Kapitel 27: Love and Ugly Plans
14. Oktober 2010 - Sioux Falls, South Dakota
„Ich muss noch was erledigen", sagte Dean und sah Kendra an. Er stand auf und ging zur Tür.
„Du bleibst schön, wo du bist, Junge", protestierte Bobby und erhob sich ebenfalls.
„Ich bin bald wieder da, aber im Moment wäre ich gerne alleine."
Kendra legte Bobby die Hand auf den Unterarm. „Gib ihm den Moment, Bobby. Ich glaube, ihm ist etwas klar geworden."
Bobby sah von ihr zu Dean und wieder zurück und sein Gesicht spiegelte die widerstreitenden Gefühle wieder, die sich in ihm abspielten. Einerseits wollte er Dean nicht aus den Augen lassen, von dem er noch nicht so ganz überzeugt war, dass er wieder völlig okay war. Andererseits verstand er, dass es Dinge gab, für die man etwas Ruhe und Einsamkeit brauchte. Er seufzte, dann nickte er und setzte sich wieder.
Dean ging hinaus. Es gab noch etwas, das er erledigen musste und dafür wollte er alleine sein. Er sah zum wolkenverhangenen Himmel auf, sammelte seine Gedanken und zog sein Handy aus der Tasche.
Lisa ging nach dem dritten Klingeln ran und als sie Deans Stimme hörte, musste sie ein Schluchzen unterdrücken.
„Geht es dir gut?"
Er bejahte und erklärte ihr mit ein paar Sätzen, dass er noch etwas erledigen müsse, dann aber zurückkommen wolle. „Falls du mich dann noch zurück willst", fügte er leise hinzu.
Seine Stimme klang unsicher und Lisa wusste, dass er sich, trotz der Worte, keinesfalls sicher war, ob er zurückkommen würde. Sie unterdrückte einen Anflug von Traurigkeit und versuchte aufmunternd zu klingen.
„Dean, wir schaffen das. Wenn du nur ehrlich zu mir bist und aufhörst, mir vorzumachen, das Leben hier würde dir reichen. Glaubst du denn, ich spüre nicht, dass dir etwas fehlt? Glaubst du, man kann das Bett mit einem Mann teilen, ohne zu fühlen, dass da ein Loch in seiner Seele ist? Etwas, das man, egal wie sehr man ihn liebt, nicht füllen kann? Ach, Dean." Sie seufzte.
„Lisa … was soll ich sagen …" Er brach ab, unfähig in Worte zu fassen, was er bei ihrem Geständnis fühlte.
„Und glaubst du wirklich, ich weiß nicht, dass das Jagen nur ein Grund war, warum du fort gegangen bist?"
Ein langes Schweigen machte sich zwischen ihnen breit.
„Ich versuche es, Liz", sagte Dean schließlich. „Wirklich. Und wenn ich bei dir bin, dann habe ich auch oft das Gefühl, dass es reicht. Noch niemals in meinem Leben habe ich mich so gut gefühlt, wie wenn ich neben dir aufwache, wenn wir mit Ben spielen, wenn wir gemeinsam in der Küche sind und reden, oder wenn wir miteinander schlafen. Ich habe ne Menge Frauen gehabt … aber so war es nie … und dann glaube ich immer, dass es reicht, dass das mein Leben sein kann. Aber dann sind da die Momente, wo ich glaube, ich muss jagen, muss bei Sam sein, muss die Welt retten. Und gleichzeitig fehlst du mir, kann ich mich nicht konzentrieren, denke ich dauernd an dich. Es macht mich wahnsinnig … zerreißt mich … raubt mir die Konzentration. Es macht mir Angst, was ich fühle, Lisa … es macht mir verdammte Angst!" Er schnappte nach Luft, erschrocken über seinen plötzlichen Gefühlsausbruch.
„Ich liebe dich auch, Dean Winchester!" Sie lachte leise und Dean spürte bei dem Geräusch eine Welle von Wärme durch seinen Körper fluten. Wie sehr hatte er das vermisst.
„Wenn du zurückkommst …" Sie unterbrach sich und Dean konnte hören, wie sie schluckte. „Falls du zurückkommst … wir finden einen Weg, okay? Wir finden einen Weg, dass du beides haben kannst. Uns als Familie und das Jagen."
Sie lachte trocken und Dean war sich nicht sicher, ob es ein Lachen oder doch ein Schluchzen gewesen war. Dammit, wie sehr wünschte er sich, dieses Gespräch nicht am Telefon zu führen. Wie sehr wünschte er sich, sie jetzt einfach in die Arme nehmen zu können und ihr wortlos zu zeigen, dass er sie liebte. Dennoch war er sich im Klaren darüber, dass es dieses Gespräch nicht geben würde, wenn sie nicht am Telefon wären. Zu oft hatte er genau dieses Gespräch umgebogen, indem er Lisa in die Arme genommen und verführt hatte. Alles, um nur nicht dieses Gespräch führen zu müssen. Er riss sich zusammen und hörte ihr weiter zu.
„Andere schaffen es ja auch. Nicht so, aber ähnlich genug. Sallys Mann … du weißt schon, Sally Bristol, die Mutter von Jack, mit dem Ben manchmal spielt … ihr Mann arbeitet auf eine Bohrinsel. Das ist auch gefährlich und er ist sieben Monate im Jahr von Zuhause weg. Ich meine … es ist nicht das Gleiche, wie bei uns, aber irgendwie doch …"
Sie verstummte. Sie merkte selber, dass sie plapperte, versuchte, etwas machbar zu reden, von dem sie nicht wusste, ob es machbar war. Aber gleichzeitig fürchtete sie sich vor Deans Antwort mehr, als sie sich jemals zuvor in ihrem Leben gefürchtet hatte.
15. Oktober 2010 - Eden, Georgia
Sheriff Waters lächelte zufrieden, doch es war kein fröhliches Lächeln. Es war alles bereit.
Seine Jungs würden sich um die Öko-Typen kümmern, die hier demnächst auftauchen würden. Mr. Perish hatte ihm erklärt, dass ein paar Kerle, die sich als FBI-Agenten ausgeben würden, hier herumschnüffeln wollten, um in den angrenzenden Wäldern geschützte Arten zu finden und damit das Projekt zu stoppen, das Mr. Perish hier aufbauen wollte.
Sheriff Waters rieb sich kurz die Augen und runzelte die Stirn. Wenn er sich bloß erinnern könnte, was das Projekt genau war. Er nahm einen kräftigen Schluck aus seiner Kaffeetasse, die weniger Kaffee, als vielmehr den lokalen Brand enthielt und spülte das ungute Gefühl herunter.
Mr. Perish hatte ihm zugesagt, dass das Projekt Arbeitsplätze und Wohlstand für Eden bringen und seine Position als Sheriff auf Jahre sichern würde.
Dass da nun ein paar Regierungstypen auftauchen wollten, die wegen ein paar beschissener Vögel alles zunichte machen würden, kam ihm gerade Recht. Er hatte nicht vor, denen das durchgehen zu lassen und wenn seine Jungs mit den Typen fertig wären, müsste man auch keinerlei Überreste finden, dafür wollte Mr. Perish sorgen.
Das Lächeln des Sheriffs wurde breiter. Und wenn bei dieser Aktion zufällig auch noch das Farmhaus der Ökospinner in Flammen aufging, wen kümmerte es schon?
Vielleicht könnte er es auch so drehen, dass die verdammten Freaks für das Verschwinden der Regierungstypen verantwortlich gemacht wurden. Damit wären zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen und in Eden würde wieder alles so sein, wie es immer gewesen war.
Er stand langsam auf und ging zum Kühlschrank. Mit einem Bier in der Hand kehrte er zu seinem Schreibtisch zurück.
Wenn sich alles so entwickelte, wie Mr. Perish es vorhergesagt hatte und von den Regierungstypen keine Spuren übrig bleiben würden, dann müssten er und seine Jungs auch nicht zimperlich sein, wenn sie sie festsetzten. Ein sehr erfreulicher Gedanke, fand Sheriff Waters und sein Grinsen wurde bösartig. Nicht nur seine zwei Deputies würden daran teilnehmen, er hatte sich entschlossen, einen Trupp von Männern aufzustellen, die vertrauenswürdig waren und bereit, für die Wiederherstellung der gottgewollten Ordnung in ihrem schönen, kleinen Städtchen ein wenig Blut fließen zu lassen.
-tbc
