zauber versah und zusätzlich eine Maske aufzog.
„Sirius, Alice, Frank, Bill, Charlie, Kingsley, Tobias, Alexandra, Megan, Sandra, Caroline, Max, Doris und Ian. Wir treffen uns an der Kreuzung Charing Cross Road und Phoenix Street."
„Sechzehn gegen zehn, also?" James nickte.
Das war keine totale Übermacht, aber eine solide Überzahl. Er hatte sich inzwischen auf die gleiche Weise getarnt wie Lily.
„Bereit?"
Lily nickte und beide disapparierten. Die Gruppe Auroren war rasch vollständig und James gab ihnen einen schnellen Überblick über die Lage.
„Wir gehen also gleich durch den Tropfenden Kessel rein. Tobias, Alexandra, ihr beide konzentriert euch nur darauf, dass uns nicht durch eine Appariersperre der Fluchtweg abgeschnitten wird. Greift nicht in den Kampf ein, außer ihr habt keine andere Möglichkeit. Alles klar soweit?"
Grimmiges Nicken war die Antwort. Zügig erreichten sie den Tropfenden Kessel. Nur sehr wenige waren in dem Pub, doch diejenigen ließen die Auroren ohne Widerstand passieren. Tobias und Alexandra positionierten sich am Eingang zur Winkelgasse.
„Benachrichtigt uns, wenn die auf diesem Weg Verstärkung kriegen," wies James sie an.
Beide nickten nur knapp. Die übrigen Auroren rückten weiter vor, dabei bemüht, jede Deckung auszunutzen, die sie finden konnten. James geübte Augen scannten die Umgebung. Die Winkelgasse wirkte wie ausgestorben, absolut niemand war hier. Er bewegte sich mit dem Rücken zur Hausmauer um zu verhindern, dass ihn ein Fluch überraschend von hinten traf.
Diese Stille...
Jedes seiner Nackenhaare stellte sich auf. Dann gellte ein Schrei durch die Gasse und eisige Kälte fegte wie eine Flutwelle über die Auroren hinweg.
„Dementoren!" schrie James, „Patroni, sofort!"
Seine Finger, die den Zauberstab fest umschlossen fühlten sich klamm an. Er dachte an Harrys Geburt, eine Erinnerung die wohl niemals an Kraft verlieren würde.
„Expecto Patronum!"
Sein Hirsch galoppierte davon, wissend, wo die Dementoren waren, die James selbst noch nicht sehen konnte. Seine Kollegen und Freunde hatten ebenfalls ihre Patroni beschworen und eine Vielzahl silbrig-schimmernder Tiere stob davon, in die Richtung, aus der der Schrei gekommen war. Hinterher, bedeutete James ihnen mit einem Handzeichen und die Truppe setzte sich erneut in Bewegung.
Die Kälte war für den Moment gewichen, doch sie konnten sich nicht sicher sein, dass die Patroni sämtliche Dementoren verscheucht hatten. Und wo blieben die Todesser? Mehr und mehr warnten seine Instinkte ihn weiterzugehen. Aber er konnte jetzt keinen Rückzieher machen, nicht wenn er mit sechzehn Leuten hier war und jemand ihre Hilfe brauchte. Sie bewegten sich weiter, entlang an Hauswänden und leeren Schaufenstern. Der Schrei war das einzige Lebenszeichen gewesen, seit sie die Winkelgasse betreten hatten.
„James," zischte Sirius.
„Ja?"
„Das hier schreit förmlich Hinterhalt."
Er hielt inne. Durch die Maske starrten Sirius graue Augen ihn eindringlich an. Seine Instinkte sagten ihm das gleiche, was Sirius sagte. Die völlig ausgestorbene Gasse und nur die paar Gestalten im Tropfenden Kessel, die keinerlei Reaktion auf ihr Erscheinen gezeigt hatten. Aber jemand hatte geschrieen, jemand war in Gefahr.
„Der Schrei..."
„War vermutlich vorgetäuscht. James du verrennst dich da in etwas."
„Aber es sind bloß 10, wir können leicht..."
„James, was ist los mit dir? Wir wissen nicht, ob es nur 10 sind, es können auch 20 oder 30 sein. Komm schon, du musst einen klaren Kopf..."
„RUNTER!"
Beide warfen sich flach zu Boden. James hörte Flüche über ihre Köpfe hinweg surren. Er rollte sich zur Seite, als ein Fluch auf ihn zuraste und kam dann wieder auf die Beine. Todesser, viel zu viele! Er duckte sich hinter einen nahen Mülleimer und schoss hinter seiner Deckung hervor Flüche auf Todesser.
Sirius folgte seinem Beispiel, indem er sich hinter eine nahe Bank duckte. James war gerade im Begriff die Deckung zu verlassen, weil sich Todesser und Auroren mischten und es ihm aus der Deckung heraus nur noch schwer möglich war, zu zielen, als ihn etwas hart in den Rücken traf und zu Boden warf.
„James!" hörte er Sirius rufen.
Seine Stimme klang sehr weit weg. Und die Kälte war wieder da. Wo kam die Kälte her? Er müsste das eigentlich wissen, aber er konnte sich nicht erinnern. Andere Erinnerungen drangen nun vom Rand seines Bewusstseins auf ihn ein. Er sah seine Eltern sterben. Seine Mutter riss entsetzt die Augen auf, als der Todesfluch auf sie zuraste, während sein Vater schon Tod war. Sein Kopf lag nur ein paar Meter von James entfernt. Und da war Lily, sie war im Krankenhaus und er wusste, sie würde sterben, denn sie würden es nicht rechtzeitig schaffen, das Gegengift zu finden. Und er wäre allein mit seinen Kindern, ganz allein... Die Erinnerungen und die Kälte drohten ihn zu ertränken.
„James!"
Die Stimme war so weit weg, aber er kannte sie. Lily. Aber wie konnte sie bei ihm sein, wenn sie tot war? War er tot?
„Was zur Hölle war das für ein Fluch?"
Er kannte auch diese Stimme. Es war Sirius. War Sirius auch tot?
„Keine Ahnung. James!"
Die Kälte war immer noch in jeder Faser seines Körpers spürbar und er konnte sich nicht bewegen. Harry war verschwunden. Peter hatte ihm seinen Sohn weggenommen. Und er selbst war so unvorsichtig gewesen und so dumm und es war seine eigene Schuld. Und sein kleiner Junge war in der Hand der Todesser und wenn Harry starb... Die bloße Vorstellung bohrte sich wie ein brennender Dolch in sein Herz und seine Seele. Und dann war es vorbei. Die Kälte wich und mit ihr die Erinnerungen. Seine Sicht klärte sich und er spürte, dass er auf dem harten Kopfsteinpflaster lag.
Wie durch ein Wunder hatte er seinen Zauberstab noch immer in der Hand. Der erste Fluch hatte seinen Zauberstab bereits verlassen, ehe er ganz auf den Beinen war, doch er verfehlte den Todesser, den er hatte treffen sollen und der sich gerade mit Lily duellierte. Er wollte an ihre Seite eilen, doch drei andere Todesser waren nun auf ihn aufmerksam geworden und stellten sich ihm in den Weg.
„Stupor!"
„Impedimenta!"
„Expelliarmus!"
„Protego!"
Sein Schildzauber schleuderte die Flüche zurück zu ihren Angreifern.
„Reductio!" Noch während er sprach, warf er sich zu Boden um einem weiteren Schockzauber zu entgehen.
Er rollte sich zur Seite weg, schrie erneut „Protego!" wodurch er einem Erstarrungszauber entging. Er kam halb wieder auf die Beine und machte dann einen Hechtsprung, der ihn hinter den Mülleimer brachte, den er schon zuvor als Deckung genutzt hatte. Er spähte dahinter hervor und sah, dass sein Reductor-Fluch einem der Todesser das Bein zerfetzt hatte. Er schoss einen ungesagten Todesfluch auf einen der anderen Todesser, der jedoch ausweichen konnte.
„Du solltest wirklich lernen, besser zu zielen, Potter!" rief Lucius Malfoy.
Woher wusste Malfoy wer er war? Er schoss einen weiteren Fluch auf Malfoy, der jedoch erneut ausweichen konnte.
„Kommst du heute noch hinter deiner Deckung hervor, Potter, oder hockst du feige dahinter?"
Zwei weitere Flüche.
„Potter, das ist wirklich keine faire Kampfweise!"
„Du fragst nach Fairness, Malfoy? Fällt dir nicht selbst auf, wie widersprüchlich das ist?"
„Confringo!"
Der Mülleimer explodierte. James wurde nach hinten geschleudert und sein Rücken prallte hart gegen eine Hauswand. Heiße Metallsplitter waren überall um ihn herum und er riss die Arme vors Gesicht um wenigstens das zu schützen. Sein Zauberstab war ihm entglitten. Die Splitter zerfetzten seine Kleidung und brannten sich heiß glühend in seine Haut. Er nahm den rechten Arm vom Gesicht und tastete den Boden neben sich ab.
Wo war sein Zauberstab? Der Nebel aus umher fliegenden Splittern und Explosionsstaub um ihn herum lichtete sich langsam und er sah die hoch gewachsene Gestalt Malfoys auf sich zukommen. Zauberstab! Seine Finger ertasteten den Holzstab, er riss ihn nach oben.
„Pulso!"
Der Stoßfluch riss Malfoy von den Füßen und schleuderte ihn nach hinten, weg von James. Er kämpfte sich zurück auf die Beine. Doch auch Malfoy hatte sich bereits wieder halb aufgerichtet.
„Fractura!"
Der Fluch zertrümmerte James Kniescheibe und ließ sein Bein unter ihm nachgeben.
„Avada Kedavra!"
Malfoy wirbelte elegant zur Seite um von dem Fluch nicht getroffen zu werden. James versuchte sich irgendwie aufrecht zu halten, was mit einem zertrümmerten Knie recht schwer war.
„Diffindo!"
„Protego!"
Der Fluch wurde zu Malfoy zurückgeschleudert und zerschnitt seinen Umhang und die darunter liegende Haut.
„Petrificus Totalus!"
„Protego!"
Diesmal kam sein eigener Fluch zu James zurück und er ließ sich fallen um ihm zu entgehen.
„Fractura!"
Er hatte den zweiten Todesser, dessen Fluch jetzt seinen rechten Arm brach völlig vergessen.
„Fuck!"
Malfoy lachte.
„Sieht schlecht für dich aus Potter!"
Er nahm den Zauberstab in die linke Hand. Ein weiterer Todesfluch, der den zweiten Todesser traf. Er schaffte es, trotz des zertrümmerten Knies sich wieder in eine halbwegs stehende Position zu begeben.
„Petrificus Totalus!"
„Protego!"
Der Zauber prallte auf Malfoy zurück und ließ ihn erstarren. James fragte sich verschwommen wen von ihnen das wohl mehr überraschte.
„Rückzug! Sofort!"
Das war Sirius. Ihm selbst war diese Anordnung sehr recht, er vollzog die Drehung und apparierte ins Hauptquartier der Auroren. Er kam ziemlich hart auf und sein Bein gab erneut unter ihm nach und ließ ihn stürzen.
„Scheiße."
Um ihn herum erschienen seine Kollegen, von denen einige offenbar ähnlich lädiert waren wie er.
„James, Merlin wie siehst du aus?"
Charlie, der fast unverletzt schien, half ihm auf die Beine und setzte ihn auf einen Stuhl.
„Danke. Ich hatte eine nette kleine Begegnung mit Malfoy und einem explodierten Mülleimer."
Charlie richtete seinen Zauberstab zuerst auf James Knie und dann auf seinen Arm um beide Brüche zu heilen. Dann half er ihm sich aus dem Umhang zu schälen und begutachtete die Brandwunden und Schnitte. Um sie herum waren auch andere Unverletzte damit beschäftigt, die Wunden der verletzten Kollegen zu heilen. Irgendjemand hatte außerdem Jane gerufen, die sich um schwerere Verletzungen kümmerte.
James ließ seinen Blick durch den Raum schweifen, während Charlie sich um seine Verletzungen kümmerte. Doris weinte. Kingsley umarmte sie und redete leise auf sie ein.
„Wer?" fragte er leise an Charlie gewandt.
„Max." James schluckte.
Wenn er doch auf Sirius gehört und den Rückzug früher angeordnet hätte.
„Scheiße."
Max war seit über zehn Jahren dabei gewesen. Er war gut gewesen, sonst hätte er nicht zehn Jahre überlebt.
„Nicht deine Schuld," sagte Charlie.
James lächelte bitter, „ist es doch nie, oder?"
Der Tagesprophet, Donnerstag, 13. März 1997
Rebellen schlagen erneut zu!
Gestern stießen die Kräfte der Regierung erneut auf die Rebellen des Phönixorden. Selbst der Tod ihres bisherigen Anführers Albus Dumbledore konnte die Rebellen nicht lange beirren und vielen Todessern zu Folge hat ihre Aggressivität und Gewaltbereitschaft sich sogar noch gesteigert.
„Ich war schockiert, wie oft ich den Todesfluch gehört habe," berichtete Lucius Malfoy, der den einfachen Kontrollgang durch die Winkelgasse leitete.
Die zehn Todesser auf ihrer Patrouille wurden von einer größeren Anzahl Phönixrebellen attackiert und brutal bekämpft. Zwei Todesser fielen bei diesen Kämpfen drei weitere sind spurlos verschwunden. Es wird vermutete, dass sie an einem unbekannten Ort exekutiert werden. Die Regierung hat den Familienmitgliedern der Toten und Verschwundenen bereits ihr tiefes Mitgefühl ausgesprochen.
Die fünf Überlebenden des hinterhältigen Angriffs sind sich sicher, James und Lily Potter und Sirius Black unter den Angreifern erkannt zu haben, wobei James Potter für einen der Morde verantwortlich ist, wie Mr. Malfoy berichten konnte. Dies beweist nur einmal mehr die Gefahr, die von diesen speziellen Rebellen ausgeht und wie wichtig es ist, dass sie endgültig gestoppt werden.
14. März 1997 Gefängnis außerhalb von Glasgow
„Wir nennen ihn Dementor-Effekt-Fluch," berichtete der Todesser den James verhörte mit monotoner Stimme, „die Formel lautet Dementor Interia und der Gegenzauber ist dementsprechend Patroni Interia."
„Noch eine andere Möglichkeit als das?" fragte James, denn auf ihn hatte mit Sicherheit keiner diese Gegenformel angewendet und dennoch hatte der Fluch geendet.
„Keine andere Möglichkeit. Der Dunkle Lord hat den Fluch an den Gefangenen testen lassen. Man hat sie mit dem Fluch belegt und dann ein paar Stunden alleine gelassen. Der Fluch hat in der ganzen Zeit kein bisschen nachgelassen."
„Ich war mit diesem Fluch belegt und irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass einer von euch den Gegenfluch auf mich angewendet hat. Also wie kann er noch gebrochen werden?"
„Ich weiß es nicht. Vielleicht habt ihr den Urheber umgebracht?"
Das war natürlich möglich. Neben dem Todesser, den er selbst getötet hatte, hatten auch ein paar andere Todesser getötet.
„Wer hat den Fluch entwickelt? Voldemort selbst?"
Der Todesser zuckte bei der Nennung des Namens zusammen.
„Das weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass er an den Gefangenen getestet wurde. Er soll als neue Foltermethode genutzt werden."
Was für eine viel versprechende Aussicht. Er selbst war nur ein paar Minuten von dem Zauber betroffen gewesen und er war sich sicher, dass er lieber Stundenlang den Cruciatusfluch ertragen würde, als in seinen schlimmsten Erinnerungen und Ängsten gefangen zu sein.
„Noch irgendwelche Informationen, die für mich von Bedeutung sein könnten?"
„Der Dunkle Lord will Sie und Ihre ganze Familie umbringen, er plant Hogwarts einzunehmen und dieses Gefängnis..."
„Ja, das wusste ich alles schon."
Okay, offenbar musste man Fragen präziser formulieren, wenn man jemanden unter Einfluss von Veritaserum befragte.
„Gibt es weitere neue Zauber?"
„Nicht soweit ich weiß."
„Wie viele der Hogsmeade Gefangenen leben noch?"
„Sieben. Drei Frauen, zwei Männer, zwei Kinder."
„Sind das alle, außer die die geköpft wurden?"
„Nein, ein Kind ist durch die Folter gestorben."
James Hände ballten sich zu Fäusten.
„Wie alt?"
„Fünf oder Sechs."
Viel zu jung. Er stellte noch einige weitere Fragen, bekam jedoch keine Antworten mehr, die ihm irgendetwas genutzt hätten. Schließlich gab er dem Todesser das Gegenelexier und brachte ihn zurück in seine Zelle. Dann gesellte er sich zu Frank, Charlie und Sandra, die die aktuelle Wachschicht bildeten.
„Irgendetwas interessantes?" fragte Frank.
„Er konnte mir sagen, was das für ein Fluch war. Außerdem, dass noch sieben der Hogsmeade Gefangenen leben. Nichts über die Gründe für den Hinterhalt."
„Du meinst abgesehen von den offensichtlichen?" fragte Sandra.
„Ja. Ich meine..."
Er legte rasch einen Zauber über sie, damit die Gefangenen nichts hören konnten.
„Sam hatte ganz offensichtlich unvollständige Informationen, was mich zu der Annahme führt, dass hinter dieser Geschichte ein bisschen mehr steckt, als nur ein simpler Hinterhalt mit dem Ziel möglichst viele Auroren zu töten."
„Hast du gelesen was im Propheten stand?"
James schnaubte. „Gequirlte Scheiße, wie immer. Das Einzige, was der Wahrheit entspricht ist, dass ich einen von denen umgebracht habe."
„Glauben die eigentlich selber, dass sie mit dieser Propaganda irgendwelchen Erfolg haben?"
„Ach, das ist doch alles Schauspiel. Zum Teil immer noch fürs Ausland, aber auch um den Anschein einer normalen Gesellschaft aufrecht zu erhalten."
Sirius kam nun aus einem weiteren Verhörraum und brachte den Todesser, den er verhört hatte zurück in seine Zelle.
„Und?" fragte James.
„Ich würde sagen, MacKenzie ist so was wie eine Goldgrube."
„Na dann erzähl mal," forderte James seinen Freund auf, nachdem er den Zauber auf Sirius ausgeweitet hatte, so dass dieser ebenfalls ihre Worte hören konnte.
„Voldemort ist sich sicher, dass es einen hochgestellten Spion gibt," begann Sirius.
„Verfluchte Scheiße," murmelte Charlie.
„Ja, ganz genau. Das Gute ist allerdings, er verdächtigt allen ernstes Lucius und Narcissa, offenbar nimmt er an, dass die Bindung zu ihrem Sohn doch noch stärker ist und sie um seinetwillen bereit wären die Seiten zu wechseln."
„Wobei der Cruciatusfluch eine echt nette Art ist das zu zeigen," murmelte James.
„Er ist sich jedenfalls sicher, dass es entweder einer der beiden, beide zusammen oder jemand aus der, wenn du so willst mittleren Ebene ist. Also hat er die unterschiedlichen Verdächtigenkreise mit unterschiedlichen Informationen über diese Razzia gefüttert, um gemessen an unserer Reaktion den Kreis der Verdächtigen weiter eingrenzen zu können."
„Und warum zur Hölle befragt er sie nicht einfach mit Veritasserum oder benutzt seine Legilimentikfähigkeiten?" fragte Sandra.
„Das konnte MacKenzie auch nicht sagen, aber offenbar war er der Einzige, der diesen Plan kannte und war für seine korrekte Ausführung zuständig. Die einzelnen Todessergruppen, die da vorgestern gegen uns angetreten sind, waren wohl selber überrascht, dass sie auf einmal so viele waren."
„Aber warum MacKenzie und nicht einer der Lestrange?"
„Wegen der familiären Bindung zu den Malfoys, Bellatrix bleibt trotz aller Konkurrenz und Wut die im Moment herrscht Narcissas Schwester und er misst dem Familienzusammenhalt offenbar einige Kraft zu."
„Zu schade, dass Leute wie Sirius und ich nie allzu viel Interesse am Familienzusammenhalt hatten," murmelte Sandra.
„Also, das erklärt jedenfalls warum Sam nicht die ganzen Informationen hatte."
Doch Sirius schüttelte den Kopf, „Ich bin noch nicht fertig. Sam hat uns nämlich die Informationen zukommen lassen, die eigentlich für den mittleren Ring bestimmt waren."
„Wie?"
„Sie sollte eigentlich auf dem gleichen Stand sein wie die Malfoys, geplanter Hinterhalt mit vierzig Angreifern, während der mittlere Kreis dachte, es sei tatsächlich eine gewöhnliche Razzia. Unsere Anzahl sollte Voldemort dann verraten, auf was wir eingestellt waren."
„Also wird er jetzt denken, dass wir mit Informationen aus dem mittleren Kreis gefüttert wurden," stellte Frank fest.
„Genau."
„Aber warum in drei Merlins Namen hat Sam uns die falschen Informationen zukommen lassen?" fragte James.
„Moment mal," brauste Charlie auf, „unterstellst du das war Absicht?"
„Nein verdammt, ich frage mich nur wie das passieren konnte. Selbst du musst zugeben, dass das mehr als seltsam ist."
Godrics Hollow
„Oh, ist das furchtbar," murmelte Sarah ihr Gesicht besorgt verzogen.
„Ja," stimmte Lily ihr zu, „sie sind schon seit ein paar Stunden da oben."
Sie kaute nervös an ihrem Daumennagel herum.
„Zu warten ist noch schlimmer, als selbst ein Baby zu kriegen, oder?"
Sarah nickte. „Wenigstens ist Remus bei ihr. Ich jedenfalls weiß nicht, was ich getan hätte, wenn Sirius nicht bei mit gewesen wäre, bei Joshs Geburt."
Ebendieser saß auf dem Boden und spielte mit Autos.
„James war nicht bei Lucys Geburt, er hat sich in der Zeit lieber in Lebensgefahr gebracht."
„Wie schrecklich," murmelte Sarah.
Die beiden Frauen saßen nervös im Wohnzimmer und warteten. Sobald klar gewesen war, dass es tatsächlich los ging und Dora nicht erneut Vorwehen oder ähnliches hatte, hatten sie natürlich Jane verständigt, die im Krankenhaus momentan nicht unbedingt gebraucht wurde und deshalb für eine Hausgeburt zur Verfügung stand. Dora, Remus und Jane waren nun jedenfalls schon seit einigen Stunden in Doras und Remus Schlafzimmer, aus dem kein Geräusch drang, was die Vermutung nahe legte, dass es mit Zaubern belegt war.
„Ich bin so gespannt, was meinst du, Junge oder Mädchen?"
„Keine Ahnung. Aber ich wette es wird furchtbar niedlich sein. Mit Remus blauen Augen und so..."
„Ich glaube es wird ein Metamorphmagus, so wie Dora."
Und dann endlich hörten sie wie sich die Tür oben öffnete und Schritte auf der Treppe. Beide waren innerhalb von Sekunden auf den Beinen und eilten los.
„Und?" quietschte Lily und starrte Jane an, die auf der Treppe stand und grinst.
„Ihr seht mich an wie zwei aufgeregte Teenager, nicht wie Frauen, die selbst schon Kinder haben."
„Jane!"
„Ein Mädchen."
„Toll..." sagten beide einstimmig und strahlten um die Wette.
„Definitiv nicht als wärt ihr selbst schon Mütter..."
„Dürfen wir hoch gehen?" fragte Sarah aufgeregt und mit einem flehenden Blick.
Jane kicherte, „Klar."
Leise und behutsam öffnete Lily die Tür zu Remus und Doras Zimmer. Doras Kopf lehnte an Remus, der neben ihr saß und mit einem unendlich glücklichen Ausdruck auf das Baby hinab sah, dass in eine Decke gewickelt in Doras Arm lag.
„Ooh," flüsterte Lily, als sich die beiden Frauen ans Fußende des Bettes setzten. Remus lächelte sie nur ganz kurz an, ehe sein Blick sich wieder auf das Baby richtete.
„Wie heißt sie?" fragte Sarah.
„Rebecca," erwiderte Dora, ohne sie anzusehen. Ihre Augen waren ebenso fest auf ihre Tochter gerichtet wie Remus, doch anders als er hatte sie ganz offensichtlich Mühe, sie noch viel länger auf zu halten.
„Sie ist wunderschön, oder?" fragte Remus.
„Jaah."
Der Kopf des Babys war von hellbraunem Haarflaum bedeckt. Die winzigen Händchen waren zu Fäusten geballt. Das Gesicht war friedlich und die Augen geschlossen. Jane trat nun wieder in den Raum, sie hatte sich offenbar ein wenig frisch gemacht und stand nun lächelnd im Türrahmen.
„Remus, nimmst du sie. Ich befürchte, ich schlafe jeden Moment ein und ich hab Angst dass ich sie fallen lasse, oder so..." murmelte Dora mit müder Stimme und bereits halb geschlossenen Augen.
Remus war nur zu bereit, seine Tochter an sich zu nehmen und wiegte sie zärtlich hin und her. Während Dora langsam in ihren wohlverdienten Schlaf abdriftete, starrten die vier anderen Anwesenden weiterhin andächtig auf das schlafende Baby.
„Wollt ihr auch?" fragte Remus irgendwann.
Lily und Sarah nickten, während Jane, die immerhin die erste gewesen war, die Rebecca im Arm gehalten hatte, sich ein wenig zurück hielt.
„Hallo Rebecca," flüsterte Lily, „ich bin Lily, eine gute Freundin von deiner Mummy und deinem Daddy."
Das Baby ließ sich von Lilys Worten nicht ein bisschen in seinem Schlaf stören. Doch das kümmerte keinen von ihnen. Sie waren vollauf zufrieden damit, das kleine Wesen zu halten und anzusehen. Zumindest bis sie von unten zwei laute Knalle hörten und ein begeistertes
„Daddy!"
Schritte kamen die Treppe hinauf, „Hat deine Mum dich hier ganz allein gelassen?" fragte Sirius, „das war gemein von ihr. SARAH!"
Man konnte James lachen hören. Die vier in dem Raum tauschten einen Blick.
„Es war so klar, dass die beiden kommen und die Stimmung ruinieren," schimpfte Lily.
Jane eilte indessen aus dem Raum.
„Leise verdammt."
„Warum?" fragte James, „und ich dachte, du musst heute im Krankenhaus... oh..."
Und dann waren selbst Sirius und James still, als sie sich ebenfalls in Remus und Doras Schlafzimmer drängelten um das neue kleine Wunder zu begutachten, das von nun an jeden Tag bei ihnen sein würde.
AN: So, hier ist das neue Kapitel. Ich hoffe die weitere Entwicklung nach Dumbledores Tod ist erstmal zu eurer Zufriedenheit. Die neue Einteilung mit Orts- und Datumsangaben werde ich dieses und nächstes Kapitel beibehalten, weil ich, wie euch ja sicher schon aufgefallen ist, ziemlich viel in der Zeit gesprungen bin und springen werde. Danach geht es dann wie gewohnt weiter. So viel zu meiner weiteren Planung.
Ihr wisst wie ihr mich glücklich machen könnt, oder?
Bis zum nächsten Kapitel
lg Sanny
