Manche Tage hielten einfach nicht das, was sie versprachen. Das konnte in einigen Fällen ein wahrer Segen sein und in manchen eben auch eine echte Katastrophe.
Ein besonders extremes Beispiel für einen solchen Tag, ereignete sich am zweiten Samstag nach den großen Ferien und über sein vernichtendes Urteil diesen Tag betreffend, gab es für ihn überhaupt nie einen Zweifel.
Hermine und er hatten eine wunderschöne und erregende Nacht miteinander verbracht und ihre amourösen Aktivitäten am Morgen unter der Dusche erneut aufgegriffen und leidenschaftlich vertieft. Und obwohl dieser Samstag ein Hogsmeade-Samstag war, und obwohl Hermine sich noch vor dem Frühstück zu ihren Eltern begab, um dort bis zum Nachmittag diverse Dinge zu erledigen, war Severus allerbester Laune und erwischte sich sogar dabei, dass er sich auf diesen wunderschönen, strahlenden Herbsttag freute, vor allem, da er beschlossen hatte, dem Unterwäschegeschäft in Hogsmeade einen kurzen, aber intensiven Besuch abzustatten.
Voller Schwung und mit ungewöhnlich entspannten Gesichtszügen eilte er die Kerkertreppen hinauf, erotischer Frühsport machte eben hungrig. Außerdem war er schon reichlich spät dran, wie ihm ein schneller Blick auf seine Taschenuhr zeigte, die meisten Schülerinnen und Schüler saßen sicherlich schon vor ihrem Frühstück, sogar die Posteulen kamen ihm schon in der Eingangshalle entgegen.
Hm, vielleicht gab es auch einen Eulenversand für reizvolle Damenunterwäsche, ging ihm gerade hoffnungsvoll durch den Kopf, als er die Türe der großen Halle öffnete und sich auf den Weg zu seinem Platz am Lehrertisch machte. Er war schon fast bis zur Mitte gekommen, als ihm erst auffiel, dass es plötzlich ungewöhnlich still im Raum wurde. Als er misstrauisch seinen Blick schweifen ließ, bemerkte er die vielen tief gebeugten Köpfe. Um manche Schülertische bildeten sich sogar große Trauben von Schülern, die irgendetwas intensiv zu studieren schienen.
Severus legte die Stirn in Falten, sicherlich verschlangen sie da gerade den neuesten Klatsch und Tratsch der Schicksalsschwestern oder anderer unbedeutender Sternchen am Zaubererhimmel. Vielleicht hatte der große Frauenschwarm und Held, Mister Harry Potter auch mal wieder eines seiner überflüssigen Interviews gegeben. Ein kleines abfälliges Schnauben entwich ihm.
„Guten Morgen zusammen", grüßte er seine Kolleginnen und Kollegen und bemerkte erstaunt, dass auch sie statt ihm zu Antworten, voller Konzentration über den Tagespropheten gebeugt, eifrig miteinander tuschelten. Bei Merlin, das musste ja eine ungemein spannende Geschichte sein, na, wenigstens konnte es keine allzu ernste sein, denn das leise Kichern und die sanft geröteten Wangen der Damen zeugten von eher anderen Inhalten.
Er angelte sich die Kanne mit Tee und fasste dabei auch schon das Toast und die Marmelade ins Auge. Er hatte wirklich ziemlich großen Hunger. Ein winzig kleines Grinsen umflog seine Lippen, als er sich einzelne Sequenzen der letzten Nacht und der Geschehnisse vorhin in seinem Badezimmer nochmals genüsslich vor Augen führte.
Noch ganz in den Nachklang dieser wunderbaren Erlebnisse vertieft, wollte er gerade den ersten Schluck heißen Tees genießen, als er den Tagespropheten neben seinem Platz entdeckte. Gut, dann würde er sich eben auch mal ansehen, was die gesamte Schüler- wie Lehrerschaft dermaßen bewegte.
Wäre er nicht so vertieft in seine Tagträume gewesen oder hätte er wenigstens nicht einen so großen Appetit gehabt, ihm wäre sicherlich die atemlose Stille aufgefallen, die die gesamte Halle erfasste, als Hogwarts Tränkemeister arglos die Zeitung entfaltete. Kein Mucks war mehr zu hören, kein Gekicher, kein Gemurmel.
Höchstwahrscheinlich war auch deshalb sein entsetzter Schrei so deutlich zu hören, vielleicht verschluckte er sich deswegen auch so fürchterlich an seinem Toaststück – denn es wäre bestimmt besser gewesen, den Bissen gleich auszuspucken, aber das ging natürlich nicht, wenn hunderte von Augenpaaren einen anstarren.
Egal, er traute seinen Augen nicht und das lag nicht nur daran, dass sie ihm vor lauter Atemnot aus dem Kopf traten. Er war entsetzt und erschüttert und vieles mehr, das er im Augenblick beim besten Willen nicht in adäquate Worte fassen konnte, denn als er die Zaubererzeitung entfaltete, prangte ihm auf der Titelseite ein halbnackter Mann mit triefendem Haar und nass glänzender Haut entgegen, der leider unbestreitbar er selbst war.
Wie er fassungslos feststelle, musste das Foto eines von Hermines Bildern sein, die sie auf der Zutatenexkursion in diesem Jahr geschossen hatte und wenn er es genau betrachtete, schien es direkt am ersten Tag in dem norwegischen See aufgenommen worden zu sein. Die Bildüberschrift lautete: „Unglaublich! Wer hätte das gedacht!"
Genau! Verdammt! Warum war er auf dem Titelblatt des Tagespropheten und das in einer Badehose?
„Da sind noch mehr Fotos auf Seite drei und vier, Severus", wies ihn Filius freundlich auf weitere Gründe hin, schneller die Farbe zu wechseln, als das ein Chamäleon je gekonnt hätte!
Seine Reaktion auf diese zusätzlichen Bilder war nur noch ein ersticktes Gurgeln, denn zwar handelte es sich auch dort um unbewegte Muggelfotos, aber dafür waren es ziemlich viele und alle zeigten ausschließlich ihn in dieser unmöglichen Bekleidung. Er ließ die Zeitung langsam sinken und fasste sich fahrig an den hochroten Kopf, dort wischte er einige Male über seine Augen, vielleicht träumte er das Ganze ja.
Ja, sehr guter Gedanke! Das konnte, nein, das musste einfach ein Traum sein, gut ein Albtraum, aber immerhin nur ein Traum. Welche halbwegs normale Zeitung würde auch schon seitenweise Fotos von hässlichen, schmierigen und hageren Ex-Todessern drucken? Genau, keine!
Als dann aber Poppy Pomfrey sich über ihn beugte und ihren Zauberstab schwang, ging seine These vom Albtraum leider zügig den Bach hinunter.
„Fühlst Du Dich gut, Severus?", fragte Hogwarts Medihexe ehrlich besorgt um den Gesundheitszustand ihres Tränkemeisters.
„Was?", stammelte Severus verwirrt.
„Ob Du Dich gut fühlst?", wiederholte sie deutlich und langsam und schwang wieder ihren Stab vor seiner Nase herum.
„Ob ich mich gut fühle?", stotterte er und erhob sich mühsam vom Stuhl, „Ob ich mich gut fühle?", wiederholte er und wurde mit jedem Wort lauter, dabei funkelte er die Medihexe wütend an, „Was denkst Du denn? Natürlich geht es mir hervorragend! Und wenn es Dir schwer fallen sollte das zu glauben, dann kannst Du Dich ja in einem klaren Moment fragen, wie es Dir dabei gehen würde, wenn Du halb nackt in der Zeitung wärst?", kleine Speicheltropfen flogen durch die Luft, es war ihm egal, „Und wie würde es Dir gehen, wenn es nicht nur eines, sondern gleich ein halbes Dutzend wären?"
„Ähm, es sind sogar 11 Bilder", warf Filius wenig hilfreich ein.
„Na, dann!", brüllte ihn Severus an, worauf Minerva ihn am Ärmel seiner Robe mit sanfter Gewalt durch die kleine Türe hinter den Lehrerplätzen zog, die in einen separaten Besprechungsraum führte.
„Severus, jetzt reg Dich doch nicht so auf!", versuchte Hogwarts Schulleiterin ihren Tränkemeister zu beruhigen, als sie die Türe sorgsam verschlossen hatte und den Raum in weiser Voraussicht mit einem Schweigezauber versehen hatte.
„Ich soll mich nicht aufregen?", höhnte er in unverminderter Lautstärke und baute sich mit auf die Hüften gestemmten Händen vor ihr auf, „Ach, das fällt mir aber ein klitzekleines Bisschen schwer!"
„Das ist aber doch wirklich kein Beinbruch, die allermeisten der Kollegen finden es sogar richtig gut!", sie hatte schon ein kleines Lächeln auf den Lippen, das aber augenblicklich verschwand, als sie des Tränkemeisters wutverzerrtes Gesicht sah.
„Wie bitte?", echote er entsetzt, „Gut? Ihr seid doch völlig verrückt! Ich finde es überhaupt nicht gut, ich finde es entsetzlich, grauenhaft und ein klarer Übergriff auf meine Intimsphäre!", er rang nach Atem und zerrte an seiner Robe, „Ich will, dass Du alle Exemplar einsammelst und vernichtest! Sofort!"
„Severus, denk doch mal nach, das geht doch nicht!", schüttelte Minerva bedauernd den Kopf und versuchte ihn auf einen der Sessel zu ziehen, nicht dass er hier noch vor lauter Aufregung ohnmächtig wurde!
„Und warum nicht?", er wehrte sich erfolgreich gegen ihr Gezerre, „Das ist doch ganz einfach, rufe alle Exemplare auf und vernichte sie!"
„Nein, das ist keine gute Idee", widersprach Minerva und schnaubte verächtlich, „Ich bin doch nicht Jane Umbridge. Wir würden durch eine solche Aktion dieser Geschichte nur mehr Bedeutung zumessen, als sie tatsächlich verdient", sie nahm ihre Brille ab und putzte sie mit einem kleinen Spruch, „Außerdem würden sie sich natürlich alle neue Exemplare besorgen, und alles würde zwar unter der Hand, aber dadurch nur noch schneller und besser weitergetragen, daher bringt das wirklich gar nichts. Dir bliebt eigentlich nichts anderes übrige, als abzuwarten, bis Gras über die ganze Sache gewachsen ist!"
„Gras? Abwarten?", keuchte Severus erbost und sein schwarzen Augen glühten vor Zorn, „Ich denke gar nicht daran, untätig darauf zu warten, dass irgendwas über diese Unverschämtheit wächst! Und wenn Du nichts unternimmst, dann werde ich es eben selbst tun müssen!"
„Egal was Du vorhast, Severus, hier auf Hogwarts wird gar nichts getan, damit wir uns da recht verstehen. Und ich würde Dir dringend anraten erst einmal in Ruhe nachzudenken, bevor Du irgendeine Dummheit unternimmst!", sie beugte sich nahe an ihn heran, „Sprich am besten erst einmal mit Hermine darüber!"
„Die ist nicht da!", keifte Severus wütend und drängte sich an seiner Chefin vorbei, „Ach ja, ich nehm mir heute frei!", rief er ihr über die Schulter zu, bevor er aus dem Raum stürmte um eilig das Schloss zu verlassen.
Auch den Rest des Tages verbrachte er leider nicht mit Nachdenken, sondern mit Toben, er apparierte als Erstes in die Zentrale des Tagespropheten um dort die Redaktion zur Schnecke zu machen, mit null Erfolg, einige Redakteurinnen baten Ihn gar um sein Autogramm auf der aktuellen Ausgabe, was er selbstverständlich mehr als brüsk ablehnte und allen Verantwortlichen fürchterliche Rache androhte.
Danach apparierte er sogar zu Kingsley Shacklebolt, damit er augenblicklich ein Gesetz erlassen würde, in dem die Veröffentlichung solcher Fotos unter drastische Strafe gestellt würde. Kingsley versuchte ihn ebenfalls zu beruhigen und mit klugen Argumenten auf die Unsinnigkeit eines solchen Gesetzes aufmerksam zu machen, auch ohne Erfolg. Seine Frau wollte übrigens ebenfalls eine Signatur auf der Zeitung.
Waren denn heute alle vollkommen verrückt geworden! Er war auch Stunden später noch völlig außer sich.
Am frühen Nachmittag überlegte er gerade, wie lange er wohl dafür brauchen würde einen Zauber zu entwickeln, der die gesamte Ausgabe des heutigen Tagespropheten landesweit in kleine, befriedigende Aschehäufchen verwandelte, als ihm einfiel, dass er das Zusammenstauchen einer entscheidenden Person glatt vergessen hatte und sogleich nahm er Kurs auf das Haus der Grangers.
Energisch und mit immer noch hochrotem Kopf hämmerte er an die Haustüre. Es dauerte auch nicht lange, da wurde ihm von einer sehr erstaunten Jean Granger geöffnet.
„Wo ist sie?", schrie er seine künftige Schwiegermutter an, die daraufhin etwas verstört einen Schritt zurück wich, dann aber immerhin noch fragte, „Wen meinen Sie denn, Professor?"
„Ihre nichtsnutzige Tochter!", polterte er und drängte sich an Dr. Granger vorbei.
„Ähm, die ist nicht hier, mein Mann und sie sind in die Stadt gefahren um etwas streng Geheimes zu erledigen!"
„Dann werde ich einen Ortungszauber sprechen um sie zu finden!", donnerte Hogwarts Tränkemeister und wollte sich schon auf seinem Absatz umdrehen.
„Oh nein, mein Lieber", Jean Granger fasste ihn mit entschlossenem Gesichtsausdruck an seinem Umhang und zog ihn weiter in den Flur hinein, nebenbei warf sie die Türe ins Schloss.
„Sie werden mir erst einmal sagen, warum Sie so wütend sind und nachdem sie einen Tee getrunken haben, werden wir gemeinsam überlegen, ob wir meine Tochter suchen oder ob wir geduldig darauf warten, bis sie und mein Mann zurückkommen."
„Ich habe aber überhaupt keine Lust einen Tee zu trinken, und ich habe auch nicht die geringste Lust geduldig zu warten!", fauchte er als Antwort.
„Das ist mir völlig egal, Professor Snape!" entschied Jean Granger und bugsierte ihn ins Wohnzimmer, „Sie setzten sich jetzt schön hierhin und sind friedlich!"
Verdammt!
Der Blick den sie ihm zuwarf war nicht von schlechten Eltern und er wusste zwar nicht genau warum, aber er folgte zwar nicht ihrer Anweisungen, sich in den nächsten Sessel zu setzten, aber er ging auch nicht weg, sondern tiegerte stattdessen vor dem Kamin auf und ab, bis dass sie mit einem vollen Teetablett zurückkam und ihm eine Tasse von dem dampfenden Inhalt einschüttete.
„Also", begann sie und setzte sich in den von ihm verschmähten Sessel, „Was ist geschehen?"
Wortlos zog er ein Exemplar des Propheten aus der Innentasche seiner Robe und warf es ihr in den Schoß.
Erstaunt entfaltete Jean Granger die Zeitung und zog hörbar die Luft ein, als sie ihn auf der Titelseite entdeckte.
„Guter Gott!", stammelte sie und dann sagte sie lange nichts, sondern führte sich jedes Detail und jedes einzelne gedruckte Wort sorgsam zu Gemüte. Sie blätterte sogar sehr zügig auf Seite drei und vier und ihre Augen wurden groß und größer, bis dass sie endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit, die Zeitung sinken ließ und Severus, der ihr mit wildem Gesichtsaudruck und vor der Brust verschränkten Armen entgegenfunkelte, völlig perplex anstarrte.
Dann geschah etwas Ungeheuerliches. Sie begann zu lachen, erst glucksend und den Zwang mühsam unterdrückend, doch dann lauthals und schallend.
Severus Blick wurde noch eine deutliche Spur finsterer! Bei Merlin, hatte er es nötig, sich hier von einer Muggelzahnärztin, na gut, Muggelkieferorthopädin, auslachen zu lassen?
„Entschuldigen Sie, Professor, aber ich finde das klasse!", keuchte sie und wischte sich einige Lachtränen aus den Augenwinkeln.
„So, tun Sie das, Dr. Granger?", knirschte Severus mühsam beherrscht.
„Aber ja, ich finde es sogar mehr als klasse, ich finde es großartig und bitte nennen Sie mich Jean!"
„Was an dieser Sache großartig sein soll, Jean, entzieht sich leider gänzlich meiner Kenntnis, aber sicherlich werden Sie es mir sogleich erläutern!", fauchte er drohend.
„Aber gerne!", nickte Hermines Mutter und deutete auf die verschiedenen Bilder. „Erstens sind die Kommentare und der dazugehörige Artikel – wahrscheinlich, weil all das nicht von dieser Grimkorn ist – ausgesprochen positiv und wohlwollend", erklärte Jean fröhlich, „Wann hatten Sie das letzte Mal eine solch gute Presse, mein Lieber?"
„Weiß nicht, aber mir wäre gar keine Presse am allerliebsten!", zischte er, und tippte wenig überzeugt ungeduldig mit dem Fuß auf, „Und was ist Zweitens?"
„Zweitens, Professor, sind das unglaublich gute Bilder von einem Mann mit unglaublich gut sitzender Badehose!", war Jean überzeugt und beugte sich näher zu ihm hin, „ich finde sie sogar mehr als gut, ich finde sie heiß!" Sie klopfte ihm freundlich auf die Schulter, „ich werde es Mirenda erzählen, die freut sich!"
Severus klappte der Unterkiefer runter und als er ihn erschreckt wieder schloss, wusste er, dass er definitiv wie ein Fisch auf dem Trockenen ausgesehen hatte.
„Das ist nicht Ihr ernst?", stammelte er.
„Oh doch!", widersprach Jean energisch, „Das ist es garantiert! Und ich bin mir mehr als sicher, dass ich mit meiner Meinung nicht alleine bin!"
„Was soll das heißen?"
„Das sie es endlich selbst glauben könnten!"
„Und das wäre was?"
„Das Sie alles andere als abstoßend und unattraktiv sind, Professor und meine Tochter nur schneller darin war, dies zu erkennen!"
„Mit Verlaub, aber ich glaube Ihnen kein Wort!", schnaubte er und rückte sicherheitshalber noch ein Stück von ihr ab, „Außerdem ist es auch völlig egal, es geht nämlich darum, dass ich seit heute das Gespött der ganzen Zaubererwelt bin!" jetzt schrie er wieder.
Ein Auto fuhr hörbar in die Auffahrt und Jean grinste ihn siegessicher an, „Sie sind nicht das Gespött der ganzen Zaubererwelt, sie sind die Nummer eins der ganzen Zaubererwelt – jedenfalls für die Damen der Zaubererwelt, warten Sie mal auf das Urteil ihrer Verlobten!"
Es dauerte nicht lange, da hörte man, wie der Schlüssel ins Schloss gesteckt wurde. Leises Lachen und fröhliche Stimmen waren zu hören, als Vater und Tochter sich ihrer Jacken entledigten und nach Jean Granger riefen.
„Ich bin im Wohnzimmer", antwortete diese und lächelte Severus zu.
Hermine war die Erste der beiden und sie hatte noch nicht ganz die Türe auf, da erzählte sie bereits ihrer Mutter, was sie alles Interessantes erlebt hatten. Nun, genau genommen, begann sie damit, brach aber erstaunt ab, als sie ihren Verlobten im Wohnzimmer stehen sah, „Oh, Severus, was machst Du denn hier, hast Du nicht Aufsicht?"
„Doch schon!", knurrte Severus mit zusammengezogenen Augenbrauen.
„Der Professor hatte heute Morgen einige Aufregung zu verkraften", versuchte ihre Mutter das ganze Drama einzuleiten.
„Ich weiß", kicherte Hermine und wurde ein wenig rot.
„Nein, diese Art der Aufregung meinte ich nicht", präzisierte ihre Mutter mit betont neutralem Gesichtsausdruck, was wiederum in Severus alle Alarmglocken klingeln ließ, er musste unbedingt Hermine klar machen, dass ihr Liebesleben ausschließlich nur sie beide was anging, „Es war eher eine sehr ärgerliche Aufregung, jedenfalls für Professor Snape."
„So und was für eine Aufregung war das?", forschte Hermine und musterte ihren Verlobten besorgt.
„Am besten Du ließt das hier!", schnaubte Severus und deutete mit spitzen Fingern auf den Tagespropheten, „Und dann will ich wissen, wie das geschehen konnte!"
Hermine schnappte sich die Zeitung und hatte erst einen kurzen Blick auf das Titelfoto geworfen, als ihr ein mehr als erstauntes Keuchen entwich.
„Ach Du meine Güte!", murmelte sie und starrte Severus bestürzt an, „Wie kommen die denn an mein Foto?"
„Fotos, um genau zu sein und das ist auch meine Frage!"
„Was?", Hermine schaute verwirrt, „Du glaubst doch wohl nicht im ernst, dass der Prophet das Bild von mir hat?"
„So, und wo haben sie die Bilder dann her?"
Hermine legte ihre Stirn nachdenklich in Falten und schien im Geiste durchzugehen, was sie mit den Fotos nach ihrem Urlaub gemacht hatte.
„Du hast sie mir gegeben, damit ich sie auf eine CD brenne. Hallo Professor Snape!", erinnerte sich Henry, der mittlerweile auch einen Blick auf die Zaubererzeitung geworfen hatte.
„Genau!", nickte Hermine eifrig, „und eigentlich wolltest Du sie zum Entwickeln in den nächsten Drogeriemarkt bringen, aber ich hatte sie aus Versehen eingesteckt und mit zu den Potters genommen. Da hat Ginny sich angeboten sie am nächsten Tag auf dem Weg zur Arbeit abzugeben."
„Hast Du nicht erzählt, dass ihr die Handtasche geklaut worden ist?", fragte Jean und reichte Tochter und Mann ebenfalls eine Tasse Tee.
„Richtig!", Hermine schlug sich an die Stirn, „Die CD muss in ihrer Tasche gewesen sein!" Sie schaute Severus bedauernd an, „Und entweder war es ein Dieb aus der Zaubererwelt oder die Verbrecher beider Welten arbeiten mitunter eng zusammen."
„Ich werde sofort Mundungus Fletcher einen Besuch abstatten!", knirschte Severus entschlossen.
„Aber zuerst trinken Sie Ihren Tee, Professor", bestimmte Jean, „außerdem könnte ich mir vorstellen, dass Sie durch all die Aufregung weder zu einem Frühstück, noch zu einem Mittagessen gekommen sind! Habe ich Recht?" Sie wartete aber gar nicht auf Antwort, sondern stand bereits auf, um in die Küche zu eilen. „Glücklicherweise habe ich da zufällig einen Auflauf im Backofen, Henry und Hermine haben auch noch nichts gegessen. Legen Sie Ihre Robe ab und essen Sie mit uns, Professor, dann können Sie gestärkt auf Verbrecherjagd gehen."
„Ich habe keinen Hunger!", grollte Severus, aber als Jean die Küchentüre öffnete, wehte ein solch anregender Duft zu ihnen herüber, worauf sein leerer Magen unüberhörbar seine Aussage Lügen strafte.
„Essen ist gut!", stimmte auch Hermine zu, „Ich habe auch Hunger und außerdem muss ich noch in Ruhe die anderen Bilder ansehen und die Artikel dazu lesen", sie griff mit funkelnden Augen nach dem Propheten und verzog sich damit in den Ohrensessel ihres Vaters, wo sie alles ähnlich aufmerksam verschlang wie ihre Mutter zuvor.
Mitten in ihrer Lektüre, ließ sie die Zeitung aber plötzlich sinken und schaute ihren Verlobten mit sehr besorgtem Gesichtsausdruck an, „Was hast Du eigentlich vom Frühstück bis jetzt so gemacht, Severus?"
„Was ich gemacht habe?", schnaubte er, „nichts, gar nichts!"
„Das glaube ich Dir aber nicht!", meinte Hermine allarmiert, „Du warst nicht zufällig in der Redaktion des Propheten?"
„Nun, vielleicht war ich kurz dort", gab Severus zu.
„Und?"
„Und gar nichts, sie haben mir was von Pressegeheimnis erzählt und davon, dass es schon ewig keine Ausgabe gegeben hätte, die sich so gut verkaufen ließ und dass ich mich doch freuen sollte über das Interesse der Leserschaft."
„Wie viele Damen haben Sie nach einem Autogramm gefragt?", erkundigte sich Jean aus der Küche heraus rufend. Diese Frau hatte aber auch überall ihre Ohren.
„Das interessiert doch keinen!"
„Natürlich interessiert das jemanden, nämlich meine Mutter und mich!" widersprach Hermine, „also?"
„Weiß nicht mehr, ein paar vielleicht", legte sich Severus nicht fest und überlegte krampfhaft, wie er das Thema elegant wechseln könnte.
„So, ein paar!" grinste Hermine, „und was hast Du dann so gemacht, ist irgendwer zu Schaden gekommen?"
„Nein, nur ich!", polterte Severus und funkelte seine Verlobte an, „Wenn Du es vergessen haben solltest, aber ich bin hier das Opfer, ich bin das Gespött der Leute!"
„Gut, ich hatte schon Sorge, dass Du unüberlegte Dinge getan hättest und ich morgen im Propheten die Schlagzeile lesen müsste, ‚Professor Snape hinterlässt Schneise der Verwüstung, auf Grund einiger sehr gelungener Muggelfotos vom Badeurlaub'".
„Das kann ja noch kommen!", murmelte Severus sehr leise und brütete stumm vor sich hin, während Hermine den Rest der Berichterstattung las.
„Nun, wie findest Du es?", erkundigte sich Jean, die just in dem Augenblick mit einem herrlich duftenden Auflauf aus der Küche kam, als Hermine die Zeitung zusammenfaltete.
„Wenn ich ehrlich sein darf?", sie warf einen abschätzenden Blick auf den grummelnden Tränkemeister, „dann finde ich sie einfach umwerfend!" Ein leises Seufzen unterstrich ihre Ansicht und ihre Mutter stimmte ihr gerne zu, „Das finde ich auch, die Kamera ist toll, aber vor allem hast Du ein gutes Auge für lohnenswerte Motive!"
„Allerdings wirft das Ganze doch einige Fragen auf!", warf Henry Granger ein, als sich die ganze Familie an den Esstisch setzte.
„Genau", nickte Hermine, „Warum sind hier nur Fotos von ihm?"
„Richtig!", Henry reichte Severus einen sehr vollen Teller, „ich habe sicherlich 130 Bilder auf diese CD gebrannt und da war nicht nur der Professor drauf zu sehen."
„Ich habe das Gefühl, dass entweder der Dieb oder der Redakteur eine Schwäche für Sie oder Hermine hat, Professor", grinste Jean, „denn er schreibt nichts über Eure Beziehung, fragt noch nicht einmal, ob sie allein im Urlaub gewesen wären etc. da hätte man eine viel reißerischere Geschichte draus machen können, wenn man denn gewollt hätte."
„Ich finde diese Geschichte reißerisch genug", brummte Severus und stocherte in seinem Essen herum.
„Iss!", kommandierte Hermine streng und meinte dann nachdenklich, „Ich habe da so eine Idee, wer uns so wohl gesonnen ist, aber das muss ich erst noch recherchieren."
Gründliche Recherchen waren bekanntlich Hermines Spezialität und so bekam sie auch zügig alle wichtigen Eckpunkte in weniger als einem Tag heraus.
Eine unbekannte Person hatte einige Tage, nachdem Ginny die Tasche geklaut wurde, diese in der Redaktion des Propheten abgegeben und dafür ganze 20 Galleonen erhalten, kein schlechter Preis für eine kleine, schnelle Straftat.
Zum Glück war der diensthabende Redakteur Dennis Creevey und der erkannte sehr schnell die Brisanz der noch unentwickelten Bilder. Leider war es ihm nicht möglich, sie gänzlich verschwinden zu lassen, aber wenigstens gelang es ihm, alle Bilder mit Hermine oder wo durch Gesten oder anderes zu vermuten war, dass noch eine weitere Person mit Hogwarts Tränkemeister auf Weltreise war, zurückzuhalten.
Mit großem Bedauern, für solche Unannehmlichkeiten gesorgt zu haben, aber vielen, vielen aufgeregten Fragen über die Beziehung der beiden, gab er die Original CD Sonntagmittag an Hermine zurück. Die sich mit einer festen Umarmung und einem Engagement als Hochzeitsfotograf bei ihm bedankte.
Leider waren ihre Recherchen zwar sehr erfolgreich gewesen, aber auch die besten Recherchen konnten die Sonderausgabe des Tagespropheten am Sonntag nicht verhindern. Darin wurden zwar keine weiteren Fotos, aber dafür seitenweise Leserbriefe abgedruckt und die unterschiedlichen Einschätzungen der vornehmlich weiblichen Leserschaft waren zwar durchaus positiv, aber wahrlich kein Balsam auf Severus blankliegende Nerven.
Das Erstaunlichste war aber, dass er keine zwei Monate später von der Hexenwoche zum erotischsten Zauberer Englands gewählt wurde und diese Tatsache noch viel peinlicher war, als diese Fotos, auch wenn Hermines zufriedenes Grinsen etwas völlig anderes sagte, auch wenn Minerva ihm lachend auf die Schultern klopfte und ihm verschwörerisch anvertraute, dass sie in unzähligen Schülerinnenschränken das Foto des Tagespropheten gefunden hatte. Denn es war unglaublich unangenehm, dass Sibyll Trelawney ihn nach dieser Aktion noch sphärischer anhimmelte und in ein sehr seltsames Stöhnen und Seufzen verfiel, immer wenn sie ihn sah.
